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Dienstag, den 4. Oktober 1932

Nr. 233

außerordentlichen Tagung der Völkerbundsverfamm- lung im November wird das Ratskomitee das Da­tum der Konferenz endgültig festfetzen. Man spricht davon, daß die Konferenz am 1. oder 20. Februar nächsten Jahres zusammentrelen soll,

Regierung erscheint nicht vor dem SluStvSvtige« Ausschutz

Berlin, 3. Okt. Der Auswärtige Aus­schuß des Reichstages ist von seinem Vor­sitzenden, dem Abgeordneten Dr. Frick (R. S.), für Dienstag, 11. Oktober, einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht ein Bericht über die Lausanner Verhandlungen.

Wie das Nachrichtenbüro des VdZ. erfährt, hat vor der Einberufung des Auswärtigen Ausschusses ein Briefwechsel zwischen dem Ausschuß­vorsitzenden Dr. Frick und dem Reichsaußen­mini st e r stattgefunden. Dr. Frick hat dem Mi­nister seine Absicht mitgeteilt, den Ausschuß für den 11. Oktober einzuberufen und gefragt, ob der Mi­nister bereit sei, in der Ausschußsitzung zu er­scheinen. Er hat hinzugefügt, er könne sich vor­stellen, daß die Reichsregierung selbst im Hinblick auf die schwierige außenpolitische Lage des Reiches Wert darauf lege, mit dem Auswärtigen Ausschuß in Fühlung zu treten, um womöglich eine Stütze für ihre Politik zu finden. Reichsaußenminister Frei­herr v. Neurath hat darauf mit einem Schrei­ben geantwortet, in dem es heißt: Den Nutzen eines politischen Gedankenaustausches zwischen der Reichsregierung und dem Auswärtigen Ausschuß will ich keineswegs in Abrede stellen. Zu meinem Bedauern bin ich jedoch nicht in der Lage, vor dem Auswärtigen Ausschuß zu erscheinen, solange nicht die ihnen bekannte Frage der Teilnahme der Reichsregierung an den Ausschüssen des Reichstages geregelt ist. Was den von Ihnen in Aussicht ge­nommenen Termin betrifft, so darf ich ergebenst darauf Hinweisen, daß die Völkerbundsversammlung voraussichtlich am 11. Oktober noch nicht abgeschlossen ist, so daß, vorausgesetzt, daß die prinzipielle Frage geregelt wird, die Herausschiebung des Termins zu empfehlen wäre. Dr. Frick hat daraufhin, wie bereits mitgeteilt, den Ausschuß trotzdem für den 11. Oktober einberufen.

Angevechtfevtiste Angriffe sege« de« Reichskanzlev

Berlin. 3. Okt. In der nationalsozialistischen Presse sind in letzter Zeit verschiedentlich persön­liche Angriffe gegen den Reichskanzler v. Papen erhoben worden. Zu der Behaupung einer Thü­ringer Zeitung unter der Ueberschriftv. Papen als Vetter", der Reichskanzler habe eine in Not geratene Anverwandte und Jugendgespielin mit Geld unterstützt, wird von zuständiger Stelle sestgestellt, daß dem Reichskanzler täglich zu Dutzenden Unterstützungsanträge zugehen, die er, wenn möglich, aus privaten Mitteln befriedigt. Die von dem nationalsozialistischen Blatt erwähnte Dame ist dem Reichskanzler persönlich überhaupt nicht bekannt. Auch sie selbst scheint offenbar in dem Reichskanzler keinen Verwandten und Jugend­gespielen wiederzuerkennen, da sie ihr Schreiben mit der AnredeSehr geehrter Herr Reichskanz­ler" beginnt.

Weiter wird in einer nationalsozialistischen Bro­schüre die Gattin des Reichskanzlers als Französin und Verwandte von Schneider-Creuzot bezeichnet und be­hauptet, daß der Schwiegervater des Kanzlers sich an der separatistischen Bewegung beteiligt habe. Die Gattin des Kanzlers ist weder Französin, noch ist sie mit Schneidcr-Creuzo: verwandt, und da der Schwiegervater bereits 1908 gestorben ist, ist schon deshalb seine Beteiligung an separatistischen Bewe­gungen nicht möglich gewesen.

Sst das wahr?

