Sette 6
Dienstag, den 11. Oktober 1932
Nr. 239
Dabei erlaubte er sich den gefährlichen Spaß, verschiedene Autos mit hocherhobenen Händen aufhalten zu wollen, wobei er in einer Hand eine Pistole hielt. Die Autos gaben Vollgas und rasten davon. Ein Autofahrer benachrichtigte schließlich das Ueber- fallkommando, das den jungen Mann festnahm. Dabei stellte sich heraus, daß er nur eine Luftpistole in der Hand hielt und tatsächlich nur mitgenommen sein wollte. Immerhin sind solche Späße in der heutigen Zeit sehr bedenklich.
AuS Äab und Seen
Die Wollhandkrabbe in der Fulda und Werra gefunden
— Kassel, 10. Ost. Nach Mitteilung des Staatlichen Oberfischmeisters für die Provinz Hessen- Nassau hat die Wollhandkrabbe ihre Wanderung iflußabwärts fortgesetzt. Während vom Rhein keine weiteren Meldungen vorliegen außer der ersten bei St. Goarshausen im Sommer gefangenen Wollhandkrabbe, ist sie im Stromgebiet der Weser schon weiter flußabwärts gekommen. Die erste Wollhandkrabbe in der Fulda ist vor einigen Wochen dem Oberfischmeister oberhalb von Hann.-Münden gemeldet worden, in der Werra oberhalb von Hedemünden. Jedenfalls kommt sie nach den amtlichen Feststellungen in Hessen-Nassau vereinzelt vor. Wenn sie auch, wo sie in größeren Mengen vor- fommt, der Fischerei durch Ausetzen der Fanggeräte mit Krabben oder Zerbeißen der Netzgeräte Schaden zufügt, so ist das Vordringen der Wollhandkrabbe doch nicht so besorgniserregend, wie es in der Presse vielfach dargestellt wird. Auch als direkter Fischfeind wird sie vom staatlichen Oberfischmeister nicht angesprochen. Neuerdings ist sie auch in Fut- termittelsabriken zu Vieh- und Geflügelfutter verarbeitet worden. Die Wollhandkrabbe, wie man auch schon versucht hat, der menschlichen Ernährung zuzuführen, scheitert an der schwierigen Technik des Essens, obwohl das Fleisch vorzüglich schmeckt.
Ungeklärtes Sprengstoffattentat
— Darmstadt, 10. Okt. Die Staatsanwaltschaft teilt mit: Das Sprengstoffattentat in Mühlheim am Main konnte trotz des vorhandenen weitgehenden Belastungsmaterials noch nicht restlos aufgeklärt werden. Es handelt sich um den Vorgang in der Nacht zum 6. August, bei dem auf der Fensterbank der Arbeitsamts-Nebenstelle Mühlheim eine Bombe zur Explosion gebracht wurde. Für die Ermittlung der Täter sind 200 RM Belohnung aus- gefetzt. Um Mitteilungen an den Untersuchungsrichter II Darmstadt oder das Polizeiamt Offenbach wird gebeten.
Aus dem Gefängnis beurlaubt — als Fahrradmarder betätigt
— Gießen, 10 Okt. Vor dem hiesigen Amtsgericht hatte sich ein schon oft vorbestrafter Sträfling wegen eines seltenen Streiches von Diebesfrechheit zu verantworten. Der Angeklagte war aus dem Gefängnis beurlaubt worden und hatte zunächst nichts besseres zu tun, als in Gießen vor einem Hotel schleunigst ein Fahrrad zu stehlen und dieses eine halbe Stunde später einem Eisenbahnbeamten zu verkaufen, den er durch eine dreist erfundene Geschichte zu dem Fahrradkauf in gutem Glauben veranlaßte. Dem unverbesserlichen Spitzbuben diktierte das Gericht wegen Rückfalldiebstahls ein halbes Jahr Gefängnis.
