Kassels
Kafid, den 8. Zebruar (920
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Religiöses Wochenblatt katholischen Gemeinden
Das GlöÄlein des Glücks
Das Gluth ist ein Siöcklein mit dünnem Strang.
Dran riehen die Menschen ihr Leben lang, Doch will es nicht immer erklingen.
Da la en die Zeigen den Strang im Stich, Die Tollkühnen zerren so fürchterlich, Ms Könnten den Kang sie erzwingen.
Du, sei mir kein feiger und müßiger wicht,
Das Glödtlein erkl-r.get von selber dir nicht.
Drum rege nur emsig die Hände!
Den Tollkühnen aber gesell dich nicht bei, Son > zerrst du und zerrest den Strang dir entzwei. Dann ist's mit dem Läuten zu €nbe.
V
li
Kleinfasfen
Ludwig Nüdling.
wochenkalender.
Sonntag, 8. Febr. Sonntag Sexagefima. Johann v. Matha, Bekenner.
Montag, 9 Febr. Cyrillus, B. u. Kchl., Apollonia, Jgf. u. Mailyretin.
Dienstag, 10 Febr. Scholastika, Jungfrau.
M l t t w o ch, II Febr. Erscheinung d.sei. Jafr. m Lourdes. Donnerstag, 12.Febr. Dieht.7Stlft.d.Servitenordens, Bekenner.
Freitag, 13. gebt Gregor II, Papst.
Samstag, 14. Febr. Valentinus, Bischof u. Mart.
Sonntag Sexagefima.
iEv. Luk. 8, 4—16.)
Zu jener Zeit, als sehr viel Volk zusammenge° 'ommen, und aus den Städten zu Jesu herbeigeeilt war, sprach er gleichnisweise: Ein Saemann ging aus, seinen Samen zu säen, und da er säete, fiel einiges an den Weg, und wurde zertreten, und die Vögel des Himmels fraßen es. Ein anderes fiel auf steinigten Grund, und da cs aufging, verdorrte es, weil cs keine Feuchtl ikeit hatte. Ein anderes fiel unter die Dörner "Nd die Dörner, die mit aufwuchsen, erstickten es. Ein anderes fiel auf gute Erde und ging auf, und gab hundertfältige rucht. Als er dies gesa t hatte, rief er : Wer Ohren hat zu hören, der börel Es fragten ihn aber seine Jünger, was dieses Gleichnis bedeute. Und er sprach zu ihnen: Euch ist ge eben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen; den Uebrigen aber werden Gleichnisse gegeben, damit sie sehen und doch nicht sehen, hören und litcht verstehen. Das Gleichnis aber bedeutet dieses: Der Same ist das Wort Gottes. Die am Wege, das sind die, welche es hören: dann kommt der Teufel, und nimmt das Wort aus ihrem merzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Die auf dem tteimaten Grunde. das sind die, weich'. das
Wort Gottes mit Freuden aufnehmen, wenn sie eS hören; aber sie haben keine Wurzeln: sie glauben eine Zeit lang und zur Zeit der Versuchung fallen sie ab. Das, was unter die Dörner fiel, daS sind die, welche aehört haben, aber dann Hinzehen, und in den Sorgen, Reichtümern und Wollüsten des Lebens ersticken, und seine Frucht bringen. WaS aber auf gute Erde fiel, daS sind die, welche das Wort GotteS hören und in dem guten und sehr guten Herzen behalten und Frucht bringen in der Geduld.
VohlgeMige Opfer.
en Dank gegen Gott, bet ihn „aus dem Sumpfe gezogen, der ihn auf den Felsen der Freiheit und Macht gestellt", will der Psalmist in einem Opfer bringen. Nicht in Rindern uns Böcken soll es ober diesmal bestehen, sondern in Unterwerfung des freien Willens, in Gehorsam gegen Gortes Gebote, in würdigen Taten der Liebe. Nur an solchen Opfern hat Gott sein Wohlgefallen. Dies ist der Leitgedanke des 39. Psalmes, von dem ich heute den ersten Teil bringe, ^psalm 39: Unterwerfung unter Gotter willen ist dar beste Opfer.
1. Vertrauensvoll zum Herrn ich flehte,. Und er hat mir Gehör gegeben.
2. Er hat mich aus dem Sumpf gezogen, Hat mich gestellt auf hohen Felsen.
3. Zum Danke will ein Lied ich singen, Das allen Gottes Macht verkündet.
4. Glückselig die auf ihn vertrauen, Nicht bei der Welt sich Rat erholen,
B. O schauet Gottes Wunderwerke, Die nie ein Menschengeist ergründet.
6. Erzählen will ich sie mit Freuden — Doch wer kann ihre Zahl ermessen?
7. Du willst nicht Schlacht- nicht Sperseopfer; Ve schmähest Brand- und Sühncopf-r.
8 als Gprer schlacht ich meinen willen Auf dem Altare meint3 Herzens.
