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: SsrtZäem und Hauswesen.

Nr. 3. XD 30. Jahrgang. ex a GeMZ^eZZade zum DsKifKilusboiZn. o o Zulda, den ). 5-bruar 1920,

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BSSHBEmUBMCWn Sggy^/Sg^agTgtfT^^PggS^S^IIgEgg^yjLtkja»«^

Gntschlietzung

des Bauernvsreinr Simmetshauftn (Sk. Gersfeld), gebilligt In der Dtrf«mmluug der Bs»ernvereins- Varstsrrde des Lezirks Hilders.

1. Die trauern erklären sich bereit an dem Wiederaufbau Deutschlands mit allen Kräften mit zu. wi rken, müssen aber auch Beteiligung des Bauernstandes an der Regierung und stärkere Vertretung im Parlamente fordern.

2. Der Bauernstand ist b e r e i t, durch treue ArlS- Übung seiner beruflichen Tätigkeit an der Gesundung Deutschlands m i t z u g r b e i t e n, aber als freier Stand, und ohne Bevormundung. Wir er, klären es als eine ungerechte, einseitige Be­handlung, lüenn nmn den Bauersleuten zumutet, waS man keinem andern Stande zuzumuten wagt.

a) indem man allein den Bauersleuten dieselbe und noch mehr Arbeit abverlangt als früher, ohne irgendiv eiche Vergünstigung,

b) indem man allein den Bmrersleutcn einfach den Lohn für die Arbeit diktiert,

, c) indem inan st^ili.herseits den Bairer ztoingi, seine Croeugniffe wett unter dem Wert «b«u- setzen, wie es bei ten Lebensrnitteln und dem Liefe- runOShafer geschieht, oder ihn, gar einen Teil deS Er­löses entzieht, wie es bei den Tierhäuten der Fall ist.

8. Wir Bauern müssen, auf die Gerechtigkeit und stützend, verlangen:

a) entweder Freihandel für die Erzem^ Nisse der Laâürtschast oder wenn das nicht sein soll, ZwangswirNchaft auch für alle der Landwirtschaft nötigen Gegenstände. L, Düngennttel, sar^wiris^tlichx Maschinen, Eisen, Ar. beitS-schuhe und «Heiber;

wie

b) tvenn Zwar^mr auch Zwangswirts k i g e n Lebensmittel, i

rWd&aff beinhalten wird dann schaft für die a n s w ä r - insoivcit die inländischen der-

selben unterliegen;

c) Ausschluß der Prämien miß wirtschaft die NunioN auch auf dem Lande erregen muh;

d) Festsetzung gerechter Preise unter Berech­nung der Erzerrgun-rskosten, die durch Sachverständige der betreffei^u Gegend festzuswllen sind;

e) Durchführung der Kontrolle, wenn eine solche bei den Proditzenten beibehalten werden soll, auch bei den Verbrauchern, da sicherlich manche dieser besser versorgt sind als viele der ersteren;

s) A u f r e ch t e r h a l t u n g der Beschkagü»ahnre auch beim Handel und in der Industrie, wenn man sich zur Beschlagnahme beim Landivirt entschließt (wie z. V. bei der Wolle);

g) genügende und rechtzeitige BeliefL- rung auch der Landbevölkerung mit den schienten Leb« r.Smttteln.

4. Wir müssen neben dem Solbstverforsungs- recht eudj feie Einführung der Selb st Versor­gungspflicht fordern und verlangen, daß Per­sonen sowie Konmninen gezwungen werden die ihnen zur Verfügung ,'lebenden Anbausläcl>cn anszunützcn, und zwar durch Anbau Von Nahrungsmitteln.

