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Mittwoch, den 30. November 1932
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Fünfzig Sahire S. Laticka Ä.-G.
Am 1. Dezember kann eines der größten und bedeutendsten Unternehmen des Lebensmittelhan- dels im Rhein-Main-Gebiet, die I. L a t s ch a A.-G. auf ein öOjähriges Bestehen zurückblicken. Der Gründer dieses Unternehmens _mar Jakob Latscha, der Nachkomme einer alten Familie aus dem schweizerischen Jura, wo der Name dieses aus- dem 14. Jahrhundert stammenden Geschlechtes heute noch zu finden ist. Es war ein Pfälzer Kind aus einer angesehenen Landwirtsfamilie und wuchs im Geiste der ernsten Frömmigkeit seines protestantisch- mennonitischen Vaterhauses auf. Zunächst war er in der Landwirtschaft seines Vaters tätig und widmete sich dann dem Kaufmannsberufe. Im Laufe feiner Lehr- und Wanderjahre fand er eine Stellung bei der Kruppschen Konsumanstalt in Essen a. d. Ruhr, machte sich aber in Essen schon bald selbständig. Die neugegründete Firma Latscha u. Dörnberg eröffnete bereits im Jahre 1877 ihre erste Filiale und als Jakob Latscha im Jahre 1882 in Frankfurt a M. am Allerheiligentor einen kleinen Kolonialwarenladen unter der Firma J. Latscha eröffnete, tat er dies in der bewußten Absicht, das in Essen erprobte Filialsystem auch hier einzuführen. Dielen Schwierigkeiten zum Trotz führte er konsequent das damals in Frankfurt noch ziemlich unbekannte System des Verkaufes gegen Barzahlung durch. Dank der unermüdlichen Tatkraft des Gründers und der vollen Hingabe feiner Mitarbeiter wuchs das Unternehmen zusehends und der Name „Latscha" wurde bald ein Begriff für „gut und billig".
Jakob Latscha starb im Januar 1912. Ihm folgten in der Geschäftsleitung seine zwei Söhne und sein Neffe. Nach dem Kriege, der die Entwicklung des Unternehmens jäh unterbrochen hatte, wurde die Aufbauarbeit langsam und zielbewußt wieder ausgenommen
In Wiesbaden wurde die Firma Adolf Harth A.-G. dem Unternehmen angegliedert. Am 1. Dezember 1932 werden einschließlich der Firma Adolf Harth A.-G insgesamt 194 Filialen betrieben, in denen zusammen 918 Personen beschäftigt sind. Der Geist des Fleißes und der Treue, die der Gründer feinem Werke eingeflößt hat, sind auch heute noch darin lebendig und sind eine Gewähr für weiteres Wachsen und Gedeihen.
Jakob Latschas geistige Regsamkeit und Tatkraft fanden aber in der rein geschäftlichen Tätigkeit noch nicht ihr Genüge. Die Traditiion der Familie und seine eigene Lebensauffassung trieben ihn dazu, sich in gemeinnützigen und sozialen Aufgaben zu betätigen. Im Kampf um die Sonntagsruhe und um den Achtuhrladenlschluß, der erbittert geführt wurde, stand er an erster Stelle. Er übernahm den Vorsitz des „Christlichen Vereins junger Männer" und hat zu einer Zeit, als man von „Jugendbewegung" noch nicht viel wußte, bereits für die sittliche und körperliche Ertüchtigung der jungen Männer gewirkt.
Das Verwaltungsgebäude und Lagerhaus der Firma I. Latscha ist in Frankfurt in der Schmedler- straße, eine Besichtigung dieses Betriebes fand gestern durch Pressevertreter und Behörden statt. Herr Hans Latscha begrüßte die Erschienenen und wies darauf hin, daß es heute wichtiger denn je sei die Kosten vom Produzenten zum Konsumenten Niedrig zu hatten, und dabei eine einwandfreie Ware zu liefern. Die Firma Latscha hat deshalb ihren Betrieb bis ins Kleinste durchorganisiert und sich alle Fortschritte der Technik und Hygiene zu Nutze gemacht.
