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neues Jahr neuer Besang.

Aus Alban Stolz' Tagebüchern, 1842.

Als ich heute aufwachk, war während des Schla- fens ein Heller, bestimmter Gedanke in mir ausgegoren und stand beim Erwachen fertig da, wie die Wolke mor­gens vor der Sonne, so vom Bewußtsein beleuchtet, oder vielmehr wird ein fremder Geist, der Schutzengel, ihn vorgelegt oder zu mir gesprochen haben; er hieß so:

Wenn es anders und besser mit mir werden solle, so müßte ich bestimmte feste Vorsätze fassen und mich anstrengen, dieselben auszuführen; eigene Vernunft setzt dann hinzu, oder der Gedanke entwickelte sich noch weiter, ich müsse aber auch jedesmal Gott bitten, daß er mich zu diesen Vorsätzen erleuchte und stärke, lind vor allem, daß der Entschluß, Vorsätze zu fassen, halt­bar und fest bleibe. Und so ist überhaupt seit Jahren meiner Seele fast von Tag zu Tag zugesprochen wor­den von einer Holden himmlischen (Stimme, bald süß tröstend, bald sanft vorwerfend, und meistens freudig ermunternd und süß lockend. Wer ist es, der nicht müde wird, mich zu ziehen und die Dornen mrs dem Weg zum Himmel wegzuräumen, der sich nicht abschrecken läßt von meiner Trägheit und meinem Leichtsinn, täg­lich neu die Stimme zu erheben? Wohl ist es Eoèt, der Große in Liebe und Barmherzigkeit aber wer ist der Geist, der bewußt und frei an mir Gottes Wil­len vollführt? Wie wird die Seele aufflammen in Liebe und Freude, wenn sie hinübertritt und den süßen Geist erblickt, der ein Leben lang als stiller, unsicht- barer Freund sie gehegt und geführt hat ohne Dank und ohne Treue! Ünd wer weiß, vielleicht muß er noch von mir vieichen und darf nicht in Gottes Schoß mich führen! Darum will ich dir jetzt danken, du himm­lischer Geist, wenn es mir drüben nicht gegönnt ist, dich zu sehen, oft will ich an dich denken tinb dir zu­liebe tun, was mir nutzt. Geliebter, liebe mich, und werde nicht müde, mich Undankbaren zu lieben; o, fast ist es unverschämt, wenn ich dich bitte, strenge alle Kraft an, mich dorthin zu führen, wo du bist, da ich selbst so behaglich und mühelos in den Tag hinein- tebs und so rufe ich nun: Sei ein barmherziger Samarlt unb laß mir keine Ruhe, bis ich mich zusam­menraffe, aufstehe lind gehe.

" Gläserzell. Eine große Weihnachtsfreude hat die Glockengießerei von F. Otto in Hemelingen unserer klei- nen Gemeinde bereitet. Wider Erwarten schnell hat diese leistungsfähige Firma uns zwei neue Glöck- ch e n geliefert, die in der Christnacht zum ersten Male die Gläubigen zum Gottesdienst riefen. Unsere Kapelle mußte für Heereszwecke ein Glöckchen im Gewicht von 180 Pfund, das im Jahre 1845 Johann Krick in Eck­weisbach gegossen hatte, abliefern. Es blieb zurück ein 80 Pfund wiegendes, gesprungenes, mißtönendes Glöck- lein. Das jetzige neue Geläute, aus zwei Glöckchen be­stehend, wiegt 4 Zentner. Die beiden neuen Glöckchen erfreuen durch ihren wohltuenden unb harmonischen Klang. Die Kosten für das neue Geläute wurden Haupt- sächlich durch freiwilligeSpenden aufgebracht. Sehr schnell und opferfreudig brachten die Gläserzeller, bereu Gemeinde nur 102 Seelen zählt, 3000 Mark zu- sammtn. Besonders verdient hat sich um die Beschaf­fung des neuen Geläutes der Herr Bürgermeister Ruhl gemacht. Das katholische Volk liebt außerordentlich ein wohlklingendes Glockengeläute. In ganz Deutschland werden allerorts in Stadt und Land trotz des hohen Preises des Glockenmetalls neue Ktrchenglocken anstelle der abgelieferten beschafft. Die geforderte Ablieferung von Kirchenglocken war eine Maßnahme der obersten Heeresleitung, die vom Volke nicht verstanden werden konnte und sehr schmerzlich empfunden ward. Viele religiös gesinnte Deutsche datieren von der Zeit der Ablieferung der Kirchenglocken das Sinken des Kriegs- glücksterns der deutschen Heeresmacht. Feindliche Kriegs­gefangene erblickten im Abtransport von Kirchenglocken ein Zeichen der Schwäche und Ohnmacht Deutschlands und erhofften um so zuversichtlicher die Besiegung der Deutschen.

