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Montag, den 17. Oktober 1932

Ar. 244

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Do X in wiesboden-SMerstein glatt gelandet.

Wiesbaden, 16. Okt. Das Flugschiff Do X flog nach seinem Start am Samstag mittag in Frankfurt dem Mam entlang bis Mainz. Kurz nach %2 Uhr erschien es bei trübem und regnerischem Wetter über Wiesbaden. Nach dem Hab erfliegen der Stadt in mäßiger Höhe wandte sich Do X dem Rheine zu, aus dem bald darauf die Landung in der Nähe des Schiersteiner Hafens und die Wasser- fahrt mit eigener Kraft an seinen Liegeplatz im Ha­fen erfolgte. Die Landung erfolgte in Gegenwart einer großen Menschenmenge, die stundenlang auf das Kommen des Flugschiffes gewartet hatte. Sein Aufenthalt im Schisrsteiner Hafen ist bis einschließ­lich Dienstag vorgesehen.

Schwerer Aulounfall bei Wiesbaden.

Wiesbaden, 16. Okt. Auf der Frankfurter Straße ereignete sich heute in der Nähe von Nor- denstädt ein sehr schwerer Derkehrsunfall. An der Kreuzung der Nordenstodter und Frankfurter Straße stieß ein von München an der hier enden­den Sternfahrt der nationaksozialistischen Kraftkorps teilnehmendes Auto der Parteileitung mit dem Auto des Pfarres Lindenbein von Selkenheim zusammen. Pfarrer Lindenbein wurde in seinem zertrümmerten Wagen eingeklemmt und erlitt schwere Kopfver­letzungen und vier Rippenbrüche. Der Münchener Wagen drehte sich durch die Wucht des Zusammen­stoßes um seine eigene Achse, wobei einer der Fah­rer, Konrad Seeber, herausgeschleudert wurde. Auch Seeber wurde sehr schwer am Kopf verletzt. Außer? dem erlitt er einen Beinbruch. Der Mitfahrer des Pfarrers, Karl Müller aus Nordenstadt, erlitt Kopf- und Rippenoerletzungen. Die Verletzungen des Pfarres und Seebers sollen lebensgefährlich sein.

Geisteskranke wirft ihr Kind aus dem Fenster

Wiesbaden, 16. Okt In einem Anfall gei­stiger Umnachtung hat heute nachmittag eine 26= jährige Ehefrau in Wiesbaden-Sonnenberg ihr drei Monate altes Kind auf die Straße geworfen. Das Kind ist seinen schweren Verletzungen erlegen. Nach­barn sonnten die Frau, die vor 14 Tagen schon einen Selbstmordversuch unternommen hatte, im letzten Moment daran hindern, auf die Straße zu springen.

Keine Uniform bei Trauungen

Darmstadt, 16. Okt. In einem Ausschreiben des Prälates der Hessischen Landeskirche an die Dekane, Kirchenvorstände und Pfarrämter wird darauf hingewiesen, daß einer althessischen Sitte entsprechend es nicht gestattet ist, daß der Bräu­tigam in der Uniform eines politischen Verbandes zur Trauung erscheint. Bei der Zulassung solcher Kleidung zu der gottesdienstlichen Handlung würde die Kirche ihre überparteiliche Haltung aufgeben und darauf verzichten, ihrerseits die kirchliche Ord­nung zu wahren.

Dom Dankdirekkor zum Wohlfahrtsempfänger.

Darmstadt, 15. Okt. Am Freitag saß der zemalige Banbdirektor D. aus Auerbach a. d. B., der durch unglückliche Geschäfts-Verhältnisse vollkom­men ins Elend kam, wegen schwerer Urkundenfäl­schung in Tateinheit mit Betrug aus der Anklage­bank. Er erhält als vollkommen Mittelloser mit sei­ner Frau und vier Kindern vom Wohlfahrtsamt eine Unterstützung von 12 RM in der Woche und hatte in der Verzweiflung, als die Frau im Som­mer krank war, Gutscheine der Gemeinde gefälscht und sich Lebensmittel dafür besorgt. Das Gericht erkannte auf die Mindeststrafe von drei Monaten und billigte in Anbetracht der trostlosen Lage und vor bisherigen einwandfreien Führung dreijährige Bewährungsfrist zu.

