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Die KusMrurr sn des ßl'ltösnsssrLeagZs hat begonnen mit her Räumung der abzntretenden Ge. biete. Die Polen ergreifen Besitz von Posen und einem Keil von Westprentzen, in Thorn sind sie schon einged­rückt und haben in ihrem Ueber mui den Denkmälern der preußischen Könige mit Gewehrschüssen die Gesich­ter unkenrrtlich gemacht — eine große Kinderei. In Danzig, das bekanntlich Freistaat wird, sind En^rte» truppen eingerückt , ebenso in Nordschleswig und Ao Lo­sch testen wo demnächst die Abstimmungen stattfinden. Däpreuhcn ist jetzt ganz von Preußen abgeschnitten, was für den Vcrlehc allerlei Unannehmlichkeiien mit sich bringt, Dlxh das ist nur d, r. Anfang, bedenklicher wird die Sache, wenn cs an die Auslieferung der Schä­digen und ans Bezahlen geht. Hcbrigens machen sich die Folgen des unvernünftigen. Friedens nicht nur bei Ars, den Besiegten, sondern auch für die Sieger jetzt schon bemerkbar. Selbst in Frankreich erhoben sich des­halb schon stimmen, welche einer Abmilderung der Friedensvertragsbedingungen das Wort reden. Wenn Deutschland zahlungsunfähig gemacht wird, dann wird das den schiversten Schlag bedeuten für seinen größten Gläubiger; und das ist Frankreich. Und Penn ein Volk, wie die Deutschen, zur Verzweiflung getrieben würde, dann halten den Siurm auch nicht die Brücken­köpfe Straßburg, Mainz. Koblenz und Köln auf.. Zu. nächst quälte sich die Entente ab, von Holland die Aus- Lieferung des Sassers zu erlangen. Aber hie Hollän­dische Regierung hat entschieden abgelehnt und wird such den melieren Versuchen gegenüber nicht nachgrben. Neuerdings heißt es allerdings, sie wolle die Auslieferung Lunt- Abbruch der biptomatHdjen Beziehungen und die Derhängulm der Blockade über Holland erzwingen. Daß di' Entente auch von der Auslieferung der, üb­rigen Beschuldigten (cs sollen einige Hundert fein) worum Deutschland in einer Note neuerdings gebeten und wofür es einen eigenen Gerichtshof in Leipzig er­richtet hat, absieht, ist nach den. ausländ. Zeitungsstimmm kaum anzunehmen und doch wäre das sehr zu wünschen, denn auf jeden Fall würde die Auslieferung manche Schwierigkeiten im Innern Hervorrufen, vielleicht Fol- gen haben, welche der Entente sehr unliebsam werden könnten. Nicht als ob Deutsästand mit einem Heer minieren würde. Tas ist auf Jahrzehnte hinaus aus. geschlofserr. Aber solange Teutschöcrnd durch innere Unruhen und Zuckungen geschtvächt unb ein unsicherer Verkehrs- unb Zahlungsuachbar ist, wird auch Frank­reich leiden, gleich wie schon jetzt seine Valuta rascher gn sinken beginnt seitdem die deutschen Valuta fast sprunghaft niedergegangen ist bis auf 7 Centimes für die Mark in der neutralen Schweiz. Und auch Eng­land wird davon beeinflußt; bennebie Unruhen en der indischen Grenze allein und in Syrien und Aegyp­ten würden nicht einen so starken Wertrückgang des englischen „Pfuud Gold" zu Gunsten des aincrika- nischen Dollars veranlaßt haben, Es wird ihnen, nach einer Aeußerung Lloyd Georges zu schließen, doch ein wenig Angst vor ihrem Friede ns Vertrag und viel, leicht kehrt doch die gesunde Vernunft zurück mit dem längeren Wstand, der uns von dem Kriegsende trennt.

