Einzelbild herunterladen
 

Seife 2

Mittwoch» den 28. September 1932

Ar. 228

èer Abstimmung über Jtotuerorbnungen und Miß- trauensanträge aufzulösen.

In der gleichen Richtung wurde ein sozialdemo- kralischer Antrag angenommen, wonach es die Ab­sicht des Kanzlers war, seine Regierungserklärung abzugeben und die Debatte stattfinden zu lassen, aber vor einer Abstimmung den Reichstag aufzu­lösen. Schließlich wurde noch ein sozialdemokratischer Antrag gebilligt, wonach der Ausschuß unbeschadet dieser Feststellungen an der Auffassung festhälk, daß die Auflösung des Reichstages dem Sinn und Geist der Reichsversastung widerspricht.

Daran schloß sich eine Reihe weiterer Abstim' mungen. Mit den Stimmen der Nationalsozialisten und Kommunisten wurde die Aufhebung der Rot­verordnung über Sondergerichte und der bisher ver­hängten Urteile beschlossen, mit den gleichen Stim­men und denen der Sozialdemokraten auch die Auf­hebung der Rotverordnung zur Belebung der Wirt­schaft. Alle auf Grund der Verordnung bereits ge­troffenen Maßnahmen sollen zurückgezogen werden. Ebenso wurde beschlossen, daß die Reichsregierung unverzüglich vor dem Ueberwachungsausschuß zu erscheinen habe. Auch die Aufhebung der Rotverord­nung über den Heringszoll wurde beschlossen.

Wie die Sitzung verlief

Die Sitzung des Ueberwachungsausschusses fand unter starkem Andrang der Oeffentlichkeit statt. Nach einer kurzen Geschäftsordnungsdebatte trat der Aus­schuß in die Zeugenvernehmung ein, und zwar wurde zunächst Reichskanzler von Papen aufgerufen. Als dieser im Saale erschien, rufen ihm die Kom­munisten entgegen: Jetzt kommt der Lohnräuber vom Herrenklub!

Vorsitzender Löbe: Der Ausschuß hat Sie als Zeugen geladen. Ihre Vereidigung ist ausgesetzt. Es ist Ihnen bekannt, daß die Rechtsgültigkeit der Ab­stimmung des Reichstages vom 12. September zu einer Streitfrage geworden ist.. Zur Entscheidung dieser Streitfrage soll festgestellt werden, ob Sie vor Eintritt in die namentliche Abstimmung den Versuch gemacht haben, die Auflösungsurkunde dem Reichs­tag zur Kenntnis zu bringen, sei es durch Wortmel­dung, sei es durch Uebergabe der Urkunde, oder ob beides so spät erfolgt ist, daß die Abstimmung rechts­wirksam gewesen ist.

Die Zeugenaussage des^anzlevs

Reichskanzler von Papen: Als Herr Frick sich meldete und den Antrag stellte, die Sitzung eine halbe Stunde auszusetzen, hat der Reichstags­präsident sestgestellt, daß der Antrag Frick als der weitestgehende zuerst zur Abstimmung komme. Die Sitzung wurde auf eine halbe Stunde vertagt. Daraus geht zweifelsfrei hervor, daß der Reichs­tagspräsident in diesem Augenblick selber die Auf­fassung haben muhte, daß über den Antrag Torgler noch nicht entschieden sei. Als daher nach Ablauf der halben Stunde die Sitzung wieder eröffnet wurde, nahm ich ohne weiteres an, daß der Reichstagspräsident zunächst formell über den Antrag Torgler noch einmal abstimmen lassen würde. Das ist nicht erfolgt. Nach meiner Er­innerung hat der Neichstagspräsident, nachdem die Sitzung wieder eröffnet war und ich aus meinem Stuhl Platz genommen hatte, nur gesagt:Da sich Widerspruch nicht erhoben hat, kommen wir jetzt zur Abstimmung über den Antrag Torgler. Ich war mir einen Augenblick darüber im unklaren, ob es sich um den formellen Antrag Torgler handeln würde, den Antrag zur Tagesordnung ober den materiellen Antrag. Ich habe aber, da ich mit den parlamentarischen Gebräuchen nicht ganz unbe­kannt bin, aus der Redewendung:Da sich Wider­spruch nicht erhobeen hat" ersehen, daß es sich bereits um den materiellen Antrag handele.

Daraufhin habe ich mich sofort erhoben und habe um das Wort gebeten. Der Reichstags. Präsident machte eine abwehrende Geste und sagte nach meiner Erinnerung:Zu spät! wir sind in der Abstimmung!"

