Nr. 2411
Donnerstag, den 13. Oktober 1932
Selke S
Stadt Aa«a«
#^w LiebeSvavagvaph"
Wissen Sie, daß die Liebe nicht nur eine moralische, sondern auch eine gesetzliche Pflicht ist? Jawohl, Sie können sogar von der Polizei zu einer dieser Pflicht entsprechenden Tätigkeit gezwungen, mid im Weigerungsfälle mit Geld oder Haft bestraft werden.
Sie gehen z. B. nichtsahnend am Sonntagabend friedlich spazieren, haben den guten Anzug an und freuen sich des schönen Wetters.-Da durchbricht auf einmal die rauhe Stimme eines Polizei- beamten den Abendfrieden; er lockt Sie liebevoll in einen Keller, in dem ein Wasserrohr geplatzt ist und bedeutet Ihnen, einen Eimer in die Hand zu nehmen und sich an der Ausschöpfung des Kellers zu beteiligen. Mit Rücksicht auf den Sonntag und den guten Anzug weigern Sie sich — selbstverständlich —, werfen dem Polizisten vielleicht den besagten Wassereimer vor die Füße, wollen aus= reißen — und landen schließlich auf dem Gericht Hier gibt man Ihnen dann Gelegenheit, an einem ruhigen Ort sechs Wochen über Ihre Pflicht zur Liebe, d h. zur Nächstenliebe, nachzudenken. Im § 360 Ziff. 10 des Strafgesetzbuches heißt es nämlich, daß mit Geld oder Aast bestraft wird, „wer bei Unglücksfäll-en oder gemeiner Gefahr oder Not von der Polizei oder deren Stellvertreter zur Hilfe aufaefordert, keine Folge leistet, obgleich er der Aufforderung ohne erhebliche eigene Gefahr genügen konnte."
So ist z. B jeder Automobilist, nicht nur ein Kraftdroichkenführer, auf polizeiliche Aufforderung verpflichtet, den Transport von Verletzten zu über- nebmen, ebenso wie feder Arzt zur sofortigen Hilfeleistung vervstichtet ist. Aber auch jeder Privatmann muß den Wünschen der Polizei zur Hilfeleistung nachkommen, gleichgültig, ob es ihm angenehm ist oder nicht. Es spielt auch keine Rolle, ob dem Dritten zu dessen Gunsten er eingreifen soll, ein Schaden an Leib und Leben oder auch am Ver- ■ mögen oder Sachgütern droht.. Er darf die Hill' nur verweiaern. wenn damit eine erhebliche eigene Gefahr verbunden ist, d. h. wenn er bei objektiver
Würdigung aller Umstände damit rechnen muß, daß er bei der Hilfeleistung selbst Schaden am Leben oder Gesundheit erleidet oder ihm sonst eine erhebliche Gefahr droht.
Also, seien Sie vorsichtig in der Verweigerung Ihrer Liebespflichten, auch die Nichtausübung kann böse Folgen haben.
Lettow-Dpvbe« in Hanau
Im überfüllten Saale der Stadthalle sprach gestern abend General von Lettow-Vorbeck im Rahmen der Deutschen Kolonialausstellung über „Der Feldzug in Deutsch-Ostafrika". Ein begeisterter Empfang wurde dem heldenmütigen letzten Kommandeur von Deutsch-Ostafrika zuteil, der an der Spitze seiner tapferen deutschen und : farbigen Ostafrikaner Jahre hindurch einer viel-
Das Recht auf Aussteuer
Nach § 1620 Bürger!. Gesetzb. ist der Vater, und wenn dieser dazu außerstande oder tot ist die Mutter ausdrücklich verpflichtet, der Tochter im' Falle ihrer Verheiratung zur Einrichtung des Haushalts eine angemessene Aussteuer zu gewähren. Auf diese jo- genannte Aussteuer hat die Tochter nach dem „Bürgerlichen Recht" einen klagbaren Anspruch. Es ist nämlich nicht mehr, wie teilweise nach früherem Recht, in das Belieben der Eltern gestellt, ob sie ihr Kind aussteuern wollen oder nicht.
Der Aussteueranspruch steht gesetzlich nur der Tochter gegen die Eltern zu; weder kann der Sohn eine Aussteuer begehren, noch kann die Tochter sie von einem der übrigen Aszendenten verlangen. Die Tochter hat das Aussteuerrecht ohne Rücksicht darauf, ob sie minderjährig oder großjährig ist. Bei wiederholter Verheiratung der Tochter entfällt die Verpflichtung allerdings, falls ihr anläßlich der rüfyeren Ehe bereits genügt wurde.