Aus falschem Ehrgefühl Tragödie eines jungen Mannes

Warburg, 15. Okt. Im Jahre 1928 wurde dem damals erst 18jährigen Laukel die Posthalterstelle des Kreisortes Sterzhausen übertragen, welche auch der junge Mann in den ersten Jahren korrekt aus- füllte. Als jedoch Ende 1930 Kontrollbeamte fest­stellten, daß öfters Absenderdaten von in Sterz- Hausen aufgegebenen Zahlkarten geändert waren und daraufhin eine Revision vorgenommen wurde, fand man in einem Tischkasten neun Zahlkarten von vorhergehenden Tagen, zusammen auf 376 RM lautend, während das dazu gehörige Geld in der Kasse fehlte. Der junge Posthalter ging im Augen­blick dieser Feststellung in ein anderes Zimmer und schoß sich eine Kugel in die Brust. Erst jetzt ist er von der schweren Verletzung genesen und hatte sich nun wegen seiner Verfehlungen vor der großen Strafkammer zu verantworten. Er bestritt eine Unterschlagungsabsicht und führte aus, daß in fei= ner Kasse Ende 1930 sich mehrmals Mankos ein­stellten, die er aber angeblich aus Angst vor seinem Vater nicht meldete, sondern mit eingezahlten Post­geldern deckte. Der Angeklagte erklärte sich die Kassenmankos damit, daß er sich bei Auszahlungen öfters zu seinen Ungunsten verrechnete. In zwei Fällen wurden ihm auch, wie Zeugenaussagen nachwiesen, irrtümlich zu viel ausbezahlte Beträge von 100 und 20 RM zurückerstattet. Seine An­gabe, daß er die Fehlbeträge nicht für sich ver­braucht habe wurde durch Bekundungen mehrerer Zeugen bestätigt, welche hervorheben, daß der junge Mann als einer der solidesten und ehrlichsten des ganzen Dorfes gilt. Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr Zuchthaus, wenn er auch anerkannte, daß der junge Mann den an ihn gestellten Anfor­derungen noch nicht gewachsen war. Das Gericht erkannte auch Unbesonnenheit des jungen Mannes als Motiv feiner Verfehlungen an, mußte ihn aber zu der für Amtsunterschlagung gesetzlich geringsten Strafe von einem Jahr Zuchthaus verurteilen. Es empfahl Anrufung der Gnadenbehörde, um den gut beleumdeten und seither unbestraften jungen Mann vor dem Zuchthaus zu bewahren.

Aus aUee VeU

AhM- dev ! Deutschs« Kotonlatasuns

Berlin, 16. Okt. Zum Schluß der Deutschen Ko­lonialtagung hielt heute abend der Deutsche Kolo­nialkriegerbund im großen Saal der Neuen Welt in der Hasenheide ein Treffen ab, das sehr start besucht war. Für die Deutsche Kolonialgesellschaft sprach Exzellenz von Lindequist, der dem hohen Lied der Kameradschaft, die gerade in den Kolonien ausgeprägt gewesen sei, herzliche Worte widmete. General Ritter v. Epp führte aus, der Wert der Kolonien liege darin, daß man sie mit deutschen

tim ein «esatztchtff devNiobe

Der Chef der deutschen Marineleitung, Admiral Raeder und der österreichische Gesandte Dr. Frank, bei der großen Berliner Veranstaltung derVolksspende Niobe", die durch den Appell an weite Schichten unseres Volkes dazu diente, einen Grundstock der Sammlung für ein Erjatzschiff der untergegangenenNiobe" zu schaffen.

LWeSa-Mord in Deftemreich?

Ein geheimnisvoller Mord in der Nähe von Lin;Chemnitzer Angestellter ermordet einen Bulgaren. Wie der Bulgare in die Falle gelockt wurde.

