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Nr. 226

Montag, den 26. September 1932

Seite 3

Gtadt Aana«

IwetsshenkuchenzsZt

^r kennen die Zeit der Hundstage, die Saure- 1 pseit u. a. Die lieblichste von allen jedoch ist Zwetschenkuchenzeit. Und sie ist nun dal Wir n wohl dieses Jahr nicht so viel Obst wie aber für unsere Zwetschenkuchen gibt es doch 3- ®4on vor Wochen haben neugierige Augen geprüft, ob sich die Früchte nicht endlich blau ' ?n- ^etzt ist es so weit. Wir können dem Iche: Eßt deutsches Obst! nicht besser nachkom- l als wenn wir ordentlich Zwetschenkuchen essen. -esonders die ersten Obstkuchen erwecken Freude

1 ung und alt. Wenn sie auf dem Tisch erschei- glättet sich manche Falte. Die Hanauex Haus- n freilich füllen nun auch die Einmachgläser der köstlichen Frucht, um an hohen Feiertagen Obstkuchen aufwarten zu können. Mir will scheinen, daß der Zwetschenkuchen am besten er Herbstzeit schmeckt. Unter dem Weihnachts- n hat mir der Zwetschenkuchen noch nie so recht landet.

lber jetzt in diesen Tagen, wenn der Landwirt r der Arbeit, die nun von allen Seiten auf ihn ürmt, seufzt, dann leuchtet ihm der Zwetschen- :n entgegen. Schon das Aufstehen wird durch erleichtert. Und erst die Wirkung auf die Kin- Sie kommen mit glänzenden Äugen, sie ver- ien trotz Spiel und Drachensteigen keinen Hmittagskaffee; denn der Zwetschenkuchen ist er als alle anderen Kameraden.

Wenn unsere Bauern vom Morgen bis zum nd draußen im Feld stehen und die Kartoffeln lacken, auspflügen oder von der Maschine aus­sen lassen und nachher auflesen, dann ist in der eepause der gereichte Zwetschenkuchen der ste Freudenbringer. Jeder, der an der freien : zu arbeiten hat, weiß, wie der Appetit dabei eckt wird. Bei vielen, besonders bei den jünge- Arbeitern, schweift der Blick schon während der eit gar ost nach dem Weg, ob nicht bald die tter oder die Magd mit dem Korbe kommen.

1 leeren und halbvollen Säcken sitzen dann die ismachcr" und lassen sich den besten aller Kuchen munden. Ist die Arbeit der Landfrauen noch «singend und wer will bestreiten, daß gerade Herbstzeit für unsere Bauersfrauen die meiste 'eit dingt? eins wird immer noch so nebenbei digt: Das ist das Backen der Zwetschenkuchen, nchmal wird der Teig morgens, wenn es noch ikel ist,angestellt", dann wieder am späten >nd. Aber einige Minuten preßt sich die rührige ^sfrau immer noch heraus aus dem Tagespro- mm.

Und in der Stadt ist es ebenso. Die Hanauer cker haben jetzt Samstags Hochbetrieb, denn am untag soll der Zwetschenkuchen nicht zum Kaffee len.

Ne evfte Kebenevwevbftedluns im Landkreis Aanau

10 Doppelhäuser in Langendiebach erstellt

I Wirtschaftliche Notzeiten erfordern besondere kämpfungs- und Linderungsmaßnahmen. Jeder r-irgendwie gangbare Weg muß beschritten wer- 1, will man dem ungeheuren Elend im deutschen iterlanb beikommen und den letzten Glauben ütefter Volkskreise nicht ganz zerstören. Aus Äie- i Erwägungen heraus wurde der Gedanke der adtrandsiedlung geboren, die im ureigentlichen nne eine Nebenerwerbssiedlung sein und Hil-fe, nn auch in bescheidenem Rahmen bringen will, lenthalben wurde der Gedanke -freudig -aufge- iffen und vielerorts schon in die Tat umgesetzt.

