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Ein neues Retctzrwahlgesetz

soird in der Nationalversammlung demnächst beraten werden. Die betr. Vorlage ist jetzt veröffentlicht wor­den. In den vorausgehenden Erläuterungen heißt es, daß das Wahlsystem zur verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung nicht überall Anklang gesunden habe. Bemängelt wurden u. a. die Listenverbindung, unter der naturgemäß die Parteien leiden, die sich einer Verbindung enthalten. Die Verteilung der Abgeord­netensitze nach dem Höchstzahlsystsm begünstige trotz feiner rechnerischen Richtigkeit die großen Parteien und schaffe die Möglichkeit der Ueberstimmung kleinerer Wählergruppen. Ein weiterer Mangel des bisherigen Systems fei die nicht volle Ausnutzung der in den ein­zelnen Wahlkrefen namentlich für die kleineren Par­teien sich ergebenden Reststimmen. Auch die Einteilung bet Wahlkreise und ihre Verteilung auf das Reichs­gebiet hat nicht ai'enèyalben befriedigt; bei der jetzigen Größe der Wahlkreise sind die Abgeordneten nicht mehr in der Lage, ihren Wahlkreis genau kennen zu lernen und dauernd in Fühlung mit ihren Wägern zu bleiben. Um alle diese Schwierigkeiten und Mängel möglichst 'zu beseitigen, haben lange Beratungen in der Regie­rung stattgefunden, deren Ergebnis in drei verschiede­nen Vore»trs«cfen vorliegt, über die die Naticmalver.- sammlung demnächst zu bersten haben wird. Danach soll auf 60 000 Stimmen ein Abgeordneter kommen. Die Wahlkreise sind kleiner gedacht als seither, nach einem Entwurf sollen 6, nach einem anderen 4 Abge­ordnete aus einen Wahlkreis kommen. MshksocschlLZs können von den Parteien entweder für die einzelnen Wahlkreise oder für das ganze Reich eingereicht werden, die Reststimmen (unter 60 000) werden im ganzen Reich zrrsammengezählt und jede Partei erhält danach die der Gesamtsumme entspre­chende Zahl an Abgeordneten. Im übrigen entsprechen die Entwürfe in ihren sonstigen Einzelheiten im Gro­ßen und Ganzen dem bei der Wahl zur Nationalver­sammlung angewandten Wahlverfahren. Die Natio­nalversammlung wird mit der Beratung noch viel Ar­beit haben, um cs allen einigermaßen recht zu machen.

Kn her UshleMot

droht das gesamte Wirtschaftsleben zugrunde zu gehen. Das wird man verstehen, wenn man sich vergegen­wärtigt, daß die Zsmentindustrie im Frieden monat­lich 300 000 Tonnen Kohlen verbrauchte, während sie jetzt monatlich ca. 65 000 Taimen erhält. Die Kali- industrie verbrauchte monatlich 250 000 Tonnen, jetzt erhält sie monatlich 70 000 Tonnen. Die Porzellan- industrie verbrauchte monatlich 60 000 Tonnen, jetzt er­hält sie monatlich 25 000 Tonnen zugewiksen. An Zie­geleien hatten wir vor dem Kriege 18 000 in Betrieb, heute können infolge Kohlenmangels nur 4266 bis 1300 arbeiten. Die Forderung, eine Sechrstunden- schicht einzuführen, während in Frankreich und im Saargebiet neun Stunden gearbeitet werden, ist heute überhaupt nicht zu erörtern. Diese Zahlen geben auch einen Einblick in den Zusammenhang von Kohlert not und Wohnungsnot. Und wenn wir dazu noch dis schweren Einschränkungen des Kalibergbaues nehmen, der jetzt mit Hochdruck produzieren müßte für unsere eigene Landwirtschaft, die nach Düngemitteln schreit, und für den Export nach dem Auslande, dann haben wir auch einen Anhaltspunkt für den Zusammenhang zwischen Kot)lennct und Ernährungsot, zwischen Koh- lennot und Lalutanot. Die Bergleute haben heute, das ist nicht zu viel gesagt, das Schicksal Deutschlands in ihrer Hand. Entschließen sie sich nl^f zu der Mehr­arbeit, die nolini, dann geht das Unheil unaufhaltsam seinen Gang. Nur, wenn es gelingt mehr Güter zu produzieren als bisher, ist es möglich, Lebensrnittel und Rohstoffe horein^ubekommen und die Lebenshal­tung des Volkes zu heben.

