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Montag, den

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Äezieher keinen Anspruch auf Lieferung ober Nachlieferung oder au, Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplahvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet, z Geschäftsstelle: Hammerstraße 9 / Fernsprecher 3956, 3957,3958 / Äankkonto: Stadtsparkasse Hanau / Postscheckkonto: 26659 Frankfurt a. M.

28. November

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Kabine« Schleicher als letzter Ausweg?

Nave« und Schleicher in eusKer Wahl, doch Nave« dürfte verzichte« Keichswebrmi«rftev v. Schleicher bemüht fich «m eine« vaelamentarifcheu tSaffe«- ftillfta«d Geringe Ansfichte« - Vertagung des Reichstags biS Srüdiahr?

Äwej» ^a^Sj^ow

Reichsaußenministsr Freiherr von Neurach ist Sonntagvormittag von Genf kommend in der Rsichshauptstadt eingetroffen.

* Der Reichskommissar für den Freiwilligen Arbeitsdienst hat die Durchführung des Freiwilligen Arbeitsdienstes im Winter geregelt. Im Januar und Februar soll dieser auf ein Drittel des bis­herigen Standes gehalten werden.

Im Preußischen Landtag stellte sich am Sams­tag nachmitag bei der Abstimmung über einen so­zialdemokratischen Antrag, der die Einsetzung der Regierung Braun in ihre alten Rechte forderte, die Beschlußunfähigkeit des Hauses heraus, da nur 166 Karten abgegeben worden waren, während zur Be­schlußfähigkeit 212 Stimmen gehören. Der Präsi­dent wird die nächste Sitzung voraussichtlich auf den 13. Dezember anberaumen.

Zwischen Danzig und Polen ist am Samstag in Genf ein Abkommen abgeschlossen worden, das verschiedene Streitfragen regelt.

*

Der Wirkliche Geheime Oberkonsistorialrat D. Theodor Kaftan ist in Baden-Baden am Samstag ihn Alter von 86 Jahren gestorben. D. Kaftan wirkte jahrzehntelang in Schleswig, wo er es zu den höchsten kirchlichen Aemtern gebracht hat; zu­letzt war er Generalsuperintendent von Schleswig.

Am Samstag abend ist eine Kabine der Seil- schwebebahn auf dem Schauinsland bei Freiburg abgestürzt. Dabei wurden ^zwoi Personen getötet.

Ein Reichswehrsoldat, der in Düsseldorf auf Be­such weilte, hielt auf der Straßenbahn seinem Be­gleiter die Pistole vor, als plötzlich ein Schuß los ging. Der Begleiter wurde in der Magengegend verletzt. Der Reichswehrsoldat versuchte die Waffe gegen sich selbst zu richten, er wurde jedoch daran gehindert. *

Morgen wird der französisch-russische Nicht- angriffspaÜ unterzeichnet werden.

Der Nobelausschuß beschloß, in diesem Jahre den Friedensnobelpreis nicht zur Berteilung zu bringen. Der für dieses Jahr vorgesehene Betrag wird satzungsgemäß für das nächste Jahr zurllck- behalten.

Im Ostgrönlandkonflikt führte gestern der dänische Anwalt Steglich-Petersen sein Plädoyer zu Ende. Er betonte u. a., daß der Gerichtshof berufen sei, eine Entscheidung zu treffen, durch die die alten guten Beziehungen zwischen zwei verwandten Län­dern wiederhergestellt würden, durch die aber zu­gleich auch die von altersher 'ererbten Rechte Däne­marks anerkannt würden.

Die ständig zunehmende Zahl der vor dem Weltgerichtshof geführten Prozesse macht eine Ver­größerung des Gebäudes nötig. Die Carnegie- Stiftung hatte sich wegen des für die Bauerweite­rung notigen Kapitals von 300 000 Gulden an den holländischen Staat gewandt. Holland wurde er­sucht, den Betrag als unverzinsliches, jedes Jahr mit 30 000 Gulden amortisierbares Darlehen vorzu­schießen. In der Ersten Kammer erhob gegen die Geldbewilligung der Abgeordnete Professor de Savorin Lohmann seine Stimme. Der Betrag wurde schließlich doch bewilligt. *

Aus Lissabon wird gemeldet: In Portugiesisch- Guinea sind ein Korporal und sechs eingeborene Soldaten bei der Eintreibung von Steuern von der eingeborenen Bevölkerung angegriffen worden. Der Korporal und drei Mann sollen erschlagen, zwei Mann verletzt worden sein.

