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Seife 8

Samstag, den 5. November 1932

Nr. 26!

Dee Keev een Newvork

Tammany Hall triumphiert über die Krise. Der

Wahlmacher der Hudsonmetropole

Tammany Hall ist in den letzten Wochen mehr als einmal genannt worden. Der Sturz des New- yorker Oberbürgermeisters Walker und die bevor­stehenden Präsidentschaftswahlen rücken diese mäch­tige Organisation wieder in den Vordergrund. In Europa weiß man von ihr nicht viel mehr, als daß sie einen ungeheuren Korruptionssumpf darstellt. Wie ist Tammany Hall zu der Rolle gekommen, die sie heute in den Vereinigten Staaten, vor allem in Newyork, spielen kann? Der Name selbst stammt aus der Legende der Indianer. Tammany war der Häuptling eines Jndianerstammes und ist eng ver­knüpft mit der Mythologie der Eingeborenen. Nach­dem er sein Werk vollbracht hatte, legte er selbst Feuer an seine Hütte und starb in den Flammen den Opfertod. In den Tagen, als die amerikanischen Patrioten ihren Befreiungskampf gegen die eng­lische Herrschaft führten, suchte man einen Schutz­patron, und die Wahl fiel dabei aus Tammany, den indianischen Märtyrer. Unter seiner Schutzherrschaft schlugen die amerikanischen Regimenter ihre sieg­reichen Schlachten.

Nach dem Ende des Krieges stellte sich eine amerikanische Gesellschaft unter den Schutz Tammanys und gab sich dieses Glaubensbekenntnis: Die Gesellschaft ist patriotisch und von Grund aus demokratisch. Sie vertritt die Idee der Gleichheit, Wohltätigkeit und Brüderlichkeit und sieht ihr Hauptziel im Kampf gegen die Aristokraten, die sich unter der Leitung Hamiltons und seiner Anhänger des Regierungsapparates bemächtigt haben." In diesen Worten war bereits das soziale Programm der neukonstituierten Gesellschaft umschrieben und ihre künftige Marschlinie sestgelegt. Das Programm fand bald seine praktische Erfüllung. Die Worte Wohltätigkeit und Fürsorge blieben nicht auf dem Papier stehen. Man schuf Nachtasyle, Altersheime, Spitäler und Stellennachweise. Alle diese Einrichtun­gen dienten dem Zweck, den Millionen Einwanderern zu helfen, deren Strom sich in die Neue Welt ergoß, und die in der jungen Republik einen Schutz gegen politische Unterdrückungen durch die alten europäi­schen Staaten zu finden hofften. Tammany erschien ihnen als der einzige Hort, der den Auswanderern Schutz bieten konnte.

Als die Agrarier des Südens eine demokratische Partei gründeten, fanden sie die Unterstützung Tammany Halls, mit der die Pflanzer und das Kleinbürgertum Newyorks der gemeinsame Haß gegen die föderalistische Aristokratie verband. Die Ge­sellschaft bezog ihre finanziellen Mittel zum Teil aus den Abgaben ihrer Anhänger, zum anderen aber aus ansehnlichen Zuweisungen ihrer Mitglieder, die zu Vermögen gekommen waren. Die Haupteinnahme aber floß ihr aus den städtischen Kassen zu. In den Kreisen der Arbeiter populär geworden, fand Tammany keine Schwierigkeit, die städtische Wirt­schaft Newyorks in die Hand zu bekommen. Alle Be­mühungen waren darauf gerichtet, die Stellung in der Stadtverwaltung zu verstärken und die Einfluß­sphäre dauernd zu erweitern. So wurde Tammann Hall eine politische Organisation, die mit der Stadt Newyork allmählich ins Ungeheure wuchs.

Heute zielt die Tätigkeit von Tammany Hall auf Sondere Wirkungen ab. Der Kampf gegen die

, okraten ist nicht mehr aktuell, der Kampf gegen den Kapitalismus wurde nie ausgenommen, im Ge­genteil, Tammany Hall hat dem gewaltig aufstreben­den Kapitalismus die Stadt Newyork ausgeliefert und ungeheure Vorteile daraus gezogen. Tammany Hall ist so allmählich eine Art Aktiengesellschaft ge­worden, die Dividenden einstreicht, welche die Summe der Gewinnanteile der Newyorker Zentral­bahn und der Standard Oil zusammen weit über­steigen. Tammany kontrolliert heute das gesamte Leben Newyorks und zieht aus der Stadt Jahr für Jahr Millionen und Abermillionen von Dollars. Ja, Tammany Hall ist das einzige Handelsunter­nehmen, das während der Krise noch mit Nutzen zu arbeiten verstand, und ihre Finanzlage ist durch­aus gesund. Auf verschiedenen Wegen, die durch­aus legal sind, bereichert sich Tammany auf Kosten der Newyorker Steuerzahler.

