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Die amlleferungssrage

gibt den Zeitungen Stoff zu allerlei Sensationen und Kombinationen. Diebesondere Seite", die jedes grö­bere Blatt sich beigelegt hat, läßt die führenden Staats- männer der Entente bald umfallen, bald aufrecht und eutjchlossen da rein, halb sich wieder hinter Den Äu lissen in den Haaren liegen Allzuviel Hoffnung auf ein Entgegenkommen der Alliierten, besonders Frank­reichs, haben wir nicht; es wäre ja zum erstenmal, daß sie sich eines Bessern belehren ließen. Sehr ener­gisch hat sich übrigens auch derOsservalore Romano, das päpstliche Organ, gegen die Auslieferungen aus­gesprochen. Nachdem er sich über den Krieg über­haupt und besonders den letzten verbreitet, schreibt er: Inmitten dieser hphen Fiebertemperatur, die die kranke Menschheit ergriffen hat, gibt es Leute, die ihre eigenen Schmerzen ablenken wollen auf die angeblich Verant­wortlichen für den Krieg; ein Gebühren, das niemals den praktischen Erfolg haben kann, die gegenwärtigen Bedingungen zu verbessern, und das jedes Grundes wahrer Gerechtigkeit en'behrl, denn es fehlt ein wirk­lich unparteiisches Gericht, und die Angelegenheit er­scheint als eine unfruchtbare und unnötige Rache." Wer kann der Richter fein, der ernsthaft und unpar­teiisch richtet? Wer von den Kriegführenden kann in feinem guten Gewisien behaupten, daß seine Heere keine Verbrechen begangen haben? Welches Heer hat im Kriege keine Ausschreitungen begangen, die der größten Mißbilligung würdig gewesen sind, angefangen mit Napoleon I.?" Bekanntlich hat das päpstliche Blatt sich auch ebenso entschieden gegen die Ausliefe­rung des Kaisers ausgesprochen, die es als eine Un­geheuerlichkeit bezeichnete. Leider gibt es bei uns aber Leute, die statt dein Papst für sein Eintreten zu unsern Gunsten zu danken, nichts besseres zu tun wissen, als den Haß gegen ihn zu schüren, indem sie behaupten, der Papst sei ein geschworener Feind des protestanti- schen Hohenzollern unb des protestantischen Preußen, und habe auf deren Verderben hingearbeitet. Auch die Bemühungen des Papstes um einen Vergleichs- frieden wurden f. Zt. von diesen Fanatikern angefein­det. Jetzt würde jeder vernünftige Deutsche sich und sein Vaterland glücklich preisen, wenn uns statt des ver­nichtendenFriedens" von Versailles ein Abschluß nach den päpstlichen Vorschlägen von 1917 beschert worden wäre. Die Politik verdirbt aber den Charakter, nicht allein bei den englischen und ftanzösischen Macht­habern, sondern auch in gewissen Parteien Deutschlands. ^Inzwischen ist die

Antwort der Entente

eingegangen, in der sie sich mit dem Vorschlag ein- verstanden erklärt, wonach dieSchüiorgen" bär das Reichsgericht in Leipzig, also vor einem deut- schen Gericht, sich verantworten sollen.Um der Wahrheit u. der Gerechtigkeit (!) zum Durchbruch zu der- Helfen, haben dieAlliierten beschlossen,eineinterallierte gemischte Kommission zu beauftragen, .eingehend und im einzelnen die Straftaten eines jeden, dessen Schuld durch die Untersuchung der Alliierten festge- stellt wurde, zu sammeln, zu veröffentlichen und der deutschen Regierung mitzuteilen".

Die Mächte behalten sich auch das Recht öor,$u prüfe n,obdas vonDeutschlandvorgeschlagene Verfahren, das nach Deutschlands Versicherungen den Angeklagten alle Rechtsgarantien sichern soll, nicht schließlich darauf hinausläuft, die Schuldigen der gericht­lichen Bestrafung für ihre Vergehen zu entziehen. Die Alliierten werden in einem solchen Falle voll und ganz ihr Recht ausüben und die Schuldigen vor ihre eigenen Gerichte stellen".

Unterlegen

sind wir bei der ersten Abstimmung in Rordfchleswig. Ungefähr 75 000 Stimmen wurden für Dänemark ab- gegeben, 25 000 für Deutschland. Das damit für uns verlorene Gebiet umfaßt 394 Gemeinden mit ca. 160000 Einwohnern, 57 Prozent des Bodens ist Ackerland, 12 Prozent Wiesenland und 3% Prozent Wald. Das Er­gebnis war zu erwarten, da nach der letzten Volkszäh­lung dort 123 337 Personen mH dänischer und 40 139 mit deutscher Muttersprache wohnten. Das Land hat überwiegend für Dänemark gestimmt, die Städte mehr für Deutschland. Die Deutschen haben ihre Schuldigkeit getan, trotzdem von dänischer Seite alles versucht wurde auch deutiche Einwohner dnrchInaussichtstellen von ma- teriellen Vorteilen zum Fernbleiben von der Abstim­

mung ober zum direkten (Eintreten für Dänemark zu ge­winnen. Hoffentlich gelingt cs, die zweite Zone (lübhd) von der ersten jetzt verlorenen), die nur 7 Prozent- nisch sprechende Bewohner zählt, für Deutschland zu retten.