5. Um eine Steigerung der Lebcnsmittelpreise zu verhüten und eine Senkung derselben zu erzielen müs­sen wir fordern:

a) Vorsorge für Lieferung nur guter Samen und Saatkartofteln ^u annehmbarem Preise da der Bauer nicht bestehen kann, wenn er z. B. 22'Mk. für 1 Pfd. HleeFamen zeichn inuß, also mehr als er für einen eanzen Zentner Liekerungshafer erhält;

d) Erleichterung beim Bezug von Samen durch Ge. waorung von B e i h i l fe n. tie ja auch für anber« Stande verbanden sind;

. ^L ^f^rrung der landwirtschaftlichen Arbeiten derselben durch lassere Fürsorge der ^.lk >.>nng kur rechtzeitiges Vorhandensein ge- ^''^ .^^'""7 Düngemittel (auch in kleinen 11(111 tttrf.CTi, nicht nur in Wa^snlieferimg), durch Verbot der Ausfuhr landwirtschaftlicher Ge­räte durch vorzeitige Bereitstellung von Betriebs- LVLenVr^T^<^ (Wenn 8. B. psnirföl ^â bestellte Benzol erst Ende Dezember T^ ^ü S ^, nu^ n?$ st"« Benzol Benzin ge» liefert werden soll im Preise von 5 Mk. pro Kilo so liegt es auf der Hand daß der landunrtschaftlich, Bs- trieb immer mehr erschwert und verteuert wird)-

«) (Bewahrung von Schuhen, Kleidern usw zu billigem Preise an die arbeitende und abliefernde bnnW^V ^ ^ a ^ ^ ^^ eine derartige Bereitstellung

«) Stranune Kontrolle des Zwischenhan

l s M./v ^vu^ ^^strafung des Wuchers;

f) Herbeiführung direkten Verkehrs 6er Produzent ten mit den Konsumenten auf genossenschaft- l i ch e r Grundlage.

dels und strenge Best f) Herbeiführung dir

6. Wir müssen weiterhin verlangen, daß die Ernte abgeschätzt wird durch Sachverständige, nicht durch Ve. «nie. Bei unrichtiger Abschätzung sind zwar auf dem Po pierc große Mengen vorhanden, nicht aber in Wirk, lichkeit. Ganz abgesehen von der vergeudeten Zeit und den umsonst aufgkloandlen Unkosten wird dadurch in Stadt irnb Land Vierger und Unmut erregt und feind­selige Stimmung erzeugt und verschärft.

7. Wir weisen noch einige Vorwürfe gegen die Duldtvirtschaft zurück:

a) Nicht der Bauer ist schuld an der Ueber« tenerung. Eine einfache Rechnung zeigt, daß beim Steigen der Lebensmittelpreise auf den Kopf der Ver­braucher nur wenig entfällt. Der stete Hinlveis auf die -Höhe dieser Preise genügt nicht zur Begründung der immer steigenden Löhne. Eher sind mmiekehrt diese die Veranlassung zmn Vbrfmtf von Lebensmitteln um jeden Preis, unb damit zur Hebung des Schleichhun- kels und zur Steigerung der übrigen Beürsnisse. Der reelle Bauer hat kein Sttitwffe an Wucherpreisen.

^ b} Der Dauer ist auch kein Freund deS läßt sich allerdings nicht )fcit, bei den ftawt=

Schleichhandels. Es lernen, daß infolge der U sich feftgefekien Preisen den untermalt für die Familie und deren Vediirsnisse an Kleidern, Schr»hen, Peleuchtu ng usw. z>» bestreiten, sich mandjer vermilatzt sah, auf diese Weise seine E»Ke«G»riffe «chzusetzen. D«r«rl ist aber nicht der Bauer scheekd, sondern die allge­meine Interesselosigkeit gegenüber dem Bauernstand, sodaß z. B. die Regierung nicht dazu kam rechtzeitig ein Ausfuhrverbot wentgstcns für landtvirt- schisstliche Geräte, Maschinen usw zu erlassen und wei. terhin auch Kaufleute kein Bedenlen trirgen. ohne Rück, ficht auf die umliegende Landwirtz'chast ihre Waren, natürlich zu höheren Preisen, an Ausländer alyiifeheti. Man i st sich in andern Ständen gar nicht bewußt, mit welchen Schwieri^eficn der Landivirt jetzt zu kämpfen hat; man will es nicht verstehen daß der Bauer beim gegenwärtigen Mißverhältnisse der Preise, to-nii er nicht gerade besonders vom Glück be­günstigt ist, übe!Haupt nicht e$iftie«it kann, da er z. B. für ein paar Cxhuhe früher den Butter zu s " -

Pfd., und ebenso für die 4 eisernen Wagenradreifen bei den bis jetzt vorgeschriebenen Preisen 15 Zentner Korn berechnen muß gegenüber 2^ Zentner früher.

c) Der Bauer lebt auch nicht au 3 dem Vollen Im Gegenteile gibt es genügenb Personen und Familien auf dem Lärche , die zivar als Selbstver­sorger bezeichnet sind, aber durchaus nicht das ihnen als solchen zustehende Quantum ihr eigen nennen fäu.