Vor etwa 30 Jahren hat einmal der Senator des Staates Newyork, Plunkitt, der größte Philo­soph, dessen sich Tammany rühmen durfte, den Versuch gemacht, den Begriff desanständigen Schmiergeldwesens" zu formulieren. Nach dieser Er­klärung sind unanständige Bestechungsgelder nur diejenigen, die man von Dieben, berufsmäßigen Spielern und Bordellbesitzern bezieht. Anständiges Bestechungsgeld dagegen ist die Vergütung, die sich ein städtischer Beamter aus seiner Kenntnis der Amtsgeschäfte sichert. Er kann beispielsweise Grund­stücke laufen, von denen er weiß, daß sie die Stadt für einen Park und einen Straßendruchbruch brau­chen wird. Und er kann auch Lieferant eines städ­tischen Amtes werden und Preise nehmen, die wert

Lum 3W. Todestag Gustav Adolfs

Der Schwedenkönig (rechts zu Pferde, ohne Helms in der Schlacht von Lützen am 6. November 1632 in der er den Heldentod fand. (Zeitgenössisches Gemälde von J. Marts de Jong.)

Lum 3(5<5. Todestage Gustav Adolès

Eine Botschaft des Deutschen Kirchenbundes an die Kirche Schwedens

Stockholm, 4. Nov. König Gustav von Schwe­den empfing heute im Schloß zu Stockholm den Berliner Theologieprofessor Dr. Deihmann zur Ent­gegennahme einer Botschaft, die der Deutsche Evan- relische Kirchenbund zum 300. Todestag Gustav Adolfs (6. November) an die Kirche Schwedens ge­richtet hat. Der Audienz wohnte au* der deutsche Gesandte in Stockholm v. Rosenberg bei. Die Bot­

über dem Durchschnitt lieg. Man kann heute, ohne zu übertreiben, sagen, daß jeder maßgebende Mann Tammany Halls unmittelbare Vorteile aus diesem Korupptionssystem zieht. Natürlich geschieht dies unter Wahrung der Form; die Prominenten be­schmutzen sich nicht direkt mit dem Geld, das aus mnklen Quellen flieht. Dies ist den minderen Gät­ern überlassen. Polizisten erpressen Firmen, kleine Advokaten beziehen Summen von den Un­glücklichen, die in die Netze der Justiz geraten sind, and eine ganze Armee dunkler Ehrenmänner brand- chatzt Fisch- und Geflügelhändler, Bestattungsinsti- ute, Friseure, ja sogar die Straßenkehrer.

Seit drei Jahren häufen sich die Beweise für das schändliche Treiben Tammany, und zahlreiche Prozesse haben bereits zur Ueberführung der schul­digen Personen und ihrer Amtsentsetzung geführt. Ein vernichtendes Unglück könnte jedoch über Tam­many Hereinbrechen und die noch immer stark flie­ßenden Quellen der Geschäftsgewinne verstopfen. Das würde geschehen, wenn Tammany die Herr­schaft über Newyork verlöre und bei den Wahlen geschlagen würde. Aber in der Vergangenheit hat sich noch immer gezeigt, daß Tammany stärker war als das Glück. Die Finanzlage der Organisation ist gesund. Tammany Hall hat den Kriegsschatz, der weise verwandt wird. Selbst in dieser Zeit des Niederganges werden die Armen mit Lebensmitteln und Kohlen versorgt, denn es handelt sich, Stim­men zu behalten und neue zu gewinnen. In den mageren Jahren funktioniert die Maschine so reael- mäßig wie in den fetten. Wenn Tammany wieder zur Macht kommt, so steht die Maschine des Geld­machens dienstbereit, und ein neuer Segen wird sich über Newyork ergießen.

