Ein Ruhmesblatt aus der Zutdaer Geschichte des vorigen Zahrhunderts.
Dieser Tage ist der erste Band der „Geschichte der deutschen Katholikentage" von Dr. Kißling erschienen. In den ersten Kapiteln behandelt er die Vorbereitung und Entstehung der Organisation der Kacholiken Deutschlands im 19. Jahrhundert, das Erwachen des kathol. Bewußtseins in Bayern. Preußen und den Staaten der oberrheinischen Kirchenprovinz, zu der bekanntlich auch das Kurfürstentum Hessen gehörte. Die Diözese Fulda und vor allem auch die Stadt Fulda erhalten darin eine sehr gute Note. Was Kard'na! Ferrari einst in Essen aus der Katholikenversammlung den deutschen Katholiken begeistert zurief: „Germania botet", — das kothol. Deutschland ist ein Lehrer und Vorbild für die ganze katholische Welt — konnte an damals von Fulda sagen. Fulda botet Kißling weist hin auf den mannhaften Widerstand, den Bischof Pieper der „Landesherrlichen Verordnung betreffend die Ausübung des landesherrlichen Schuß- und Aufsichtsrechts über die katholische Kirche in rc- Hessen" geoenübersetzte. Diese Verordnung verkennen, so schrieb er an den Erzbischof Boll-Freiburg, dulde weder sein Gewissen noch die Pflicht gegen die ko - t h o l i s ch e K i r ch e, mit der das Bistum nach Jen Forderungen der Regierung nur noch ganzeste vereinigt seien, „gleichsam wie vom römischen Stuhl abgerissen dastehèn solle" ... „Z u s a m m e n st e h e n, zusammenhalten und in Gemeinst) oft handeln, wenn etwas erwirkt werden soll, wird wohl unumgänglich notwendig sein". In einem in den entschiedensten Worten gehaltenen Protest an die Regierung verwahrte er sich, wenn auch zunächst ohne Erfolg, gegen die Verordnuna. die die landesherrliche Aufsicht in eine förmliche Kirchenregierung, das Schutzrecht in eine Unterjochung verwandele.
Noch energischer war der Protest gegen die neue Verfassungsurkunde vom 8. Januar 1831, die die drückendsten Behinderungen der bischöfl. Jurisdiktion enthielt. 8 156 verlangte, daß alle Staatsdiener geistlichen wie weltlichen Standes, sowie alle über 18 Jahre alten männlichen Untertanen den Eid aus eine Konstitution schwören sollten, die so wider- kirchliche und unfreiheitliche Bestimmungen enthielt, wie den Rekurs an die Staatsgewalt, das Plazet für alle kirchlichen Erlaße, „welche nicht reine Glaubensund kirchliche Lehrfachen betreffen", Beaufsichtigung der Korrespondenz mit dem Papst u. a. Nicht cllein Bischof, Domkapitel und Klerus verweigerten die Ablegung des Derfassungseides, auch der Magistrat von Fulda und 3 Kammerabgeordnete, der Obergerichtsdirektor v. Warnsdorf, der Regierungsrat Thomas und der Finanzrat Keitz verweigerten ihn, — für alle „Aufgeklärten" im Lande ein unerhörtes Ereignis. Magistrat und Bürgerschaft von Fulda protestierten bei der Kammer wider jenes „gehässige Beschränkungssystem, zu dem sie in Widerspruch mit der bundesgesetzlich garantierten freien Religionsübung verdammt sein sollten". Sie verlangten Zurücknahme der Bestimmungen oder wenigstens die Versicherung, daß die Beschwerden der Kacholiken einer gründlichen Prüfung unterworfen oder nachträglich durch ein besonderes Gesetz befriedigend reguliert werden sollten. Die Regierung zeigte zunächst kein Entgegenkommen, ja die Kammer beantragte selbst mit Zwangsmitteln, die Katholiken zur Ablegung des Verfassungseides zu nötigen. Während daraufhin die drei erwähnten Deputierten den Eid — allerdings mit einem Vorbehalt bezügl. der kirchl. Rechte — leisteten, verharrte der Magi st rat von Fulda ent- schieden bei seiner Weigerung. Schließlich gaben Regierung und Kammer doch nach, es wurde den kathol. Landesbewohnern feierlich erklärt, eine Aenderung der kirchlichen Rechtslage habe durch die Verfassungsurkunde nicht herbeigeführt werden sollen und überhaupt „werde von den Verfassungsbestim- mungen niemals durch die Staatsregierung ein Gebrauch gemacht oder zugelassen werden, welcher Anlaß