Die republikanischen und die demokratischen Führer des amerikanischen Repräsentantenhauses haben beschlossen, sofort nach dem Wiederzusam­mentritt des Kongresses die Abstimmung über die Aushebung des Prohibitionsgesetzes statfinden zu lassen. Die Abstimmung ist bereits für den 5. De­zember geplant.

Aus Apenrade wird gemeldet: Die Aufrechnung der Folketingstimmen in Nordschleswig auf die ein­zelnen Kandidaten hat die Wiederwahl von Pastor Schmidt mit 6606 von 9876 für die deutsche Liste abgegebenen Stimmen ergeben.

*) Näheres siehe politischen Te8

General v. Schleicher sondiert

Einer mit politischen Spannungen bis zum Bersten gefüllten Woche ist überraschend eia ruhiges Weekend gefolgt, weil der Reichspräsident, wie wir noch in unserer Samstag- Ausgabe milteilen konnten, die Entscheidung über den neuen Reichskanzler verschoben hatte, um noch mit den Parteien Fühlung nehmen zu können. Diese Fühlungnahme soll der Fest­stellung dienen, welche Aufnahme ein neues Präsidialkabinett in anderer Zusammenfassung bei den Parteien finden würde. Direkte Besprechungen zwischen dem Reichspräsidenten und Parteiführern haben gestern nicht stattgefunden, dagegen hat Reichswehrminister Gene­ral v. Schleicher, der jetzt als wahrscheinlicher Leiter des neuen Präsidialkabinetts genannt

Ueber den Verlauf der Besprechungen läßt sich

wird, verschiedene Besprechungen geführt, nichts Sicheres in Erfahrung bringen.

Reichsrnehrmimster v. Schleicher

LnoMrielle GonntasS- besvvechnnsen

Berlin, 28. Nov. Am gestrigen Sonntag haben eine Reihe von Besprechungen stattgefunden, die der Entwirrung de'r innerpolitischen Lage dienen sollen. Allerdings ist entgegen der Ankündigung eines Berliner Sonntagblattes beim Reichspräsi­denten kein Parteiführerempfang oder dergleichen gewesen, sondern es handelte sich gestern im wesent­lichen nur um die inoffizielle Fühlung, die General von Schleicher nach der Samstag-Konferenz beim Reichspräsidenten mit einer Reihe von Per­sönlichkeiten des parlamentarischen Lebens aufzu­nehmen beabsichtigt.

Im Zug dieser Fühlungnahme hat der Reichs­wehrminister am Samstag noch mit dem Vor­sitzenden der Deutschen Volkspartei gesprochen. Es scheint, daß er dann am Sonntag abend mit dem Prälaten Kaas zusammen war. Darüber läßt sich aber nichts sicheres in Er­fahrung bringen, da über die ganzen Besprechun­gen der Schleier tiefster Vertraulichkeit gebreitet ist. Das gilt auch für gewisse Fäden, die General von Schleicher zu den Sozialdemokraten zu spinnen versucht. Er hat sich sowohl mit Dr. Breit­scheid in Verbindung gesetzt; eine Besprechung ist aber am Sonntag nicht zustandegekommen, und ob sie am Montag stattfindet, hängt äußerlich wohl noch von einer Besprechung Breitscheids mit seinen engeren Parteifreunden ab. Innerlich ist diese Frage aber sicher schon erledigt. Die Sozialdemo­kraten denken nicht daran, irgend ein Rechtskabinett oder eine bürgerliche Regierung zu tolerieren. Der Vorwärts" hat seine Polemik am Sonntag zwar in erster Linie gegen die Wiederkehr eines Kabinetts o. Papen abgestimmt. Auf dem gestrigen Berliner Bezirksparteitag der SPD. sind jedoch sehr scharfe Töne angeschlagen worden. So hält man es denn in politischen Kreisen schon für sicher, daß auch ein Kabinett, an dessen Spitze nicht Herr von Papen stehen würde, keine Gnade vor den Augen der SPD. findet.

