Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
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— - Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei. ————
Wochenkalender.
Son n r a g, 1. Febr. Sonntag Septuagesima. JgnatiuS, B. ii. M.
Montag, 2. Febr. Macia Reinigung (Lichtmeß).
Di e ns tag, 3. Febr. Blasius.
Mittwoch, 4. Febr. Radanus Maurus, Bisch, u. Bek.
Donnerstag, 5. Febr. Agatha, Jgfr. u. M.
F r e i t a g,6. Febr. Herz-Jesu-Freitag. Titus, Bisch u. Bek
Sa mStag, 7. Febr. Romuald, Abt
Sonntag Zepruagesima.
(Ev. Matth. 20, 1—16.)
X n jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern folgendes Gleichnis: Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am frühesten Morgen ausging, um Arbeiter ui seinen Weinberg zu dingen. AIs er nun mit'dcn Arbeitern um einen Zehner für den Tag über- eingekommen war, sandte er sie in seinen Weinberg. Und um die dritte Stunde ging er (wieder aus), und sah andere müßig auf dem Markte stehen, und sprach zu ihnen: Gehet auch ihr in meinen Weinberg, so werde ich cuch geben, was recht ist! Und sie gingen hin. Abermal ging er aus um die sechste und neunte Stunde, und machte es ebenso. Und als er um die elftè Stunde auSging, fand er (wieder) anders daslehen, und sprach zu ihnen: Warum stehet ihr hier den ganzen Tag müßig? Sie antworteten ihm: Es hat uns niemand gedungen. Da sprach ec zu ihnen: So gehet auch ihr in meinen Weinberg Als es nun Abend geworden, sprach der Herr des Weinberges zu seinem Verwalter: Latz die Arbeiter kommen und gib ihnen den Lohn, von den letzten angefangen bis zu den ersten. Da nun die kamen, welche um dre elfte Stunde eingetreten waren, empfing ein jeder einen Zehner. Als aber auch die Ersten kaincn, meinten sie, mehr zu empfangen; aber auch von ihnen erhielt jeder einen Zehner. Und da sie ihn empfingen, murrten sie wider den Hausvater und sprachen: Diese, die Letzten, haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gehalten, die mir die Last und Hitze des Tages getragen haben. Er aber antwortete einem aus ihnen und sprach: Freund, ich tue dir nicht unrecht; bist du nicht um einen Zehner mit mir übereingckommen ? Nimm, was dein ist, und geh hin: ich will aber diesen Letzten auch geben, wie dir. Oder ist es nur nicht erlaubt, zu tun, was ich will? Ist dein Auge darum scbalkhaft, weil ich gut bin ? Also werden die Letzten die Ersten, und die Ersten die Letzten sein, denn viele sind berufen, aber wenige sind aus-
„L'lne schreckliche SeM".
V , : £ ie Arbeiter murrten wlder den Hails-
^^^.^^ ^ Vater". Ihrem Steiger machten sie
' . Lust mit den Äonen: „Tic Ar-
bciter, die zuletzt eingetreten sind, hatt -bu uns gleichgeachtet, die wir ' " '" des Tages Last und Hitze gefragen
haben". Blicke bi Jen Arbeitern auf den Grund der Seelc und du siehst darin die garstigen Würmer der Unzufriedenheit, der Mißgunst, der Habsucht.
Ihr Lohn, obwohl gerecht, übino J reichlich, obwohl nach Uebereutcunft war ihnen nicht genug,
konnte sie nicht befriedigen: mehr wollten sie haben, mehr einnehmen, mehr besitzen, mehr als sie bekamen, mehr als sie verdienten, mehr als ihre Mitarbeiter. Die Habsucht schwang ihre schreckliche Geißel über ihre Köpfe und brachte ihnen manche schmerzliche Wunde bei. Und doch wie töricht ist diese Laster bei der Kürze des Lebens, bei der Unsicherheit ces Besitzes, bei der Nähe des Todes.
Ueber die Vergänglichkeit aller irdischen Güter und über die Verblendung der Habgier stimmt der Psalmist ei— wehmütige Klage an im Psalm 38,
dem wir uwece Betrachtung widmen wollen. Psalm 38: Klage über die Hinfälligkeit des
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und Hoffnung auf Gott.
Ich will im Leben darauf achten, Daß nicht entgleise meine Zunge.
Will meinem Mund ein Schloß anlegen, Wenn Ucbeltäter mich verspotten.
Für immer wollt' ich stille schweigen, Verbergen meines HerzenS Kummer.
Doch Feuer brannt' in meinem Innern, Nicht länger kann ich es ertragen.
Und es entfesselt sich die Zunge, Bricht aus in wehmutsvolle Klage.
Herr, mach mir kund mein Lebensende Und zeige mir den Rest der Tage.
Du hast sie wahrlich kurz bemessen, In nichts zerfließet mein ganzes Dasein.
7a O Eitelkeit der Eitelkeiten!
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Lehens
Das ist des Menschen ganzes Loben.
Als Schattenbild fliegt er vorüber Und Unruh macht er sich vergebens.
Es sammelt rastlos Schätz' aus Schütze Und weiß nicht, wem er sie znriiSiätzt!
