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1932
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Leben nicht vorkomme — doch der 85. Geburtstag unseres Reichspräsidenten wird den Beweis erbringen, daß es auch Ausnahmen von dieser Regel gibt. Gewiß, wird auch der 2. Oktober 1932 noch nicht die ganze Ration einig finden, in der Verehrung und Dankbar
keit gegenüber einen ihrer Größten, aber der überwiegend größte Teil des deutschen Volkes wird morgen seinen Hindenburg feiern, wird dem Manne innigen Dank sagen, dessen Taten auf ewig der Geschichte eingemeißelt wurden.
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Das deutsche Volk kennt den Lebenslauf Hindenburgs in allen wichtigen Daten. Ehe er zum ersten Male zum Reichspräsidenten gewählt wurde, war sein Name bereits in aller Munde. Er war der erfolgreichste und populärste Feldherr des Weltkrieges. Er war der gute Genius des deutschen Soldaten, des jungen Kriegsfreilligen genau so wie des alten Landsturmmannes. Die Scblachten- namen von Tannenberg und Masuren leuchten bis in unsere Tage. Als das deutsche Volk im Jahre 1916 zu außerordentlichen Anstrengungen aufgerufen wurde, nannte man das Programm dieser inneren und äußeren Rüstung das „Hindenburg-Programm". Wenn dieses Programm nicht zum Siege verhalfen hat, so ist das nicht Hindenburgs Schuld. Als er 1916, zusammen mit Ludendorff, die verantwortliche Leitung des Krieges übernahm, da war es kaum noch möglich, eine schlechte Politik, wie sie seit der Jahrhundertwende getrieben worden war, mit militärischen Mitteln wieder einzurenken. Nicht die militärischen Siege wirkten sich aus, und nicht die beispiellose Widerstandskraft des militärischen Organismus, sondern die Politik, die auf „mehr scheinen als sein" ausgewesen, und die in den Krieg mit hinübergenommen worden war. Hindenburg ist und bleibt trotz aller schweren und tragischen Schatten, die über das Ende seiner militärischen Laufbahn fallen, der große Feldherr, der volkstümlichste Soldat Deutschlands.
Aber Hindenburg war mehr als ein großer Kriegsherr. Das hat er im November 1918 bewiesen, als er es über sich gewann, das vernichtete Heer in die revolutionäre Heimat zurückzuführen. Es ist nicht auszudenken, was aus dem Staate der Deutschen geworden . wäre, wenn an der Spitze des abgekämpften deutschen Heeres ein Mann gestanden hätte, der vor sich und den anderen hätte bekennen müssen: Es geht über meine Kraft, den Schritt aus meiner Zeit in die neue Zeit zu tun. Und der es bequemer gefunden hätte, die Dinge ihren Gang gehen zu lassen, den er ja nicht gewollt hatte. Er hat damit einen Grad von Vaterlandsliebe bewiesen, für den sich in der Geschichte schwer ein Gegenstück finden läßt. Er hat damit Deutschland vor dem Chaos, wahrscheinlich auch vor einer vorübergehenden Bolschewisierung gerettet und so das deutsche Volk vor maßloser Not bewahrt.
