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So oder so -

Biditerlos |

Don Henrik Pontoppidan

Berechtigte Üebersetzung aus den Dänischen.

Im Vorzimmer des großen Ver- : legers stand ein junger Dichter. : Aus seinen Augen leuchtete das : heilige Feuer der Begeisterung : für alles Erhabene und Schöne. : Unter dem Arm hielt er ein Ma- : Nuskript. Es waren Gedichte, ge- : boten aus seiner Sehnsucht, sei- : ner Schwermut, seinem jungen Trotz Traumkinder, die jetzt in ; das Licht des Lebens hinausflat- ; tern sollten.

Aengstlich und doch entschlossen pochte er an die Tür und betrat das Privatkontor des Verlegers, * das Allerheiligste der Dichtkunst, durch das der Weg zum Parnaß und zur Unsterblichkeit geht.

In dem hohen, mit Büchern und Dichterbüsten stillvoll ausgestatte- : ten Raum saß der große Verleger an einem reichgeschnitzten Schreib- tisch. Es war ein kleiner Mann mit langem, schwarzem Bart, gol- dener Brill e und spiegelblanker : Glatze. Mit einer ernsten Hand- bewègung begrüßte er den Jüng- ling und bat ihn, Platz zu neh- r men. Dann begann èr schwei- ; gend im Manuskript zu blättern.

Inzwischen saß der junge Mann mit klopfendem Herzen auf sei- nem Stuhl und ließ den Blick im ; Zimmer umherschweifen. Und Mit einemmal hatte er die Emp- findung, als ob all die alten : Dichterbüsten mitleidig auf ihn ; Herablächelten.

Sie haben Talent, junger Mann!" begann der große Ver- : leger plötzlich.Das sehe ich auf : den ersten Blick... Aber ent- : schuldigen Sie was schreiben : Sie für lächerlich altmodische Sa- : chen! Schon die Titel!Elfen- : reigen",An den Mond",Nacht- : seufzer ,Ihre Locken"... Wissen : Sie, so was ist doch wirklich allzu- : sehr veraltet! Im vorigen Jahr : hätte es noch zur Not gehen kön- : nen jetzt ist es einfach un- : möglich! Das Publikum hat : solche Schwärmereien längst satt... : Sie sind nicht mit der Zeit mit- : gegangen, junger Mann! Sie haben nicht gesehen, daß die Dicht- kunst sich neue Wege gesucht hat, daß sie die großen Gesellschafts- fragen zur Diskussion stellt, daß sie schonungslos die Gebrechender Zeit aufdeckt und ohne Scheu das Alltagsleben mit seinem Kampf : und Streit, seinen Sorgen und Röten, seinem ganzen, erdrücken- : den Elend schildert. Haben Sie : nicht den letzten großen Roman : meines Verlags geleken,Der : Misthaufen"? .. Öh, den sollten : Sie wirklich studieren! Ich stelle : Ibnen gern ein Exemplar zur : V°rfllgunq. Können Sie ein : solches Werk schreiben, so soll es - mir ein Vergnügen sein, es zu verlegen. Und ich garantiere Ibnen: Sie werden damit über Nacht berühmt werden!"

*

Der junge Dichter eilte nach Hause in seine armselige Dach­kammer und warf sich über das mitgebrachte Buch. Mit glühenden Wangen durchflog er ohne Pause den starken Band, und als er da­mit fertig war, warf er seine Verse ins Feuer.

Jetzt kannte er seinen Weg und sein Ziel.

Gleich am nächsten Tag begann er zu arbeiten. Tag und Nacht. Und während der Hunger in sei­nen Eingeweiden nagte und seine Finger vor Kälte blau und steif wurden, beichtete er auf dem Pa­pier den schweren Kummer seines jungen Lebens, schilderte er sei­nen Kampf und seine enttäuschten Hoffnungen.

Die Jahre gingen. Denn nur voll ausgereift sollte das Werk aus seinen Händen hinausgehen. Seine ganze Seele wollte er in diese Blätter legen, die seinem Namen die Unsterblichkeit geben sollten.

Als das Buch schließlich fertig war, schickte er es an den großen Verleger, und eine Woche später stand er wieder im Allerheiligsten.

Der Verleger war in der Zwi­schenzeit rund und fett geworden. Statt des ernsten Prophetenbartes

tin Paar Senicrregeln

Nicht jede junge Hausfrau hat ein Mädchen, das gut und richtig servieren kann. Schnell ein paar Winke für die Anfänger.

1. Das Mädchen trägt am be­sten ein sogenanntes schwarzes Servierkleid mit weißer Latz­schürze. Die Frisur muß peinlich ordentlich sein, die Hände sehr sauber. Sollte das Mädchen auf­gesprungene Hände haben, läßt man es besser weiße Baumwoll­handschuhe tragen. Die Schuhe müssen möglichst leicht sein, damit sie kein Geräusch machen.

2. Man beginnt mit dem Ehrengast und geht dann rechts­herum weiter.

3. Das Mädchen darf sich nie­mals in die Unterhaltung mischen, niemals einen East zum Essen nötigen, nur wenn jemand die angebotenen Speisen nicht be­merkt, darf es sich mit einem Blick an die Hausfrau wenden, und diese macht dann den Gast darauf aufmerksam.