Das Lager ist nicht ein riesiger Stapelplatz für die 1600 verschiedenen Artikel, die die Firma führt, sondern ein sogenanntes „Anbruchslager", das nicht mehr Ware enthält, als die Filialen in ein paar Tagen nötig haben. Die Arbeit in dem Lagerhaus erfolgt nach genauem Fahrplan. Die Bestellungen der Filialen werden nach einfachstem Erstem zusammengestellt und in den bekannten Lieferautos den Filialen zugestellt. Wie groß der Warenverkehr ist, beweist, daß im Vorjahr in dem Latschalager- Haus täglich durchschnittlich 6 Waggons umgeschlagen wurden.
MüSriben in ttnifoem
o Christa von Winsloe schreibt zur Aufführung ihres erfolgreichen Schauspiels „Mädchen in Uniform" (Erstaufführung im Hanauer Stadttheater am Samstag, 3. Dezember):
„Sehr schnell schließt sich die offene Kinderseele, wenn sie zu reifen beginnt. Frauen sind rätselhaft, — Frauen sind launisch, versteckt, schwer zu ergründen, sagen die Männer. Daß dies alles in wesentlich verstärkter Form für die werdende Frau zutrifft, wissen die wenigsten Eltern. Sie lassen sich gerne täuschen. Glauben am liebsten an die Kindlichkeit ihrer Töchter; ahnen nicht, wie nachdenklich sie mit den Blicken den Eltern nachsehen. Und wenn sie es ahnen erschrecken sie und fassen den Entschluß, das Kind vor allem zu bewahren und geben es in eine Erziehungsanstalt oder in ein Kloster. Da sollen sie dann, „vor der Welt geschützt", die Jahre des Erwachens zubringen. Aber Leben ist, Leben. Beschneidet ihr einer Pflanze die Zweige, ja nehmt ihr das Licht, so entwickelt sie Wurzeln. Das sieht man gar nicht. An der Oberfläche ist alles in Ordnung. Da ist es so, wie der Gärtner es haben will — die Form, so wie er sie schnitt, die blasse Farbe, die für diese Art Blumen die Feinheit ausmacht. Und so kommt sie aus dem Gewächshaus heraus, in den Handel: Hochachtung, Edelzüchtung. Manche überleben die Prozedur, es sind die robustesten. Die Zarteren tragen Schäden — unsichtbare — ganz, ganz versteckte Schäden — ihnen selbst oft unbewußt, mit sich das ganze Leben lang.
Die Militärschulen für die männliche Jugend bereiteten auf ein Leben vor, das dem der Erziehungsanstalt auf ein Haar glich. Das Leben ging für diese Knaben einfach so weiter, wie es begann.
Die dogmatische, streng abgeschlossene Mädchen- erziehung hingegen steht heute zu dem weiteren Leben der Kinder im Gegensatz. Kräftigere von ihnen werfen beim Verlassen einfach alles von sich. Andere machen die Umwandlung der Begriffe unbewußt durch. Manche stehen ratlos. Manuela ist eine der Ratlosen. Man sieht von diesen Wesen wenig. Es liegt in ihrer Natur leise zu sein. Man bemerkt sie nicht. Sie haben selten die Fähigkeit sich auszusprechen, weit weniger, zu schreien. Die keine Manuela versteht nicht. Sie verficht nicht, «eil niemand erklärt. Weil eine Welt um sie ist, öte kalt unterdrückt, was ihr nicht paßt. Kurzsichtig zerstört und au-merzt, was ihr unoesund erscheint.
Manuelas Fall ist nicht unbedingt an dieses
Welche Größe der Betrieb hat, das beweisen am besten einige Zahlen. So werden täglich 160 Ztr. Mehl in Pfundtüten verpackt, 80 000 Eier durchleuchtet, sortiert und verpackt, 10 000 Kaffeepäckchen und 3000 Teepackungen hergestellt. Das geschieht zum größten Teil mit Hilfe von Maschinen, doch ist die Maschine nur dort angewandt, wo sie voll ausgenutzt werden kann.
