Lonnerslag. den 22. September 1932
Mr. 223
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Deutsche ^olottlalausfteAuns in Hanau
Durch das Versailler Gewaltdiktat ist Deutschland eine feiner wichtigsten Lebensquellen genommen worden, durch die sein wirtschaftlicher Au - schwung entscheidend beeinflußt wurde. Der ehemals große deutsche Kolonialbesitz ist uns verloren gegangen und heute werden unsere alten Kolonien im Rahmen eines Mandatssystems von unseren Gegnern verwaltet. Unter den schwersten Opfern und unter Einsatz vieler menschlicher Kräfte und großer summen deutschen Kapitals haben wagemutige Deutsche aus verödeten Ländern bedeutende Handelszentren geschaffen, und die Entwicklung schien bereits ihren Höhepunkt erreicht zu haben, als die kolonialen Wegebereiter in einen harten Verteidigungskampf gedrängt wurden und schließlich infolge des unglücklichen Ausganges des Weltkrieges die Wegnahme durch unsere Feinde erfolgte. Man hat die Kolonien, die dem deutschen Wirtschaftsleben der Vorkriegszeit einen ungeheuren Aufschwung gebracht haben uns widerrechtlich enteignet, nicht einmal ihren Wert auf die Kriegsschulden angerechnet. Daß in dem ehemaligen deutschen Kolonialbesitz große und bedeutende wirtschaftliche Werte steckten, darüber gibt die Handelsbilanz der damaligen Zeit besten Aufschluß. Im Jahre 1913 umfaßten die Schutzgebiete einen Gesamtflächeninhalt von 2907 Quadratkilometer (fünfmal so groß wie Deutschland im Jahre 1913, und eine Bevölkerungsstärke von 12 968 000 Farbigen und 24 389 Weißen. Die Volkswirtschaftliche Bedeutung unserer Kolonien erhält aber am eindeutigsten aus dem ständig st eigen d e n Aussuhrwert, der im Jahre 1913 160 Millionen Mark erreicht hatte, gegenüber etwa 30 Millionen Mark um die Jahrhundertwende. Nur fleißige Arbeit und zähe Ausdauer haben eine solche Entwicklung fördern können. Erste Voraussetzung war natürlich die Verkehrsverbesserung, um das Land möglichst in feiner ganzen Ausdehnung zu erschließen. Die großen Schwierigkeiten, die einem Eisenbahnbau wegen der Materialbeschaffung und besonders wegen der klimatischen Verhältnisse entgegenstanden, wurden aber gemeistert und bis zum Jcchre 1914 war bereits ein Eisenbahnnetz von '4348 Kilometer ausgebaut. Dieser unter so schweren Begleitumständen errungene Kolonialbesitz wurde während des Krieges tapfer zu halten gesucht, doch vergebens. Nicht weniger als 264 Kolonialbeamte und 2490 Offiziere, Unteroffiziere und Reiter der Schutztruppe starben für Deutschland und seine Kolonien. Ihrer wird und muß die Nachwelt stets in Ehren gedenken. Diese Toten mahnen aber auch die Heimat, festzuhalten an altem Gut, den Kolonialgedanken zu hüten und unter das Volk zu pflanzen, damit ihre Pionierarbeit nicht umsonst gewesen. In der Tat, die Kolonialfrage ist eine Lebensfrage für unser Volk. Man darf daher jede Bestrebung und jedes Bemühen dankbar begrüßen, das der Erhärtung und Verbreitung dieser These dient.
Besondere Bedeutung gewinnen in diesem Zusammenhang Veranstaltungen, in denen durch überzeugenden Anschauungsunterricht das Schaffen und Wirken in den Kolonien gezeigt und dadurch der koloniale Gedanke in weiteste Volkskreise getragen wird. Weit wichtiger noch ist das Ziel, die Heranwachsende Jugend für diesen Gedanken zu begeistern. Dieser Zweck wird zweifellos erreicht in der ersten Deutschen K o l o n i a la u s st e l l u n g, die in der Zeit v o m 8. b i s 1 6. O k t o b e r in den Sälen der Stadthalle gezeigt wird. Die Ausstellung wird enthalten: 1. Technologie, 2. Kulturarbeit, 3. Zoologie, 4. Geologie, 5. Auswanderungswesen, Schiffahrt usw. 6. Münzwesen, Postverwaltung, 7. 'Kolonialliteratur, 8. Ethnographie. Die Ausstellung wird eine Lehr- und Bildungsstätte werden, sowohl für unsere Jugend als auch für Erwachsene.