Eine schwerwiegende Veröffentlichung des Stahlhelms-

Berlin, 3. Okt. In einer außerordentlich schar­fen Form polemisiertDer Stahlhelm", das Organ des Bundes der Frontsoldaten, gegen die Nationalsozialisten und bringt Forderungen zur Sprache, die Hitler Mitte August in den bekannten Besprechungen über die Beteiligung der National­sozialisten an der Regierungsbildung aufgestellt haben soll.

DerStahlhelm", das Organ des Bundes der Frontsoldaten schreibt:

Herr Hitler hat in den Verhandlungen, die Mitte August mit den Beauftragten des Reichs­präsidenten stattgefunden haben, nicht nur den Reichskanzlerposten für sich verlangt, sondern dar­über hinaus, sozusagen als Vorleistung, gefordert, daß ihm vor der Amtsübernahme

drei Tage lang die Straße (unter Zurückziehung der staatlichen Machtmittel) für seine SA. freigegeben werde.

DieEroberung der Macht", zu der er sich nicht fähig fühlte, sollte also wenigstens unter freund­licher Hilfsstellung des Reichspräsidenten markiert werden. Angesichts dieser Tatsache, die, wie wir ausdrücklich feststellen möchten, durch kein Dementi aus der Welt zu schaffen ist, nimmt sich der vom Angriff" für die Nationalsozialisten in Anspruch genommene Wahlspruch:Deutschland muß leben, und wenn wir sterben müssen" einigermaßen selt­sam aus. Uns scheint, es hätten einige andere sterben müssen, wenn Herr Hitler Deutschland hätte regieren dürfen."

Soweit derStahlhelm". Seine Veröffentlichung ist so schwerwiegend, daß die an jenen Verhand­lungen im August beteiligten amtlichen Stellen sich hierzu umgehend äußern müssen.

Rekchsiuso«dta» der «SNA«

Ansprache Hitlers

Potsdam, 2. Okt. Gestern wurde hier der erste R eichsjugendtag der Nationalsozia­listischen Partei abgehalten, an dem etwa 90 000 Jugendliche aus dem ganzen Reich teilnah­men. Gestern abend war eine Massenkund­gebung im Stadion. Nach Begrllßungswor- tcn des Reichsjugendführers nahm Hitler das Wort. Wenn w>r heute, so führte er u. a. aus, von Versuchen sprechen, die deutsche Not zu besei-

Devifenstveit mit Stave«

Lahmles««» des deutschen Exportes nach Statte« VevftândisunssverhandMnge« eiuseleitet

Berlin, 3. Okt. Die italienische Regie­rung hat am Samstag eine neue Devisenrege­lung in Kraft gesetzt, die als gegen Deutschland ge­richtet angesehen werden muß. Danach sind die italienischen Banken angewiesen worden, den Im­porteuren deutscher Waren die zur Bezahlung notwendigen Devisen zu sperren. Sie haben ihre Leistungen aus den in italienischem Besitz befind­lichen Marksperrkonten in Deutschland zu entrich. len. Nach ihrer Ausschöpfung sollen den italieni­schen Ausfuhrfirmen nur 25 v. h. der Rechnungs­beträge für deutsche Waren an Devisen zur Ver­fügung gestellt werden, die restlichen 75 v. h. aber in Lire in Italien hinterlegt und dafür Anweisun­gen auf neu sich bildende italienische Sperrkonten als Zahlungsmittel ausgegeben werden. Damit ist die deutsche Ausfuhr nach Italien aufs äußerste ge. fährdet.

Die Bestimmungen der neuen italienischen De- viscnverordnung sind bedeutend ungünstiger für Deutschland als die, die Deutschland für seinen Devisenverkehr mit anderen Ländern getroffen hat. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, werden deutscherseits Gegenmaßnahmen erfolgen. Nach der ganzen devisen- und wirtschaftspolitischen Situa­tion ist es für Deutschland nicht möglich, die Devi­senregelung von der Frage abhängig zu machen, ob wir mit diesem oder jenem Lande freundschaft­lich stehen. Für Deutschland ist es nur eine einheit­liche Regelung aller Staaten gegenüber denkbar. Ein Kompromiß mit einem einzelnen Staat würde dadurch sofort illusorisch gemacht werden, daß dann alle anderen Länder die gleichen Bedingungen für sich in Anspruch nehmen würden.

