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LOS. Sahesans

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Üt. 261

Sametag, de«

Saturn GLadt und Land

ErsüNungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. Sei unverschuldetem Ausfall der Liesemng infolge höherer Gewalt, Streit usw. hat der Bezieher keinen Anspruch aus Lieferung oder Nachlieferung oder au, Rückzahlung des Bezugspreises./Für Plahvorschrist u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet. Geschäftsstelle: Hammerstraße 9 / Fernsprecher 3956, 3957, 3958 / Bankkonto: Stadtsparkasse Hanau / Postscheckkonto: 26659 Frankfurt a. M.

Terror im Verttner Versehrsfireis

LeUweite Lnbetrtebnabme des Stratze«- ««d U«tevgru«dbavnvevkedrs - Die StvaSen- dahnwase« mit Steinen beworfen Sabotageakte - wieder zwei Lote Swarfe watznavmen angedroht

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Der Reichspräsident empfing gestern den Vor­sitzenden der Landwirtschaftskammer Brandenburg v. Oppen-Dannenwalde zu einem Dortrag über die Lage der märkischen Landwirtschaft.

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* Reichskanzler v. Papen hat gestern abend in einer Rundfunkrede scharf gegen Hitler und den Kommunismus Stellung genommen.

* Der Reichsernährungsminister ist vom Reichs­kabinett zur Getreidepreisstützung ermächtigt wor­den.

Der Preußische Landtag wird die parlamen­tarische Arbeit der kommenden Woche wieder auf­nehmen. Die nächste Vollsitzung des Landtags wird allerdings erst etwa Mitte dieses Monats sein, weil den Fraktionen noch Zeit gegeben werden soll, sich mit dem Leipziger Urteil auseinanderzusetzen, soweit das Verhältnis der Regierung Braun zum Landtag dabei berührt wird. Es ist damit zu rechnen, daß nunmehr die Besprechungen über die Neuwahl eines preußischen Ministerpräsidenten be­schleunigt wieder ausgenommen werden.

Die Besprechungen zwischen den deutschen und österreichischen Fachreferenten über einige schwe­bende handelspolitische Fragen und die Erörterun­gen der mit der Gewährung von Vorzugszöllen zusammenhängenden technischen Fragen sind gestern beendet worden. Die deutschen Delegierten sind nach Berlin zurückgereist, um über Verlauf und Er­gebnis dieser Aussprache Bericht zu erstatten.

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Die Wirtschastsverhandlungen zwischen der Schweiz und Deutschland haben lautBerner Bund" bis auf einen kleinen Punkt zu einer Eini­gung geführt. Der Vertrag wird in Kürze unter­zeichnet werden. *

Der Anfang der Woche bei den Zusammen­stößen in St. Georg zwischen Reichsbannerleuten und Nationalsozialisten durch einen Bauchschuß ver­letzte SS.-Mann Cyranka ist heute vormittag ge­storben. *

In der holländischen zweiten Kammer wurde kürzlich eine Anfrage an die Regierung gerichtet, ob Pressemeldungen, wonach der ehemalige deutsche Kaiser in letzter Zeit eine bemerkenswerte Aktivität entfalte, den Tatsachen entsprächen. Hierauf hat die Regierung jetzt geantwortet, daß der ehemalige deutsche Kaiser, soweit der Regierung bekannt sei. sich in Uebereinstimmung mit seinem zurzeit ab­gegebenen Versprechen aller Handlungen politischen Charakters enthalte.

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Die ständige Mandatskommission des Völker­bundes trat gestern zu einer Sitzung zusammen, um den Bericht über Südwestafrika zu behandeln Der Vertreter der Südwestafrikanischen Union Tewater gab eine Erklärung über die allgemeine Lage des Landes ab. Er stellte eine Besserung auf dem Ge­biete des Diamantmarktes und der Viehzucht fest. Ferner bemerkte er, daß die Mandatsmach> Vor­schläge über die Ausdehnung der Naturallöhne und die Anerkennung der deutschen Sprache als eine der offiziellen Sprachen des Territoriums begrüße Ferner beschäftigte sich der Ausschuß mit der wirt­schaftlichen und finanziellen Lage des Mandats.

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Wie die Prager Presse meldet, hat die Prager Staatsanwaltschaft an das Abgeordnetenhaus das Ersuchen gerichtet, die deutschen nationalsoziali­stischen Abgeordneten Krebs, Kaspar, Knirsch, Jung und Schubert, gegen die das Verfahren im Sinne des Gesetzes zum Schutze der Republik ein­geleitet wurde, auszuliefern.