Briefe in alter Seit
Bon Gertrud Degen-Höser. Wiesbaden
„Was ist ein Brief — ein Stück Papier, Das man zerreißt, zerknittert, Aber auch als Schatz bewahrt, Vergilbt schon unib verwittert."
Ludwig Hölt y.
o Der Ursprung des Briefes reicht wohl ebenso weit zurück wie die Fähigkeit der Menschen, sich durch Zeichen, seien es nun Bilder- oder Schriftzeichen, zu verständigen. Für den Begriff des Briefes ist es gleichgültig, ob er auf Stein, Holz, Wachs, Papier oder sonst einem Gegenstand geschrieben ist, aber an dem Material läßt sich die ständig fortschreitende Entwicklung der Briefschreibekunst am besten beobachten. Von jeher hat man nach solchem Material gesucht, das die Vorzüge größter Haltbarkeit und Unvergänglichkeit mit möglichst geringem Gewicht vereinigt.
Recht umständlich schrieben die alten Römer ihre Briefe. In seinem bekannten Werk über Pompeji führt uns Overbeck ein schreibendes junges Mädchen vor, das offenbar im Begriff steht, einen pom= pejanischen Jüngling durch eine Liebesbotschast zu beglücken. In der linken Hand hält die Briefschreiberin eine offene Schreibtafel, während die rechte den Griffel (stilus, graphium) an die Lippen geführt hat. Was das Schreibzeug anbetrifft, so besteht die Schreibtafel aus zwei Holzbrettchen (daher dipty- chum), die mit Wachs überzogen sind. Waren es mehr als zwei Holzplatten, so hießen die Briefe triplices, quadruplices usw., multiplices, und bildeten so ein Buch. Die Schrift wurde mit dem metallenen Stilus in das Wachs eingeritzt, das Schreiben wurde zugeklappt, mit einem wollenen Faden zugeschnürt (obligare) und mit einem Wachssiegel (obsignare), in das der Absender seinen Fingerring drückte, verschlossen. Durch einen erhobenen Holz- rand waren die in das Wachs geritzten Schrvft- zeichen vor Verwischung durch die aufliegende andere Wachstafel bei geschlossenem Brief geschützt. Der Empfänger des Briefes durchschnitt den Faden, wobei er sich vorsah, das Siegel nicht zu verletzen, da dieses häufig genug allein den Absender verriet. So wurden die Mitverschwörer Catilinas als die Verfasser hochverräterischer Briefe überführt, da sie ihre Siegel anerkennen mußten.
War die Schrift gelesen, so wurde sie mit einer Art Falzbein wieder ausgelöscht, wodurch der Wachsüberzug der Tafel wieder gleichmäßig geebnet wurde und einem neuen Brief, nicht selten der sofortigen Antwort dienen konnte. In den meisten Fällen war dieser Auslöscher mit dem Stilus verbunden, so daß man zur Beseitigung der Schrift nur den Griffel umzuwenden brauchte. Von diesem
Sie dient der Erneuerung des Kolonialgedankens in Deutschland:
„Ohne Kolonien keine Sicherheit im Bezug von Rohstoffen,
Ohne Rohstoffe keine Industrie,
Ohne Industrie kein ausreichender Wohlstand,
Darum, Deutsche, müssen wir Kolonien haben."
* Hospitalkirche. Heute abend 8 Uhr Bibelstunde Pfarrer Knell.
* volkschor Union Hanau. Wie bereits angezeigt, veranstaltet genannter Verein am 7. Oktober dieses Jahres, abends 8 Uhr in der Stadthalle zu Hanau ein Haydn-Goethe-Gedächtnis-Konzert. Wir wollen nicht versäumen, nochmals auf die Veranstaltung hinzuweisen. Ein fachmännische Erläuterung über die Werke der beiden Künstler werden wir in der Samstag-Ausgabe bringen. (Siehe Inserat).