Wer ist mein Trost in diesem Jammers Es ist der Herr, auf den ich hoffe.
Es .asten auf mir viele Sünden, 3um Spott bin ich dem Feind geworden.
Mein Golt, ich will es schweigend tragen: Die Hand, die mich berührt, ist deine.
Doch jetzo, Herr, nimm weg die Rute, Damit ich nicht zusainmeubreche.
Dein Ohr zu meiner Bitte neige, Mit meinen Tränen hab' Erbarmen.
Ich bin ja Pilger nur auf dieser E .de Wie meine Mutter und mein Vater.
Erquicke mich, bevor ich scheide Und führe mich zur c logen Heimat
Die Habsucht, — deren Verblendung Psalm getroffen wird — ist eine schreckliche, eine sehr schreckliche Geisel: sie schließt die verstopft die Ohren desjenigen, der davon und macht ihn grausamer als die wilden
Hl
diesem
ja, ich sage Augen, sie besessen ist, Tiere; sie
macht ihn unempfindlich gegen die Freundschaft, gegen die Gesellschaft, gegen das Gewissen, gegen das eigene Heil. Sie legt den Menschen in Ketten, die deswegen
so fdjimm sind, weil er damit sich selbst zum Sklaven macht. Darum wird auch die Habsucht eine unheilbare Krankheit; darum ist auch dieses wilde Raubtier so schwer zu ergreifen, so schwer zu zähmen. Durch diese Krankheit wurde Giezi, der Diener des Propheten, aussätzig; sie richtete den Ananias zu Grunde, sie machte den Judas zum Verräter. Die Habsucht hat die Hohenpriester und Ratsherren verdorben, und Diebe aus ihnen gemacht. Sie hat eine Menge von Uebeln erzeugt. hat die Straßen mit Blut überschwemmt, hat die Städte mit Weinen und Wehklagen angefüllt; sie besudelt sogar die Mahlzeiten und mischt Gift unter die Speisen. Der hl. Paulus nennt deshalb die Habsucht „einen Götzendienst" und konnte trotzdem die Menschen nicht davon abkehren.
Doch warum nennt der Apostel die Habsucht einen Götzendienst! Weil viele reiche Leute sich nicht ge- tranen, ihre.Gelder und Güter anzugreifen, sondern mit ängstlicher Sorgfalt sie ihren Erben hinterlassen, als wären es gottgeweihte Gaben! Und wenn sie doch manchmal gezwungen sind, sich ihrer Reichtümer zu bedienen, so tun sie es mit Zurückhaltung, mit einer gewissen Ehrfurcht, als ob sie heilige Dinge berührten.
an eigentlich nicht berühren sollte! Aber, sagst du. ich bete ja das Geld nicht an; aber auch die Heiden
die
h
.n nicht eigentlich ihren Götzen angebetet, sondern > Teufel, der in ihnen wohnte; so betest auch du Things nicht das Geld an; wohl aber den Teufel, durch deine geldgierigen Augen in deine Seele ein» tilgen ist, den betest du an. Die Liebe zum Reich- -i ist schlimmer als der Teufel; dem Mammon ge-
horchen 'manche besser als die Heiden ihren Götzen.
Was gebietet denn die Habsucht? Sei, spricht sie, sei Feind von jedermann, vergiß die Pflichten der Natur, vernachlässige den Dienst Gottes; dich selbst bring mir zu n Opfer. Man opfert den Götzen Kälber und Hämincl; doch die Habsucht heischt ein anderes Opfer; i sie spricht: opfere mir be-nc Seele; und der Habsüchtige : gehorch: und opfert seine Seele. Wer das Geld lièb ; hat. sagt die Schrift, dem ist sogar seine Seele feil, t ;Sir. 10, 10.) Siehst du, welche Altäre man der Hab- < sucht baut, welche Opfer man ihr bringt? Die Hab- imjii'm werden das Reich Gottes nicht besitzen (1. c er G, 10). Dabei ist die Habsucht nicht in unserer J ur begründet wie etwa die Neigung zu Speise und > J k oder die Fleischeslust. Denn im Anfang halte am.: kein Geld und niemand liebte das Gold.
-'aite Umschau in der heutigen Welt, ob diese Kritik des , Gott wundes", -die er den Habsüchtigen seiner Zeit I widmete, auch auf unsere Tage zuirifft. Halte Umsc . n ; besonders in der Kammer des eigenen Herzens, ob ' J’üJdJ dieses Laster einige Wurzeln darin hat. Setaar fromme Christen sind oft unbewußt davon ei; J.^ jn. So lebte in einem Bauerndorf eine Frau, reich an Feldern, Wiesen, Liegenschaften, Vieh, Kleidern, Möbeln und Gelb. Doch die Habsucht hatte ihr den Kopf verdreht und den Verstand umnebelt. Stundenlang brütete sie rar sich hin und sprach dann zu ihrem Mann: jetzt habe 'ch wieder gerechnet und habe gefunden, daß es nicht [miet’ Auf dem Totenbett rechnete sie noch immer und ihr letztes Wort war: „Geld!" —