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Samstag, bett 19. November 1932

Nr. TO

Die Lage des Ärbeltsmarktes im Bezirk des Arbeitsamts Hanau für die Jett vom L15. November

Die Gesamtlage ist unverändert geblieben. Die Zahl der Arbeitsuchenden überhaupt betrug am Schluß der Zählung 14150, gegen 14 024 am 31. Oktober 1932. Die Zahlen verteilen sich auf die ein­zelnen Amtsbezirke wie folgt:

Alu Kru Unterst. Arbeits. insges. insges. m. m m. w. m. w.

Hanau-Stadt 256 140 579 115 1090 3819 1108

Hanau-Land 338 101 803 71 1313 4794 376

Gelnhausen 228 64 486 75 853 2514 224

Schlüchtern 151 6 220 1 1315 1281 34

. 973 311 2088 262 4571 12408 1742

Während in Hanau-Stadt die Ziffern um 160 und in Hanau-Land um 106 höher liegen wie am 31. 10. 32 sind sie im Bezirk Gelnhausen um 123 ge­fallen, im Bezirk Schlüchtern fast genau gleich ge- bsteben.

Der Anstieg ist zum Teil darauf zurückzuführen, daß sich eine große Zahl Arbeitsdicnstwilliger, die bisher beim Arbeitsamt nicht als Arbeitssuchende erfaßt waren, zum freiwilligen Arbeitsdienst ge­meldet haben. Die Meldungen halten auch gegen­wärtig noch an.

Die Lage in den einzelnen Verufsgruppen

Land- und Forst wirtschaft: Mit dem beginnenden Winter ist die Vermittlung in bi^ Landwirtschaft völlig zum Stillstand gekommen. I der Forstwirtschaft wurden Arbeiter für den Holz­schlag in allen Bezirken des Amtes eingestellt.

Industrie der Steine und Erden: In den Basaltbrüchen sind die Aufträge der Reichs­bahn zum größten Teil erledigt. Es kamen teil­weise bereits Steinbrucharbeiter zur Entlassung. Die Diamantindustrie ist noch wie bisher gut be­schäftigt. Trotzdem können darauf aber noch keiner­lei Schlüsse auf eine Fortdauer des gegenwärtigen Zustandes geboren werden, man muß vielmehr da­mit rechnen daß die Lage wieder schwankend wird.

Metallgewerbe: Die Zugänge überwiegen die Abgänge in Arbeit. Im Bezirk Hanau-Stadt hat ein größeres Unternehmen entlassene Arbeits­kräfte in beschränktem Umfang wieder einstellen können. In der Edelmetallindustrie sind vereinzelt Einstellungen erfolgt.

Papierverarbeitung: In der Etui­fabrikation konnten einige Hanauer Firmen in­folge leichter Besserung des Beschäftigungsgrades ihre Arbeitskräfte vorübergehend wieder zurück­rufen.

Im freiwilligen Arbeitsdienst sind bei 77 Maßnahmen rund 2000 Dienstwillige tätig. Mit Notstandsarbeiten werden zurzeit 380 Arbeiter beschäftigt.

100 -Sahse Äonvad Deines w«.

Morgen, am 20. November, kann mit der be, kannten Firma Conrad Deines jun., Hanau, eines der größten und wirtschaftlich bedeutendsten tndustr«llen Unternehmen unserer Vaterstadt aus ein lOOjähriges Bestehen zurück- blicken. Mitten hinein in die schwerste Notzeit unseres deutschen Handels und Wandels, die zur Vernichtung zahlreicher blühender Industrien führte, fällt der Ehrentag der altangesehenen Firma, deren Ruf schon seit Jahrzehnten hinaus in alle Welt gedrungen ist. Umso freudiger nimmt die gesamte Hanauer Wirtschaft und mit ihr die ganze Vaterstadt des Unternehmens Anteil an der 100. Wiederkehr jenes denkwürdigen Tages, an dem die Jubilarin einst ins Leben gerufen wurde.

