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IS Dezember

1932

Optimismus der deutschen Lndufteie

Veoseammatische Reden Trupps, waemSoWs und GOweein-Mvosigks vor dem

Reichsverband der Deutschen Lnduftvte

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Reichskanzler v. Schleicher mir», wie jetzt fest- steht, seine angekündigte Rode im Rundfunk heute um 19 Uhr halten. Die Rede wird voraussichtlich eine Stunde in Anspruch nehmen. Wir wir weiter hören, wird die Rede, nachdem sie über alle deut­schen Sender verbreitet worden ist, auszugsweise auch in englischer Sprache durch einen deutschen Kurzwellensender nach Amerika gesendet werden.

Der Reichsoerband des deutschen Handwerks | hat den Reichskanzler in einer Eingabe gebeten, in (einer heutigen Rundfunkrede auch zu den vor- ldringlichen Fragen dec Handwerkswirtschaft Stel­lung zu nehmen. Das Schreiben betont die Notwen­digkeit. daß nur durch die unmittelbare Einschaltung einer mit den Verhältnissen des gewerblichen Mittelstandes durchaus vertrauten Persönlichkeit »an entscheidender Stelle die erforderliche Berück- fichtigung des Handwerks erzielt werden könne. Der Eingabe wurden einige Entschließungen beigefiigt, die den Ernst der Lage im Handwerk und seine verzweifelte Stimmung zum Ausdruck bringen. Schließlich wurde der Reichskanzler noch gebeten, der Spitzenvertretung des deutschen Handwerks so­bald wie möglich Gelegenheit zum mündlichen Vor­trag geben. *

Die Reichst errang hat gestern die Aushebung der Verordnung zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit vom 5. September 1932 be­schlossen. Als Beendigungstermin ist der 31. De­zember 1932 vorgesehen.

Wie wir erfahren, wird heute bei der Reichs­bank eine Sitzung derjenigen Stellen stattfinden, die seit längerer Zeit über die Errichtung derJfi" (Jndustrie-Finanzierungsinstitut) und Amorti­sationskasse zwecks Entlastung der Bankbilanzen verhandelt. In dieser Sitzung soll auch über die Richtlinien, die jetzt ausgearbeitet sind, gesprochen werden.

* Der Preußische Landtag nahm gestern eine große Anzahl von Anträgen an, darunter einen auf sofortige Haftentlassung der nach dem Wortlaut der Reichstagsamnestie zu befreienden politischen Ge­fangenen und einen weiteren Antrag, die Verord­nung über die Einsetzung des Reichskommissars in Preußen aufzuheben.

Die kommunistische Fraktion hat an den Reichs- tagspräsidenten ein Schreiben gerichtet, in dem die Einberufung des Reichstages für Montag, den 19. Dezember gefordert wird.

Der ordentliche Professor der philosophischen Fakultät der Kieler Christian Albrecht-Universität, Scheel, ist für 1933/34 zum Rektor der Kieler Uni­versität gewählt worden.

Der Kommissar des Reichs für das preußische Unterrichtsministerium Kähler hat für heute die Rektoren der dem Ministerium unterstehenden Uni­versitäten und Hochschulen zu einer Aussprache über die hochschulpolitische Lage in das Ministerium eingeladen.

Der zurückgetretene belgische Ministerpräsident de Brocqueville ist vom König mit der Neubildung des Kabinetts betraut worden.

Die Vereinigten Staaten und China haben einen provisorischen Vertrag unterzeichnet, demzufolge Echina eine Anleihe von 15 Millionen amerikanischer Dollar erhalten soll. China genehmigt alsSicher­heit" den Bau bedeutender Flugstationen durch Amerika an der Ostküste der Hainan-Insel, in Heit- schau und an der Heiho-Mündung.

König Georg von England wird am Weihnachts­tage zwischen 15 u. 16 Uhr MEZ. eine Rundfunkrede halten, die von allen Sendern des ganzen Welt­reiches übernommen werden wird.

Die Einberufung der Wsltwirtschastskonferenz wird, wie in Genfer unterrichteten Kreisen verlau­tet, wahrscheinlich, sofern es sich als notwendig er­weist, auch noch über den Mai 1933 hinaus ver­schoben werden, falls es nicht vorher zu einer Eini­gung in der Frage der internationalen Schulden lummen sollte. Die Sachverständigen in Genf er­klären, daß vor einer Regelung der Kriegsschulden­frage die Stabilisierung der englischen Währung nicht erwartet werden könne und daß ohne diese Voraussetzung die Weltwirt'chaftskonferenz mit ihren Arbeiten und Entscheidungen in der Luft hänge.

