Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat 95 R-Pfg., für den ganzen Monat RM. 1.90 ohne Trägerlohn, durch die Post bezogen monatlich NM. 1.90 ausschließlich Postzeitungsgebühren / Einzelnummer 10 N-Pfg., Samstag 12 N-Psg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Lreite 8 N-Pfg., im NeNameteil von 68 mm Breite 25 N-Pfg. / Osferlengebühr 50 Npfg.
Mt. 2S4 Dtensta«, den
22. Ksvembev
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch aus Lieferung oder Nachlieferung oder au, Rückzahlung des Bezugspreises. / Für plahvorschrist u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet. ✓ Geschäftsstelle: Hammerstraße 9 / Fernsprecher 3956, 3951, 395^ / Bankkonto: Stadtsparkasse Hanau / Postscheckkonto: 26659 Frankfurt a. M.
1632
1
Die Entscheidung verschoben
Attlee stellt ans Aindenburgs Vevinsunse« hin verschiedene Gegenfrage« an den Keichsveättdenten - Wenig Aussicht süv eine Mehrhettseegieen«s
ÄM^» ^»H^
Der Reichspräsident hat gestern den von Berlin scheidenden österreichischen Gesandten Dr. Frank zur Entgegennahme seines Abberufuvgsschreibens empfangen. *
Am Montag vormittag ist Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk in München einge= troffen. Er stattete dem Landesfinanzamt einen Besuch ab, wo er die Vorstellungen von Beamten des Landesfinanzamtes entgegennahm. Abends hielt )er Reichsfinanzminister im Akademisch-politischen Nub einen Vortrag über die Reichsfinanzen.
*
Der Vorsitzende der Bayerischen Volkspartei, Staatsrat Schäffer, der nach dem Empfang bei Hindenburg nach München zurückgekehrt und im Laufe des 'Montags mit den führenden Persönlichkeiten der Bayerischen Volkspartei in Fühlung getreten mar, ist Montag nachts wieder nach Berlin abgereist. Für heute vormittag ist eine Reichstagssitzung der Reichstagsfraktion der BVP. angesetzt.
In dem Zivilprozeß, den der „Vorwärts"-Der- tag gegen den preußischen Staat, vertreten durch den Reichskommissar Dr. Bracht, auf Bezahlung der Insertionsgebühr für die Auflagenachricht zum J Oh lau er Reichsbannerprozeß angestrengt hatte, wurde gestern von der 12. Zivilkammer des Landgerichts I die Entscheidung gefällt, die auf Abweisung der Klage auf Kosten des Klägers lautete.
Laut Mitteilung der Sozial-Republikanischen Partei ist unter Führung von Otto Hörsing der Republikanische Schutzbund (Deutscher Bund für 3 Arbeit und Sport) am 18. November ins Leben i gerufen worden.
• Auf Wunsch des englischen Außenministers fand gestern nachmittag in Genf eine Besprechung zwischen Sir John Simon und dem deutschen Außenminister Freiherrn v. Neurath statt. Abends itrifift sich Freiherr v. Neurath mit dem amerikanischen Delegierten Norman Davis.
* Vor dem Forum des Ständigen Internationalen Gerichtshofes begannen gestern die öffentlichen Plädoyers zur Behandlung des norwegisch- dänischen Ostgrönlandkonflikts.
Die Verhandlungen zur Ueberprüfung des deutsch-französischen Handelsabkommens vom Jahre 1927 sind gestern in Berlin im Auswärtigen Amt ausgenommen worden. Der ersten Sitzung hat der i französische Botschafter Francois-Poncet beige- wohnt. Führer der deutschen Abordnung ist Ministerialdirektor Dr. Posse vom Reichswirt- schaftsministerium, Führer der französischen Delegation der Ministerialdirektor im französischen Handelsministerium Elbel. Die Delegationen haben das Arbeitsprogramm für die weiteren Verhantz-, I langen ausgestellt.
• Der republikanische Abgeordnete Fred Britton erklärte, Präsident Hoover sei bereit, einer Erhöhung des Alkoholgehalts von Bier bis zu 2,75 v. h. zuzustimmen.
