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30. Novembev

Osneval

Mittwoch, de«

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oderRachliefemng oder au, Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplatzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet. Geschäftsstelle: Hammerstraße 9 / Fernsprecher 3956, 3952, 3958 / Bankkonto: Stadtsparkasse Hanau / Postscheckkonto: 26659 Frankfurt a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat 95 R.pfg für den ganzen Monat RM. 1.90 ohne Trägerlohn, durch die Post bezogen monatlich RM. 1.90 ausschließlich Postzeitungsgebühren / Einzelnummer 10 R-Pfg., Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise; Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Pfg im ReNameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. - Otferiengebühr so Rpsg.

Schleicher will mit Gitter verhan-etn

Die Enttcheiduns des ReichspröKdente« «ochmats HMaussetchobe« Heute Vekvvechuns Schleicher-Httler über die Form der Opposition der «SNAV 7

Hitler in Weimar

(Letzte Meldung.)

München, 30. Jtov. wie der «völkische Be­obachter" mitteilt, ist Adolf Hiller nicht nach Berlin gefahren, sondern befindet sich i n w e i m a r, da in Thüringen die Wahlkämpfe für die Gemeinderatswahlen stattfinden. Auch Dr. Goeb- bels ist in Thüringen. Göring und Strasser haben sich zur Berichterstattung nach Thüringen begeben.

Berlin, 30. Rov. 3n der Umgebung des Generals von Schleicher rechnet man damit, daß die Besprechungen mit Hiller doch heute nachmittag zustande kommen. Hitlers Fahrtunterbrechung war dem Reichswehrministerium schon in den frühen Vormittagsstunden bekannt. Man kann also an­nehmen, dah Hitler den Reichswehrminisler unter­richtet hat. Vermutungen, dah die Besprechung außerhalb Berlins oder durch Mittelmänner des Generals von Schleicher stattfinden könnte, sind nach unseren Informationen abwegig. 3n Weimar ist über die Dispositionen Hitlers nichts zu erfahren. Ls wird dort nur darauf hingewiesen, dah Hitler ja von Weimar aus jederzeit mit dem Flugzeug nach Berlin reifen und nach feinem Abflug innerhalb von zwei Stunden in Berlin eintreffen kann.

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Der Reichspräsident empfing am Dienstag den <ms Genf zurückgekehrten Reichsaußenminiister Frhr. von Neurath zum Vortrag.

Aus Karlsruhe wird gemeldet: Der sozialdemo­kratische Abg. Rückert hat in einem Schreiben an den badischen Landtag sein Amt als Staatsrat und stellvertretender Innenminister niedergelegt. Damit ist die Sozialdemokratie endgültig aus der badischen Regierung ausgetreten.

* Ueber die Entwicklung der öffentlichen Fi­nanzen seit dem Jahre 1925 sprach gestern abend der Reichsfinanzmimster in der Hochschule für Poli­tik in Berlin.

Der Präsident des Statistischen Reichsamts, Professor Wagemann, äußerste sich optimistisch über die Weiterentwicklung der Wirtschaft.'

Der Reichskommissar für das preußische Ministe­rium des Innern hat an Stelle des Ministerialdirek­tors im preußischen Ministerium für Volkswohlfahrt Dr. Peters, Ministerialdirektor im preußischen Mini­sterium des Innern Dr. Surèn zum preußischen Staatskommissar für die Regelung der Wohlfahrts­pflege mit Wirkung vom 1. Dezember 1932 ernannt.

Die thüringische Staatsregierung gibt soeben ein Arbeitsbeschaffungsprogramm bekannt, für das fünf Millionen Reichsmark vorgesehen sind, die restlos der thüringischen Wirtschaft, dem Bauhandwerk, dem Gewerbe und dem handel zufliehen sollen.

Der Reichsrat hält heute wiederum eine Voll­sitzung ab Ms wichtigster Punkt steht auf der Tagesordnung die Wiedereinlbringung des auf in­ternationalen Abkommen beruhenden Gesetzentwur­fes über die Vereinheitlichung des Wechsel- und Scheckrechtes. Der Reichsrat hatte sich mit diesen Entwürfen schon mehrfach beschäftigt und sie verab­schiedet; im Reichstage konnten die Gesetzentwürfe infolge der Parlamentsauflösung nicht erledigt wer­den. Sie sollen nun unverändert dem neuen Reichs­tag vorgelegt werden, *

Die Aussonderung nicht entschuldungsfähiger landwirtschaftlicher Betriebe im Osthikfegebiet hat, rote WTB -Handelsdienst erfährt, in der letzten Zeit starke Fortschritte gemacht, womit auch der Sied­lung wieder ein starker Austrieb verliehen wird. Bisher sind, wie verlautet, bereits ca. 300 000 Mor­gen für die Siedelung geeignete Ländereien auf diese Weise bereitgsstellt worden. Zur Durchführung der Siedlung ist. wie weiter verlautet, Kulturamts- präsident Boddin, Kassel, als Ministerialdirigent in das Reich-ministerium für Ernährung und Land­wirtschaft berufen worden.