Zwei Fragen drängen sich dabei in den Vorder- und: Was will die Nebenerwerbssiedlung und e erfolgt ihre Finanzierung? Von der Ansiedlung len in erster Linie Volksgenossen ersaßt werden, ; auch bei einem Wiederantrieb der Wirtschaft schnell keine Aussicht haben, wieder in den Pro- lktionsprozeß eingeschaltet zu werden. Billige rd gesunde Wohngelegenheit, ein wenig Klein-

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Don Harald Baumgarten

Copyright 1928 by Georg Müller Verlag.

Fortsetzung'. (Nachdruck verboten.)

Der alte Mann stand auf, küßte Mary auf die Stirne, in seinen Augen stand das Leid.

Ich danke dir, Vater, wir Hees sind ein tapferes Zeschlecht. Wir kämpfen. Wir kämpfen sogar mit em Tode."

Und aus ihren Augen brach eine solche Kraft, , Sir Hee sein Kind verwundert ansah.

Die Unterredung zwischen Ralph und Doktor fee war kurz. Mary hatte darauf gedrungen, daß ^alph die ganze Wahrheit erfahre. Als die beiden Männer aus Hees Arbeitszimmer traten, eilte sie tu Ralph.

Ralph, ich habe es überlegt, wir heiraten so chnell als möglich, ich will zu dir stehen als deine frau."

Ralph schüttelte den Kopf.Nein, Mary, das Ipfer wäre zu groß. Ich bin dem Tode verfallen. 3d) fahre heute noch fort, meinem Schicksal ent­gegen, und du wirst mich vergessen!"

Davon kann keine Rede sein," erwiderte Mary mit flammenden Augen,ich halte zu dir, Ralph. Oh, dieser Schurke Jack! Er muß verfolgt werden. Wir müssen uns sofort an die Polizei wenden!"

Laß sein, Mary," sagte ihr Vater,das hat keinen Sinn. Er ist erstens intelligent genug, um sich nicht so leicht fangen zu lassen, und selbst wenn er festgesetzt würde, was hätten wir davon? Er ist ebensowenig imstande, Ralph zu retten, wie ich es bin. Seiner Strafe wird er nicht entgehen. Da­von bin ich fest überzeugt."

Ein Boot kämpfte sich durch die Brandung. Halloh," rief Kapitän Streck, seine Mütze wie eine Fahne schwenkend,alles klar an Bord!" Er sprang an Land und eilte mit seinem schaukelnden Seemannsgang die Allee hinauf.Macht kurz den Abschied und dann den Anker hoch nach der Südsee!"

Es antwortete ihm niemand. Das Gespenst des Grauens stand zwischen den Menschen.

Nanu, was ist denn hier los? Habt ihr ein Laar in der Suppe gefundn?" Er lachte.Hilft

Wie wollen heißen!

Llufvuf zur MntevVNfe

Ein neuer schwerer Winter steht vor der Tür. Mitfühlende Nächstenliebe, die aus freiem Willen hingibt, was sie entbehren kann, vermag viel. Sie muß neben die Anstrengungen von Reich, Ländern und Gemeinden treten, um die Arbeitslosen und Arbeitsunfähigen vor der äußersten Not zu schützen.

Daß diese Nächstenliebe noch lebendig ist, hat der vorige Winter bewiesen. Trotz der Verarmung unseres Volkes wurde mehr gegeben als je zuvor, dank der großen Opfer aller derer, denen es ernst war mit dem Worte:

Wir wollen helfen

War diese Hilfe auch bescheiden gegenüber der Not der Millionen, so hat sie doch in vielen Hun­derttausenden den Mut gestärkt, in fast hoffnungs­loser Lage auszuharren.

Auch in diesem Winter muß und wird die Losung aller Deutschen, die guten Willens sind, lauten:

Wir wollen helfen.

Im Namen aller Hilfsbedürftigen, tm Namen aller offenen und verschwiegenen Not bitten die unterzeichneten Verbände:

Helft weiter in opferbereiter Liebe!