Steluzettmeuscho«. die uns äSeelesett Kud

Irrtümer überPrimitive" undWilde". Men­schenfresser, die sich mit modernen Chirurgen ver­gleichen können. Die Polynesier Meister der

Schiffahrt Das Wunder des Bumerang

Die ethnologische Wissenschaft erkennt immer mehr an, daß die eigentliche Kraft der Primitiven auf seelischem Gebiet liegt, und ihre ganze Kultur nur dann richtig gewertet werden kann, wenn si^ geistig erfaßt wird. Es gibt keine einleuchtende Er­klärung für die verblüffende und erschreckende Tat­

schaft erinnert an die vielfache Bewährung des Zu­sammenhalts zwischen dem schwedischen und deut­schen Protestantismus.

König Gustav dankte für die großartige Teil­nahme Deutschlands an der schwedischen Feier. Die Großtat des unsterblichen Heldenkönigs habe in gleicher Weise den evangelischen Fürsten in Schwe­den und Deutschland Segen gebracht.

Bei dem feierlichen Gedächtnisakt in der Riddar- holms-Kirche in Stockholm am kommenden Sonn­tag wird Universitätsprofessor Dr. Althaus im Na­men des Deutschen Kirchenbundes am Grabe Gustav Adolfs einen Kranz niederlegen.

sache, daß der Primitive denEntwicklungsab gründ" von Jahrtausenden, der zwischen uns und ihm liegt, innerhalb weniger Jahrzehnte oder Jahre zu überspringen vermag. Aber mix stoßen auch sonst bei denWilden", und zwar gerade bei solchen, die kaum noch mit der Zivilisation in Be­rührung traten, auf die befremliche Tatsache, daß sie Dinge wissen, die sie von rechtswegen garnicht wissen dürften. Hierbei handelt es sich um Wissen auf den verschiedensten wissenschaftlichen Gebieten. Es gibt Menschenfresser auf den Salomonen, die Schädeltrepanationen in einer Weise durchführen, die einem modernen Chirurgen Ehre machen würde, von anderen Disziplinen der Medizin nicht zu sprechen, die sich allzu sehr dem noch ungeklärten Gebiet der Suggestion und damit verdächtig der Magie nähern. Polynesier machen, oder machten vielmehr, ehe sie unter der zunächst an der Küste einsetzenden Zivilisation diese Fähigkeit verloren, ohne Kompaß und Karten zielsichere Fahrten über die ganze Weite des Pazifik, die kein europäischer Seemann fertigbrächte. Lange vor Columbus hatten die Polynesier die ungeheure Wasserwüste des Pazifik durchsegelt, in der die winzigen Insel- wolken so weltverloren liegen, daß Magalhaes auf seiner Weltumseglung diese größte Wasserfläche der Erde von Ost nach West durchfuhr, ehe er an ihrem Ende, bei den Ladronen, auf Land stieß.

Greifen wir ein ganz unverdächtiges Beispiel heraus, das der reinsten Vernunft, der technischen Zivilisation! Hält man starr an dem intellektuellen Entwicklungsgedanken fest, kennt man neben dem Intellekt keine schöpferische Kraft, so müßten alle Waffen, Werkzeuge und Geräte der Primitiven vor den unsrigen durch eine abgrundtiefe Kluft getrennt sein, dürften sie zum mindesten über keine ver­fügen, deren geistige Konzipierung über das ihnen im allgemeinen zugebilligte Maß intellektueller Ent­wicklung hinausgeht. Das ist aber keineswegs der Fall. In feinem demnächst bei Brockhaus erschei­nenden BuchDer Wille der Welt" greift Colin Roß ein Beispiel heraus, das ihn persönlich am stärksten beeindruckte: die Jagd- und Kriegswaffen der australischen Eingeborenen: Als wir das erste­mal mit solchen Australiern zusammentrafen, schreibt der Verfasser, war es für mich eins der stärksten Erlebnisse. sie mittels des Wumerah, des Speerwerfers", ihre Speere schleudern und ihre Bumerangs werfen zu sehen. Man ist bei Einge­borenen ja an überragende Kraft und Gefchicklich- keitsleistungen gewöhnt, allein die Ueberraschung über diese australischen Waffenspiele lag nicht so

sehr in der Kraft und Geschicklichkeit der fchwai Krieger, so bewundernswert diese auch waren, 9 vielmehr in der verblüffenden Wirkungskraft di Waffen selbst, in ihrer geradezu genialen § struktion.

