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Nr. 224

Irelkag, den 23. September 1932

Selfe 5

Meers Büdinge«

pinale Kinderlähmung auch im kreise Büdingen?

s Büdingen, 23. Sept. Nach Gerüchten, die am annerstag nachmittag in der hiesigen Stadt um= ngen, soll an zwei Plätzen im Kreise Büdingen, id zwar in Berstadt und noch an einem anderen latze unweit Nidda die spinale Kinderlähmung stgestellt worden sein und bereits zu Maßnahmen ir Kreisgesundheitsverwaltung geführt haben, eider war es im Laufe des Donnerstages ni^t cchr möglich, eine Bestätigung dieser' bebau er- chen Nachricht zu erhalten. Wir geben sie daher in ;r Hoffnung, daß sich kein schwerer Schaden zei- m möge, unter Vorbehalt weiter.

Atts Svaukkuvt a. HL

ane Million Cuff- und Dasserbäder wurden im Sommer in Frankfurt genommen.

? Die städtischen Sommerbäder sind mit dem 0. ds. Mts. geschlossen worden. Die Bäder war­en, das Stadionbad nicht gerechnet, bis September an rund 700 000 Personen benutzt, darunter das Zrentano-Parkbad allein von 190 000 Personen. Jlit dem Besuch der Privakbadeanstalten und des Stadions, sowie der zahlreichen Wildbadestellen mvften etwa eine Million Luft- und Wasserbäder oährenü des Sommers in Frankfurt genommen wor­den sein. Ertrinkungsfälle waren in den beaufsich- igten Bädern nicht zu beklagen.

Falsche 20-Markscheine tauchen auf.

: Die Falschmünzerei ist nach wie vor lebhaft m Schwung. Jetzt tauchen wieder einmal falsche rO-Markscheine auf, die zwar der Polizei an sich chon bekannt sind, die aber bisher noch nicht in größeren Mengen in den Verkehr gebracht worden waren. Die Fälschungen sind ausgezeichnet gelun­gen, und nur bei scharfem Aufpassen kann man die ialschen Scheine von richtigen unterscheiden. Das Wasserzeichen, das bei den echten Scheinen durch das ganze Papier läuft, zeigt sich bei den falschen Scheinen nur in Teilen der Banknoten. Die Schr-ft ist etwas dicker und verschwommener, doch ist dies, wie schon gesagt, nur beim genauen Hinschauen zu bemerken. Bisher sind die falschen Scheine in drei verschiedenen Serien und verschiedenen Nummern auifgetaucht, und zwar Nr. 8 787 595, 7 385 964 und 7 595 738.

Schwere Bluttat in Sachsenhausen.

» Der Arbeiter Ferdinand Robowski versuchte in Sachsenhausen in das Anwesen des Arbeiters Fischer einzudringen, um aus den Stallungen des Fischer Geflügel zu stehlen. Fischer war aber auf der Hut. Er nahm den Einbrecher fest, um ihn der Polizei zu übergeben. Es entwickelte sich dann zwischen den beiden Männern eine Schlägerei, in deren Verlauf Rebowski verletzt wurde. Er zog darauf ein Messer aus der Tasche und versetzte Fi­scher einen tiefen Stich in die Brust. Fischer wurde schwer verletzt und kam in lebensgefährlichem Zu­stande nach dem Krankenhaus. Robowski wurde festgenommen.

