Selke 6
Mttwoch, den 9. November 1932
Nr. 264
Au neun Monaten Gefängnis. Im übrigen werden beefe Angeklagten von den ihnen in der Anklageschrift weiter zur Last liegenden Straftaten freigesprochen. Die Untersuchungshaft wird allen Verurteilten voll angerechnet. Weitere Angeklagte wurden freigesprochen.
LuchthauSKvake« im Gveifs waidev Ta«dkviede»sbv«ch- peoreS
Greifswald, 8. Nov. Nach 14tägiger Verhandlung wurde heute im Greifswalder Landfriedens- bruchprozeß das Urteil gefällt. Der Verhandlung lagen die Zusammenstöße zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten am 17. Juli vor den Baracken an der Loitzer Landstraße zugrunde, bei denen drei Nationalsozialisten getötet und mehrere verletzt wurden. Das Schwurgericht ver- urteilte die Hauptangeklagten Arbeiter Peters und Behrens wegen schweren Landfriedensbruches in Tateinheit mit Gewalttätigkeiten und Waffenmlßbrauch zu je 10 Jahren Zuchthaus, den Barackenbewohner S im s ch zu 8 Jahren Zuchthaus und die Arbeiter Drespe und Tennert zu 6 Jahren bzw. fünf Jahren Zuchthaus. Zehn Angeklagte erhielten Gefängnisstrafen von einem Jahr sechs Monaten bis herab zu drei Monaten. Sieben Angeklagte wurden freigesprochen.
Dev RauSübevkav auf einen Ge'divansNort
Das gestohlene Auto aufgesunder.
Düsseldorf 8. Nov. Wie zu dem mißglückten Raubüberfall auf einen Geldtransport des Schlachthofes noch gemeldet wird, wurde das zur Tat von den Räubern benutzte Auto bereits gestern abend gegen 22 Uhr vor dem Apollotheatec in der Reihe der dort parkenden Autos abgestellt Als man es heute morgen gegen 8 Uhr mit brennenden Lampen dort stehen sah, untersuchte man es und fand darin noch eine Anzahl Patronenhülsen vor. Danach zu urteilen haben sämtliche Insassen des Autos geschossen Bei den Banditen handelt es sich um eine der Polizei seit langem bekannte Verbrecherbande, die bereits in Duisburg, Essen und Bochum Usberfälle mit gestohlenen Autos und schwere Einbrucksdiebstähle ausgeführt hat Der Regierungspräsident hat auf die Ergreifung der Täter 1000 RM Belohnung ausgesetzt.
Stiebe« ein Sav Müssend
Vor dem Großen Schöffengericht Berlin- Schöneberg hatte sich am Dienstag Frau Marie Jürgens unter der Anklage des fortgesetzten Kreditbetruges und des Arrestbruches zu verantworten. Frau Jürgens war vor einigen Jahren zusammen mit ihrem Gatten, dem ehemaligen Landgerichtsdirektor Jürgens, u. a. wegen Brandstiftung in Verbindung mit Kreditbetrug angeklagt. Der damalige Schwurgerichtsprozeß endete mit der Freisprechung des Landgerichtsdirektors: Frau Jürgens wurde wegen Falscheides zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Nach einem peinlichen Scheidungsprozeß wurde die Ehe kürzlich geschieden. Der Anklage zufolge hat sich nun Frau Jürgens bei einer Reihe von Berliner Firmen Sachen gekauft, die sie sich in ihren Verhältnissen nicht leisten konnte So hatte sie sich u. a. ein paar Meter Seide für 160 RM, ferner Teppiche, Blusen, Röcke und zahlreiche Luxusgegenstände gekauft, meist gegen Wechsel, die dann nicht eingelöst wurden. Frau Jürgens hatte dabei in den Geschäften stets die Stellung ihres Mannes angegeben und so leicht Kredit erhalten Leichtsinnigerweise hatte sie später auch — einmal in Not geraten — ihre Möbel mehrfach verpfändet. Zahlreiche Zeugen, namentlich der geschädigten Geschäftswelt, sind geladen.