Ein geheimnisvoller Mord, der am 2. Oktober ü. I. in der Nähe von Linz verübt wurde, beschäf­tigt die österreichische und sächsische Kriminalpolizei. Am 2. Oktober wurde auf der Straße WienSalz­burg der Bulgare Korum Dimitroff ermordet auf- gefunden. Dimitroff war Mitglied des bulgarischen Agrar-Komitees. Zuerst stand die Kriminalpolizei einem völlig rätselhaften Fall gegenüber, denn es war weder eine Ursache für den Mord noch eine Ursache für die Reise Dimitroslfs aus Sofia nach Oesterreich zu erkennen. Schließlich wurde durch die Untersuchung festgestellt, daß höchstwahrscheinlich der Mord im Auftrage der russischen G. P. U.-Feme begangen worden ist, wie s. Zt. das Verbrechen im Falle Semmelmann. Dimitroff soll nämlich im Dienst der Geheimpolizei gestanden haben. In der letzten Zeit hatte er den Auftrag als Mitglied des Agrar-Komitees, die Aus- und Einfuhr von Agrar- produkten zu regeln. Dabei soll er seine Pflichten gegen Rußland vernachlässigt oder gar verraten ha­ben. Aus diesem Grunde wurde er von einem Be­auftragten der russischen Tscheka ermordet. Dafür sprach die Tatsache, das Dimitroff auf geheimnis­volle Weise nach Wien gelockt worden ist. Er hatte nämlich von einem Oesterreicher, der angeblich Fred Mansker ober A. Martin hieß die Aufforderung erhalten, nach Wien zu kommen, um angeblich hier Geschäfte zu machen. Der Mann A. Martin war derselbe wie Mansker, er wurde aber in den Briefen als Sekretär Mansker bezeichnet. Als Dimitroff sich weigerte, nach Oesterreich zu kommen, wurde ihm sogar eine bezahlte Fahrkarte über die Strecke Sofia-Wien geschickt.

Diese rätselhaften und energisch durchgeführten Pläne, Dimitroff nach Wien zu locken, waren die erste Veranlassung dazu, daß man in Wiener Kri­minalpolizeikreisen an ein politisches Verbrechen dachte, da sonst kein Mensch an diesem völlig unbe­kannten Bulgaren ein derartiges Interesse haben

Menschen besiedele und aus ihnen neues und deut­sches Land mache. Kolonien könne man nicht da­nach abschätzen, was aus ihnen herousgeholt wer­den könne, sondern wie viele Menschen sie eine Existenz gäben, die der deutsche Boden heute nicht mehr zu ernähren vermöge.

âottttteittttib tittb Die basevkschs« MschSße klinische Untersuchung derStigmatisierten von Konnersreuth gefordert

Konnersreuth, 15. Okt. Die heutige Ausgabe des Konnersreuther Sonntagblattes bringt die Aufsehen erregende Mitteilung von einem Beschluß der diesjährigen bayerischen Bischofskon­ferenz, dieStigmatisierte" von Konnersreuth zu einer neuen Untersuchung in einer Universitäts­klinik auszufordern. Wenn Therese Neumann oder ihre Eltern auf die Aufforderung der Bischöfe nicht eingehen (gezwungen kann sie nicht werden), wird sich die katholische Kirche nicht weiter mit Konners­reuth beschäftigen, weil ihr die Möglichkeit der Ueberprüfung genommen ist. Das Verlangen der Bischöfe kommt umso überraschender, als die Kirche bisher den Forderungen der Wissenschaft nach einer ausreichenden klinischen Beobachtung Therese Neu­manns, wenn auch nicht offiziell, einen deutlich fühlbaren Widerstand entgegensetzte.