Elfjähriger Junge durch Ueberfahren getötet
— Marburg, 10. Okt. Als der elfjährige Sohn des Arbeiter Georg Schaf aus Hachborn (Ebsdor- fer Grund), der gegenwärtig während feiner Ferien im Nachbardorfe Erbenhausen weilt, an einer abschüssigen Stelle einen mit Rüben beladenen Wagen abbremsen wollte, geriet er unter den Wagen. Der Junge wurde vom Hinterrad überfahren und so schwer verletzt, daß er kurz darauf starb.
Eisenbahndiebstahl und Tolschlagsversuch
— Mainz, 10 Okt. Vor dem hiesigen Schwurgericht hatten sich heute der 30jährige Hausdiener Dafche aus Berlin, der 31jährige Schneidergeselle Paul Wolfrum aus Alsenberg bei Hof in Bayern und der 23jährige Arbeiter Theodor Knauf aus Köln-Ehrenfeld wegen Diebstahls und Totschlagsversuchs zu verantworten. Der Haupttäter Wolfrum, der wegen seines Verhaltens vor Gericht während der Sitzung abgeführt werden mußte, wurde in Abwesenheit zu 12 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Staatsanwalt hatte eine Zuchthausstrafe von 7 Jah reu beantragt.
Knaus erhielt ein Jahr und Dafchke 6 Monate Gefängnis. Die zum Teil erheblich vorbestraften Angeklagten hatten zur Nachtzeit in den Tagen des 16., 17. und 21. April als Güterwagen in Hochheim a M und Mainz waren, Lebensmittel und Getränke gestohlen.
Spinale Kinderlähmung in Mainz
— Mainz, 10. Okt. Die hier auftauchende spinale Kinderlähmung scheint weiter um sich zu greifen. Nachdem erst vor einigen Tagen zwei Kinder an spinaler Kinderlähmung ins Krankenhaus einge- liefert werden mußten, wurde am Sonntag auf Anordnung eines Artzes ein 13jähriger Schüler aus dem Stadtteil Amöneburg wegen derselben Krankheit dem Krankenhaus überwiesen.
Bergrutsch
— Oppenheim, 10. Okt. In dem hinter der Landskrone gelegenen Steinbruch haben starke Erdbewegungen stattgefunden. Große Erdmassen find abgerutscht, von einem Weinberg sogar sechs Weinbergszeilen mit dem ganzen Erdreich, die im Steinbruch jetzt weiter bebaut werden können. Weiterer Erdrutsch ist zu erwarten.
Reicher Kindersegen
— Lampertheim, 10. Okt. Dem hiesigen Totengräber Moser II wurde das 25. Kind geboren. Seine erste Frau schenkte ihm 13 Kinder. Bei den zwölf Kindern seiner zweiten Frau waren dreimal Zwillinge.
Todesstur; mit dem Motorrad
— Gladenbach, 10. Okt. Heute morgen ereignete sich in der Ortschaft Weidenhausen ein schwerer Motorradunfall, bei dem der Arbeiter Wege den Tod fand. Er wollte auf der Straße nach Weidenhausen einer Frau ausweichen, streifte diese und stürzte den hohen Bahndamm hinunter. Wege war auf der Stelle tot. Die Frau wurde schwer verletzt ta die Marburger Klinik gebracht.
Dev Magier Aevviot
Frankreichs Taktik in der Abrüstungsfrage zeigt sich immer deutlicher als Versuch eine wirkliche Entscheidung hinauszuzögern. Durch die Verweigerung, Deutschland die Gleichberechtigung zuzugestehen, ist die Abrüstungsfrage heute auf demselben Punkt wie unmittelbar nach dem Kriege.
„Hier meine Herrschaften, sehen Sie die schönsten Abrüstungsversprechen, die man sich nur vorstellen kann."