Eine Jambus seeta im SleemeEonss vevm St Sie wollte im Faltboot über den Kanal
Calais, 8. Nov. Eine junge deutsche Faltboot- fahrerin, Frl. Müller aus Hamburg, die hier am Freitag früh in ihrem kleinen Boot abgefahren war, um den Aermelkanal zu überqueren, ist seither verschollen. Die französischen Hafenbehörden haben bereits Nachforschungen nach ihrem Verbleib angestellt. Ein Schleusenwärter erklärte, er habe das Boot bald nach der Abfahrt mit seiner Insassin im Vorhafen von Calais gesehen. Ein Leuchtturmwärter und ein weiterer Augenzeuge haben die Faltbootfahrerin ebenfalls beobachtet, als sie bei steigender Flut die französische Küste verließ.
vvovestus eines im- »SKiOsn LRavèms uttichlffoS
Paris, 8. Nov. Heute nachmittag ist auf dem Flugplatz von Orly ein neues halbstarres Marineluftschiff von 15 000 Kubikmeter Raumverdrängung mit zwei Motoren von je 350 PS erprobt worden. Der erste Probeflug mit 13 Mann Besatzung dauerte 40 Minuten. Das Luftschiff hat einen Aktionsradius von etwa 350 Kilometer und ist für die Marinestation von Rochefort-sur-Mer bestimmt.
Smfanaeeitbe ©feneebiniec- ziehnnss« in Svankveiib
Paris, 8. Nov. Der sozialistische Abgeordnete Albertin wird die Regierung in einer Steuerhinter- Aiehungsangelegenheit interpellieren, mit der sich der Min'sterrat heute beschäftigt hat. Es handelt sich, wie Havas berichtet, um folgende Angelegenheit: Der Direktor der Basler Handelsbank soll sich in regelmäßigen Zwischenräumen nach Paris begeben haben, um hier von fra iHv fischen Wertpapiere Inhabern Coupons zu übernehmen, sie in der Schweiz einzulösen und dann wieder ihren Besitzern zuzuführen wobe' die französische Couponsteuer von 18 Prozent nicht bezahlt wurde. In einem Hotel in Paris sollen zahlreiche Dokumente, darunter eine Kundenliste, in der die Kunden nur mit Nummern angeführt waren, beschlagnahmt worden sein. Der französische Untersuchungsrichter habe gegen drei schweizerische Persönlichkeiten. die diese Operationen gleitet haben sollen, Anklage erhoben, und zwar gegen einen der 5 Direktoren der Basler Handelsbank, Berthoud, ferner den stellvertretenden Direk- tar Renaud unb dessen Sekretär Joly. Das fran-
Verblüffte Ueberraschung
1. Bild: Am Donnerstag früh der vergangenen Woche bot Berlin allen Bewohnern, die das Haus verliehen, um sich an die Arbeitsstätte zu begeben, einen seltsamen, ungewohnten Anblick. Alle Straßen waren von Fußgängern bevölkert, und trotzdem fehlte jener Lärm, der nun einmal zum Tempo und Leben der Großstadt gehört. Lag diese gedämpfte Tonart nur an dem regenreichen, von grauen Wolken verhangenen Novemberhimmel, oder war wieder einmal etwas besonderes los? Rasch brachte die heftige Diskussion aufgeregter Personen die Aufklärung: vollständiger Verkehrsstreik. Es fuhren weder Autobus, noch Straßenbahn, noch Untergrundbahn. Die Tore zu den Un= tergrundbahnhöfen waren verschlossen. An manchen standen schon erste Streikposten.
Der Berliner läßt sich nicht leicht feine gute Laune verderben Aber was zuviel ist, ist zuviel. Vom Verkehrsstreik wurde er völlig überrascht. Noch die Mittwoch-Abendzeitungen hatten die Meldung gebracht, daß bei der Berliner Verkehrsgesellschaft alles in bester Ordnung sein werde. Man halte es für ausgeschlossen, daß die Mehrheit sich für einen Streik entscheiden werde. Und nun stand man da, unausgeschlafen, hatte es eilig wie immer, um ins Büro zu kommen. Dazu der feine, un= ablässig herabrieselnde Regen, der sich in die Kleider setzt und sie schwer macht, der allmählich bis auf die Haut vordringt. Was blieb anderes übrig, als je nach Temperament zu schimpfen oder zu murren. Aber im allgemeinen sehr übel gelaunt den Weg in die Stadt zu Fuß anzutreten Für Hunderttausende von Berlinern bedeutet die einzige Rettung die 8-Bahn. Seit sie nicht mehr Stadtbahn, sondern Schnellbahn, gibt es viele Berliner, .die sie überhaupt nicht mehr kennen. Und dadurch, daß die 8-Bahn-Linie ringförmig um die Stadt geht, ist sie für viele, die im Zentrum zu tun haben öder an anderen Teilen der Stadt, die weit entfernt von einer 8-Bahn-Station liegen, zu weit entfernt.