Schwere Zuchthausstrafe für einen Postbeamten

5 Der Oberpostsekretär Schwarze, der sich am Donnerstag wegen schwerer Verfehlungen im Amte vor der Großen Strafkammer zu verantworten hatte, war ein Mann, der sich zwischen zwei Stühle fetzte und herunterplumpste. Er hatte eine fleißige, tüchtige Ehefrau, die einem Künstlerberuf nachging, wodurch er sich zeitweilig selbst überlassen war. Er hatte eine Geliebte, eine temperamentvolle Schnei­derin, der er Geschenke in bar und in anderer Form machte. Der Beamte stand sich durch die Einnah­men seiner Frau finanziell nicht schlecht und er hätte sich, wie der Staatsanwalt in der Verhandlung be­tonte, die kleinen Extravaganzen mit der Geliebten auch leisten können, ohne Unterschlagungen zu be­gehen. Seine Beziehungen zu der Schneiderin blieben der Welt nicht verborgen und eines Tages brachte ein Sensatlonsblatt einen Artikel und zitierte '' einiges aus dem Inhalt feiner 77 Liebesbriefe, die 'er der Geliebten hatte zugehen lassen, und die teils mitDein trauriges Eulchen", teils nur mitEul- chen" unterschrieben waren. Nach einem Mords­krach verzieh ihm die Ehefrau. Die Veröffentlichung hatte wehere Veleidigungsprozesse zur Folge, zwei davon hat der Beamte verloren, der dritte endete wegen Geringfügigkeit mit Einstellung. Die Pro­zesse kosteten den Öberpostsekretär nicht weniger als 750 RM. Der Angeklagte war im Aufsichtsdienst des Postamts 2 tätig und hatte gelegentlich Hilfs­dienst beim Postsortieren. Er stand schon längere Zeit im Verdacht, sich Briefschaften anzueignsn. Der Angeklagte erschien im Juli bei einem hiesigen Bankinstitut und wollte eine englische Pfundnote - gewechselt haben. Die Banken hatten Weisung, falls jemand komm, um bestimmt numerierte Pfundnoten gewechselt zu erhalten, den Betreffenden festnehmen zu lassen. Der Bankbeamte konnte feststellen, daß die von dem Angeschuldigten vorgezeigte Banknote gesperrt war und der Angeklagte wurde der Polizei übergeben. Die Banknote entstammte einem von London abgesandten Einschreibebrief, der vom Post­amt Oberhausen der hiesigen Post zugeleitet worden war. Als die Postkriminalpolizei den Angeklagten ins Gebet nahm, gestand er zu, sich diesen und noch etwa fünf andere Briefe mit Geld inh alt angeeignet zu haben. Die Beträge, die er dadurch erlangte, schwankten zwischen 40 und 750 RM, es sollen ins­gesamt etwa 1200 RM gewesen sein. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu zwei Jahren drei Monaten Zuchthaus u. 90 RM Geld­strafe. Die schwerste Verfehlung wurde in der Ur- kundenunterdrückung erblickt.

Festnahme unter dem Verdacht des politischen Worbes.

? Vor einiger Zeit wurde in Frankfurt a. M. ein junger Nationalsozialist namens Handwerk er­schossen. Bisher war es trotz eifriger Bemühungen der Polizei nicht gelungen, den oder die Täter fest- gunehmen. Die neuerlichen Untersuchungen haben jetzt dazu geiführt, daß gestern erneut mehrere Per­sonen unter dem dringenden Verdacht der Täter­schaft festgenommen wurden. Die Polizei ist der festen Ansicht, daß die jetzt Festgenommenen die Täter sind. Unter den Festgenommenen befinden «sich auch einige Leute, die bereits unmittelbar nach der Tat festgenommen, aber damals wieder fr^i- gelasjen werden mußten, da ihnen nichts Bestimm-

Die Eröffnung des holländischen Parlaments

Königin Wilhelmine von Holland beim Verlesen der Thronrede.

Neben ihr der Prinzgemahl Heinrich der Niederlande und die Thronfolgerin, Prinzessin Juliane. Wie alljährlich eröffnete Königin Wilhelmine das holländische Parlament (die sogenannten Ge­neral-Staaten). Bei der Verlesung der Thronrede tarn es durch Zwischenrufe der Kommunisten zu einem in der Geschichte des holländischen Parlaments noch nie erlebten Skandal.