„Ich decke jetzt dieses Tuch, das die Farbe des Friedens trägt, darüber, trete in langwierige Verhandlungen ein und nun—",
Der Mann, der Oesterreich retten will
Die geheimnisvollen Goldminen des Kapitän Steinert
Wien, 10. Okt. Man ist hoffnungs- und wundergläubig geworden in Wien, und so ist es nicht besonders erstaunlich, daß allenthalben das Gerücht von einem österreichischen Messias umgeht, von einem Mann, der auf Grund phantastischer Hilfsmittel den zerütteten Staat und sein gequältes Volk von heute auf morgen in ein Paradies umwandeln wird.
Die Mär von dem Retter Oesterreichs ist nicht ganz aus der Luft gegriffen, sondern hat ein recht eigenartiges Tatsachenfundament.
Vor dem Oberkommissär Dr. Modl des Polizeikommissariats der Inneren Stadt erschien dieser Tage ein gut angezogener, älterer Mann, der dem Kommissär das Ersuchen unterbreitete, unverzüglich zu dem Bundeskanzler geführt zu werden.
Auf die Frage, was er von dem Bundeskanzler wolle, erklärte er nur hochfahrend, das ginge nur ihn und den Bundeskanzlre selbst an, und wenn man seiner Forderung nicht sofort Folge leiste, werde man das noch bitter zu bereuen haben.
Nach gütlichem Zureden aber rückte der Mann, der durchaus nicht den Eindruck eines geistig nicht normalen Menschen machte, damit heraus, daß er den Bundeskanzler sprechen müsse, weil es in seiner, des Fremden Macht stände.
Oesterreich zu sanieren.
Und nun gab der geheimnisvolle Unbekannte, überredet, daß alles im Leben feinen Instanzenweg gehen müsse, ein regelrechtes, sachliches und höchst interessantes Protokoll ab.
Das Rätsel der goldenen Göttin »Oarvati^
Auf der Spur orientalischer Kunsträuber — Diebstahl des hawaischen Königsmantels und der Göttin Parvati. — Die Göttin der Cholera und Epidemien.
Die Berliner Kriminalpolizei beschäftigt sich augenblicklich mit rätselhaften Kunstdiebstählen, die von Berlin und Göttingen nach Iden führen. In den letzten Monaten wurden mehrfach eigenartige Kunstdiebstähle festgestellt, die darum schwer auszukundschaften waren, weil sie anscheinend sinnlos und zwecklos waren, wie z. B. der Diebstahl des Götterbildes im Berliner Völkerkundemuseum und des berühmten Hawaischen Königsmantels, der in Göttingen untergebracht war. Schon damals zerbrach man sich die Köpfe, welcher Sinn bei diesen Diebstählen festzustellen sei. Der Hawaische Königsmantel ist nur als Seltenheit und schöne Arbeit wertvoll, kann aber nicht verkauft werden, wie ein gestohlenes Juwel. Da mußten also irgendwelche religiösen Fanatiker des Orients hinter diesen Diebstählen wirksam sein. Im Orient gibt es allerhand Bünde, die sich die Verteidigung der Religionen des Ostens zum Zweck gesetzt haben, wie z. B. der „Bund des Ostens" in China oder der „rote Club" in Japan. Auch in Indien sind zahlreiche derartige Vereinigungen vorhanden, die in ihrer Weise ihrer, verschiedenen Göttern dienen. Je weiter die Aufklärung in Asien fortschreitet, desto selbstbewußter werden auch die Orientalen. Sie wollen nicht, daß ihre Götterbilder in europäischen Museen als Sehenswürdigkeit ausgestellt sind, denn für sie sind es Heilige, deren Abbildung nur für religiöse Zwecke gestattet ist. Früher hatten die Mitglieder dieser religiösen Sekten, zu denen vor allen Dingen die Thags gehören, mit Europa keine Beziehungen und wußten darum nicht, daß sich in unseren Museen derartige indische Götterbilder befinden. Als sie aber in Europa zu studieren begannen, sahen sie, daß die von ihnen verehrten Standbilder der Götter und Göttinnen einfach Schaustücke
Mißbrauch der Notbremse durch einen Reichslags- abgeordneten.
