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Nr. 268

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Montag. den 14. November 1932

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Gchvumvfuus im HSHeven Schulwesen

Eine beachtenswerte Statistik

Das Novemberheft der kommunalpolitischen MonatsschriftDer Städtetag" enthält folgende das höhere Schulwesen betreffende und allgemein i interessierenden Beiträge:

Die Entwicklung des höheren Schulwesens in der ^r nächsten Zeit wird sorgsamer Beachtung bedürfen, wenn man sich nicht von den Verhältnissen über­raschen lassen will. Zur Beurteilung der Grundlage aller Berechnungen und Schätzungen dürfte eine Er­hebung von größtem Wert sein, die der Deutsche Philologenverband durch seinen Geschäftsführer Ried über Schüler, Klassen und Schularten der höheren Lehranstalt 19311932 soeben herausge­bracht hat. Danach haben wir es mit einem

Schrumpfungsprozeß im gesamten deutschen höheren Schulwesen

und nicht etwa mit einzelnen örtlichen Schwankun­gen zu tun. Der bereits in den letzten Jahren vor­handene starke Rückgang der Schülerzahlen, der nur durch die abnorm hohen Sextanerfahrgänge von 1930 und 1931 verdeckt war, tritt 1932 offen zutage. Interessant ist die Feststellung, daß nicht nur die Zahl der Sextaner, sondern auch die der Oberprimaner rückläufig ist, wenn auch ein zahlen­mäßig stärkerer Rückgang erst nach 1933, d. h. nach dem Abgang des letzten Vorkriegsjahres aus der Oberprima, zu erwarten ist. Daß es sich bei dem Schrumpfungsprozeß der höheren Schulen um eine Entwicklungstendenz und nicht um eine vor­übergehende Erscheinung handelt, geht mit aller Deutlichkeit aus folgenden Feststellungen hervor:

Der Prozentsatz der von der Grundschule zur höheren Schule übergehenden Schüler ist in den letzten Jahren dauernd gesunken. Die Schwundsätze beim Uebergang von einer Klasse zur anderen haben sich dauernd erhöht. Auf der Mittel- und Oberstufe hat sich ein starkes Absinken der Zahlen gezeigt, das seine Wirkung auf die Zahl der Abi­turienten nicht verfehlen dürfte.

Man wird mit einem Absinken der Abiturienten bis etwa auf die Hälfte des heutigen Bestandes zu rechnen haben.

Die großen Anstalten werden sich immer stärker zum einzügigen Normaltyp zurückbilden. Nun ist allerdings ein Faktor schwer einzukalkulieren: btt Entwicklung des Wirtschaftslebens in Deutschland, von dessen Wirkungen naturgemäß auch die end­gültige Gestaltung der Verhältnisse im höheren Schulwesen abhängen wird.

* Silbernes Ordenssubliäum. Am Dienstag, 15. November, feiern die Schwestern Gunthera und Maria-Maurica aus dem St. Elisa- bethenhaus, Vorstadt 26, ihr 25jähriges Jubiläum. Schwester Gunthera ist nahezu 25 Jahre in Hanau und hat sich durch die Stadtkrankenpflege sehr ver­dient gemacht. Am gleichen Tage begeht Schwester K u n i t r u d i s aus dem St. Vincenz-Krankenhaus evenfalls das 25jährige Jubiläum ihrer Schwestern­schaft.

* Städtische Konzerte 1932/33. Wir verweisen nochmals an dieser Stelle auf den heute abend 20 W)r im Zeichensaal des Lyzeums stattfindenden Einführungsoortrag in die Werke des 2. Stadt. Konzertes, gehalten von Herrn Studienrat Schulze.

* An übertragbaren Krankheiten wurden in der Woche vom 612. November amtlich gemeldet: Scharlach 1 Fall aus Enkheim und Tuberkulose 1 Fall aus Großauheim und 1 Todesfall aus Hanau.

Vettevbev M

Das nordeuropätsche Hochdruckgebiet breitet sich durch weiteren Druckanstieg über Polen nach Osten zu aus. Es hat jetzt in seinem Kern den außer­ordentlich hohen Druck von über 790 Millimeter er­reicht. Ueber die baltischen Staaten fließt kalte Luft- süd- und südostwärts, die auch in Deutschland Ab- >kühlung bringen wird. Wenn auch die Witterung im wesenüichen trocken bleiben wird, so tritt doch vielfach stärkere Bewölkung ein. Vorhersage bis Montag abend: Wolkig bis heiter, trocken, weitere Abkühlung, kräftige östliche bis südöstliche Winde. Witterungsaussichten für Dienstag: Im wesent­lichen trockenes, aber bewölktes Wetter fort­bestehend.