Es war am 20. November 1832, als Herr Conrad Dernes jun. mit dem ihm von seinem Vater überlassenen Inventar und einem Kapital von 4000

(Eine Bitte um Bücher für die Kranken.

Die Lungenkranken der Hanauer Krankenhäuser wenden sich mit folgender Bitte an die Oefsenlllch- feit. Wohl kernen Kranken drückt die Lageweile in den Krankenhäusern, besonders >etzt in den langen Winterabenden mehr, als gerade diejenigen einer Lungenstatron, da die Ansteckungsgefahr dieser Krankheft eine Isolierung bedingt, die sich auch be­sonders auf die Bibliothek eines Krankenhauses aus= dehnt. Da nun unser Vorrat an Büchern aus die­sem Grunde nur beschränkt ist, so möchten wir bit= ten, daß uns vielleicht von privater Seite aus, hier­in eine Hilfe zuteil wird. daß den hiesigen Lungen­stationen gebrauchte und gelesene Bücher. Zeitschrif­ten usw., geschenkweise übermittelt werden. Es sind gewiß in vielen Familien derartige-Bücher vorhan­den. welche dort als Ballast empfunden, bei den Kranken aber große Freude auslösen würden. In der Hoffnung, daß unsere Bitte nicht ungehört ver­hallt, zeichnen mir hochachtungsvoll die Lungen­kranken der Hanauer Krankenhäuser. Bücher und Zeitschriften werden abgeholt. Zuschriften erbeten an Willy Schulze, Friseur, Hanau a. M Lang­straße 13II.

«

Hartgeld.

In früheren Zeiten hatten die Fürsten von der Geldprägung mso-ern einen Dortell, als sie bei der Prägung der Münze das Gewicht verkürzten, wo­durch der in der Geschichte bekannte und in den volkswirtschaftlichen Kämpfen viel umstrittene Schlagschutz entstand. Die Geldpolitik der Reichs- reg'erung unternimmt gewiß nichts ähnliches, aber die Tatsache daß die Zehn- und Zwanzigmarkscheine aus dem Verkehr gezogen werden, entspringt Spar­maßnahmen die so unangenehm bas schwere Hart­geld auch 'ft nichts zu tun haben mit irgend einer verschleierten Währungspolitik. Grund zu irgend­welchen Befürchtungen sind nicht vorhanden. Die Scheine werden nicht eingehalten, um sie etwa un= gültig ju erklären. Sie sind nach wie vor gültige Zahlungsmittel. Ihre Einbehaltung geschieht aus mehreren Gründen Der wichtigste ist die Erspar­nis. Die Hartgeldstücke sind billiger herzustellen als die Scheine. Ihre Ausgabe allo ist eine Ersparnis- maßnahme der Regierung. Nun ist die Ablehnung des kupfernen Vierers fast einmütig erfolgt. Man sieht von den ungefügen Stücken fast keines mehr im Verkehr, obwohl 1% Million Stücke ausgegeben

) Einsendungen, Die unter dieser Rubrik oeroNen« lcht werden sollen, müssen bis Freitag mittag in de Landen der Redaktion sein Die Verantwortung Vie Eingänge trägt der Einsender. Die Redaktion

Gulden in Hanan einen Betrieb für Holzbearbei­tung eröffnete. Im Jahre 1840 wurde dann vor dem Kanaltor der Hauptbau für die Zigarren­kistenfabrikation eröffnet Beschränkte sich die Fa­brikation zunächst auf die Herstellung von Zigarren­kistenbrettern aus Kuba-Zedern, so wurde anfangs der 50er Jahre die Fabrikation von Zigarren- Wickelformen ausgenommen, nachdem diese Formen von der Zigarrenfabrik Heinrich Oldenkott u. Co., Hanau, praktisch erprobt worden waren. Die Fabri­kation vervollkommnete sich ständig und die Er- jeugniffe erreichten bald eine hohe Qualität. Höchst ehrenvolle Auszeichnungen aus großen Ausstel­lungen in München und Wien legten in diesen Jahren beredtes Zeugnis für die hohe Qualität der Deines'schen Erzeugnisse ab. Im Jahre 1874 wurde die fabrikmäßige Herstellung von fertigen Zigarrenkisten in Angriff genommen. Eine weitere «^MaBraHBgnnHaamm

