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Mittwoch, den
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28. Dezember
1932
NsichsiâK am 11 Sanuar?
Auch die ReiOSregierung Mr kchneU« 6riär««s in der ArichSpoUitt
feiwy* IwyfkSj^^
* Von der Haltung des Reichstags zu den Miß- trEensvoten gegen die Regierung wird die Auflösung des Parlaments abhängen.
* Ab 1. Janauar 1933 ist die Einfuhr von Schweineschmalz und Papierholz unter. Einfuhrbewilligung gestellt. e
Schon seit einigen Tagen ging in Berliner politischen Kreisen das Gerücht um, daß innerhalb des Kabinetts v. Schleicher sich wiederum Zolldifferenzen zwischen dem Reichsernährungsminister Frhrn. v. Braun und dem Wirtschaftsminister Professor Warmbold ergeben hätten. Es wurde sogar behauptet, daß der Reichsernährungsminister von seinem Urlaub, den er jetzt angetreten habe, nicht mehr in sein Amt zurückkehren werde. An gut unterrichteter Stelle wird dem Nachrichtenbüro des Vdz. erklärt, daß diese Vermutungen falsch seien.
Nachdem Ministerialdirektor Vollert aus seinem Hauptamt als Ministeraldirektor im preußischen Landwirtschaftsministerium ausgeschieden ist, hat die kommissarische preußische Staatsregierung die ihm erteilte Bestellung als Staatskommissar für land- wirtschastliche Siedlung zurückgezogen. Dieses Amt übernimmt in Zukunft sein Nachfolger Ministerialdirektor Niermann.
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Ser deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl Dr. D. Bergen ist gestern von Papst Pius XI in Privataudienz empfangen worden und hat bei dieser Gelegenheit die Neujahrswünsche der Reichsregierung und seine persönlichen Glückwünsche ausgesprochen. Auch der bayerische Gesandte Baron v. Ritter ist zu dem gleichen Zweck gestern in Prioataudienz empfangen worden.
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Der Bremer Bürgermeister Dr. Donandt hat sich, den Wünschen des Senats entsprechend, bereit erklärt. das Amt des präsidierenden Bürgermeisters für ein weiteres Jahr zu führen. Der bremische Gesandte in Benin, Minister Dr. Nebelthau, ist vom Senat für ein weiteres Jahr in feinem Amt bestätigt worden. *
Auf Veranlassung des Auswärtigen Amts hatte der Norddeutsche Lloyd den in der Zentralamerikafahrt beschäftigten 2866 Tonnen großen Dampfer Agira nach Amapala gesandt, um den in Honduras ansässigen und durch die Aufstandsbewegung gefährdeten Deutichen Schutz zu verleihen. Nach einem am 26. Dezember eingegangenen Kabelgramm hat der Lloyddampfer Agira insgesamt 22 grauen und Kinder an Bord genommen.
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„Chicago Tribune" meldet aus Newyork, daß Roosevelt vor einiger Zeit eine Persönlichkeit, deren Namen man nicht erfahren könne, nach Europa entsandt habe mit dem geheimen Auftrag. bei verschiedenen Persönlichkeiten in London, Paris und Rom wegen der Schuldenfrage zu sondieren.
♦ Die französische Kammer beschloß gegen die Stimmen der Rechten die Ausgabe von fünf Milliarden neuer Schatzbonds.
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Der amerikanische Botschafter in London Mellon hat erklärt, daß er sich nach dem 4. März 1933 ins Privatleben zurückziehen werde.
Der amerikanische Staatssekretär Stimson betonte gestern erneut, daß Verhandlungen mit der französiichpn Regierung über eine Revision der Schulden zurzeit nicht in Frage kämen. Es habe sich auch nichts an der Vorbedingung geändert, daß Frankreich zunächst die Dezemberrate zahlen müsse, bevor die Frage einer Diskussion in dieser Richtung überhaupt erörtert ^werden könne.
Aus Belgrad wird gemeldet: Eine im Amtsblatt veröffentlichte Verordnung des Ministerrats ermächtigt die südslawischen Banken mit aktiver Zahlungsbilanz die vorübergehend mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, Auszahlungen auf Sparkasfen- konto oder für laufende Rechnung einzuschränken. Die Verordnung wird ein Jahr lang in Kraft bleiben.