zu begründeter Beschwerde über Beeinträchtigung der Rechte der kathol. Kirche geben könnte." Damir war der Streit beigelegt und es herrschte in Kurhessen seitdem ein erträglicher modus vivendi zwischen Staat und Kirche, zumal auch in der Marburger Universitätsfrage die Regierung einen rollen Rückzug antrat. Ohne die geringste Rücksprache mit dem Bischof, hatte nämlich die Regierung, die den theo- log. Unterricht als reine Staatsangelegenheit betrachtete, zusammen mit Nassau in dem protestantischen Marburg eine kathol. theolog. Fakultät errichtet und den fuldaischen Priesteramtskandidaten ihren Besuch vorgeschrieben. Angeblich sollte das im Interesse der „Duldsamkeit" geschehen; die Gründung dieser neuen Fakultät sollte „ein neuer Schritt sein zur Befestigung der Duldsamkeit, für welche die Religion weniger in Meinungen als in Gesinnungen besteht und für die es nur e i n Christentum gibt, wenngleich die Kirchen cs in verschiedenen Formen darstellen und ihm durch mehr oder minder zahlreiche, ehrwürdige Gebräuche die Herzen zu gewinnen trachten". Mit diesen vielsagenden, die damaligen Zustände charakterisierenden Worten erläuterte die kurhessische Regierung den Beruf dieser neuen Fakultät. In Fulda kümmerte man sich aber nicht um den Ukas der Regierung, ließ die Fakultät Fakultät sein und schickte die Priesteramts- kandidaten nach wie vor in das bewährte Fuldaer Priesterseminar. In diesem Kampf gegen die Marburger kathol. theolog. Fakultät und um die Erhaltung des Priesterseminars zu Fulda fand die Kirchenbehörde wiederum die nachhaltigste Unterstützung durch den M a g i st r a t der Stadt Fulda, der diese Maßnahme mit der Freiheit und den Grundsätzen der kathol. Kirche für nicht vereinbar erklärte. Infolgedessen beschloß die Regierung den beabsichtigten Zwang hinsichtlich des Studiums der kathol. Theologie nicht durchzuführen und es blieb alles beim Alten.
Diese durch einmütiges Zusammenwirken von Geistlichkeit und Laientum erzielter Erfolge fanden überall die gebührende Beachtung und erregten im ganzen katholischen Deutschland die größte Bewunderung. Es hat sich damals schon bewahrheitet, was der selige Kol- ping später einmal auf einer Katholikenversammlung (Würzburg) sagte: „Wenn Klerus und Volk Hand in Hand gehen, können der Teufel und die Welt uns nichts anhaben". Der 1821 gegründete (heute noch bestehende) Mainzer „Katholik", damals die einzige kathol. Monatsschrift, säumte nicht, „b e m Klerus und den Laien von Fulda seine tiefe Verehrung zu zollen, die sie durch ihre mutigen Kämpfe für die wahre Freiheit des Glaubens und Gewissens in so hohem Grade verdienen". Das Auftreten der Fuldaer wurde als vorbildlich gefeiert: „Möchten doch auch in den andern Ländern, wo ähnliche Bedrückungen stattfinden, die Katholiken einmal laut und mutvoll ihre Stimmen erheben." Von der Nachahmung des Fuldaer Vorbildes versprach man sich die größten Wirkungen und sagte geradezu: „Würden in unserer Zeit, wo die Verteidigung der wahren Freiheit endlich doch Anerkennung finden muß, die Rechte der Katholiken an allen Orten noch Gewißen und Pflicht behauptet werden, so müßte die systematisch organisierte Unterdrückung, die in so manchen Ländern unverkennbar gegen die kathol. Kirche heroortritt, sicherlich in ihr Nichts zerfallen."
Diese glorreiche Episode aus der Geschichte des katholischen Fulda hat gewiß auch für unsere Zeit großes Interesse. An Kämpfen hat es der katholischen Kirche nie gefehlt, — aber diese Zeiten waren mit die glorreichsten ihrer Geschichte und immer hat es sich gezeigt, daß energischer und zielbewußter Widerstand gegen Willkür und Gewalt von oben oder unten schließlich doch nicht vergeblich war. Deshalb braucht der Katholik nicht kleinmütig zu werden, wenn die Pforten der Hölle sich in irgend einer Weise gegen die Kirche erheben, — non praevalebunt — sie werden sie nicht überwältigen. Diese göttliche Verheißung bestätigt die Geschichte.