Liniere Leier beklagen M.. .*)

worden sind Da die Pap^erscheine sich wegen ihrer Handlichkeit großer Beliebtheit erfreuten, bildete sich ein Zustand heraus der das gerade Gegenlell der Jnflatwnserscheinung war. Damals hatten wir eine Flucht vor dem Papiergeld. Jetzt will jeder fort von dem unbequemen Silber- zu dem angeneh­meren Papiergeld. Als die Reichsregierung sah, wie schwer es war das Silbergeld in Umlauf zu bringen, ging man dazu über, es systematisch in Verkehr zu bringen, indem man zuerst die Zehn­markscheine und nun auch die Zwanzigmarkscheine aus dem Verkehr zog. Alle Kassen, die mit dem Reiche in irgendwelchen Beziehungen stehen, haben den Auftrag. die eingenommenen Scheine nicht wie­der zu verausgaben. Die Maßnahme gibt keinen Grund zur Beängstigung, so unangenehm auch die neueBelastung" unserer Geldbeutel empfunden wird.

Seid freundlich auch zu den Vertretern!

Ich bin kein Vertreter, aber ich habe dieser Tage das Los eines Vertreters am eigenen Leibe erlebt. Ich mußte in einer geschäftlichen privaten An­gelegenheit in einer Familie vorsprechen. Die Dame des Hauses der ch gemeldet wgr, empfing mich mit den Worten:Was wollen Sie?". so brüsk und hart, daß ich sagte:Bitte schön, so empfängt man mich nicht."

Ich dachte an unsere Vertreter. Sie müssen ihre Ware an den Mann bringen und wahrlich saure Gänge tun. Bald sind die Türen verschlossen, bald werden sie nur unliebsam gesehen, aber immer sind sie bemüht bei Wind und Wetter. die Inter­essen ihrer Auftraggeber zu wahren. Niemals, wenn er auch hundertmal abgewiesen worden ist abgeblitzt heißt die sprechende Ausdrucksweise dafür darf der Vertreter den Mut verlieren. Und nicht den Humor

Wie gesagt, ich bin kein Vertreter, aber ich weiß, was diese Männer in der Volkswirtschaft bedeuten. Der Vertreter ist der leibhaftige Ankurbler der deut­schen Wirtschaft, er trägt die werbenden Ideen und die Waen in die Kundschaft und in die Käuserwelt.

Mag 'ein daß manche aufdringlich sind, mag sein, daß mancher befürchtet. er könne sich über­reden lassen Scher kann man den Pionieren des Verkaufes durch einen freundlichen Empfang ihr Geschäft erleichtern. Ihre Wege sind mcht mit Ro­sen bestreut sie wollen leben und es läßt sich sehr schwer verdienen Zudem ein unfreundlicher Emp­fang erschwert ihnen die Lust an der Arbeit.

Auch wer abzulehnen entschlossen ist, sollte ein freundliches Wort nicht sparen. C i v i s.

Goldmedaille auf der großen Antwerpener Aus­stellung 1885 bildete für die Firma einen neuen Ansporn, auf dem beschrittenen Wege fortzufahren. Mit fortschreitender Technik machte sich im Jahre 1905 die Errichtung eines Neubaues zur Aufnahme einer Schälanlage erforderlich. Zu Beginn des Jahres 1912 wurde die Fabrikation durch Aufstellung von Schnellpressen und entsprechenden SJilfsmafdjtnen sowie durch Errichtung einer lithographischen Ab­teilung erweitert. Alle diese Neueinrichtungen führ­ten dazu, daß die Firma heute mit an erster Stelle in der Fabrikation der hauptsächlichsten Bedarfs­artikel für die Zigarrenindustrie steht. Im gleichen Jahre wurde in Ostrowo (Posen) ein Schälwerk zur Bearbeitung russischer Hölzer errichtet und am 1. Juli in Betrieb genommen, das 1919 durch das Versailler Diktat in polnischen Besitz überging. Die dortige Firmenniederlage ging damals käuflich in

holländischen Besitz über.

