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Seife 4

Donnerstag, den 29. September 1932

Nr. 229

Deutsche Volksvavtei

Die Deutsche Volkspartei veranstaltete am Diens­tag im Riesen eine gutbesuchte Mitgliederversamm­lung, in der Herr Oberstleutnant a. D. Apel über das Thema: Nationale Kampffront hin­ter Hindenburg und dem Regierungs­programm" sprach. Nachdem der Redner betont hatte, daß er in erster Linie bezwecke, den Hörern die Gedanken und Ziele des Parteiführers Dingel- dey nahe zu bringen, beschäftigte er sich zunächst mit dem offensichtlichen Zusammenbruch des über­spitzten Parlamentarismus der Weimarer Der- fassung, der die Voraussetzung seiner Vormacht­stellung im Staate, die ständige Mehrheitsbildung mit positiven Zielen, nicht mehr habe erfüllen kön­nen. Sodann ging er auf den 13. August über, je­nen Tag, an dem Hitler von Hindenburg alle Macht forderte. Es sei dies ein Merktag deutscher Ge­schichte, indem der greise Reichspräsident die For­derung zurückwies, einer Partei zur einseitigen Ausnutzung eine Diktatur zu übertragen. Die Münchner Rede Hitlers, die weder die Bescheiden­heit jedes wirklich großen Mannes, noch das not­wendige Maß von Takt gegenüber Hindenburg be­wies, bedeutete den endgültigen Bruch mit dem Reichspräsidenten. Auf das schärfste verurteilte Redner auch das Verhalten Hitlers in der Frage des Beutheuer Urteils. Wenn man die Vorgänge am 12. September im Reichstag betrachte und feine Auflösung, so staune man über die Haltung des Zentrums und der Nationalsozialisten, welche in absolutem Widerspruch mit ihren früheren Grund­sätzen stehe Eine große Unwahrhastigkeit liege in der Verteidigung des überspitzten Parlamentarismus durch Göring und seine Freunde, den sie bisher in Grund und Boden verdammt hatten. Diese Tragi­komödie fei ein vermeidlich gewesener unschöner Tod des Parlamentarismus. Oberstleutnant Apel ging nun auf die Politik der DVP. ein, die absulut konsequent gewesen sei, die besonders in ihrer Stellung zu Hindenburg nie geschwankt hätte. Die Außenpolitik Stresemanns habe es der heutigen Re­gierung allein möglich gemacht, in der jetzigen Schärfe für die Gleichberechtigung Deutschlands einzutreten. Der Kampf gehe darum, wollen wir weiterhin uns einer Parteiherrschaft beugen, oder eine gesteigerte Autorität des Reichspräsidenten stützen. Für die DVP. gibt es kein Schwanken, für das letztere einzutreten, denn es ist kein anderer Weg, vorhanden, um aus den Wirrnissen unserer Zeit ohne weitere schwere Schäden herauszukom­men, Das Regierungsprogramm zeige vorbehalt­lich der kritischen Stellung zu Einzelfragen, eine große Linie und den Mut zur Tat. Wir treten auch darum hinter dasselbe, weil es sich in den Grund­gedanken mit unseren seit Jahren erhobenen For­derungen deckt. Redner erläuterte dies im einzelnen. Die Notwendigkeit der Autorität des Reichspräsi­denten erwiese sich für jeden auf privatwirtschaft­lichem Boden Stehenden besonders durch den offen­kundigen Uebergang des Nationalsozialismus zum Klassenkampfgedanken. Zum Schluß erörterte Red­ner die Stellung der Partei im kommenden Wahl­kampf und die Forderung nach einem nationa - lenKamp fb lo ck für Hinde nb u rg, der während des Wahlkampfes in einheitlichem Vor- gshey,^de.,kleinliche Parteirücksicht beiseite zu stellen habe. Mit, einem warmen Appell für den greisen Reichspräsidenten schloß der Bortrag. Beifall und

Aussprache bewiesen volles Verständnis und unbe­dingte Zustimmung für die Haltung der Partei.