Eine deutsche Devise«- kommission «ach Rom

Beschluß über eventuelle Gegenmaßnahmen

B e r l i n, 3. Okt. Wie das ENB.-Büro erfährt, wird sich in den nächsten Tagen eine Sonderkom­mission nach Rom begeben, um mit der italienischen Regierung wegen des Devisenkonfliktes zu verhan­deln. Diese Kommission ist nicht mit der Konlingen- iierungsdelcgalion zu verwechseln, die vom Haag direkt nach Rom fährt, so daß also die Verhand­lungen in Paris und Kopenhagen erst später an­geschlossen werden.

Die WitM

der Bayerischen Volkspartei

Eine programmatische Rede des Staatsrates Schâffev

München, 3. Okt. In der Sitzung des Lan­desausschusses der Bayerischen Volks­partei nahm der Parteivorsitzende, Staatsrat Schäffer, in einer längeren Rede zu den poli­tischen Problemen Stellung. Er erklärte u. a., daß es Pflicht jeder Reichsregierung und jeder staats­treuen politischen Richtung in Deutschland sein müsse, die Arbeitsfähigkeit der gesetzgebenden öffent­lichen Körperschaften im Reich möglichst bald herzu­stellen. Nicht um die Bildung von Koalitionen, nicht um das Streben nach einer Regierungsbe­teiligung ging es, sondern darum, den Boden für ein deutsches Rechtsleben wieder zu festigen und so die Zusammenarbeit einer arbeitsfähigen Regie­rung, gleichgültig wie sie heiße, mit einer Mehrheit im Parlament wieder herzustellen. Das unbe­gründete Mißtrauen der Reichsregierung, behauptete der Redner, habe im letzten Reichstag der Erfüllung dieses Zieles hindernd entgegengestanden. Die BVP. sei bereit gewesen, der Reichsregierung Gehör im Reichstag zu verschaffen. Die BVP. wolle, daß die Schwächen des parlamentarischen Systems beseitigt würden, aber sie wende sich dagegen, daß das Mitbestimmungsrecht des deutschen Volkes an seinem Geschick aufgehoben werde.

Der Weg der Verfassungsreform müsse föderativ sein und unter maßgebender Mitbe­stimmung der Länder und ihrer Vertreter im Reichsrat begangen werden. Die Partei werde im Reichstag dafür sorgen, daß entweder schleunigst ein Ausführungsgesetz zu Artikel 48 zustandekomme oder eine Aenderung des Artikels 48 vorgenommen werde.

Die Bayerische Volksparlei wünsche der Re ich sr eg ierung in der Erfüllung ihres W irtfch aftsprogr amms den Er­folg, der allein über feinen Wert entscheiden werde. Sie sehe aber die Gefahr, daß sich auf die allernächsten Jahre eine solche Menge von Schuld­titeln des Reichs häufe, daß ernsthafte währungs­politische Gefahren entstehen könnten. Kein Experi­ment auf wirtschaftlichem Gebiet fei eine Gefähr-

tigen, so wissen wir, daß diese Versuche nicht von oben ausgehen, nicht von einer tn den Wolken schwebenden Regierung, sondern daß sie ausgehen müssen von dem Volke selbst, das wieder lernen muß. sich als Volk zu fühlen und als Volk zu handeln. Weil das Volk das vergessen hat, sind wir von unserer stolzen Höhe gestüzt worden. Wir müssen es von neuem lernen, wenn wir wieder vor der Welt Bestand haben wollen. Wir werden es nicht lernen in den Generationen, die vergehen, sondern die Generation muß es lernen, die heute kommt. Das ist die große Aufgabe, die sich unsere Bewegung gesetzt hat. Ein solcher Kampf kann nicht früh genug beginnen, eine solche Erziehung nicht früh genug einsetzen. Niemals, so rief Hitler unter stärkstem Beifall aus, niemals, meine deut­schen Jungen, beuge vor dem Unrecht dein kleines Haupt! Sei stolz und trutzig, füge dicht nicht, wenn dich andere zu einem Unrecht zwingen wollen! Verlaß nie dein Volk, und bleib ihm am treuesten dann, wenn es in größter Not und Gefahr ist. Hitler schloß mit dem Ruf:Deutschland erwache!" Nach dem Horst-Wessel-Lied leitete der Große Zapfenstreich zum Deutschlandlied über. Ein Feuer, werk bildete den Abschluß der Kundgebung.