Helft von Mensch zu Mensch, soweit ihr könnt!

Helft aber auch durch Spenden an Lebensmit­teln, Kleidungs- und Wäschestücken, an Heiz­materialien und an Geld den in der Winterhilfe tätigen Organisationen, damit sie in gewissenhafter geordneter Arbeit den Kampf gegen die Not weiter führen können!

Deutsche Liga der freien Wohlfahrts­pflege:

Central-Ausschuß für die Innere Mission der deut­schen evangelischen Kirche. Deutscher Caritas- verband. Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Deutsches Rotes Kreuz. Fünfter Wohl­fahrtsverband. Christliche Arbeiterhilfe.

tierhalt-u-ng und Feldbau, nicht zuletzt aber auch das Gefühl, auf eigenem Grund und Boden nicht mehr völlig auf die öffentliche Für­sorge angewiesen zu sein, soll ihrem Leben einen neuen Inhalt geben und für die Zukunft auch zu einer Entlastung der öffentlichen Mittel führen. Aus diesem Grund kommen für die Siedlungen auch nur Crwe rbs los enfam i lien in Frage, die Gewähr für einen bescheidenen Existenzaufbau von sich aus bie­ten. Bei der Finanzierung der Siedlungen herrscht als oberster Grundsatz vor, daß die Errichtung der einzelnen Siedlerstelle einschließlich aller Nachfolge- kosten den Betrag von 2500 RM nicht übersteigen darf. Rein theoretisch ist die Höchstgrenze allerdings auf 3000 RM pro Stelle f eftgelegt, doch betragen die vom Reich zur Verfügung gestellten Baugelder stets nur 2500 RM pro Stelle, so daß die restlichen 500 Mark vom Siedler aufzubringen wären. Eine derartige Ausbringung muß aber aus leicht ver­ständlichen Gründen fast ausnahmslos als Ding der Unmöglichkeit gelten.

Damit sind wir bei der toi tätigsten Frage der Finanzierung der Siedlerstellen angelangt. Wie be- bereits erwähnt, stellt das Reich die Baugelder in Höhe von 2500 RM pro Siedlerstelle auf 3 Jahre zur Verfügung. Von Beginn der ersten Ernte des Siedlers auf seinem neuen Grund und Boden müssen die Baugelder mit 3 Prozent ohne jegliche Amortisation verzinst werden. Die Forderungen der Gemeinde für die Grundstückskosten in Lan­gendiebach ca. 300 RM pro Siedlerstelle müssen bis zur ersten Ernte abgedeckt sein. Nach der Ernte greift dann eine Verzinsung von 4 Prozent und eine Tilgung der Baugelder in Höhe von 1 Pro­zent Platz, so daß der Siedler jährlich 125 RM auf­bringen muß. Im übrigen sind die Siedlerbauten

nichts! Anker hoch und ade du Seemannsbraut! Umso schöner ist das Wiedersehen!"

Wir fahren!" Hart klang Ralphs Stimme. Laß es uns kurz machen, Mary." Er schritt dem Strande zu. Mary trat ihm in den Weg.

Ich dulde es nicht! Durch unsere Schuld ist dein Leben aufs Spiel gesetzt. Kampflos lasse ich dich nicht."

Wir wollen noch einmal beraten," meinte Dr. Hee,mir fällt eben ein Weg ein, der vielleicht zur Rettung führen könnte."

Als Streck den Sachverhalt erfuhr, geriet er in furchtbaren Zorn.Den Ankern auf," schrie er,und dem Halunken nach, und wenn ich sechs mal um die ganze Welt fahren müßte, ich kriege ihn, und dann sei Gott seiner Seele gnädig."

Seine Stimme schlug in Schluchzen um.Min armer Jung, daß dir so etwas passieren mußte." Es war das einzigste Mal, daß Kapitän Streck seinen jungen Herrndu" nannte.