* Dieder preisrätselschwindel. In vielen Zeitungen findet man -in letzter Zeit Preisrätselausschreiben. Diese Rätsel sind derart leicht, daß sie von jedermann gelöst werden können. Gleichzeitig steht vermerkt, daß nach Lösung des Rätsels diese an eine bestimmte Firma eingesandt werden soll. Für die richtige Einlösung werden Standuhren, Grammophone, Photo- und Radioapparate versprochen. Nach einigen Tagen erhalten die Einsender solcher Lösungen von der betreffenden Firma die Mitteilung, daß die eingesandte Lösung richtig sei. Gleichzeitig fordert die Firma auf, Geld für die Verpackung der gewonnenen Gegenstände einzusenden. Es handelt sich hierbei um Beträge von 3—8 Mk. Sogar Leute, die gar keine Lösung eingeschickt haben, haben von solchen Firmen derartige Nachrichten bekommen. Es handelt sich hier größtenteils um Schwindelunternehmen, denen es lediglich darauf ankommt, die Beträge für die Verpackung zu erlangen. Um das Publikum vor Schaden zu bewahren, sei nochmals vor derartigen Firmen gewarnt. Mehrere Betrüger, die sich auf diese Art und Weise Geld zu beschaffen wußten, sind bereits festgenommen worden. Das Adressenmaterial ist anscheinend an andere Personen weitergeleitet worden, und diese versuchen nun, auf die gleiche Art und Weise Gelder zu erlangen.
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Kalte polarmaritime Luftmassen, die auf den Kontinent eingedrungen sind, haben die Warmluft weggeräumt. Bei Luftdruckanstieg kam es dabei im Laufe des Dienstags noch zu Gewitterschauertätigkeit, der dann gegen Abend allgemeine Aufheiterung folgte. Diese Besserung des Wetters dürfte jedoch nur vorübergehend fein, um bald wieder einer Verschlechterung Platz zu machen, da im Westen Luftdruckfall eingesetzt hat und neue Tiefdruckstörungen sich auf den Kontinent zu bewegen. — Vorhersage bis Donnerstag abend: Nachts sehr frisch, stellenweise Frühnebel, vorerst noch meist Aufheiterung, später wieder zunehmende Verschlechterung, bei nördlichen Winden ziemlich kühl. — Witterungsaussichten für Freitag: Fortdauer der unbeständigen Witterung mit einzelnen Niederschlägen, ziemlich kühl.
LaudVvekS Sana«
x Ostheim, 22. Sept. Silberne Hochzeit feiern heute der Arbeiter Johann Heinrich H a r t e n f e l l e r 1. und Ehefrau Katharina geb. Roß. — Ihre goldene Hochzeit begehen am Samstag der Invalide Jakob S ch e r n i ck und seine Ehefrau Elisabeth geb. Thomasburger.
Gebrauch stammt die Redensart „stilum vertere“, d. h. den Griffel umdrehen.
Eine andere Form der altrömischen Briefe waren Papierrollen (charta), die schon zu Ciceros Zeiten allgemein neben der anderen Briefform üblich und selbst vor Herodots Zeit bekannt gewesen waren. Diese Briefbogen wurden zusammengerollt, in der' Mitte verschnürt und mit rotem Wachs versiegelt.
Bei den Spartanern war eine besondere Art von Briesen im Gebrauch, die Plutarch folgendermaßen beschreibt: Wenn die Ephoren einen Feldherrn aussandten, so ließen sie zwei Stäbe, völlig gleich in Länge und Dicke, anfertigen. Den einen Stab erhielt der Feldherr, während sie den anderen selbst behielten. War nun eine wichtige und geheimzuhaltende Mitteilung zu machen, so wurde ein Papyrusb ladt, lang und schmal wie ein Riemen, um den Stab gemunben, und zwar so, daß der Papyrusstreifen die Oberfläche desselben ringsum bedeckte. Hierauf wurde die Mitteilung auf den Papyrus geschrieben, der Streifen wieder abgerollt und so dem anderen Teil wieder zugeschickt. Dieser aber konnte den Inhalt nicht anders entziffern, als daß er den Streifen auf seinen Stab in gleicher Weise aufwickelte.
