Nr. 237
Samstag, den 8. Oktober 1932
Sette S
RoBekettev flieht in die Slvmut
Klagen eines modernen Königs MidaH.
John D. Rockefeller, Amerikas berühmtester - lliardär, hat jetzt im Alter von 93 Jahren sich zu em großen Entschluß aufgerafft. Er hat sich von im Reichtum zurückgezogen und lebt als armer inn. Er ist völlig bedürfnislos geworden und st allen Luxus, allen Aufwand, und alles Geld.
seiner Gegenwart darf, wie amerikanische Zei- igen berichten, weder von Geld noch von Geschäs- . gesprochen werden, denn er hat vor kurzer Zeit ch feinem 93. Geburtstag mit aller Energie, die n noch heute zur Verfügung steht, erklärt, daß er I vom Gelde zurückzieht und nie wieder etwas mit ld zu tun haben will.
Wenn man ihm glauben will, dann hat er alle lalen eines modernen Königs Midas in feinem rgen Leben ausgestanden. Auch ihm wurde alles
Gold was er berührte, wie dem sagenhafte Kö- ze, und auch er litt darunter in unsagbarer eise. Jeder Gedanke seines Lebens war ebenso e jede Sekunde mit dem Streben nach Gold aus- füM. Von diesem Gedanken wurde er gehetzt bei ig und Nacht. Wenn die Geschäfte glückten, dann m eine immer größere Gier nach Geld, und wenn nicht glückten, dann war die Aufregung unge- uer groß. Jetzt hat er endlich, nachdem er sich »an viele Jahre von allen Geschäften zurückge^- n hatte das Leben einer völligen Bedürfnislosig- rt lieben gelernt. Er erklärte, daß er sich nie so ücklich gefühlt hat, wie fetzt. Aber er sagt nicht ir, daß er als armer Mann leben will, sondern ■ tut es auch. Auch bewohnt er nur noch ein ein- ges Zimme- in einem kleinen Häuschen, das früher ir Dienerschaft zur Verfügung stand. Seine ladlieiten bestehen in einem Grießbrei und etwas Mwt. Am Morgen nimmt er eme Hafermehlsuppe zu ch. und am Abend verzichtet er meistens ganz auf peisen. Dagegen ißt er täglich mehrere geschälte epfel. Das ist der ganze Aufwand, den er treibt, r hat für sich eine kleine Summe von 1000 ollars beansprucht, von der er seine Bedürfnisse estreitet. Er hofft, bis zu seinem Lebensende mit ieser Summe auszukommen Auf Dienerschaft legt ? keinen Wert mehr. Nur sein alter Vertrauter, er früher einmal bei ihm Diener war, ist ihm eim Anziehen behilflich und kocht ihm sein fruga- ‘5 Mahl. Trotz feines bohen Alters ist er seinem Hemaligen Diener behilflich und scheut sich nicht, lit Hand anzulegen, wenn das Zimmer gereinigt der das Essen gekocht wird. Ein Auto benutzt er icht mehr, denn er ist jetzt der Ueberzeugung, daß 5 viel gesünder sei, wenn man zu Fuß geht. Den roßten Teil des Tages verbringt fr in seinem Zimmer Eine viertel oder eine halbe Stunde lang eht er in dem Garten spazieren, in dem sein wuschen liegt Er liebt auch nicht, daß seine Ange- wrigen ihn mit großem Pomp besuchen. Wer zu hm kommen will, muh sich vorher anmelden, und 'Onn muß er möglichst zu Fuß kommen. Jedenfalls nüssen die Autos seiner Besucher in einer großen Entfernung vom Hause parken, denn bis vor seiner lür darf keiner vorfahren.