Die Devisenkommission besteht aus je einem Vertreter des Auswärtigen Amtes, des Reichswirl- schuftsministeriums und der Reichsbank. Die Reichsregierung hat sich, wie schon aus der Ent­sendung der Kommission hervorgeht, bereits mit dem Konflikt beschäftigt und die Gegenmaß­nahmen beraten, die zu ergreifen sind, wenn die Bemühungen der Kommission zum Ziele füh­ren. Dabei ist bereits volle Einigkeit über diese Maßnahmen erzielt worden.

*

Die neue italienische Devisenordnung bedeute indirekt einen außerordentlich schweren Schlag für den deutschen Handel. Sie bestimmt nämlich, daß für die Einfuhr deutscher Waren nach Italien nur soviel Mittel vorhanden sein dürfen, wie dies die deutschen Konten in Italien zulassen. Da der deutsche Handel mit Italien stark aktiv ist, Deutsch­land also nach Italien mehr ausführt als aus Italien einführt, so ist ohne weiteres klar, daß die Verfügung der faschistischen Regierung geeignet ist, die deutsche Einfuhr erheblich herabzudrücken. Die italienische Maßnahme ist eine Folge der Kündi­gung des bisher bestandenen Devisenabkommens seitens Deutschlands. Sie steht aber zweifellos auch in gewissem Zusammenhang mit der Kontingen­tierungspolitik Deutschlands, die aus die Beschrän­kung der Einfuhr ausländischer Lebensmittel hin­ausläuft. Italien ist um das Schicksal feiner Obst­ernte besorgt. Die deutsche Kommission, die in ver­schiedenen europäischen Hauptstädten Besprechun­gen über die Kontingentierung führt, befindet sich auf dem Wege nach Rom. Sie wird dort eine Situation vorfinden, die für Deutschland recht un­günstig ist. Es ist sehr bedauerlich, daß Italien, dessen Außenpolitik in vielen Punkten eine An­näherung an die deutsche aufweist, sich zu einem schwerwiegenden Kampfschritt auf wirtschaftspoli­tischem Gebiet entschlossen hat. Die Aktion Italiens ist nicht geeignet, einer Besserung deutsch-italieni­scher Beziehungen zu dienen. Die Stellen, die für die Wirtschaftspolitik Deutschlands verantwortlich sind, werden alles aufbieten müssen, um die Sym­pathie, die Italien Deutschland gegenüber hegt, nicht ganz zu verscherzen.

dung der Währung wert. Keine Hoffnung auf zu­künftige- Ereignisse könne einen Schritt zur Inflation hin entschuldigen. Die sozialpolitischen Maßnahmen der letzten Notverordnung gingen über das erträg­liche Maß hinaus. Der soziale Friede dürfe nicht in Mitleidenschaft gezogen und die soziale Gerechtig­keit nicht zu schänden werden. Die deutsche Not müsse -gemeinsam getragen werden. Die Bayerische Volkspartei wünsche, daß die wirtschaftlichen Hilfs­maßnahmen der Reichsregierung, vor -allem auch jene auf landwirtschaftlichem Gebiet, allen deutschen Ge­bietsteilen zugute kämen. Sie lehne auch hier den Zentralismus ab, der möglichst viol öffentliche Gel­der in Berlin zusammenr-afse und dort immer neue Geldinstitute erstehen lasse. Sie sei ein Fe i n d einer unkontrollierbaren Subven­tion spolitk, die überwiegend bestimmte Ge­bietsteile begünstige, die an sich schon mit Reichs­aufträgen bevorzugt feien.

Zum Schluß bemerkte Schäffer, die Bayerische Volkspartei sei ungeachtet der Person bereit, jede Regierung zu unterstützen, die verfassungs­mäßige Zustände im Reich gewährleiste, die Rechte des Volkes achte, den Kampf gegen Un­glaube und Hoffnungslosigkeit führe und den konstitutionellen Frieden im Volke zu wahren wisse.