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' Nach einer Meldung der Telegraphen-Agentur der Sowjetunion aus Tomsk hat einer der Internierten der früheren Armee des chinesischen Generals Supirwen gestanden, daß er bisher einen falschen Namen angegeben habe und in Wirklichkeit General Matschanschen sei. Wegen dieser Irreführung der Sowjetbehörden wurde der General Matschanschen vom Sowjetkommando Tomsk mit Isolierung von den übrigen Internierten bestraft.
•) Näheres stehe politischen TeS
Vertagung »der Auslösung
Berlin, 27. Dez. Die amtliche Einladung zur Sitzung des Aelteslenrales des Reichstages auf Mittwoch, den 4. Januar, 16 Lthr, liegt nunmehr vor. Auf der Tagesordnung steht der von den Kommunisten unmittelbar nach der letzten Sitzung des Aeltestenrates eingebrachte Antrag auf sofortige Einberufung des Reichstages. In der Gesamtlage ist seit jener letzten Sitzung des Aeltestenrates keine wesentliche Aenderung eingetreten. Als möglicher Termin für den Wiederzusammentritt der Vollversammlung wird in parlamentarischen Kreisen heute Mittwoch, der 11. Januar genannt. Die Reichsregi er ung wird einer Einberufung zu diesem Termin wohl kaum widersprechen, andererseits aber auch nicht auf einen bestimmten Termin drängen, sondern die Festsetzung dem Aeltestenrat überlassen.
Wie das Nachrichtenbüro des Vdz. meldet, wurde am Dienstag in Berliner parlamentarischen und politischen Kreisen, soweit der Weihnachtsurlaub bereits beendet war, vor allem die Frage erörtert, wie die Aussichten für die Januartagung des Reichstags lägen. Die offizielle Einladung zur Sitzung des Aeltestenrates des Reichstages am Mittwoch, den 4. Januar, um 16 Uhr, liegt jetzt vor. Auf der Tagesordnung steht ein Antrag der kommunistischen Fraktion auf Einberufung des Reichstagsplenums. Es verlautet in parlamentarischen Kreisen daß auch die Natio - n a l s o z i a l i st e n den Wunsch haben, den Reichstag früher tagen zu lassen, als es ursprünglich möglich erschien nach der Erklärung der Reichsregierung, daß sie die gewünschten Auskünfte über die Kassenlage des Reichs und den Etat für 1933 vor Mitte Januar im Haushaltsausschuß nicht ^^.t könne. Als Termin für den Wiederzusammentritt des Reichstags hörte man in parlamentarischen Kreisen Mittwoch, den 11. Januar, nennen. Es heißt auch, daß die Reichsregierung einer etwas vorzeitigen Einberufung keine Schwierigkeiten in den Weg legen werde, wobei hervorgehoben wird, daß es umfo beffer sei, je schnellereine Klärung der politischen Haltung des Reichstags gegenüber dem Kabinett v. Schleicher erfolge.
Man rechnet damit, daß Sozialdemokra- te n und Kommunisten versuchen werden, die politische Aussprache mit anschließender Abstimmung über die Mißtrauensvoten vom Reichstag sofort durchführen zu lassen.
Für das weitere Bestehen des Reichstags dürfte hierbei maßgebend sein, ob die Nationalsozialisten durch positive Zustimmung zu den INißtrauensanträgen die Mehrheit gegen Schleicher schon in der Januartagung ermöglichen, oder ob sie sich zunächst vielleicht der Stimme enthalten bzw. an der Abstimmung nicht beteiligen würden. Kommt eine abermalige Vertonung nicht zustande, so ist vor oder nach der Abstimmung über die Mißtrauensvoten mit der Auflösung zu rechnen.
Vov de« Stiiieebeimitotttt»
Berlin, 27. Dez. Es verlautet mit Bestimmtheit, daß die Verordnung über den Verwen
Wieder
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Berlin, 28. Dez. Der Haushaltsausschuß des Reichstages tritt am 10. Januar wieder I zusammen. Er will einen Bericht des Reichs- finanzmintsters über die Finanzlage des Reiches entgegennehmen und bei dieser Gelegenheit die Wünsche der Parteien für den neuen Reichsetat zum Ausdruck bringen. Im Reichsfinanz- ministerium ist man bereits an der Arbeit, diesen Etat im Entwurf fertigzustellen. Von den verschiedenen Ressorts sind schon die einzelnen Abschnitte überreicht worden. Der Reichsfinanzminister hat auch diesmal wieder die Anweisung hinausgehen lassen, die Ausgaben noch mehr als bisher zu drosseln. Infolgedessen wird der erste Teil der Etatsvorbereitungen im Zeichen neuer Sparmaßnahmen stehen, wobei es ohne heftige Kämpfe der Ressorts untereinander und mit dem Reichsfinanzministerium nicht abgehen wird.