> Höheres stehe politischen Teil

Wahrung der Grundlinie des Wapenntanes

Berlin, 14. Dez. Der Reichsverband der Deutschen Industrie hielt heute eine Haupl- ausschußsihung ab. Die Sitzung wurde durch eine programmatische Ansprache des Vor­sitzenden, Dr. Krupp von Bohlen und Halbach, eröffnet. Dieser Ansprache folgten programmatische Ausführungen des Reichswirtfchaftsminiflers Dr. Warmbold und des Reichsfinanzministers Graf Schwerin-Krosigk.

Nv. âuvv von Bohlen und Saibach

der Vorsitzende des Reichsverbandes der Deutschen Industrie gab einen Rückblick auf das verflossene Jahr, das auf internationalem Gebiet vor allen Dingen den endgültigen Schlußstrich unter die unselige Reparationsfrage gesetzt habe

Günstige Anzeichen auf dem Geld- und Roh- ftoffmartt lassen die Hoffnung zu, daß der Tief­punkt der Kriese überwunden sei.

Es wäre verhängnisvoll, wenn der Einsatz aller produktiven Kräfte der Wirtschaft durch par­teipolitische Umstände zunichte gemacht werden würde.

Gegenüber der Regierung Schleicher spre­chen wir den Wunsch aus, daß sie sorgfältig darauf bedacht sein möge, dae Grundlinien desprogrammspaven zu wahren, Ab­änderungswünsche dieser oder jener Gruppe mit aller Vorsicht zu behandeln und vor allen Dingen gefährliche kredit -und Währungs- politische Experimente zu ver­hindern.

Keine Regierung, die anders handeln würde, könnte sich von der moralischen Verantwortung dafür frei­machen, wenn etwa die bestehenden Ansätze einer Besserung durch eine neue Mißtrauenswelle zerstör' würden. Ich halte es für meine Pflicht als Vor­sitzender des Reichsoerbandes der Deutschen In­dustrie, in diesem Kreise und in aller Oeffentlich- keit dies Verhältnis der Verantwortlichkeit klipp und klar darzulegen. Neben den einzelnen finanz- und sozialpolitischen Aufgaben ist es vor allem not­wendig, künftig eine ganz klare Scheidung zwischen den Aufgaben des Staates und denen der Privatwirtschaft Herzu' stellen. Es muß durch einschneidende Reformen auf dem Gebiet der Ausgabenwirtschaft in allen Teilen der öffentlichen Hand eine schnelle und durchgreifende Entlastung herbeigeführt werden. Mr müssen vor allem auch einen Strich ziehen unter das böse Ka­pitel derSubventionswirtschaft". Der Roichsver- banö hat wiederholt in eindeutigster Form gegen die Fortsetzung der Subventionswirtschaft, gegen

Kußesguns in Rom über iialienfeindlitbe Ausfchveitungen kn Dalmatien

Rom, 14. Dez. In dem dalmatinischen Städt­chen Trau ist es dieser Tage zu schweren italien- feindlichen Ausschreitungen der dortigen jugoflawi- scheu Bevölkerung gekommen, wobei von den jugo­slawischen Demonstranten die berühmten venezia­nischen Markus-Löwen zerschlagen wurden. Diese und andere ähnliche italienfeindliche jugoslawische Kundgebungen haben die italienische Oessentlichkeit außerordentlich erregt. Die gesamte italienische Presse protestiert gegen das Geschehnis. Auch der Ausschuß des italienischen Geschichtsinstiluts hat an den Bürgermeister von Zara in einem Telegramm seiner Entrüstung Ausdruck gegeben.

Der Vorfall hat auch den italienischen Senat am Mittwoch beschäftigt und zu einer aufsehen­erregenden Rede Mussolinis geführt, der sich scharfer Wendungen gegen den jugo- slawischen Nationalismus bediente.

Senator Ricci gab zunächst in einer längeren Rede der Entrüstung Italiens über diesenVan­dalismus" Ausdruck. Er erinnerte außerdem daran, daß Oesterreich in Dalmatien stets die histo­rischen Symbole von Rom und Venedig geachtet und geschützt habe. Erst unter serbischer Herrschaft habe dasbarbarische Zer­störungswerk" begonnen. Die Serben hätten sich in Dalmatien wie Feinde in Feindesland aufgeführt.

jedeSozialisierung der Verluste" Stellung genom­men, und ich möchte diese Stellungnahme hier aufs neue mit aller Entschiedenheit unterstreichen.