Bayern -lasse sich aber nie dazu herbei, nur wil­lenloser Gegenstand Berliner Politik zu sein. Ganz offen l e h n -e d i -e Bayerische V o l k s p a r - te i das Spiel der ewigen Reichstags- a u f l ö f u n g e n a b. Es könne schon zweifelhaft sein, ob die zweite Reichstagsauslösung dem Sinn und dem Geist unserer Verfassung entspreche. Eine neuerliche Reichstagsauflösung möge der Vor­wand sein, wie immer würde sie als offenen Verfassungsbruch betrachten, und sie sehe sich dann gezwungen, einen Derfassungskampf aufzunehmen.

Die programmatische Rede Schäffers wurde vom Landesausschuß der Bayerischen Volkspartei ein­

stimmig gebilligt.

Roch zwei Gemeindetvahle«

Sonneberg, 3. Okt. Obwohl im Dezember in Thüringen allgemeine Gemeinderatswahlen statt­finden, mußte am Sonntag in der Gemeinde Köp­pelsdorf bei Sonneberg der Gemeinderat neu gewählt werden, da der alte wegen Differenzen mit dem Staatsbeauftragten aufgelöst worden war. Die Wahlen erfolgten bei sehr schwacher Beteili­gung, und es wurden abgegeben für die National­sozialisten 492 (822 bei den letzten Reichstagswah­len), Bürgerliche 215 (116), SPD. 262 (450), Kom­munisten 643 (846).

Neustadt (Odenwald), 3. Okt. Bei der gestrigen Bürgermeisterwahl machten von 582 Wahlberech­tigten 520 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Es ent­fielen auf den Beigeordneten Schäfer (bürgerl.) 232 (bei der Landtagswahl am 19. Juni 1932 er­hielten die entsprechenden Parteien 27) Stimmen, Franz Brunner (Kommunist) 163 (219) Stimmen, Albert Hottmann (SPD.) 78 (41) und auf den Landtagsabgeordneten Karl Lenz (NSDAP.) 45 (238) Stimmen. Zwischen Schäfer und Brunne: findet am kommenden Sonntag Stichwahl statt.

Gerüchte «m Dr. Scholz

Die Stellung des Rundfunkkommissars erschüttert

Berlin, 3. Okt. Hier hält sich heute früh trotz 1 eines Dementis der zuständigen Stellen das Ge­rücht, daß die Stellung des Reichsrundfunkkom- - miffars Dr. Scholz erschüttert sei und man in ab- feßbarer Zeit mit seinem Rücktritt oder seiner Ab- berufung rechnen müsse. Anlaß zu dem Gerücht! gaben offenbar ernstliche Meinungsverschiedenhei­ten zwischen Scholz und dem Reichsminister des Innern, Freiherrn von Gayl. Auch mit seinen r eignen Mitarbeitern soll der Reichsrundfunkkom­missar Auseinandersetzungen gehabt haben. Schließ­lich wird noch behauptet, die Länder seien gegen die Eigenmächtigkeit, mit der Scholz in die Befug­nisse der Sendegesellschaften und ihre Programm- - gestaltung eingegriffen habe, sehr aufgebracht und verlangten die beschleunigte Festsetzung der viel­genanntenRichtlinien", auf welche die zustän- - digen Stellen der unzufriedenen Oeffentlicbkeit i gegenüber immer wieder hingewiesen hätten. Tat­sächlich hat das bayrischeRundfunkreferat", das - den bayrischen Sender von der Neureglung so gut wie unberührt läßt, die übrigen Länder stark ver­stimmt, und es verlautet, daß Preußen durch sei­nen Rundfunkkommissar gegen die Sonderbehand­lung Bayerns Einspruch erheben will. Da Dr. . Scholz dieser Tage einen schon seit längerer Zeit geplanten Urlaub antritt, dürften die Verhand­lungen des Reichsrats über dieRichtlinien" wohl auch noch bis zu feiner Rückkehr aufgeschoben wer­den. Die Schwierigkeiten, die sich bei der Neu­ordnung des Rundfunks ergaben, sind nach all dem noch lange nicht überwunden.