Die Stadt Chemnitz konnte am Montag den städtischen Beamten und Angestellten den fälligen Gehaltsanteil nicht auszahlen. Die Auszahlung soll am 25. d. M. stattfinden. Auch die am 1. Dezember fällige Gehaltszahlung wird erst am 3. Dezember 1 erfolgen. *
Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, ist der deutsche Botschafter in Paris telegraphisch beauftragt worden dem französischen Ministerpräsidenten Herriot die Glückwünsche der deutschen Regierung zu dem Mißlingen des auf ihn geplanten Attentats zum Ausdruck zu bringen. In politischen Kreisen ist man der Ansicht, daß der Botschafter bei dieser Gc- 1 legenheit in irgend einer Form das Befremden darüber zum Ausdruck bringen wird, daß in der französischen Presse das Attentat mit einem Deutschen und mit der Nationalsozialistischen Partei in Zusammenhang gebracht worden ist.
Wie der Matin aus Straßburg meldet, ist dort der frühere Postinspektor Emil Pink, dessen Name km Kolmarer Autonomistenprozeß im Jahr 1927 eine Rolle spielte, gestorben. Pink hatte sich nach der im vorigen Jahr erfolgten Rückkehr nach Frankreich von jeder politischen Betätigung ferngehalten.
•) Näheres stehe politischen Test
Killers Antwort an Kindenburg
Wie bereits gemeldet, hatte Reichspräsident von Hindenburg gestern vormittag erneut eine Besprechung mit Adolf Hitler, wobei Hindenburg Hitler, als den Führer der stärksten Partei des Reichstages ersuchte, festzustellen ob und unter welchen Bedingungen eine von ihm geführte Regierung eine sichere arbeitsfähige Mehrheit mit einheitlichem Arbeilsprogramm des Reichstages finden würde. Hiller Halle erklärt, die Antwort schriftlich übermitteln zu wollen. Diese Antwort ist abends 8 Uhr erteilt worden; sie hat aber keine Entscheidung gebracht, ob die kommende Reichsregierung durch Adolf Hiller gebildet wird.
Aus verschiedenen telephonischen Anfragen bei unserer Redaktion am gestrigen Nachmittag war zu entnehmen, daß die Nachricht von der Beauftragung Hitlers hier und da so verstanden worden war, als ob Hitler bereits ein offizielles Mandat erhalten habe, als designierter Kanzler zu handeln. Diese Auslegung war irrig. Adolf Hitler ist lediglich, wie das auch in früheren Jahren wiederholt der Fall war, als Führer der stärksten Reichstaaspartei berufen worden, gewisse Voraussetzungen für die Stabilität des künftigen Regierungskurses zu klären. Zwei Voraussetzungen erwähnte die amtliche Mitteilung selbst, nämlich einmal die sichere, arbeitsfähige Reichstagsmehrheit, und zweitens das einheitliche Arbeitsprogramm.
Die amtliche Mitteilung der »003#
Berlin, 21. Nov. Ueber die heutige Unterredung Adolf Hitlers mit dem Reichspräsidente n teilt die Reuhspressostelle der NSDAP. mit:
„Der Führer wurde heute um 10.30 Uhr zum Reichspräsidenten gebeten. Der Reichspräsident richtete an ihn das Ersuchen, bis Donnerstag abend zu erklären, ob ein von ihm gebildetes und unter seiner Führung stehendes Kabinett eine parlamentarische Mehrheit besitze. Diesem Auftrag wurde eine Anzahl präsidialer Vorbehalte als Voraussetzung beigefügt. Auftrag und Vorbehalte sind schriftlich niedergelegt. Der Führer erklärte, erst nach eingehender Prüfung dieser Bedingungen mitteilen zu können, ob sich damit eine Aussicht ergebe, die gewünschten Verhandlungen zu führen. Das Ergebnis dieser Prüfung soll noch am heutigen Montag dem Herrn Reichspräsidenten zugeleitet werden.
Die Bedingungen Kiudenbuvss
Wie das halboffiziöse Conti-Nachrichtenbüro von unterrichteter Seite erfährt, umfassen die Be- dingungen, mit denen der Reichspräsident das Ersuchen an Hitler gerichtet hat, fünf Punkte, und zwar personeller und drei sachlicher Art. Es handelt sich erstens um die selbstverständliche Feststellung, daß die persönliche Zusammensetzung des Kabinetts, wie es immer der Praxis der Kabinettsbildung entsprochen hat, der Zustimmung des Reichspräsidenten bedarf. Zweitens behält sich der Reichspräsident das Recht besonderer Einwirkung auf die Besetzung des Reichswehrministeriums und des Auswärtigen Amtes vor. Das ergibt sich schon daraus, daß der Reichspräsident Oberbefehlshaber der Reichswehr und der völkerrechtliche Vertreter des Reiches ist, wie es in der Verfassung besonders hervorgehoben wird. Drillens verlangt der Reichspräsident die Aufstellung eines Wirtschaftspro- gramms, viertens die Gewähr dafür, daß keine Rückkehr zum Dualismus Reich.Preu- ß e u und fünftens, daß keine Abänderung oder Abschwächung des Artikels 48 erfolgt.