— Bad Kreuznach, 9. Okt. Ein bekanntes Mitglied des Reichstages und Versammlungsredner des Nahetales wollte von Langenlensheim aus zu einer
„Ueberzeugen Sie sich, was daraus geworden ist."
Danach bezeichnete er sich als den Kapitän Hermann Steinert, der in Südafrika eine Reihe von Goldminen entdeckt habe, die er der österreichischen Bundesrepublik zur Verfügung stellen wolle.
Noch abenteuerlicher als diese Behauptung aber war das, was der Mann über feine eigene Person angab. Danach hat man in ihm den Grafen Sylvius von der Linde zu sehen, der im Jahre 1895 auf Antrag des Prinzen Heinrich von Preußen in einer Irrenanstalt in Hildesheim interniert worden war. Völlig ungerechtfertigt, feiner Behauptung nach, da man ihn nur aus dem Wege räumen wollte, weil feine Liebe zu der Prinzessin von Sachsen-Meiningen den höchsten Herrschaften unbequem geworden war.
Im Jahre 1911 fei er aus der Irrenanstalt geflüchtet und habe sich dann als Hermann Steinert umhergetrieben. In Sidney, in Australien habe er dann nach einigen Jahren des praktischen Matrosendienstes und des Studiums auf einer Marineschule sein Kapitänspatent erworben.
Tatsächlich konnte der rätselhafte Mann dieses Kapitänspatent vorweisen und auch eine Bestätigung, daß er im Jahre 1917 im Dienste der chinesi- chen Seezollverwaltung gestanden hatte.
Kapitän Hermann Steinert, recte Sylvius Graf von der Linde, wurde zunächst einmal vertröstet. Er hat die Wiener Behörden in eine reichlich ungewöhnliche Zwickmühle gebracht. Phantast, Irrer oder tatsächlich ein Retter des Vaterlandes, das ist hier die Frage, und so arbeitet die ganze behördliche Maschine zurzeit in fieberhaftem Knarren an der Lösung dieses Problems.
seien. Offenbar haben sie darum den Entschluß gefaßt, diese Götterbilder wieder in die Tempel ihrer Heimat zu bringen. Vor zwei Jahren wurde nämlich aus dem Berliner Völkerkundemuseum die steinerne Statue der Göttin „Parvati" gestohlen, die einen verhältnismäßig geringen Wert hat. Nun ist die Göttin Parvati die Gemahlin des indischen Gottes Civa. In Bengalen und Südindien ist sie eine blutdurstige Göttin, die auf Leichenstätten haust. Sie ist die Göttin der Cholera und der Kankheiten. Ihr wurden früher besonders sogar Menschenopfer dargebracht. Ihre eifrigsten Verehrer sind die berüchtigten Thags, die sich furchtbare Mordtaten zu Gunsten der Göttin Parvati zuschulden kommen ließen.
Die englische Regierung hat gegen diese grauenerregende Sekte einen schweren Kampf geführt, der viele Jahrzehnte dauerte und zu furchtbaren Strafen führte. Viele tausende Mitglieder der Mördersekte konnten verurteilt werden. Dabei wurde fest- gestellt, daß manche von ihnen mehr als 200 Mordtaten begangen hatten. Noch heute flammt hin und wieder der Fanatismus der Thags auf, deren Unwesen man bereits seit mehreren Jahrzehnten völlig unterdrückt glaubte. Vielleicht ist der Raub der Kunstmäler aus europäischen Kunststätten gleichfalls auf diese Thags zurückzuführen. Unverständlich ist allerdings dann, daß vor einigen Tagen aus dem berühmten indischen Tempel der Göttin Parvati ihr goldenes Standbild, das einen Wert von ungefähr 1 Million Mark hat, plötzlich verschwunden ist. Man glaubt, daß zwischen den Diebstählen in Europa und dem rätselhaften Verschwinden der goldenen Göttin in Indien ein Zusammenhang besteht.