Daraufhin habe ich mich noch einmal gemeldet. Zunächst ist in der Zwischenzeit Staatssekretär Planck, der vorn neben dem Rednerpult saß, zum Reichstagspräsidenten hingetreten, um ihn darauf aufmerksam zu machen, daß ich mich zum Wort gemeldet hatte. Als das keinen Erfolg hatte, habe ich mich zum zweitenmal zum Wort gemeldet, wo­rauf der Herr Reichstagspräsident gesagt hat:Wir find in der Abstimmung!!"! Darauf bin ich

aus seinen Platz zugeschritten und habe das Auslösungsdekret auf seinen Tisch gelegt, weil ich keine Möglichkeit hatte, zu Worte zu kom­men und selbst das Auflösungsdekret zur Kenntnis des Reichstages zu bringen.

Svasen und Äniwovten

Vorsitzendeer Löbe:Haben Sie sich nur aus­drücklich zum Wort gemeldet oder nachher auch durch Aufstehen, durch chandausheben?"

Reichskanzer von Papen: Ich bin nicht nur aufgestanden, sondern habe auch gesagt:I ch bitte um s Wort." Aber ich nehme an, daß das in der Unruhe des Hauses am Stenographen­tisch nicht verstanden worden ist.

Abg. Dr. Frank (Nat.-Soz.): chaben Sie selbst die Auffassung, daß die Abstimmung im Reichstag nicht rechtswirksam ist. Reichskanzler: Die Abstimmung ist nicht rechtsgültig; denn sie erfolgte, nachdem das Auflösungsdekret dem Hause zugestellt war.

Abg. Dr. Högner (Soz.): Bestand die Ab- ' sicht, die Auflösung schon vor der Aussprache über die Regierungserklärung vorzunehmen, oder be­stand die Absicht, den Reichstag nach der Aus- spräche aufzulösen?

Reichskanzler von Papen: Von vornherein bestand überhaupt n i cht die Absicht der Auflösung. Außerdem hatten wir die Hoff­nung, daß trotz der scharfen Gegensätze doch noch ein modus vivendi zwischen Reichstag und Regie­rung zustandekommen würde.

Dr. H ö g n er : Die Auflösungsurkunde haben Sie sich erst während der Sitzungsunter- brechung verschafft?

Reichskanzler Jawohl!

Dr. Högner: Es bestand also die Absicht, den Reichstag auf jeden Fall bei Wiederbeginn der Sitzung aufzulösen?

Reichskanzler v. Papen: Rein, ich habe ange­nommen. daß der Reichslagspräsident dem Chef der Regierung die Möglichkeit geben würde, wenig­stens die Regierungserklärung zu verlesen.

Slusweichefpiel in Gent

Aervlot und Keuvath in der Sölkevbundsvevsammluns Die englischen Bemühungen nm eine Zusammenkunft

Genf, 27. Sept. Die Dölkerbundsversammlung, an der auch der französische Ministerpräsident Herriot teilnahm, trat heute nachmittag zu­sammen. Das Bild größter Entmutigung wurde durch die pessimistische Einstellung aller Reden ver­stärkt. Man ist sich darüber einig, daß die Nicht­regelung der politischen und wirtschaftlichen Fra­gen den Wiederaufbau unmöglich gemacht und darüber hinaus große Gefahren in sozialer Hinsicht mit sich gebracht hat. Es ist nicht zu verwundern, daß unter diesen Umständen auch der Glaube an die Autorität des Völkerbundes erschüttert ist.

In der heutigen Sitzung ergriffen die Vertreter Australiens, Chinas, Indiens und Paraguays das Wort. Die Tatsache, daß nur diese Staaten die Gelegenheit zur Aussprache wahrnahmen, zeigt augenfällig die Absicht, eine längere und ein­gehende Diskussion zu vermeiden. Man ist sich be­wußt, daß vor einer politischen Einigung der Großmächte durch andere Darlegungen in der Völkerbundsversammlung keine fruchtbaren Er­gebnisse erzielt werden können.

Die Vollsitzung des Bundes übte trotzdem eine starke Anziehungskraft auf Delegierte und Jour­nalisten aus. Werden sich Herriot und Herr von Neurath begrüßen? Das war die Frage, die man erörterte. Der französische Ministerpräsident kam sehr spät, während der Reichsaußenminister von Neurath bald erschien und sofort auf der vordersten Delegiertenbank, die Deutschland dank der alphabetischen Reihenfolge einnimmt, Platz nahm. Nach der Sitzung war es umgekehrt. Zuerst verschwand Herriot. Als Herr von Neurath die Sitzungsreihe der französischen Delegierten passierte, waren die Herren bereits verschwunden.