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Das griechische Kabinett ist endgültig gebildet. Tsaldaris hat die Präsidentschaft und das Ministe­rium der Finanzen übernommen. Jean Rallis übernahm das Portefeuille des Auswärtigen, Papanaftasiu das der Justiz, Metaxas wurde Mini­ster des Innern, Condylis übernahm das Kriegs-, Hdjikyriakos das Marineministerium,

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Der amerikanische Industrielle Samuel Insull, dessen Unternehmungen in Chicago zusammenge­brochen sind, mürbe auf Verlangen des amerikani­schen Staatsdepartements gestern in Athen verhaftet

*) Näheres siehe politischen Teil

Lsttausnahme des Mittet Verkehrs

Berlin, 4. Nov. Die Funktionäre der Tariforganisation der Freien Gewerkschaften hatten die Wiederaufnahme der Arbeit bei der BB®. empfohlen. Hingegen hatte eine lo­kale Streikversammlung, an der ungefähr 1200 Angestellte und Arbeiter der BVG. teil­genommen haben, sich für die Fortsetzung des Streiks entschieden. Am Nachmittag war nur ein kleiner Bruchteil des Personals an den Arbeitsplätzen erschienen und unter star­ker polizeilichen Bewachung hat die Berliner Verkehrsgesellschaft einen Teilverkehr wieder ausgenommen.

Die ersten wahrten mH der GivaSendah«

Zusammenstöße zwischen Streikenden und Polizei.

Berlin, 4. Nov. Um 14.45 Uhr verließ als 1. Wagen die 96 E mit Richtung haUesches Tor den Bahnhof. Neben dem Personal fuhr ein Aufseher und auf dem Vorder- und Hinterperron je ein Poli­zeibeamter mit. Weiter wurde die Straßenbahn von einem Streifenwagen der Polizei begleitet. Gleich nach der Ausfahrt wurde das Perso­nal von der Menschenmenge wüst be - schimpft. Man hörte Rufe wie:Streikbrecher", Strolche",Rausholen" usw. In der BellS- Alliance-Straße standen tausende von Menschep, die von dem Betriebsbahnhof abgedrängt waren. Hier sah man auch die ersten aus der Stadt zurück­kehrenden Wagen mit eingeworfenen Fen­sterscheiben. Ueberall war die Polizei damit beschäftigt, die Menschenmassen auseinander zu treiben. Kurz nach 15.15 Uhr setzten systema­tische Steinwürfe gegenüber vor- überfahrenden Straßenbahnen auf dem Abschnitt der GneifenauEcke Belle-Alliance- Straße und der Kreuzbergstraße ein, so daß die Polizei sich gezwungen sah, Schreckschüsse abzu­geben. Auch die Polizeibeamten auf den Straßen­bahnen zogen die Pistolen, um dir Steinwerfer ab­zuschrecken. Soweit sich bisher feststellen läßt, ist von den einzelnen Schreckschüssen niemand verletzt worden. Nachdem einige Haupträdelsführer zwangsgestellt waren, wurde es ruhiger. Auf der Strecke mußten die Straßenbahnen wiederholt Hal­len, da die Schienen und die Weichen durch eingeklemmte Steine unbe. fahrbar gemacht worden waren. Zahl­reiche Wagen fuhren mit eingeschlagenen Scheiben in das Depot zurück.

Aus dem Straßenbahndepot in der Wiebe- Straße in Charlottenburg sind heute mittag um 14.20 Uhr zwei Wagen der Linien 3 und 4 abge- fahren. 3n der Wiebestraße selbst wurden sie jedoch von Streikenden mit Steinen beworfen und mußten infolgedessen wieder zurückkehren.