Dr. Hee erklärte nun seine Idee. Auf einer Forschungsreise in Indien hatte sich ihm ein junger deutscher Gelehrter angeschlossen, dessen Spezial­gebiet ebenfalls die Erforschung indischer Gifte war. Aber schon damals hatte er sich bemüht, Gegengifte zu finden. Wie weit diese Studien ge- diehen waren, konnte Hee nicht sagen. Er wußte nur, daß Dr. Werkmeister jetzt eine angesehene Stellung an der Berliner Universität innehabe.

Wenn ein Mensch imstande ist, Sie zu retten, lieber Ralph, so ist es Dr. Werkmeister! Reisen Sie zu ihm. Nehmen Sie das Gift mit. Vielleicht hat er ein Gegengift gefunden. Es ist das einzige Strohhälmchen, das wir ergreifen können."

Ein leises Klingen von Hoffnung stand in Ralphs Augen.

Wir fahren," rief Mary,jetzt sofort! Kurs Hamburg, Kapitän Streck und immer Volldampf voraus!"

Und als die drei Männer sie verwundert ansahen, da lächelte sie zum ersten Male nach jener furcht­baren Nacht.Ja, Kapitän Streck, jetzt bekommen Sie doch noch Ihren lüttjen Schiffsjungen an Bord. Papa, du mußt es mir erlauben, ich habe soviel Hoffnung in mir, so festen Glauben an unser Glück."

Fahre mit Gott, mein Kind, soviel Vertrauen kann nicht zuschanden werden. Ralph, ich lege Ihnen mein Kind ans Herz. Ich kann Sie nicht be­gleiten, ich bin zu alt und würde euch nur hinder­

Reichspräsident und Reichsregie -- rung schließen sich mit folgendem Geleitwort an :

Trotz manchem Anzeichen einer Besserung der Wirtschaftslage gilt es dennoch wieder, einen schweren Winter wirtschaftlicher Bedrängnis zu überstehen. Opfermut des Deutschen für den Deutschen muß hier abermals ein starker Helfer sein. Auch in diesem Jahre ergebt daher der Auf­ruf zub Winterhilfe. Reichspräsident und Reichs­regierung unterstützen, ihn mit der dringenden Bitte an alle, in Erfüllung sittlicher und menschlicher Nächstenpslicht auch für den kommenden Winter in Liebestätigkeit nicht nachzulassen. Wer diese Bitte erhört, lindert nicht nur die Not des Einzelnen, er dient auch dem Vaterlands. Darum denkt an Deutschland und helft!

Berlin, 24. September 1932.

Der Reichspräsident: o. Hindenburg.

Für die Reichsregierung: von Papen, Reichs­kanzler.

Den Aufruf zur Winterhilfe der freien Wohl­fahrtspflege Haben außer dem Reichspräsidenten und Reichsregierung auch die kommunalen S pich e n v/e r b ä n d e mit einem Geleitwort unterzeichnet. Das Geleitwort ist unterzeichnet vom Deutschen Städtetag, vom Deutschen Landkreistag, dem Deutschen Städteband, dem Verband der Preußischen Provinzen und dem Deutschen Land­gemeindetag. Es hat folgenden Wortlaut:

Die Gemeinden und Gemeindeverbände sind mit allen Kräften bemüht, die große allgemeine Not zu lindern. Aber die Mittel sind begrenzt. Hier muß die freie Wohlfahrtspflege helfend eingreifen. Alle müssen in dem kommenden schweren Winter zu­sammenstehen. Die Kommunen richten die dringende Bitte an alle, die helfen können, zu ihrem Teil dazu beizutragen, daß den Volksgenossen, die- in Not sind, über die schwere Zeit hinweggeholfen werden kann.

völlig steuerfrei errichtet und gehen nach 23 Jah­ren in den endgültigen Beisitz der Siedler über.