Ein System der Fehlerfeststelluna in einzelnen Abteilungen und die Lehrlingsausbildung sorgt für ständige Leistungssteigerung in allen Teilen der Fima Latscha.
Jung und blühend steht heute die Firma J. Latscha im Geschäftsleben Frankfurts und Umgebung und chre heutige Führung gibt eine Gewähr dafür, daß das Unternehmen auch weiterhin feine Aufgabe im Frankfurter Geschäftsleben erfüllen wird
Aus einem Fond, der zu diesem Zweck angesammelt wurde, hat die Firma Latscha folgende Stiftungen gemacht: 1. Der bestehende Personalunterstützungsfond wird, um 31 000 Mark auf 100 000 Mark erhöht 2. Dem Personal wird eine Jubiläumsgratifikation gegeben. Den Wohlfahrtsorganisationen innerhalb und außerhalb Frankfurts werden insgesamt 10 000 Lebensmittelpakete zur Abgabe an Bedürftige überwiesen. 4t Verteilt auf die Wintermonate werden denselben Organisationen Lebensmittelgutscheine im Gesamtbetrags von rund 30 000 Mark zur Verfügung gestellt.
tveihnashtsvevloßtms des Verbandes devAanairev Wohlfahrts ovganrrat onen
Der Hanauer Bildhauer Wilhelm I ä n e k e, Mitschöpfer des kürzlich oingeweihten Löns-Denkmals, hat zur Weihnachtsverlosung eine wertvolle Holzplastik gestiftet: „Schreitender". eine Mönchsgestalt in tief verinnerlichter Haltung. Die Gabe gilt als dritter Gewinn in der Verlosung und reiht sich würdig den beiden anderen Kunstgaben an. Das Bild des Konstmalers Theodor Schäfer „Frühling im Vörspestart" stellt ein Talstück des Biebergrundes dar (1. Gewinn); Maler und Graphiker Schmidthlld versetzt den Beschauer in feinem Gemälde auf eine Hallig-Insel in tiefem Winterschnee, darüber der schwere Himmel der Nordsee (2. Gewinn). Die Werke sind in den Schaufenstern der Stadtsparkasse (Marktplatz) ausgestellt. Das Los kostet 50 Pfg. und ist an den Schaltern der Stadtsparkasse erhältlich. Die Ziehung findet am 23. Dezember statt. Die glücklichen Gewinner können die Gaben am Weihnachtsabend auf den Geschenktisch stellen. Der Loseoerkauf hat schon begonnen! Wie im Vorjahr werden sich auch diesmal viele Hanauer an der Lotterie beteiligen, in froher Erwartung eines Treffers und dem Winter- hilfswerk zu Nutz und Frommen!
Das Handwerk wm eine Vev- tvetuug tm Rerhskavinett
Wie wir erfahren, hat der Kurhessisch- waldeckische Handwerkerbund e. V. zu Kassel sich mit folgendem Telegramm an den Reichspräsidenten gewandt:
„Wir bitten tn Uebereinstimmung mit dem Reichsverband des deutschen Handwerks Ew. Exzellenz als Ehrenmeister des deutschen Handwerks bei Kabinettsbildung einen Vertreter des Handwerks zu ernennen. Das Handwerk in seiner wirtschaftlichen und seelischen Not und Verzweiflung wartet auf dieses sichtbare Zeichen seiner Berücksichtigung.
In Ehrerbietung Kurh. Wald Handwerk erbund e. D. zu Kassel
geiz. G. Stühler gez. Dr. Hartmann
Vorsitzender Syndikus.
