*
Anzeiger fur^
»Hanau Stadt und Land
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat 95 R-Pfg., für den ganzen Monat RM. 1.90 ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10 R-Pfg., Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise- Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Pfg.» im Reklameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. , Osfertengebühr 50 R-Pfg.
Ä
I
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Sei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder aus Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplahvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäfissteste: Hammerstr.9 / Fernspr. 3956,3952,3958
ne. aas
Mittwoch, den
28. September
1932
Havens Antwort an Herriot
Smmev wieder: Mir fordern den Rüftu«gsa«sglekch und keine Aufrüstung - Zweierlei Matz mit Nentfeblands Ehre und Sicherheit unvereinbar - Herriots Drohungen gefährden Befriedung Europas
ÄiUejB' ^w^^w*
Der Reichspräsident hat gestern abend die in >er Rede des Reichsernährungsministers Freiherrn von Braun am Montag in München angekündigte Notverordnung über Zinssenkung für landwirtschaftliche Hypothekenzinsen und den verstärkten Vollstreckungsschutz unterzeichnet. Die Kontingentierung wird auf dem Wege einer Verordnung er= folgen, die voraussichtlich erst in zehn bis vierzehn Tagen erlassen werden wird.
Reichsaußenminister Freiherr v. Neurath hatte gestern abend eine neue Besprechung mit dem Präsidenten der Abrüstungskonferenz, Henderson, der den deutschen Außenminister bereits am Samstag zweiten Unter-
aufgesucht hatte. Auch zu dieser redung war die Initiative von gegangen.
* Am Dienstag fand in Köln des Neubaues der Industrie- und
Henderson aus-
dis Einweihung Handelskammer, der der Reichseine Rede hielt.
sowie der Kölner Börse statt, bei wictschaftsminister Dr. Warmbold Außerdem sprach Reichsbankpräsident Dr. Luther über Währung und Wirtschaftspolitik.
Durch eine Verordnung des Reichsministers des Innern, die heute abend erscheint, wird, wie wir hören, bestimmt werden, daß am 1., 2. und 3. Oktober Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge zugelassen sind, wenn sie zu Ehren des 85. Geburtstages des Reichspräsidenten veranstaltet werden.
*
Pressemeldungen zufolge soll der Gewerkschaftsführer Spliedt in einer Rede davon gesprochen haben, daß die Reichsregierung einen generellen Lohnabbau beabsichtige. Von zuständiger Stelle wird dazu erklärt, daß diese Behauptung jeglicher Grundlage entbehrt.
Zur Frage der Anklageerhebung vor den Sondergerichten hat der preußische Justizminister die Staatsanwaltschaft darauf hingewiesen, mehr als bisher darauf zu achten, die Zuständigkeit der Son- dergerichte nicht bei Fällen von minderer Bedeutung, sondern nur in wirklich notwendigen Fällen zu begründen. Namentlich' bei solchen politischen Straftaten, die vor dem 10. August d. J. begangen seien, werde eine Aburteilung durch die Sondergerichte nur noch bei besonderen Umständen am
Platze jein.
*
Wie der „Demokratische Pressedienst" mitteilt, hat das preußische Kultusministerium die Provin- zialschulkollegien aufgefordert, über die Erfahrungen im Hinblick auf den Wegfall der Betragenszensuren zu berichten. Bestrebungen seien im Gange, die Betragenszensur künftig in den Zeugnissen der preußischen Schulen wieder einzuführen.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" befand sich heute früh 7 Uhr (MEZ.) auf der Höhe der Kapoerdi- .. ' schen Inseln. Das Luftschiff hat sehr gute Fahrt.
Der sächsische Ministerpräsident Schieck ist gestern vom Reichskanzler zu einer Besprechung empfangen worden, die, ähnlich wie die vorangegangenen Besuche süddeutscher Ländervertreter, die finanziellen Schwierigkeiten der Länder zum Gegenstand gehabt haben dürfte. Wie in politischen Kreisen verlautet, kann angenommen werden, daß in der Unterredung eine Einigung über die Mittel zur Ueberbrückung dieser Schwierigkeiten erreicht worden ist. *
Die angekündigte Verordnung über die Streckung der Gehaltsauszahlungen an die bayrischen Beamten ist in der Bayerischen Staatszeitung erschienen. Die Bezüge werden zur Hälfte am 1. Oktober und je zu einem Viertel am 17. und 25. Oktober ausbezahlt.