Im Gegensatz zur Stadt Hanau, die sich an einer Stadtrandsiedlung desinteressiert zeigte, griff man im Landkreis das Projekt sofort auf. Als erste Sied­lung erstanden jetzt in überraschend kurzer Zeit 10 schmucke Doppelhäuschen in Langendiebach. Erst am 13. August wurde mit dem Bau der Häuser, die in 3 Reihenfronten hintereinander an dem Feldweg nach Langenselbold liegen, begonnen und bereits heute sind sie im Rohbau fix und fertig. Solide und zweckmäßige Arbeit, wie man auf den ersten Blick unschwer erkennen kann. Im Erdge­schoß eine Küche und ein großer Kellerraum, der gleichzeitig als Wasch- und Futterküche benutzt werden kann. Im ersten Stock zwei nette Zimmer- chen und darüber zwei kleine Kammern. Hinten an- gebaut ein Stallgebäude mit erstaunlich geräumi­gem Futterboden und ein weiterer unentbehrlicher Ort. Geräumig und zweckentsprechend die ganze Siedlerstelle, die mit der bebauten Fläche, ca. 7 ar ausmacht. Mithin Platz genug bei jeder Stelle für einen großen Hausgarten, zu dem noch Gelegen­heit geboten ist, in nächster Nähe weiteres Land hinzuzupachten. Von der Gemeinde, die als Trä­gerin und Garantin der Siedlung gegenüber dem Reich mit der hessischen Heimstättengesellschaft" eine Art Rückversicherung abgeschlossen hat, wurde der Grund und Boden zu 50 Pfg. pro Quadrat­meter zur Verfügung gestellt. Beim Bau der Sied­lung selbst wurde der größte Wert auf Typisierung gelegt, so daß auch ein einheitlicher Anblick ge­währleistet ist. Weitere erforderliche Arbeiten wie Entwässerung, Anlegung von Wegen usw. werden zur Entlastung der Gemeinde auf dem Wege des freiwilligen Arbeitsdienstes in Angriff genommen

lich sein. Ich gebe Ihnen meine Tochter mit. Sie wird, so hoffe ich, in guten Händen sein."

Da küßte Ralph Louis Torstenfen dem Greis die Hand.

Zwei Stunden später lichtete dieTarantella" die Anker. Sir Hee stand au User. Im letzten Mo­ment ruderte ein Mann ein kleines Boot durch die Wellen. Und eben, als dieTarantella" seewärts wandte, erklomm der Insasse das Fallreep. Es war Tommy.

Oh," rief er, noch ganz außer Atem,ich nicht lassen allein meine junge Herrin. Oh, Tommy will auch einmal fahren mit weißem Schiff zu die wei­ßen Menschen. Hip Hip Hurra!"

Nanu kanns ja nicht fehlgehen," meinte Kapi­tän Streck,wenn Tommy dabei ist."

Und er drehte den Zeiger aufVolldampf vor­aus".

Volldampf voraus", telegraphierte der M-afchi- nist zurück, und brausend schnitt dieTarantella" durch die Wellen.

Am Heck standen Mary und Ralph, ihre Blicke suchten noch lange das Ufer, wo ein einsamer Greis der weißen Jacht nachfah.

Muß i denn, muß i denn zum Städtle hinaus," intonierte die Schiffskapelle. Wie aber Streck sah, daß sich Marys Augen mit Tränen füllten, da donnerte er über das Deck:Was f peelt ihr denn da für verrückten Kram? Speelt man sofort das Reservistenlied!"

Kräftig setzte die Musik ein:Es gibt ein Wie­dersehen, es gibt ein Wiedersehn!"

San Salvador verschwand am Horizont.

Ich glaube an das Gute," flüsterte Mary,ich glaube an das Glück!"