L Cxhuhe früher den Pv»is von ca. 10 Pfd berechnen brauchte, jetzt dagegen 4050

neu.

8) Zum Schlüsse weisen wir noch auf die Ver­bs I i ch t u n g aller hin, nach dem nun einmal ver. lorenen Kriege sparsamer und e i n g e s ch r ä nk- ter zu leben als früher; Wir Bauersleute erklären uns dessen wohl bewußt und auch bereit baw, müf« len aber fordern, daß ebenso feder andere Stand dieser Verpflichtung eingedenk sei und sich gleichfalls darnach e»nrich e.

Ski ertzaANt Kraft gespannt Mutig vsrM ^^ yhemu!

Mit diesem Spruch auf einer alten Klosterpforie «oaie der e«rtfHeiter des .Ra^ver" heute feiste Leser, ob sie Bauern sind oder nicht ermuntern in ten Sagen, die herFriede von Versailles" (sprich Wer. smie) in Kraft getreten ist, der uns die mit den denk­bar schwersten Friede nsbèrgungen belastet und in wirtschaftlicher Beziehung dis rostlose Lage noch trü­ber und dunkler gestaltet.

Tie Landivirtschaft ist mehr denn je ein Grundpsei, ser unserer Wirtschaft, hat sich am besten durch die Kriegsnöte hindmchgerungen. Im Krieg und nach dem Krieg ist in der Landwirtschaft unablässig gearbeitet worden, deshalb ist auch von der Landwirtschaft am ehesten die Geflwdung zu erwarten. Nur durch die Steigerung der Produktion in Landwirtschaft und In­dustrie sann diÄ kostspielige Einfuhr herabgemindert unb die Arissichr, die Werte hereinschafft, gehoben werden

von M^l tM La Ä deftige Bereitstellung Die deutsche Landwirtschaft ist trotz des fast allge. und eZ SnfÈl «. ^^ angewarütt ist meinen schlechten Beispieles anderer BerufSNassen - 9 T standhaft geblieben und hat sich vom Streikfieber frei,

'«gehalten,, sie hat ihre Pflicht erfüllt in der Zeit des

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Umsturzes trotz aller Beschränkungen und Wirtschaft^ chen Schwierigkeiten, trotz der jahrelangen Zwangswirt^ schuft, die einer langsamen Erdrosselung gleichkommt^ tvenngleich sie im Kriege oft notwendig war. Schwere Forderungen stellt der Friede«lsvertrag an die Tamrn^ Nach vielen Tmisenden zählen die Pferde, Kübe Sck«f^ usw., die in erstklassigem Zustande in weni-eu Monaw^ a^eUefert sein muffen. W-e Viel Härten werden t«M su Tage treten wie viel Klasen lant werden hne biet Beunruhigung wird in bârlichcn Kreisen sich zei-eem «nenn die Ar»sführung der komnrenden FrWhialu ?-enUv ten bet irrcb wiederum vielleicht erschpiert wird.

Schtver drückt auf dem Bauernstand, de», Näyx staind her Menschheit tie Sorge um die Äeigerr der Produktion, um die Miwürger zu ernähren/ Ri und Ordnung im Lanke und in der Heimat zu erkp? teu. Kez'n Sunftbünger oder märäiihafte Preise Zentner Stèsf 800 Mark Um 20 Tonnen 6 mehr zu erzielen sind an Stiâssf Ph-A'horsäu Kali, .kwlk, Erntelohn usw. 9000 Mk. ai^Mvt'ndezH tvährenL> dieinna^snen nur 8000 Mk betrogen

Im eüeftigffen Falle also ein Verlust von 1000 Mark bei Anstvndung fünftüdkr Dm^-em'ttel.