-roch immer 15 Gklavenlönder

Die Abschaffung der Sklaverei in England vor 100 Jahren. Was der Völkerbund erreicht hat. Wie im 18. Jahrhundert! 10 Prozent der arabischen Bevölkerung: Sklaven. Sklavenfang und Sklavenzucht. Ein besseres Geschäft. Der Freiheit zurückgegeben.

Vor hundert Jahren, im Sommer 1833, wurde im Britischen Weltreich die Sklaverei ab geschafft.

Das Gesetz, das im Unter- wie im Oberhaus mit großer Mehrheit angenommen wurde, gab 700 000 Sklaven die Freiheit wieder. Erst 1863 folgten die Vereinigten Staaten, 1868 Kuba und 1888 Brasi­lien. In Afrika herrschte die Sklaverei noch länger, und in einzelnen Teilen des Kontinents besteht sie noch heute fort. Auch in Indien, China und Ara­bien gibt es noch Sklaven.

Der Völkerbund hat sich bemüht, feine Autori­tät für die Abschaffung der Sklaverei einzusetzen, aber bis zum Jahre 1922 ohne Erfolg. Damals mubben energischere Schritte eingeleitet. Die Eng­länder hatten es 1833 leichter, die Sklaverei zu unterdrücken, denn über das, was ein Sklave sei, herrschte damals keine Uneinigkeit. Heute haben sich die Begriffe der Sklaverei wesentlich geändert. Es gibt verschiedene Formen dieser menschlichen Knecht­schaft, vom Haussklaven angesangen, der Familien­anschluß hat, bis zum rechtlosen Leibeigenen. Zu der zweiten Form gehören die Sklaven, die mit Ketten auf die Sklavenmärkte verschleppt, dort ver­kauft oder gekauft werden und auf Gnade oder Un­gnade der Willkür der Aufseher und Herren ausge­liefert sind. Der Völkerbund hat den Begriff des Sklaven neu festgelegt und die Sklaverei als einen Zustand definiert,in der sich eine Person befindet, auf die irgendein Eigentumsrecht geltend gemacht werden kann". Die Sklaverei wird heute noch in manchen Ländern in derselben Form geübt wie im 18. Jahrhundert in Amerika und in Westindien; der Völkerbund hat 15 versichebene Weltgegenden als Sklavereiländer festgestellt. In China wird zwar öffentlich fein Sklavenhandel betrieben, umso üppi­ger aber blüht er im Geheimen. Man schätzt die Zahl der dort gehandelten Sklaven auf jährlich 2 Millionen. Englische Konsulate haben bestätigt, daß viele männliche, besonders aber auch weibliche Sklaven ihre Abnehmer finden. Forscher und Kon­suln berichten aus Abessinien, daß dort bei einer Gesamtbevölkevung von 10 Millionen 200 000 Sklaven und Sklavinnen gehandelt werden. Jeder wohlhabende Abessinier hält sich deren zwei bis drei. In Arabien überschreitet der Anteil der Skla­ven an der Gesamtbevölkerung sogar 10 Prozent. In Liberia rechnet man mit 215 000 Haussklaven. Diese Zahl ist nach den Verhältnissen in der angren­zenden englischen Kolonie Sierra Leone geschätzt, wo dieselben Sitten und Gebräuche herrschen wie

tes bewiesen werden konnte. Inzwischen ist aber neues Material, und zwar belastendes Material, zu­sammengetragen worden, so daß sich jetzt ein ein= wand freieres Bild über die Geschehnisse bei der Er­mordung des Nationalsozialisten ergibt.

Atts «ab und See«

Tödlicher Verkehrsunfall

Wiesbaden, 22. Sept. Ein tödlicher Verkehrs­unfall ereignete sich gestern spät abends Ecke Wil­helm- und Frankfurter Straße. Der 23jährige Köhler, der mit seinem Fahrrad die Frankfurter Straße herunterkam, stieß an der Straßenkreuzung mit einem städtischen Omnibus Zusammen. Köhler wurde so schwer verletzt, daß er auf dem Transport nach dem Krankenhaus gestorben ist.