Herriot und Dowgalervski unterzeichneten den französisch-russischen Nichtangriffspakt.

* ) Näheres stehe politischen Test

AnsttvSvlun»

Mee MSsliMeiten

Berlin, 29. Rov. Der Dienstag hat eine Fülle sensationeller Nachrichten über die Versuche zur Lösung der Regierungskrise gebracht, aber ebensoviele Dementis sind all diesen Kombinationen auf dem Fuße gefolgt, so daß man eigentlich kaum weiß, wie die Dinge tat­sächlich liegen. Wenn man am Vormittag in der Wilhelmstraße vernehmen konnte, daß Herr Schleicher bereits seine Bemühungen als erfolglos eingestellt habe, nachdem ihm die Vertrauensleute Hitlers, Strasser und Frick, eine Absage des Führers der Nationalsozialisten übermittelt hatten, so wurde wenige Stunden später von derselben Stelle aus das gerade Gegenteil behaupet. Es wurde festgestellt, daß die Bemühungen Schleichers unentwegt wei­tergehen, und daß nach wie vor Versuche gemacht würden, alle sich bietenden Möglichkeiten zur Ueberwindung der Hindernisse auszuschöpfen. Die letztere Darstellung scheint zuzu­treffen, denn von Schleicher hat Adolf Hitler zu einer Besprechung zu sich gebeten. Die Be-

sprechung soll am Mittwoch stattfinden.

Sevtvovvene Lase

Die Verwirrung, die das ständige hin und Her der Verhandlungen zur Lösung der Regierungskrise angerichtet hat, dürfte Dienstag ihren Höhepunkt erreicht haben, wenn nicht noch weitere Ueber- raschungen eintreten. In der Umgebung des Reichs­präsidenten und in den der Wilhelmstratze nahe­stehenden politischen Kreisen hatte man damit ge­rechnet, daß bis Dienstag abend endlich die not­wendige Klärung eingetreten fei und daß der Reichs­präsident am Mittwoch vormittag seine Entscheidung über die Ernennung des neuen Präsidialkabinetts treffen würde. In gewissen politischen Kreisen war am Dienstag mittag das Gerücht verbreitet, daß die Wiederernennung des bisherigen Reichskanzlers von Papen wieder im Vordergrund stehe, da Herr von Schleicher auf die weitere Verfolgung von Ka­binettsplänen unter feiner Führung verzichtet habe. Dieses Gerücht wurde auch von dem Conti-Nach­richtenbüro verbreitet und von uns wiedergegeben. Dieses Gerücht war falsch bereits die Berliner Abendblätter wandten sich scharf gegen diese falsche Information, wobei derVorwärts" vonalar­mierenden Gerüchten" sprach und erklärte, diese Nachricht habe in den Betrieben eine ungeheure Er­regung bei der Arbeiterschaft ausgâöst. Eine Wiederbeauftragung Papens werde als schwerste Provokation empfunden. DieD. A. 3" glaubte hinter dieser Nachricht absichtliche Störungsversuche vermuten zu sollen und meinte, wenn auch eine Tolerierung" Schleichers durch die NSDAP, nicht in Frage komme, so bestehe durchaus die Möglich­keit, die Nationalsozialisten daran zu interessieren, daß die innerpolitische Entwicklung einen anderen Kurs nehme, als in den letzten Monaten. Das Gleiche gelte für andere wichtige Machtgruppen, be­sonders für das Zentrum.

Konkeve«» bei Sinbenbues

Berlin, 29. Rov. Die Unterredung v. Schlei­chers mit den nationalsozialistischen Unterführern Gregor Straffer und Frick, der man mit großer Spannung entgegengesehen hatte, hat nicht stattge­sunden. Die beiden Abgeordneten waren zwar in Berlin eingetroffen, hatten jedoch dem Reichswehr- minister mitgeteilt, daß Verhandlungen nicht von ihnen, sondern nur von Hitler selbst geführt wer­den könnten. Falls ein derartiger Wunsch bestünde, könnte Hitler am Mittwoch in Berlin eintreffen. Daraufhin hat Herr v. Schleicher eine Einla­dung an Herrn Hiller ergehen lassen, sich mit ihm an den Konferenztisch zu setzen.