* Wallonische Gemeinde. Am Sonntag, 2. Ok­tober, wird im Anschluß an den gemeinsamen Gottesdienst der Wallonischen und der Nieder­ländischen Gemeinde die Feier des Heiligen Abend­mahles gehalten. Das Mahl wird gespendet von der Wallonischen Gemeinde. Der Kindergottes­dienst findet um 11K Uhr statt.

* Gestohlen wurde ein Herrenfahrrad Marke Phönix-Ballon" Nr. B 373 274, Kometfreilauf, schwarzer Rahmenbau mit grünen Streifen, schwarze Schutzbleche, schwarze Felgen mit grünen Streifen, schwarzer Kettenkasten, Gummi-Pedale, schwarze Ballonbereifung, Lenkstange nach oben gebogen, schwarze Hartgummigriffe, Glocke mit Aufschrift Wolter, dunkelbrauner Motorradsattel, qebliche Werkzeugtasche, elektrische Bauerlampe mit'Bosch- Dynamo. Käufer oder Personen, die über den Ver­bleib des Rades irgendwelche Angaben auch ver­traulich machen können, werden gebeten, sich beim hiesigen Kriminal-Kommissariat zu melden. In der Nacht zum Donnerstag wurden in Gelnhausen zwei Schreibmaschinen, Marke Mercedes, gestohlen. Angaben erbittet die Krim.-Pol.

* Wiedersehensfeier des ehem. Res.-Inf-Regls. 88. Während der Festtage am 29. und 30. Oktober plant der Arbeitsausschuß eine Ausstellung im kleinen Saal der Stadthalle über Vormarsch, Stellungs­kämpfe und die einzelnen Großkampftage des Re­giments zu veranstalten. Am 1. Oktober findet eine Zusammenkunft aller ehemaliger Regimentsange- Hökiger statt, in der geeignetes Material in Form von Bildern und Karten abgegeben werden kann. (Siehe mserat).

* Gastwirke-Jnnung. Die Geschäftsstelle der Innung befindet sich ab 1. Oktober Frankfurter Straße 21. (Siehe auch Inserat.)

WettevbevMt

Die Witterung Mitteleuropas wird durch einen kräftigen Hochdruckausläufer bestimmt, der sich von England bis weit in den Kontinent hinein erstreckt. Da der Luftdruck über Mitteleuropa weiter an­steigt, wird der Hochdruckeinfluß für unsere Witte­rung noch weiterhin bestimmend sein. Vorhersage bis Donnerstag abend: Nach starker nächtlicher Ab­kühlung und vielfach auftretendem Frühnebel meist heiter, tagsüber wieder wärmer, östliche Winde. Witterungsaussichtsn für Freitag: Fortdauer der meist heiteren, trockenen, nachts recht kühlen Witterung.

Landkreis Aanau

Bruchköbel, 27. Sept. Lehrerabs chied. Nachdem erst im Frühjahr d. I. Herr Rektor Schu­mann in den Ruhestand getreten ist, folgt ihm am 1. Oktober nach über 20jährigem segensreichen Wir­ken an der hiesigen Schule Herr Lehrer Kircher. Am 12. Dezember 1870 in Bruchköbel geboren, besuchte er von 1885 bis 1888 die Präparanden- schule in Schlüchtern und wurde nach bestandenem Examen am 23. September 1891 aus dem Lehrer­

