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KanaueMnzeiger

U^GWe«era< Älnzeiger föwflfe^sS atiaii 6taM und Land

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Liv 262

Montag, den

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S. Vovembev

1932

Das Ergebnis der Neichsiagswabl

EchwSOsrs VablbeteiUsnns 582 Abgeordnete gegen 668 im alten Reichstag - Verluste der Nationalsozialisten und Sozialdemokraten - Zunahme der ^ mmunMen, Dentschnationalen und Deutschen Volkspartei Die Schwierigkeiten der

Mehvhettsvttd««g «sch vevsrötzert

Nov wette «eichst«»

Während bei allen vorhergehenden Wahlen all­gemein damit gerechnet wurde, daß die Wahlbetei­ligung noch weiter ansteige, vermutete man dies­mal, daß zur größten aller Parteien die der Nichtwähler, anwachsen werde. Und diese Vermu­tung hat sich als richtig erwiesen. Tatsächlich war bei der gestrigen Neichstagswahl die Wahlbeteili­gung geringer als bei der Iuliwahl, was auch in der Stärke des neuen Reichstages zum Ausdruck kommt. Während der alte Reichstag 608 Abge­ordnete zählte eine Zahl, die vordem noch nie­mals bei einer Reichstagswahl erreicht worden war wird der neue Reichstag nur 582 Abge­ordnete aufweisen, womit nicht gesagt sein soll, daß diese Zahl nicht genüge.

Die Reichstagswahl vom 31. Juli d. I. war ge­kennzeichnet durch das gewaltige Anschwellen der nationalsozialistischen Mandate, die, im Vergleich zum September-Reichstag noch einmal einen mehr als hundertprozentigen Aufschwung nahmen. Schon die Reichstagswahl vom 14. September war durch die bedeutsame Zunahme der Nationalsozialisten ge­kennzeichnet, hatten sie doch ihre Stimmenzahl oer- neunfacht und waren aus einer Splitterpartei zu der zweitgrößten Partei des Reichstages geworden. Die gestrige ReichstqHswahl hat die nationalsozia­listische Welle nicht üür zum Stillstand, sondern so­gar zum Rückgang gebracht und zwar hat die NSDAP, rund zwei Millionen Stimmen bzw. 35 Mandate verloren. Trotz dieses Verlustes wird sie aber mit 195 Mandaten erneut als stärkste Par­tei in den neuen Reichstag einziehen, wenn sie auch gegenüber 37,3 Prozent nur noch mit rund 33 Pro­zent an den abgegebenen Stimmen beteiligt ist. An zweiter Stelle stehen wieder die Sozialdemokra­ten, die ebenfalls verloren haben und zwar rund 700 000 Stimmen, also 12 Mandate. Schließlich haben auch das Zentrum und Bayerische Volks­partei einen Rückschlag erlitten, indem sie zusam­men 9 Mandate eingebüßt haben. Einen be­merkenswerten Auftrieb haben die Kommunisten zu verzeichnen; sie sind von 89 auf 100 Mandate ge­stiegen. Von den bürgerlichen Parteien weisen bedeutende Zunahmen auf die Deutschnationale Volkspartei und die Deutsche Volkspartei. Die Staatspartei hat weiter etwas verloren.

Das wichtigste an dem Ergebnis der gestrigen Wahl ist, daß die theoretisch im vorigen Reichstag vorhandene Koalitionsmehrheit aus Nationalsozialisten, Zentrum und Bayerische Volkspartei nicht mehr vorhanden ist. Aber auch eine Mehrheit, be­stehend aus Nationalsozialisten, Deutschnationalen und Deutsche Volkspartei ist nicht gegegben. An­dererseits verfügen die beiden Flügelgruppen, Na­tionalsozialisten und Kommunisten zusammen über eine Mehrheit, die dem Bestand des neuen Reichs­tags sehr gefährlich werden kann.