Im Lohn- und Arbeitszeitstreit des Ruhrbergbaues führten die gestern im Reichsarbeitsministerium stattgefundenen Nachverhandlungen zu einer Einigung der Tarifparteien. Die Verbände erkannten die in den Schiedssprüchen vom 24. September vorgeschlagene Lohn- und Arbeitszeitregelung an und erhoben sie zum Tarifvertrag.
*
Aus Krefeld wird gemeldet: Wie zuverlässig verlautet, beabsichtigen die Deutschen Edelstahlwerke zum 1. Oktober 100 Arbeiter neu einzustellen.
•1 Näheres flehe politischen Teil.
Deutliche und sachliche Entsegnung
Berlin, 27. Sepk. Reichskanzler von Papen empfing den Chefredakteur des WTB., der an den Herrn Reichskanzler die Frage richtete, ob er in der Sonntagsrede des Herrn französischen Ministerpräsidenten eine Förderung des Abrüstungsgedankens erblicke. Der Reichskanzler erwiderte: „Leider muß ich dies verneinen. Ich sehe darin nur eine neue Erschwerung jeder Verständigung und eine Bestätigung der völlig negativen Auslegung der französischen Rote vom 11. September."
Der Reichskanzler fuhr fort: Das kann nicht verwundern. Denn als Herr Herriot, der sich in Genf zu diplomatischen Verhandlungen während der Konferenz bereit erklärt hatte, unseren ersten Schritt zur Anbahnung solcher Verhandlungen öffentlich bekanntgab und danach, noch ehe er uns antwortete, eine große Anzahl dritter Staaten mit der deutschen Anregung befaßte — ohne unsere Einwilligung hierzu vorher einzuholen, wie es die Loyalität oder zum mindestens die Courtoisie verlangt hätte —, schon damals war es klar, daß Frankreich keine Verständigung wünsche. Dazu kommt eine Reihe französischer Kundgebungen — von denen die Rede in Gramat die vorläufig letzte ist —, die die Verhältnisse auf den Kopf zu stellen und die Debatte zu verschieben suchen.
Daher stelle ich fest:
Es handelt sich nicht um die deutsche Abrüstung, sondern um die Einlösung des Abrüstungsversprechens der anderen Wächte. Von deutscher Aufrüstung ist keine Rede, sondern von deutscher Gleichberechtigung und der gleichen Behandlung Deutschlands auf der Abrüstungskonferenz.
ohne
Die Abrüstungskonferenz ist Vorbehalt hinsichtlich der deutschen Gleichstellung einberufen und eröffnet worden. Deutschland ist vor sechs Jahren ohne Vorbehalt hinsichtlich seiner Gleichberechtigung in den Völkerbund ausgenommen worden und selbst in Versailles, wo die Siegermächte sich nicht gescheut haben, Deutschland die unerhörtesten Bedingungen aufzuerlegen, hat niemand die ständige Disqualifizierung Deutschlands auf militärischem Gebiete zu fordern gewagt. Jetzt soll die Entwicklung des letzten Jahrzehnts, die auf Normalisierung der zwischenstaatlichen Beziehungen hindrängt, rückwärts dividiert und Deutschland der Status eines Volkes minderen Rechtes auferlegt werden.
Das können wir natürlich nicht hinnehmen.
Auch der Ausgangspunkt der jetzigen Erörterung ist verschoben worden. Richt wir haben den Zeitpunkt für die Erörterung dieser Frage gewählt, vielmehr hat die Konferenz gegen unseren Willen Beschlüsse gefaßt, die die Frage der deutschen Gleichberechtigung akut werden lassen.
Die Frage, die sich gestellt hat und die weder in der französischen, noch in der englischen Meinungsäußerung bisher beantwortet ist, lautet: Welche Anwendung finden die Beschlüsse der Abrüstungskonferenz auf Deutschland? Wir verlangen selbstredend, daß die Abrüstungskonvention, auf die die Welt schon so lange hat warten müssen, auf uns ebenso anwendbar sei, wie auf alle anderen Staaten. Unsere praktischen Forderungen, die sehr zu Unrecht als Aufrüstung verdächtigt werden, besagen nichts anderes, als daß wir — selbstverständlich im Rahmen der Konvention — dieselbe Freiheit der Anpassung unserer Rüstungen an unsere sozialen und nationalen Bedürfnisse verlangen, die jedem anderen Staate zusteht. Wir haben angeboten, über Art und Umfang dieser Anpassung zu verhandeln. Ferner fordern wir, daß wir mit gleichem Maße hinsichtlich der Rüstungsfaktoren gemessen werden wie andere auch. In Versailles vertrat man die These, daß gewisse Waffen, die uns damals verboten wurden, A n - griffswaffen seien. Heute will man sie zu Verteidigungswaffen erklären, uns aber nach wie vor versagen, sie zu führen, uns also theoretisch die Gleichberechtigung versagen und praktisch das Recht auf Verteidigung einschränken. Das Recht auf Verteidigung aber hat uns niemand absprechen können und wollen — auch Herr Herriot nicht. Daß wir dieses Grundrecht jedes Volkes ausüben können, darin gipfeln die Forderungen, die nicht nur der für die Landesverteidiguna verantwortliche Minister, sondern die gesamte Reichsregierung einmütig erhoben hat.