Mehr Aktivität wieder in der Privatwirtschaft, dag ist ein Wort, das ich allen Unter­nehmern und Arbeitgebern. Beamten und An­gestellten, nicht zuletzt den Arbeitern zurufen möchte.

Zur Frage des Abbaus-der hohen Gehäl. t e r apellierte der Vorsitzende an jeden, der für das von ihm geleitete Werk in der Notzeit um staat­liche Subventionen eingekommen sei; er sollte der erste sein, der sich in seinen Ansprüchen an das Werk freiwillig und aus eigener Ueber­zeugung weitestgehend b e sch e id e t; aber auch ein jeder, der ein Werk leitet, das wie leider so Diele in der geaenwärtigen Zeit mit D s r- lu st arbeitet, sollte sich hinsichtlich seiner An­sprüche auf feste Bezüge die größte Zurückhaltung auferlegen und sich vielmehr mit der Aussicht und der Hoffnung begnügen, sich in wirtschaftlich besseren Zeiten durch entsprechende Gewinnbeteiligung für seine Arbeit und Verantwortung einen zusätzlichen Entgelt zu verschaffen. Dr. Krupp v. Bohlen und Halbach schloß seine Ausführungen mit dem Be­kenntnis, daß er die Grundbedingungen für eine Besserung der wirtschaftlichen Lage heute durchaus in günstigerem Licht sehe als vor einem Jahre, und rief den Politikern in Deutschland und in der Well zu:

.,Machs Schluß mit den politischen Systemen, durch die ihr die Wirtschaft in Fessel« geschla. gen habt! Verlangt von der Wirtschaft ein Höchstmaß an Leistungen, aber gebt ihr durch Beseitigung der Partei- und machtpolilischen

Hemmungen eine ehrliche Chance!"

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der nach Krupp das Wort ergriff, führte etwa fol­gendes aus: In einer bewegten Zeit muß jeder, der Verantwortung trägt, sich Rechenschaft geben dar­über, wo man steht und wie die wirtschaftlichen Tatsachen zu bewerten sind. Dabei hat man zu

Aufsehenerregende Rede SNuNoums

Alsdann ergriff Mussolini das Wort. Er erklärte, die Ereignisse von Trau, Veglia und den anderen Orten müßten als Symptome einer italienfeindlichen Gesinnung ange­sehen werden; sie seien nicht das Werk von Ein­zelpersonen oder aufgeregter Gruppen, sondern entsprächen einem genauen Plan. Die wahren Schuldigen seien in gewissen Elementen der politischen Elite des Nachbarstaates zu suchen, für die eine gegen Italien gerichtete Haß- und Verleum­dungspropaganda den Versuch darstelle, Bindungen im Innern zu schaffen und im Ausland in einer Italien herabsetzenden weise zu arbeiten. Allein eine nicht weniger schwere Verantwortung trügen andere Elemente, die man als europäische bezeich­nen könne; sie hetzten vergebens, Italiens so oft schon erprobte Kaltblütigkeit zu provozie­ren. indem sie eine schreiende Pressekampagne ent­fesselten. die aus grotesken Voraussetzungen und stupiden Schlußfolgerungen gemischt seien.

Mussolini kündigte zum Schluß einen diplo- malischen Schritt des italienischen Gesandten in Belgrad an.

Die Sitzung des Senats wurde nach der Rede Mussolinis zum Zeichen derSolidarität ganz Italiens mit den in Dalmatien lebenden Italienern" vertagt.

unterscheiden zwischen den realen wirtschaftlichen Tatsachen, die sich aus der Registrierung ziffern­mäßig ergeben, und den stimmungsmäßigen Fak­toren, welche das Handeln der wirtschaftenden Menschen beeinflussen. Es kann . sehr wohl die psychologische Einstellung »er Setter der Unterneh­mungen schlechter oder besser sein, als es die realen Faktoren rechtfertigen. Heute scheint mir eine solche Situation gegeben zu sein, und zwar derart

daß die stimmungsmäßige Beurteilung der Lage vielfach ungünstiger ist, als es die Wirt- schaftsziffern zulasse«.