Aulo-Hausse
2. Bild: In den Kreisen der Autodroschken- Chauffeure, sowohl der Angestellten der Kraftwagengesellschaft, wie der selbständigen Fahrer, verbreitete sich die Nachricht von dem Verkehrsstreik wie ein Lauffeuer. Das Polizeipräsidium wird bestürmt, daß es zulasse, daß nicht nur die Wagen mit gerader Nummer, die heute nur fahren dürfen, sondern auch die mit ungerader Nummer fahren dürfen. Das Präsidium erkennt die Situation, gibt seine Zustimmung, und nun jagen Tausende von Autodroschken durch Berlin. Die Chauffeure können einen warmen Regen gebrauchen. Trotz der mehrfachen Dar'Merabsetzung geht das Geschäft immer schlechter. Aber heute haben alle PS vollauf zu tun. Sie legen, unbehindert von dem sonst so störenden Verkehr der städtischen Verkehrsmittel, ein mächtiges Temvo vor. Mau muh sich sputen. Der nächste Fahrgast wartet.
Wettstreit der Streikposten
3. Bild: Erst glaubte man, der Verkehrsstreik werde rasch beendet sein. Schon am Abend könne man wieder sein Abonnement oder die Sammelfahrkarte benutzen Man hatte nicht mit der Streikleitung gerechnet. Es ist schon am Abend offensichtlich, daß der Streik in einen politischen ausgemündel ist. Rechts- und Linksradikale überbieten sich mit Drohungen. Als Streikposten fungieren nicht nur Straßenbahner in Uniform, sondern auch SA.-Leute und Kommunisten. Die Rollenverteilung ist sehr geschickt. Auf einem großen Platz, der in der Nähe eines Straßenbahndepots liegt, spielen sich folgende Szenen ab. SA.-Leute und Kommunisten überbieten sich in Versprechungen, indem sie laut ausrufen, sie würden es nicht zulassen, daß deutsche Arbeiter schlechter bezahlt werden als chinesische Kulis. Neben dem Heer Uniformierter agitieren
GeschiMchkeiiSübungen dev âvaktfabvevivupve in DSbevitz
Ein schwerer dreiachsiger Lastwagen beim Herabfahren eines steilen Hangs.
Auf dem Truppenübungsplatz Döberitz bei Berlin fanden interessante Geschicklichkeitsübungen der Kraftfahrtruppe statt, bei denen die Wagen über außerordentlich steiles und sandiges Gelände geführt werden mußten.
Die wMe* Stadt
Bilder aus den Tagen des Berliner Verkehrsstreiks
andere Parteiangebörige in Zivil. Die sagen wieder, da könnt ihr sehen, wie west ihr mit der Regierung Papen gekommen seid.
Mittwoch, 9. Nov., 8—10.30 Uhr 6. Vorstellung im
Kampf um Recht und Macht
4. Bild: Und nachdem der Schlichterspruch bekannt gegeben ist, spielen sich vor dem Depot dramatische Szenen ab. Die politischen Streikposten sind von BDE. -Angestellten in Uniform abgelöst worden. Arbeitswillige erscheinen, oft mit Frau und Kind. Sie sind in Sorge um ihre Stellung. Die Frauen meinen, sie haben Angst um ihre Männer, und diese wiederum wissen nicht, was sie eigentlich machen sollen. Polizei ist zur Stelle, um Ausschreitungen zu verhindern und die Arbeitenden zu schützen. Da von Minute zu Minute die Gefahr wächst, daß auf das Straßenbahndepot ein Generalsturm ausgeführt wird, holt man Schnellwagen herbei. Deren grelle Scheinwerfer blitzen im Dun kel des Abends auf. Aber der Schutz reicht nur aus, um einen Sturm zu verhindern. Die ersten aus- fahrenden Straßenbahnwagen werden mit einem Steinhagel begrüßt, so daß alle Scheiben in Scherben gehen. Aehnlich ergeht es den Autobuswagen. Sie mußten wieder aus dem Verkehr gezogen werden. Am Abend ist Berlin wieder zur toten Stadt geworden.