seminar Schlüchtern entlassen. Am 6. November 1891 trat er seine erste Lehrerstelle in Friedewald, Kreis Hersfeld, an. Während feiner dortigen Amts­zeit verheiratete er sich auch. Am 1. Februar 1898 trat er eine Stelle in Steinau, Kreis Schlüchtern, an, um auch hier elf Jahre zu wirken. Am 1. Ok­tober 1909 ging dann sein Herzenswunsch in Er­füllung, indem er hier eine freigewordene Stelle besetzen konnte, die er über 20 Jahre noch segens­reich zum Besten unserer Jugend und der gesam­ten Einwohnerschaft ausfüllte. Im öffentlichen Leben wirkte er seit 1913 als Rendant in der hiesi­gen Spar- und Darlehnskasse, deren schwierige Arbeiten er in den Kriegs- und Jnflationsjahren sowie in dem letzten Krisenjahr meisterte. Weiter­hin leitete er längere Zeit den hiesigen Gemischten Chor Und Kirchenchor. Von einer Abschiedsfeier wurde auf seinen ausdrücklichen Wunsch Abstand genommen, nur innerhalb des Lehrerkollegiums wurde ihm im Auftrage der Re­gierung durch den Hauptlehrer ein Dankschreiben überreicht.

Kilianstädten, 28. Sept. Hohes Alter. Am Freitag begeht Frau Elise Rauch geb. Schenk ihren 80. Geburtstag.

c Marköbel, 28. Sept. 2 0jähriges Be - stehen. In diesem Jahre kann die Ortsgruppe vom Arbeiter-Radfahrer-BundSolidarität" auf ein 20jähriges. Bestehen zurückblicken. Eine am Sontag stattgefundene Mitgliederversammlung be­faßte sich mit diesem Punkte und beschloß, in An­betracht der Notlage von einer besonderen Feier abzusehen. Es soll vielmehr die diesjährige Winter­veranstaltung mit der Jubiläumsfeier verbunden werden. Eine von der Versammlung bestimmte Kommission soll mit dem Vorstände die Vorarbeiten dazu erledigen.

KeeiS Büdingen

Belr.: Darlehen für die Jnstandsehungsarbeilen von Wohngebäuden gemäß Verordnung des Herrn

Reichspräsidenten vom 14. Juni 1932

An die Hauseigentümer und Handwerker des Kreises! Wir sind in der Lage, an der Finanzierung der in der Verordnung vorgesehenen Arbeiten durch Gewährung von Wechsqskrediten mitzuwirken.

Auskunft erteilt während der Geschäftsstunden Landwirtschafts- und Gewerbekasse e. G. m. b. H.

Büdingen (Oberheffen).

Zwangsversteigerung

Termin: Freitag, den 28. Oktober 1932, norm. IOK Uhr, am Gerichtssitz Zimmer Nr. 8 Grundstück und Betrag der Schätzung siehe unten. Eigentümer: Wilhelm Zollmann und Ehefrau Elise geb. Wiegand zu Haingründau, je zu K.

Im übrigen wird aus den Aushang an der Ge­richtstafel und an der Ortstafel in Haingründau Bezug genommen.

Büdingen, den 26. September 1932.

Hessisches Amtsgericht.

Grundbuch für Haingründau, Blatt 353:

Flur XI Nr. 414/w Bauplatz in der Frühwiese 246 qm Schätzung: 250 RM, dazu Wohnhaus Schätzung: 5300 RM, zus. 5550 RM.

s Büdingen, 28. Sept. Hier stürzte ein auf eine« Ausflug befindlicher Darmstädter Schüler derer unglücklich von derHain-Mauer", daß er bei- Unterarme brach und ins Krankenhaus verbrach werden mußte.

Seeis Gelnbauien

)( Gelnhausen, 28. Sept. Jahresse st d«. Hanauer Bezirksvereins der Gustav Adolf-Stiftung. Den Festteilnehmern sich ein besonderer Genuß bevor. Herr Kirchenmust direktor Bethge in Gelnhausen hat für dieses Fe des hundertjährigen Bestehens des Gustav-Adol Vereins ein OratoriumGustav Adolf" komponier das um 4 Uhr nachmittags in der Marienkirch zum ersten Male aufgeführt wird. Es wird auf Lei Anzeigenteil verwiesen.