Ivüfte« fettot

Berlin, 4. Nov. 3m Laufe des Vormiltags haben sich auf de» U.-Bahnhöfen bis 14 Uhr etwa 2500 Arbeiter der BVG. zur Verfügung gestellt. Für eine volle Schicht werden etwa 5000 Mann benö­tigt. Es konnte deshalb vorläufig nur teilweise der Betrieb wiederaufgenommen werden. Bei der U.- und Hochbahn wurden die Strecken Warschauer Brücke-Hauptstraße, Warschauer Brücke-Uhlandstraße und Pankow-Wilhelmplatz in Betrieb genommen. Kurz nach 14 Uhr, als die Wagen die Depots ver­ließen, setzte sofort der Terror der Streikenden ein, die vom sympathisierenden Publikum tatkräftig un­terstützt wurden. So sind am Stettner Bahnhof Zwei Omnibusse umgekippt worden, wo­bei es nicht ohne verletzte abging. 3n der Kaiser­allee wurden in die Linie 47, die als eine der ersten den Betrieb aufaenommen hatte, Barrika­de» gebaut, die erst nach längerer Zeit beseitigt werden konnten. überall wo sich Straßenbahnen zeig- ten, rotteten sich Streikende und Sympathisierende zusammen und bedrohten die Fahrer. 3n vielen Fällen wurden faustgroße Steine gegen die Wogen geschleudert, wobei vielfach Scheiben in Trümmer gingen. 3n den meisten Fällen waren die Wagen io schwach beseht, daß weiteres Unheil nicht entstan­den ist.

Ein Gt ake«vah«wasen beteboffen

Berlin, 4. Nov. 3n der Weinmeisterstraße wurde gegen 16.30 Uhr ein Wagen der Straßen­

Die Woche

Die Stunde der fünften politischen Wahl in diesem Jahre ist herangerückt. Wird sie ein pflichtbewußtes Staatsbürgertum treffen? Wird jeder, dem das höchste politische Recht der Demokratie verliehen ist, sich seiner reif und würdig erweisen? Wird, wenn schon nicht sittliches Pflichtgebot, so doch wenigstens die Erkenntnis der drohenden Gefahren alle Wahlbeteiligten alarmieren und zur Vertei­digung ihrer Rechte an die Wahlurne treiben? Es find bange und ungewisse Fragen, die wir an den 6. November richten. An der vor acht Tagen noch vermißten Aufklärung über die Tragweite dieser Reichstagswahl hat es in den letzten Tagen nicht gefehlt mit be­merkenswerter Eindringlichkeit haben die Par­teien den Wahlpflichtigen ins Gewissen ge­redet und man sollte nun annehmen, daß jeder Wahlberechtigte weiß, worum es mor­gen geht und seinen Stimmzettel abgibt. Man sollte es annehmen, aber. . . Immer­hin glauben wir, daß die Aussichten für eine gute Wahlbeteiligung sich gebessert haben. Vor zwei, drei Wochen noch sprach man davon, daß der deutsche Wähler, der in diesem Jahre fünf Mal in manchen Landestellen noch öfter an die Wahlurne gerufen worden ist, diesmal sich in wachsender Zahl dem Appell an die Wahlpflicht entziehen und die Dinge treiben lassen werde, wie sie wollten. Man sprach weithin von Wahlmüdigkeit, von Ab­kehr von der Politik und von der Ent­täuschung breiter Volksschichten, die von einer Kraftanstrengung bei der Reichstagswahl sich keinerlei wesentliche Veränderungen der poli­tischen Gesamtlage versprachen. All diese Stimmungsmomente waren vorhanden und hatten natürlich ihr Schwergewicht, aber je näher der Wahltag heranrückte, desto mehr ist das Interesse der Bevölkerung an der mor­gigen Wahl gestiegen. Es herrscht zwar nicht dieselbe Stimmung wie anläßlich der Reichs­tagswahl vom 31. Juli d. J. aber wenn man so herumhört, kann man doch die Feststellung machen, daß viele Personen, die noch vor kur­zem erklärten, daß sie garnicht daran dächten, noch einmal zu wählen, sich inzwischen eines Besseren besonnen haben. Und das ist gut so, denn bei der morgigen Wahl kommt es u. E. ganz besonders auf die Wahlbeteiligung au sich an, wenn das politische Wollen des deut­schen Staatsbürgens klar hervortreten soll. Deshalb unser Appell: Morgen restlos an die Wahlurne! Keine Verärgerung über die öfteren Wahlhandlungen, sondern nochmals den Weg zur Wahlurne getan. Es geht bei dieser Wahl nicht um Kleinig­keiten, nicht um diese oder jene finanztechnische Regelung, es geht um nichts Geringeres als die Erhaltung des Staates, Beseitigung der Arbeitslosigkeit, Gesundung der Wirtschaft, die Sicherung der Zukunft. Darum: Wählt! wählt!

