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sagt das Organ der bayerischen christlichen Arbeiter und, der badische Finanzminister Dr. Wirth (Ztr.) ist der Ansicht, daßder Schritt der bayerischen Volkspartei nicht nur für die deutsche Zfntrumspartei, sondern auch für die Stellung der Katholiken Deutschlands außer­ordentliche Bedeutung hat. Sn den Hort und Schirm der deutschen Katholiken, in den Zentrumsturm, ist Dresche gelegt. Ist die Trennung eine dauernde, so sind die politischen Folgen heute noch nicht abzusehen." Don den Feinden nie besiegt, aber von den Freunden verlassen", an dieses Wort Windthorsts in den bekann­ten Septenatswahlen 1887 in Köln wird man unwill­kürlich erinnert bei diesem eigentümlichen Vorgehen der Bayern. Wohl ist es in der Hauptsache nur ein Mann, der Abg. Heim, der an diesem verhängnisvollen Be­schluß schuld ist; belehren läßt er sich nicht, wenn auch die Gründe noch so einleuchtend sind, was er sich in den Kopf gesetzt hat, das führt er durch, und weil sein Einfluß zur Zeit so groß ist, hat er auch die andern Abgeordneten mitgezogen, von denen innerlich nur ganz wenige mit ihm überein stimmen. Die lieferen Beweg­gründe der Heimischen Politik sind noch nicht klar; daß er mit Foch und französischen Offizieren Besprechungen gehabt hat, konnte er in der Nationalversammlung" in der die Sache zur Sprache fam, nicht abstreiten, "und daß Loslösungsbestrebungen vom Reich in Frage kom­men, ist nicht von der Hand zu weisen; auch Heims Verlangen nach einer Volksabstimmung in Bayern über die neue Verfassung läßt darauf schließen. Heim hat bei dieser Gelegenheit in der Nationalversammlung schlecht abgeschnitten und es erregte große Heiterkeit, daß gerade der Preußensresser Heim es war, auf des­sen Ersuchen preußische Truppen München von der Ruteherschaft befreit haben. Damals Und beim Aus­bruch der ersten Renoluüon in Bayern hat Herr Dr. Heim sich nicht geregt, sondern sogar gebeten, ihn in Schuhhaft zu nehmen, jetzt führt er wieder das große Wort. Der Abg. Gerstenberger, der in München gegen die Trennung gesprochen hat, kommt imFr. Volks­blatt" auf die Folgen zu sprechen, die diese Trennung bis jetzt gehabt hat. Die erste ist das Ausscheiden. des Reichsschatzministers Dr. Mayer. Da er nur als Älit- gheb der Zentrumsfraktion in die Koalitionsregierung eintrat, aber mit der bayerischen Volkspartei aus dieser Partei ausschied, sonnte er auch nicht mehr länger ihr Vertreter im Ministerium sein, obwohl mit dem Reichstagszentrum die ganze Regierung das Aus­scheiden dieses kenntnisreichen Kollegen aufs tiefste be­dauerte. Aus einem solchen Grund ist bisher noch kein Minister gestürzt, und gar noch einer, der Die Interessen der Partei und des Landes, dem er an­gehörte, am wirksamsten vertreten hat. Das ist der erste Erfolg des Parteitags-Beschlusses. Der zweite ist der Schaden für das Reich. Minister Dr. Mayer hat sich in das schwierige Reichsschatzamt mit.feinen ungeheuren Werten und großen Aufgaben eingear- beitel und nun muß sich ein neuer Mann erst wie­der einarbeiten. Das Zentrum verliert damit einen Minister in der Reichsregierung, während die De­mokraten, denen der Nachfolger Mayers angehört, einen gewinnen. Das ist der dritte Erfolg der Trennung und der vierte ist noch weniger erfreulich. Nachdem die Bayern aus dem Zentrum ausgeschie­den sind, müssen sie eine eigeueFraktion bilden; hier­zu gehören zur Zeit noch 15 Mitglieder. Die neue Geschäftsordnung wird aber voraussichtlich die Zahl auf 20 oder 25 hinaufsetzen. Von den 18 Mitgliedern der bayerischen Volkspartei will der Aba. Tremmel sich der neuen Fraktion nicht an­schließen, sondernwild" bleiben. Die beiden pfäl­zischen Mitglieder bleiben beim Zentrum, haben den Namen Zentrum bereits wieder in der Pfalz onge- nomrnen und sehen in dem Beschluß des Münchener Parteitages ein Mittel, die Trennung der von den Franzosen bekanntlich besetzten Pfalz von Bayern zu erleichtern. Mit knapper Not werden alsodie Bayern vorläufig noch eine Fraktion bilden können; sie bedeutet aber im Getriebe des Reichstages gar nichts; in den Ausschüssen ist sie fast völlig machtlos, ihre Anträge werden nur ein mitleidiges Lächeln hervor­rufen, mit einem Wort, sie sind politisch ausgefchal- tet und sind selber schuld daran. Daß damit den Interessen Bayerns gedient sei, glaubt doch kein Aken sch und mich diè Wähler werden »mit dem energischen Willen" allein,wenn dabei auch gar nichts erreicht wird", von dem Dr. Heim immer spricht, auf die Dauer nicht zufrieden sein nnd die bessere Einsicht wird, so hoffen w r, über kurz oder lang doch über Eigensinn und Voreingenommenheit siegen.