Achtes Kapitel

Der Derbyzug nach Hamburg war dieses Jahr nicht übervoll. Der ewige Regen hielt viele Turf­freunde ab, der Bahn auf dem Horner Moor ihre Aufwartung zu machen. So kam es, daß Lia Ly mit ihren beiden Freunden noch am Bahnhof Plätze bekam. Am Abend vorher war ein Funktelegramm von Jack ein gegangen, daß feine Ankunft für den nächsten Nachmittag im Hamburger Hafen anzeigte. Lia Ly hatte daraufhin, kurz entschlossen, ihr Auf­treten im Wintergarten abgebrochen. Der Arzt hatte ihr Nervenüberreizung bestätigt.

Kurz nach Neun begab man sich in den Speise­wagen. Der ganze Zug war vom Rennfieber er-

werden. Auf alle Fälle sann sich die erste Neben-« erwerbssteülung in Langendiebach sehen lassen und wird auch vor kritischen Blicken in Ehren bestehen können. Weitere Siedlungen liegen für, Groß- Krotzenburg und Rückingen bereits im Projekt Mt und sind für -andere Orte wie Langen-selbol-d, Wo>'- gang usw. in Aussicht genommen.

* Daten für 27. September. 1856: Der Kolonial« Politiker Karl Peters in Neuhaus al d. Elbe ge« boren. 1914: Der Dichter Hermann Löns vor Reims gestorben. 1921: Der Komponist Engelbert Humper­dinck in Neu-Strelitz gest.

* Ihren 88. Geburtstag feiert heute in körper­licher und geistiger Frische Frau Maria Colombara, Burgallee 125. Ihren 79. Ge­burtstag begeht morgen in geistiger und körper­licher Frische Frau Marg. Schnarr, Witwe, hier, Freigerichtstraße 16.

* Zur letzte Ruhe geleitet wurde am Samstag vormittag unter den ernsten Klängen der Frank- surter Schupokapelle der auf so überaus tragische Weise im Beruf ums Leben geko-mmene Kriminal­assistent Gustav N oe s k-e von der hiesigen Krim-i- nalpolizei. Der Beisetzung wohnte eine große Tra-uergemeinde bei, unter der sich auch die Spitze der zuständigen sta-atlichen Behörden Herr Landr-crt Kaiser und Herr Oberstaatsanwalt Dr. Hae- d-en-kamp befanden, die der -erschütternden Tra­gik des Falles und der großen Pflichttreue des Verstorbenen warme Nachrufe widmeten. Die Trau-eranspr-ache hielt Herr Pfarrer S ch e i g von der Jvhannesk-irche, der starke Worte des Trostes für die leidgeprüften Hinterbliebenen fand. Mit dr« Ehrensalven über den kranzg-eschmückten Grabhügel endete die ergreifende Tr-au-erfe-ier.

* Lehrgang zur Vorbereitung auf die Meister­prüfung. Die Handwerkskammer-Nöbenstelle Hanau veranstaltet bei genügender Beteiligung in den Wintermonaten einen Lehrgang zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung. Es werden gelehrt: gewerb­liche Buchführung, Kostenberechnung, Gesetzeskun-de und Steuerrecht. An dem Lehrgang können selb­ständige Handwerker und Handwerkerinnen, auch Gehilfen über .20 Jahre teilnehmen. Anmeldungen sind an die Handwerkskammer-Nebenstelle Hanau, Im Bangert 2, bis zum 1. Oktober d. I. zu richten.