Wir haben niemals verlangt, uns in demselben Umfange zu bewaffnen, wie dies Frankreich
und andere Staaten tun. Wir erstreben den Rüstungsausgleich durch Senkung des allge- meinen Rüstungsniveaus.
Immer wieder haben wir erklärt, daß uns jede Rüstungsbeschränkung recht ist, wenn sie nur auf alle ausgedehnt wird, und daß uns in keiner Hinsicht die Abrüftungskonoention zu weit gehen kann. Die Rede von G r a m a t beweist aber von neuem, daß man gewillt ist, mit zweierlei Maß zu messen. Trotz ihres geringen Umfanges soll Lie Reichswehr als Angriffsheer gelten, alle Waffen sollen in unserer Hand als Angriffswaffen bewertet werden, während angeblich die gewaltige Wehrmacht anderer Länder lediglich der Verteidigung dient. Wir sollen uns mit juristischen Sicherheitskonstrut- tionen begnügen, während andere Staaten daneben Len größten Teil ihrer ungeheuren militärischen Rüstungen beibehalten wollen.
Auf die juristische Argumentation der französischen und der englischen Regierung will ich nicht eingehen, weil sie mir ganz unhaltbar erscheint. Wir begründen unseren Anspruch nicht zuletzt auf den Artikel VIII der V ö l ke r b u nd s a tz u ng, den auch sie zitieren. Aber wir verlangen, daß seine Bestimmungen im gleichen Umfange für alle Staaten gelten und halten es für völlig u n m ö g - l i ch, daß innerhalb • der Gemeinschaft des Völkerbundes z w e i e r l e i Recht angewandt wird.
Wenn der französische Ministerpräsident beklagt, daß man Kinder die Kunst des Tötens lehre, Übersicht er, daß gerade in Frankreich die militärische Ju g e ndv o rb ereitung seit Jahren in großem Stile betrieben wird und daß der Gesetzentwurf über die „pröparation militaire de la jeunesse" einen wesentlichen Bestandteil der französischen Heeresreform darstellt. Davon abgesehen wird nach wie vor jeder junge Franzose, der körperlich dazu tauglich ist, im Waffenhandwerk ausgebildet. Demgegenüber ist festzustellen, daß die sportliche Ertüchtigung der deutschen Jugend gemäß der Verordnung vom 13. September keinerlei militärischen Charakter
Des Reichstags letzte Stunde
Dev Reichskanzlei? als Lenge vov dem ÄnteetuchnngsansschnS
Berlin, 27. Sept. Der Reichstagsausschuh zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung trat am Dienstag nachmittag als Untersuchungsausschuß erneut zusammen, um die Beweisaufnahme über die Vorgänge in der letzten Reichstagssitzung durch die Vernehmung der Mitglieder der Reichsregierung und weiterer Zeugen abzuschliehen und im Anschluh daran über Anträge aus Aufhebung von Notverordnungen zu beraten. Das wichtigste Ergebnis war die Abstimmung über die Rechtswirksamkeil der am 12. September im Reichstag vorgenommenen Abstimmung. Die Kommunisten beantragten einen Beschluh. dah die Reichstagsabstimmungen über die Mihtrauensanträge und über die Aufhebung der Notverordnungen rechlswirkfam seien. Für diesen Antrag stimmten nur die Kommunisten; Deulschnalionale, Zentrum. Bayerische Volkspartei und Sozialdemokraten stimmten dagegen, die Nationalsozialisten enthielten sich der Stimme. 3n der vorangegangenen Aussprache hatte Dr. Frank für die Nationalsozialisten diese Haltung damit begründet. dah der Ausschuh bereits früher die Rechtswirksamkeit der Plenarabstimmungen festgeslellt habe und daß es nach seiner Auffassung keinen Zweck habe, frühel gefahte Beschlüsse zu wiederholen. Die Sozialdemokraten hatten zu der gleichen Angelegenheit einen Antrag eingebracht, dah die Reichstagsauslösung im Augenblick der Uebergabe der Urkunde wirksam geworden und infolgedessen die Abstimmungen staatsrechtlich unwirksam seien. Für diesen Antrag stimmten auher den Sozialdemokraten die Deutschnationalen, das Zentrum, die
trägt und lediglich die sportliche Fortbildung und das kameradschaftliche Zusammenleben bezweckt. Was sollen derartige unnötige Verdächtigungen und was sollen die wiederholten Drohungen mit angeblichen Enthüllungen. Dies alles kann nur der Verständigung entgegenwirken.