Für die LaudBirtschefi

hat daS Zentrum in der Nationalversammlung getan, was möglich war. Der Zentrumsabg. Herold, selbst ein Landwirt .(vielen unseren Lesern als unser ehc-

maligcr NetchstagSabgeo r dn et e r (18981903) be­sannt hat kürzlich im Landwirtschaftlichen Kreisverein in Münster sich darüber im Einzelnen ausgesprochen und zusenunreinfasseud gesagtaus vollster Ueberzeugung könne er mitteilen, daß nichts Versäumt worden ist und daß wir auf vielen Gebieten Erfolge erzielt haben, die nicht zu unterschätzen sind und die um so größer dastehen, wenn man die MajoriLLtsverhällniffe berück­sichtigt"', Das wird u. E. bei allen derartigen Aus­einanderfetzungen zu wenig berücksichtigt. Bekanntlich haben Sozialdemokraten und Demokraten in der Na- tronalberfammlung allein eine Mehrheit; einzig und allein durch Kompromisse kann überhaupt etwas erreicht werden. Was hat es denn für einen Zweck, auf For­derungen zu bestehen, die bei den jetzigen Mehrheitsver­hältnissen einfach nicht durchzusetzen sind? Das sagte auch Herr Herold am Schlüsse seiner Ausführungen: Anträge stelle» ist leicht. Das machen die Oppositions. Parteien und gehen nachher ins Land hinaus und sa­gen, seht mal, das haben wir beantragt, was sind wir doch für famose Kerle. DaS ist kein Kunststück. Aber Anträge btird)feben, das ist die Frage. Diese Anträge durchzusetzen, dazu war nur die Zentrumspartei in der Lage deswegen. Weil fein Berufsstand für sich allein die" Majorität hat. Wenn man Erfolge erzielen hüll, dann ist es nottoeuLig, daß alle für einander eintreten. In der Zentrumspartei werden die Interessen ausge­glichen und zu gemeinsamer Arbeit zusanrmengeschlossen. Darum wäre eS auch kein größerer Fehler, als wenn sich eine besondere Landpartei bilden. tuürbe. Sie würde machtlos sein. Aber wenn jetzt dafür gearbeitet wird, Zcntrumswähler zu den Rechtsparteien hinüberzuziehen, so würde auch hier nur die Landwirtschaft an Macht verlieren. Wen» Sie etwas erreichen wollen, dann ar­beiten Sir in der Zentrumsparlei frisch mit und Sie werden Erfolge erzielen. Eine Oppositionspartei, welche sich grundsätzlich in Widerspruch stellt, kann seine posi­tive Arbeit leisten. Bringen Sie sich in der Zentrums- Partei zur Geltung durch Mitarbeit und Eintreten und Sie werden bamit auch der Landwirtschaft nützen. Blei, den Sie dem Zentrrmr treu und dann wollen wir mit guter Hoffnung besseren Zeiten entgegensehen." Das gilt Wort für Wort auch für das Fuldaer Land.