Nach Durchführung dieser letzten großen militärischen Aufgabe hatte sich Deutschlands ruhmvollster Soldat in das Privatleben zurückgezogen. Er lebte in einer Villa, die ihm die Stadt Hannover zur Verfügung gestellt hatte. In weiten Kreisen des deutschen Volkes wurde Hindenburg als Deutschlands bester Mann geliebt und verehrt. Es war ein geflügeltes Wort geworden, daß dieser Mann zu schade sei, um an einen politischen Posten gestellt und damit dem Parteigezänk ausgeliefert zu werden. So wurde er weder zum Reichswehrminister ernannt noch in ein Parlament gewählt. Hindenburg selbst äußerte immer wieder den Wunsch, daß er seinen Lebensabend in Ruhe und fern von den öffentlichen Geschicken verbringen wollte. Als aber im Jahre 1925 das deutsche Volk erstmals
Generalfeldmarschall von Hindenburg, des Deutschen Reiches Präsident, wird morgen fünfundachtzig Jahre! Man sagt zwar, daß Dankbarkeit eine Ware sei, die im politischen
aufgerufen wurde, sich selbst auf sieben Jahre das neue Staatsoberhaupt zu wählen, da richteten sich die Augen wieder auf den Mann, der in kritischster Stunde zum Vaterlande gestanden hatte, und Hindenburg übernahm trotz seines hohen Alters diese schwere Bürde. Sieben Jahre lang lenkte und verwaltete er als des Reiches erster Bürger in unparteiischer und korrekter Weise die deutschen Geschicke. Durch die lautere, streng verfassungsmäßige und mackellose Amtsführung wurden manche Gegensätze gemildert, viele Krisen überwunden und in schwierigsten Zeiten ein Element der Stetigkeit in die deutsche Politik getragen, die nicht möglich gewesen wäre, wenn ein Parteimann an Hindenburgs Stelle gestanden hätte. Deshalb wurde es auch freudig begrüßt, als Hindenburg sich im Frühjahr dieses Jahres erneut für sein schweres Amt zur Verfügung stellte. Er wurde wiedergewählt — wenn auch in der Mehrheit von anderen Volkskreisen, als bei der ersten Wahl — und er amtiert wiederum ohne nach links und rechts zu schauen; er geht den geraden Weg und hofft auf diesem Wege Volk und Vaterland der Auferstehung zuzuführen.
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Es ist die Liebe zu Volk und Vaterland, die Hindenburg auf diesem Wege Leitstern ist, die Hindenburg Wort und Tat eingibt — die Liebe, die nicht das Ihre sieht, sondern das des Andern, das von Volk und Vaterland. Es ist jene einzig wahre, wenn auch leider so seltene Sachlichkeit und Staatseinstellung, die jenseits von Gut und Böse der Partei nur dem Va-
terlande dienen will und dient. Die Entpoli- i tisierung jedweder Amtsführung und vater- kräftigt finden.
ländischer Gesinnung, die Befreiung von der Ueberspannung des Parteiwesens trotz Parteiüberzeugung — das ists, was Hindenburg unserer — seiner Zeit durch die Tat vorlebt. Möge es dem Reichspräsidenten, dessen Leben auch im biblischen Alter Arbeit ist, vergönnt sein, noch viele Jahre segensreich zu wirken, möge ein gütiges Geschick ihm und uns gewähren, daß sein Vorleben Gemeingut aller Deutschen werde! Das ist unser Geburtstagswunsch, mit. dem wir uns vor diesem Recken neigenR. H.
Atudenbuvstvovte
Reichspräsident von Hindenburg ist durch seine Taten ein Vorbild und ein Führer für das deutsche Volk geworden. Jeder fühlt, daß diese Taten in einer unerschütterlichen nationalen Gesinnung, in einem felsenfesten Glauben an unseren Wiederaufstieg und die Zukunft des deutschen Volkes wurzeln. In solcher inneren Geschlossenheit steht ein Mann vor uns, der über das Parteigewirr der Gegenwart hinausschaut in eine bessere Zukunft und der sein staatsmännisches Wirken nach einem hohen vaterländischen Ziele einrichtet, wie auf dem Schlachtfeld die Größe des Vaterlandes der Leitstern seines Tuns gewesen ist.
Blättern wir in dem Werke Hindenburgs „Aus meinem Leben", das 1920 bei S. Hirzel in Leipzig erschienen ist, so werden wir manches goldene Wort finden, das uns einen Einblick in die Gedanken- und Ge-
finnungswelt des Reichspräsidenten gewährt, und das wir in seinem Leben bestätigt und be-
„Als Mensch", so schreibt Hindenburg in der Einführung, „habe ich gedacht, gehandelt und geirrt. Maßgebend in meinem Leben und Tun war für mich nicht der Beifall der Welt, sondern die eigene Ueberzeugung, die Pflicht und das Gewissen". Wer sähe nicht in dem Leben des Reichspräsidenten diesen Grundsatz auf Schritt und Tritt verwirklicht?