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Zu der preußischen LanöeMersammlrmg kam es zu heftigen Auftritten zwischen der Negierung und den Unabhängigen. Die Unabhängigen nmchten einen solchen Spektakel, daß die Sitzung unterbrochen werden mußte. Vor allen, protestierten sie gegen die Verhängung des Belagerungszustandes und gegen das Verbot ihrer Zeitungen. Sie sagen, das verstoße gegen die Freiheit. Dagegen ist zu sagen, daß es eine abso­lute Freiheit nicht gibt und nicht geben kann, auch nicht unter der Herrschaft der Demokratie. Für jeden An­hänger des Nckurrechtes versteht sich das von selbst. Die Freiheit-aber, die die Unabhängigen und ihre radi­kalen Gesinnungsgenossen für sich in Anspruch nehmen wollen, widerstreitet in erheblichem Maße den berech­tigten Forderungen, die die Mehrheit des Volkes auf eine ruhige Entwicklung des politischen und wirtschaft­lichen Lebens erheben kann, ja, im gegenwärtigen Augenblick aus dem Selbsterhaltungstrieb heraus ent­schlossener denn je erheben muß. Diese Zettungen aber wollen unter dem Deckmantel der Freiheit die öffentliche Ordung unlerwühlen und denjenigen den Weg berei­ten, die die Negierung von heute stürzen und ihre eigene Herrschaft an ihre Stelle aufrichten möchten, unbeküm­mert darum, ob ufifer Volk dabei sugrunbe geht. Die heutige Regierung beruht ohne Zweifel aus dem brei­testen Wehrheitsrrillen des deutschen Volkes; sie hat eine Zweidrittel-Mehrheit des Parlaments hinter sich und infolgedessen nicht nur das Recht, sondern die hei­ligste Pflicht, gerade im Namen der Demokratie, sich in ihrer Macht zu erhalten und jeden Versuch auf bas nachdrücklichste zurückzuweisen, der cm ihrer Stelle die Herrschaft einer Volksmmderheit setzen will. Ohne die

Entfaltung gewisser Machtmittel geht das nicht, wenn die Unabhängigen an dir Regierung kämen, würden sie noch viel rücksichtsloser von der Gewalt Gebrauch machen. (Die Räteregierung in Bayer» und Ungar haben das bewiesen.) Minister Heine hat das alles den Uabhängigen getagt, in einer Weife, wie bas auch ein bürgerlicher Minister nicht kräftiger hätte tun könnest. Den größten Aufruhr erregten seine Mitteilungen über die engen Beziehungen der Unabhängigen zu der Entente und iljis Bestrebungen, dir Rheinlands von Derttschlcmd- los zu lösen unb auf die fortwährenden Reisen unabhf Journalisten ins Ausland, um ihre Schmähartikel, dir Deutsch laub nor aller Welt ins Unrecht fetzen sollen, in der feindli den Hetzepresse unferaubringen. Schonungs­los deckte ter Minister dieses vaterlandsverröteris -: Treiben der Unabhängigen auf, sodaß bis Betroffenen zu Lünnszenen ihre Zuflucht nahmen, wie es zu gehen pflegt, wenn gewisse Leute sich nicht mehr an­ders zu helfen wissen.

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KZgemsm

kommt in bei Oesfentlichkeit die Ueberzeugung zum Ausdruck, daß an dem Attentat auf Erzberger die Hetze schuld ist, die besonders in einem Teil der deutschnatio- nakn Presse gegen dst 'Reichsfinanzmünster geirieLn worden ist; wir würden unsern Lesern gern einige dieser Obstblüten vor Augen führen, leider fehlt uns dazu der Naum Gewiß hatten die politischen Gegner und jeder, der anderer Ausfasiu-rg ist, das Recht, den ehemaligen Abgeordneten und nunmehrigen Reichs- Jinanynimfter Erzberger zu bekämpfen. Nicht nur seins Politik; wich seine Persönlichkeit, soweit diese von der Politik nicht zu trennen ist. Aber die ganze Art des deutschnationalen Kampfes zeigte soviel Gehäffitzisil, soviel heimliche Verleumdung und ££"«, Verbreilua unkonfrslücrbarer Gerüchte schwerster Arf. und £h:?- schnüsfelei des Privatlebens, daß nicht einmal die frü­here Ägitaèion der Sozialisten auf so tiefer Stufe stand, wie die Kampfweise dieser Leut» von Bildung und Be­sitz, dieser „Edelsten der Nation".