Das hat, soweit u» sehe, zwei Ursachen: Einmal die allgemeinen politischen Momente. Ich möchte, da ich der Tagespolitik fernstehe, hier­auf nicht näher eingehen. Nur soviel sei gesagt, daß wir nach der beklagenswerten Beunruhigung durch die politischen Vorgänge der letzten Zeit hoffen dürfen, nunmehr vorerst eine wesentliche Beruhi­gung zu erleben. Die zweite Ursache liegt darin, daß die Anzeichen für eine wirtschaftliche Belebung in der Welt, die wir seit Mitte des Sommers zu verzeichnen haben, zu weitgehenden Hoffnungen hinichtlich des Tempos der Ueberwindung der Kri e ausgelöst haben. Das Wirtschoftspro- gramm des 4. September hat drei Haupt- teile:

1. die Zuführung von Skeuergutscheine« an die Wirtschaft zur Steuerentrichtung. 2. bie ebenfalls in Form von Steuergutscheineu zu gewährenden Beschäftigungsprämien und 3. eine Arbeitsbeschaffung in Höhe von etwas mehr als dreiviertel Milliarden Mark. An diesen drei Maßnahmen wird die neue Reichsregierung festthalten.

Bei allem aber steht die Realisierung zum größten Teil noch bevor.

&4e Ävbeltsbestbaffuns bedarf naturgemäß eines gewissen Anlaufszeit« raums. Er wird insbesondere durch die technischen Vorbereitungen bedingt. Es ist daher auch nicht verwunderlich, daß heute, 3 Monate nach Verkün­dung des Wirtschaftsprogramms, die Arbeitsbeschaf­fung erst au|f Teilgebieten wirksam geworden ist Bei einem Gesamtüberblick wird man daher eine pessimistische Beurteilung des Wirtschastsprogramms als voreilig bezeichnen müssen. Es erscheint mir an der Zeit, in die Erinnerung zurückzurufen, daß man vielfach, und zwar mit einem gewissen Recht, das Wirtischastsprogramm als einen Einjahresiplan be­zeichnet hat. Man soll sich dessen bewußt bleiben, daß von diesem Johr praktisch erst 2% Monate, also noch nicht einmal ein Vierteljahr verstrichen fink

Der Minister gab sodann ziffernmäßige Belege für die gegenwärtige wirt­schaftspolitische Sage und sagte u. a.:

Auch die nüchterne Betrachtung bi elf er Ziffern kann nicht leugnen, daß hier eine Wendung einge­treten ist. Es sei an uns, diese Bewegung zu ver­stärken. Das wird u. a. insbesondere durch zwei Umstände tzeschchen: Einmal dadurch, daß sich das bisherige Arbeitsbeschaffungs- Programm er st in der Zukunft in eine Anregung der wirtschaftlichen Tätigkeit umsetzen wird, und zweitens dadurch, daß dieses Programm durch weitere zusätzliche Arbeitsbeschaffung ergänzt werden soll. Dabei werden einige wichtige Gesichts­punkte beachtet werden müssen. Obenan muß der Grundsatz stehen, daß nur solche Arbeiten gefördert werden dürfen, die volkswirtschaftlich nützlich sind und aus dem Zukunftsertrag verzinst und getilgt werden können. Ferner sollten dft Arbeiten vor­zugsweise und in der Regel an Unternehmer ver­geben werden. Diese Form der Arbeitsbeschaffung hat gegenüber der Form der Regiearbeiten den Vorteil, daß sie die private Initiative unmittelbar anregt und damit die allgemein wirtschaftliche Be­lebung wirksam und schnell fördert Weiterhin wird man in der Regel nur kurzfristige Arbeiten über­nehmen, damit sie, sobald die private Wirtschaft in das erstrebte größere Volumen hineingewachsen ist, alsbald gedrosselt und abgebrochen werden können.

Denn Arbeitsbeschaffung darf nur Notstands- mahnahme sein und nicht zum Selbstzweck wer- den. Schließlich darf die Finanzierung nur in einer Form erfolgen, welche in keiner Welse die Währung gefährden darf.

Man soll sich daran erinnern daß mir drei Jahre hindurch überall und ausschließlich Abwärts­bewegung und Schrumpfung erlebt haben. Schon die Tatsache, daß diese ununterbrochene Abwärts­bewegung und Schrumpfung aufgehört hat, muß

Oie heutige Nummer umfaßt 12 Seiten