DK MthsMèNhetze

macht sich in der letzten Zeit wieder recht unangenehm bemerkbar, besonders die Diu^imtionafen sind darin gruß; in diesen Kreisen sucht man dem Katholizismus die mittelbare Ursache für den deutschen Bomreu zuzu­schieben. So schreibt Professor a. Liebig in einer Schrift, in welcher dem Vatikan, dem Katholizismus die Schuld an dem Zusammenbruch gegeben wird, u. a.das Kaiserreich sei dem Vatikan ein Dorn im Auge ge= westn". Dieiüdisch-dcmckwtisäpvatikanische Richtung in Deutschland hat verhängnisvoll gewirkt".Zentrum und Jesuiten seien heute im Reiche Luthers und der Hohenzollern oben auf". Dieser Herr v. Liebig stellt die Behauptung auf, daß 'ein Zcntrumsmann m ferner Eigenschaft als Angehöriger dieser Partei am Wieder­aufbau des Reiches mitarbeiten könne, auch wenn er sich einbilde, cs zu sönnen:a.s solcher kann er nie­mals an einem Aufstieg mithclsen, sondern immer nur den Ausstieg hemmen, das Volk im Abgrund fest- halten oder es noch tiefer Hinabdrücken". So denken diese Leute von den Angehörigen der Zentrumspartei. In anderen Schriften sprechen sie vomevangelischen Deutschland, das durch Erzberger an die katholische Entente verkauft sei". Erzberger seinicht umsonst Jesuit". Das st zwar Blödsinn, findet aber doch in diesen katholikensemdlichen Kreisen Glauben. Auch die Kreuzzeitung" macht hier mit, sie bringt einen Artikel des Generals v. Vretinghoff, in welchem dieser davon spricht, daß wir heuteeine Episode des uralten Kampfes zwischen Königtum und Priestertum erleb­ten", daß dieantinationale Arbeit des Iesuitismus" fühlbar wäre, ton der man wisse, daß in deutschen Landen sein Mithelfer sei. In derDeutschen Zei­tung" rom Neujahrstag hat ein Artikelschreiber, der sicheinen überzeugten Evangelischen" nennt, die Kühn­heit. das WortHie Welf, hie Waiblina, d. h. hie ka­tholisch, hie evangelisch" auszurufen. Und auf einer Versammlung des Bundes der L^ndw-rls zu Känigs- berg meinte der erste Vorsitzende Frhr. v. Wangenheini, .»Erzberger, der unheivollsie aller Politiker, werde uns völlig herunterbringen. Er habe auch ein Interesse daran gehabt, das evangelische Preußen zu schmalem". Die ganze Erzbergerhetze ist .letzten Endes eine Koiho- likenhstze. Das kam auch bei der Anwesenheit Erzber­gers in Stuttgart wieder recht deutlich zum Ausdruck. Während feiner Rede sammelte sich ans dem Platze vor dem Versammlungslokal eine aufgeregte Menge, die sich hauptsächlich aus Anhängern der sog. besseren Stände zusammensetzte und verlangte sein Erscheinen. Als Erzberger' aus das wiederholte Verlangen der

Ueber den Zentrurr-sparteitag, den erten dieser Art, der unter grosser Teilnahme am Montag in Berlin begonnen hat, können wir erst in der nächsten Nummer berichten.

blindwütigen Menge sich an einem Fenster zeigte, wurde er durch folgende liebensmürbige Zuruse begrüßt:Du Lump du IesuU du Römling» du psofseuknecht du DcNeUèmdsscrrrüer du bist vom Papst be­zahlt, um Deutschland an das katholische Frankreich zu Betrafen. Wart rur, bald gehls gegen die Juden und gegen euch Pfaffen". Wahrlich, solche Ereignisse las­sen sich nur aus einem bodenlosen Abgrrmd konfessio­neller Verbohrtheit und Verhetzung erklären. Und da­bei wollen diese Leute uns zu sich hinüberziehen! Auch in katholischen Kreisen sollte man solche Stimmen be­achten, das wäre jedenfalls vernünftiger als der eigenen Stsuerfcheu dadurch Ausdruck zu verleihen, daß man auch auf Erzberger schimpft.