Zur Aussteuer gehören die zum persönlichen Gebrauch der Tochter bestimmten Kleidungsstücke und der erforderliche Hausrat. Wie weit man hier die Ansprüche spannen kann, ohne den Boden des Gesetzbuches zu verlassen, das eine angemessene Aussteuer zubilligt, richtet sich nach der sozialen Stellung der beteiligten Personen. Es hängt in erster Linie von den Verhältnissen der Frau ab. Gewöhn- ich wird die Aussteuer vor der Eheschließung be- chafft, obwohl sie rechtlich erst im Moment der Der- feiratung fällig ist. Es gibt aber auch Fälle, in denen eine Aussteuer überhaupt nicht gegeben zu werden braucht. Das Gesetz spricht nämlich die Eltern der Frau von allen Verpflichtungen hierzu frei, falls ihre Tochter selbst zur Beschaffung der Aussteuer )inreichendes Vermögen besitzt oder wenn der standesgemäße Unterhalt der Eltern durch Hingabe der Aussteuer gefährdet wird. Auch Töchter, die ohne die erforderliche elterliche Einwilligung (z. B. Minderjährige!) heiraten, haben von Rechts wegen nichts zu erwarten. Der Anspruch auf Aussteuer entsteht erst mit der Eingehung der Ehe und verjährt in einem Jahr von Eingehung der Ehe an. Auch der Mann kann den Anspruch seiner Frau auf Gewährung einer angemessenen Aussteuer geltend machen, doch bedarf er hierzu die Genehmigung seiner Frau. Die Aussteuer muß in der Regel in natura verlangt werden, nur ausnahmsweise in Geld. Die Wahl wird in der Regel den Eltern zustehen.
Wie der Unterhaltsanspruch, so entsteht auch der Aussteueranspruch nur bei Fähigkeit des Verpflichteten, und er setzt, wenn auch in geringerem Maße, so doch ebenfalls eine gewisse Bedürftigkeit auf Seiten des Berechtigten, nämlich den Mangel von eigenem und ausreichendem Vermögen zur Beschaffung der Aussteuer voraus.
Unter dem 22. 11. 25 hat das Oberlandesgericht Hamm eine interessante Entscheidung gefällt: Es hat entschieden, daß die Verpflichtung des Vaters nach § 1620 Bürgerl. Gesetzb., seiner Tochter eine
angemessene Aussteuer zu geben, dahin auszulegen ist, nicht nur, daß der Vater sparen muß, um der Tochter bet ihrer etwaigen Verheiratung eine Aussteuer geben zu können, sondern, daß er auch, wenn die Ersparnisse nicht hmreichen, um die Aussteuer kaufen zu können, sich mit Schulden belasten soll, selbst auch, wenn er mit der Tochter verfeindet ist. Ob diese Entscheidung in jetziger Zeit überall Billigung und Nachahmung findet, bleibt dahingestellt.
Was die Tochter neiben der Aussteuer erhält, ist die sogenannte „Mitgift", insbesondere also das bare Geld. Den Ausdruck „Mitgift" kennt das Gesetz nicht. Es sagt Aussteuer für das, was der Tochter von den Eltern mit Rücksicht auf die Verheiratung zugewendet wird. Es gibt zuweilon auch besonders vorsichtige Ehekandidaten, denen die Aussteuer nicht genügt, und welche befürchten, daß der Schwiegervater nach der Eheschließung keinerlei nennenswerte Geldzuwendungen den neuen Eheleuten machen würde Deshalb handeln sie diplomatisch und lassen sich vorher eine Mitgift in klingender Münze versprechen Hierbei ist es im wesentlichen gleichgültig, ob die Eltern der Tochter — wie es wohl meistens der Fall ist — dem künftigen Schwiegersohn die Mitgift versprechen, denn es ist auch bei dem Versprechen an den Schwiegersohn meistens beabsichtigt, daß das Geld der Tochter gehören soll.