Giesel. Von nah und fern waren am Sonntag zahl- teutje Schaulustige aus Giesel und den umlieg. Ortschaf.

ten herbeigeeilt, um der von dem TheatiervereinTha- lia" im Schnell'schen Saale angesagten Theater" vorsk.ellimg beizuwohnett. Neben einem kleinen Woihnachtsdrcrma und einigen heiteren Stücken bildete den Glanzpunkt des ganzen Abends die ballige Tra­gödie:Das Ende des Steinbcruern". Es stammt aus der Feder des hiesigen Lehrers. Herrn Christel Kalb. Das Drama behandelt das Leben und das traurige Ende eines Jch-Dlenschen, der sich mit den Seinen, der Welt und schließlich auch mit Gott über- toirft. DerSteinschkidel" dieses Egoisten laßt sich auch dann nicht erweichen, als ihn schivere Schicksals, schlüge im eigenen Hause treffen. Erst als es ihm, dem Steinbauern, selbst ans Leben geht, kehrt er zu seinem Gott wieder zurück. söhnt sich attdj mit den Sei­nen wieder aus und stirbt dann. Der Verfasser hat es trefflich verstanden, in diesem Drama die Haupt­personen mit großer Feinheit zu zeichnen tmb damit seine Zuschauer dauernd in Atem zu halten. Gleich­zeitig zeigte Herr Kalb in dem Stücke sein großes Ta­lent sowohl in Bühnentechnik als auch in der sprach­lichen Form des Stückes. Die, Darsteller selbst spiel­ten, Dank der tatkrästigen Ddithilfe des Verfassers, vor. trefflich und machten damit ihrem jungen Theaterver- einThalia" alle Ehre. Möge dem beugen Dichter, dessen Talente bisher nur in engeren Kreisen bekannt waren. eine erfolgreiche Zukunft beschieden fein. Der Reinertrag des Abends wurde für die Errichtung eines KriegerdLnknrals der gefallenen Krieger in Giesel be­stimmt.

Neuhof. Eine imposante Weihnachtsfeier Ivar cs, die der hiesige Männer, und Arbeiterverein zusam­men mir dem Gesangverein diesnurl veranstaltete; in ihrer Bühnentechnik und SangeSfiüift hatten sip sich vereinigt, um daS große Weihnachtsfestspiel Emanuel" von H. F. RWller für Soli, gemischten Chor imd Orchesterbeglerlung zur Aufführung zu brin. gen. Diesmal konnte der Präses des Vereins, Herr Kaplan Henkel. viele Hunderte willkormnener Gäste begrüßen, die von nah und fern sich eingefunden hat­ten um? Geheimnisse der heiligen Nacht n kunst­voller Darstellung auf sich einwirken zu lassen. Der von Herrn Harrptlehrer V r ö tz vortrefflich geleitete Chor leistete in jet^r Hinsicht anerkennenswertes ; auch die zwölf lebenden Bilder, in künstlerisch schönem Büh­nenrahmen und in effektvoller Bühnenbeleuchtung dar- geboken, tonten von überraschender Wirkung. Svd= nec der Anwesenden konnte sich am Ende der egtet des Eindrucks erUuchren, daß auch heute noch religiöse Darstellungen in schöner Form die klin­genden Saiten im Mcnschenherzen anschlagen. Das bewies auch der stürmische, lang anhaltende Beifall, der immer wieder die Vorführung des Schlußbildes:Weih- nachtsjubel" und die Wiederholung des mächtigen Alleluja-Gesanges forderte. Mit Stolz und Genug­tuung kann der Männer- und Arbeiterverein nnd der Kirchenchor auf diese Feier als auf einen Glanzpunkt in den Vereinssestlichleiten blicken. Hocherfreulich ist es daß gerade an einem Orte, wo andere Elemente riesige Anstrengungen machen, das Heiligste nnd Er. habenste, die Religion, langsam aus dem Herzen des Volkes zu verdrängen, kathol. Männer es sich zur Auf­gabe gemacht haben, auch durch solcheDarbietungen ver­edelnd auf aitöere einzuwirken und wieder aufzubcawn. was die Kriegssahre bei vielen vernichtet haben: das starke religiöse Bewußtsein.

