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Sonntag, den I- Kebruar
Kn die deutsche Jugend
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Deutsche Jugend um bte Stufen Schare Dich deS Vaterlands!
Du vor allem bist berufen.
Zu erneuern seinen Glanz. Hsttzt in seiner sârwerswn Stunde. Da ein Blutstrom tief und breit Strömt aus seines Herzens Wunde, Schwöre ihm den heil'gen Eid:
All Dein Wollen, all Dein Könrren Fortan seinem Dienst zu weih'nl Dir nicht Ruh' noch Raft zu gönnen. Nicht Gefahr noch Kampf zu fcheu'n. All Dein Denken und Tein Sinnen Sei mir auf fein Wohl gezielt.
Dann wird es zurückgewinnen, Was es hat im Krieg verspielt
Und dann mögst Du freudig hoffen.
Daß ihm besi're Zukunft blüht Nach der Nacht, die uns betroffen. Daß ein lickt'rer Dtorgen glühtl Auf uns selbst uns zu besinnen. Heißt jetzt unsre erste Pflicht; Laßt den Neubau uns beginnen Mit Vertrau'n und Zuversicht!
Laßt Euch nur ben Trost nicht rauben.
Daß der Schmerz unS Gutes schafft;
Hastet fest am fcf 'gen Glauben. - An Euch selbst und Eu're Kraft. — Wohl brach Deutschland jetzt zusammen, — Aber aus des Drangsals Nacht — Wie der Phönip aus den Flammen, — Schwingt sich's auf zu neuer Pracht!
Hermann Haase, (z. Zt. Herz-Jesu.Herm, Fülda).
^^ Diözese Fulda. ^-^
HoraS. Auf Montag abend war eine „Ver- sammlung der gentrumSpartei* im Witzelschen Saale cinberusen worden. Fast noch zahlreicher als die Zen- truurscsntewarenaberdieSozialdemokraten erschienen, die eS als ihr gutes Reckt betrachteten, aus dieser Zen. trumSpersammlung eine allgemeine politische Versammlung zu machen, die gerade gut genug sei, Hrnz und Kunz Gelegenheit zu verschaffen, für ihre unreifen politischen Ideen Propaganda zu treiben. Daß die Redner des Zentrums für die Zentrumspolitik Stimmung machten, behalte ihnen wenig; durch andauerndes Gomurmet und Zwischenrufe. Sie nur der Lust am Krakehl entsprangen, suchten sie den sichtlichen Eindruck, den Herr Parteisekretär Ne her mit st inen Ausfüh. rungen über „Zentrum nnd Wiederaufbau" erzielte, wieder hinfällig zu machen. WaS freilich ein vergeb- liches Bemühen war und um so unerquicklicher wirkte, als Herr Neyer ehrlich bemüht war, dem politischen Gegner volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Die Sozialdemokra en schickten zwei Fuldaer Diskussionsredner vor, Herrn Schumacher und Herrn St (Hoefer, bon denen der letztere einen ume- wollten Heiterkeit-erfolg erzielte, als er wieder sein Steckenpferd ritt und bewelseu wollte, datz Religion und Sozialdemokratie sich auSzepelchnet miteinander
vertrügen. Datz die sozialdemokratischen Parteihäupt- linge und daS offizielle Orran der Sozialdemokratie, der „Vorwärts", ganz unzweideutig ihre Todfeindschaft gegen die christliche Religion bekundet haben, war Herr Willi^rccker reckt unbequem, er meinte, daS seien „Vribetmeinunsen", die gälten nicht, Geltung hat natürlich nur die „Privalmeinung" deâ Herrn WilligS- ecker, freilich wohl nur für ihn selbst, uns andern muh Herr Willi ^Lecker schon gestatten, die „Privatmeinungen" Bebels unb des Vorwärts doch schon als etwas gewichtiger einzusckätzen. Herr Neher führte die „Privat- Meinung" des Herrn WilllgSccker sachlich und schlagend ab und ließ die Stellung des Zentrums zu den Fragen, die den christlichen Nolksieil bewegen, leuchtend her- vortreten. Auch Herr Müller (Fulda, wußte trefflich zu parieren. Nach der etwas stürmischen Aussprache beschäftigte sich die Versammlung mit der Partei- Organisation, wobei die volkstümliche Darstellung deS Herrn Hosenfeld über seine Erfahrungen bei der
^. .-. - . - - - '- I —-° - - - — ! unternommen, den Abend durch Gedichte Gesang und
Eln^uhrunz bet Orgmniatwn in Fulda dankbar auf.iTheater zu verschönern, «uch hat der nèu zusammen, genommen wurde. Ein Ausschuß soll die Arbeiten für I gestellte gemischte Gesangchor viel Anklang gesunken.
die Durchführung der Organisation in die Wege leiten. Mit einem packenden Schlußwort des Herrn Pfarrers Freidhof fand die Versammlung, die von Herrn Redakteur Schälte geleitet wurde, einen würdigen Ausklang.