Verpflichtet sich der Vater, seiner verheirateten Tochter mündlich, ihr mit Rücksicht auf die Heirat einen bestimmten Betrag zuzuwenden, so kommt es darauf an, ob die versprochene Summe seine Ver- mögensverhältnisse übersteigt oder nicht. Hält sich nämlich der versprochene Betrag innerhalb des Rahmens der Verhältnisse, so gehört er in die Aussteuer hinein. , Das Versprechen auf Aussteuer muß aber gehalten werden. Dieser Anspruch ist daher auch einklagbar, selbst wenn das Versprechen nur mündlich abgegeben wurde. Ueberfteigt das Mitgift- versprechen die Vermögensverhältnisse der Eltern, so wird es nichts mehr als eine sittliche Verpflichtung gegenüber dem Kinde angesehen, sondern als ein Schenkungsversprechen. Letzteres ist aber nur dann gültig, wenn es gerichtlich oder notariell beurkundet worden ist (vergl. § 518 Bürger!. Gesetzb.).
Anders ist aber die Rechtslage, wenn der Schwiegersohn die Eingehung der Ehe von der Zahlung der versprochenen Summe abhängig gemacht hat. Hat sich der Schwiegervater zu einem solchen Abkommen herb ei gelassen, so muß er das in Aussicht Gestellte auch zahlen, selbst wenn es seine Verhältnisse übersteigt. Es liegt ja dann in diesem Falle kein Schenkungsversprechen, sondern ein gegenseitiger Vertrag zu Grunde.
Die Frage, ob die Aussteu-er oder Mitgift Alleineigentum der Frau wird oder in das Miteigentum des Mannes fällt, und ob sie, wenn ersteres zutrifft, Vorbehaltsgut oder eingebrachtes Gut darstellt, richtet sich nach dem Güterstande, in dem die beiden Ehegatten leben.
mindert hatte, das und noch vieles andere stand lebendig vor unseren Augen. Mit 3000 Weißen und 1700 Farbigen ging es hinüber über die portugiesische Grenze neuen Kämpfen und neuen Heldentaten entgegen. Bis dann das unherlvolle Ende des Weltkrieges nahte und die tapferen Ostafrikaner zwang, endgültig die Waffen aus der Hand zu legen. Mit einem Wort, es war ein wahres Heldenlied, das der ruhmreiche Führer Lettow-Vorbeck von sicy und feiner tapferen Schar fingen durfte, ein Lied das immerdar klingen wird zum Ruhm und zur Ehre unserer braven Kämpfer auf fernem afrikanischem Boden. Stürmischer Beifall dankte dann auch dem Vermittler dieser eindrucksvollen Stunden von deutscher Größe und Opferwilligkeit. Mit dem Deutschlandlied klang der Abend aus, der von musikalischen Vorträgen der SA.-Standartenkapelle einer kurzen Begrüßungsansprache von Herrn Kaltenbach und einem einleitenden Vortrag Dr. Geisow über „Die deutsche der Welt" umsäumt war.
von Herrn Sendung in
für den 14. Oktober. 1066: Sieg Wil- Eroberers über König Harald bei Hastings. 1644: Der Quäker William Penn, Gründer von Pennjyloamen, in London geb. 1758: Niederlage Friedrichs des Großen bei Hochkirch. 1806: Sieg Napoleons I. und Davouts über die Preußen und Sachsen bei Jena und Auerstedt. 1813: Begin der Schlacht bei Leipzig; Reitergefecht bei Liebertwolkwitz. 1919: Ratifikation des Vertrages von Versailles durch Frankreich.
* Hohes Alter. Ihren 75. Geburtstag feiert heute Frl. Gretel Köhler, Mühltorweg. Semen 70. Geburtstag feiert heute Herr Johann Schadt, Mühlstraße 10.
* Daten
Helms des
k fachen feindlichen Uebermacht trotzte und einen , wabren Heldenkampf führte, der für immer unver- ? änlich 'n der deutschen Geschichte bleiben wird.