4. Das Mädchen serviert am sichersten, wenn es die linke Hand unter das Tablett legt und mit der rechten Hand den Rand des Tabletts hält.

5. Die Suppe wird von der rechten Seite aus vor jeden Gast gestellt. Niemals darf man das Gefühl haben, daß der Daumen mit der Suppe in Berührung kommt.

6. Alle Speisen werden dem Gast von der linken Seite ange­boten.

7. Gebrauchte Teller und Be­stecke werden von rechts fortge­nommen. Man legt das Besteck auf den Teller, nimmt beides zu­sammen fort, und legt alle Be­stecke auf dem Tablett auf einen Teller und schichtet die anderen Teller daneben auf. Alles mit möglichst wenig Geräusch.

8. Neue Teller werden stets von rechts hingestellt.

9. Beim zweiten Gang kann man mit dem Servieranfang wechseln und beim zweitwichtig- sten East beginnen.

10. Jeder Gang wird zweimal serviert, nur nicht die Suppe und das Vorgericht.

Man lege Briefe und Papiere niemals in Bücher oder Zeit­schriften. Erstens werden sie im

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hatte er sich ein flottes Spitz­bärtchen zugelegt, und im Knopf­loch seines Samtjacketts prangte eine duftende Rose.

Ja, mein Herr!" begann er so­fort.Ich habe Ihr Buch gelesen, und ich muß wiederholen, was^ich Ihnen das letztemal sagte: Sie sind ein Talent, viel­leicht ein Genie. Aber warum gehen Sie denn gar nicht mit der Zeit mit, Lie­ber? Was sind das nur für finstere, un­heimliche Schilderun­gen, die Sie mir da geschickt haben? Schon dieser abfchrek- kende Titel:Im Vanne der Armut"...

Das ist doch wirklich zu veraltet! So was wollen die Leute gar

nicht mehr haben. Solange die Welt

und

noch Sonne

Wein und

schöne

Frauen hat war­um sollen wir sie da zu einem einzigen, traurigen Hospital

machen? Es wun­dert mich wirklich, mein Herr, daß Sie bei ihrem schönen Talent sich nicht an das deutlich ausgesprochene Verlangen des Publikums nach Lebenslust und Lebensfreude ge­

Und wieder

halten haben

geeigneten Moment nie gefun­den; zweitens kommen sie beim Verleihen von Büchern leicht in fremde Hände. Man mache es sich zur Gewohnheit, sie sofort an ihren Aufbewahrungsplatz zu bringen oder sie zu vernichten.

*

Frisch, frisch und noch­mals frisch müssen alle Le­bensmittel sein. Man mutz die­sen Satz den Hausfrauen förmlich ins Gedächtnis einhämmern, da­mit sie nicht so gleichgültig dage­gen sind. Wer einmal begriffen hat, wie wundervoll ästhetisch frische Lebensmittel sind, wie sehr sie die Zubereitung erleichtern, da in ihnen noch aller Wohlgeschmack erhalten ist, wird keine Mühe scheuen, auch wenn die Beschaffung vielleicht ein bißchen umständ­licher ist.

Für die Schönheit und Klarheit der Haut ist ein geregelter Stoff­wechsel unbedingt erforderlich. Man hüte sich aber vor EewohN- Heitsmitteln und versuche lieber durch geregelte und naturgemäße Lebensweise einen Erfolg zu er­zielen.

*

Kleine rote Flecken darf man ausnahmsweise, wenn man be­sonders schön sein will oder muß, mit ein wenig Teint verdecken. Man verreibt aber nur einen Hauch darauf, da Teint sonst nicht deckt, sondern schmiert. Auch Li­lienmilch in der Farbe der Haut leistet gute Dienste.

Ein weniq Höflichkeit

Sehr leise zu sprechen ist un­höflich. Da die Aufmerksamkeit des Zuhörers sich ganz auf die Worte konzentrieren muß, geht das Beste, der Inhalt des Ge­sprochenen, verloren.

Genau so unhöflich ist zu lau­tes Sprechen und Schreien, sowie mit den Händen sehr lebhafte Be­wegungen zu machen, oder gar den andern irgendwie zu berüh­ren Es gibt Menschen, die ihrem Gegenüber bei jeder Unterhal­tung einen Knovf abdrehen oder ihnen zur Bekräftigung ihrer Worte auf die Schulter oder auf die Knie schlagen. Wer diese Un­tugenden besitzt, sollte sie sich auf dem schnellsten Wege abgewöhnen.