Eine Mehrheitsbildung ist also auch im neuen Reichstag nicht gut denkbar. Die Frage ist nun, was der Reichskanzler machen wird. Heute, wie nach dem 31. Juli,. steht es so, daß der Reichskanzler nur eine kleine Minderheit von Abgeordneten zu den Anhängern seines Kabinetts und seiner Poli­tik zählen kann, daß er aber seine Unabhängigkeit vor dem Reichstag proklamiert, wie es noch kurz vor dem Wahltag in seiner Rundfunkrede geschehen ist, und daß er deshalb keinen entscheidenden Werr darauf legt, ob ihm eine genügend starke Grund­lage für sein parlamentarisches Wirken zur Ver­fügung steht. Auch an den Beziehungen des Reichs­kanzlers zu den Oppositionsparteien hat sich durch die Reichstagsneuwahl nichts geändert. Sie alle, Nationalsozialisten, Zentrum, Sozialdemokraten und Kommunisten, sind mit derselben, wenn auch ver­schieden abgetönten Parole in den Wahlkampf ge­zogen: hinweg mit Papen! Der Reichskanzler ist den Parteien nichts sckmldig geblieben. Er hat von der elenden Parte-bürokratie" gesprochen und den Parteien der Opposition den Vorwurf gemacht, daß sie aus reinem Parteiegoismus das Werl der Re­gierung sabotieren. Die Fronten stehen sich also heute noch viel schärfer gegenüber als nach dem 31 Juli. Denn damals, ließ sich die Haltung der Na-

Das »»eläufise amtliche Wahlergebnis

Berlin, 7. Nov. Der Reichswahlleiter gibt um 3 Uhr folgendes vorläufiges amtliches

Wahlergebnis bekannt:

Stimmen

Mandate

Nationalsozialisten

11 705 256

113 745 781)

195

(230)

Sozialdemokraten

7 231 404

(7 959 712)

121

(133)

Kommunisten

,5 970 833

(5 282 626)

100

(89)

Zentrum

4 228 322

(4 589 335)

70

(75)

Deutschnat. Volkspartei

3 061 626

(2 186 051)

52

(40)

Bayerische Volkspartei

1 081 595

(1 192 684)

18

(22)

Deutsche Volkspartei

659 703

(436 012)

11

(7)

Staatspartei

337 871

(371 799)

2

(4)

Christl.-Soz.-Volksdienst

412 523

(405 367)

5

(4)

Deutsch-Hannoveraner

63 999

(46 872)

1

Dt. mittelst. (Wirtschaftsp.)

110117

(146 867)

2

(2)

Deutsche Bauernpartei

148 982

(137 081)

3

(2)

Württemberg. Bauern u.

Weingärtnerbund (Landb.)

105 188

2

-

Deutsches Landvolk

46 486

(90 555)

(Die geklammerten Zahlen sind die Ergebnisse der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932, bzw. die Mandate auf Grund der letzten Reichslagswahl).

Das Ergebnis in Kana« Stadt und Land

Stadtkreis

Landkreis

Nationalsozialisten

7 272

(8 360)

10 530

(11 763)

Sozialdemokraten

3 862

(4 489)

7629

(8 484)

Kommunisten

7 877

(7 065)

10 841

(9885)

Zentrum

2 123

(2 239)

2 429

(2 423)

Deutschnal. Volkspartei

1290

(882)

797

(552)

Radikaler Mittelstand

49

(53)

55

(47)

Deutsche Volkspartei

1459

(814)

357

(215)

Staatspartei

346

(304)

136

(137)

Christl.-Soz.-Volksdienst

336

(375)

384

(320)

Dt. Mittelst. (Wirtschaftsp.)

93

(86)

32

(101)

Landvolk

17

(5)

107

(107)

(Die geklammerten Zahlen sind die Ergebnisse der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932).

tionalfozialisten noch nicht genau vorausbestimmen, während heute das Band zwischen Hitler und Papen zerschnitten ist und die Nationalsozialisten im Wahl­kampf wohl die stärksten Rufer im Streit gegen Herrn von Papen gewesen sind. Es ist jetzt die brennende Frage unserer Innenpolitik, ob diese feindselige Frontenstellung weiter bestehen bleiben soll.

