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Jreikag, den 30. September 1932

Sette 9

\ , Nr. 230

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Gteuevkalendev für Oktobev

1 Reich:

Oktober: a) Inkrafttreten der Umsatzsteuererleich- terungen für den Verkehr mit Milch.

b) Inkrafttreten der Vorschriften über Steuergutscheine.

c) Zweite Halbjahresrate der Obliaa- tionssteuer.

ö. Oktober: Lohnsteuer, Ledigensteuer, Abgabe zur Arbeitslosenhilfe seitens der Arbeit­geber an die Ortskrankenkasse bzw. an das Finanzamt.

Preußen:

S. Oktober: Hauszinssteuer, Grundoermögenst. pp. Reich:

6. Oktober: Einreichung der Aufstellung über die getätigten Devisengeschäfte im Septem­ber für alle Unternehmen, die generell die Erlaubnis zum Devisenerwerb haben.

10. Oktober: Umsatzsteuervoranmeldungen und -Vor­auszahlungen für Monats- und Vier­teljahrszahler (Schonfrist 17. Oktober). Zweite Rate der Krisensteuer der Ver­anlagten. Bürgersteuer.

10. Oktober: Börsenumsatzsteuer für September.

10. Oktober: Anmeldung der eingegangenen Export­valuten.

24. Oktober: Bürgersteuer.

Hessen:

25. Oktober: Vierte Vorauszahlungsrate 1932 auf staatliche Grund-, Sondergebäude- und Gewerbesteuer laut Vorauszahlungs­bescheid (Schonfrist bis 5. November).

ein dreistes Diebes»««

Ein gewaltiger Schrecken fuhr einem Groß- > krotzenburger Einwohner in die Glieder, als er in der Frühe des 3. März feinen Stall betrat und das darinnen befindliche 1% Jahre alte Rind nicht mehr vorfand. Unbekannte Täter waren in der Nacht in den lediglich abgeriegelten Stall eingedrungen und hatten das Rind gestohlen. Vergeblich verfolgte zu­nächst die Polizei die kaum vorhandenen Spuren der nächtlichen Eindringlinge, die bei aller Vorsicht mit einer ungewöhnlichen Dreistigkeit zu Werke ge­gangen sein mußten. Erst zwei Tage später führte ein Zufall auf ihre Spur. Ein Spaziergänger hatte in einer Sandkuhle am Main, den Schauplatz der nächtlichen Abschlachtung des gestohlenen Rindes entdeckt. Kurz darauf erhielt auch der Landjäger eine vertrauliche Mitteilung, daß ein 48jähriger er­werbsloser Maurer in Großauheim eine größere Menge Fleisch in seinem Wohnzimmer aufbewahre und seinem Freund, einem gleichfalls erwerbslosen 47jährigen Schlosser, davon abgegeben habe. Die Landjägerei nahm sich der verdächtigen Sache so­fort an und schritt zur Haussuchung, die zirka 25 bis 30 Pfund Fleisch bei dem Verdächtigten zutage förderte, das der Besitzer angeblich bereits am 29. Februar für 20 Mark von einem Unbekannten auf der Landstraße gekauft haben wollte. Der rätselhafte Unbekannte habe größere Mengen Fleisch in einem Rucksack und in einem auf dem Fahrrad angebrach­ten Sack bei sich geführt. Als Kaufpreis habe der Fremde, den er von früheren Hamsterfahrten in den Kahlgrund her von Gesicht kenne, insgesamt 20 Mark verlangt und von ihm vorläufig 15 Mark erhalten. Das Geld habe er zu Hause geholt und ms dem Verkäufer, der so lange auf der Straße ge­wartet habe, zusammen mit dem Rucksack ausge­händigt. Die restlichen 5 Mark sollten zu einem späteren Zeitpunkt an der gleichen Stelle bezahlt «werden. Dem Freund habe seine Frau lediglich 1^2 Pfund für einen früheren Gefälligkeitsdienst gegeben. Dem Beamten kam die ganze Erzählung von £em großen Unnbekannten vom ersten Augen­blick an derart unglaubhaft vor, daß sie zur ein­gehenden Haussuchung schritten und eine Menge Kleidungsstücke beschlagnahmten, die Blutspritzer und^Tierhaare aufwiesen. Verstärkt wurde der drin­gende Verdacht der Beamten noch durch die höchst widerspruchsvollen Angaben der beiden Verdächti- r gen und ihrer Familienangehörigen. Die beiden vermeintlichen Viehldiebe wurden zunächst in Unter­suchungshaft genommen, aus der sie indes nach wenigen Tagen wieder entlassen wurden. Bei der