Rückers b. Flieden. Am letzten Sonntag fand im Gasthause von Emil Seng bei vollbesetztem Saale eine Vottsvereinsverfammlung statt. Nach herzlicher Be­grüßung der so zahlreich Erschienenen durch unfern hochw. Herrn Dechanten von Keitz behandelte Herr Volksvereinssekretär Frank aus Fulda in klaren und überzeugenden Worten das Thema:Der Wiederaufbau Deutschlands und wir Katholiken". Herr Pfarrer Dicke von Neuhof zeigte sodann, wie gefahrvoll die freien Ge­werkschaften unserer katholischen Heimat seien und daß gerade der Volksverein in kultureller und politischer Be­ziehung vortrefflich unterrichte. Der Verein erhielt einen erfreulichen Zuwachs von Mii gliedern. Im An­schluß an die Versammlung wurde die Zentrumsorga- nisation für unsere Gemeinde ins Leben gerufen. Am 2. Weihnachtstage und am Feste der hl. Drei Könige brachte unter allgemeiner Beteiligung unser hies. Jung- sraucnverein mehrere Theaterstücke zur Aufführung. Der Präses, Herr Dechant von Keitz, legte den Anwesen­den den Zweck und die Ziele des Vereins dar, der sicher zu manchem Guten führen wird. Großen Beifall ern­teten die Darstellereinnen, die sich gut in ihre Rollen hineingefunden hattew

" Hünfeld. Der Beschluß des Fuldaec Inhrb. wirtschaftlichen Kreisverein-, sich nicht für den deutsch.

nationalenLandbund" herzugeben Md sich der chrish. lichen BauernvereilligunZ auzuschließen. wird von der H. V." eine klare und zielbewußte Haltung genannt und zur Nachah m u n g e m pfohlen. Auch der Hünfelder Kreisverband ivird in Kürze zu der Frage Stellung nehmen müssen. Nach der Stimmung im größten Teile des Kreises wird ein Anschluß an den Landbrind mit seinen deutschnationalen Tendenzen auf Ablehnung stoßen. Gerade für unsern Kreis mit seiner konfessionell und politisch gem:scht"n Bevöl­kerung ist die Vereinigung der deutschen (christlichen) Bauernvereine die gegebene Standesorganisatio?^. in der sich die Katholiken und Protestanten, die Anhänger des Zentrums und der deutschnationalen Volkspartei in gemeinsamer Arbeit für ihre landwirt­schaftlichen Interessen zusammenfiuden können. Denn die christlichen Bauernvereine bevorzugen feine einzelne politische Partei und keine bestimmte Konfes. sion, sondern suchen durch Einwirkung auf sämtliche Parteien, betten ihre Mitglieder nach freiem Belieben sich anMießen sollen, die wirtschaftlichen Interessen der Bauern und Landivirte in Parlament und Regie, rang zu vertreten. Sie haben auf diefe Weise schon recht schöne Vorteile für die Landwirrschast heran-Ä- geschlagen, während die angeblichenErfolge" des Landbundes vielfach nichts aiideres sind als eine AuS- schnn'lckung mit fremden Federn.

