Sepkember 1932
Nr. 218
Sette 3
iMernigkeUen aus dem Gevichtssaal
Ein rücksichtsloser Kraftfahrer.
Als recht rücksichtsloser Autofahrer entpuppte sich ein hiesiger Kaufmann gelegentlich eines Zusammenstoßes mit einer ortsfremden Radfahrerin an der Ecke Sternstraße-Platz der Republik. Beim Einbiegen aus der Stern- in die Hammerstraße wurde die Radfahrerin von dem Wagen des Angeklagten gefaßt, zu Boden geschleudert und einige Meter mitgeschleift. Durch das auch nicht gerade vorschriftsmäßige Einbiegen der Radfahrerin verärgert, kümmerte sich der Autofahrer überhaupt nicht um die Verletzte und erklärte einem darob entrüsteten Augenzeugen des Unfalles, daß ihn kein Verschulden träfe und er sich deshalb auch nicht um die angefahrene Radfahrerin zu bekümmern brauche. Das Gericht belehrte ihn gestern eines Besseren und erkannte auf 60 Mark Geldstrafe, da er doch allzu unbekümmert an jener gefährlichen Stelle darauf losgefahren war,
Nachklang von der Frühjahrsmesse.
Auf der diesjährigen Frühjahrsmesse hatte ein Schaubudenbesitzer aus Neustadt i. Th. seine Zelte aufgeschlagen, der mit seinen Darbietungen etwas allzu drastisch auf den Sinnenkitzel einer sensations- lüfternen Menge spekulierte. Dabei vergriff er sich derartig in der Wahl seiner an und für sich schon recht groben Mittel, daß ihm wegen Erregung öf- fentlichen Aergernisses ein Strafbefehl über 1 Woche Gefängnis zugestellt wurde, den jetzt der Einzelrichter auf den Einspruch des abwesenden Angeklagten hin bestätigte.
Das betrogene Wohlfahrtsamt.
Ein hiesiger Wohlfahrtsempfänger hatte geraume Zeit hindurch einem Gemüsehändler gegen Entgelt und Lebensmittel geholfen, ohne dem Wohl- sahrtsamt seinen laufenden Nebenverdienst anzugeben. Der Betrug gegenüber dem Amt trug dem Angeklagten gestern 2 Wochen Gefängnis ein. Der wegen Beihilfe zum Betrug Mitangeklagte Gemüsehändler wurde sreigesprochen, da der Angeklagte zunächst eine alte Schuld bei ihm durch Arbeit abverdiente und eine Anfrage des Amtes vor Jahr und Tag auch in diesem Sinne von dem Arbeitgeber beantwortet wurde. Ein Schuldbeweis für die spätere Zeit war gegen den Mitangeklagten aber nicht zu führen.
Freispruch wegen § 51.
Einem älteren Weißbinder von hier, der früher mehrfach in Heilanstalten untergebracht war und erst kürzlich wegen Geisteskrankheit in einem Strafverfahren einen Freispruch erzielte, kam gestern wiederum der § 51 zu Hilfe. Diesmal hatte er einen Sprechapparat mit 3 Platten auf „Stottern" unter Eigentumsvorbehalt für 58 RM käuflich erworben und nach Zahlung von insgesamt 27 RM den Apparat weitevveräußert. Sein krankhafter Geisteszustand führte auch in diesem Falle zu einem Freispruch.
Der beleidigte Schiedsmann.
Eine 40jährige Ehefrau aus Rüdigheim war als Zeugin in einem Sühnetermin vor den Schiedsmann in Oberissigheim geladen und bei dieser Gelegenheit schwer mit einer Gegnerin zusammengeraten, der sie eine ganze Reihe von Liebkosungen an den Kopf warf. Der Schiedsmann hatte schließlich große Mühe, die erregte Frau vor Tätlichkeiten an ihrer Widersacherin zurückzuhalten. Als die aggressive Angeklagte daraufhin selbst eine Ladung zum Termin vom Schiedsmann erhielt, schickte sie das amtliche Schreiben mit beleidigenden Randbemerkungen wie „Lügner" usw. zurück und verlangte gerichtlichen Entscheid, da es dort „reeller zuging als bei dem Schiedsmann". Ihr mehr als törichtes Verhalten trug der Angeklagten gestern 20 RM Geldstrafe ein.
Kampf um den Lohn.
Der unzähmbare Freiheitsdrang ihres 18jähr. Sohnes, der bereits 5—6 Mal aus den Fürsorge-
Stadttheatev Panait
Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben: Am Dienstag, 20. und Mittwoch, 21. September sann für die bisherigen Abonnenten des Stadt- theaters ab Donnerstag, 22. für neuhinzutretende die Anmeldung zum Abonnement erfolgen, d. h. den bisherigen Abonnenten bleiben die in der ab- gelaufenen Spielzeit innegchabten Plätze bis 21. September reserviert. Der Prospekt, der über die Abonnementsbedingungen erschöpfend Auskunft gibt, kann kostenlos im Büro des Stadttheaters ab« geholt werden.