Außer diesen fünf Punkten sind vom Reichspräsidenten keine Vorbehalte für die Bildung eines Mehrhei'tskabinetts unter Hitlers Führung gemacht worden. Wir glauben zu wissen, daß Hitler diese Bedingungen keineswegs abgelehnt hat. Trotzdem werden die Aussichten für das Zustandekommen einer Mehrheitsregierung unter Hitlers Führung heute abend in politischen Kreisen — auch im Kaiserhof — recht skeptisch beurteilt, zumal es ja nicht nur auf die NSDAP., sondern auch auf andere Parteigruppen ankommt.
Die Antwort Kitters
Berlin. 21. Nov. Die Reichspressestelle der NSDAP. teilt mit: Nach einer eingehenden Aussprache mit führenden Männern der nationalsozialistischen Bewegung und des sonstigen öffentlichen
Lebens wurde heule, 20 Uhr, die Antwort Adolf Hilters in Form eines Briefes an den Herrn Staatssekretär Dr. Meißner überreicht. Der Brief enthält eine Reihe von Fragen, die voraussichtlich im Laufe des morgigen Tages geklärt werden.
*
Ergänzend hierzu erfahren wir: Die Parteileitung der Nationalsozialisten hat während des ganzen Nachmittags unter Leitung Hitlers über die Anwort beraten, die der Parteiführer dem Reichspräsidenten für heute nachmittag in Aussicht gestellt hatte. An diesen Verhandlungen nahm auch der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht vorübergehend teil. Die Absendung des Antwortschreibens wurde mehrmals verschoben, offenbar deshalb, weil innerhalb der Parteileitung verschiedene Meinungen vorhanden waren, die zu vereinen Schwierigkeiten bereitete. In der achten Abendstunde überbrachte schließlich Reichstagspräsident Göring das Schreiben Hitlers dem Staatssekretär beim Reichspräsidenten. Wie von nationalsozialistischer Seite verlautet, enthält der Brief keine Ablehnung des vom Reichspräsidenten an Hitler ausgesprochenen Ersuchens, festzustellen, ob und unter welchen Bedingungen eine von Hitler geführte Regierung eine sichere, arbeitsfähige Mehrheit mit einheitlichem Arbeitsprogramm im Reichstag finden würde. Hitler wirft vielmehr eine Reihe von Fragen auf, deren Klärung er vom Reichspräsidenten erbittet. Dabei handelt es sich zum Teil auch um Gegenäußerungen auf die vom Reichspräsidenten aufgestellten Bedingungen für eine parlamentarische Koalitionsregierung, wie sie in dem Ersuchen an Hitler umschrieben sind Welche Fragen im Einzelnen von Hitler aufgeworfen werden, ist nicht bekannt, da Absender und Empfänger des Schreibens strengste Vertraulichkeit ausgemacht haben. In politischen Kreisen hört man u. a. auch die Auffassung vertreten, daß es sich bei diesem Antwortschreiben Hitlers wohl um einen taktischen Versuch handele, die als wahrscheinlich anzusehende Absage von sich auf den Reichspräsidenten abzu- schi-ben. In den späten Abendstunden gewann die Auffassung etwas mehr Boden, daß Hitler durch sein Schreiben Zeit zu gewinnen suche, um inzwischen die bisherigen Verbindungen mit den übrigen Parteien enger zu knüpfen. Allgemein nimmt man an, daß der morgige Tag eine Klärung der von Hitler aufgeworfenen Fragen und damit zugleich auch die Entscheidung über das vom Reichspräsidenten an Hitler gerichtete Ersuchen bringen werde.
Die Vavteivevbandluuse« -üben
Berlin, 21. Nov. Wie aus den amtlichen Mitteilungen hervorgeht, ist der Brief Hitlers nicht an den Reichspräsidenten, sondern an Staatssekretär Meißner adressiert. Das wird in politischen Kreisen nicht als ungewöhnlich, sondern als eine Form der Courtoisie aufgefaßt, durch die vermieden werden sollte, daß dem Reichsoberhaupt direkt Fragen gestellt wurden. Staatssekretär Meißner wird nun dem Reichspräsidenten am Dienstag vormittag Vortrag halten, und darauf wird im Laufe des Tages wie bereits berichtet, die Beantwortung der Fragen erfolgen. Das dürfte wahrscheinlich ebenfalls schriftlich geschehen.