Parteiversammlung nach dem Hunsrück fahren. Aus Versehen stieg der Parlamentarier in einen falschen naheaufwärts fahrenden Zug. Erst als der Zug längere Zeit im Fahren war, bemerkte der Politiker seinen Fehler und zog kurzer Hand Die
Notbremse. Er sprang aus dem Zug und floh über die Felder, ohne dem Zugpersonal Rechenschaft über das Ziehen der Notbremse abzulegen. Er rief den Beamten auf ihre lauten Vorhaltungen hin das bekannte Wort des Götz von Berlichingen zu und rief weiter- „Meine Bauern sind mir wichtiger!" Tat- sächlich erreichte der Versammlungsredner noch sei- nen richtigen Zug. Allerdings wird das Verhalten des impulsiven Herrn noch unangenehme und kostspielige Folgen haben.
Aus aller Wett
v. Ovsnau geveitet
m a n i l a, 10. Okt. Der aus die SOS-Rufe des deutschen Dornier-Wal-Flugzeuges herbergeeilte Dampfer „Caragola" hat von Gronau und seine drei Begleiter wohlbehalten aufgesunden und sie an Bord genommen. In einem hier eingetroffenen Funkspruch teilt von Gronau feine Rettung selbst mit und erklärt: „Es tut uns sehr leid, daß wir unser Programm nicht mehr durchfuhren können. Aus diesem Funkspruch geht nicht hervor, ob von Gronau den Deltflug überhaupt aufgeben mutz, oder aber ob seine Maschine wieder hergestellt werden kann. Der Kapitän der „Caragola" will versuchen, das havarierte Flugzeug in den nächsten Hafen zu schleppen. , „
Manila, 11. Okt. Der Dampfer „Caragola mit von Gronau und seinen Begleitern wird vor- aussichtlich heute in Rangun eintreffen. Der Dampfer Hal das Flugzeug im Schlepplau.
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Frankfurt a. M., 10. Okt. Der Frankfurter Verein für Luftschiffahrt hatte heute abend die Besatzung des Flugschiffes Do X zu einer kleinen Begrüßungsfeier nach dem Hotel Bristol eingeladen, bei der Stadtrat Dr. Lingnau die Grüße und Glückwünsche der Stadt Frankfurt überbrachte. Kapltan Christiansen gab in einer launigen Erwiderung seiner Freude Ausdruck, im Kreise seiner alten Kriegskameraden einige Stunden verweilen zu dürfen. Der Zeppelin-Luftschiffbau habe fast alle Stadien der Entwicklung hinter sich, während der Do X noch in seinem Anfangsstadium stecke. — Der Erste Navigationsoffizier des Flugschiffes Niemann gab einem Vertreter des WTB. einige interessante Aufschlüsse über die voraussichtliche Weiterentwicklung des Flugschiffbaues. Die Konstruktion des Fluascbiffes ist nach seiner Ansicht im Prinziv abgeschlossen, während die Entwicklung der Kraftquellen noch weiter fortbauert. Im jetzigen Stadium betrage die Krafteinheit nur 650 PS, während sie auf 3000 PS pro Motor gebracht werden müßte. Man werde wahrscheinlich zum Dieselmotor oder zur Hochdruckturbine übergehen müssen, um diese Leistung zu erzeugen. Gegenüber dem „Graf Zeppelin", der jetzt eine Geschwindigkeit von 70 Seemeilen erreiche und diese Geschwindigkeit in ab- febbarer Zeit voraussichtlich noch um 30 Seemeilen steigern könne, sei auf die Leistungen beim Schneider-Cup hinzuweisen, wo 360 bis 380 Seemeilen erzielt worden seien. Es sei daher nur eine Frage der Zeit, daß man mit einem Flugschiff vom Typ der Do X die Ueberfahrt nach Amerika bequem in einem Tage mrüctlegen könne. Trotzdem würden aber beide Verkehrsmittel, Zeppelin wie Flugschiff, auch ferner nebeneinander bestehen bleiben, genau wie auch das Dampfschif durch die Entwick- luna des Luftschiffes nicht verdrängt werden würde
Während in der Frage der Schnelligkeit die Zukunft noch viele Entwicklungsmöglichkeiten biete, fei die Frage der Sicherheit schon als gelöst zu bezeichnen. Selbst bei dem Versagen von vier Motoren könne das Flugschiff ruhig weiterarbeiten. Bei dem praktisch wohl ausgeschlossenen Versagen aller sechs Motor-n könne das Schiff noch eine große Strecke im Gleitflug zurücklegen, und zwar im Verhältnis 1:10, b. h. bei einer Flughöhe von 1000 Meter kann das Flugschiff noch 10 Klm. im Gleitflug zurücklegen.