Kommerz. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestattete sich der am Sonntag den 18. Jan. von der Orts gruppe des GewerkvereinS christlicher Bergarbeiter veranstaltete chrrstlrch-nattonale Arbeitertag. Die Auf- stellunq der Festzuge» begann um 2V» Uhr. Als Gälte waren erschienen bte Ortsgruppen der christlichen Gewerkschaften der umliegenden Dörfer Neuhof in tu Auch der katholische Arbeiterverein von Nommerz nahm an dem Festzuge teil. Unter den Klängen einer Musikkapelle bewegte sich der Festz, lg durch daS Dorf. In der Wirtschaft Imhof fand anschließend eine Festversammlung statt. Herr Gewerk^chaftSsekretär Kerkhoff, Vertreter des GewerkvereinS christlicher Bergarbeiter, eröffnete die Festve' sammlung. begrüßte die erschienenen Gäste und erteilte dann dem Revncr deS Tages, Gewerkschaftssekretär Schmitt daS Wort. Der Redner schilderte bte Entstehung der christl. Ge- Werkschaften, die Ursache und Wirkungen derselben Er führte aus, datz die vor Jahrzehnten aufgestellten Grundsätze auch jetzt noch volle Geltung hätten. DaS Programm der christl. Gewerkschaften sei ein und dasselbe geblieben. Man sei mit diesen Grundsätzen und diesem Programm auch durch den Krieg und Revolution hin. durchgekommen, ja ein gewaltiger Aufschwung sei zu verzeichnen. Der Gesamtverband der christl. Gewerkschaften umfasse jetzt 1% Millionen Mitglieder. DaS fei ein Beweis, datz ote christl Gewerkschaften auf dem richtigen Wege maskierten. Redner ging dann näher auf den Krieg, die Ursache deS Zusammenbruchs und die Revolution ein und kam zu der Schlußfolgerung daß, wenn nach der Revolution nichts besseres geschaffen werden könnte, als daS, was.vorher war, so fei dieselbe daS größte Verbrechen am deutschen Volke (gewesen. Zum Schluß richtete er an alle Anwesenden einen warmen Appell, auch fürderhin treu mitzuarbeitcn an dem Ausbau unserer christl Arbeckerbewegung, denn nur dadurch könne ein neues, besseres Deutschland geschaffen werden. Herr Kerkhoff, Herr Pfarrer Dieke von Neuhof und Herr KuratuS Hahn von Rom- merz gingen noch deS Näheren auf die Ausführungen des Vorredners ein und forderten alle Anwesenden auf mitzuwirken, daß Rommerz der Mittelpunkt der christlichen Arbeiterbewegung in dieser Gegend werde. Von dem Vorsitzenden der Zahlstelle wurde dann folgende Resolution eingebrachi,dieeinsiimmig angenom» meu wurde:„Dle am 19.Januar 1920 berfammdteu christl. Gewerkschaftler erklären einstimmig, daß sie nur in den christlichen Gewerkschaften ihre wahre Jntereffenvertre- tung erblicken. Sie erheben flammenden Protest gegen den an verschiedenen Plätzen einsetzenden TerroriS. muS der Sozialdemokratie. Sie werden ihre Ueberzeugung übe, all bekennen und verlangen, daß ihnen das Koalitionsrecht voll und ganz gewährleistet werde. Ebenso werden sie sich jetzt und auch in Zukunft die nötige Bewegungsfreiheit zu sichern wissen, damit allen christlichen Arbeitern der Weg gezeigt werde, wie unser Deutsches Vaterland wieder aufgebaut werden kann."
AmSneburg. Dirrch bte Regierung in Kassel ist unter dem 18. Januar die Uebertragung der KreiS- schulinspektion für tie katholischen Schulen des Kreises Kirchhain (vorn 1. Dez. ab) an Herrn Hauptlehrer Schick hier verfügt worden.
Las Orv. In einer sehr gut besuchten Versammlung im „Engel" sprach am Sonntag nachmittag Parreisekretär N eyer-Bonu über die Par- lamentarlichen Arbeiten Der Zentrumspartei in Bezug auf die Schul fragen. An den interessanten Vortrag schloß sich eine anregende Aussprache namentlich über die Angelegenheit der Elternbei- rate. Die Versammlung halte den Erfolg, daß die Parieiorganisation eine große Anzahl eingeschriebener ^iikglieder neu aufnehmen konnte.
Großauheim. Im Vc^Sverein hielt Herr Mittel, schullehrer B ö r n er drei Vorträge ül^r« moderne Schul- fragen. Die Themata lauten: „SchulideaLe", „Ein. Heitsschule" und „Elternbeiräte". Die Verscumnlungen waren gut besucht und Herr Börner fand für seine hochinteressanten Ausführungen eine ungemein starke Aufmerksamkeit und reichsten Beifall. Der Volksverein hat damit den Auftakt zu dem nunmehr beginnenden Kampf um die Schule und um daS Kind und um die Zukunft gegeben.