Die Direktion hat durch verschiedene an gleicher Stelle veröffentlichte Ausrufe an die Theaterfreunde Hanaus auf die Bedeutung aufmerksam gemacht, die sie einem starken Abonnement beimißt. Sie ist sich völlig klar darüber, daß dies über die Zukunft des Theaters entscheidet. Und er ist für eine Stadt von Ler Größe Hanaus fast nicht tragbar, ohne eigene Bühne ein einigermaßen anregendes Stadtbild zu bieten, zum geistigen und materiellen Wiederaufstieg des Landes botzutragen. Jede, auch die kleinste künstlerische Gemeinschaft wirkt bilüungs- sördernÄ und znkunftsfreudig — und wer wollte Nicht gerne daran mitwirken? Wenn im Ausland — etwa in der Tschechoslowakei, Städte wie Trop- pau (35 000 Einw.), Reichenberg (38 000 Einw.) und Brüx (35 000 Einw.) ihr eigenes Theater haben, so liegt darin ein Wert für die deutsche Kultur, der gar nicht hoch genug einzuschätzen ist. Es sollte doch den Einwohnern einer mitten im Herzen Deutschlands gelegenen Stadt möglich sein, sich tatkräftig für die Sicherung ihrer Bühne einzusetzen, um sich dadurch zugleich selbst neuen Mut und neue Schaffensfreude zu gewinnen.
Unter den 31 beabsichtigten Schauspielen finden wir bei 22 deutschen Dramatikern (Anzengruber und Mell sind als Oesterreicher wohl dazuzurechnen) Dichter, deren Namen von vornherein die Gewißheit wertvoller Abende gibt: Freytag. Goethe, Hauptmann, Schiller und Thoma — und moderne Verfasser, wie Bruno Frank, Graff und Schäfer, die heute alle deutschen Bühnen erobert haben. Unter den ausländischen Dichtern genügt die Nennung von Shakespeare und Shaw. In der Operette wiederum stehen vorneweg die für Hanau
Freitag, den 16. erziehungsanstalten Wabern und Rengshausen entlaufen und zuletzt auch aus dem Krankenhaus in Hanau, wo er nach seiner letzten Festnahme zur Beobachtung eingck'esert wurde, ausgebrochen ist, brachte die vorerwähnte Ehefrau aus Rüdigheim anschließend noch einmal vor den Strafrichter. Immer wieder ließ die übergroße Mutterliebe die Frau gegen das Gesetz verstoßen und ihrem der Fürsorgeerziehung entlaufenen Sohn Unterkunft und Lebensunterhalt gewähren, bis er eines Tages «wieder gefaßt und zur Anstalt zurückgebracht wurde, aus der er bereits nach wenigen Tagen erneut entwich. Die Mutter suchte dann immer (aus menschlich leicht erklärlichen Gründen) ihren Sohn zu verleugnen und durch Verstecken dem Zugriff der Behörden zu entziehen. Das Gericht ließ in diesem Falle erdenklich große Milde walten und erkannte auf 10 RM Geldstrafe.
* Wochenendandacht. Morgen abend 8 Uhr gemeinsame Wochenendandacht der Marien-, Johannes- und Christusgemeinde in der Johannes- kirche durch Pfarrer Scheig.
* Verkehrsunfall. In der Nordstmße wurde heute früh gegen 6 Uhr ein Mädchen aus Klein- Steinheim, das sich mit feinem Fahrrad auf dem Wege zur Arbeit befand, von einem Fuhrwerk erfaßt und zu Boden geworfen. Ein Rad des Fuhrwerks ging dem Mädchen über den linken Fuß, das aber glücklicherweise mit einer starken Quetschung uNd Schürfungen davonkam. Von der Arb.-Sama- riter-Kolonne wurde die Verunglückte in ihre Wohnung verbracht.
* Schwurgericht Hanau. Am 3. Oktober, vorm. 10% Uhr, beginnt unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Dr. Nebelsieck die dritte Schwurgerichtstagung dieses Jahres. Zur Verhandlung kommt die Sache, gegen die Büglerin Margarete Köhler in Hanau, _ ____2- wegen Kindestötung. In zwei weiteren Sachen — ^instiftungen — wird voraussichtlich das Hauptoerfahren in den nächsten Tagen eröffnet werden.
* Die Wohlfahrtserwerbslosenlasten der Städte. Wie der Deutsche Städtetag mitteilt, sind am 31. August in den Städten mit über 25 000 Einwohnern (mit zusammen rund 25 000 000 Einwohnern) 1 580 000 laufend unterstützte Wohlfahrtserwerbslose gezählt worden. Gegenüber dem Vormonat bedeutet dies eine Zunahme um 30 000 Wohlfahrtserwerbslose. Für die Gesamtheit der Gemeinden ist für Ende August mit rund 2 450 000 Wohlfahrtserwerbslosen zu rechnen.