----------------------1 Aus Svank-uvt a. M

Lede 6. odev 2. SamMe in Avant fuvt wohnt semeinwivtfchaftlM

: Die beiden städtischen Gesellschaften Aktien baugesellschaft für kleine Wohnungen und ©arten, stadt-Gesellschaft, die neuerdings gemeinsam ver waltet werden, legen jetzt den Bericht über bas Geschäftsjahr 1931 vor. Danach betreuen die bei­den Gesellschaften zusammen 10 533 Wohnungen so daß 7 Prozent der Haushaltungen im Groß- Frankfurter Gebiet bei Aktienbaugesellschaft uni Gartenstadt wohnen. Da sich eine ähnlich große Zahl von Wohnungen entweder im direkten städti­schen Besitz oder bei gemeinwirtschaftlichen Unter­nehmungen befindet oder aber anderen gemein­nützigen Wohnungsgesellschaften angehört, so dürft« jede 6. oder 7. Familie in Frankfurt gemeinwirt- schaftlich wohnen. Der Bericht weist darauf hin daß nur wenig Städte ähnlich straff zusammenge- faßten Besitz 'aufweisen. Um das Mißverhältnis zwischen Miete und Einkommen wenigstens einiger­maßen auszugleichen, hat die Verwaltung der bei­den Gesellschaften die Mieten ab 1. Januar b. J. über die Zinssenkungsaktion hinaus im Durchschnitt um 7,4 Prozent gesenkt. Im Laufe des Jahres 1932 ist es durch verschiedene Maßnahmen gelun­gen, erhebliche weitere freiwillige Senkungen durchzuführen. Jede Senkung der Mieten in Sri« senzeiten sei im Rahmen des wirtschaftlich Mög­lichen auch im ureigensten Interesse der Gesellschaf­ten selbst gelegen, denn gerade die Erfahrungen hätten gezeigt in welch intimem Zusammenhang zur Mietsenkung die drei gefährlichsten Ausgabe­posten in der Ertragsrechnung der Wohnungswirt­schaft Mietausfälle, Mietrückstände und Repa­raturen stehen: Ueberteuerte Mieten führen zu Kündigungen, verlangsamen den Eingang der Mie- ten, führen also zu Rückständen und Ausfällen in­folge Leerstehens und bringen namentlich auch eine Erhöhung der Ausgaben für Jnstandsetzungsarbei- ten, denn jeder Umzug kostet nicht nur den Mieter, sondern auch den Vermieter erhebliches Geld. Bei den beiden Gesellschaften sind im Berichtsjahr diese Ausfälle noch nicht kritisch geworden; die Zahl der leerstehenden Wohnungen hielt sich auch im schlech­testen Monat auf knapp 1 Prozent, die Mi^trüâ

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o Berlin, 28. Sept. Der bekannte Graphiker und Radierer Emil Orlik ist heute im Alter von 42 Jahren einem Herzleiden erlegen. Orlik, der in München ein Schüler Lindenschmidts und Raabs gewesen war, hatte zu Studienzwecken mehrfache Auslandsreisen durchgeführt, darunter nach Eng­land/ Holland, Frankreich und Japan. Besonders bekannt sind seine japanischen Radierungen gewor­den. Aus Aegypten und China brachte er reiche Erzeugnisse seiner Kunst zurück.

Dev SvtknM als Sittatu- miniKev

Zum 200. Geburtstag von Jacques Recker am 30. September

Von Friedrich Berka.

Die französische Revolution bedeutet der Gegen­wart, die sich noch immer mit ihrem geistigen Erbe auseinandersetzt, den Aufbruch der Demokratie, die Erhebung des Bürgertums gegen den Feudalis­mus, den Triumph des liberalen Prinzips über die absolute Staatsgewalt, die feierliche Anerkennung der Menschenrechte gegenüber den Privilegien der Geburt. Bedeutet die Erstürmung der Bastille, den Schwur im Ballhaus, die glänzende literarische Vorarbeit der Enzyklopädisten, den revolutionären Schwung vonFigaros Hochzeit" die begeisterte Zustimmung, die diese Umwälzung zunächst bei den Besten Europas fand. Die unerträglichen wirtschaft­lichen Verhältnisse dagegen, die im vorrevolutio­nären Frankreich herrschten, werden darüber nur zu leicht vergessen.