Die sachliche Basis der Besprechungen des Reichswehrminislers dürfte etwa folgendermaßen aussehen: General von Schleicher sucht zunächst die Ausnahme zu ergründen, die ein völlig umgebildetes Kabinett von Papen finden würde. Darüber hinaus müßte er die Tolerierung der Sozialdemokraten erreichen. Der Burgfriede mit dem Reichstage ist nur möglich, wenn entweder die Nationalsozialisten oder die Sozialdemokraten mitmachen. Die Nationalsozialisten kommen schon nicht mehr in Frage, weil ihre Führung ausdrück­lich angekündigt hat, sie werde jedes Kabinett auf das schärfste bekämpfen, an dessen Spitze nicht Hit­ler stehe. Die bisherigen Bemühungen haben aber schon ergeben, daß auch die Sozialdemokraten für ein solches Projekt nicht zu haben sind. Ebenso

werden die Aussichten für die Gewinnung der Mit­arbeit des Zentrums und der Bayerischen Volks- partei in politischen Kreisen äußerst gering einge- schäht. Darüber wird wohl schon bis Montag end­gültig Klarheit geschaffen sein.

Bestätigt sich, was allgemein erwartet wird, daß eine solche Lösung auf der Basis des Kabinetts von Papen nicht möglich ist,

so bleibt nach Auffassung politischer Kreise nur ein Kabinett von Schleicher als letzter Ausweg.

General von Schleicher möchte diese Lösung aus sehr achtbaren sachlichen Gründen vermeiden. Dar­aus sind die ernsten Bemühungen um das Zu­standekommen eines neuen Kabmetts von Papen mit zu erklären. Herr von Papen selbst würde einen neuen Auftrag ohne die parlamentarische Unterstützung, die General von Schleicher für ihn zu erreichen sucht, nicht annehmen. Da die Chan­cen einer soffen parlamentarischen Untermauerung aber äußerst gering einzuschätzen sind, so ist nach Auffassung weiter politischer Kreise also schließlich doch ein Kabinett unter Führung des jetzigen Reichswehrministers die wahrscheinlichste Lösung. Bemerkenswert ist auch, daß den Nachrichten von unterrichteter Stelle nicht widersprochen wird, wo­nach der bisherige Reichskanzler

von pa :n den Reichspräsidenten unter Hin­weis auf die gegen ihn bestehenden Wider­stände in politischen und wirtschaftlichen Krei­sen gebeten habe, von seiner neuen Betrauung abzusehen.

In einer Regierung unter der Führung Schlei­chers wäre die praktische Mitarbeit des Zentrums denkbar etwa in der Form, daß die christlichen Ge­werkschaften einen ihrer bekanntesten Führer für das Amt des Relchsarbeitsministers zur Verfügung stellen. So erklärt es sich, daß dem Reichswehr­minister die Absicht zugesprochen wird, auch mit den Gewerkschaften Fühlung zu neh­men. Das ist noch nicht, wird aber wohl anfang der neuen Woche geschehen. Jedenfalls sind meh­rere führende Persönlichkeiten der Wirtschaft und zwar sowohl auf der Seite der Gewerkschaften wie auf der der Arbeitgeber gebeten worden, sich für die nächsten Tage in Berlin zur Verfügung zu hal­ten. Von Interesse ist auch, daß der Präsident des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, Krupp v. Bohlen und Halbach, bemüht ist, im In­teresse der Wirtschaft auf die Parteien im Sinne einer baldigen Vernunftslösung einzuwirken.

^ranrösiM-vussischev Pakt

Lrankveichs Vevrkcht auf interventionistische «olitik gegenüber dem Rätebund

Paris, 27. Nov. 3m Ministerrat wurde gestern der von Herriot unterbreitete Wortlaut des französisch.russischen Nichtangriff s- und Schiedsgerichtsvertrages angenom­men, der im wesentlichen dem zwischen Polen und Rußland abgeschlossenen Verträge entspricht. Der vertrag wird am Dienstag in Paris unterzeichnet werden.