Der Speerwerfer ist ein Hebelftock, mit § dessen sich ein Speer wesentlich weiter und sich , werfen läßt als mit der freien Hand. Ich h eine ähnliche Konstruktion, die immerhin eh Kenntnisse in den Gesetzen der Mechanik erforè noch bei keinem anderen Volk getroffen. Ist : der Speerwerfer bereits erstaunlich, so ist Bumerang geradezu verblüffend. Wie ein Geh schwirrt er aus der Hand des Werfers, trifft t Vogel im Flug und, verfehlt er fein Ziel, so b er gehorsam in die Hand des Schützen zurück, ist einer der überraschendsten Anblicke. die man leben kann, den Bumerang in die Luft schnür zu sehen, so hoch und weit, daß man ihn fall ' den Augen verliert und ihn dann plötzlich zur, kehren zu sehen. Uebrigens heißt's da aurpaff Denn selbst der zurückksbrende Bumerang hat r soviel lebendige Kraft, daß er böle Verleßun anrichten kann. Die eingeborenen Werler blei ruhig stehen und parieren den heranichmirren Bumerang mit einem minVaen Holüchild. ! Bumerang ist die Verwirklichung eines Wun traumes unserer Vorfahren, ist der Hammer Tbc die Walle, die stets in die Hand des Gottes tur kehrt Ueberleat man einmal, welche Summe mai Matiscki-vbnstkcü' l<üe n Wissens für die richtige f llellung eines Bumerangs enforherfirb ist, sg ton man aus dem Staunen nicht heraus."

Hungertod im Gefängnislazarett

In Kottbus ist im Lavarett des Gefängni der 42jährige Landwirt Martin Wölke aus Tr vendorf bei Lübben gestorben. Er hatte am Oktober den Amtsgerichtsrat Bilk, von dem glaubte, daß er für die Zwangsversteigerung sei Wirtschaft verantwortlich sei. in dessen Amtsz mer erschossen. Wölke war oor 14 Tagen in I Hungerstreik getreten, der nun zu seinem Tode führt hat. Alle Bemühungen, ihn durch künstl Ernährung am Leben zu erhalten, scheiterten seiner Hartnäckigkeit.

v. Gronau in Rom

Berlin, 4. Nov v. Gronau funkt:Um 16 1 in Rom gelandet". Damit haben die Flieger letzte Etappe ihres Weltfluges erreicht. Der näd Tagesflug bringt sie in die Heimat. Ueber die S sicht des Weiterfluges hat sich der Flieger n nicht geäußert.

Rabiater Bursche ersticht seine Geliebte

Gotha, 5. Nov. Im benachbarten Seeberj wurde die 17 Jahre alte Liesbeth Weise von ihr Geliebten Erich John erstochen. John brachte sein Opfer zwei Stiche bei, von denen einer das h traf und den sofortigen Tod herbeiführte 3 Mörder führte seine Tat in Gegenwart der Mut der Erstochenen aus. Die Weise und der Io unterhielten seit längerer Zeit ein Liebesverhältn das auf einer kürzlich in einem Nachbarort ab Haltenen Kirmes, die sie beide besucht hatten, trübt worden sein soll, so daß anzunehmen ist t es Eifersucht war, was den jungen Menschen - dieser unseligen Tat getrieben hat. Der Mög stellte sich sofort nach der Tat der Ortspolizei,u wurde in das Gerichtsgefängnis Gotha eingeliesi

Ein Kreuger-Direktor lu Zwangsarbeit und i Rückzahlung von 337 Millionen Franken verurb

Stockholm, 4. Nov. Das Amtsgericht een teilte heute den Kreugerdirektor S. Muldt j einem Jahr Zwangsarbeit wegen 11 treue. Er wurde außerdem verpflichtet, der El tinental Investment Corporation 337 500 000 fra zösische Franken zurückzuzahlen.

Fünf italienische Flugzeuge verbrannt J

Venedig, 4. Nov. Aus noch unbekannter H fache brach heute nacht im Flughafen der MiH meerländischen Fluggesellschaft am Lido von Sei big ein Feuer aus, das einen Schuppen vollftänd vernichtete, in dem sich fünf einmotorige Runter apparate zur Reparatur befanden. Ein ander Schuppen, der als Reparaturwerkstatt für Mot» dient, wurde schwer beschädigt.

Quellen versigen im Lrdbebengebiet

Athen, 4. Nov. Alle Quellen in der Gegend vc Stratoniki auf der Chalkidike sind seit gestern pH lich versiegt. Dies neue Unglück ist offenbar I die mannigfachen Beben der letzten Tage surüt zu führen. Die Bevölkerung fordert schleunige St sorgung mit frischem Wasser.

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