Spinale Kinderlähmung im Kreise Wetzlar

Wetzlar, 22. Sept. Die gefürchtete Kinder­krankheit, die spinale Kinderlähmung, greift jetzt auch aus den Nachbarbezirken auf den Kreis Wetzlar über. In Odenhausen, im nördlichen Kreisteil; sind bei einem zweijährigen Kinde die Krankheitssymp­

in Liberia. In China wurden, laut Missionsberich­ten, vor kurzem in einer einzigen Stadt 4000 Skla­ven beiderlei Geschlechts verkauft. In Mekka wird in der Nähe der großen Moschee ein schwunghafter Sklavenhandel getrieben. Zu gewissen Stunden sitzen auf den Bänken längs der Straße Sklaven und Sklavinnen, so daß Interessenten sie begutach­ten können. Die Gesichter der Frauen und der Mäd­chen sind verhüllt. Die nähere Besichtigung findet in einem der anstoßenden Häuser statt.

Die Methoden des Sklavenhandels sind heute noch dieselben wie vor hundert Jahren. Ein Dorf wird eingeschlossen, Trommeln werden geschlagen, um die Bewohner auf die Beine zu bringen, dann werden die Hecken angezündet, und der Sturm be­ginnt. Die alten Männer und Weiber werden tot­geschlagen, da man mit ihnen nichts anfangen kann, und die jungen Männer und Mädchen wer­den mitgeschleppt, um auf Märkten oder auf abge­legenen Plätzen verkauft zu werden. Noch un­menschlicher sind die Methoden derSklaven­erzeugung", wie sie in Arabien, in Abessinien, am Roten Meer und in Indien gang und gäbe sind. Ein Sklave wird einer Sklavin zugeteilt; die Nach­kommenschaft gehört dem Sklavenbesitzer und wird wieder auf Märkten verkauft, nicht anders wie Tiere. Für Geburten werden der Sklavenmutter Prämien gezahlt, und sie muß alle ihre Kinder hergeben. Diese Bräuche herrschen zum Teil auch in Indien, wo der Maharadscha von Nepal den Ver­such machte, gegen diese Zustände einzuschreiten. Als es ihm nicht gelang, den Handel mit solchen Kindern zu verbieten, ließ er die Sklavenhändler zusammenkommen und erklärte ihnen, er wisse ein viel besseres Geschäft für sie: sie sollten ihre Kapi­talien in der industriellen Produktion investieren, und sie würden damit mehr Geld verdienen als im Sklavenhandel. Auch sei das Risiko nicht so groß, denn viele Frauen, die bis zu acht Kinder zur Welt zu bringen gezwungen würden, gingen elend zu­grunde, und damit sei ein Teil des investierten Kapitals verloren. Diese Beweisführung leuchtete vielen Sklavenhaltern ein, und so haben in der letzten Zeit in Nepal rund 58 000 Sklaven die Frei­heit zurückerhalten. Auch in Birma sind auf Ver­anlassung der englischen Regierung viele Sklaven iber Freiheit zurückgegeben worden, und nach einer Völkerbundsstatistik wurden im Verlauf der letzten 10 Jahre in der ganzen Welt 165 398 Sklaven be­freit.

tome einwandfrei festgestellt worden. Der Kreisarzt in Wetzlar hat sofort alle Vorsichtsmaßnahmen ver­anlaßt.

Ein Roller-Rekord

Wetzlar, 22. Sept. Unsere Zeit der Höchst­leistungen ist um einen Beitrag reicher, den ein achtjähriger Junge aus Gießen geliefert hat. An einem schönen Vormittag stellte er sich auf feinen Roller, jenes Spielzeug, um das die Alten die junge Generation beneiden, und fuhr immer geradeaus, unter der Assistenz seines Schutzengels vor allen Verkehrsgefahren und Irrwegen bewahrt, bis er in dem 18 Kilometer entfernten Wetzlar nach reichlich drei Stunden ankam und bei seiner Tante klingelte, die höchst erfreut und im gleichen Atem entsetzt den kleinen tapferen Kerl in Empfang nahm. Als sie seinen nach ihrer Meinung höchst beunruhigten El­tern in Gießen telephonisch Nachricht über den Verbleib ihres Kindes geben wollte, da--hatten ihn die Eltern noch gar nicht einmal vermißt . . .