Ein Drittel der Bevölkerung: Unterstützungs­empfänger

Um 1789 zählte Frankreich 27 400 000 Einwoh­ner. Das Proletariat zählte 10 bis 11 Millionen Menschen, was über die soziale Struktur genug sagt. Alljährlich wurden Zehntausende von Bett­lern und Findlmgskindern aufgegriffen. In gerade- m unbeschreiblichen Verhältnissen vegetierte das

Volk auf dem flachen Land dahin, über 20 Millio­nen Menschen! Eine starke Bevölkerungszunahme zwischen 1771 und 1780 erwies sich als verhäng­nisvoll, weil zwischen Stadt- und Landbevölkerung ein großes Mißverhältnis bestand; die gering­fügigste Steigerung des Getreidepreises stürzte die Massen in unsagbares Elend. Die Zahl der Privi­legierten, die keine oder wenig Steuern zahlten, nahm dauernd zu; ebenso auch die Staatsschuld; immer drückender wurden die Steuern und das Elend der unteren Schichten. Von den rund 27 Millionen Menschen waren ungefähr 3K Millionen unterstützungsbedürftig, also mehr als ein Zehn­tel der ganzen Bevölkerung war auf die Armen- und die öffentliche Wohlfahrtspflege angewiesen; im Jahre 1787 gab es in Paris mehr als 200 000 unterstützte Arme. Das städtische Proletariat, die Sturmtrupps der Revolution, bezifferte man auf 6 Millionen Erwachsene!

Keine neuen Steuern, keine neuen Anleihen!"

Ludwig XVI. erster Finanzminister, Turgot, hatte die ungeheure Gefahr klar erkannt und Ab­hilfe auf organischem Wege gesucht. Er sah den Bankrott vor Augen, aber auch den Weg zur Ret­tung: den ungeheuren Reichtum Frankreichs, der nur planvoll entwickelt werden muhte. Sein Grund­satz war der heute wieder so aktuelle:Keine neuen Steuern, keine neue Anleihe!" Aber gegen die Privilegierten kam er nicht auf. Um wieviel leichter hatet es nach ihm Jacques Necker! Neckers Vorfahren stammten aus Deutschland; sein Vater, ein gebürtiger Brandenburger, lehrte in Genf deut­sches Staatsrecht. Der achtzehnjährige Necker ging nach Paris, erwarb als Bankier ein großes Ver­mögen und machte nach seiner Heirat mit der schö­nen Schweizer Pfarrerstochter Cruchot ein großes Haus. Finanzpolitische Veröffentlichungen ver­schafften ihm einen Namen. Die finanziellen Schwierigkeiten des Landes wuchsen immer höher; ein kostspieliger Krieg mit England stand bevor. Da bot Necker dem Minister Maurepas an, er werde ihm die erforderlichen Mittel beschaffen. Seine Theorie war: die laufenden Ausgaben müssen durch Einnahmen gedeckt werden; die außer­ordentlichen, etwa die Kosten für einen Krieg, durch Anleihen, denn ein Krieg wirkt sich ja auch im Guten, durch Landerwerb z. B., auf die nachfol­

genden Geschlechter aus. Solche Gedankengänge ge­fielen; der englische Gesandte blieb mit Turgots Anhängern allein, als er sagte, Necker sehe die Dinge im heitersten Lichte. Der Schweizer Bankier

wurde berufen, nicht als Minister, das konnte en gung zu setzen, annahm, nahm er, im September

als Protestant nicht werden sondern als Direk­

tor des königlichen Schatzes. Gehalt beanspruchte er nicht. Er beschaffte die Anleihe und erwarb sich unbestreitbare Verdienste in seinem Bemühen, Ord­nung in den völlig zerrütteten Staatshaushalt zu bringen.