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Um endlich die Zahl der böswilligen Feuerwehr- Alarmierungen einzuschränken, die mancherorts ein Drittel sämtlicher Feuerwehrmeldungen aus­machen, wurde in Amerika ein Meldeapparat kon- strulert, der den Alarmierenden durch eine Fessel so lange festhält, bis die Feuerwehr angerückt ist.

gestrigen Verhandlung vor dem hiesigen Schöffen­gericht hatten beide Angeklagte insofern Glück, als die chemische Untersuchung der beschlagnahmten Kleidungsstücke bis auf einen Fall ziemlich negativ ausfiel und ein zunächst der Mittäterschaft verdäch­tiger Zeuge beschwor, den großen Unbekannten in der Tat bei dem einen Angeklagten auf der Land­straße gesehen zu haben. Das nachgewiesene Vor­handensein von Rinderhaaren an einer Hose erklärte der Angeklagte damit, daß er vor geraumer Zeit derartige Haare in seiner beruflichen Tätigkeit zur Speisbereitung verwendet habe, was ihm trotz aller Zweifel nicht widerlegt werden konnte. Die gleich­falls als Zeugen benannten Familienangehörigen machten von dem Recht der Aussageverweigerung Gebrauch. Im Gegensatz zum Vertreter der An­klage, der 8 bzw. 6 Monte wegen Diebstahls bean­tragt hatte, sah das Gericht nur Hehlerei für er­wiesen und erkannte auf je 2 Monate Gefängnis für beide Angeklagte, die nach Lage der Dinge über die unehrliche Herkunft des Fleisches unmöglich im Zweifel fein konnten.

Die Reichsbahn im Dienste der Winterhilfe

Frachlfreiheil für Liebesgaben

Wie im vorigen Jahr will die Reichsbahn auch in diesem Winter durch Gewährung von Frachtfrei­heit für die Winterhilfe zur Linderung der Not beitragen. Mit Wirkung vom 15. September werden Liebesgaben bei Aufgabe als Frachtgut frachtfrei befördert. Zu den Liebesgaben werden Lebensmittel, Kleidungs- und Wäschestücke sowie Heizmaterialien gerechnet, die von bestimmten gemeinnützigen Ge?- sellschaften beschafft oder gesammelt und von ihnen unentgeltlich an Arme, Notleidende oder Bedürftige zum unmittelbaren Gebrauch abgegeben werden. Zur Aufgabe der Sendungen werden von diesen gemeinnützigen Gesellschaften Spezialfrachtbriefe den Absendern zur Verfügung gestellt. Die Dauer dieser Frachtfreiheit ist bei jederzeitigem Widerruf bis spä­testens 31. März 1933 vorgesehen.

Oktobev

Wenn die Nebel steigen und das Laub fällt, tritt der Herbst seine Herrschaft an. Eigentlich rechnet schon der September zu den Hevbstmonaten, aber da er sich noch durch mildes und beständiges Wetter auszeichnet, haben wir noch nicht das Gefühl, daß mir uns bereits in der großen Umkehr von der warmen zur kalten Jahreszett befinden. Erft der Oktober, der jetzt feinen Anfang nimmt, wandelt rasch das äußere Bild der Welt. Vom Sturm wer­den die vergilbten Blätter von den Bäumen ge­rissen. Oft sind die Straßen in den Städten von dem fallenden Laub übersät. Draußen in der Natur heult der Wind durch die Wälder und über die Felder hinweg.