Er haßt das Luxusleben mit einer greisenhaften Hartnäckigkeit. Er liest noch heute hin und wieder Zeitungen Als er die Mitteilungen von dem wirk- ichaftlichen Niedergang Amerikas zur Kenntnis itahm, lächelte er und erklärte, daß Amerika dadurch nicht unglücklicher würde. Die Menschen müßten einmal erfahren, daß Gold und Wohlleben grausame Tyrannen seien, die ihre Sklaven furchtbar quälen Er wäre glücklich gewesen, wenn er niemals die ungeheure Last des Reichtums getragen hätte. Heute, wo er als alter Mann kaum noch Interesse am Leben hat ist er weise geworden. In »ergangenen Zeiten war er bekanntlich einer der größten Raffer, die die Weltwirtschaft kennt. Heute dagegen rechnet er nur noch mit Centstücken. Er hat immer in seiner Tasche mehret kleine Münzen, mit denen er feinen Haushalt bestreitet, und die er auch seinen Großenkeln schenkt, wenn sie ihn besuchen. So lebt jetzt der größte Geldverdiener und reichste Mann der Welt freiwillig in Armut und
Devovtierte Grande«
Villa-Eisneros, die Strafkolonie
Ein Spanier, der viele Jahre in Villa Cisneros, dem Hauptplatz der spanischen Besitzung Rio de Oro gelebt hat, entwirft in der Madrider „Ahora" ein anschauliches Bild von diesem Exil der spanischen Monarchisten. Dieser Teil Afrikas ist schon heute völlig der Legende anheim gefallen. Ueber den Aufenthaltsort, den die Republik ihren Feinden angewiesen hat, werden, je nach der Tendenz der Zeitung, die phantastischsten Einzelheiten berichtet. Das Klima ist keineswegs extrem heiß; es unterscheidet sich in nichts von dem Sommer in Spanien. Sehr unangenehm ist nur der starke, fast unaufhörlich wehende Wind, der gewaltige Sand- und Staubwolken vor sich hertreibt. Im Nu sind die Kleider, Nahrungsmittel, Waren, Möbel mit einer dicken Schicht bedeckt. Auch das Trinkwasser ist knapp, es muß erst von den Kanarischen Inseln herbeigeholt werden. Krankheiten sind nicht häufiger als anderwärts. Alle 14 Tage werden 80 Tonnen Wasser, jebe mit 200 Liter, von den Schiffen an Land gesetzt, die die Bevölkerung mit allem Lebensnotwendigen versorgen.
Die eingeborene Bevölkerung besteht aus ungefähr 200 Negern, die ständig in Villas-Cisneros leben, 60 vornehmen Berbern und einer Anzahl von „Passanten", die mit Karawanen dorthin gekommen sind, um sich zu verproviantieren. Die weiße Bevölkerung besteht aus 150 Soldaten und Offizieren der Garnison und einigen vierzig Fliegern und Mechanikern. Das Leben in dieser kleinen Garnison ist ebenso monton wie an irgend einem anderen kleinen Platz in der Heimat. Nur die Flieger können von Zeit zu Zeit dem ewigen Einerlei entfliehen, wenn sie zur Erledigung topographischer Aufgaben einen ihrer häufigen Flüge landeinwärts unternehmen.
Die Eingeborenen widmen sich ausschließlich dem Fischfang, denn der ganze Reichtum von Villa- Cisneros besteht in der Industrie der Fischverwertung. Es gibt im Land nur einige reiche Mauren und mohammedanische Geistliche, die nicht arbeiten. Diese Bevorzugten besitzen fünf bis sechs Frauen, die sie für einige Meter Leinwand oder ein Kamel den Stämmen im Innern abgekauft haben, und verfügen außerdem über männliche und weibliche Sklaven, die von den zahlreichen Händlern an der Küste und im Innern feilgeboten werden. Herren wie Sklaven stehen auf einer sehr niedrigen Stufe der Ziv lisation' „Eines Abends", schreibt der Mitarbeiter der „Ahora", „hatten wir im Hof eines Hauses ein
gibt wenigstens im hohen Greisalter der Welt ein gutes Beispiel.'