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Zur Verhaftung Dörings
Berlin, 10. Okt. Als Beteiligter an der im Jahre 1925 verübten großen Fälschung portugiesischer Banknoten wurde, wie wir vor einiger Zeit berichtet haben, in Berlin der 51 Jahre alte Kaufmann Döring, der unter dem Namen Hennies gesucht wurde, festgenommen. (Ein Fälscherkonsortium hatte damals mit Hilfe falscher Vollmachten bei einer Londoner Bank portugiesische Noten drucken lassen.) Die seit der Verhaftung Dörings angestellten polizeilichen Ermittlungen und Verhöre ergaben nun folgendes:
Döring wurde 1881 in Friedrichsbrück bei Lich- tenau in Hessen-Nassau geboren. Bis zum Jahre 1909 arbeitete er in verschiedenen Zigarrengeschäften in Kassel, dann verschwand er und kehrte erst , 1926 als wohlhabender Mann zu feinen Verwandten in Kassel zurück. Seine beiden Töchter, zwet Schwägerinnen und ein Schwiegersohn haben ihn jetzt einwandfrei als Adolf Döring identifiziert. Döring behauptet, daß er 1914 unter dem Namen Hennies nach Deutschland zurückkehrte, weil es ihm damals nicht möglich gewesen sei, unter seinem richtigen Namen durch die Sperrzonen hindurchzukommen. Der Bequemlichkeit halber habe er den Namen Hennies weitergeführt. Sein auf diesen Namen lautender Paß wies ihn aus als Sohn eines französischen Vaters und einer schweizerischen Mutter. Als er im Jahre 1925 in den Skandal in Lis- fabon verwickelt war, benutzte er nach der Flucht die alten Papiere auf den Namen Döring. Unter biefem Namen wohnte er vier Jahre lang in Bertin. Im Jahre 1929 war er in einen Erbschaftsprozeß verwickelt und wurde sogar einmal von der Polizei festgenommen und daktyloskopiert. Da aber die portugiesische Polizei keine Fingerabrücke von ihm hatte, wurde er nicht entdeckt. Nach wie vor blieb Döring bei der Behauptung, daß er an den Betrügereien keinen direkten Anteil gehabt habe. Da sonach einwandfrei feststeht, daß Döring Deutscher ist, kann dem Auslieferungsverlangen Portugals nicht stattgegeben werden.
3n 5% Stunden Rom—Berlin
München, 11. Okt. Das dreimotorige Junkers- stugzeug „2202", Ju. 522, das erst kürzlich den Flug München—Rom in 3^ Stunden zurücklegte, hat einen neuen Rekord aufgestellt. Es ist in der Zeit von nur 5% Stunden von Rom nach Berlin geflogen. Ein Schnellzug benötigt zu der gleichen Strecke etwa Imlage.