Durch diese Handlung unterstützt der Kurh. Wald. Handwerkerbund e V. die erst vor einigen a&MMMB—^^^^^^^^^l^^^^^^^^l^^^^
Milieu gebunden, obwohl es dafür besonders geeignet ist. Ich mußte diese Umgebung (das Mäd- chen-Erzichungsinstitut) wählen, weil, weil, dies meine Kindheit und weil dieses Milieu in variierter Form noch heute die Kindheit vieler kleiner Mädchen bedeutet, die wie gefangen auf ihren Kalendern sehnsuchtsvoll die Daten mit schwarzer Tinte ausfüllen bis zum Tag ihrer Entlassung und Befreiung.
SiäMWbe Aenseete
Kammermusikabend des Pfalzorchesters.
Die herrlichen Kunstgenüsse, die uns das Pfalz- orchester in seiner vollen Besetzung sowohl wie als Kammerorchester geboten hat, ließ in den Kreisen der Konzertbesucher den Wunsch aufkommen, von den ausgezeichneten Kräften dieses Tonkörpers auch einmal reine Kammermusik zu hören Es war hier eine Gelegenheit geboten, aus der reichen kammermusikalischen Literatur einmal die Werke herauszugreifen, die der Besetzungsschwierigkeiten wegen sonst selten zu hören sind, wie beispielsweise das Septett von Beethoven, das Oktett von Schubert und dergl.
Da diese Wünsche sich nicht in den Vortragsfolgen der 5 Konzerte berücksichtigen ließen, wurde ein besonderer Abend für Kammermusik vorgesehen. So verlockend nun der Gedanke war, die beiden obengenannten Perlen der Kammermusik in das Programm eines Abends aufzunehmen, so hat man doch aus zweierlei Gründen davon Abstand genommen; einmal wäre die für einen Kammermusikabend übliche, nämlich nicht allzu große Dauer wesentlich überschritten worden, zum andern sind die beiden Kompositionen wegen ihrer fast gleichen Besetzung klanglich nicht verschieden genug. Beides Momente, die zum Nachteil der Besucher den Genuß an den so herrlichen Tonschöpfungen beeinträchtigt hätte. Man hat deshalb für diesmal das Oktett von Schubert gewählt, während das Septett von Beethoven im Rahmen der stöbt. Konzerte des nächsten Winters geboten werden soll. Dem Werk von Schubert, das für Streichquintett, Klarinette, Fagott und Horn geschrieben ist, geht ein Bläserquintett von Beethoven für Flöte. Oboe, Klarinette, Fagott unb Horn voraus.
Es steht zu erwarten, daß diesem einzigen Kammermusikabend des Pfalzorchesters am 5. Dezem
Tagen wieder vom Reichsverband des deutschen Handwerks betonte und mit Recht begründete Forderung des Handwerks auf Berücksichtigung im Reichskabinett Das Handwerk will mit dieser Forderung sich eine Sicherheit dafür schaffen, daß endlich die kommende Wirtschaftspolitik des Reichskabinetts auf das Handwerk Rücksicht nimmt und es nicht nur in Worten, sondern auch in Taten zum Mittelpunkt des Handelns macht.