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Es ist begreiflich, daß sich die Wählerschaft auch eifrig mit der Frage beschäftigt, was nach der Neuwahl des Reichstages werden soll, denn jeder Wähler will klar sehen, wie sich der Stimmzettel, den er in die Wagschale legt, nach menschlicher Voraussicht in der weiteren Entwicklung auswirken wird. Der am 31. Juli gewählte Reichstag ist von der Regie­rung aufgelöst worden, weil er mit dem Kabinett, das das Vertrauen des Reichsprä­sidenten v. Hindenburg besitzt, nicht zusammen­arbeiten wollte. Es war der kurzlebigste aller deutschen Reichstage, die je gewählt wor­den sind. Er hat, wenn man die Zeitspanne seit seiner Wahl abmißt, nur eineinhalb Mo­nate gelebt man kann auch sagen, daß er nur für zwei Sitzungstage, oder für zwei bis

bahnlinie 6 zunächst mit Steinen beworfen und, als die begleitenden Polizeibeamten die Täter feststellen wollten, aus einem Haus heraus beschossen. Mehrere Scheiben gingen dabei in Trümmer.

Am Alexanderplatz bildeten sich um die gleiche Zeit starke Ansammlungen Streikender und Sym­pathisierender, so daß der Fußgängerverkehr völlig ins Stocken geriet. Erst nach wiederholter Anwen­dung des Gummiknüppels gelang es der Polizei, die Ansammlung zu zerstreuen und die Ruhe wieder- herzustellen.

8 Autobusse bentosiert

Berlin, 4. Nov. von den zehn Autobussen, die im Laufe des Nachmittags in Betrieb gefetzt wurden, sind etwa eine Stunde nach Inbetriebnahme 8 Wagen von Streikenden so demoliert worden, daß sie aus dem Verkehr gezo­gen werden mußten. Der neunte Autobus wurde am Kaiser-Wilhelm-Platz in Schöneberg mehr­fach beschossen.

Zwei feie

Berlin, 4. Nov. 3n der Hauptstraße in Schöneberg wurden heute nachmittag mehrere Straßenbahnwagen mit Steinen beworfen, so daß die meisten Wagen wieder ins Depot zurückfahren mußten. Mehrere Polizeibeamte wurden hart be­drängt. Sie haben einige Schüsse abgegeben, wo­durch eine Frau Verletzungen erlitten hat. Man brachte sie zur nächsten Rettungsstelle. Eine Krast- wagenstreife der Polizei ist in der Vorbergstrahe beschossen und mit Steinen beworfen worden. Daraufhin haben die Beamten das Feuer erwidert. Ein Mann wurde hierbei getötet. Wei­ter wurde eine Frau verletzt.

Berlin, 4. Nov. Ein 55jähriger Mann, der bei den Streikkrawallen in der Usedomstraße einen Bauchschuß erhalten hatte, ist im Laufe des Abends im Krankenhaus gestorben.

Oie VSG-Stv-lkIett««s will wette« streben

Berlin, 5. Nov. Wie dieDAZ." berichtet, soll die Zentrale Streikleitung der BVG, die aus Kom­munisten und Nationalsozialisten besteht, gestern nachmittag in einer Versammlung beschlossen haben, den Streik fortzusetzen.

Swavke Sttaßnebmen

Berlin, 4. Nov. Die Direktion der BVG. teilt mit, daß der heutige Notverkehr am Samstag in erweitertem Umfange fortgesetzt wird. Für Sams­tag ist erhöhter P o l i z e i s ch u tz für das Per­sonal und die Betriebseinrichtungen der BVG. zu­gesagt. Die Schutzpolizei hat die Anweisung, etwaige Angriffe mit allen Mitteln, nötigenfalls durch Gebrauch der Waffe, abzuwehren.

Oie Mi ««big »erlaufen

Berlin, 5. Nov. Die Nacht zum 5. November ist ziemlich ruhig verlaufen. Wegen verschiedener kleiner Sabotageakte und Widerstand gegen die Staatsgewalt wurden 220 Per­sonen festgenommen, von denen aber der größte Teil wieder auf freien Fust gesetzt wurde. Vor dem Haus Potsdamer Straße 82 haben Streikende einen Möbelwagen umgekippt. Das Hindernis wurde durch die Feuerwehr beseitigt. In der Dan­ziger Straße wurden Pflastersteine auf die Schie­nen gelegt, während in Strelitz das Pflaster auf 1 Meter aufgerissen wurde. In der Schlesischen- und Frankfurter Straße wurden in die Gleis­anlagen und Weichen Zement geschüt­tet, so daß die Gleise unbefahrbar mürben, doch wurden die Schienen wieder gereinigt.

(Wertere Meldungen siehe Seite 2)

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