Es ist anzunehmen, daß Ler neugewählte Reichs­tag vorläufig nicht zusammentritt und daß die Re­gierung alle Möglichkeiten, den Termin bis zum letzten gesetzlich zulässigen Augenblick hinauszu- schieben, benutzt. Nach Artikel 23 Abs. 2 der Reichs- verfassung muß der Reichstag zum ersten Male spätestens an dem 30. Tag nach der Wahl zu­sammentreten. Das wäre also der 6. Dezember. In den ersten Sitzungen werden bekanntlich nur rein formelle Angelegenheiten geregelt aber schließlich muß auch einmal mit der ernsten Arbeit begonnen werden und dann taucht im Hintergrund die seit Jahren zur Gewohnheit gewordenen Weihnachts­krise auf . . .

Dev Maui des Wahltages

Berlin, 6. Nov. Der heutige Wahlsonntag ist im allgemeinen erheblich ruhiger und reibungsloser verlaufen als seine vier Vorgänger. Obwohl ge­rade diesmal der Wahlkampf mit besonderer Schärfe geführt wurde, ist es fast nirgends in der vergangenen Nacht und am heutigen Wahltage zu beachtlichen Zwischenfällen gekommen. Der Wahl­akt stand am Vormittag im Zeichen einer erheblich schwächeren Wahlbeteiligung als bei den vergange­

nen Wahlen, bis gegen mittag hatte bei weitem noch nicht die Hälfte der Wahlberechtigten ihrer Pflicht genügt. Offensichtlich ist dieser Unterschied gegenüber der letzten Wahl auf die Jahreszeit und die Witterung zurückzusühren, die nicht wie am 31. Juli zu Ausflügen lockt, und so ein früheres Zur- wahlgeken veranlaßt. Die letzten Stunden vor Wahlschluß brachten jedoch eine stärkere Beteili­gung. Letztere Wahrnehmung war überall im Reiche zu machen.

Sevsch-edene LusammenftStze

Chemnitz, 6. Nov. Wie vom Polizeipräsidium mitgeteilt ward, kam es in der vergangenen Nacht in Burgstadt vor einem Verkehrslokal der KPD. zu einem Zusammenstoß zwischen drei Nationalsozia­listen und einigen Kommunisten, in dessen Verlauf die Nationalsozialisten fünf Kommunisten durch Re­volverschüsse verletzten. Die drei Nationalsozialisten wurden festgenommen, die verletzten Kommunisten ins Krankenhaus gebracht.

Berlin, 6. Nov. In Spandau kam es vor einem in der Streitstraße gelegenen Lokal in der Nacht zum Sonntag zu einer Schlägerei zwischen Natio­nalsozialisten und SPD.-Leuten. Im Laufe der Auseinandersetzung erlitt ein SPD. -Mann durch Schläge und Messerstiche erhebliche Verletzungen, so daß er dem Spandauer Krankenhaus zugeführt werden mußte. Zwei weitere SPD.-Leute wurden leichter verletzt. Insgesamt wurden neun National­sozialisten und 5 SPD.-Leute, die an der Schlägerei beteiligt gewesen waren, zwangsgestellt und der politischen Polizei zugeführt.

München, 6. Nov. Im Laufe des Samstag abends kam es in-Pasing zu einer Rauferei wegen

politischer Meinungsverschiedenheiten. Dabei wurde ein Nationalsozialist festgenommen. Dies brachte Dasinger Nationalsozialisten derart in Aufregung, daß sie im Laufe' der Nacht in das Polizeigebaude eindringen wollten, nachdem sie zuvor die Telefon- leitung zerschnitten hatten. Das aus München her­beigerufene Ueberfallkommando erschien rasch. Ein Teil der Stürmenden floh. Sieben Nationalsozia­listen wurden festgenommen und nach München ins Polizeigefängnis gebracht.

Essen, 5. Nov. Die Polizei teilt mit: Ain Sams­tag gegen 17 Uhr wurde ein etwa 20 Mann star­ker Trupp Nationalsozialisten in Essen-West beim Flugblattverteilen von einem Trupp Kommunisten angegriffen. Aus mehreren Pistolen wurden etwa 10 Schüsse abgefeuert und mit Steinen geworfen. Ein Nationalsozialist wurde durch einen Kiefersteck­schuß schwer verletzt und mußte dem Krankenhaus zugeführt werden, ein weiterer Nationalsozialich würde durch einen Schlag mit einem Schlagring leicht verletzt Umfangreiche Ermittlungen wurden sofort eingeleitet.