WkntevvovrSte unteres he mat- Utiben Tierwelt
„Vorsorgen" heißt das ungeschriebene Gesetz der Natur und triebhaft, ohne je belehrt worden zu sein, sammeln viele Tiere Vorräte für die nahrungslosen Tage des Winters. Mit einer Lebendigkeit sondergleichen verwahrt das Eichhörnchen im späten Herbst Nüsse, Bucheckern und Eicheln, selbst Tannenzapfen in hohlen Baumstämmen unweit des wohlgefütterten mit Laub und Moos dicht ausgepolsterten Winternestes. Bisweilen legt es neben diesen „Kellern" noch eigene Dorratsnester an „hochgelegene Bühnenkammern": Kugeln aus Reis und Laub voll Eßbares, die vom Winternest nur ein paar Kletterpartien entfernt sind. — Auch der Hamster, dieser gefürchtete Aehrendieb, schichtet im selbstgegrabenen Kessel Nahrung für die kalte Jahreszeit auf. Bis zu einem Zentner und noch mehr Getreidekörner wurden aus den Magazinen eines Hamsters schon herausgeschaufelt. So kommt es, daß das gegen Kälte fast unempfindliche Tier selbst die längsten Winter überdauern kann. — Eifrig hat das Bienenvolk im Frühling, Sommer und Herbst Honigseim geschlürft und in die Waben getragen. In Wintersnot erntet es den Lohn des Fleißes. Der Honigvorrat erhält das Volk allen verschneiten Wiesen und blütenleeren Bäumen zum Trotz. — Daß auch größere Säugetiere nicht ohne Vorrat sich zum Winterschlaf niederlegen, beweisen Fuchs und Dachs. Selten legt sich der Fuchs schlafen, ohne noch zuvor einiges Frischwild — Hühner oder Raben, bisweilen auch eienen Hasen — in die Höhle aeschlevvt zu haben. Im Dachsbau aber liegen Obst, Möhren, Rüben, Feldmäuse und Maulwürfe bereit, um wenigstens für die ersten Wochen noch einen Imbiß zu haben. Später freilich liegt unser Grimbart eng' zusammenaerollt, den Kopf zwischen den Vorderbeinen, im Winterschlaf.
Aus dem GerMtskaal
Die ertappten Wilderer.
Zwei hiesige Erwerbslose hatten am 2. November per Rad eine Wildererfahrt unternommen, von der sie in den Abendstunden nach Hrer zurückkehrten. Auf der Wilhelmsbrücke sollte sie noch kurz vor ihrem Ziele ihr Geschick ereilen. Zwei Polizeibeamten kamen die Radfahrer, von denen einer einen vollen Rucksack auf dem Rücken trug, verdächtig vor. Kurz entschlossen stellten daraufhin, dre Beamten die beiden Verdächtigen, die zunächst äußerst entrüstet taten und sich als die harmlosesten Menschen der Welt auffpielten. Als sich dann ein Beamter etwas näher für den Rucksack und seinen Inhalt interessierte, warf ihm der eine Erwerbslose plötzlich sein Fahrrad vor die Füße, entriß ihm den Rucksack und schleuderte ihn in die hochgehende Kinzig. Eine Leibesvisitation förderte dann ein zusammengelegtes Gewehr und die dazu gehörige Munition bei dem Rucksackträger zu Tage, der daraufhin mit feinem Gefährten den Weg zur Polizeiwache antreten muhte. An den Kleidern der beiden Festgenommenen wurden auf der Wache Rehhaare vorgefunden, so daß man über den wahren Inhalt des Rucksackes sofort im Klaren war. Vergeblich versuchte sich zunächst der eine Erwerbslose, der im Gegensatz zu seinem Genossen noch ein Neuling auf dem Gebiet des Wilderns war, damit herauszureden, in dem fortgeworfenen Rucksack feien alte politische Flugblätter gewesen. Schließlich gab er das aussichtslose Spiel doch verloren und räumte zögernd ein, bei Langenselbold einen Ha
ber, 20 Uhr, der ein so interessantes Programm aufweist, lebhaftes Interesse entgegengebracht wird. Karten sind im Vorverkauf im Zimmer 2 des Rathauses — Erdgeschoß — erhältlich.
Lwsl titanffirbeunoen
o „Kasimir und Karoline". Von Oeidön Horvath im Schauspielhaus Leipzig. Die Berliner Direktion Aufricht wollte Oedön Horvaths neues Stück nicht in Berlin starten. Berlin, so glaubte man, sei voreingenommen. Er verständigte sich mit Leipzig, der Stadt, wo die Uraufführungen gerade in dieser Saison an der Tagesordnung sind, mit dem Schauspielhaus, dessen Besucher auch ein Experiment zu würdigen wissen. — Nun „Kasimir und Karoline", wenn auch eine ungewohnte Kost, hat nicht versagt, und vom Publikum darf man das gleiche behaupten.