Herr von Neurath begab sich nach der Sitzung zum Vorsitzenden der Abrüstungskonferenz Hen­derson, bei dem er eine Stunde blieb. Durch diesen Gegenbesuch, den Henderson angekündigt hatte, verstärkten sich die Gerüchte von den Be­mühungen Hendersons, eine Zusammenkunft zwi­schen Herriot und von Neurath einzuleiten. Von deutscher Seite wird die Vermutung als unzutref­

In keinem Parlament der Welt passiert das, daß eine Opposition nicht einmal die Regierung zu Worte kommen läßt.

Roichstagsvräsident Göring: Ich habe in einer Unterredung mit dem Herrn Reichskanzler nicht gesagt, ich würde Ihnen, Herr Reichskanzler, unter allen Umständen das Wort.erteilen, denn ich konnte nicht wissen, was für Anträge kommen. Ich habe Ihnen allerdings versprochen, daß ich alles tun würde, damit Sie und die anderen Rsgierungsmitglieder keinerlei ungehöri­gen Angriffen aus gefetzt wären. Aber ich kann nicht das andere Versprechen abgegeben haben. Auf die Frage des Herrn Hoegner, ob das Dekret erst in dieser Pause unterschrieben worden sei, sagten SieJawohl!"

Reichskanzler v. Papen: Nein! Auf die Frage, ob es herangeholt worden fei.

Reichstagspräsident Göring: Herr Reichskanz­er, Sie haben mir in der Unterredung keinen Zwei- el gelassen, daß Sie eine Abstimmung über ein Mißtrauensvotum nicht zulassen, sondern vorher >en Reichstag auflösen würden. (Der Reichskanzler nickt mit dem Kopse.)

Reichskanzler v. Papen: In unserem Ge- präch habe ich Sie wiederholt, gebeten, noch nach einem Wege zu suchen, der uns eine Art von Zu­sammenarbeit ermöglichte. Ich habe Ihnen allerdings keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Regierung entschlossen war, falls über die Aufhebungen der Notverordnungen oder über ein Mißtrauensantrag ab gestimmt würde, den Reichs­tag aufzulösen. Aber wir waren übersingekommen, daß zunächst einmal die Regierungserklärung vor sich gehen solle und dann die Debatte.

Abg. Wolkersdörfer (Natsoz.). Es steht einwandfrei fest, daß bei dem Erscheinen im Saal die gesamte deutsche Reichsregierung sich verbind­lich lächelnd vor der Fremdenloge verneigt hat. Wir haben damals schon ihr Verhalten als eine Belei­digung des gesamten deutschen Volkes empfunden.

Abg. Frank II (Natsoz.): Wann wurde denn eigentlich die Auflösungsorder unter­zeichnet? Erfolgte sie in der halbstündigen Pause oder war sie bereits unterzeichnet bei Be­ginn der Sitzung?

Reichskanzler v. Papen: Ich bedauere, die Neugierde des Abgeordneten nicht befriedigen zu können. Das Reichskabinett ist lediglich ermächtigt, über die Dinge auszusagen, die hier zur Debatte stehen.

Abg. Frank II (Natsoz.): Diese Aussage ge­nügt mir vollkommen.

Abg. Ersing (Zontr.) schilderte kurz die Vor­gänge in der Sitzungspause. Auf Grund einer Ver­einbarung zwischen Zentrum, Bayerischen Volks­partei und Nationalsozialisten wollte Abg. Leicht den Antrag stellen, die Ab st i m m u n g er st a m Schluß der Debatte herbeizuführen. Da sei kurz vor Beginn der Sitzung nicht der Reichstags­präsident, sondern der Abg. Dr. Frick gekommen und habe gesagt, die Nationalsozialisten hätten ganz positive bestimmte Nachrichten bekommen, daß es überhaupt nicht zur Abstimmung kommen, sondern der Reichstag sofort aufgelöst würde. Die National­sozialisten würden sich deshalb an . dem Antrag Leicht nicht mehr beteiligen. Unter diesen Umstän­den habe es keinen Zweck mehr gehabt, den An­trag noch zu stellen.