Die Verhandlungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum, die am Sonntag stallgefunden haben, sind am Montag n i ch t f o r l g e s e tz t worden. Es stand vielmehr ausschließlich die Beantwortung des Briefes des Reichspräsidenten im Vordergründe. Nach der Auffassung politischer Kreise ist auch kaum anzunehmen, daß die Besprechungen fortaeführt werden, bevor Klarheit über die Fragen geschaffen worden ist, die in dem heutigen Brief Adolf Hitlers enthalten sind.
(Weitere Meldungen siehe Seite 2)
Kerrie Bewvechuns Roosevelts mit Koovev
Saint-Louis, 22. Nov. Der künftige Vizepräsident der Vereinigten Staaten JohnGarner erklärte, er sei durchaus gegen die Streichung oder Abänderung der Kriegsschulden. Die Unterredung Roosevelt mit Präsident Hoover findet heule statt.
Der Optimismus, mit dem man in England und in Frankreich der amerikanischen Entscheidung über die am 15. Dezember fällige Rückzahlung einer Kriegsschulbenrate entgegensah, wird aller Wahrscheinlichkeit enttäuscht werden. Am heutigen Dienstag treffen der amerikanische Präsident Hoover und der neugewählte Präsident Roosevelt zusammen, um sich über eine einheitliche Linie der Außenpolitik zu verständigen. Dabei wird dig Behandlung der Kriegsschuldner eine erhebliche Rolle spielen. Hoover will die Endregulierung dieser schwierigen Frage seinem Nachfolger überlassen und Roosevelt will begreiflicherweise jetzt noch nicht die Verantwortung für irgendeine Entscheidung übernehmen. Unter diesen Umständen wird man in Washington aller Voraussicht nach beschließen, der Zukunft in keiner Weise vorzugreifen und auf der Zahlung am 15. Dezember zu bestehen.
Für die Schuldner wäre der Zwang zur Zahlung ein bitteres Muß. Für England beläuft sich der fällige Betrag auf etwa 550 Millionen RM. Man ist sich in London zurzeit, wie es scheint, noch nicht darüber klar, wie dieser Betrag aufgebracht werden soll. In den Haushaltsplan ist er nicht eingesetzt worden, weil man sicher mit einer Verlängerung des Moratoriums rechnete. Die Enttäuschung ist deshalb auch in England jetzt schon groß. Da England bekanntlich aus die Goldwährung verzichtet hat, stellt die Notwendigkeit, die erwähnte Summe in amerikanischer Währung zu beschaffen, an die Bank von England schwer erfüllbare Forderungen. Frankreich ist besser daran, da die Bank von Frankreich über erhebliche Goldbestände verfügt. Aber auch in Frankreich wird man sicher über die „Hartherzigkeit" des amerikanischen Gläubigers bittere Klagen führen.
In der englischen Presse wird behauptet, die Lausanner Konferenz werde von neuem zusammentreten müssen, wenn Amerika auf seinem Schein bestehe. In diesem Falle würde die amerikanische Entscheidung auch Rückwirkungen auf unsere Außenpolitik haben. Wir müssen aber schon jetzt die Auffassung ablehnen, als ob etwa die Reparationen wieder aufleben könnten, wenn die amerikanischen Kriegsschuldner zup Zahlung angehalten werden. Die amerikanischen Kriegsschulden sind ein Kapitel für sich und stehen mit den Reparationen nicht im Zusammenhang, wenn sich England und Frankreich auch daran gewöhnt haben, ihre Kriegsschulden aus der deutschen Tasche zu zahlen. Im übrigen trägt Frankreich für die Unnachgibeigkeit der Vereinigten Staaten einen großen Teil der Verantwortung. Man sagt sich in den Vereinigten Staaten nicht ohne Grund, wenn Frankreich Milliarden für seine Rüstung aufwende, dann müsse es auch Geld für die Schuldenzahlung haben.
Leitte Gleichstellung von England und Avance eich
Washington, 21. Nov. Staatssekretär Shmfon hat mit feinen Referenten während des Wochenendes an einem Memorandum über die Weltwirtschaftskonferen; gearbeitet, das morgen Koofeuell bei dessen Unterredung mit Präsident Hoover vorgelegt werden soll. — Staatssekretär Mills hatte lange Besprechungen mit Präsident Hoover, der, wie verlautet, nach wie vor geneigt sein soll, dem Kongreß die Ernennung einer Kom-
Die heutige ilummee umfaßt 8 «eiten