AadioftSrunsett - Sonneer- Kgna'er
Alle 27 Tage Luflstörungen
Die im Radioapparat beim Fernempfang auftretenden Störgeräusche, die durch Knattern, Brodeln oder Zischen einen klaren Empfang häufig sehr störend beeinflussen, hat man bisher als schnelle elektromagnetische Aenderungen des Erdfeldes gedeutet, die den Empfänger zu gedämpften Schwingungen anregen. Als Urheber der „Luft- störungen" wurden im allgemeinen Gewitter und alle elektrisch getriebenen Apparate betrachtet, bei deren Lauf, wie es z. B. beim Elektromotor der Fall ist, ständig kleine Funken entstehen, die als Schwingungen in der nächsten Umgebung den Rad io- Fern emp fang empfindlich beeinflussen können.
Umso erstaunlicher klingt nun die Nachricht, daß es gelungen ist, nachzuweisen, daß der Hauptherd der Luftstörungen in den höchsten Schichten der Atmosphäre zu suchen ist, und daß man direkt die Ankunft der von der Sonne in die Erdatmosphäre hineingsschleuderten Elektronen crbhören kann.
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für spanische Putschisten
halbes Hundert Eingeborene vor einer Projektions- flgche versammelt, auf der wir einen am Morgen dieses Tages aufgenommenen Film ablaufen liehen. Als unsere Gäste sich selbst auf der Leinwand erblickten, sprangen sie auf und rannten in panischem Schrecken davon".
Im Allgemeinen sind die Beziehungen zwischen Weißen und Eingeborenen gut. Von Zeit zu Zeit unterbricht eine kleine Sensation den tristen Alltag. Ein beliebter Trick der Eingeborenen besteht darin, einen Soldaten, den die trostlose Langweile seiner kühlen Ueberlegung beraubt hat, zur Desertation zu überreden. Sie versprechen ihm hoch und heilig, ihn sicher durch die Wüste zu geleiten bis zum nächsten bewohnten Platz, wo er ohne Gefahr weiterkommen kann. Nach 50, 60 Kilometern verlassen sie den Aermsten unter irgend einem Vorwand, mitten in der Wüste. Einige Stunden später tauchen andere Eingeborene auf, die vortrefflich Ueberrafchung heucheln können, und die sich erbieten, den Flüchtling nach Villa-Cisneros zurückzubringen. Der Deserteur, der schon den qualvollen Dursttod der Wüste vor Augen sah, ist damit zufrieden und ergibt sich in sein Schicksal. Er weiß ja nicht, daß das Ganze ein abgekartetes Spiel war, mit dem sich die Eingeborenen die recht ansehnliche Prämie auf Ergreifung eines Deserteurs verdienen. Flieger, die im Innern des Landes zur Notlandung gezwungen werden, müssen sich manchmal mit einem schweren Lösegeld loskaufen.
Diese Sorte Eingeborene ist freilich nicht sehr zahlreich; die übrigen halten auf gutes Einvernehmen verkaufen ihre Waren und Lebensmittel, ohne den Europäer zu übervorteilen. Schulen gibt es in Villa-Cisneros nicht, nur der Sohn eines vornehmen Berbers, der jungten: Pablo, unterrichtet die Kinder und einige Analphabeten unter den Soldaten. Das Leben in Villa-Cisneros ist keineswegs so schrecklich, wie man es hin und wieder liest. Natürlich müssen die Menschen dort viel entbehren. Wer nicht verzichten kann, der wird das Dasein bald unerträglich finden. Ein Weißer, der ohne Frau nach Villa-Cisneros kommt, muß das Leben des asketischsten Einsiedlers führen. Man sieht in Villa- Cisneros außer den vier oder fünf Offiziersfrauen, nur Negersklavinnen, zerlumpte und vor Schmutz starrende Gestalten, die dem Europäer ein Grauen einflchen müssen.