Das vesinderl SrZdergers

hat sich erfreulicherweise gebessert, sodaß die Hoffnung b steht, daß er halb wieder seine Tätigkeit aw^ nehmen kann. Die erste Kugel, die auf den Seib gerichtet war, ist an einem harten Gegenstand abgc- prallt und im Westenfutter stecken geblieben, die zweite bat nur den Schädel gestreift, da sich der Angegriffene unwillkürlich nach dorwärrs neigte, bi' dritte hak den Arm durchschlagen und ist |m Schul­terblatt stecken geblieben. Einige Tage war der Zu­stand wegen der ein etretenen Herzschwäche und der Gefahr der Jnfekriou der Wunde nicht unbedenklich. Glücklicherweise kaun die Gefahr jetzt als beseitigt gelten. Erfreulich war die allgemeine Teil­nahme, die dem Minister von allen Seiten bekun­det wurde.

Das Gehet des UiKder.

Ueber den Vorgang bei dem Attentat gegen Mini, st er Erzberger wird von Geheimrat Dr. Hemmer, der mit Erzberger im Automobil saß, folgende Darstellung gegeben: Der Attentäter schritt auf das Automobil zu wid rief durch das Fenster dem Minister zu: „Sind Sie der Minister Erzberger?" Erzberger bejahte dies. Im selben Augenblick fielen die drei Schüsse. Ms Erzberger erkannte daß einer der drei Schüsse durch die Uhrkette oder bat Knopf an der Weste oder eineu sonstigen harten Gegenstand abgeprallt war, gab er ein schönes Zeugnis seines trefreligiösen Gefühls, inbem er bieder schwäbisch erklärte: „Schau, scharr, e8 ist doch gut. daß mei Tochterle heut morgen noch so schön ge­betet hat. cs soll mir nichts passieren."

Der Erzberger-heWerich-yrozesz, der jetzt durch dar Attentat auf Erzberger eine zeit­weilige Unterbrechung erfahren hat, nimmt natürlich das allgemeine Interesse in weitgehendstem Maße in Anspruch, zumal man es auf Seiten des Herrn Helffe­rich und seiner deutschnationalen Hintermänner trefflich verstanden hat, die Oesfentlichkeit über den eigentlichen Kernpunkt der Lache zu täuschen. Herr Helfferich möchte gern als der Nationalheld in der Geschichte fortleben, dem es gelungen ist, den schwarzen Drachen Erzberger zu erlegen und die gefesselte Jungfrau Germania von ihm zu befreien. Darum feine Broschiere „Fort mit