Der Nichtangriffspakt enthält eine Präambel und sieben Artikel. In der Präambel wird erklärt, daß der französtsch-ruMche Vertrag die Bestimmungen des Völkerbundspaktes wahrt und den Briand- Kelloggpakt bestätige.

Artikel 1 des Vertrages legt die Verpflichtung beider Länder feist, auf feinen Fall entweder isoliert oder mit einer dritten Macht oder mehreren Mäch­ten zusammen zum Kriege zu greifen, oder irgend­einen Angriff vorzunehmen und die Unverletz­barkeit der unter ihre Souveränität gestellten Gebiete zu respektieren bzw. der Gebiete, deren auswärtige Vertretung sie durchführen bzw. deren Verwaltung sie kontrollieren. Artikel 2 vervoll­ständigt Artikel 1. ^ Artikel 3 enthält Bestimmun-

Aus der ganzen Situation ergibt sich, daß die Aussichten eines parlamentarischen Burg­friedens für die nächsten Monate nach der schon jetzt erkennbaren schroffen Haltung von Sozialdemokraten und Nationalsozialisten äußerst minimal sind.

Auch ein Kabinett unter Führung des Generals o. Schleicher würde also mit dem Reichstag in Kon­flikt geraten. Es würde aber mit rund 200 Ab­geordneten eine Basis haben, die sehr viel breiter und stärker ist als die der bisherigen Regierung bei den letzten Reichstagsauflösungen. Dementsprechend würden auch alle anderen Maßnahmen dieses Ka­binetts von einer günstigeren Plattform aus ge-

Gustav Krupp von Bohlen unb Halbach troffen werden. Eine solche Lösung scheint auch vom Zentrum her angestrebt zu werden. Jedenfalls gewinnt unter dieser Beleuchtung auch eine Sitzung des Partsioorstandes mit dem Vorstand der preu­ßischen Landtagsfraktion, die am Sonntagvormittag stattfand, besondere Bedeutung. Er wurde verein­bart, daß in Zukunft zwischen den beiden Partei­instanzen eine engere Tuchfühlung gehalten wer­den soll. Das heißt also, daß die Zentrumsführung auch die preußischen Verhältnisse stärker in den größeren Rahmen der innerpolitischen Entwicklung im Reich einbeziehen will. Sein Verhallen zur Reichspolitik wird das Zentrum übrigens in einer besonderen Vorstandssitzung am Montag beraten.

Wie wir schließlich noch hören, besteht, falls dis Bemühungen Schleichers um einen befristeten poli­tischen Waffenstillstand scheitern sollten, die Absicht, den Reichstag durch Notverordnung big zum

Frühjahr zu vertagen.

Es bleibt dann nur noch zu registrieren, was an sich schon aus vorstehendem Ueberblick sich er­gibt, daß eine Lösung durch die Kanzlerschaft des Oberbürgermeisters Gordeler im Augenblick nicht mehr als akut angesehen wird. Von Verhandlungen, die Dr. Gördeler geführt haben könnte, ist nichts bekanntgeworden.

gen, durch die Frankreichs Verpflichtungen als Völkerbundsmitglied restlos gewährt werden.

Artikel 4 sieht die Verpflichtung der kontrahieren­den Parteien vor, an keiner internationalen Entente teilzunchmen, die praktisch zur Wirkung haben würde, den Ankauf oder den Verkauf von Waren oder die Bewilligung von Krediten an eine der kon­trahierenden Parteien zu verwehren und keine Maßnahme zu ergreifen, die geeig­net wäre, eine der kontrahierenden Mächte von jeder Beteiligung an ih­rem auswärtigen Handel auszufchli e^ ß « n.

In Artikel 5 verpflichtet sich die russische Regie­rung, jede Handlung zu unterlassen, die eine Be­wegung oder Propaganda unterstützen könnte, deren Ziel es ist, d ie O b e rh o h e it und Unabhän­gigkeit der Gegenpartei zu untergraben

Oie heutige Kummer umfaßt IO Seiten