Das Ergebnis ^us de« WaNSse fett

N.S = Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter­partei. Soz, = Sozialdemokratische Partei. K. = Kommunistische Partei. Z. Zentrums- parisi. Du = Deutschnationale Volkspartei. DVp. - Deutsche Volkspartei. Wp. = Wirt­schaftspartei bzw. Reichspartei des deutschen Mittelstandes. Stp. = Staatspartei. Lv. = Deut­sches Landvoln (Christ.-Nat Bauern- und Land­volk-Partei). Chr.-Soz. = Christlich-Sozialer

Volksdienst.

Wahlkreis 1 (Ostpreußen)

N.S. 422 494 Soz. 211 363, ft 148 026, Z. 79 810, Dn. 153 263, DBp. 14 897, Slp. 5918, Chr.-Soz. 15 243, Wp. 1248.

Reichslagswahl 31. 7. 1932: Nat.-Soz. 535 988, Soz. 223 891, Komm. 147 373, Ztr. 88 047, Deutlcbn. Vp. 107 954, Deutsche Vp. 9495, Wirtschaftsp. 1621, Staatsp. 6362, Deutsches Landv. 1049, Christl.-Soz. Volksd. 12 310.

Wahlkreis 2 (Berlin)

RS. 265 860, Soz. 282 186, k. 448 684 Z. 48 857, Dn. 103 207, Rad. Mittelstand 4579. Kleinrentner 382, DBp. 6275, Stp. 12 511, Chr.-Soz. 5033, Deutsch-Hannoveraner 312, Wp 832, Lv. 73, volks- rechlpartei 186, Gerechligkeitsbewegung Meißner 107, Sozialrepublikaner 514, So;. Arbeiterpartei 1 298, Polen 944.

Reichstaqswahl 31. 7. 1932: Nat.-Soz. 280 295, Soz. 318 950, Komm. 382 317, Ztr. 52 587, Deutschnat. Vp. 75 532, Rad. Mittelst. 3262, Deutsche Vp. 4310, Wirtschaftsp. 2055, Sta ats Partei 13 066, Landvolk 266, Chr.-Soz. 4112, SAP. 1707.

Wahlkreis 3 (Potsdam II)

N.s. 341883, Soz. 267 559, K. 272149149, I. 53 708. Dn. 178 951, DBp. 20 146, Stp 22 445, Chr.-Soz. 6214, Wp. 1293, Lv. 333, sonstige 11 069. Reichslagswahl 31. 7. 1932: Nat.-Soz. 370 952, Soz. 295 833, Komm. 228 068, Zentr. 58 386, Deutschnat. Vp. 122 352, Deutsche Vp. 12 701, Wirtschaftsp. 2769, Staatsp. 23 558, Landvolk 271, Chr.-Soz. 5051, sonstige und ungültige 4109.

Wahlkreis 4 (Potsdam I)

NS. 414 354, Soz. 285 837, 6. 287 307, Z. 32 800. Dn. 155 484, DBp. 12 391, Stp. 11 209, Chr.-Soz. 6 540, Wp. 3026, Lv. 446, sonstige 7453. Reichstagswahl 31. 7. 1932: Nat.-Soz. 482199, Soz. 337 893, Komm. 254 514, Zentr. 37 513, Deutfchnat. Vp. 113 591, Deutsche Vp. 9518, Wirt­schaftsp. 4813, Staatsp. 13 209, Landvolk 440, Chr.- Soz. 6284, Sonstige 4170.

Wahlkreis 5 (Frankfurt Oder)

N.s. 389 008, Soz. 207 634, K. 104 229, Z. 56 656, Dn. 118 905, DBp. 12 650, Stp. 5900, Chr.. Soz. 5312.

Reichstagswahl 31. 7. 1932: Nat.-Soz. 450 871, Soz. 219 778, Komm. 90 285, Zentr. 59 460, Deutschnat. Polksp. 86 363, Deutsche Dp. 9076, Staatsp. 6826, Landv. 1281, Chr.-Soz. Vd. 4957.

Wahlkreis 6 (Pommern)

N.s. 424 816, Soz 195 105, ft 119116, Z. 12 052, Dn. 203 656, DBp. 10 779, Slp. 5658, Chr.-

Me heutige Stammet? umkaSt iS Geite«