Abg. Dreher (Natsoz.): Der Abgeordnete Torgler hatte schon im Aeltestenrat seinen Antrag angekündigt, und dort hatte auch Herr Dr. Ober- fohren erklärt, daß er Widerspruch erheben würde. Durch diesen Wortbruch des Abg. Ober­fohren (Heiterkeit) und der Deutschnationalen ist der Reichskanzler verhindert worden, die Regie­rungserklärung abzugeben.

Abg. Dr. 'Oberfohren (Dtn.): In der Ziel- fetzung meiner Partei und meiner Person lag die Auslösung des Reichsiages. Die habe ich erreicht und wenn die Herren Nationalsozialisten mir dabei dienlich gewesen sind, ist das ihre Sache (Hört! hört! und Bewegung).

Damit ist die Vernehmung des Reichskanzlers beendet. Als Herr von Papen sich erhebt, um den Saal zu verlassen, kommandiert ein National­

fend bezeichnet. Die Franzosen erklärten unentwegt: Es ist ganz ausgeschlossen, daß Ministerpräsident Herriot zu den Deutschen kommt. Die Deutschen haben die Abrüstungskonferenz verlassen. An ihnen ist es, Kehrt zu machen." Man ersieht daraus, daß die französische Stimmung in Genf darauf ab- zielt, einen Besuch Neuraths bei Herriot sofort als einenCanossagang" hinzustellen. Mögen auch die Mutmaßungen, daß Henderson als Mitt­ler auftreten wolle, nicht richtig sein, es steht fest, daß die englische Diplomatie eine Zusammenkunft Herriots mit von Neurath zu erreichen sucht. Her­riot lehnte eine Zweierkonferenz in seiner gestrigen Unterredung mit Sir John Simon ab, ließ jedoch die Möglichkeit offen, aufneutralem Boden mit dem Reichsaußenminister zusammen zu kommen. Nach diesem Arrangement um das hier beliebte Wort zu gebrauchen wird jetzt mit rührigem Eifer gesucht. Es bleibt abzuwarten' welcher Er­folg den Bemühungen beschieden ist.

Der Reichsaußenminister von Neurath benutzte seinen Aufenthalt in Genf zu einer Reihe infor­meller Besprechungen Mit dem belgischen Außen­minister Hymans hatte er eine längere Unter­redung über völkerbundspolitische und deutsch- belgische Wirtschaflsfragen. Herr von Neurath kon­ferierte auch mit Persönlichkeiten des Völkerbunds­sekretariats über die nach der Demission Sir Eric Drummonds als unvermeidlich anzusehende Re­organisation des Dölkerbundssekretariats. In der vierten Kommission, die während der Völkerbunds­versammlung tagt, werden die wichtigen Punkte dieser Pläne behandelt werden. Italien und Deutschland bereiten eine geschlossene Aktion vor, deren Ziel es ist, das zahlenmäßige Verhältnis der Beamtenschaft in nationaler Hinsicht gerechter zu gestalten. Die Frage, ob den kleinen Staaten Ver­treter im Generalsekretariat eingeräumt werden sollen, kommt erst bei der außerordentlichen Ver­sammlung im November zur Diskussion. Die vierte Kommission wird einen durch England eingebrach­ten Sparplan zu prüfen haben, der sich auf eine 10- bis 15prozentige Gehaltsverminderung für die niederen und mittleren Beamten stützt.

sozialist: Die Deutschnationalen aufstehen! (Große Heiterkeit.)

Es folgt die

Vevnehmuns des Reichs- knttenmrnèfSevS Kveihevvn v.GavS

Reichsinnenminister Freiherr von Gayl schildert die Vorgänge wie der Reichskanzler und erklärt dann:Als dem Reichskanzler das Wort nicht er­teilt wurde, entfernte er sich zwei Schritte von sei­nem Platz und nahm das Blatt aus der Mappe. Auf meine Frage:

Wollen Sie sich nochmals zum Wort melden? sagte er:Sie sehen, das geht nicht, ich bekomme das Wort nicht!"

Reichstagspräsident Göring: Haben Sie beobachtet, daß in dem Augenblick, wo ich das Wort Abstimmung" gesprochen habe, der Reichsaußen­minister den Reichskanzler angestoßen hat?

Minister von Gayl: Das habe ich nicht bemerkt. Ich wollte aufspringen, bin aber an einem Schlüssel hängen geblieben.

Der nächste Zeuge, Staatssekretär der Reichs­kanzlei Dr. Planck, gibt dieselbe Darstellung wie der Reichsinnenminister. Auf die Frage über die Ausstellung der Auflösungsurkunde erklärt der Zeuge, daß das Kabinett über diese Vorgänge keine Aussagsgenehmigung gegeben habe.