Bereits die ersten Nachkriegsjahre führten einer Wiederbelebung der Fabrikatton und d Absatzes nach dem In- und Ausland und bracht im Jahre 1922 auf der AmsterdamerTaba" t Firma eine weitere hohe Auszeichnung ein. 2 Rundholzschälerei wurde ganz bedeutend au gebaut und im Jahre 1924 erfolgte nach Ausbi des schon vor dem Kriege in Plänen festgelegt Hanauer Hafens eine umfassende Vergrößern! aller Zweige des Beriebes. Insbesondere die lith graphische Kunstanstalt erfuhr eine bedeutende 6 Weiterung, die schließlich auch zur Herstellung di Kartonnagen und Faltschachteln für Süßware kosmetische und andere Industrien führte. Nii unerwähnt soll in diesem Zusammenhang bleibe daß der Ausbau des Hafens erstmalig im Novei ber 1924 eine durchgehende Verfrachtung vi Rundholz von der Nordsee bis zur Fabrikation stätte in Hanau ermöglichte Die stetige Aufwärt entwicklung der Firma wurde empfindlich geftöi als in der Nacht zum 12. Januar 1927 der Mittt bau der Fabrik mit seinen Anbauten von eine Schadenfeuer heimgesucht wurde Durch die De nichtung der Anbauten wurde gleichzeittg aber b Plan gefördert, eine weitere Fabrik im Hase? gelände zu errichten. Bereits am 14. Februar 191 konnte der Grundstock zu dem neuen Fabrikgebäul gelegt werden, das im Juli in Betrieb genommi wurde und alle Errungenschaften modernster Teo nik ausweist. Aus dem Grundstück vor dem Kano tor endlich wurde im Jahre 1923 die Sperrhol Abteilung eingerichtet, die sich dank der Güte bi erzeugen Cedag-Platte einer ständigen Ausbel nung erfreuen darf zudem die vielseitigen Verwer dungsmöglichkeiten dieses Werkstoffes in bi Möbelindustrie, Bauwirtschaft, Automobilindustr usw. noch längst nicht erschöpft sind.

Als Seniorchef steht der Firma Herr H. C Deines vor, der feit dem Jahre 1923 Vorsitzende der Geschäftsstelle Hanau der Industrie- und Har delskammer Frankfurt-Hanau und gleichzeitig Vizi Präsident in der Industrie- und Handelskammc Frankfurt-Hanau forme im Vorstand des Da bandes Mitteldeutscher Industrieller ist.

Als Leiter der Holzabteilung steht ihm sei Schwiegersohn Herr H. O t t zur Seite.

* Gestohlen wurde: 1 Herrenfahrrad, Mark Merkur" Nr. 377 196, mit Torpedo freilauf, schwar lackierter Rahmen mit grünen Streifen, auf der vorderen Schutzblech ist ein Löwe befestigt, vei chromte Felgen mit dünnen grünen Streifen, neu chromte Speichen, dicke Gummipedale, rote Ballon bereifung, engl Lenkstange mit schwarzen Griffen: Schieberverschluß am Hinterrad. Personen obe Käufer, die über den Verbleib des Rades irgend welche Angaben (auch vertraulich) machen können werden gebeten, sich beim hiesigen Kriminal-Kom missariat zu melden.

* Rundfunkrede des Oberpräsidenten der Pro vinz hessen-Rassau. Wie das Oberpräsidium mit teilt, wird Oberpräsident Dr. v. Hülsen am Sonn tag, 20. November, vormittags 10.30 Uhr, im süd westdeutschen Rundfunk Frankfurter Sender, spre chen und die Bevölkerung der Provinz Reffen Nassau zur tatkräftigen Förderung der Winterhllf anrufen.