Aus dem Kreise Hünfeld. Hier ist man eben eifrig barxm, die Organisation der Zentrnmss'artei durch- zusetzcn. So tvurden in Hofascheubach und Atorles nach Vorträgen der Herren Redatteur Schmid und Rechtsantvalt C r a m e r-Hünfeld Ortsgruppen gegtütt. bet, denen sofort ca. 250 Personen beitvaten. In Hofaschenbach wurden in den Vorstaich gewählt Land, Wirt Franz Hahner-Hofaschenbach (Vorsitzender). Hütt­ner Joseph Rübsam-Hofaschenbach (Schrifführer unb Rechner), Hüttner und Wagner Wilhelm Hüfner ME. telaschenbach und Landwirt Benedikt Dittmar Ober- aschenbach (Beisitzer). In Morles Bürgermeister Weh. ner-Morles als 1 Lehrer Zuraw-Silgcs als 2. Vor­sitzender, Kaufmann Fladnng-Morles als Schriftführer und Rechner, sotvie Kaufmann Rudolf Heß-RinrmelJ und Landtvirt Ludwig Laibach--Silges als Beisitzer. ?lnch in Kirchhasel und Roßbach hielten beide Herren Vorträge und gründeten da Ortsgruppen. Landwirt Richard Göbel (Vorsitzender), Lehrer Baumgarten (Schriftführer und Rechner). Pfarrer Hannig d-e Landwirte Adalbert Kalb, Ipseph Richter, Karl Weh" ner Joseph Schrnitk-NeutvirtZhaus und Joseph Walter. Stendorf (Beisitzer), bilden in LArchhasel den Vorstand; Auszüger Joh. Paul Hohmann (Vorsitzender). Lehrer Sauerbier (Schriftführer und Rechner), die Landwirte Emil Burckardt, Josevh Burckardt und Hermann Detz- ler (Beisitzer) in Roßbach. Es kam dabei mich zu einer Aussprache über Znitrum und Landwirtschaft, und über die Valiernbeivegung. Die allgemeine Auf­fassung ging nach derHünf. Vztg." dahin daß un­sere Landwirte im Zentrum ihre beste politische Ver. tretung haben, der sie mich in Zukunft treu bleiben. Zur Geltendmachung ihrer wirtschastlichen Interessen sii'.d die Bmiernvereine da, denen ebenfalls feuer Larid. Wirt beitreten sollte. Abgelehnt ivurde dagegen von allen Seiten ohne Ausnahme der Anschstiß an den deuschnational gerichteten Landbund, loie ihn der Vor­stand der Bezirksbauernschaft Klirhessens in Marburg beschlossen hat. Die politisch neutrale Vereinigung der deutschen (christliche,i) Bauernvereine tvurde als der Verband bezeichnet dem die Hünfelder Bmiernvereine sich anschließen niüßten, ba er seinen Mitgliedern völlig freie Wahl läßt, welcher politische,i Partei sie zugehoren wollen.

Zinferalba. Der von der katholischen Schule in Un< teraiba veranstaltete Unlerhalmngsabend wurde dreimal vor ausnerlaustem Hause gegeben. Reigen Pantomimen, Lttsispiele, alles war so.gut eingeübt und wurde so ge­spielt, daß man nur eine Stimme des Lobes hörte. Sie Leitung lag in den Händen des Herrn Lehrers Gabrielski, dem besonderer Dank gebührt.

Sieber (Kr. Gelnhausen). Am DreikönigStag fand im Saale der kaiholischen Gemeinde die erste diesjährige Versammlung des katholischen Volksvereins statt. Nach der Eröffnung durch Herrn Pfarrer Kauth sprach zuerst Herr Volks­vereinssekretär Frank über den Anteil der Katho­liken am künfrigen Wiederaufbau Deutschlands, vonn Herr Dr Große aus Berlin über gewerk- jchaftlichs Fragen und das Betriebsräte-Gesetz. 24 Neuanmeldungeu zum Volksverein, der jetzt 100 Mitglieder zählt, waren der Erfolg deS Abends.

Fritzlar. In einer Sitzung des Hessischen Gv« schichtsvereins in Kassel äußerte sich Prof. Dr. F u ck