Der nächste Zeuge Dr. Hanfstängel, der Refe­rent Hitlers für die Auslandspresse, erklärt: Die Regierung erhob sich erst, als eine Abstimmungs- urne herumgetragen wurde. Eine wirkliche Wort­meldung von der Regierungsbank habe ich weder gehört noch sonstwie beobachtet. Inhaltlich fast über­einstimmend ist die Aussage des Zeugen Schaub, des Privatsekretärs 2lbolf Hitlers.

Cs folgt alsdann die Abstimmung über die Anträge, über deren Ergebnis wir eingangs berich­tet haben.

Deutliche und sachliche Entsesnuns

Mortletzuna von Seite 1)

Frankrich brachten, wenn man die Reparationssach- lieferungen abzieht, für die wirklich niemand von Deutschland Danksprüche erwarten kann. Der Ak­tivsaldo zugunsten Frankreichs, das in den Jahren 1927 und 1928 über eine Milliarde Mark auswies, hat sich bis Anfang dieses Jahres nur auf etwas weniger als eine halbe Milliarde verringert. Deutschland hat in den ihm ungünstigen Jahren die Auswirkung des Handelsvertrages geduldig Eingenommen und weder zu dem Mittel einseitiger Kontingentierung gegriffen, noch fortwährend mit der Kündigung des Vertrages gedroht.

Dank für die Schuldenstreichung wäre am Platze gewesen, wenn diese vor einem Jahre erfolgt und der großzügige Moratoriumsvorschlag des Präsidenten Hoover zur vollen Auswirkung gegenüber der Weltkrise gelangt wäre. In Lausanne haben unsere Gläubiger ledig, sich das Fazit aus einer unhaltbaren Situation gezogen. Auch Deutschland hat niemand für das Opfer der drei Milliarden gedankt, das es der Verständigung, der internationalen Zu­sammenarbeit und dem europäischen Wieder­aufbau gebracht Hal. Dank für die Rein­landräumung kann nur verlangen, wer sich keine Vorstellung von den Leiden der deut­schen Bevölkerung unter dem Regime einer feindlichen Besatzung machen kann.

Mit Vorwürfen solcher Art fördert man nicht die Neugestaltung der politischen Verhältnisse. Es gehört dazu der Wille, sich zu verständigen, der Wille, die Rechte anderer zu achten, und in jedem. Falle ganz besonders der Wille zu einer tatsächlichen und weitgehenden Abrüstung zu gelangen.

Deutschland ist nach wie vor zu jeder Lösun > des Abrüstungsproblems bereit, die mit feinet

Sicherheit vereinbar ist.

Deutschland hat selbst äbgevüstet. Es hat gedm-Ü 12 Jahre gewartet, bis endlich die allgemeine - rüstungskonferenz zusammentrat. Es kann nicht / sehen, daß auf dieser Konferenz der Sinn der ' rüftung verfälscht wird, in dem die Rüstungsr mente eine unwahre Bewertung erfahren und ' einzelnen Staaten mit zweierlei Maß gemefr werden. Wir verlangen für uns keinerlei Sond^ rechte, sondern lediglich die gleiche Behandlung i alle anderen Staaten. Wir verlangen feine ( Höhung unseres Rüstungsniveaus, sondern S rüftung der anderen nach den gleichen Methode die für uns gelten sollen.

Niemals kann die Befriedung Europas ver^' wirklichi werden, wenn der Versuch gemachlc wird, einzelne Staaten zu Ländern minderen: Rechtes zu degradieren. Erst wenn die Völkers den wahren Kern des Problems ersannt haben,! werden sie die Verständigung zu fördern tracht len, die in dem Augenblick die fehlende Ver-i Handlungsbereilschaft der Staatsmänner zu vereiteln droht.

Beacht übev die Stellung, dev voltreibeamte« im Gia«

Berlin, 27. Sept. Der kommissarische preußisä Minister des Innern Dr. Bracht sprach heute einer gemeinsamen Sitzung von Vorstand ur Ausschuß des Verbandes Preußischer Polizei beamten über die Stellung des Polizeibeamten i; Staat und machte abschließend folgende grundsät liche Ausführungen:

Dieser Staat ist kein leerer Begriff. Er erhä = seine Form im Grundgesetz des Staates, der Bei faffung. Auf sie hat der Beamte den Treueid gl leistet. Diesem Eid auf die republikanische Versah sung sind und bleiben wir verpslichlet. Der We in die Zukunft stellt uns vor die Aufgabe, durc eine zweckmäßige Form der Verfassung neue Jot I men einer Willensbildung des Volkes und dann einer tätigen Mitarbeit des Volkes an den öffent lichen Angelegenheiten zu finden. Dieser Ausgab kann die Beamtenschaft am besten durch treu> Pflichterfüllung dienen.