Stadttheater Hanan. Aus dem Theaterbüro wirk uns geschrieben: Heute Samstag, geht zu ootkstüi«. lieben Preisen (0.80, 1.60, 2 RM einschliehti» Garderobe) die überaus beliebte Operettenrevui Im weißen Rößl" von Ralph Benatzky in Szene Morgen, Sonntag findet die erste Wiederholung des neuen erschütternden Dramas von Gerhar! HauptmannDor Sonnenuntergang" statt. Bei seiner Premiere konnte das Schauspiel einen tiefer Eindruck auf die Zuschauer machen, dank seiner dichterischen Werte und seiner theaterwirksamer Szenen. Dies Werk wird in den Besuchern noch lange Nachhallen

Tas de« Toten

Don altersgrauen Türmen der lebend'gsn Stadt

Echt es einher,

Dumpf und schwer,

Drängend laut, wehmütig matt: Gedenke, gedenke mein!

Der du noch warchelst im Sonnenlicht, Vergiß mein nicht.

Und Echo aus stillen Gräbern empor Antwortet den Glocken rm Geisterchor:

Wir ruhen aus.

Da breitest du sehnend die Hände aus, Geliebte Hände wieder zu fassen, Ach Lippe und Wange mußten erblassen Du bliebst zurück Durch leere Stuben geht dein armer Blick. Den Weg zum Hügel sucht dein müder Fuß, Und deine Hände legen deiner Liebe Gruß Aufs stille Grab.

11 nb da die Sonne mählich sinkt hinab, Nun Abendrot durch kahle Zweige rinnt, Da wandern Abendglocken wieder mit dem Wind, Und Sterne strahlen auf wie heil'ge Kerzen, Trost schenkend deinem armen Herzen. Mit Geisterflügeln selig dich umwehen Zwer Worte: Auferstehn und Wiedersehen.

Sophie Fleischhauer.

Lweties GiKdMOeS Ai»»««smLntS-Konrevt

Das zweite Städtische Abonnementskonzert am Donnerstag abend in der Stadthalle war wie die erste Veranstaltung des Landessymphonieorchesters für Pfalz und Saargebiet voll und ganz ausver­kauft. Das Hauptwerk dieses Konzertes war die Neunte Symphonie (An den lieben Sott") von Anton Bruckner zugleich Erstaufführung für Hanau. Neben der gewaltigen Größe dieses Monumental­werkes symphonischen Schaffens vermochte sich der Solist, Professor Anatol Knorre aus Berlin, mit seinem Dortrage des Violinkonzertes von L. Boccherini nicht durchzusetzen. Der junge Gei­ger zeigte zwar glänzende Eigenschaften in Technik und Ton: trotz aller Anstrengungen gelang es ihm aber nicht, sich von einer gewissen Befangenheit freizuspielen, so daß seiner Darbietung ein durch­schlagender Erfolg nicht bglchieden sein konnte. Die Zu^i» MsS einer Bachschen Solosonate wirkte

besser. Das Orchester begleitete das duftig Werk vor­bildlich in Stil und Ton.

BrucknersNeunte" erhielt durch die Leonoren- Ouvertüre IRr. 2 von Beethoven ein würdiges Prä­ludium. Generalmusikdirektor Professor Ernst B o e h e hatte seinen gan^ großen Tag. 3m Beet- Hovenwerk glückte ihm durch Anlage und Entwick­lung auf Größe eine äußerst günstige und vorbe­reitende Einführung zum Titanenbau derNeun­ten" des österreichiichen Dorszchutmeisterleins. Das Orchester folgte seinem genialen Führer in nicht ju überbietender Disziplin bei der Errichtung des gro­ßen Brucknerschen Domes. Die erschütternde Wir­kung dieser gewaltigsten Schöpfung unserer gesam­ten Symphonik es sei nur an die sich selbst über­treffenden Blech- und Holzbläser und an das pracht­volle Streicherensemble erinnert, die tiefe Er­griffenheit der Zuhörer, die sich dem Banne der letzten Klänge des Adagios noch lange nach Ver­klingen Hingaben, als Dank ein Beifall, der Bo ehe und jein Orchester als begnadete Künstler feierte.