HeM daran

sind unsere deutschen Brüder jenseits des Rheins und im besetzten Gebiet; auch nad) der Ratifikation des Friedens stehen sie tatsächlich nutzer einem Gewalt­regiment. Die Verordnungen die die Evtentekommis. fron jetzt erlassen hat, bedeuten für unsere Larcdsleute vollkommene NechtsunsicherheiL dauernde Gefährdung der persönlichen Freiheit jedes Einzelnen, raffinierte Knebelung ihres ganzen öffentlichen Lebens. Mit dem Versailler Vertrag läßt sich das nicht in Einklang brin­gen, danach sollte die Zivilverwaltung in der Hand der deutschen Behörden bleiben. Die jetzigen Verordnungen überlassen den deutschen Behörden allerdings ihre bis­herige Verwallungsarbeit, aber sie behalten der Alliier- ten.Kommission und ihren Vertretern so weit­gehende Befugnisse des Eingreifens vor, daß die Bevölkerung bald nicht mehr wissen wird, wer eigentlich die Regicrungsgeschäfte führt, und in welchem Zeitpunkt eine Entscheidung als endgültig an­gesehen luerden kann. Schlimm wird es auch mit der

Rechtsprechung aussehen. Die Alliierte Kommission be= hält sich vor, jede Sache imb in jeder LrA des Ver­fahrens den deutschen Gerißen zu entstehen und durch ihre eigenen Werkzeuge unterscheiden zu lassen. Weiter, hin unterliegen Brief, u. Tslegranrmvcrkehr dauernder Gefahr der Nachprüfung. Die Presse wird in den Zu­stand völliger RechtSunsrchcrheit versetzt. Wenn die Al- liierten, bei. die Franzosen, hoffen mit einer derartigen Gewaltpolitik, die wir leider bei unserer Machtlosigkeit Niis gefallen lasten müssen, die Ablösung der Rheinlande fördern zu können, so sind sie auf dem Holztveg. Wenn irgend etwas die Rheinländer in ihrem Deutschtum festigen und sichern kann, dann ist es eben die Herr, schäft der Gewalt, der fremde Mächte sie jetzt unter­werfen wollen, die militärische und bürokratische Un­terdrückung die auf die Dauer keiner Bevölkerung so unerträglich sein kann wie den in Gedanken und Le- benSführuug immer freiheitlich gerichteten Rheinlän­dern.

Ein MeeWier Msäl ist es ohne Zweifel gewesen, wie ein prinzlicher Land- rat sich über die katholische Kirche geäußert hat. Prinz Friâich Wilhelm von Preußen, aus einer Nebenlinie des preußischen Hauses, war bei Beginn des Krieges Landrat des Kreises Frankenstein in Schlesien. Der Kreis ist ganz überwiegend katholisch, man hatte ihm aber nach den betannten preußischen Gepflogenheiten vergl. Fulda doch den protestantischen Prinzen als Canbrat gegeben. Von welchen Glühten dieser Hohenzollernprinz seinen katholischen Kräeinsesesseiren gegenüber beseelt war, das erhellt aus einem «Michen Schreiben vom 21. Dez. 1914, das er an den Regis- runZspr« sitzenten in Breslau gerichtet hat und worin er sich gegen die vom Magistrat der Stadt Wartha erbetene Erlaubnis zur Errichtung "eines Exerzrsten- hAuses durch die Redemptoristen aussprach. Die Maß­losigkeit der Allsdrücke und die OberfläMchèeit im Ur­teil über Dinge, die dem prinzlichen Laâat absolut fern lagen, muß heute noch im katholischen Volk Deutsch­lands das größte Unbehagen auslüfen.