9. Mein Ohr ich öffne deinen Worten, Ich weihe dir mein ganzes Leben.
Solche gottgefällige Opfer zu bringen mahnt uns auch der Apostelfürst mit folgenden Worten: Geliebteste, ich beschwöre euch als Fremdlinge und Pilger, daß ihr euch enthaltet der fleischlichen Gelüste, die streiten wider den Geist". (1 Pe. 2, 11). Den nämlichen Gedanken spricht der hl. Paulus aus im Brief am die Römer: ,Lch bitte euch, Brüder, bei den Erbarmungen Gottes, daß ihr eure Leiber barfteHet als ein lebendiges, heiliges, gottgefälliges Opfer. welches euer vernünftiger, geistiger Gottesdienst sei." (Röm. 12, 1.)
Fügen wir die lichtvolle Erklärung des hl. Johannes Chrysostomos bei: von einem lebendigen Opfer spricht der Aölkerapostel, damit niemand an"das Hinschlachten d"s Körpers denkt; ferner nennt er das Opfer ein gottgefälliges: denn das irdische Opfer war Gott nicht besonders angenehm; „werde ich vielleicht das Fleisch von Stieren essen und das Blut von Böcken
trinken", spricht der Herr: nein, antwortet er, sondern „ein Opfer des Lobes bringe mir und erfülle dem Allerhöchste deine Gelübde". (Pf. 49).
Und wie kann nun der Leib ein solches Opfer werden? Das Auge blicke auf nichts Schlechtes: und es ist ein Opfer; die Zunge rede nichts Schlimmes, und sie ist eine Opferoabe; die Hand tue nichts Gesetzwidriges, und sie ist ein Brandopfer; doch genügt es nicht, sich vom Schlechten zu enthalten: wir müssen uns auch unter Opfer und Anstrengung gute Werke «bringen: die Hand muß Almosen geben, der Mund muß den Bedrängten Trostworte sagen, das Ohr muß fortwährend dem göttl. Worte lauschen; den alten Menschen müssen wir ausziehen, die irdischen Glieder abtöten und uns der Welt kreuzigen. Dazu brauchen wir kein Messer, keinen Altar, kein Feuer. So kann ein jeder durch seinen Wandel ein Priester werden für seinen eigenen Leib".
Solche Opfer verlangt von jedem Christen das Bekenntnis der Religion. Denn was ist Religion? Die Abhängigkeit des Menschen von Gott in ihrer ganzen Tragweite, die Beziehung des Menschen zu Gott in ihrem ganzen Umfang. Warum ist die Religion so vielen ein Schreckgespenst? Warum ist sie bei so manchen in Mißkredit geraten? Weil es Christen gibt, die von der Religion nur die Etikette, nicht aber den Inhalt haben. Oder ist das Religion, wenn jemand bisweilen in die Kirche geht, bisweilen ein Vaterunser betet, bisweilen ein Kreuzzeichen schlägt? Das ist nur ein Teil der Religion. Würde ein Christ täglich dem Gottesdienfl beiwohnen, hätte aber daneben eine scharfe Zunge wie ein Messer, würde den Mitbürgern die Ehre abschneiden, die Nachbarn hinter einander hetzen, in den Familien Unfrieden und Zwietracht säen, die Milch verwässern und als Vollmilch verkaufen, die übrigen Lebensmittel der öffentlichen Bewirtschaf- tung und den Bedürftigen entziehen, um sie um Wucherpreise an Schleichhändler und Millionäre zu verschachern. oder würde ein solcher Christ stehlen, betrügen, der Unzucht sich ergeben, so ist seine Religion nur ein Zerrbild, eine Karrikatur, eine Vogelscheuche, ein Selbstbetrug. Solche Religion ist ganz dazu angetan, oberflächlichen Menschen einen- Vorwand abzugeben, daß sie um Gebet und Gottesdienst _ sich nicht kümmern und sich vollständig davon dispensieren. Die Religion, wenn sie wahre und echte Religion sein will, muß" den ganzen Menschen ergreifen, muß sein ganzes Tun und Lassen beherrschen vom Morgen bis zum Abend, zu Hause und in der Oeffentlichkeit, im Handel und Wandel, im Glück und Unglück, im Leben und Sterben. Ohne Opfer ist wahre Religion niemals denkbar. Ich meine damit nicht bloß die öffentlichen Opfer, die in der Kirche vom Geistlichen dargebracht werden, Meßfeier und Gottesdienst, sondern auch Privatopfer, die jeder einzelne Bekenner der Religion bringen muß.
Sieh, es kommt zum Beispiel der Sonntag. Was verlangt er von dir? Verzicht auf Arbeit und Verdienst, aus Geschäft und Erwerb; das kann unter Umständen ein tüchtiges Opfer bedeuten, z. B. für den Landmann, der nicht mähen, nicht ackern darf, obwohl er vielleicht