Rasch nehmen im Oktober die Tage ab. Bereits am 23. Sept. war der Tag der Tag- u. Nachtgleiche. Nun erscheint die Sonne für immer kürzere Zeit am Horizont. Ihre Strahlen verlieren an erwär­mender Kraft. Wohl kommt in dieser Jahreszeit das Familienleben wieder mehr zur Geltung, aber gleichzeitig halten leider auch neue Sorgen ihren Einzug. Die Lebenshaltungskosten steigen rasch an. Man muß längere Zeit das Licht brennen. Binnen kurzem muß auch wieder geheizt werden, und je kühler das Wetter wird, desto nahrhaftere Mahl­zeiten braucht der Mensch. Woher in dieser Zeit die Mittel nehmen, um die unvermeidliche Steige­rung der Haushaltsunkosten zu decken. Wieder steht ein schwerer Winter vor der Tür. Und wie sich draußen vor der Tür das Bild der Natur ver­dunkelt, so drohen auch in uns die Angst und die Sorge um die Zukunft überhand zu nehmen.

* 25jähriges Geschäflsjubiläum. Auf ein 25jäh- riges Bestehen kann morgen, Samstag, die Duch- und Kunstdruckerei Gebr. Kremer, Hahnenstraße, zurückblicken.

* Reichspost übernimmt Rundfunkstörungsdienst. Am 1. Oktober geht die Wahrnehmung des Rund­funkstörungsdienstes von den Funkhilfen der Funk­stunde Berlin, der Norddeutschen, Ostdeutschen, West­deutschen, Südwestdeutschen, Süddeutschen und Mit­teldeutschen Rundfunkgesellschaft sowie der Schlesi­schen Funkstunde auf die Deutsche Reichspost über. Von diesem Tage ab werden Meldungen über Rundfunkstörungen von den Postämtern, Tele­graphenämtern und Fernsprechämtern auch durch Fernsprecher entgegengenommen.

* Freibank-Verkauf am Samstag, den 1. Okto­ber von 7 bis 10 Uhr vormittags. Zum Verkauf kommt Rindfleisch. Preis pro Pfund 26 Pfg. Höchst­gewicht 6 Pfund. Der Verkauf erfolgt nur in der genauen Reihenfolge der ausgsgebenen Karten. Kartenausgabe im Schlachthof am Samstag, den 1. Oktober, von 6.50 Uhr vormittags ab bis zum Ende des Verkaufs.

Wettevbevèckt

Trotz der Entwicklung eines kräftigen zentral­europäischen Hochdruckgebiets werden über Frank­reich entstandene Tiefdruckstörungen sich auf unser Wetter auswirken. Sie werden sich voraussichtlich jedoch nicht tiefer in den Kontinent hinein ent­wickeln, sondern sich hauptsächlich nordwärts ver­lagern, so daß sich bald wieder Hochdruckeinfluß geltend machen wird. Vorhersage bis Freitag abend: Nach stärkerer Bewölkung und Nieder­schlagstätigkeit bald wieder aufheiternd, bei abneh­mender Schauerneigung Dagestemperaturen um 15 Grad, meist östliche und südliche Winde. Witte­rungsaussichten für Samstag: Stellenweise Früh­nebel und nachts recht frisch, sonst vielfach aufhei­ternd und meist trocten.

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Ein Salzflora-Reserval in Obertassen

f Büdingen, 29. Sept. In dem benachbarten Bad Bcü) Selters soll jetzt die dort noch vorhandene Salzflora in einem Reservat rund um die dortige Bonifaziusquelle den Bestimmungen des Natur-, schutzgesetzes unterworfen werden und dadurch der Nachwelt erhalten werden. Damit aber der Allge­meinheit diese Salzpflanzen nicht völlig der In­augenscheinnahme entzogen werden, will man in den Anlagen des Bades Selters einen kleinen Salz­pflanzen garten einrichten. Die Schutzmaßnahme für die immer seltener gewordenen Pflanzen ist vom Standpunkt des allgemeinen Interesses nur zu be­grüßen.

Frankfurta.M. Zeil 48, Ecke Porzellanhofstr.

brenninkmeyer

Nadtdrudt ton Wort und Bild terbqjenj

Das obige Angebot steht ihnen ab Freitag zur Verfügung,