Vom SDlain. Der kathol. Arbeiterverein Bockenheim hielt erst am verflossenen Sonntag seine Weihnachtsfeier ab. Die Kinder der Vereinsmitglieder hatten es
Unterm Lichterglanz des Weihnachtsbaumes entwickelt- sich ein fröhliches Leben. Reichlich waren dir Gaben zur Verlosung gestiftet, allerhand schöne und nützlich- Sachen. In seiner Ansprache hob der Präses die Be. deutung des ÄrbeiterstandeS in der jetzigen Zeit her, vor. sowohl im politischen wie auch im wirtschaftlichen Leben. Möchten dock noch recht viele Arbeiter sich dem Arbeiterverein unb Den christlichen Gewerkschaften anschließen. möchten aber auch alle die Versammlungen immer recht fleißig besuchen.
Weimar. Der katholische JünglingSverein hielt am vergangenen Sonntag fein 6. Titulorfeft im vollbesetz- ten Viktoriagartensaal ab. Der Wend wurde einget leitet durch einige Musikstücke, worauf Herr Kaplan Kind das Wort zur Festrede nahm. Ausgehend von dem Gedanken, daß besonders die männliche soeben der Schule entwachsene Jugend in der heutigen Zeit besonecs große Gefahren umtosen, führte er die Fest. Versammlung in die Gedanken der heutigen Jilgend- orgcmisationen ein. Neben Leibessport dürfe Mich dir geistige und seelische Fortbildung der Jugend nicht ver. nochläffigt werden, und seien gerade hierin die relè° grasen Jugendvereine die besten Hüter der fytgenb, weshalb die Eltern ein großes Interesse für die teil, giösen Jugendverein irrigen auch weiter zeigen sollten, wenn sie später an ibren Kindern diejenige Freude eit leben wollten die sie von ihren Kindern erhoffen. Reger Beifall folate den herrlichen Ausführungen bei begeisterten Jugendfreundes. Von den jugendlichen Vereinsmitgliedern wurde darauf mit viel Lust und Können ein dreiaktiges religiöse- Schauspiel mit Mu^ sik und Gesang „Ave Ddaricr" von Ludwig Lehnen (aus dem Leben eines spanischen Rebellenführers) auSgs- führt, und war cs eine Freude für die Zusckauer zu beobachten, wie die einzelnen Rollen verständnisvoll burcbgcführt wurden. Unter brennendem Christbaum fanb eine Verlosung statt, von der bet Verein hoffend, lich einen guten Ueberschuß für seine edlen Jugend- bestrebungen erzielt hat.
-***~* Scherr. -s^-s^
Zeitbild. „Sie müssen das Tagblatt lesen — do kriegen Sie eine andere Meinung über diese Sache." — „Um Gosteswillen, noch eine ... drei Meinungen hab' ich schon I" -
Modern. „Ihr Sohn hat sein Doktor j'macht -- da gratulier ich Ihnen, Frau Semmeri!" „Ja — und denken S' Ihnen: A Protektion hat er auch noch g'habt . . . Der iS jetzt Straßenkehrer und kriegt den Tag zwanzig Mark".
Boshaft. „Haben Sie'S schon gehört, Fräulein Amanda hat sich ja jetzt auch verlobt?! — Na ja bei der schlechten Beleuchtung!"
Einst und jetzt.
Ernst rief man seinem Knaben g«, Gab'S viele Schutbeschwerden: „Wenn du nicht lernen willst, mutzt du Ern Schusterjunge werden.
Von diesem Standpunkt sollte man Sich heute weit entfernen: „Sei brav, mein Sohn — du darfst sodann Dre Schusterei erlernen.
Vermischtes
Bei der zunehmenden Verrohung und Entsittlichung fhib Gewalttaten gegen Geistliche Mich nicht auSge. schloffen. In ten letzten Tagen deS alten Jahres wurde auS Bayern folgendes gemeldet: In Heltenbergen (bei Schwa Münchens luden einige Burschen einen Airsbläser mit Glaösplittern. Nägeln und Eisen, stücken, bauten das Geschoß an eine Stange und hieli- ten es, nachdem sie eine Zündschnur angezündet hatten, an das Fenster deS im oberen Stock befindlichen Schlafzimmers des Ortspfacrer- Zaches. Vorher warfen sie eine Fensterscheibe ein. um den Pfarrer ans Fenster zu locken. Als dieser aus tem Bett gesprungen war tliid sich dem Fenster genähert haste, entlud sich die Bombe, tie den Pfarrer so schwer verletzte, daß er starb. Die mutmaßlichen Täter sind verhaftet.
Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich auf der Strecke Berlin—Schneidemühl. 18 Personen kamen tobet ums Leben. ungefähr 20 wurden zum Teil schwer verletzt. Es handelt sich um einen verbrcchrcischen An. schlag; auf die Ecniittlurrg der Täter ist eine Beloh. nung obn 25 000 Mark ausgestzt.