Gehen Sie nach Hause, lieber Freund, und schreiben Sie ein paar schöne, farbenfrohe Gedichte. Wenn ich die auf feinstem Bütten­

papier drucken lasse, ich garantiere wird Aufsehen

Ihnen, das erregen!"

begannen die verzehrenden Fieber

Ganz verwirrt taumelte der Dichter die Treppen hinunter und auf die Straße hinaus. Der Sturm jagte um die Hausecken und der Regen peitschte ihm ins Gesicht,

Gut zu essen ist einfach, man die Regeln beherrscht, fach sieht man Unkenntnis

herrschen, auf welche Art

wenn Viel­vor­man

sein Besteck und den Löffel fort­legt, wenn man mit dem Essen

fertig ist. Messer und Gabel werden stets nebeneinander, nie­

re

mals gekreuzt, auf den Teller zu rückgelegt. Der Löffel muß . Oeffnung nach oben haben, so wie man ihn benutzt. Da jede Sitte ihren Ursprung in einer Ee- brauchsform hat, ist stets das Na-

türliche das Richtige.

Wild aufzubereiten

Man spickt die beliebig großen Wildstücke mit gewürzten Speck- streifen, salzt sie und läßt sie in Butter von allen Seiten gleich­mäßig anbraten. Nach dem Er­kalten bestreut man sie mit Salz, Zitronen- und Zwiebelscheiben, Pfeffer und Wacholderkörnern, Thymian, Nelken usw. und schichtet sie in Stein­töpfe. Dann gießt man schwachen, aufgekochten und wieder erkalteten Essig darüber. Oben­drauf kommt eine fin­gerdicke Fettschicht. Das Fleisch hält sich auf

diese

Weise lange Zeit

Das kleine Nachmittagskleid

während er heimging, um in sei­ner kalten, einsamen Dachkammer das Evangelium der Lebens­freude zu verkünden.

Und wieder begannen die ver­zehrenden Fieber der langen Tage und Nächte. Noch glühte das Feuer der Begeisterung für alles Erhabene und Schöne un­geschwächt in seiner Seele, und während er da in der Dachkam­mer saß, zauberte ihm seine Phantasie statt der kahlen Wände schlanke Marmorsäulen vor, die sich über seinem Haupte wölbten. Durch hohe Bogenfenster schweifte sein Blick über sonnige Länder mit Bergen und blauen Seen, in deren Wogen wunderschöne Nym­phen badeten.

Die Jahre gingen, aber er merkte es nicht. Sein Haar er­graute, aber er sah es nicht. Er hatte kaum das trockene Brot, und die Kleider hingen ihm in Fetzen um seinen abgemagerten Körper, aber er fühlte sich wie ein König, der die ewige Jugend besitzt und über die Schätze der ganzen Welt gebietet.

Dann stand er wieder vor dem großen Verleger.

Auch der war in der Zwischen­zeit alt geworden. Er trug jetzt schwarze Kleider, hielt den Kopf auf die Seite und das blasse Ge­sicht in lange, steife Falten gelegt.

Mein Herr!" lispelte er fast unhörbar und faltete die Hände

sehr wohlschmeckend und ist für alle Zwecke zu verwenden. Am besten eignet es sich allerdings geschmort oder als Ragout zu­bereitet.

Risotto von Gans

Man zieht einer Eans die Haut ab, schneidet dieselbe in Streifen, brät sie in der Pfanne recht knusprig. Die Gans selbst wird in gute Portionsstücke zerteilt, mit Wasser, Zwiebeln, Pfeffer­körnern und Salz aufs Feuer ge­bracht und mehrere Stunden lang­sam gekocht. Aus gebrühtem Reis bereitet man einen Risotto, und zwar nimmt man zum Ausquel­len statt des Wassers Gänsebrühe. Der Reis wird in einen Ring ge­tan, gestürzt, mit gehackter Peter­silie überstreut, und die Gänse­stücke werden in die Mitte gefüllt. Die restliche Brühe verwertet man an anderen Tag. Man kann sie binden und mit einem Ei ab­ziehen, oder man kocht sie mit Fadennudeln etwas ein.

g i

über die Brust.Sie waren so freundlich, mir ein Werk zuzusen­den, das mich gerade heraus­gesagt erschreckt hat. Wahr­lich, ich fasse es nicht, daß Sie im Ernst haben glauben können, ich würde es verlegen. Schon dieser Titel, mein Herr!Liebesphan­tasien." So etwas will das Pu­blikum gar nicht mehr haben Ich leugne auch heute nicht, mein lie­ber Herr, daß Sie Talent haben, bedeutendes Talent Aber Sie haben nicht verstanden, mit der Zeit mitzugehen... Mit dem mir zugesandten Werk darf ich mich also leider nicht befassen. Sollten Sie dagegen einige ernste, etwas politische Essays haben, oder sollten Sie geneigt sein, einige nachdenkliche Betrachtungen zu schreiben, so würde ich mit Ver­gnügen wieder mit Ihnen ver­handeln. Ueberlegen Sie' sich meinen Vorschlag! Ich glaube Ihnen garantieren zu können, daß Sie es nicht zu bereuen haben werden, falls Sie ihn in Erwä­gung ziehen wollten... Leben Sie wohl! Der Herr sei mit Ihnen!"

Der alte Dichter stand wie vom Donner gerührt. Wieder kam es ihm so vor, als sähen all die ver­staubten Dichterbüsten mitleidig lächelnd auf ihn herab.

*

Dann ging er beim in seine leere Dachkammer und erhängte sich.