In dem Schreiben heißt es u. c.:Ich vermag mich nur nach wie vor durchaus gegen die Errichtung einer solchen mMr-âclichen, den schlimmsten GeWisienr- Mang Larfteilenden, echt jesuitischen Einrichtung aus* zu sprechen. Was Helsen alle herrlichen Stege unserer Heere und die Durchführung und Befestigung unserer äußeren Freiheit im Rare der Völker, wenn im Inne­ren her kirchlichen Knechtung Vorschub geleistet wird. Die Geschichte lehrt an dem Beispiel von Spanien und Frankreich, wohin die Völker kommen, in denen in die­ser Weise vorgegangen wird. Es liegt nach meinem Dafürhalten ein außerordentliches staatliches Interesse vor, unter allen Umständen die Errichtung des HsHes zu vecNelen. Senn es handelt sich in der to^Sf^ti Kirche um den ZrWen und unserfs^^ften Feind des preutzißchen Staates, es hmldeli sich um eine in­ternationale und gegebenenfalls stets antimonarchische Einrichtung, der es, wie die Erfahrung zeigt gar nicht darauf ankommt, gegebenenfalls mit den Sozial­demokraten gegen die Staatsregierung Frorst zu ma­chen; es handelt sich um die Kirche, deren Diener in Belgien auf unsere Soldaten mit Maschinengewehren geschossen haben. Soll man einer solchen demsrsst- sterevtzen InMulisn etwa Vorschub leisten?"

Es ist eine

UrwerfchZMlheU sondergleichen, wie dieser Prinz sich hier über die katholische Kirche in einem amtlichen Schriftstück äußert und über kath. Einrichtringen urteilt, von denen er noch weniger ver­steht wie die Kuh vom Sonntag. In dem Schreiben gibt er auch feiner Freude Ausdruck, daß der Minister zu Anfang des Jahres eine Vermehrung der Zcchl der Patres in Wartha abgelehnt Habs, er fürchtet aber, wenn das Exerzitienhaus genehmigt werde, barm werde auch die Vernrehrung der Mitglieder wieder an­gestrebt werden; zum Schluß erklärt er, daßAb­halten von Exerzitien mit Laienklausur über den Rah­men der rein scelsorglichen Tätigkeit hinausgehe". Auch die Teilnahme der Redemptoristen als Geistliche im Feldzuge kann seines Erachtens als Begrünung nicht Herangehen werden.Denn diese Teilnahme sei eine Selbstverständlichkeit und eine Dankespflichl gegenüber bem Staate ( der die Orden unter Polizeiaufsicht hielt). Daß aber für die Ausübung einer patrioti­schen Pflicht gleichsam eine Rechnung überreicht wird, zeige schon allein zur Genüge den Jesuikrsmus der An- schcurungen des stockkatholkschen MaMrals."

Man weiß wirklich nicht, was man mehr anstaunen soll, die tiefgründige Unwissenheit in den einfachsten kirchenpolilifchen Dingen oder die harmlose Unverfro­renheit, mit welcher der Herr Landrat seinen vorgesetz­ten Dienstbehörden, anscheinend unaufgefordert eine Belehrung erteilt. Wenn ein Polizsiwachtmeister aus Hinterpommern einen solchen Bericht macht nun gut, das erträgt man mit Achselzucken. Aber ein Prinz,

der im katholischen Schlesien geboren und aufgewachsen ist, und dann solche Ansichten produziert, dazu noch während des Weltkrieges, in dem auch die katholischen Deutschen für ihr Vaterland ihr Blut vergossen und das katholisch eOesterreich an unserer Seite sümpfte da steht man vor einem Rätsel.

Man stelle sich einmal vor, ein katholischer Landrat hätte sich in einem dienstlichen Schreiben an seine vor- gesetzte Behörde in dieser hatrekstichenen Weise über die evangelische Kirche ausgelassen, der Mann wäre über die höchsten Berge geflogen! Prinz Friedrich Wilhelm flog nicht, er war im Gegenteils wie man weiß, dazu ausersehen, Oberprrsitzent vsn Schlesien zu werden! Nach der Umwälzung sind diese Aussichten allerdings zu Wasser geworben. Die AnO-iegenheit bat jetzt nur noch ein geschichtliches Interesse. Für die politische Gegenwart hat sie keine ^Betreutung mehr. Aber als geschichtliches Charakteristikum steht sie hoffentlich als warnender Schlußstein am Ende einer