Mit wachsender Spannung durfte gestern abend / eine mehr als Interessierte Zuhörerschaft den einzelnen Etappen dieses Heldentampfes folgen, der aus berufenstem Munde plötzlich wieder lebendig ward und alle Zuhörer ob feiner heldenmütigen Größe in seinen Bann schlug. Mit ganzen 2400 Mann trat die deutsch-ostafrikanische Schutztruppe bei Kriegsbeginn völlig unvorbereitet in den
Kampf ein, um anfangs 1916 ihre Höchststärke von 3000 Weißen und 11 000 Farbigen zu erreichen. Gegen 60 000 Mann der Feindbundmächte, die zudem noch dauernd abgelöst und ausgewechselt wurden, führte sie ihren verzweifelten Kampf, der zum größten Triumph deutscher Tapferkeit und Disziplin werden sollte. Unmögliches wurde in den langen, chweren Kriegsjahren von unseren braven deut- chen und farbigen Ostafrikanern verlangt und ge= eistet, wahres Heldentum zeichnete die fernen Kämpfer für Deutschlands Ehre aus. In packender und mitreißender Art schilderte gestern ihr rühm-
reicher Führer diesen wahren Heldenkampf von Anfang bis Ende. Voller Begeisterung hingen die mitgerissenen Zuhörer an seinen Lippen und erlebten seltene Stunden deutscher Kampf- und Opferwilligkeit. Wie sich die tapfere kleine Schar unserer Ostafrikaner immer wieder durchzuschlagen verstand, wie sie dem überlegenen Feinde bei jeder Gelegenheit eins auswischte und erfolgreiche Jagden auf Munition und Arzneimittel unternahm, wie sie schließlich notgedrungen auf portugiesisches Gebiet überwechselte, nachdem sie ihre zahlenmäßige Stärke aus Gründen der Selbsterhaltung freiwillig ver-
* hospilalkirche. Heute abend 8 Uhr Bibel- stunde. Pfarrer Göckel.
* Merkblatt der Industrie- und Handelskammer. Die Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main-Hanau hat die Bestimmungen der Notverordnung unter Berücksichtigung aller bisher erschienenen DurchführungÄiestimmungen in einem Merkblatt übersichtlich zusammengestellt, das zum Preise von 0.50 RM im Kammergebäude, Friedrichstraße 18, abgegeben wird. Da es sich um die erste Veröffentlichung dieser Art handelt und alle Gewebetreibenden ohne weiteres aus diesem Merkblatt ersehen können, welche Möglichkeiten ihnen die Verordnung bietet, dürfte das Merkblatt allgemeinem Interesse begegnen.
* Preußisch-Süddeutsche Alassen-Lolkene. Die Ziehung der 1 Klasse beginnt am 21. Oktober, also in der nächsten Woche.
* Rückgang der Abikurienlenzahl. Die Zahl der Abiturienten betrug nach der Reichsschulstatistik für das Schuljahr 1925/26 20 892, im Jahre 1931/32 fast das Doppelte: 41 000, eine weitere Steigerung ist noch im Jahre 1932/33 zu erwarten. Dann beginnt ein langsamer Abstieg. Die Neigung für die akademischen Berufe ist in den letzten Jahren teils infolge der zunehmenden Erkenntnis von der Ueber- füllung der akademischen Arbeitsmärkte, teils infolge der wirtschaftlichen Not ständig zurückgegangen. So wollten nach allerdings nicht ganz vollständigen Feststellungen der Schulen in Schlesien 1930 etwa 7 0 v H., 1931 nur noch etwa 60 v. H. in Sachsen 1932 nur etwa 50 v. H. studieren. Aehnliche Rückgänge der akademischen Berufswünsche verzeichnet das Rheinland. Der Anteil der akademischen Berufswünsche bei den Ratsuchenden der Arbeitsämter ist noch geringer. So gaben bei der akademischen Berufsberatung in Berlin-Mitts 492 männliche Ratsuchende akademische, 1057 nichtakademische Berufswünsche an.
gewinnen zu Die anderen die Seefahrt
können. Zwei Matrosen gingen mit. rüsteten das Boot, so gut es ging, für aus.
Als der Kau, der Südseekuckuck,
den Morgen verkündete, zogen sie los. Im Wasser des Flüßchens schritten sie bergan. Große weiße Kakadus flogen krächzend auf. Schlaue Leguane verschwanden im
Sie hofften auf dem höchsten Punkt des Berglandes einen Ueberblick über die ganze Insel ' ‘
Don Harald Baumgarten
Copyright 1928 by Georg Müller Verlag.
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24. Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
„Was nicht geht, ohne sich selbst zu desavouieren", fiel ihr Ebersstein ironisch ins Wort.
Sie schwiegen beide. Belauerten sich wie zwei Tiere, von denen keines weiß, ob das andere angreifen wird oder Furcht hat.