Eine in die allerfrüheste Zeit des brieflichen Verkehrs zurückreichende Briefart waren die Knotenbriefe. Sie wurden bei der Eroberung Perus von den Spaniern vorgefunden und kommen in ähnlicher Weise auch in der ältesten Geschichte Chinas vor. Der berühmte Forscher Tschudi beschreibt diese Briefe im zweiten Band seiner Reifen in Peru: „Die alten Peruaner hatten keine Schriftzeichen für einzelne Laute, sie verstanden jedoch auf eine andere Weise ihre Gedanken zu verkörpern, das Wort zu fesseln. Das Mittel, dessen sie sich bedienten, waren die sogenannte „Quipu". Diese bestehen aus einer Hauptschnur, an der in bestimmten Entfernungen andere dünne verschiedenfarbige Schnüre befestigt sind. Jede dieser Farben hatte ein besondere Bedeutung, und burd) die Anzahl und Stellung der in die Schnur gemachten Knoten wurde die betreffende Mitteilung dem Empfänger verständlich. Diese Quipu sind noch jetzt bei den Hirten in Peru gebräuchlich, die auf diese Weise den Stand der Herden anmerken. In jeder Stadt gab es, ähnlich wie noch jetzt im Orient die öffentlichen Briefschreibsr, Männer, die die Quipu knüpften und erklärten, sie hießen „Quipucamayocuna“. Sie besaßen trotz der Unvollkommenheit dieser Schrift eine sehr große Fertigkeit im Enträtseln und Knüpfen der Knoten."
Im Mittelalter wurde die Kunst des Schreibens nur von wenigen beherrscht, wollte jemand einen Brief absenden, so ließ er sich einen Mönch oder
I Großkrotzenburg. 21. Sept. Hohes Alter. Die Witwe Anna Maria Jordan begeht morgen Freitag in voller körperlicher und geistiger Frische ihren 90. Geburtstag. Sie ist die älteste Einwohnerin des Ortes.
Hochstadl, 20. Sept. Der im Laufe des Sommers aus den Mitgliedern des Obst- und Gartenbau- Vereins gebildete Ausschuß für Heimatpflege hatte am Samstag, 17. d. M. zu einer gemeinsamen Besprechung im Rathause die Vorstände hiesiger Vereine emgeladen, um seine Ziele und Bestrebungen bekannt zu geben, damit diese mehr unter der Einwohnerschaft verbreitet werden. Die Geladenen, die fast vollzählig erschienen waren, nahmen die Darlegungen mit großem Interesse entgegen und begrüßten die Arbeiten des Ausschusses mit besonderer Freude. Der Gedanke, mit Beginn eines jeden Winters einen Heimatabend unter Mitwirkung der Vereine zu veranstalten, fand allgemeine Zustimmung. Ausnahmslos erklärten sich die Vorstände gerne bereit, ihre Mitglieder mit diesen Gedanken vertraut zu machen, und versprachen, ihre Kräfte bereitwilligst in den Dienst der guten Sache zu stellen. Der erste Heimatabend ist für November in Aussicht genommen.
ö Roßdorf, 20. Sept. 21b turn en. Am letzten Sonntag hielt die hiesige Turngefellschaft (D. T.) ihr diesjähriges 2Tbturnen ab. Morgens von 9.30 Uhr ab führten die einzelnen Abteilungen Wettkämpfe auf der Bleiche vor, bei denen ganz prachtvolle Leistungen gezeigt wurden. Die Turner maßen ihre Kräfte im ^Hoch-, Weitsprung und Kugelstoßen, und die Schüler und Schülerinnen zeigten ihr Können im Wettlauf, Weitsprung und Ball- weitwurf. Die einzelnen Abteilungen brachten den Beweis, daß sie in den Turnstunden etwas gelernt haben und sich mit ihren Leistungen sehen lassen können. Nachmittags trugen ab 2 Uhr die Schüler und die 1. Mannschaft Handballspiele gegen Turn- und Fechtclub Hanau aus. Abends ab 7' Uhr fand die wohlgelungene Veranstaltung ihren Abschluß durch eine Tanzbelustigung im Vereinslokal. Um 8.30 Uhr wurden die Ergebnisse der Wettkämpfe mitgeteilt. Als beste Sieger gingen in den einzelnen Abteilungen folgende Turner hervor: Heinrich Demuth bei den Turnern, Rudolf Goy bei den Schülern und Liesel Schmitt bei den Schülerinnen.