Abgelehnle Rundsunkankräge

Der Unterrichtsausschuß des Landtags beschäf­tigte sich heute mit einem nationalsozialistischen Antrag über eine Beschäftigung nur deutsch­stämmiger Künstler und Geistesarbeiter beim Rund­funk, um den notleidenden Künstlern und Geistes­arbeitern Erwerbs- und Schaffensmöglichkeiten zu geben, die bei der heutigen Besetzung des deutschen Rundfunks mit artfremden und ausländischen Kräf­ten, wie es in dem Antrag heißt, in übermäßigem Umfang diesen Kräften zugute kämen. Der An­trag wurde jedoch gegen die Stimmen der Antrag­steller und der Deutschnationalen abgelehnt, des­gleichen eine von den Deutschnationalen beantragte mildere Fassung: ebenso wurde ein Zentrums­antrag abgelehnt, die Rundfunkkräfte stärker als bisher in den Dienst christlicher und deutscher Kul­tur zu stellen.

RsueMststtuuse« auf Grund der Rotvevord»««»

Berlin, 3. Okt. Nach dem Bericht des Schlich­ters für den Bezirk Südwe st deutschland sind seit dem 25. September bis einschließlich 1. Oktober 1932 auf Grund der Notverordnung vom 5. September rund 1700 Arbeiter und Ange­stellte neu eingestellt worden. Die Neueinstellungen sind hauptsächlich erfolgt tn der Textilindustrie, dem Bekleidungsgewebe und bei dem Maschinen«, Apparate- und Fahrzeugbau.

Im Schlichterbezirk Scblesien sind bis zum 1. Oktober 1932 in 54 Betrieben rund 1600 Neu- einstellungen erfolgt

In der Provinz O st p r e u ß e n ist im Bau­gewerbe eine Reihe von Neueinstellungen vorge­nommen worden.

Verbot der barseldlose« .

Arbeitsgemeinschaften

Berlin. 3. Off. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mikteilt, hat Dr. Bracht unter dem 27. September einen Erlaß über bargeldlose Ar­beitsgemeinschaften herausgegeben, der sich gegen die Versuche richtet, durch Schaffung sogenannten Girogeldes oder dergleichen und unter Mithilfe be­sonderer zu diesem Zwecke gebildeterArbeits­gemeinschaften" (Ausgleichskassen und ähnliche Or­ganisationen) einen besonderen Zahlungsverkehr ins Leben zu rufen. Ein solches Verfahren, heißt es in dem Erlaß, begegne schwerwiegenden Bedenken. Es handelte sich um eine neue Art der Geld­schöpfung, die ernste währungspolitische und kreditpolitischi' Gefahren in sich schließe. Soweit an solchen Verfahren Gemeinden und Gemeinderver- bönde beteiligt sein sollten. soll diese Beteiligung so­fort aufgegeben werden und neue Beseitigungen sol­len nicht mehr erfolgen.

Letzte Telegramme

Vevkehrsfireiß in Kambuvs

Hamburg, 4. Okt. Auf der Landdörfer- Bahn, dem Teil des Hamburger hochbahnnehes, der die sehr weit entfernten nördlichen Vororte mit der Stadt verbindet, ist heule morgen durch die Technische Nothilfe ein Notverkehr eingerichtet worden. Es wurden 70 Mann eingesetzt. Die Poli­zei sorgte für ihren Schutz.

Besprechungen cSevriots mH Tyrell

Paris, 4. Okt. Zu der Unterredung, die Mi­nisterpräsident Herriot gestern abend mit dem eng­lischen Botschafter Lord Tyrell Halle, glaubt Excelsior" milteilen zu können, daß es sich dabei um die Verabredung der Wiederaufnahme der eng- lischfranzösischen Verhandlungen in der Ab- rüstungsfrage handle, die infolge der Umbildung des englischen Kabinetts für einige Zeit unter­brochen worden feien. Man nimmt an, daß der englische Außenminister heute bei seinem kurzen Aufenthalt in Paris den französischen Ministerprä­sidenten über die Ausarbeitung der verschiedenen in Genf vorbereiteten Pläne über eine Abrüstungs­formel wird unterrichten wollen und daß der eng­lische Botschafter diese Unterredung bereits vor­bereitet habe.

SC Todesopfer eines Wolkenbruches

London, 4. Oft. Nach Meldungen der Times- sind bei Tchachapi Eanon (Kalifornien) 80 Leichen aufgefunden wurden, die bei dem Wolken- bruch am Sonntag ertrunken sind. 13 weitere Per­sonen werden vermißt.

(Weitere politische Meldungen Seite 7)