Ebersstein wandte sich wieder seiner Tätigkeit
Lia legte ihm die Hand auf den Arm. „Wir müssen zu einem Entschluß kommen, mein Lieber, spielen wir mit offenen Karten."
Er wandte den Kopf. „Gut, was wollen Sie auf der „Tarantella"?" .
„Wahrscheinlich dasselbe wie Sie, ein Geschäft machen!"
„Was für eins?"
„Ich werde nicht so dumm sein, es Ihnen zu verraten." .
Sie schwiegen wieder. Lia sah, daß sie im Nachteil war. Sie beugte sich weit vor und sah ihrem Gegner in die Augen. „Ebersstein, seien Sie vernünftig, wir haben uns doch immer gut vertragen. Ich habe Ihnen geholfen, wo ich konnte."
„Na, und meine Tips?"
„Richtig, Sie bekommen ja noch Ihren Anteil! Sie nestelte an ihrer Handtasche. „Hier sind Ihre hundert Mark." m K ,
„Man dankt!" Ebersstein versenkte das Geld in seine Matrosenbluse. „Da Sie so anständig sind, will ich auch Kavalier sein. Sie erinnern sich an Schmalow. Wir waren den Abend noch aus, und da er nicht mehr ganz nüchtern war, gab er mir seine Brieftasche zum Bezahlen." ,
„Und da haben Sie vergessen, Sie chm zuruckzugeben?" .
Ebersstein lachte vergnügt. „Es trifft keinen Armen, teuerste Lia, aber ich zog es vor, auf schnellste Weise zu verduften. Die „Tarantella suchte einen Funker Ich verstehe den Kram und der Kapitän hat mich geheuert, ohne viel zu fragen, woher. Sogar meinen Namen konnte ich be= halten, — hatte ja auch sonst keine Papiere, — und Schmalow kann sich den Mund abwischen. —
„Danke schön!" sagte Lia und stand auf. „Bin befriedigt."
„Na und Sie?" Er blinzelte von unten herauf. „Wohl dem reichen Yankee nachstellen, was?"
„Das geht Sie---einen Schmarren an!" lachte sie und gab ihm einen Nasenstüber. „Wenn ich nun Ihretwegen hier wäre?"
„Nee, nee, Lia, auf den Zimt falle ich nicht rein, dazu ist doch wohl Schmalyws Brieftasche nicht dick genug."
„Also, gute Freundschaft, Ebersstein!"
Er schlug kräftig in die dargebotene Rechte. „Und wenn ich einmal eine Bitte hätte,--ein kleines Funktelegramm, von dem keiner was zu wissen braucht?" t
Ebersstein kraulte sich hinter den Ohren. „Ver-
dämmt riskant!" .
„Na, wir werden uns schon einig werden, wie?
„Höchstens, wenn der Ingenieur keine Wache hat, also um dieselbe Zeit wie heute."
„Gut, Ebersstein." Sie schlüpfte durch die Blieb draußen aufatmend stehen. „Es geht besser, als ich dachte."
Ungesehen gelangte sie in ihre Kabine.
Tür. alles
Fünfzehntes Kapitel
Ueber den schmalen Strand krochen Schildkröten und Muscheln, in deren Gehäuse sich räuberische Krabben eingenistet hatten. An den von Wellen umbrandeten Riffen lagen die Haie. Die Palmen, vereinzelt am Strande hingestreut, zeigten gen Himmel, an dem mählich die südlichen Sterne auf Wache traten.
Einsam und verlassen lag die Sudsee-Jnsel, hm- gestreut ins All. „
Der Rumpf der „Berlin" sank schnell. Es war, als ob ihr gräßlich auf gerissener Leib es kaum erwarten könne, in den Fluten zu versinken.
Ueberall lag Schlamm, den die Wasserwelle mrückgelassen hatte. Und doch sangen schon wieder die Vögel im Urwald.
Sie waren noch zweimal bei dem Wrack gewesen und hatten gerettet, was möglich war. Viel war es nicht. Einige Lebensmittel, die Präparate Dr Werkmeisters, die fast ganz unbeschädigt waren, einige Aexte und Handwerkszeuge. Die kleine Waffenkammer war zu tief unter Waffer gewesen.
Die Matrosen schlugen sich ins Bambusdickicht, fällten Palmen und in ein paar Stunden war eine
notdürftige Hütte errichtet. Dann kochten sie ab. Es waren alles brave Jungens, die auch in schweren Stunden den Humor nicht verloren.