Die Gvapho ose« im Eavo- vvoseS

Ende des Kriegs. aber ohne Friedensschluß

Berlin, 15. Okt. In dem Prozeß gegen Geheim­rat Caro wurden heute die Gutachten der Sach­verständigen zu Ende gebracht. Der Haupt- sachverständige des Nebenklägers, der englische Oberstleutnant a. D. Wladimir Mansfield, wandte sich gegen die gestern von Professor Dr. Alsberg und Rechtsanwalt Dr. Dix gegen ihn er­hobenen Vorwürfe und überreichte dem Gericht ein Schreiben des englischen Kriegsministeriums, aus dem hervorgeht, daß er Ende Januar 1931 als

konnte, daß man ihm die ganze Fahrt von Sofia nach Wien bezahlte. Als man endlich den Mörder entdeckt hatte und zwar angeblich einen Chemnitzer Angestellten namens Georg Schirmer,, schien in die Mordaffäre etwas Licht zu kommen. Schirmer wurde überführt, die Briefe, die mit Fred Mansker und A. Martin unterzeichnet waren, an Dimitroff geschrieben zu haben. Er gab einen seltsamen Grund für den Mord an. Vor 20 Jahren soll an= geblich Dimitroff, der damals in Leipzig studierte, ein junges Mädchen beleidigt haben, das Schirmer später liebte. Nach anderen Versionen soll Schir­mer in die Frau Dimitroffs verliebt gewesen sein. Jedenfalls erklärte Schirmer, daß es sich um eine Rache handelte, die er jetzt nach 20 Jahren endlich befriedigen konnte, nachdem er schon seit zwei Jahrzehnten nach Dimitroff gesucht hatte. Er hatte zu diesem Zweck die Briefe, die mit Fred Mansker und A. Martin unterzeichnet waren, an Dimitroff

geschrieben, und hatte es erreicht, daß der Bulgare tatsächlich am 1 Oktober nach Wien kam. Von hier | wurde aber bereits hundert Jahre nach ihr^ Gründung durch die samnitischen Lucaner erobert,

wurde er im Automobil abgeholt, um angeblich zu einer geschäftlichen Konferenz in der Nähe von Linz zu fahren. Auf der Automobilstraße wurde nun Dimitroff erschossen und aus dem Wagen geworfen. Außer Schirmer ist noch ein zweiter Mann angeb­lich an dem Verbrechen beteiligt.

Nach dem Mord fuhren die Verbrecher wieder nach Deutschland zurück. Jetzt wurde Schirmer in der Nähe von Leipzig verhaftet. Wie aus Wien verlautet, sind die östereichischen Behörden der Meinung, daß die Geschichte mit dem Eifersuchts- mord ein Märchen sei. Ein anderes Affektverbrechen kommt nicht in Betracht. Da auch ein Raubmord offenbar nicht beabsichtigt war dazu waren die Umtosten zu groß, die sich die Mörder machten so muß das Verbrechen eine andere Ursache haben, die hoffentlich durch die Untersuchung geklärt werden wird.

Reserveoffizier aus der englischen Armee ausgeschie­den sei.

Der Meinungsstreit der Graphologen fand dann am Nachmittag ein Ende, ohne daß es aber zu einer friedlichen Einigung zwischen den Gutachtern der beiden Parteien kam. Der Gerichtschemiker Prof. Brüning stellte sich in allen Punkten auf den Standpunkt der Gutachter der Vertei­digung. Zwar ersetzten die Photogramme in keiner Weise die fehlende Originalurkunde, sie könnten aber als Unterlage für Schlüsse auf die Beschaffenheit der Urkunde dienen. Aus den Licht­bildern sei in keiner Weise zu folgern, daß die Ur­kunde nicht in einem Zug geschrieben sei. Die äußere Form spreche für ein Diktat. Ein Trick- photogramm liege nicht vor. Die Photogramme wiesen keine Merkmale dafür auf, daß der Wortlaut der Empfangsbescheinigung über eine Blankounterschrift geschrieben sei. Die Störungen an der Berührungsstelle des P-Hakens der Unterschrift (Ignaz Petschke) mit demue" der letzten Zeile des Textes seien keine Rasur, sondern höchstwahrscheinlich nur zufällige Abschattung der ersten Photokopie. Als der Text der Urkunde ge­schrieben worden sei, habe der Längsbruch im Pa­pier noch nicht bestanden. Das Papier der Urkunde und ihr Abnutzungsgrad zur Zeit der Aufnahme prächen dafür, daß es sich um ein altes Schrift- tück handle, das sehr wohl aus dem Jahr 1918 lammen könne. Für ein künstliches Altern des Papiers habe sich keinerlei Anhaltspunkt ergeben. Man müsse daher zu dem Gesamtschluß kommen, daß kein Merkmal für eine absichtliche Fälschung festzustellen sei. Die Sachverstän­digen wurden darauf entlassen und die Verhand­lung auf Montag vertagt.