Horvath läßt uns alle, die wir Staatsanwälte, Klaubrüder, Stenotypsen, Mädchen â tout prix oder gar „was besseres" sind, nichts weiter werden als Zeitungsphrasen, Volks- und Kalenderweisheiten (einschließlich Rezepte). Da ist kein Ausrufungs- zeichen, das wir nicht noch gestern gebraucht hätten. Dazu das Münchener Oktoberfest als Rosinen. Fast jede Pointe sitzt unbarmherzig — allerdings stets auf unseren Hühneraugen. Und wo überall man doch Hühneraugen hat, das weiß dieser dramattsche Doktor Unblutig genauI Ganz genau sogar! Horvath zeigte die Oktoberwiese in allen Lebensfragen vom Rausch über den Verbandsplatz zum seelischen Knax, und wenn der hiermit besonders applaudierte Regisseur Francesco von Mendelssohn zeigt, wie der Herr Angestellte vor seinem Herrn Chef förmlich zerschleimt, das ist grandios!
Einige ausgewählte Bühnen werden dieses Stück, dessen Inszenierung unendlich viel Kleinarbeit verlangt, in ihren Spielplan aufnehmen müssen. Es ist der besten Kräfte würdig.
Die Bühnenbilder vom Caspar Neher waren angemessen abwechslungsreich, ließen jedoch irgendwelchen Materialmangel durchblicken. Die musi- kalsche Einrichtung von Julius Bürger ist zu loben. Die Darsteller: Hermann Erhardt als Kasimir außerordentlich lebensecht durchgeführt. Luise Ullrich als Karoline ist ganz überzeugend. Das gleiche gilt für den Angestelltem Karl Stepaneks. Blandine Eb«inger war leider nicht ganz in ihrem Element, aber dann Fritz Sampers — das allein echte 1
fen geschossen zu haben. Sein Begleiter, der als , richtsbekannter Wilddieb eine strenge Strafe zu i wärtigen hatte, wollte ersichtlich aus der Affäre i lassen werden. Mit seiner angeblichen Rolle c stummer Zuschauer und harmloser Warner ha er aber bei Gericht kein Glück. Mehr Glück w schon, daß der Rucksack durch das Hochwasser so geschwemmt und nicht mehr aufgefunben wuri So konnte man den Angeklagten nicht mehr na, weisen, als sie selbst eingestanden hatten. $ Strafe lautete bei dem Neuling wegen gemei schaftlichen schweren Wilderns in Tateinheit n unbefugtem Waffenbesitz auf 6 Wochen Gefängr bei dreijähriger Strafaussetzung, während der a Routinier 4 Monate Gefängnis faßte.
Aus Hof Mietgelder unterschlagen.
Ein zwanziaiähriger Erwerbsloser von hier, d sich trotz seiner Jugend schon öfters in den Masch des Gesetzes verfangen hatte, beging aus offenfid kicher Not heraus erneut einen dummen Strei Als er für eine Bekannte die Miete beim Hau Herrn bezahlen sollte, unterschlug er das Mietae in Höhe von 8.50 Mark und fälschte die Quittui des Hausbesitzers im Mietbuch, was ihm jetzt zu Wochen Gefängnis eintrug.
Ein dummer Sirchweihfpatz.