Von ganz besonderem Interesse ist das Ruhmesblatt aus der Fuldaer Geschichte für die Katholiken der Stadt und Diözese Fulda. Es möge ihnen ein Ansporn sein gerade in unsern Tagen, wo es Kämpfe ähnlicher Art auszufechten gilt, sich der Ahnen wert zu zeigen. Das Herz des kathol. Deutschland muß von warmem Herzblut katholischer Ueberzeugung durchströmt sein, das katholische Fulda sollte es als eine Ehrenpflicht betrachten, wie damals auch heute ein Bannerträger des Glaubens und des Rechtes zu fein. Was aber vorbildlich wirken soll, muß Idealem nachstreben, darf sich nicht vergraben im Mammonismus, nicht nur einzig und allein aufgehen im Geschäft, nicht nur denken an Genuß und Vergnügen. Das gilt vor allem von der Jugend, der arbeitenden sowohl wie von der der sogen, belferen Stände, dieser vielleicht am meisten. Wie wollen wir die schweren Kämpfe der nächsten Zukunft bestehen, wenn es an Männern fehlt, die sich im öffentlichen Leben betätigen, wenn vor allem der Nachwuchs versagt, weil er keine höheren Ideale kennt als Sport und Spiel!
Gerade die Jugend sollte mit der Kraft, wie sie dem Mann gebührt, mit dem DArt, wie er die Jugend auszeichnet, durch die Macht des Beispiels und durch ein offenes Glaubensbekenntnis durch furchtlose Betätigung im öffentlichen Leben alle übrigen Schichten der Bevölkerung mit sich reißen.
Möge der Rückblick auf eines der vielen ehrenvollen Blätter der katholischen Vergangenheit der Bonifatius- stadt uns nicht nur mit Stolz erfüllen auf das, was unsere Vorfahren waren oder taten, sondern auch uns zu heiligen Vorsätzen begeistern, ihnen nachzustreben. Was du ererbt hast von den Vätern — ohne dein Verdienst, — das pflege zart, das übe treu, das baue aus, das mache dir zu eigen. Beherzigen wir das Wort des Dichterfürsten Göthe (Iphigenie):
„Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt, Der froh von ihren Taten ihrer Größe Den Hörer unterhält und still sich freuend, Am Ende dieser schönen Reihe sich Geschloßen sieht . . . ." Pfr. A.
x^ Diözese Fulda. t^
Hattenhof. Von der hier abgehaltenen Volksver. einsverfammlung geht uns noch ein längerer Bericht zu. Danach eröffnete Herr Pfarrer Schick die Versammlung mit einer Ansprache, in der er auf die Be- dcutung des Volksvereins hinwies. Wir stehen, so sagte er, noch an der Schwelle des neuen Jahres Ueber dem Eingang ins neue Jflhr leuchtet mitten im Win. ter in tiefster Klarheit und himmlischer Mnlde der glorreiche, heilige Name Jesus. Diesen Heilgsten Namen verkündet uns die Kirche immer am ersten Tage eines neuen Jahres. Diesen heiligsten Namen gibt uns die Kirche am ersten Tage eines neuen Jahres als eine geistliche Neujahrsgabe zum Geschenke mit dem Wunsche, daß der neugeborene Erlöser durch die Kraft seines allerheiligsten Namcits uns ein glückseliges Neues Jahr verleihen möge. Mit diesem süßen, heb. ligen Nanren treten wir an Ipsu Namensfest hin zur Krippe und begrüßen las göttliche Kind, das aus Liebe zu uns diesen hl. Namen angenommen hat und unser Heiland und Erlöser geworden isk und bitten es, daß es unser Heiland und Erlöser sein möge und unseren Seelen sein Heil und seinen Frieden schenken wolle. Seinen heiligen, mächtigen Namen erwählen wir uns zum Schutz und Schirmt zum Panier und Leitstern für das ganze Jahr, ja für das ganze Leben. Zur Ehre des heiligsten Namens Jesu finb wir auch heute hier btt sammelt Zu seiner Ehre, unter seinem Schutz und Segen soll die heutige Versammlung tagen! Alles, Waste bietet, die Vorträge, die wir hören die Belehrung gen und Anregungen, die wir hier empfangen, alles das soll zur Ehre und Verherrlichung des heiligsten Namens Jesu dienen. Wir wissen es alle. wie in der heutigen traurigen Zeit, in die wir gekommen sind, die Ehre des Namens Jesu, und damit das kostbarste Gut, das wir besitzen, unser heilige katholische Glaube gar sehr gefährdet ist. Mit infernalischer Bosheit u zielbewußter Konsequenz suchen die Feinde des Namens J<esu. die Feinde Gottes, unseren heiligen Glauben, das Liebste und Teuerste was wir auf Erden haben, uns und um. seren Kindern und Nachkommen zu rauben. Genen