Streik-Gewinn
5. B i l d: Der Berliner hat feinen Ruf, Helle zu sein, zu verteidigen. Und wirklich. Er beweist es. Schon fast unwahrscheinliche Verkehrsverbindungen mit der 8-Bahn möglichst in die Nähe der Arbeitsstätte werden herausgesucht. Der Verkehr auf der sonst etwas vernachlässigten Schnellverbinduna hat Riesenausmaße angenommen (täglich eine Mehreinnahme von ca. 250 000 RM oder Mehrbeförderung von über einer Million Fahrgästen). Das ist gleichbedeutend mit Schlangestehen an den Fahrkartenschaltern. Arbeitslose haben einen neuen Beruf entdeckt. Sie eilen sofort nach der Auszahlung ihrer Erwerbslosenunterstützung zum Fahrkartenschalter und kaufen Stadtbahnkarten auf Diese bieten sie den an letzter Stelle der Reihe Stehenden mit einem Aufgeld von 5 Pfg. an. Die Billetts gehen fort wie warme Semmeln. Ist der Berliner Helle? Und auch die Witzbolde finden sich ein. So ging ein junger Mann am Samstag vor der Wahl mit gezogenem Hut an den Wartenden vorbei und stieß den vor der Reichstagswahl tausendfach gehörten Ruf aus ,/Spendet für den Wahlfond!" Als ihn einer aus dem Publikum fragt, für welche Partei er denn sammele, erwiderte er kühl: „Für meine eigene".
Schupo fährt spazieren
6. Bild: Täglich führte die BVG. bis zum
Streikabbruch den Straßenbahn- und Autobusverkehr auf Abzahlung durch, d. h. geschenkt bekam niemand etwas. Es fuhren immer ein paar Wagen unter polizeilichem Schutz. Straßenbahnführer und Begleiter sollten „beobachtet" werden, daß sie nicht mit der Kasse durchbrennen. Denn die Einnahmen waren riesig bei dem kleinen Angebot an Verkehrsmitteln. Nur in manchen Stadtgegenden fuhren die Wagen zum Vergnügen der Polizisten und der Angstvorstellungen der Straßenbahnschaffner. Denn hier verzichtete das Publikum auf Beteiligung aus Angst vor einem Steinbombardement. Darum darf man den Berliner nicht als be. sonders ängstlich schelten. Denn z. B in Neukölln standen an jeder Haltestelle zwei Schupos, die die Wartenden darauf aufmerksam machten, daß sie auf eigene Lebensgefahr den Wagen besteigen. Na, und da hat wohl so mancher verzichtet.
7. Bild: Versöhnendes Schlußbild: Der Streik, abbruch. Der Berliner kann wieder fahren Und wer ersetzt den Abonnenten ihre Verluste, die sie dadurch erlitten, daß sie ihr Abonnement nicht ausnutzen konnten? Als Zukunftsbild stehen Schadensersatzprozesse vor der Tür.
höfische Schatzministerium soll durch die erwähnten Vorgänge jährl'ch um 50 Millionen Francs Steuern geschädigt worden sein, ein Betrag, den man in Pariser Fachkreisen für stark übertrieben hält. Die
Nachforschungen können nur bis 1929 zurück verfolgt werden, da die vor dieser Zeit begangenen Vergehen bereits verjährt seien. Die in dem Hotel er-1 Szenenbild aus dem Tonfilm „Die Tänzerin von richteten Büros sollen aber bereits seit sechs Jahren 1 Sanssouci"
bestehen. Der Untersuchungsrichter habe sämtliche Guthaben der Basler Handelsbank bei Pariser Banken beschlagnahmen lassen. Da der Kundenkreis außerordentlich groß sein soll, dürfte die Untersuchung ziemlich lange Zeit in Anspruch nehmen.
In einer späteren Meldung berichtigt die Havas- Agentur obige Meldung dahin, daß nicht die Summe der jährlich hinterzogenen Steuern 50 Millionen Franken betrage, sondern die Höhe der ohne Steuer» Zurückbehaltung voll ausbezahlten Zinricheine. Die Summe der jährlich hinterzogenen Steuern würde sich demgemäß aus etwa 9 Millionen Franken belaufen.