Aus Steinbelm und Umgebung

g Klein- Sleinheim, 12. Nov. Oe fsentliche Gemeinderair.sltzu n g. Am Donnerstag den 10. November fand eine Sitzung der Gemeindever­treter statt. Punkt 1 betrifft ein Gesuch von Kaspar Jos. Herbert um Ueberlassung eines Teiles von Ge­meindegelände in der Kirchstraße und um Ge­nehmigung feines Baugesuches. Nach kurzer Aus­sprache wurde beschlossen, kommenden Sonntag um 11 Uhr eine gemeinsame Besichtigung des Geländes durch die Rats- und Baukommissionsmitglieder vor­zunehmen. Unter Punkt 2 gibt Herr Beigeordneter das Rücktrittsgesuch des Ratsmitgliedes Herrn Knecht bekannt. Bei der eintretenden Diskussion wid­mete der Fraktionsführer des Zentrums dem schei­denden Ratsmitgliede Herrn Knecht einen warmen J! Nachruf. Bei der darauf folgenden Abstimmung wurde der Antrag mit 10:2 Stimmen angenommen. Zu Punkt 3 der Tagesordnung lag ein Konzessions- gösuch des Herrn Joh. Kalling vor, indem der An­tragsteller um Erteilung der Konzession in der Gast­wirtschaft zumDeutschen Haus" auf seinen Namen nachsuchte. Dieses Gesuch wurde ohne Wiederspruch > einstimmig angenommen. Als Punkt 4 wurde über den Antrag der Erwerbslofenkommission betr. Win­terhilfe beraten. Nach langer Debatte, an der sich besonders die einzelnen Führer der Fraktionen be­teiligten, wurde dem Anträge der Wohlfahrts- kommission mit 10:2 Stimmen zugestimmt. Alle Natsmitglieder waren sich darüber einig, daß der großen Not der Ausgesteuerten im Rahmen des Möglichen Rechnung getragen werden soll. Zu­nächst soll nochmals ein Gesuch von der Verwal­tung durch die vorgesetzte Behörde bis ans ^Ministerium eingereicht werden, indem auf die trost­lose Lage der Unterstützungsberechtigten aufmerk­sam gemacht und um schnelle und ausreichende

Rekeuteuveveidkguug bei der Reichsmaviue

Blick in die Exerzierhalle in Kiel-Wik während der Ansprache des Korvetten-Kapitäns Schenk bei der Vereidigung der Rekrutender 1. Marine-Artillerie-Abteilung

Hilfe nachgesucht werden soll. Ferner wurde be­schlossen einen Betrag von 300 RM für die private Winterhilfe vorläufig aufzubringen. Gleichzeitig soll die Verwaltung bei der Forstbehörde dahin wir­ken, daß in diesem Jahre zirka 200 Meter Holz mehr geschlagen werden können, damit für die Be- drängtesten wenigstens einigermaßen Winterbrand vorhanden sei. Zu Punkt 5 wurde ein Gesuch des Herrn Zeiger genehmigt, worin dieser bat, 2 Kubik­meter Pflastersteine für sich im Gemeindebrüch brechen zu dürfen. Dafür will Herr Zeiger für die Gemeinde 15 Kubikmeter Stücksteins umsonst mit­brechen. Gleichzeitig wurde dem Anträge des Herrn Theodor Keller zugestimmt, wonach ihm zirka 3 Kubikmeter Pflastersteine â Kubikmeter zu 20 RM überlassen werden. Hierauf nimmt der Rat Kennt­nis von dem Gesuch des Herrn Nohl betr. Errich­tung eines Sägewerks. Die damit verbundene For­derung lehnt der Rat ab. Zum Schluß wurde noch dem Herrn Beigeordneten Herbert für die Zeit der Vertretung des in Urlaub weilenden Bürger­meisters eine Vergütung von 3 RM pro Tag ein­stimmig bewilligt. Hierauf nichtöffentliche Sitzung.