Periode amilslhslischer AsintzseliKkeck, welchs sich mit ihr nicht abstoßender hätte verabschieden können. In diesem Geiste sind die preußischen Ka- tholiken bis zuletzt von einem Teil der Bürokratie re­giert worden. Dmß die neue Verfassung, die den Re- li^icnsgemeinfd^iften die Freiheit der Ordnung ihrer Angelegenheiten gibt, solche Dinge unmöglich macht, das ist auch eine gute Seite der neuen Verhältnisse, deren wir uns freuen dürfen. Wenn das Zentrum bei der R^elung dieser tBerfaffungsbeftimrmn^en mit den kaltzslikmjcheuen ehrrsÄi^n Konservativen und Liberalen hätte gufammen^ben müssen, wären wir schwerlich aus dec Periode der Bedrückung der katho­lischen Kirche durch den Staat herrusgekommen. Die Koaütiünspolitit des Zentrums hat also auch von die­sem Gesichtspunkte aus ihr Outes gehabt und die Zei­ten, in denen Männer vom Geiste dieses Protestantin scheu Prinzen an die Spitze katholischer Kreise gestellt werden, sind hoffentlich für immer vorüber. Aus Gründen der P»ität verlangen wir katholische Land rate für Kreise mit überwiegend katholischer VeMkerung.

Gimpelfang

treiben die Deutschnationalen; sie geben sich jetzt auf einmal als die eifrigsten BsrfN^er katholischer Inte­ressen, sie haben einenAussckmß für die katholischen Mitglieder" gebildet, wollen alle Rechte und Freihecken der katholischen Kirche verfochten und reden viel vom gemeinsamen Kampf der beiden großen Konfessionen gegen die drohende Religionslosigkeck und Kirch^nfeind- licheit des Staates und gegen Angriffe auf die sittliche Macht des Glaubens. Man bescheinigt uns auch jetzt, daß eseine gänzlich unbegründete, höchst ungerechte und entschieden zvrückzuweisende Verdächtigung wäre, wenn der Versuch gemacht werden sollte, ine deutschen Katholiken wegen der Zugehörigkeit zu ihrer Kirche als in nationaler Hinsicht minder zuverlässig anzusehen". Zu allen diesen schönen Worten der Deutschnationalen, d. h. der alten konservativen Partei, und ihrer angeb­lichen Beieckwilligkeit,stets alle Rechte und Freiheiten der katholischen Kirche zu verfechten", nurß doch gesagt werden, daß die Wandlung reichlich spät, erst unter einer ganz neuen politischen Konstellation kommt und darum sehr verdächtig ist. Seit den Tagen des Kul­turkampfes, bis weit in den Krieg hinein haben wir von dieser Willensrichtung niemals etwas gespürt und bis sie in alle beteiligten Kreise getragen wird und auch die Mitglieder des evouzelischen Bundes, die Pa­storen und die Angehörigen mancher früher regierenden Häuser, sich dieselbe zu eigen machen, wird es noch gute Wege haben. Zudeni merkt man ja bei all diesen katholikenfreundlichen Feststellungen überall durchs daß diese angebliche Sinnesänderung beim eine solche ist es doch nach den früheren T^en der konservativen Partei nur zu dem parleixslltischen Zwecke erfolgt, um Katholiken von der Zentrumepartei abzusplitiern und der Deutschnationalen Partei zuzuführen. Aller- dings wird die Gefahr des Verlustes von Zentrums- Wählern an die Deutschnationale Partei nicht sonderlich groß sein, denn jeder Katholik kennt die Leistungen der eiten Konservativen auf kirchenpolckischem Gebiete und weiß, daß die Grundstimmung weiter evangelischer Kreise sich gegen alles Katholische noch nicht geändert hat. Gewiß haben wir große gemeinsame Sittereffe ge­gen Religionslosigkeit und Kirchenfeindlichkeit. zu ver­treten, und wir sind gern bereit, mit den rechtsstehen­den Parteien in diesen fragen zusammemzuwi- ken, aber es hat wahrhos0 nicht an unserem guten Willen gelegen, wenn dies bisheran rächt geschehen ist.

Gcsierrerch

kann nicht leben, Wenn man ihm nickst hilft. Deutsch­land da« durch seine Blut- und Stammesgemeinsch^^