Die Neuwahlen

zum Reichstes werden wohl Ende Juni oder Anfang Juli stattfinden. Außer kleinen Vorlagen soll die Na- tionalversammlung nur noch die Steuergesetze, das Wahlgesetz und den Etat für 1920 erledigen, womit man bis Ende Mai fertig zu werden hofft. Die Wah- len zum Preußischen Landtag dagegen fallen erst im Herbst statlfinden, da die Preußische Landesversamm­lung außer dem Etat vor allem auch noch die neue Ver­fassung für Preußen zu beraten hat. U. E. wäre es piakllicher, die Magien möglichst zwammenzul'egen, es üngebann in einem Aufwa eben hin,io aber kommt man aus dem Wahltrubel nicht heraus und das Volk kommt nicht zur Ruhe und zur Arbeit, was doch am allernötig­sten ist.

Ueberhebung und Knmchung

hat man uns Deutschen von jeher im Ausland vorze- worfen. Mr können das nicht begreifen, aber die Tatsache läßt sich nicht leugnen, daß den Deutschen Niemand auf der Welt recht mochte; wenn auch nicht alle ü)it gerade gehaßt haben, eine gewisse Abneigung hatte jeder gegen ihn. Wir haben uns nicht viel dar­aus gemacht und gedacht, mögen sie uns hassen, wenn sie nur Furcht haben. Das ist aber im Krieg unser Verderben geworden. UeberaU flammte der höllische Hoß gegen Deutschland auf und nur da tauchte ein Freund auf, wo irgend ein Vorteil sich geltend machte. Alles hatte sich Jahre und Jahrzehnte vor uns ge­fürchtet, da war es menschlich begreiflich, daß nun, da es voraussichtlich zum Ende mit uns ging, alles auf uns einzuhauen begann. Am begreiflichsten ist dies auf Vernichtung gehende Bestreben bei demjenigen, der am meisten vor der Uebermacht zu fürchten ge­habt hat. Das ist natürlich nur nach feiner Ansicht

Frankreich.

Aus dieser Stimmung erklärt sich sein jetziges Verholten und Verfahren gegen uns, das vom sitt­lichen Standpunkt aus wirklich unmenschlich, vom nationalen, politischen Standpunkt aber nur allzu menschlich ist. Wie für Deutschland Frankreich, so ist für Frankreich Deutschland

der Erbfeind.

5?t£T noch aber in Frankreich als wie in Deutsch­land ist das in 5^ u- Wut sibergegangen. Bei uns hat man das nicht schon den Kleinen ^lerpt, nicht in den Schulbüchern als roten Faden durchgezogen, nicht im bürgerlichen Leben, im politischen und staat­lichen Leben als Angelpunkt aller Unternehmungen betrachtet. In Frankreich dagegen hat es das Kind sozusagen schon mit der Muttermilch eingesogen, ist in der Schule damit vollgepfropft und in der Sport­organisation damit gedrillt worden. DieRevanche" beherrschte alles und gerade Clemenceau ist der Auf- peitscher und (Einpeitscher dieser Idee gewesen, er war gewissermaßen die Verkörperung dieser Idee, er sah alles unter diesem Winkel, ordnete alles diesem einen Ziele unter und verfolgte jeden Faden auf diesem Wege zielbewußt mit einer Rücksichtslosigkeit, die keine Grenze konnte. Nun ist das Ziel erreicht, der Gegner ist zu Boden geworfen, aber er ist noch nicht ganz ver­nichtet, fürchtet Frankreich, das erkennt man aus allem, was feine leitenden Männer reden und tuen. Die Furcht, die ein ganzes Menschenalter Frankreich in Vann gehalten hatte, die Furcht, die Deutsch­land ein ganzes Menschenalter um sich verbreitet hatte, wird jetzt des Deutschen Verderben. Frankreich will sich dieses Schreckgespenstes ein für allemal ent- ledigen, die übrige Welt aber hilft mit, dendeut­schen Friedensstörer" gründlich unschädlich zu machen. Es geht wie bei einer Rauferei, bei der der stärkste und gefährlichste Raufer zufällig zu Boden fällt da wird alles über ihn herfallen mit dem Schlachtruf: Jetzt verhaut ihn aber einmal derart, daß wir zeit­lebens vor ihm Ruhe haben!" Das ist freilich roh und gemein, aber im gegebenen Augenblick erscheint es der ganzen Gesellschaft höchst natürlich rmd zweck­entsprechend. Wir sind nun einmal dieFriedens­

störer", b«Urheber des Krieges", dieHunnen" usw. Dafür hat die feindliche Presse und unsere eigene Ungeschicklichkeit während des Krieges hinrei­chend gesorgt. Und darum hat sich bet unsern Feinden all das vom Ärieg ausgelöste Leid und Unheil zum Fluche auf Deutschland verdichtet. Deutschland muß vernichtet werden. Dieser aus Furcht geborene alles Maß übersteigende Vernichtungswille Frankreichs hat sich neuerdings wieder in der