P Niederdorfelden, 21. Sept. Frecher Ein - bruchs ü ie b st ah l. In der vergangenen Nacht wurde bei Bäckermeister Fritz Gruner ein frecher Einbruchsdiebstahl verübt. Man nimmt an, daß sich die Diebe am Abend einschließen ließen. Als die Familie schlief, haben sie dem Anzug des Hausherrn die Kassenschlüssel, die Taschenuhr, etwas Kleingeld und aus einem Schrank einen größeren Geldbetrag entwendet. Danach haben sie in der Küche gegessen und Fleisch und Wurst eingepackt. Zum Dank verunreinigten sie den Raum und verschwanden durch das Küchenfenster, dessen Schalter man heute morgen offen vorfand. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.
Overs Büdingen
Bekanntmachung
Die rückständigen Beiträge zur Kranken- und Arbeitslosenversicherung für IRonaf August 1932 können bis zum 24. September 1932 ohne Kosten noch entrichtet werden. Nach diesem Zeitpunkt erfolgt Beitreibung im Wege der Zwangsvollstreckung und Berechnung der Kosten.
Büdingen, den 20. September 1932
Allgem. Ortskrankenkasse für den Kreis Büdingen.
; Langenbergheim, 21. Sept. Auch die hiesige Gemeinde hat sich entschlossen, den freiwilligen Arbeitsdienste einzuführen und einen dementsprechenden
einen Stadtschreiber kommen, dem er die Abfassung des Briefes, bei erotischen Ergüssen sogar die Auswahl der Liebes-Adjektioa überließ. Ein großes Hemmnis, Briefe zu schreiben und abzuschicken, waren auch die mangelhaften Verkehrsmittel. Als die Post aufkam und sich ausdehnte, wurde das Vriefschreiben, sicher die schönste Form der menschlichen Mitteilung, gepflegt. Anfänglich schnitten sich bei uns die Briefschreiber ihre Umschläge selbst zurecht, bis die gewerbsmäßig hergestellten Briefumschläge allgemeine Verbreitung fanden und sich auf diesem Gebiet eine rege Industrie entwickelte.
über den Brief und die Kunst des Briefschreibens könnte man eine ganze Philosophie entwickeln. Man könnte seine Wandlungen zeichnen von Luthers Sendschreiben über die Episteln der Frau von Sèvigne und die 15 000 Liebesbriefe der Schauspielerin Juliette Drouet an Victor Hugo bis zu den Autogrammen der Leute vom Film. Man könnte über Schriftsteller sprechen, die ihn zur Kunstform erhoben im Briefroman des achtzehnten Jahrhunderts. Goethe hat wie kein anderer den Reiz des Briefwechsels erkannt. Zweimal, zuweilen dreimal täglich schrieb er seiner Freundin, oft nur Zettel, aber was für Zettel! Das waren Briefe, die ihren Wert in sich trugen. Schreibt man denn heute noch Briefe in unserer schnellebigen, haftenden Zeit? Das Briefschreiben ist Selbstbesinnung, und die modernen Menschen können, so behaupte ich kühn, wohl stundenlang telephonieren, aber keine fein- geistigen Briefe wie unsere Großmütter mehr schreiben. Briefe, die nicht nur Gefühlsbetrachtungen und Selbftbefpiegelung enthalten, Briefe, die aus der Ferne wirken, als ob man die Stimme eines Menschen hört. Einzig die Korrespondenz unter Chiffre ober Lagerpoftkarte, von der bei kleinen Mädchen weder Mama noch der Herr Postminister etwas wissen will, wird manchmal noch von Backfischs- gnaden beansprucht. Und eine Liebe ohne Briefe, bei der das „Unbedingt-Verlobtsein-müssen" in vielen Flapperköpfen als letzte Mode spukt, ist etwa wie eine Puppe ohne Kopf. Man schreibt blind aufeinander los, in unbequemster Situation, im Bett mit steifem Kreuz und stützt sich ungestraft seitenlang auf Heine oder einem — Vorteile gelten — gedruckten Briefsteller „für alle Fälle".