„Inmitten der schwersten Zeit unseres Vaterlandes niedergeschrieben, entstanden die folgenden Erinnerungsblätter doch nicht unter dem bitteren Druck der Hoffnungslosigkeit" — so heißt es weiter an derselben Stelle. „Mein Blick ist und bleibt unerschütterlich vorwärts und aufwärts gerichtet".
Für diese Zuversicht finden sich in dem Werke viele Belege. Eins der schönsten dieser Bekenntnisse steht in dem Schlußkapitel: „Der alte deutsche Geist wird sich wieder durchsetzen, wenn auch erst nach den schwersten Läuterungen in dem Glutofen von Leiden und Leidenschaften. Unsere Gegner kannten die Kraft dieses Geistes; sie bewunderten und haßten ihn in der Werktätigkeit des Friedens, sie staunten ihn an und fürchteten ihn auf den Schlachtfeldern des großen Krieges. Sie suchten unsere Stärke mit dem leeren Worte „Organisation" ihren Völkern begreiflich zu machen. Den Geist, der sich diese Hülle schuf, in ihr lebte und wirkte, den verschwiegen sie ihnen. Mit diesem Geiste und in ihm wollen wir aber aufs neue mutvoll wieder aufbauen." An diesen Geist des deutschen Aufbauwillens und der nationalen Gemeinschaft hat Hindenburg immer wieder appelliert.
Das tiefe Verständnis für die nationalen Grundwerte eines Volkes möge aus einem Zitat sprechen, das dem Kapitel über Sedan entnommen ist. „Der Krieg ging (nach Sedan) weiter. Diese Fortsetzung des französischen Widerstandes hat man bei uns oft nur als eine unnütze französische Selbstzerfleischung angesehen. Ich konnte diesem Urteil nicht beistimmen und habe den Weitblick der damaligen Diktatoren den Beifall nicht versagen können. Zeigte sich doch darin, daß die französische Republik die Waffen da aufnahm, wo das Kaiserreich sie niederzulegen gezwungen war, meiner Ansicht nach nicht nur ein vorbildlicher patriotischer Geist, sondern auch ein weiter staatsmännischer Zukunftsblick. Ich glaube noch heute, daß Frankreich mit dem Versagen seines Widerstandswillens in diesem Augenblick den größten Teil seiner völkischen Würde und damit die Aussichten auf eine bessere Zukunft preisgegeben hätte". Hindenburg hat damit keinen Vergleich ziehen wollen. Aber wer dächte bei seinen Worten nicht an das Versagen des deutschen Widerstandswillens nach der Umwälzung des neunten Novembers?
Schließlich noch ein Wort Hindenburgs über die deutsche Wehrhaftigkeit, das wie auf die Gegenwart geprägt ist: „Es liegt in dem Gange der Ereignisse, daß man mit der Auflösung der alten Armee neue Wege zur Erziehung des Volkes und seiner Wehrkraft fordert. Ich verbleibe demgegenüber fest auf dem Boden der alten bewährten Grundsätze. Mögen es andere für nicht unbedingt entscheidend ansehen, durch welche Mittel und auf welchem Wege wir die Möglichkeit zu gleichen Leistungen wie bisher erreichen, darin werden sie gewiß mit mir übereinstimmen, daß es für die Zukunft unseres Volkes be- timmend ist, daß wir diese Möglichkeit überhaupt wieder erlangen. Es sei denn, daß wir auf unsere Stellung in der Welt verzichten wollen und uns zum Amboß herabwürdigen lassen, weil mir weder den Mut noch die Kraft mehr finden, zum Hammer zu werden, wenn es die Stunde gebietet."
Unsere Regierung kann sich bei der Vertretung unserer Wehrforderung keinen besseren Wahlspruch und Leitsatz wünschen.