Erzberger" mit ihrer Flut von Schnrähungen und Sh^ würfen, darum jetzt im Gerichtssaal die vor einem meist aus Deutschnattonalen bestehenden Publikum gehalte­nen Stebet * zum Fenster hinaus, urn seinen politischer» Gegner tot zu machen. Es ist ein schwerer Kämpf, de« Erzberger zu führen hat. Weim so das Leben jeden Mannes, der sich irgendwie in Gemeinde, Stack und Kirche politisch betätigt hat, nach jedem Schritt und jedem Wort durchforscht und vor die Oefsentlichtett ge­zerrt würde, uns jeder gegenüber Klatsch und Tratsch erst den Beweis des. C.genlrUs liefern müßte; — „Herr wer würde bestehen!", könnte man ta auch I sagen. Bis jetzt aber hat ter wirtliche Angeklagte H^ffench, semen Zweck Nicht erreicht, r am auch die ! parieüsche Bcrichtechâttung die S che vIlsach so dar- I Mellen versteht, daß ter gegenteilige Eindruck erweckt ; werden könnte; sie weiß es sogar auszuschlüchten, wem» I Erzberger auf irgend eine Frage überhaupt nicht ant­wortet durch die Einfiigung i er Worts: „c^berger schweigt". Wenn Helfferich ober wirklich Z folg haben will, dann muß er wenigstens in einem einziger- Falle durchschlcosude Berverse dafür erbringen, daß Erzb-:r- ger seine politische Tätigkeit mit persönlichen Geschäften in Unsauberer Weise cerquiift hat. Bis jetzt Hal .Helffe­rich das nicht erreicht, auch nicht in hem Fall Thyssen und in der Frage der Ausfuhrzölle, die eine aurschlag- gebende Rolle in dem Hcifser'cchsHen „Material" bi1.« den. Im Fall Thyssen haben der junge Thyssen, eben­so wie der Generaldireklor der Thysjenwerke Aussagen gemacht, die 5)elfferiHs Behauptungen völlig in sich zusammen fallen lassen. Erzbergers Eingaben in dieser Angelegenheit sind von diesen deugen restlos bestärkst wordem Auch in der Frage der Einfuhrzölle ist fest- Bestellt worden, daß Erzberger durchaus nicht die Mo­tive hatte, welche ihm von Helfferich unterstellt wur- dem Selbst der Unterftaatssekretär Müller nmßts zugeben, daß er keinen Aniaß und keinen Grund hat-e, irgendwie an Erzbergers guten Motiven für seine Stel­lungnahme zu zweifeln. Aehnlich war das Ergebnis in andern „Fällen", es wurden Erzberger geschäftliche Beziehungen zu Leuten nachgsfagt, die er gar nicht kannte; Herr Lensing, den. Helfferich als Zeugen ge­laden hatte, wußte überhaupt nichts ausjufagen. Je­denfalls hat sich ergeben, daß Erzberger in leincnn der bisher besprochene» Fälle einen persönlichen Vorteil hatte. * z

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Die Verg-eute

haben jetzt eine schwere Verantwortung, von ihrer Ar­bett hängt die Zukunft Deutschlands ab; deshalb ist eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit auf 6 Stunden, wie sie im Nuhrrevier ein Test der Bergleute unter Führung unverantwortlicher Hetzer verlangt, zur Zeit ganz unmöglich. Deshalb hat der Neichskommisfar Severing — ein Sozialdernokrat — im Nuhrrevier die schärfsten Maßregeln angekündigt gegen diejenigen, die die 6-Strurdenschicht erzwingen wollen und ein anderer bekannter Lozialdemokral, der Vergarbeiterführer Otto Hue, beschwört in einer Broschüre „Volk in Not" seine Kameraden, von dieser Forderung abzustehen; nicht eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit sei jetzt möglich, sondern nur die Bereitschaft zu Ueberstunden könne Deutschland vor völligem Zusammenbruch bewahren. Schon mit unserer heutigen Förderung feien wir rächt imstande, zahlreiche lebenswichtige Kraft- und Licht- werke, Verkehrsanstalten, Fabriken mit der blutnöti­gen Kohle zu versorgen, von den Zwangslieferungen an die bisherigen Gegner nach den Friedensbehingungen ganz zu schweigen! Fortwährend würden Werke still- gelegt, in geradezu eischrcckerrder Weise steigt ihre Zahl; breche auch noch der Eisenbahnbetrieb aus Kohlenmangel zusammen, wie können und sollen da die geförderten Kohlen abtransportiert unb die Lebensrnittel für die Bergleute herangcschafft werden! Zu den arbeitslosen Arbeitsbrüdern würden noch Hunderttausende hinzukom­men. Es ist kein „Kapitalistensöldling", der so schreibt, es handelt sich wirklich nicht um Retttrng des Kapita- lismus, so ruft Hue den Bergleuten §u, sondern es handelt sich tatsächlich um Leben oder Tod des Volkes, dem wir angehören Erfreulicherweise hat bei .der gro­ßen Mehrzahl der Bergleute die bessere Einsicht gesiegt, sie haben ihre Forderung, unter der Erde nur 6 Stun­den täglich arbeiten zu wollen, zurückgestellt, zumal je Deutschland jetzt schon die kürzeste Bergarbeiterschicht ir ganz Europa besitzt. Außer den Bergarbeitern sind es vor allem

die Eisenbahner, auf deren Pflichtbewußtsein und Arbeitseifer wir bei