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Ehemnitz, 15. Okt. Zu dem Mord an dem Bul­garen Dimitroff erfahren wir noch folgende Einzel­heiten: Der verhaftete Georg Schirmer. Hat sämt­liche Schuld an der Mordtat auf sich genommen. Einwandfrei wurde festgestellt, daß Schirmer mit

einem gemieteten Kraftwagen, der von dem ihm bekannten Krastwagenführer Colditz aus Burgstadt, der bekanntlich ebenfalls verhaftet worden ist, ge­steuert wurde, nach Oesterreich gefahren ist, wo dann am 1. Oktober in den zeitigen Abendstunden auf der Strecke zwischen St. Pölten und Linz die Mordtat ausgeführt wurde. Bei der verabredungs- gemäß vorgetäuschten Panne hat Schirmer zunächst dem Dimitroff Vorhalt getan, daß er vor etwa Zwanzig Jahren Schirmers jetzige Ehefrau verführt habe Hierauf will Schirmer sofort auf Dimitroff mit einem ziemlich schweren Werkzeug eingeschlagen haben Als sich der Ueberfallene ernstlich zur Wehr fetzte hat Schirmer mit einer Waffe auf ihn ge- chossen die ihm auf sein Verlangen Colditz gereicht , hat. Dimitroff sank darauf zusammen. Besonders bedeutsam ist die weitere Feststellung, daß sich Schir­mers Frau bei Ausführung der Tat in unmittel- 1 barer Nähe aufhielt. Mit der Leiche sind die Täter noch etwa 200 Kilometer in Richtung deutsche Grenze gefahren und haben sich ihrer in Oberöster- reid) bei Vöcklamarkt entledigt. Obwohl zunächst das Motiv zur Tat nicht voll glaubhaft erschien, ist andererseits auch der Nachweis für einen anderen Grund bisher nicht zu erbringen gewesen. Schirmer will angeblich die ganzen Jahre hindurch darunter schwer gelitten und sich immer mit dem Gedanken getragen haben, sich an Dimitroff zu rächen.

Ueber das Geständnis wird noch gemeldet: Auf eine direkte Frage des nach Chemnitz entsandten Wiener Polizeibeamten Dr. Böhme antwortete Schirmer ganz bestimmt:Ich gebe zu, daß ich die Absicht hatte, Dimitroff zu töten. Dieser Mensch mußte u n b e d i n g t v e r s ch w i n - den, damit ich meine Ruhe wieder- finden kann." Es handelt sich um ein in allen Einzelheiten ausgeklügeltes Komplott, dessen Vor­bereitungen von langer Hand getroffen waren. Schirmer führte auch eine Flasche Salzsäure mit sich, um die ätzende Flüssigkeit dem Bulgaren in die Augen zu schütten,falls es die Umstände er= fordert hätten". Colditz wurde auf das Geständnis Schirmers hin erneut vernommen und gab entgegen feinen früheren Mitteilungen zu, daß er ganz genau gewußt habe, worum es sich bei der Autofahrt handle. Schirmer habe ihm gesagt, es müsse ein ganz gefährlicher Mensch beseitigt werden. Er werde Dimitroff erschießen, weil er ein Spion sei.

Im Laufe des Freitags wurde die Ehefrau von Schirmer, ferner die Geliebte des

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Colditz, die von dem Mordplan gewußt haben und später auch die Uhr des Ermordeten in Hart­mannsdorf auf einem Grabe verborgen haben sollen, festgenommen.