Dr. F. Schindelhauer vom Potsdamer Meteorologischen Observatorium hat in jahrelanger müh- amer Arbeit Anzahl und Richtung der Radio- törungen von besonders konstruierten Apparaten aufzeichnen lassen und bei der Auszählung der „Luftstörungen eine 27 tägige Periode festgestellt. Diese 27 tägige Wiederholung eines Störungsimpulses läßt aber den sicheren Schluß zu, daß die Quelle der Störungen in der Sonne zu suchen ist. In 27 Tagen nämlich vollendet der mögliche Ausgangspunkt der Raidiostörungen — als solchen kann man einen Sonnenfleck annehmen — einen Umlauf.
In den Sommermonaten tritt diese Erscheinung nicht so klar zu Tage, well, die besonders von den Blitzen herrührenden Störungen dle Verhältnisse verwischen. Im Winter dagegen kann die Herkunft des größten Teils der Störungen angegeben werden. Sie entstammen den höchsten Luftschichten, die einem dauernden Elektronenbombardement der Sonne ausgesetzt sind. In diesen Schichten entstehen auch, die Polarlichter, die nichts weiter sind als infolge der Elektronenbeschießung aufleuchtende, in diesen großen Höhen äußerst verdünnte, irdische Luft. Ein Sonnenfleck aber ist ein Zentrum erhöhter elektrischer Aktivität auf der Sonnenoberfläche. Von ihm werden viel mehr Elektronen, als es sonst durchschnittlich geschieht, abgeschleudert, die bei ihrem Auftreffen auf unsere Lufthülle das elektromagnetische Feld beeinflussen.
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Ein hübscher und billiger Sport ist das Segelschwimmen. Der Schwimmer braucht sich nur an einem eigens konstruierten leichten Segel festzuhalten und kann sich dann von ihm mühelos in der Rückenlage durch die Wellen treiben lassen.
Wenn man jetzt wieder einmal am Radioapparat langdauernde Störgeräusche vernimmt, so kann man sicher sein, direkte Signale von der Sonne selbst aufzufangen. Eine Tatsache, die noch bis in die letzte Zeit für unmöglich gehalten worden ist, nunmehr aber durch systematische Forschung erwiesen wurde.
Vevekne. Veviammlunseu
hundefreunde e. V Am Samstag, 8 Oktober, abends 7.30 Uhr, treffen sich die Mitglieder und Interessenten mit ihren Hunden in der Vereinshütte an der Krummen Kinzig. Unter Führung von Polizeihauptwachtmeister Arthur Lindner findet eine Nachtübung statt. 973
Gesangverein der Marienkirche Der gemeinsame Herbstspaziergang nach Hochstadt findet morgen nachmittag unter allen Umständen statt. Treffpunkt 3 Uhr an der Rosenau. 977
TFL. Ab 11. d. M. fährt die Schwimmabteilung jeden Dienstag 19.10 Uhr ab Cafè Schneider zum Fechenheimer Hallenbad. Gäste sind herzlich willkommen. 978
Turn- u. Sportvereinigung 1860 (Turnerinnenabteilung). Montag 8 Uhr Versammlung im Heim (Weihnachtsprogramm). 979
Marine- und Koloniallruppen-Verein. Der Besuch der Kolonialausstellung, die in der Stadthalle vom 8. bis 16. Oktober stattfindet, kann den Kameraden nur empfohlen werden. Samstag, den 8. Oktober, nachmittags 5.30 Uhr gemütliches Beisammensein im Vereinslokal Reiß mit den Käme- raden des China- u. Afrikakriegervereins Frankfurt.
Verein ehem. 80er. Den Kameraden zur gefl. Nachricht, • daß unsere Monatsversammlung am Dienstag, den 11. b. M., abends 8.30 Uhr im Vereinslokal stattfindet. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. 976
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Wir bitten die Mitglieder unserer Gemeinde, welche das übersandte Rundschreiben noch nicht beantwortet haben, um umgehende Rückgabe des ausgefüllten Fragebogens. —
Falls einige Mitglieder keinen solchen erhalten haben, bitten wir um Angabe ihrer Adresse an: Frl. O. Koch, Marienstraße 7. 7667
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