Am Dienstag nachmittag waren der Wehr- minister, Reichskanzler v. Papen und Staatssekretär Meißner beim Reichspräsidenten. Sie haben einen Zwischenbericht erstattet und wohl auch bei dieser Gelegenheit dem Reichspräsidenten nahegelegt, sich mit dem nochmaligen Versuch einverstanden zu er­klären, Hitler in den Kreis der Besprechungen ein­zubeziehen Reichspräsident v. Hindenburg dürfte hierzu seine Einwilligung gegeben und die Ent­scheidung* vertagt haben.

Häifeeaten um Ä«

Berlin, 29. Nov. Die neue Aussprache Schlei­chers mit Hitler ist, wie erinnerlich, die zweite, ölè innerhalb kurzer Zeit Schleicher und Hitler haben. In jener ersten, die kurz vor Hitlers letzter Ent­scheidung über seine Ansprüche auf das Kanzleramt war, hatte er dem Reichswshrminister auf dessen Frage erklärt, daß für ihn nur seine eigne Kandidatur in Frage komme und daß jedes

andre Kabinett, auch ein vom Reichswehrminister geführtes, nicht auf Duldung durch die National- sozial'sstische Partei rechnen könne. Diese Erklärung Hitlers ist in der Zwischenzeit durch die Presse sei­ner Partei nicht zuletzt denVölkischen Beobachter" von heute. nachdrücklich unterstrichen worden. Den­noch muß die neue Aussprache Hitlers mit Schleicher irgendwie einen politischen Sinn haben. Hitler wird immerhin Genugtuung empfinden, daß man ihn schon nach wenigen Tagen wieder nach Berlin zu einer Aussprache beruft und nicht erst einige Monate verstreichen läßt, wie er selbst am Sonntag in Weimar vorausgesagt hatte. Für ihn spricht also bei der Annahme der Berliner Einla­dung sicherlich Prestigebedürfnis mit. Der Re ich s- wehrminifter wird sich wohl kaum großen Hoffnungen hingeben, daß es ihm etwa gelingen werde, Hitler eine andre Auffassung beizubringen und ihn zu einer andern Haltung gegenüber einem etwaigen Kabinett Schleicher zu bewegen. Für ihn ist aber wohl das Entscheidende, daß er eine noch­malige und damit allerletzte Feststellung trefen will, wie weit Hitler in seiner Ablehnung überhaupt zu gehen entschlossen ist.

Es wäre denkbar, daß der Reichswehrminister Wert darauf legt, von Hitler persönlich über die Stimmung in der gesamten Rationalsozialisti­schen Partei, auch in den SA. pnd SS., unterrichtet zu werden: denn für den Fall einer erneuten Reichslagauflösung muß der dann amtierende Kanz­ler vorher Klarheit gewinnen, welche Haltung die einzelnen Parteien, zumal die Rationalsozialislische, außerhalb des Parlaments einnehmen werden.

Nle innrvvolitische Lage im Spiegel de* Mette

Berlin, 30. Nov. In den Berichten und Kom­mentaren zur innerpolitischen Lage in der Morgen­presse spielt naturgemäß die für heute erwartete Unterredung zwischen General von Schleicher und Adolf Hitler die Hauptrolle. DieBörsenzei - t u n g", die es für möglich hält, daß General von Schleicher auch dann den Auftrag zur Kabinetts­bildung bekommen könnte, falls die Verständigung mit der NSDAP, scheitere, hält es für verfrüht, schon jetzt anzunehmen, daß die Verständigung mit der größten Rechtspartei auf keinen Fall gelingen werde. Es handle sich um ein Ziel, dem sicherlich noch sehr beträchtliche Hindernisse im Wege stünden, doch seien diese Hindernisse nicht so groß, als daß sie von vornherein unüberwindbar erscheinen müß­ten. Ein Versuch sei jedenfalls notwendig und bei aller gebotenen vorsichtigen Schätzung der Er­folgchancen zum mindesten nicht ganz aussichtslos.

DieD. A. Z." bezeichnet als die Frage, die an Hiller zu richten fei, nicht die Frage nach einer To­lerierung eines etwaigen Kabinetts Schleicher. Daß die Rationalsozialisten auch gegen ein Kabinett Schleicher in Opposition verharren würden, sei nach Hitlers früheren Erklärungen eine Selbstverständ­lichkeit. Es handele sich vielmehr angesichts der drohenden Gefahren für Staat und Volk nur um die Form der Opposition, oder, noch genauer aus- gedrückt, darum, ob diese Opposition weiter eine legale Opposition bleiben werde.