Äne Niederlage Lkmenceam bedeutet die Präsidentenwahl in Frankreich. Nicht er, der Sieger, wurde gewählt, sondern der 63jährige bisherige Kammerpräsident Deschanel mit 734 von 889 Stimmen. Clemenceau brachte es nur auf 56. Seine Hoffnung, daß die Verdienste, die er, der maßlose Hasser Deutschlands, sich um sein Vaterland während des Krieges und bei dessen Ausgang erworben, ihn des ersten Postens im Staate nmrdig machen mürben, hat sich nicht erfüllt. Der Gefeierte von gestern liegt am Boden, er hat feine Rolle ausgespielt, wenn er auch noch in irgend einer Form eine Genugtuung erhalten wird durch einen Titel oder eine harmlose Huldigung. Die Franzosen wollen keinen D.kialsr, sondern einen Repräsentanten und dazu ist der geschmeidige und ele­gante Deschanel, dessen Krawatten und Gehröcke eine Zeit lang der Mode den Ton angaben, und der sich den herrschenden Strömungen anzupaffeu versteht, eher geeignet. Die Folge wird sein daß unter der neuen Präsidentschaft das Diinisterium und vor allem dessen Vorsitzender die Leitrmg der Geschäfte in viel höherem Maße in der Hand haben werden, als es unter dem herrfchgewaltigen Clemenceau der Fall geweseu wäre. Die Wahl bedeutet auch eine Abkehr von der einseitigen Rachepolliik zur Berücksichtigung Ler inneren Aufgaben, an Lie Clemenceau in feinem Siegesrausch nicht gedacht hat,er hat es," schreibt eine französische Zeitung,an allem fehlen lassen, den Frieden zu organisieren und die wachsende wirtschaftliche Krisis methodisch zu be­kämpfen." Wenn auch der neue Präsident alles mehr als ein Deutschsreund ober ein Pionier des Wilsonschen Weltfriedens ist, so ist eine derartige Schwenkung, wie sie diese Wahl gebracht hat, immerhin als ein Anstoß zur Besserung zu begrüßen. Es kann für die Fran­zosen nur heilsam sein, wenn sie ihr Auge zeitweilig bei sich zu Hause herumgehen lassen, und je mehr uie wirtschaftlichen Verhältnisse ihres eigenen Landes ins Auge gefasst werden, desto eher werden sie zu der Er­kenntnis kommen, daß Frankreich sich selbst schadet, wenn es feine unentbehrlichen Nachbarn zu vernichten sucht.

Die Bolschewisten in Rußland

werden nach Besiegung Denikins im Süden u. der Ge^ siegung des Generals Denikin im Süden rind der Ge. fongennahme Koltschaks im Osten immer mehr zu einer Weltgefahr, ähnlich wie die Sanskulotien. die nach der französischen Revolution den Feuerbrand des Krieges über die Grenzen trugen. Diese leider sehr traurige Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, wenn die Westmächie nickst zur Vernunft kommen und in Wer Erhaltung eines lebenskräftigen Teutschen Reiches ben besten Grenzwall errichten zum Schutze ihrer eigenen Länder.

Ein Kinoskandal hält z. Zt. die katholische Bür­gerschaft der Stadt in Aufregung. In einem Film Die Pest in Florenz" wird das sittliche und reli­giöse Empsinden uni) Fühlen der Katholiken in bet schmählichsten Weise verletzt. Das Katholiken-Koini- ice hat durch seinen Vorsitzenden Herrn Amtsgerichts­rat Rhiel gegen die Weiteraufsührung des Films Protestiert, Schüler höherer Lehranstalten haben am Freitag abend durch ihr energisches Vorgehen die Aufführung des Films verhindert. Ein jüdischer Rechlsanwalt, als Vertreter des Kinobesitzers, wagte es gegenüber der allgemeinen Anssassung aller karh. Kreise, die zur Begutachtung des Films vom Kino- besitzer zu einer Sondervorstellung eingeladen waren, zu behaupten, daß das Stück nichts für die Katho­liken Verletzendes enthalte. Demgegenüber werden die Fuldaer Katholiken es als Ehreiipflicht betrachten, mit allen zulässigen Mitteln gegen den Skandal vor- zngehen, um zu ihrem Recht zu kommen. Noch ist es nicht so weit, daß man sich im katholischen Fulda alles gefallen zu stassen braucht. .

Ein verständiges Wort an Aaldbesitzer. In Ze;- tungsanzeigen werden gegenwärtig die Besitzer von Wald aufs nachhaltigste angereizt, ihren Bestand zu