Tibet - euaMcher NuffevKaat
Das Schicksal des chinesischen Kolonialreichs
China hat ein gewaltiges Kolonialreich, siebzehnmal größer als Deutschland: Tibet, Chinesisch- Turkestan, die Mongolei und die heute so umstrittene Mandschurei. Seit 1000 Jahren gehören diese Länder zu China, das sich heute im inneren Hader zerfleischt und eigentlich nur noch de jure über diese Gebiete herrscht: in Wirklickkeit hat es nicht mehr über sie zu bestimmen. Ueber das Schicksal des chinesischen Kolonialreicks machte der Berliner Sinologe, Professor Dr Haenisch, vor dem Verband für den Fernen Osten beachtenswerte Mitteilungen. Tibet wurde Ende des vorigen Jahrhunderts in den englisch-russischen Machtkampf hineingezogen. Als die Revolution von 1905 Rußlands Einfluß in Tibet schwächte, mußte der Dalai Lama als Russenfreund in die russische Hoheitssphäre flüchten. Die ihm treugebliebene Bevölkerung holte ihn aber zurück. Cbina bemühte sich nun, Tibet stärker an sich zu fesseln, wurde aber durch die Revolution von 1911 daran gehindert. Zwei Jahre zuvor war der Dalai Lama nach Indien geflohen, 1911 kehrte er zurück, und das chinesische Utilitär verließ das Land Seitdem entwickelt sich Tibet immer mehr zu einem Pufferstaat englischer Prägung. Das entlegene Chinesisch-Turkestan, wo der seßhafte Ackerbauer zu Hause ist, hat sich die Selbständigkeit zu erringen verstanden, ohne sich Rußland oder England ergeben zu müssen. Von Peking ist das Land 57 Taaesreisen entfernt, ein Sowjetkonsul und zwei englische Konsularagenten mit ihren Stäben sind die einzigen Europäer im Lande. Die Regierung von Turkestan will aber demnächst eine Anzahl Studenten nach Deutschland schicken. Die Mongolei, nach außen noch chinesisch, gehört tatsächlich schon zur Sowjetunion; daran können auch die Millionen chinesischer Reisbauern nichts ändern. Die Weißrussen hatten 1919, auf dem Rückzug vor den Sowjets die chinesischen Beamten und Soldaten aus der Mongolei hinausgeworfen und erleichterten es den Sowjets, sich festzusetzen. Das Schicksal des vierten chinesischen Koloniallandes, der Mandschurei, erleben wir täglich mit.
Ueberfall auf zwei Kassenboten
Berlin, 8. Nov. Auf der Chaussee zwischen den Ortschaften Hohennoudorf und Bergfeld im Norden Berlins, wurden heute vormittag gegen 9 Uhr zwei Kassenboten, die 1750 RM Unterstützungsgelder von der Sparkasse in Hohennoudorf abgeholt hatten, von zwei Männern überfallen und von ihren Rädern geschlagen. Die Räuber rissen die beiden Aktentaschen, in denen sich das Geld befand, an sich, schwangen sich auf die Räder der Ueberfallenen und fuhren davon. Obwohl kurze Zeit darauf die Verfolgung mit einem Privatauto ausgenommen wurde, gelang es den Wegelagerern zu entkommen.
Sparkassenleiler unterschlägt 200 000 KHl
Potsdam, 8. Nov Der Kaufmann Ernst Wernicke in Bornim (Mark) hat als Leiter der Spar» und Darlehenskasse des Kreises Osthavelland 200 000 RM neruntreut. Wernicke hat heute bei der hiesigen Staatsanwaltschaft ein Geständnis abgelegt und die Unterschlagung eingestanden.
Raubüberfall auf ein Lebensmittelgeschäft Eine Person getötet
Gelsenkirchen, 8. Nov. Zwei Räuber drangen heule abend in ein Lebensmittelgeschäft im Stadtteil Erle ein, hielten Verkäuferinnen unb Kunden mit einem Revolver in Schach und raubten den Inhalt der Tageskasse, deren höhe noch nicht feslstehl. Auf der Fiucht kam den Räubern auf der Haupttreppe der Hausbesitzer entgegen, den sie durch Schüsse so schwer verletzten, daß er während der Einlieferung in das Krankenhaus verstarb. Die Täter konnten entkommen.
Ein schwerer Unfall in einer Kaserne
München, 8. Nov. Ein schwerer Unfall ereignete sich in der Nacht zum 8 November in der Kaserne des 7. (bayerischen) Pionierbataillons in der Win- zererstraße in München Ein Gefreiter dieses Bataillons wurde vom Kasernenposten für einen Einbrecher gehalten und nach mehrmaligem Am ruf, auf den keine Antwort erfolgte, durch einen Schuß schwer verletzt. Der Gefreite verstarb noch in der gleichen Nacht im Standortlazarett.
»Die TÄirev'« trott Sansiouc"