Diese Tat war wohl die gewaltigste, die auf künstlerischem Gebiete in Hanau je gemeistert wor­den ist.

Es sei an dieser Stelle noch auf die Kammer- musikoeranstaltung des Pfalzorchesters hingewiesen, die für den 5. Dezember im Kammermusiksaal der Stadthalle BeethovensSeptett" und Schuberts Oktett" ankündigt. Dr. E. H.

*

Am Freitag vormittag konzertierte das Landes­symphonie-Orchester für Pfalz und Saargebiet vor den Hanauer Erwerbslosen. Eine äußerst geschmackvoll zusammengestellte Vortrags­folge brachte in ihrem ersten Teil die Ouvertüre zuEgmont" und HaydnsKonzertante Sym­phonie" Op. 84 In letzterem Werk zeichneten sich die Herren Joseph Saue«. (Violine), Wal­ter Kätscher (Cello), Ernst Gruhn (Oboe) und Friedrich Zeitz (Fagott) besonders aus. Das liebenswürdige, geistvolle Werk perlte in fri­scher Herzlichkeit vorüber und musizierte sich in die Herzen der andächtigen Lausche- hinein. Der zweite Teil brachte Richard Wagners ewig schöne Tann­häuser-Ouvertüre. die von Professor Boe he zu glanzvollem Pomp gesteigert wurde. Die best­bekannte Serenade von Robert Volkmann,Zucker­werk" in bestem Sinne des Wortes und von dem konzertierenden Orchester alsLeckerbissen" serviert, fand begeisterte Aufnahme. Nicht minder der schmis­sige Strauß-Walzer (Wiener Blut"). Die gebotene Literatur wurde von dem begeistert musizierenden Orchester unter der mitreißenden Führung Prof. Boehes bis zum letzten Schliff musikalischer^ Kultur

erschöpft und so zu schlackenfreier Kristallisierung geformt. Im Saal lauschte ein dankbares, begeistert mitgehendes Auditorium, das für die musikalische Weihestunde seinen herzlichen Beifall durch die Stadthalle donnern ließ. Dem Pfalzorchester und seinem edlen Führer, Herrn Generalmusikdirektor Profes'or Boehe und den Stellen, die sich in die Vorbereitungsarbeit zu dieser Tat teilen, sei vollste Anerkennung und herzlichster Dank zuteil!

L E.

-Ksnrevt Gesangverein »Geeman.a" Kanan

Unter der Leitung von Gesa.rglehrer Georg Klehm gab der hiesige GesangvereinGermania" gestern abend im Saale der Turnhalle fein ü es» jäh, lges Konzert Vor dem ooilbejeg«e.l Saale wurde eine Dortragswlge geboten bie in musika­lischer Qualität selbst ganz hohen Ansprüchen ge­nügen mußte:An die Musik" von Anton Bruckner, zwei Chörd von Franz Schubert (Das Dörschen" undNachgesang im Walde"), drei Volksweisen in dem Satze von F. Sftcher (Müllers Abschied", Nur die Eine" und .Llage") und zwei in der Be­arbeitung von Othegraven (Bei Mondenschein" und ^ränzelkraut")..

Der stattliche Chor konnte sauberste Dorberei- tungsarbeit aufzeigen. Das besonders in den Mit­telstimmen gut ausgestattete Material ist auf gegen­seitigen Ausgleich schon redji beachtlich diszipliniert und hat im piano tragende Tonbehandlung; die Forte-Dynamik verriet an vielen Stellen Fundie­rung auf die piano- Kultur und wird, weiterhin systematisch darauf ausgebaut, dem Chore eine Ton­fülle ermöglichen, die auch m der akustisch wenig dankbaren Turnhalle restlos überzeugen dürfte. Die Aussprache, Klarheit und Zeichnung, die An­lage der einzelnen Kompositionen auf Steigerungen und kontrastierende Schattierungen erntete mit Recht großen Beifall, auf den der tüchtige und fähige Dirigent mit seinen Sängern stolz sein darf.