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Nach Pompeji und herculanum: Paestum

Das Aufsichtsamt der antiken Altertümer zu Neapel besitzt auf seinem Gebiet eine der größten Kostbarkeiten antiker, vor allem griechischer Archi­tektur: es ist die Stadt Paestum mit ihren Tempeln, ihrer Stadtmauer und ihren noch völlig unerforsch­ten zahlreichen Gräbern, die hinter den aufsehen­erregenden Entdeckungen in Pompeji und Hercula­num zu Unrecht in den Hintergrund getreten war. Paestum, das griechische Poseidonia, wurde zu Be­ginn des 6. Jahrhunderts von Christi Geburt als griechische Kolonie an der Westküste Lucaniens ge­gründet. Die Stadt gelangte rasch zu hoher Bttity^

die ihr auch den Namen Paestum gaben. Auch als spätere römische Kolonie verfiel die Stadt mehr und mehr dem Niedergang. Jetzt liegt an der Stelle der einst blühenden Stadt das ärmliche Dörf­chen Pesto. Aber noch heute zeugen die gewaltigen Ruinen der Stadtmauern und Tore der vorzüglich erhaltenen Tempel und zahlreiche Gräber von der alten Herrlichkeit. Diese wiederherzustellen ist das Bestreben des Aufsichtsamtes, das sich zu diesem Zweck der Unterstützung hervorragender italieni­scher Archäologen versichert hat. Man will die mo­numentale Wiedererneuerung, die schon lange der Lösung harrt, jetzt im ganzen Umfange in Angriff nehmen. Schon früher wurde die Stadtmauer, die unter Trümmern begraben lag und von Strauch­werk überwuchert worden war, ausgegraben; ebenso die Hauptstraßen der Stadt. Auch das ausgedehnte griechische und italienische Forum, das in seinem Umfang dem von Pompeji nicht nach- steht, wurde ans Licht gebracht. Man will jetzt mit Eifer diese Ausgrabungsarbeiten fortsetzen, bei .de­nen es sich nicht um die Freilegung einzelner Monu­mente oder Gegenstände handelt, sondern um die Wiederherstellung der ganzen Stadt. Damit eröff­net sich die Aussicht, neben den Villenstädten Pom­peji und Herculanum in Paestum das Bild einer griechischen und lucanischen Handelsstadt zu erhal­ten, wodurch sich unser Wissen von der Zivilisation, wie sie sich auf dem Boden des fruchtbaren Kam­paniens entwickelte, runden wird.

Urfunbenbefeitigung im Gerichtssaal

Berlin, 15. Okt. Das Schöffengericht Berlin- Mitte verurteilte heute den Kaufmann Ferdinand Spiekermann wegen Beseitigung einer Urkunde, die sich in amtlichem Gewahrsam befand, zu vier Monaten Gefängnis. Der Verurteilte hatte sich am 20. April d. J. wegen Betruges zu verantwor­ten. In der Verhandlung trat eine Zeugin auf. die bie tyandakten eines inzwischen verstorbenen An­walts benutzen wollte. Die Verteidigung ches An- geklagten erbat eine Pause, um Einblick in diese listen zu nehmen. Nach Wiederbeginn der Ver­handlung wurde festgestellt, daß aus diesen Akten eine wichtige Urkunde verschwunden war. Gegen Verteidiger des Angeklagten wurde ein Er- nrz rVg5Derfa^ren eingeleitet, das aber bald ein= gest eilt wurde. Der Angeklagte dagegen war ge= ftanbig bie Urkunde beseitigt zu haben. Er er= Harte, sie sei ihm durch den Luftzug vom Tisch ves Rechtsanwalts zugeweht worden.

Schwerer Autounfall des Filmschauspielers Fritz Kampers

Berlin, 16. Okt. In den heutigen frühen Morgenstunden sind im Westen der Stadt vier Automobile zusammengestoßen. Dabei wurde der 41 Jahre alte Filmschauspieler Fritz Kampers schwer verletzt. Auch der 31 Jahre alte Führer eines anderen Wagens trug schwere Verletzungen davon. Die beiden Verunglückten sind in ein Krankenhaus geschafft worden.