MeânbuvsNches SlvbektS^ betchaffuusspvosvamm

Schwerin, 27. Sept. Der Mecklenburg schwerinifche Ministerpräsident Granzow hat heut« dem Reichsernährungsminister ein von der na tionalsozialistischen Landtagsmehrheit fertiggestellte« 20 Millionen-Arbeitsbeschaffungsprogramm zügelet tet, das die Neubejchaffung von etwa 25 bis 28 000 Siedlerstellen vorsieht.

266 Todesopfer! einer

GtuvmSataftrovbo

Rewyork, 27. Sept. Ein überaus heftiger Orkan wütete heute über San Iuan (Porlorico) und richtete schweren Schaden an. Allem Anschein nach ist diese Sturmkalastrophe noch bedeutend fol genschwerer als der letzte große Orkan vor vier Iahren. Die Verbindungen mit der Insel Porlorico konnten bereits wieder ausgenommen werden.

Der Gouverneur von Porlorico schätzt die Zahl der Todesopfer der Sturmkatastrophe aus 200 und die Zahl der Verletzten auf mindestens °. 1000. Von den 1000 Wohnhäusern San Juans, die an der Ozeanküste stehen, sind mindestens 800 zer­stört oder beträchtlich beschädigt worden. Der Sach­schaden dürfte sich auf viele Millionen Dollar be­laufen. Große Befürchtungen hat man wegen der Orangenernte, deren Ertrag vor dem Orkan mit sieben Millionen Pesos eingestellt war. Auch die Kaffee-Ernte ist sehr geschädigt.

Eine spätere Meldung lautet: Das Tornado- unglück hat mehr als 200 Tote und über 1000 ver­letzte gefordert. Hunderte von Familien sind obdach­los. Unzählige Gebäude sind zerstört worden. Die Verbindungen mit dem Inneren der Insel sind un- terbrochen. Die Hauptstadt bietet den Anblick voll­kommener Zerstörung. Die Stadt ist ohne Wasser, Licht und Telephon. Die Dächer vieler Gebäude sind fortgetragen. Die Hilfeleistung ist organisiert worden, um Schulen und Kirchen, die in Lager für Obdachlose umgewandelt worden sind. Das ameri­kanische Role Kreuz schickt Lebensmittel, Kleider und Medikamente mit einem Kriegsschiff. Armee und Marine nimmt an der Hilfeleistung teil.

156 Todesopfer eines

Erdbebens

Athen, 27. Sept. Rach amtlichen Meldungen aus Mazedonien, ist das Dorf Stratonikion auf Ehalcidice durch das Erdbeben zerstört worden. Es wurden 50 Tote und 100 Verwundete gezählt. Auch in dem benachbarten Dorf Jerisfos sind zahl­reiche Häuser eingestürzt, und man rechnet mit etwa 100 Opfern.

Athen, 27. Sept. Etwa 1 5 Ortschaften an der Ostküste von Ehalcidice sind durch das Erdbeben beinahe völlig zerstört. Die Einwohner wurden während des Schlafes von der Katastrophe überrascht, was die hohe Zahl der Opfer erklären dürfte. Die Zahl der Toten dürfte, wie die neuesten Meldungen be­sagen, sich aus annähernd 150 belaufen, die der Verletzten auf 250.

Revolvevatteniai in Suba

Der Senatspräsident und ein Mitglied der Kammer sowie zwei Begleiter gelötet

Havana, 27. Sept. Vasquez Bello, der Präsident des kubanischen Senates und Chef der Rational-Liberalen Partei wurde bei einem Revolveraltentat schwer verletzt und starb im Kran­kenhause. Dem unbekannten Täter gelang es, zu entkommen.

Lo n d o n, 28. Sepl. wie die Morgenblätter aus Havana berichten, sind außer dem Senalspräsiden- ten noch ein Mitglied der Kammer und seine zwei Begleiter getötet und ein Senator verwundet wor­den. Wegen der Ermordung des Senalspräsidenlen ist der Belagerungszustand verhängt worden.

(Weitere politische Meldungen Seite 7)