Folgen fahrlässiger Revisionsläligkeil

Limburg, 22. Sept. Im Dill kreis sind in letz­ter Zeit in acht Gemeindekassen erhebliche Unter- schleifen festgestellt worden. Von den der Untreue angeklagten Gemeinderechnern hatte sich als erster

schon vor einiger Zeit der Gemeinderechner Herr aus Schönbach vor dem Schöffengericht in Wetzlar zu verantworten. In seiner Kasse fehlten etwa 14 000 RM. Er erhielt l^ Jahre Gesnagms zu- diktiert. Gegen das Urteil legte Herr Berufung ein und daher mußte sich nun die Limburger Straf­kammer mit dem Fall beschäftigen. Der Angeklagte beteuerte, keinen Pfennig der Kasse für sich entnom­men zu haben. Die eingehnde Beweisaufnahme er­gab, daß die Revision der Gemeindekassen im Dill- kreis geradezu fahrlässig gehandhabt wurde. Der seit 1924 revidierende Kreisbeamte, im Nebenberuf Wanderprediger einer Sekte, fand immer alles in schönster Ordnung. Er bescheinigte sogar die ord­nungsmäßige Führung von Kassenbüchern, die gar nicht vorhanden waren. In den tatsächlich geführten Büchern herrschte aber ein solches Durcheinander, daß zwei gerichtliche Sachverständige erklärten, sich mit dem besten Willen nicht durchgefunden zu ha­ben. Der als Zeuge gehörte Landrat des Kreises Dill mußte bestätigen, daß liederliche Buchführung in Verbindung mit fahrlässiger Revisionstätigkeit die Zustände ermöglichten. Das Gericht sah nach alldem Untreue für nicht erweisbar und sprach den Angeklagten frei.

vom Blitz erschlagen

Womack (Odenwald), 22. Sept. Während eines schweren Gewitters waren der Schmiedelehr­ling Eichmann aus Kimbach und Jakob Morr beim Streueinmachen. Beim Herannahen des Gewitters traten die beiden den Heimweg an. Als sie an den Kohlstöck gingen, wurde der Lehrling Eichmann vom Blitz erschlagen, g-rau Walther von Momart, die sich in der Nähe befand, hat einen Nervenschock erlitten und dadurch die Sprache verloren.

Aus aller wett

Aindeubuvs-Gvende

Wie mir erfahren, hat die Aachener und Münchener Feuer-Versicherungs-Ge­sellschaft für die Hindenburg-Spende 1932 in Anbetracht ihres hohen und edlen Zweckes, dem Wohle des notleidenden Teiles des deutschen Volkes, insbesondere den Kriegsbeschädigten und Kriegs­hinterbliebenen zu dienen, wiederum wie im Jahre 1927 einen Betrag von 10 000 RM zur Verfügung gestellt.