Die Hauptschwierigkeit bildet jedoch die Erledigung der Einnahmeseite, da die Steuerkraft des deutsches Volkes in den letzten Monaten immer mehr nachgelassen hat, die Anforderungen der Länder und Gemeinden aber für soziale Zwecke weiter gestiegen sind und so an die Kunst des Reichsfinanzministers die höchsten Anforderungen
dungszwang von inländischen Felten bei der Margarineherstellung, nunmehr morgen erscheinen wird. Es wird sich um eine Ermächtigung an das Ernährungsministerium handeln, die Zwangsbeimischung einzuführen
Die mit großer Bestimmtheit auftauchenüe Meldung, daß mit dem Erlaß einer Reichsverordnung betreffend Butterbeimischungszwang zum Kunstfett bereits heute zu rechnen sei, hat in der K u n st - fettindustrie starke Erregung hervorgerufen. Noch vor wenigen Tagen, so teilt man mit, sei von der zuständigen Reichsstelle die Zusicherung gegeben worden, daß keine Beschlüsse gefaßt und keine Verordnung erlassen werden würde, ehe nicht die Interessenten nochmals zu' Wort gekommen seien. Die Veröffentlichung dieser höchst zweifelhaften Maßnahme gerade in der politisch stillen Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr wird als besonders „taktisch" empfunden. Sachlich wird zu der Maßnahme bemerkt, daß die Anhäufung von Buttervorräten in großen Verbrauchsplätzen, insbesondere in Berlin, die Interessenten des Beimischungszwangs veranlaßt hätte, ihren Druck auf die Reichsregierung zu verstärken, und daß die Reichsregierung sich hierdurch bewogen gefühlt habe, diesen von einflußreichen Teilen der Landwirtschaft lange gehegten Wunsch noch in diesem Jahre zu erfüllen.
Ueber die Haltbarkeit und die Lagerung von Mischfett liegen noch keine ausreichenden Erfahrungen vor. Die Folge davon werden empfindliche Verluste sein. In diesem Punkt sei Deutschland mit Holland nicht zu vergleichen, wo der Warenumschlag schneller erfolge und die einheitliche Beschaffenheit der Butter die Beimischung zu einem viel geringeren Risiko mache. Uebrigens sei selbst innerhalb der Grünen Front die Ansichten geteilt. So ist der bekannte Führer der süddeutschen Bauernschaft, der frühere Reichsernährungsminister Dr. Fehr, ein ausgesprochener Gegner des Beimischungszwangs. Wenn die Reichsregierung dem Reichsernährungsminister die Ermächtigung zur Festsetzung d-s Beimischungszwanges erteilen sollte, so könne von paritätischen Verhandlungen des Ministeriums und der Kunstfettindustrie nicht mehr die Rede sein. Daß die Beimischung durchgeführt werden könne, ohne daß eine Preiserhöhung für das Speisefett der breiten Massen eintritt, hält man in den Kreisen der Margarineindustrie für völlig ausgeschlossen.
gestellt werden. Der Reichskanzler v. Schleicher hat in seiner Rundfunkrede zum Ausdruck gebracht, daß mit neuen Steuern nicht zu rechnen fei. Daraus darf man wohl schließen, daß er sich mit dem Reichsfinanzminister grundsätzlich dahin geeinigt hat, den Etat auf jeden Fall an die gegebenen Verhältnisse anzupassen und dem deutschen Volke keine neuen Ausgaben z u - zumuten.
Da zunächst anzunehmen ist, daß der Etat parlamentarisch verabschiedet werden soll, muß er bis spätestens Februar dem Reichsrat und dem Reichstag zugehen. Das Etatsjahr läuft nach wie vor vom 1. April bis zum 31. März. Bei der Verkündung des Hooverfeierjahres hatte sich die Reichsregierung allerdings die Ermächtigung geben lassen, das Etatsjahr mit dem Hooverfeierjahr in Uebereinstimmung zu bringen. Von dieser Ermächtigung war jedoch niemals Gebrauch gemacht worden. Da aber anzunehmen ist, daß der Reichstag nicht im stände fein wird, den Etat ordnungsmäßig zu verabschieden, werden wir uns wohl auch wieder auf feine Verkündung durch eine Notverordnung einrichten müssen.