Der Kredit die Geißel der well

Aber der Krieg verschlang ungeheure Summen. Necker hatte jedoch Kredit und beschaffte sie. Aber der Kredit hat eine Kehrseite; man muß ihn zurück­zahlen. Er ist, wie der Abbe Maury schon damals sagte,die Geißel der Welt, er zehrt die kommen­den Geschlechter auf und führt nutzlos die Kriege herbei." Der Zustand der französischen Finanzen wurde immer trostloser. Um seinen Kredit zu stützen, legte Necker öffentlich Rechenschaft über die Finanzen ab. Im Januar 1781 erschien der compte rendu" und machte ungeheures Aufsehen; Neckers Feinde warfen ihm schönfärberei vor, und, durch die Veröffentlichung bloßgestellt, wurden alle, die für irgendeine Pfründe oder ein Privileg zu fürchten hatten, seine offenen Gegner. Um seine Stellung zu stärken, verlangte Necker im Gefühl der Unentbehrlichkeit vom König auch den Titel eines Ministers; Ludwig XVI., durch die Form seines Gesuches verletzt, lehnte jedoch ab, und Necker nahm seine Entlassung.

Das Ende: die Rolenpresse

Drei Tage nach Neckers Entlassung verfügte die Regierung, daß kein Unterleutnant in die Armee eingestellt werden dürfe, der nicht vom Ururgroß­vater den Adel bsaß! Das war bezeichnend für den Kurs, der nun gesteuert wurde. Am Ende skandier Ruin, und im Sommer 1788 mußte Necker aber­mals berufen werden. Diesmal wurde er Minister und nahm Einfluß auf die politische Entwicklung. Seine Popularitätshascherei und innere Ziellosig­keit trug wesentlich zur Zuspitzung bei. Ein neuer Konflikt mit dem König führte zu seiner zweiten Entlassung, die aber sofort die Unruhen vom 12., 13. und 14. Juli 1789 auslöste, so daß Ludwig XVI. seinen Minister zurückberufen mußte. Unter

Stürmen der Begeisterung empfangen, konnte sich Necker noch einmal als Sieger fühlen. Aber als die Nationalversammlung seinen Anleiheplan verwarf und Mirabeaus Antrag, die Notenpresse in Bewe-

1790, feine endgültige Entlassung und ging nach Genf.

Der Baker der Frau von Staët

Necker mußte scheitern, weil er das Uebel, an dem Frankreich krankte, mit finanziellen Verlegen­heitsmaßnahmen kurieren wollte. Das mindert nicht feine Verdienste, die er sich durch die Vereinfachung des Steuerwesens, die Förderung der Industrie, die Aufhebung der Leibeigenschaft erworben hat. Er, plante die Gründung eines Statistischen Amtes, um das Leben des Staates und Volkes ganz erfassen zu können; in einem Abschnitt seines Werkes ent­wickelte er, seiner Zeit weit voraus, das eherne Lohngesetz. Seine Absichten waren die besten; aber die Ereignisse waren stärker als er. Neckers be­rühmte Tochter, Frau von Staël, hat ihrem Vater ein literarisches Denkmal gesetzt.

o Sladilhealer Hanau. Aus dem Dheaterbüro wird uns geschrieben: Am heutigen Tage beginnt der Kassen-Vorverkauf für die beiden Eköffnungs- DorftcIIungen des Stadttheaters,Die Journalisten" Lustspiel von Gustav Freytag (Samstag, den 1. Oktober) undMadonna! wo bist du?", Operette von Albrecht Haselbach (Sonntag, den 2 Oktober). Beide Werke wollen in unserer so wenig erfreu­lichen Zeit ein wenig Frohsinn in das Publikum

tragen, und rer Auftakt

so zur

sollen bie_ Vorstellungen ein heite- ganzen Spielzeit sein.

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