Die Verletzung Slevogts

Reukaskel (Pfalz), 22. Sept. Heute nachmittag wurde der verstorbene große deutsche Maler Max Slevogt auf dem Familienfriedhof in der Nähe seines Besitztumes beigesetzt. Die Trauergemeinde, die Max Slevogt das Geleit zu seiner waldum­schatteten letzten Ruhestätte gab, war nicht groß. Ohne großes Gepränge trugen die bekanntesten Pfälzer Maler den toten Künstler zu Grabe. Der neue Regierungspräsident der Pfalz, Dr. Osthelder, war in Begleitung von Oberregierungsrat Wilhelm als Vertreter der bayerischen Staatsregierung an­wesend, um dem großen Künstler die letzte Ehre zu erweisen. Unter den Angehörigen befand sich auch General Slevogt, ein Bruder des Verstorbenen. Weiter schritten in dem kleinen Trauerzug der Prä­sident der Preußischen Akademie der Künste Pro­fessor Ammersdorfer, Direktor Hartlaub von der Städtischen Kunsthalle Mannheim. Leopold Reitz und Spitzer als Vertreter der pfälzischen Dichter und Schriftsteller, sowie Graf, Keßler, Vogt, Fay und Dill als Prominente der pfälzischen Malerei. Vom Landesverband der Pfälzischen Presse war Chefredakteur Hartmann-Neustadt erschienen. Neben dem Präsidenten der Evangelischen Landeskirche Fleischmann bemerkte man den Vorstand der Pro­testantischen Kultusgemeinde Ludwigshafen Dekan Kleinmann und Pfarrer Ferkel von der Friedens- kirchs in Ludwigshafen, die Slevogts letztes großes Werk birgt. Schlicht und einfach war die Bei-, fetzung. Pfarrer Wambsgans - Neuhofen, ein Jugendfreund des Toten, sprach einen warmen Nachruf. Regierungspräsident Dr. Osthelder legte namens des bayerischen Kultusministeriums und für die Akademie der bildenden Künste in München Kränze nieder. Ein tragisches Geschick habe es ge­fügt, daß seine erste Amtshandlung als Leiter der Pfalz ihn zur Beisetzung des großen Deutschen Sle­vogt haben führen müssen. Mit ihm sagten alle Pfälzer dem Manne Dank, der in jungen Jahren schon ein Großer der Kunst gewesen sèi, und der Großes auch für seine eigentliche Heimat, die Pfalz, geleistet habe. Ihr habe er als Vermächtnis fein letztes und vollkommenstes Werk in der Ludwigs­hafener Friedenskirche hinterlassen. Die Pfalz und die Pfälzer würden ihren großen Landsmann nie vergessen. Archivdirektor Pfeifer legte im Namen des pfälzischen Kunstvereins und des Pfälzer Wald­vereins Kränze nieder» Dekan Fleischmann im Namen der evangelischen Gemeinde Ludwigshafen und der Bürgermeister der Gemeinde Leinsweiler brachte dem Ehrenbürger des Dorfes letzte Abschieds­grüße.

Brandstifter stellt sich nach vier Jahren der Polizei

Dresden, 22. Sept. Im September 1928 brannte in Kleinwolmsdorf bei Radeberg die Radeberger Dachpappenfabrik G. m. b. H. vollständig nieder. Bei den Erörterungen der Brandkommifston des Kriminalamtes Dresden wurde föstgestellt, daß der Brand vorsätzlich gelegt worden war. Der Ver­dacht richtete sich gegen die Inhaber der Firma, zu­mal die Vermögensverhältnisse der Gesellschaft außerordentlich ungünstig waren. Da damals ein schlüssiger Beweis nicht geführt werden konnte, war es zunächst nicht möglich, die Sache restlos zu klä­ren. Nun wurde die Annahme der Kriminalpolizei dadurch bestätigt, daß sich ein 30 Jahre alter Kauf­mann aus Radeberg, der Mitinhaber der Firma, der Kriminalpolizei freiwillig stellte und sich be­zichtigte, zusammen mit einer Mitinhaberin den Brand angelegt zu haben. Die Mitinhaberin wurde gleichfalls verhaftet. Nach dem Geständnis der Beschuldigten wollten diese mit dem von der Ver- sicherunasgesellschaft gezahlten Gelde die Firma wieder sanieren.

Haftbefehl gegen von Perbandt aufgehoben

Der Haftbefehl gegen den Landwirt Allred von Perbandt-Pomedien, der im Zusammenhang mit den Königsberger Anschlägen der Nationalsozialisten genannt wurde, ist aufgehoben und von Perbandt aus dem Gerichtsgefängnis in Königsberg entlassen worden, weil die Aerzte ihn für haftunfähig er­klärt haben.