Das Blatt hofft, daß sich Hitler in der heutigen Unterredung allein von staatsmännischen und vater­ländischen Gesichtspunken leiten lasse und nicht sei­nerseits eine Lösung der Regierungsfrage kaputt­schlage, die ihm in ganz kurzer Frist, vielleicht zu­nächst in Preußen, aber demnächst auch im Reich, die größten Aussichten eröffne. Die gleiche staats­männische Haltung sei aber auch von den amtlichen

. , (Fortsetzung auf Seite 2)

Deutschland und die ^viegsichuldensvase

Wie nicht stark genug betont werden kann, wird Deutschland von den gegenwärtigen Aus« einandersetzungen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Kriegsschuldnern nicht be« rührt. Das Ende der Reparationen ist in Lausanne beschlossen worden und dieser Be­schluß kann nicht rückgängig gemacht werden, mag das Abkommen von Lausanne von der Ratifizierung vielleicht auch noch weit entfernt sein. In England und Frankreich konnte man unter dem ersten Eindruck der ameri­kanischen Ablehnung die Meinung hören, wenn der Kriegsläubiger Amerika jetzt seine Schuldner zur Zahlung zwinge, so müsse auch die Reparationsfrage wieder aufgerollt wer­den. Man hat inzwischen wohl eingesehen, daß man durch solche Forderungen die Lage nur noch verschlimmert. Nach der heute vor­herrschenden Ansicht kommt es vielmehr darauf an, die Vereinigten Staaten von der Undurch­führbarkeit ihrer Zahlungsforderung zu über­zeugen.

Daß man sich in den Vereinigten Staaten von der wirklichen Bedeutung und Natur der Kriegsschulden immer noch die sonderbarsten Vorstellungen macht, kann keinem Zweifel unterliegen. Selbst in sonst verständigen Kreisen scheint man keine Ahnung von dem wahren Sachverhalt zu haben. So hat, wie wir auf Seite 2 melden, der amerikanische demokratische Senator Harrison vor kurzem eine Rundfunkrede gehalten, über deren Kriegsschuldenweisheit man nur den Kopf schütteln kann. Da Harrison im kommenden Kongreß Vorsitzender des Senatsausschusses werden soll, so kann man über feine Auf­fassung nicht mit einem Achselzucken hinweg­gehen. Harrison behauptete, bei einer vollstän­digen Streichung der Kriegsschulden würde sich die finanzielle Kriegsbelastung auf die ein­zelnen Länder wie folgt verteilen: Deutschland 1 Prozent, Frankreich 8, Italien 2, Vereinigte Staaten 39 und England 50 Prozent. Er meinte weiter, Deutschland werde dann als ein fast lastenfreies Land bei dem kommenden Konkurrenzkampf in erster Linie stehen und alle seine Mitbewerber schlagen können.

Es gehört eine unglaubliche Unkenntnis da­zu, um eine solche Behauptung aufzustellen. Wenn Deutschland auch nach der Streichung der Reparationen keine politische Schulden mehr zu zahlen hat, so ist es doch durch die bisherigen Zahlungen bis aufs Mark aus­gesogen worden. Im übrigen stehen wir keineswegs lastenfrei da, sondern sind mit einer privaten Milliardenverschuldung belastet, die wir selbstverständlich an das Ausland zurückzahlen müssen. Diese ausländischen Kre­dite sind zum größten Teil in der Gestalt von Reparationen wieder in das Ausland zurück­geflossen, so daß also die private Verschuldung eine verdeckte politische Schuld darstellt neben den vielen Goldmilliarden, die bereits in die Taschen unserer Kriegsgläubiger geflossen sind. Deutschland ist zweifellos am schwersten belastet von allen Nationen und wenn man behauptet, es habe mit einem Prozent Be­lastung einen Vorsprung vor allen anderen, so beweist man damit nur eine abgrundtiefe Unkenntnis der wirklichen Verhältnisse.

Mit der Anführung von blanken Ziffern läßt sich im übrigen in diesem Falle gar nichts beweisen. Die Erfahrung der letzten Jahre hat uns gerade genügsam gelehrt, daß die rücksichtslose Eintreibung politischer Schulden den Schuldner zwar ruinieren kann, aber auch dem Gläubiger den größten Schaden zufügt. Die LondonerTimes" macht darauf aufmerk­sam, daß England in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres von den Vereinigten Staaten Waren im Werte von 59 Millionen Pfund bezogen hat, während es an die Ver-

V« heutige Nummer umfaßt 12 Setters