Zwei erst 18jährige Burschen aus Staffel (Kre Gelnhausen), die einen äußerst verstockten Eindn machten, leisteten sich am 21. August auf der de tigen Kirchweihe einen äußerst üblen Streich, d sehr nahe an Straßenraub grenzte. Die beiden j gendlichen Taugenichtse, die sich neuerdings au auf gemeinschaftliches Wildern verlegt haben, ut sich scheinbar gern etwas als Herren unter ihr, Altersgenossen aufspielen, wollten in der Stint Weihnacht einen gleichalterigen, körperlich sei schwächlichen Bäckerlehrling zur Ausgabe eines L terkruges Bier zwingen. Als sich der Lehrling w« gerte, fielen die beiden kräftigen Burschen auf bi Straße über ihn her und zerzausten ihn weidlu Der Endeffekt war, daß der Lehrling um seh Geldbörse mit 5 Mark Inhalt erleichtert wurde d ihm von einem der Burschen bei dieser Geleqenhe aus der Gesäßtasche entwendet wurde. Als sich d Volizei mit der Sache beschäftigte. bekamen es d beiden Angeklagten mit der Angst zu tun. Diese: Umstand war es einzig und allein auch au verdai ken, daß die gestohlene GHbbörfe nebst Anhalt g nau acht Tage sväter an der' Stätte des Dorkall« aufgefunben wurde, obwohl gerade jener Punkt al Spielstätte und abendlicher Treffpunkt der Staffele
8 Stunden hat er so geschlafen. — Müde und mit Kopfschmerzen stand er auf. — Kein Wunder, wenn ihm nun jede Arbeit mißlingt. —
Sein Kollege dagegen und guter Laune. Er sunder Schlaf wert ist.
ist stets leistungsfähig ^ weiß, wieviel ein ge-
(Er ist ein Kunde unserer Bettenabteilung 111
K. «J. Cahn
prima Hofbräu-Gewächs Hervorragend Wernei Pledath und Hans Adolphi.
o „Tanz durchs Leben". Don Richard Düringei im Stadttheater Danzig. JDte Uraufführung diese- harmlos-liebenswürdigen Singsspiels voll gefällige] und einschmeichelnder Melodien in geschickter In strumentierung fand im Stadttheater eine äußerst freundliche Aufnahme. Die Librettisten Paul Knep-. ler und J. M. Welleminsky behandeln die Lieckes- episode der berühmten Tänzerin der Biedermeierzeit, Fanny Elssler. Der Komponist strebt über das eigentliche Operettenhafte hinaus, bewegt sich etwa in der Richtung eines Leo Fall und Eduard Künnecke. Besonders einprägsam sind das Finale des ersten Aktes, ein schwungvoller Walzer im zweiten Akt und das groteske Mondterzett. Auch das aktuelle Couplet von der Konkursula und das Nachtwächterlied verfehlen ihre Wirkung nicht — Kapellmeister S. E. Lessing nahm sich des Werkes mit großer Liebe und Sorgfalt an, das unter der Regie Adolf Walthers ein vorzügliche Wiedergabe fand.
o Stadltheater. Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben. Heute, Mittwoch, findet die erste Wiederholung des mit größtem Erfolge gegebenen Schauspiels „Die endlose Straße" ein Frontstück in 4 Bildern von Graff und Hintze statt. Der starke Beifall des Publikums bei der Erstaufführung bewies den ungewöhnlichen Eindruck, den dieses an 120 deutschen Bühnen gespielte Werk auf die Besucher gemacht hat. Am Freitag, 2. Dezestiber, wird Gerhart Hauptmann neuestes Werk „Vor Sonnenuntergang" wiederholl. Am Samstag geht zum ersten Male das hochinteressante Erziehungsstück aus dem Pensionat „Mädchen in Uniform" in 11 Bild"rn von Christa Winsloe in Szene — Besondere Beachtung verdient der neueingeführte Ermäßigungs-Ausweis für die Abonnenten. Nach Abgabe dieses mit dem Namen der Karte M versehenden Ausweises werden an der Theaterkasse auf alle Plätze (außer 2. Rang) 20 Prozent Rabatt gewährt. Es ist also den Abonnenten die Möglichkeit gegeben, bei beliebigen Vorstellungen, viermal im Monat Angehörigen oder Bekannten Gelegenheit zu einem Theaterbesuche zu bieten.
o Advenlsfeier der hohen Landesschule. In der gestrigen Besprechung der Adventsfeier müssen die Namen der Mitwirkenden im drittletzten Abschnitt richtig heißen: Flöte Herr Hans O tto^ Orgel Frl. F o r t u n,. Cello Herr Salier.