Und die Stimmung her Städter oe^n das Landl. Sil einem Badischen Blatt hieß es:Die Arbeiter enr» ten Städten drohen, sie würden mit Gewchren uw Handgranaten die Kurtoffeln bei den Bauern holens DieFartel" in Frankfurt a M. fordert in eine»? Hetzartikel, der die vi.-lve»sprechende Ueberschrift trö^? »Die Saâ«ern spielen mit dein Feuer", tie Arbeit«^ und Bürger mif zu bewaffneten Ptünd«»nqSzüaen aâf das L«»d.

Des sink drcnki-e A»tssickicn, die trübe stimmen AbSK- einer bimmln Verziveiflung sich deAmw blneebèn Hi tveit iw^thKIsen dennnm der erwirbt sich FreSsitz unk das Leben, der täglich sie erobern muß". Dkqe Mtung vor den, deutschen Namen muß bei tm ehemnKtz. gen Feinden wieder»eiN»nnen Iberbett dmum eint» Im In nern tatkräftig die Hand an dorr- Pflug und die Maschine, jeder an feiner Stells und

Ziel erkannt Kraft gespannt, Mutig voran Herz obenan.

Die ^sWMge âtMs^f

in der LaAmirAchM rMe^h^.

Vei der Landwirtschaft sprechen He Mitte ruirgsver. Wtniffe, der Einfluß des KlimaS. die Beschasfenheil des Bodens und der Anbcnlfrück.te ein entscheidendes Wort, und eine willkürliche Behandlung, ist dadurch ausgeschlossen. Für die Baueruarbeit sink bestinvuts fisten maßgebend und eine Fesselung in eine täglich begrenzte Arbeitsmit ein Unsinn Das kann in der Industrie, beim Gewerbe, beim Handel angängig sein? Tei ter Landwirtschaft bringt das leicht unermeßlichen Schaden, sowohl beim Anbau bet Nährstoffe, wie auch bei der Viehzucht. Die fetzigen Machthaber meinen durch die Verort nungen über die Verkürzung der Ar» beitszoit im Winter und die Verlängerung im Sammel auf 10 und 11 Stunk en das Nichtige getroffen zu haben. Ja, wenn sie auch für ganz regelmäßiges Wet. ter BersrdnunK-n nmchen könnten in die sich der liâ Gott Halton müßte, dann könnte es ja noch erträglich sein. Wenn aber durch lange Regenzeit oder Frost« benoten die Bestellung sehr verzögert wird, wenn zur Erntezeit nach langem Resenwetter fest und schnell Zugcpackt werden muß um die Ernte zu retten, bann ist es unmöglich zu sagen: Die acht Stunden sind her­um, feer A»«iren bleibt am Feld bis mo^n stehen.

Der Achtstundentag fordert ferner eine Vermehrung der Arbeiâöfte. Dies ist gleichbederNend mit Preis­steigerung der Produktionskosten, die aber nicht der Bauer kroßen kann, mit Vermehrung der Werkzeuge, der Ndaschineu, ter Oier-tichaften, die unerschrvinglimr! Kosten vekâsachen. Wie kann bimn an Preisernied, uigung für die landtoirksLastbichen ErzeuMUffe undi Lebensmittel gedachk werden I

Auch ist Die Einstellung von vermehrten ArdeitS- frästen, die in der Winters-eit oft überfMsig wären, gerade jetzt gar nicht so einfach. Es muß an den Wiederaufbau der mtSgefogenen deutschen Land­wirtschaft die Hand angelegt werden; jahrelang ist Raubbau getrieben worden in Feldern und Viehzucht. Dazu gehört Verstand, Einsicht und Umsicht mit einem Worte, es müssen angelernte Bauern ein? zieh, bewußte Tätigkeit ausüben. Irgend einen Aöbeits« losen aus der Stadt dazu herausschicken wollen wäre enn Hohn auf die Landwirtschaft. Der ungelernte Ar. beiger wäre ein ^Hennnschuh für den Betrieb und dabei