&ceié Gelrrbauke«

Großer Straßenbau im Freiwilligen Arbeitsdienst i Mittelgründau, 12. Nov. Ein größeres Projekt, nämlich die Erbauung einer Straße von hier nach Vonhaufen, Diebach a. Haag bis Calbach, wird dem­nächst auf dem Wege des Freiwilligen Arbeitsdien- stes zur Ausführung kommen Für diese Arbeit sind vorläufig 2400 Tagewerke vorgesehen, doch sollen, da die vorgesehenen Tagewerke für die Fertig­stellung der Arbeit nicht ausreichen, weitere Tage­werke genchmigt werden. Der Besitzer des Hofgutes Herrnhaog hat ein altes Schloßgebäude für die Unterbringung der hilfsdienstwilligen zur Verfü­gung gestellt, an dem zurzeit eine größere Anzahl junger Arbeiter beschäftigt sind, um das alte Ge­bäude wohnfähig zu machen. Es sollen bis zu 150 junge Leute aus der näheren und weiteren ltm= göbung aufgenommen werden. Sie erhalten Klei­der, Schuhe und Wäsche, freie Wohnung und Ver­pflegung und ein Taschengeld von täglich 30 Pfen­nig. Die geistige und seelische Betreuung hat Ober­schulrat Dr. Hassinger, Darmstadt, übernommen. Mit dem Bau dieser Straße wird der Verkehr einer größeren Anzahl Ortschaften erschlossen.

ÄeeiS Büdingen

i Büdingen, 11. Nov. Die benaH.arte Kreis- gemeinde Rohrbach hat jetzt endgültig das in der Gemeinde und Gemarkung Rohrbach gelegene, dem Fürst zu Menburg und Büdingen gehörige hofgut, 430 Morgen groß, mit Wohnhaus uns Wirtschafts­gebäude im Preise von 215 000 RM käuflich erwar­ben. Ein Teil dieses Gutes, ungefähr 200 Morgen, wurden schon vor einigen Jahren von oer Gemeinde im Wege des Siedlungsverfahrens von der Fürst­lichen Verwaltung gepachtet. Den, seitherigen Guts­pächter Bär, der nebenbei auch über eignes Land verfügt, hat die Gemeinde das Wohnhaus und einige Wirtschaftsgebäude zu einem Preise von 12 000 RM käuflich überlassen, ebenso sind ihm von der Ge­meinde 15 Morgen Land zugestanden worden. Die Gemeinde hat jetzt einen Test dreses gekauften Gu­tes, etwa 210 Morgen an ihre landwirtschafttrei­bende Gemeindeangehörigen in kleineren und größe­ren Parzellen weiter verkauft und daoei die an= sehnliche Summe von 192 000 RM erlöst. In Anbe­tracht der wirtschaftlichen Not kann nur ein kleiner Teil des Betrages von der Gemeinde bzw. den Käufern aufgebracht werden, der größte Teil mutz auf dem Wege der Anleihe getätigt werden. Auch trotz dieser letzteren Schwierigkeit ist es dem Bür­germeister der Gemeinde Rohrbach gelungen, den Kauf zu finanzieren.

t Büdingen, 12. Nov. In der Nacht zum 1. Juni wurde hier in ein Zigarrengroßgeschäft ein Einbruch verübt, bei dem den Tätern Tabakwaren im Wert von etwa 1600 RM in die Hände fielen. Wegen dieses Einbruchs standen nunmehr vier Per­sonen vor Gericht, von denen einer wegen Hehlerei angekelagt war. Während die Staatsanwalt gegen die Angeklagten schwere Gefängnis- bzw. Zucht- lausstrafen beantragte, konnte sich das Gericht die- em Antrag nicht in vollem Umfang anschließen und prach drei Angeklagte mangels Beweise frei. Nur >er Haupttäter, de raus Berlin stammende Melker Erich Leutner, wurde wegen der Tat zu vier Mo­naten Gefängnis verurteilt.

Aus Frankfurt a. HL

Alte Tausendmarkscheine reisen nach Lyon.

:Erzählen Sie mal, Doktor, wie Sie beinahe reich geworden wären", redete der Amtsgerichtsrat den als Zeugen erschienenen Zahnarzt an, der 'm Juli 1931 bei einer Ehevermittlerin die Bekannt­schaft des Jmmobilienmarklers Heinrich Haunerland gemacht hatte. So im Gespräch kam man auf die alten Tausender zu sprechen und h. ließ durchblicken, daß man Gelegenheit habe, die alten Scheine noch gut los zu werden. Der Immobilienmakler pflegte sich damals mit dem pensionierten Oberwerkmeister Michael Eis in einem Zwanzig^ im Bahnhofsviertel zu treffen. Fast täglich war man da. Die Inhaberin schilderte ihre schlecht? Geschästs- lage und h. interessierte sie für den Absatz alter Tausendmarkscheine. Die Frau gab ihm zehn Stück und hoffte pro Stück 300 RM rückvergütet zu erhal­ten. Dann pumpte sich H. von der Frau zwanzig RM und blieb fort. Nach geraumer Zeit kam ein Brief, in dem er schrieb, daß sein Fortbleiben nicht persönlicher Natur" sei, sondern er wolle sich n'cht mit Menschen unterhalten, die ihm nicht zusagten. Da sie, die Kaffeebesitzerin inzwischen ihr Geschäft zurückgezogen habe die Frau hatte die gegebenen Tausendmarscheine zurückgefordert liquidiere er für feine Bemühungen 30 RM. von denen er 20 erhalten habe die restlichen 10 RM hole er ge­legentlich ab. Kurz vor dem gegen ihn anberaum-