* Wann wird eine Kündigung wirksam? Unter dem Aktenzeichen RAG 530/31 hat das Reichs­arbeitsgericht eine Entscheidung über das Wirksam­werden einer Kündigung gefällt. Danach ist die Kündigung eine empsangsbedürftige Willenser­klärung. Wird diese in Abwesenheit des Erklärungs­empfängers abgegeben, so wird sie in dem Zeit­punkt wirksam, in welchem sie diesem zugeht. Bei einem Brief trifft dies unter gewöhnlichen Um­ständen schon dann zu, wenn der Brief in der Wohnung des Empfängers nicht an ihn selbst, son­dern an einen Familienangehörigen oder eine in der Familie dienende Person ausgehändigt oder etwa in den an der Wohnungstür befindlichen Briefkasten geworfen worden ist. Anders ist es mit einer Einschreibesendung, die ja dem Empfänger persönlich übergeben werden muß. Verzögert sich durch eine solche Sendung die Rechtzeitigkeit des Zugehens, so geht diese Gefahr zu Lasten des Arbeitgebers, der sich des Mittels der Einschreibe­sendung bedient. Der Umstand, daß der Postbote gemäß den postalischen Vorschriften einen Benach- richtigungszettel in der Wohnung des Arbeitgebers zurückläßt, der die Niederlegung des Kündigungs­schreibens auf dem Postamt anzeigt, ändert nichts, weil hierin eine Ersetzung des Zugehens der Kün­digungserklärung nicht zu erblicken ist. Dies -ist auch dann der Fall, wenn der Arbeitnehmer sich nicht zuhause, also etwa auf Urlaub befindet. Nach der Entscheidung des Reichsarbe-itsgerichts ist der Arbeitnehmer nicht verpflichtet, jede, auch nur vor­übergehende Abwesenheit vom Wohnhort während eines Urlaubs sofort mitzuteilen. Das kann sich höchstens auf eine längere Abwesenheit beziehen.

* An übertragbaren Krankheiten wurden in der Woche vom 18. bis 24. September amtlich gemeldet: 1 Fall Diphtherie aus Hanau.

griffen. Namen von Pferden und Jockeis schwirrten durch die Luft, Quoten wurden errechnet, Ver­mutungen aller Art -aufgestellt. Jim wurde überall mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt. Man vermutete in ihm einen hervorragenden Jockei oder Trainer, von dem vielleicht ein guter Tip zu -be­kommen sei.

Das Kleeblatt war ziemlich einsilbig. Kowa­lewski schien die Differenzen vollständig ad acta gelegt zu haben. Von derenglischen Affaire" wurde nicht mehr gesprochen. Jim betrachtete Kowalewski mit Mißtrauen. Er hatte Lia vorge- schlagen, ihn in Berlin zu lassen, aber Kowalewski hatte auf eine Andeutung dieser Art sofort er­klärt, er fahre mit, er wolle denfamosen Jack" endlich auch einmal fennenlernen.

Lia selbst war nervös. Sie war offenbar in einer Pechsträhne. Die Sache in Salvador, auf die sie die größten Hoffnungen gesetzt hatte, schien durch irgendeinen Umstand gescheitert. Der von Kowa­lewski in Paris gedeichselte Diebstahl hatte so sehr viel nicht eingebracht. Es mußte ein neuer Schlag gelingen, denn ihr ungeheuer luxuriöses Leben, an das sie gewöhnt war, verschlang Unsummen. Sie ließ im Speisewagen Sekt kommen. Die drei hat­ten eben an einem der für vier Personen bestimm­ten Tische Platz genommen, als Eberssteins näselnde Stimme sich hören ließ. Cbersstein schwamm in Wonne, als er Lia Ly erblickte.

Nein, solch ein Glück, meine Gnädigste, dachte schon, bei diesem trostlosen Wetter traurige Fahrt machen zu müssen, und nun doch plötzlich Sonne aufgegangen."

Lia Ly -begrüßte ihn etwas erstaunt.Nanu, Graf, Sie auch zum Derby? Sie äußerten doch gestern noch gar nichts von dieser Ihrer Absicht?"

Plötzliche Schiebung, meine Teuerste, Chef­redakteur, der selbst zum Derby wollte, krank ge­worden. Nun sondle ich an seiner Stelle hin. Wollte heute früh mich verabschieden, da höre ich im Zen­tral, daß Gnädigste plötzlich abgereist. Hatte natür­lich nicht auf das Glück gehofft, Sie hier zu treffen. Habe bereits fulminanten Artikel über Ihr Schei­den von Berlin verfaßt: Ueberschrift: Berlin weint, weil Lia Ly -scheidet! Kolossaler Witz bei dem Regen."

(Fortsetzung folgt).