Wil Erstaunen habe ich die Angaben über die angeblich so erhebliche französische Heeresverminderung gelesen. Frankreich hat gewiß einige Jahre nach dem Kriege seine Feldarmee demobilisiert. Was sonst in dieser Hinsicht ge. schah, ist weil weniger eine Abrüstung, als eine Umrüstung, die das Schwergewicht der französischen Heresmacht in die Reserven und in das Waterial verlegt. Zeugt es etwa von Abrüstung, daß die französischen Wilitär- ousgaben in sechs Jahren um 100 Prozent gestiegen sind? Eine Anführung der französischen Präsenzstärke ist irreführend, weil der wahre Wert dieser gewaltigen Armee in ihren mobilisierbaren Reserven liegt, und jeder vergleich ist irreführend, der nicht berücksichtigt, daß Deutschland keinerlei mobilisierbaren Reserven besitzt und lediglich aus seine Präsenzstärke angewiesen ist.
Jeder militärisch Geschulte weiß, daß die Stärke einer Armee in ihrem technischen Kriegsmaterial begründet ist. Keine Aufstellung der französischen Herresstärke kann als zutreffend angesehen werden, die die vielen tausend schwerer Geschütze, Tanks, Flugzeuge usw. verschweigt.
Was wir fordern, ist niemals Aufrüstung auf den Rüstungsstand unserer Nachbarn, sondern Abrüstung in ganz Europa und in der Welt sowie Gleichbehandlung Deutschlands in den Methoden der Abrüstung und in der Bewertung der Rüstungsfaktoren.
Nur die Gleichberechtigung und die Gleichbehandlung kann die Entspannung zwischen den Völkern herbeiführen, die wir alle erstreben. Sie ist die Grundlage des Friedens und jener moralischen Abrüstung, von der so off gesprochen wurde.
Es handelt sich hierbei um Grundrechte der Völker, die kein Land dem anderen verweigern darf. Unverständlich ist mir, wie man in diesem Zusammenhang von Dank und Undank reden kann. Frankreichs Ministerpräsident beklagt sich zu Unrecht über Deutschlands Undank. Sollen wir etwa Dank sagen für einen Ausfuhrüberschuß, den uns der Handelsvertrag in Auswirkung der Weltwirtschaftskrise gebracht hat und der heute noch nicht einmal den französischen Ausfuhrüberschuß nach Deutschland wettmacht, den die ersten Jahre nach Abschluß dieses selben Handelsvertrages
(Fortsetzung auf Sette 2)
Bayerische Volkspartei, während Nationalsozialisten und Kommunisten dagegen stimmten. Auch dieser Antrag wurde daher abgelehnt.
3n der Frage der Reichslagsabslimmungen, die den Hauplslreitpunkl zwischen Regierung und Reichstag bildet, hat also der Ueberwachungsaus-
schuß in seiner Eigenschaft schuh einen neuen Beschluß
3m übrigen wurie ein trag abgelehnt, wonach die
als Unlersuchungsaus- gefaßt.
deutschnationaler An- zur Rechts- und Tat.
sachenlage von der Reichsregierung abgegebenen Erklärungen durch die Feststellung des Ausschusses als erwiesen seien anzusehen. Wil den Stimmen der Nationalsozialisten, des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei wurde ein nationalsozialistischer Feststellungsantrag angenommen, der besagt, daß sich der Reichskanzler erst zum Wort meldete, nachdem die Abstimmung vom Reichstagspräsidenlen bereits begonnen war.
Das Verhallen des Reichstagspräsidenlen habe sowohl der Rekchsverfassung wie der Geschäftsordnung des Reichstages entsprochen. Aus den Ausführungen des Kanzlers ergebe sich für den Ausschuß die Feststellung, daß die Reichsregierung unter allen Umständen entschlossen war, den Reichstag noch vor
Die heutige Nummer umfaht 10 Seite«