Auslieferungsfrage

gezeigt, die hauptsächlich von Frankreich betrieben wird. Beweis dafür ist auch die Note Frankreichs wegen der Kohlenlieferung an Frankreich; zur Strafe dafür, daß wir nicht das vorgeschriebene Quantum geliefert haben, soll die Besetzung der Rheinlande ver­längert werden; auf diese Weise sucht Frankreich sich am Rhein allmählich ganz festzusetzen; an Gründen zu derartigenStrasmaßnahmen" wird es chm bei dem Charakter des Versailler Friedensvertrags auch in Zu­kunft nicht fehlen. Wir sind dagegen wehrlos, wir sind Sklaven, die dem Befehl des Tyrannen geohrchen müs­sen. Trauriges Los!

Deutscher Landbund u. Bund der Landwirte.

Wie dieDeutsche Tageszeitung" vom 3, Februar meldet,, hält der Bund der Landwirte am 17. Februar in Berlin eine Tagung ab. Als Rekner sind Führer des Bundes der Landwirte auch Grrtsbesiher Höfer- Meiningen, .2 Vorsitzender des Deutschen LandbundeS, verzeichnet. Also tagen b.iite Organisationen zusam. men? Wo bleibt da die Politische Neutralität des Deutschen Landbundes von der mancher Deutschnatio­nale sprach wenn er für den Deutschen Landbund wer­ben wollte? Daß der Bund der Landwirte nur für die Deutschnationalen arbeitet, weiß jedermann Land, wirte und Zentrumsanhänger! Laßt Euch nicht für den Teutschen Landbund einfangen, der mit dem Bund der Landwirte gemeinsame Sache macht! Schließt Euch zusammen in den christlichen Bauernvereinen, die wie die Raiffeisenvereine wirklich neutral sind.

von den christlichen Bauernvereinen

An Köln ist in diesenTagen dieoffizielle Ein igung bet Freien Bauernschaft mit dem Rheinischen Bauern­verein erfolgt. Die Freie Bauernschaft, die seit einem Jahr als selbständige Organisation neben dem Rheinischen Bauernverein bestand, erklärte, in den Rheinischen Bauernverein einzutreten und ihre Or­ganisation in der Gesamiorganisalion des Rheinischen Bauernvereins ausgehen lassen zu wollen. Die Gruppen der Freien Bane>nschaft werden dem Rheinischen Bauernverein zugeführt unb mit diesem verschmolzen, wofür die Freie Bauernichaft eine ent prechende Vertretung im Haup Vorstand des Rheinischen Bauernvereins erhält. Mit dieser Ver­einigung ist ein Ziel erreicht, welches die Freunde der Eintgünü des Bauernstandes seit länge­rer Zeit ei strebt und betrieben haben. Dec Rhei­nische Bauernverein dürfte nunmehr in Zukunft als die gioße wirtschaftspolitische Einheitsorganisation des rheinischen Bauernstandes gelten, zumal zu er­warten ist, daß auch noch einige kleinere Organi­sationen, die bisher für sich allein standen, in Kürze den Anschluß an das große Ganze des Rheinischen Bauernverein» vollziehen werden. Der Rheinische Bauernverein gehört dem Verbände der christlichen Bauernvereine an. Seine Stärkung durch den Zutritt der Freien Bauernschaft, die sich zum Deut­schen Bauernbund, einer deutschnationalen Gründung, hielt, ist hochbedeutsam für die Einigung des christlichen Bauernstandes.

Heftiger Zchuikampf in wachsen.

Diè katholischen Eltern Sachsens erlassen einen Notschrei um ihre Schulen. Sie sagen darin u. a.: Die 56 katholischen Volksschulen Sachsens mit ihren 24 000 Schülern und 870 Lehrern gegenüber 2270 evangelisch-lutherischen Volksschulen mit 770 000 Schü­lern unb 14 390 Lehrern (im Jahre 1913) käm- pfen fe.it den Dezembertagen 1918 und besonders seit dem Erlaß des sächsischen Uebergangsschulgesetzcs vom 22. Juli 1919 einen schweren Kampf um ihren Weiter­bestand." Die sächsische Regierung fordert nämlich von den Katholiken,ungesäumt in, Verhandlungen zu treten auf Verschmelzung der katholischen mit den evan- gelisch-luthetrischen Wehrheitsschulgemeinden zur allge­meinen Volksschule. Dessen weigern sich die Kaiho- fiten Sachsens es sind ihrer über eine Vrertelmil. lion einmütig. Denn unsere 56 katholischen Volks-