Sollten auf dem Schreibtisch manches „Modernen", der Briefe schreibt, nicht die drei kleinen Affen, die Buddhas Lehre versinnbildlichen, als zarte Mahnung stehen? Wie sie aussehen? Ein Affe hält sich die Ohren zu und will nichts hören, ein anderer bedeckt die Augen, um nichts zu sehen, der dritte verschließt seinen Mund und deutet tiefstes Schweigen an. Tiefste Weisheit und feinstes Symbol!
Antrag an das Landesarbeitsamt gestellt. Es; geplant, die Chaussierung des neuen Weges dm zuführen, wodurch der Verkehr nach dem Ste bruch erst richtig erschlossen würde.
i Nidda, 21. Sept. In einer dringenden Sitzr des Gemeinderats, welche als Gegenstand die ( richtung des Schwimmbades auf der Tagesordnu hatte, erstattete der Bürgermeister eingehenden 8 richt über Feststellungen, welche er bei einer 2 sichtigung der Schwimmbäder in Neu-Isenburg u Sprendlingen über Bauart usw. gemacht hat. soll nun, nicht wie anfänglich vorgesehen war, . Sohle des Schwimmbassins mit einer 15 Zentime ' starken Basaltgrusschicht bedeckt werden, fonbe man will über einer 10 Zentimeter starken Gn schicht eine 5 Zentimeter starke wasserdurchläss Betonschicht anbringen, um das vorhandene Grur wasser zur Speisung des Bades verwenden können, und um das Bad leichter und grünblid zu reinigen. Der Gemeinderat beschließt fern sämtliche Arbeiten, außer denen, welche vom frei Hilfsdienst geleistet werden, den Bauunternehme Lupp und Drott für den Betrag von 14 800 RM! übertragen. Für die Kosten der Sohle wurde e weiterer Betrag von 1200 RM bewilligt. 2 Holzbauten, die in der vergebenen Arbeit nicht er halten sind, sind mit 2500 RM vorgesehen.
Aus Svauksuvt a. Kl
Großflugzeuge in Frankfurt
Y Die Deutsche Luft Hansa teilt mit: Am 1. Dl wird voraussichtlich Deutschlands größtes Landflu zeug D 2500 der Deutschen Luft-Hans nach Frankfurt a. M. kommen und zwar ar der planmäßigen Luststrecke Berlin—Paris. D Maschine, eine Junkers G 38, landet flugplanmäßi um 12.45 Uhr auf dem Flughafen Frankfur Rebstock. — Nachdem noch vorgestern Kapitän 6in niesen vor den Vertretern der Kölner Presse erklär hatte, daß die Flugleitung allen Meldungen übt eine beabsichtigte Wasserung des Flugzeuge Do X a u l dem Main bei Frankfurt fern stehi scheint nun doch beabsichtigt zu sein, mit dem Flux zeug Frankfurt einen Besuch abzustatten. Jedenfall ist die für die Wasserung in Betracht kommend Mainstrecke bei Griesheim von Flugsachverftändigs! bereits in Augenschein genommen worden und aud das Wasserbauamt ist um die Genehmigung de Wasserung ersucht worden. Die endgültige Entschëi dung dürfte aber erst während des Aufenthaltes de Flugschiffes in Mainz fallen, den Flugkavitän Ehrt stiansen dazu benutzen wird, um die Frankfurter Wosscrverhältnisse nochmals zu prüfen. Sollte du Prüfung günstig ausfallen, dann dürfte der Besuck des Riesenluftschiffes am Sonntag oder in den erster Tagen der nächsten Woche vor sich gehen.