^otrt mit Spielkarten-Einlage

Sammeln Sie die Schecks, bald haben Sie ein ganzes Kartenspiel

ten Gerichtstermin hat ch. der Frau die 20 RM retourniert. .Haben Sie sich der Liga, die die allen Scheine aufgewertet haben wollten, angeschlossen r wurde der dritte Hauptzeuge, ein Kaufmann der Autofahrzeugteilhandels, bei seinem Erscheinen ge­fragt, und als er verneinend antwortete, bemerkte der Vorsitzende ernstvoll:Es war doch eine macht­volle Bewegung." Der Zeuge kam durch den eben­falls angeklagten Oberwerkmeister Eis auf den Ge­danken, sich in ein Geschäft mit alten Tausender em- zulassen. Eis machte ihn mit H. bekannt und es wurde davon geredet, daß ein gewisser Marschner die Scheine unterbringen werde. Diese Phantasie- gestalt sollte mit einem Neffen im Hotel zu den schönen Künsten im fernen Lyon zu treffen fein. Von dort würde er in seinem großen Mercedes die Scheine nach Paris bringen. Die Polizei hat sich vergebens nach einem Herrn Marschner umgesehen, es gab nur einen Geheimrat, der aber längst das Seitliche vor dieser Geschichte gesegnet hatte. Der Autokaufmann im besten Glauben an das, was ihm das Konsortium E. und H. auftischte, steckte sich ein Bündel alter Tausender in die Tasche, kur­belte seinen Adlerwagen an und fuhr mit den bei­den Angeklagten die 750 Kilometer lange Strecke in einem Tag, bekam aber den Herrn Marschner nicht zu sehen. Dagegen durfte er für die gesamte Zeche aufkommen und man ließ sich den französi­schen Rotwein trefflich munden. Nachdem die Sache nichts geworden war, fuhr man zurück und nach einiger Zeit berichtete Eis, daß Marschner nun zu treffen sei und wieder ging es nach der Seiden­zentrale. Eis begab sich auf die Suche nach Marsch­ner und kam entrüstet zurück, um mitzuteilen, daß Marschner schon fort sei.Ich bin aus der Sache nicht so gescheit geworden", meint der Kaufmann jetzt und der Vorsitzende repliziert:Das sollten Sie ja auch nicht." Der Zeuge zahlte Mar die zweite Zeche nicht vollkommen, aber er hatte durch das_Be­trugsmanöver feiner Begleiter doch einigen Scha­den. Das Kleine Schöffengericht verurteilte H zu acht Monaten, Eis, der erst kürzlich wegen eines Erbfcbosts'chwindels mit fünf Monaten Gefängnis bestraft wurde, erhielt jetzt weitere sechs Monate Gefängnis. Bei der Strafzumessung berücksichtigte das Gericht, daß die Geschädigten die Sache de« Angeklagten leicht machten, unb daß das schutz­würdige Interesse der Zeugen nicht allzu hoch zu veranschlagen war.

Grundsteinlegung der neuen Kirche in der Reichs- bahnsiedlung Nied

: Sonntag nachmittag wurde in feierlicher Weise der Grundstock zu einer neuen evangelischen Kirche in der Reichsbahnsiedlung Frankfurt a. M -Nied gelegt. Ein zahlreiches Publikum und viele Ver­treter von Behörden waren bei der Feier anwesend. Pfarrer Pelissier hielt die Festansprache und verlas die Grundsteinurkunde. In den Grundstein wurden mehrere Zeitschriften, Tageszeitungen und Geld­münzen sowie die Baupläne eingelegt Im Namezi des Dekanars Cronberg sprach Dekan Deitelbeck, namens der Bezirksverwaltung Höchst und der Stadt Frankfurt Beiaeordneter Bayersdorf. Außer dem wurden viele Glückwünsche übermittelt von kirchlichen und weltlichen Behörden und Vereinen sowie der Direktion der Reichsbahngesellschaft, die durch weitgebendes Entgegenkommen den Bau er­möglichte. Gesänge des Kirchenchors und der Ge­meinde verherrlichten die Feier. Die Kirche, die den Namen Apostelkirche erhielt und 250 Sitzplätze bekommt, soll noch in diesem Jahr im Rohbau fer­tiggestellt werden.