Werkmeister, Schultze und Mechtle schritten auf und ab.
„Die Insel liegt total aus der Fahrstraße", begann der Kapitän. „Es kann Wochen, es kann Monate, ja Jahre dauern, bis ein Schiff sich herfindet. In der Südfee steigen neue Inseln auf, alte verschwinden. Es ist kein Vergnügen, hier Kapitän zu spielen---" Sein wehmütiger Blick traf die Trümmer der „Berlin", die kaum noch aus dem Wasser hervorragten.
„Man wird uns suchen", sagte Dr. Werkmeister. „Von den bewohnten Südseeinfeln werden Regierungsdampfer ausgesandt. Sie müssen uns finden."
„Robinson Crusoe!" dachte Fritz Mechtle aus Böblingen und machte unversehens und ganz aus seinen Gedanken heraus einen Luftsprung. Schultze sah ihn mißbilligend an. „Sie finden uns nicht! Es kommt vor, daß Schiffe die Mortlocks-Jnseln nicht finden, die sie oft augelaufen haben. Sie werden es aufgeben. Die Expedition wird als vermißt gelten."
„Hier ischt es schön!" Mechtles Brust dehnte sich und zog die kühle Abendluft ein.
„Wir werden das Fieber bekommen, ohne Alkohol."
„Dagegen hilft Chinin!" Werkmeister hielt triumphierend eine Tüte in die Höhe. „Der Urwald ist herrlich," dozierte er, „schon jetzt sehe ich Pflanzen, die mir unbekannt sind. Es wird eine köstliche Beute geben."
Der Kapitän brummte etwas, was sicher nicht schmeichelhaft für den Gelehrten war. „Ich fahr morgen!" sagte er ganz ruhig. Die beiden blickten ihn erstaunt und beinahe mißbilligend an.
Schultze ließ sich nicht verwirren: „Ich nehme die große Jolle, die Gott sei Dank heil ist und suche mit acht Mann Bougainville zu erreichen. SBenn es glückt, kann ich in einigen Tagen dort sein. Ich kenne den Kapitän der „Sumatra" von früher. Er muß die verunglückte Expedition abholen. Es ist ausgeschlossen, daß wir uns längere Zeit auf der Insel halten können. Selbst wenn das Bergland keine Bewohner birgt, haben wir keine Möglichkeiten, ohne Waffen und sonstige Hilfsmittel zu existieren."
Werkmeister sandte einen Blick ringsum. „Es ist wie ein Zauberland, mitten in der Südsee eine un=
bewohnte, vielleicht noch nie betretene Insel, di« wir erforschen können. Aber Sie haben recht, Sie alter Praktikus. Wir müssen sobald als möglich mit der Welt in Fühlung treten."
Sie schliefen alle in der Hütte am Strande. Ms die kurze Tropennacht zu Ende war, beschlossen sie, eine Expedition ins Innere zu unternehmen, um zu erkunden, ob die Insel wirklich unbewohnt sei.
Dickicht.
Da die spitzen Steine und Granitblöcke ihnen die Füße blutig rissen, drangen sie in den Urwald
ein. Armdicke Lianen und Rotang Weg. Mit ihren Messern schlugen Gestrüpp. Nirgend war ein Pfad zu ihn die Eingeborenen benutzten.
Der Schweiß rann ihnen vom
sperrten den sie sich durchs entdecken, wie
Körper. Die
Kleider waren in Fetzen gerissen, als sie in eine
Lichtung kamen. Eine Strecke Bambusdickicht hemmte jeden weiteren Vormarsch.
Kapitän Schultze hatte seine Pfeife in Brand gesetzt, um sich der herumschwirrenden Anopheles, der Malaria-Moskitos zu erwehren. Die Lichtung war mit rotglühenden Rhododendron wie übersät.
Plötzlich bückte sich Dr. Werkmeister und hielt seinem Famulus eine kleine Pflanze entgegen. Es war eine unscheinbare Blüte, ähnlich der Herbstzeitlose.
fRorfTefcuna fofatY
Stadt Theaiev Ka«a«
Freitag, 14. Oktober, 8 Uhr 2. Vorstellung im
Freitag-Abonnement
„Madonna! wo bist Du?"
Samstag, 15. Oktober, 8 Uhr „Rina, die Filmdiva"
Sonntag, 16. Oktober, 7.30 Uhr „Der Orlow"