Zwei Autoräuber in Frankfurt feffgenommen
: Bei einer Razzia auf Prostituierte wurden in der vergangenen Nacht zwei junge Leute festgenommen, und zwar der am 11. 9. 1905 in Berlin geborene Adolf Pfumfel und der am 6. 8. 1908 in Charlottenburg geborene Werner Eberhardt. Gegen beide liegt Haftbefehl aus Hamburg vor, wonach sie mit noch zwei Komplizen, die bekannt, aber noch flüchtig sind, «ine große Anzahl Autodiebstähle brr gangen haben. Bei den beiden handelt es sich um ganz gefährliche Autodiebe, die an den gestohlenen Wagen vor dem Verkauf die Kenn-, Fabrik- und Motornummern usw. abänderten. Sie leugneten zunächst, wurden aber bann überführt, als man ihr auf dem Hauptbahnhof hinterlegtes Gepäck öffnete, in dem sich eine große Anzahl Utensilien zur Fälschung der Nummernschildern fand. Darauf gestanden sie.
Stadttbeatev Sana«
Aus dem Theaterbüro wird uns geschriebene Am Samstag, 1. Oktober, beginnt die Theaterspielzeit 1932/33 mit der Ausführung des Biedermeier- Lustspiels „Die Journalisten" von Gustav Freitag. Ab heute können alle neuhinzutretenden Abonnenten jeden noch freien Platz für die Spielzeit erwerben. Annahme erfolgt täglich im Theaterbüro, Eingang Bangertstraße, von 10—13 und 16—19 Uhr. Es ist nunmehr für alle, die bis jetzt noch keinen festen Platz besitzen, die beste Gelegenheit, sich einige erfreuliche Stunden, die uns den Alltag vergessen lassen, zu bereiten. Es sind leider immer noch viele, die glauben, ein seltener Theaterbesuch genüge zurt geistigen Anregung, ohne zu bedenken, daß ihnen; der ständige Besuch eine stets wachsende Lebenssicherheit, einen dauernd zunehmenden Schäftens- mut gibt. Wir warten dann schon mit Vergnügen auf unseren bestimmten Tag, nehmen, verschiedenen ; Gedankenkreisen folgend, immer neue Ideen in uns auf und lernen so ganz andere Ansichten kennen, zu j denen wir dann nach unserer Meinung wieder Stellung nehmen können. So entsteht eine Wechselwirkung, die sich auf unsere ganze Anschauung aus- wirkt. Und welch Vergnügen bereite es, mit den Bekannten dann all diese gegensätzlichen Auffassungen ' zu besprechen. Und der Spielplan des Theaters ist ja nicht einseitig festgelegt, in bunter Folge gibt es ' große Revue-Operetten und leichte Singspiele, > Walzermusik und moderne Tanzschlager — bedeutsame Zeitstücke, liebenswürdige Komödien, gedankenreiche Kommerspiele und muntere Schwänke. Selbstverständlich werden unsere Klassiker (schon „Die Journalisten" beweisen es) ebenfalls-gegeben.
Die erste Operette, voraussichtlich „Madonna? wo bist du?" von Albrecht Haselbach, hat in Berlin weit über 100 Vorstellungen erlebt und wird, Zeitungsmeldungen zufolge, jetzt zu einer großen Deutschland-Turnee von ersten Berliner Künstlern benutzt. Man sieht also, daß die Direktion bemüht ist. auch in dem Operettenspielplan nur die besten Neuerscheinungen zu bringen.
Ebenso geht durch die Presse die Nachricht, daß in Kopenhagen Bruno Franks Komödie „Nina, die Filmdiva" gespielt, einen durchschlagenden Erfolg errang, dank der blendenden Doppelrolle, die für bas Publikum genau soviel Ueberraschungen bringt, wie einer Schauspielerin Gelegenheit ,zur Ausnutzung aller ihrer Wirkungen bietet (auch dieses Werk steht unter den ersten Stücken der neuen Spielzeit).
p Hochschulpersonalien. Der emeritierte Ordinarius in der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Bern Geh. Hofrat D. theol., Dr. phil. H. Lüdemann feiert heute seinen 90. Geburtstag.