Dem vom Chore gleich zu Beginn des Konzertes geschaffenen hohen musikalischen Niveau vermochten sich auch die Vorträge des Solisten des Abends an­zugleichen. Der hier bereits bestens bekannte ein­beimische Varitonist Richard Schulz fang zwei Schubertlieder (An die Musik" undAufenthalt) und drei Arien von Iosek Haydn (Rollend in schäumenden Wellen aus derSchöpfung" und Schon eilet froh der Ackersmann" aus den Jah­reszeiten") und Leonvavallo (Prolog" aus der Oper »Der Bajazzo"); als Zugabe schenkte er den

begeisterten Zuhörern dieTorero"-Arie aus Bijets Carmen" Die schöne weiche Baritonstimme hatte oft ganz große Augenblicke gegründet auf ergie­biges Material und schon bedeutendes Können: ge­lingt es dem Sänger, noch kleine Unausgeglichen­heiten in der Aussprache und in der Behandlung des gtejitatiD-parlando zu beheben, so dürfte chm eine große Zukunft nach weiterer Ausreifung feines prächtigen, umfangreichen Organes beoorstehen.

Willy Biffings Begleitung reihte sich den früheren Leistungen dieses hochbeiäbigten Pianisten ebenbürtig an; sein Spiel war tonlich wie gestaltend großer Genuß. Auch ihm gehört ein guter Teil des reichen Beifalles für das wohlgelungene Konzert derGermania". Dr. E. H.

o Hochschulpersonalien. Der über Deutschlands Grenzen hinaus bekannte Laryngologe Geh. Sani­tätsrat Professor Dr. Gustav Spieß in Frank­furt a. M. feiert am 18. November seinen 70. Ge­burtstag.

Theater- Spielpläne

Stadttheater Hanau. Sonntag, 20. Nov., 19.30: Vor Sonnenuntergang; Montag, 21. Nov., 20: Vor Sonnenuntergang; Dienstag, 22. Nov., 20: Schnei­der Wibbel, Mittwoch, 23. Nov., 20: Wiener Blut (Erstes Auftreten von Otto Hannak in dieser Spiel­zeit): Freitag, 25. Nov.,20: Wiener Blut; Samstag, 26. Nov., 20; Die endlose Straße: Sonntag. 27. Nov., 19.30: Freie Bahn dem Tüchtigen.

Frankfurter Opernhaus. Sonntag, 20k Nov., 18: Siegfried; Montag, 21. Nov., 19.30: Margarethe; Dienstag, 22. Nov., 20: Fidelio; Mittwoch, 23. Nov.. 19.30: Don Carlos: Donnerstag, 24. Nov., 20: Die Entführung aus dem Serail; Samstag, 26. Nov., 20: Zar und Zimmermann: Sonntag, 27. Nov., 15: Im weißen Rößl, 19.30: Carmen.

Frankfurter Schauspielhaus. Sonnrag, 20. Nov., 16: Iphigenie auf Tauris, 20: Die endlose Straße; Montag, 21 Nov., 19: Faust 1. Teil; Dienstag, 22. Nov., 20: Hedda Gabler; Mittwoch, 23. Nov., 20: Moral; Donnerstag, 24. Nov., 20: Die endlose Straße; Freitag. 25 Nov., 20: Die endlose Straße; Samstag, 26 Nov.. 20: Moral; Sonntag, 27. Nov., 15.30: Florian Geyer. 20: Moral.

Neues Theater Frankfurt. Sonntag, 20. Nov., 16: 13 bei Tisch. 20: Heimkehr des Olympiasiegers; Montag, 21 Nov., 20: 13 be' Tisch. Dienstag, 22., Mittwoch, 23.,Donnerstag, 24 Nov,jew. 20: Heim­kehr des Olympiasiegers; Freitag, 25. Nov., 20: 13 bei Tisch: Samstag, 26 Nov., 20: Heimkehr des Olympiasiegers, Sonntag, 27. Nov., 16: 13 bei Tisch, 20: Heimkehr des Olympiasiegers.