Nev Kelchskanrlev hat die Sühvung!
Durch die Bildung der beiden Kabinettsausschüsse, für Arbeitsbeschaffung und Siedlung ist die Umwandlung des in Deutschland üblichen Regierungssystems einen Schritt wei- ter vorangekommen, ohne daß sich die Oeffent- lichkeit zunächst der Tragweite dieses Schrittes bewußt geworden fein dürfte. Entwicklungs- gefchichtlich ist diese Umwandlung besonders deshalb interessant, weil sie zeigt, daß wir langsam aber sicher zu der durch Bismarck eingeführten und bewährten Form zurückkehren, allerdings geläutert und auf die Erfordernisse der Zeit abgestimmt.
In den ersten Jahren der deutschen Re- publik war die Form des Koalitionskabinetts die gegebene und herrschende. Im Grunde genommen war die Regierung nichts anderes als ein Ausschuß der Parteien, in dem sich die einzelnen Minister als Exponenten ihrer Parteien ansahen und ihre amtliche Tätigkeit auch darauf einstellten. Aber schon vor zehn Jahren, am 31. Dezember 1922, wurde in der Reichshaushaltsordnung festgelegt, daß der Reichshaushalt eine Angelegenheit des ganzen Kabinetts und deshalb auch nicht mehr die Verantwortlichkeit einzelner Ressortminister für die jeweiligen Teile des Haushalts gegeben sei. Damit trat kollegiale Arbeit und kollegiale Verantwortung an die Stelle des bisher üblichen Jndividualsystems. Bis zum Kabinett Papen hat man an diesem Grundsatz festgehalten. Unter dem ersten autoritären Reichskanzler wurde die Mehrheit der Parteien durch die Mehrheit der Minister abgelöst. Die Einrichtung der Kabinettsausschüsse schaltet für die Fragen der Arbeitsbeschaffung- und Siedlung die Einspruchsrechte der Fachminister aus, da sie sich den Mehrheitsbeschlüssen des Kabinetts in diesen beiden Fragen fortan fügen müssen. Daraus ergibt sich, daß der Einfluß der Ressortminister im Reichskabinett zugunsten der Führerstellung des Reichskanzlers in entscheidender Rückbildung begriffen ist. Der Reichskanzler bestimmt nicht nur, gemäß der Verfassung, die Richtlinien der Politik, er, oder in gewissen Fällen sein Stellvertreter, hat auch die tatsächliche Führung der Kabinettspolitik in den Händen. Damit wächst allerdings auch der Umfang seiner Verantwortung. Wenn je ein Minister, dann muß sich vor allem der Reichskanzler durchaus im klaren darüber sein, was er erreichen will, allerdings auch, was er erreichen kann. Kabinettskrisen von heute sind deshalb keine Koalitionskrisen mehr, sie können auch nicht entstehen über ein Mitglied des Kabinetts, sondern sie werden immer und ausschließlich reine Kanzlerkrisen sein.
Geht, wie anzunehmen ist, die Entwicklung auf diesem Wege weiter, werden fortab die Reichsminister mit Ausnahme des Reichswehrministers der, wie die gesamte Wehrmacht schon 1919 aus guten Gründen aus der Politik herausgezogen und dem unmittelbaren Oberbefehl des Reichspräsidenten unterstellt worden ist, etwa wieder die Rollen von Staatssekretären zu übernehmen haben, wie dies bereits unter Bismarck der Fall gewesen ist. Selbstverständlich haben sie in ihrem Bereich Initiative und Verantwortung. Auf der anderen Seite aber erhalten sie vom Reichskanzler bestimmte Aufträge und Zuweisungen, bei denen sie als Fachminister, also Referenten zu amten haben. Dadurch hat die Führerstellung des Reichskanzlers eine Verstärkung erfahren, die für die autoritäre Regierungsführung im Sinne Hindenburgs von besonderer Bedeutung ist. Die Persönlichkeit des Reichs» kanzlers ist fortab der wichtigste politische Faktor Deutschlands überhaupt.
Der frühere chinesische Außenminister Dr. Mn ist zum chinesischen Botschafter in Moskau ernannt worden.
Die beuttse Summer umfaßt 10 (Seiten