* Ueber 19 Millionen Sparbücher in Deutschland. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse und der Zahlungskrise im vergangenen Jahr ist die Zahl der Sparbücher nicht zurückgegangen, sondern aus verschiedenen Gründen sogar noch gestiegen. Nach der amtlichen Statistik betrug die Anzahl der von den öffentlichen Sparkassen ausgegebenen Sparbücher Ende 1930 17,9 Millionen, Ende 1931 um 1.2 Millionen mehr, nämlich 19,1 Millionen Stück. Fast jeder dritte Deutsche hat also nunmehr ein Sparbuch, ein Beweis für den regen deutschen Sparsinn und für die enge Verbundenheit zwischen Bevölkerung und Sparkassen.
* Gehört die Abgabe zur Arbeitslosenhilfe zu den Sonderleistungen? In einer Eingabe des Gewerkschaftsbundes der Angestellten an das Reichsfinanzministerium hatte sich dieser auf den Standpunkt gestellt, daß die Abgabe durch die enge Verkoppelung mit den Krankenkassen- und Arbeitslosenversicherungsbeiträgen den Charakter als Steuer verloren habe und zum Versicherungsbeitrag mit allen Konsequenzen geworden sei. Das lehnt der Reichsfinanzminister nunmehr in seiner Antwort ab. Da der Abgabepflichtige keinen Anspruch auf eine Gegenleistung erwerbe, sei die Abgabe in jedem Falle eine Steuer im Sinne der Reichsabgabenordnung. Die Form der Erhebung könne an dieser Tatsache nichts ändern. Steuern seien aber nicht abzugsfähig. — Damit, so schreibt der „Gpd.", bleibt eine der Ungerechtigkeiten, wie sie sich für die Arbeitnehmer aus den Notverordnungen so mannigfach ergeben haben, weiter bestehen.
* Freibank-Verkauf am Samstag, 17. September von 8 Uhr bis 9.15 Uhr vorm. Zum Verkauf
neuen — größten Erfolge der letzten Spielzeit „ßifetott", „Die drei Musketiere", „Ein Lied der Liebe", „Die Dubarry", „Madonna! wo bist du?" und „Kaiserin Katharina"^
tim den Kürsch von Konstantin
o Jetzt tritt der Mond hinter den weißen Wolkenballen hervor. Gespentisch fällt sein bleiernes Licht auf die Wipfel unter mir. Geheimnisvolles Rauschen ringsum. Vom Dörfchen klingt die Turmuhr herauf zu mir. Das elende Hundegekläff schlägt bei mir zu einer jammervollen Symphonie zusammen. Die Bauern haben ihre Köter auf ihre Aecker gebunden. Man kann verstehen, daß sie das bißchen an Ernte retten wollen, was ihnen das Wild übrig läßt. Auch von dieser Seite muß man die Jagd betrachten. Wenn die Menschen in den stillen Waldtälern, ine sich das Jahr über geplagt haben, sehen müssen, wie das ganze Feld umgewühlt ist, fei es, daß Sauen darin waren oder Hirsche, dann kann man verstehen, daß sie alles versuchen, um sich die Plagegeister vom Leib g^ halten. , . ,„
Der urige Spessarthirsch, der im letzten Herbst in die Täler hinunter schrie, daß es dröhnte und widerhallte, ist noch da. Er ist gefährdet worden. Manche vergebliche Nacht habe ich ihm schon gewidmet. Manche Nacht, wild und schaurig. Heulend fegte oft der Sturm durch die Wipfel. Ich hörte den Gesang der ziehenden Heerjungfrauen, sah sie, wenn der Mond hinter den Wolken hervortrat, davon stürmen auf ihren Wolkenrossen. Heisa, heisa und der Wald sang mit, der uralte Spessartwald.
Und dann war der Spessartwald so still, so ruhig. Ueber ihm glänzte das silberne Mondlicht. Irgendwo der Schrei eines Vogels. Mit welchem Flügelschlag geisterte die Nachteule um meinen Sitz und der Totenvogel rief „Kommit". Man darf ihm keine Antwort geben, sonst nimmt einem mit, sagt eine alte Mär. Schattenhaft ziehen Rehe über die einsame Waldblöße. Winzig sind sie gegen die Riesen ringsum.
Stunde um Stunde vergeht. Von der Höhe zieht der kühle Nachtwind zu Tal und bringt den Men-
kommt Rind- und Schweinefleisch, Preis pro Pfund 28 bzw. 40 Pfennig. Höchstgewicht 3 Pfund. Der Verkauf erfolgt nur in der genauen Reihenfolge der ausgegebenen Karten. Kartenausgabe im Schlacht - Hof am Samstag, 17. September, von vorm. 7.50 Uhr ab bis zum Ende des Verkaufs.
WeitevbeviM
Unter dem Einfluß eines sich von England nach Polen erstreckenden kräftigen Hochdruckgebiets ist in ganz Deutschland feit Donnerstag wieder trockenes Wetter eingetreten. Der Hochdruckeinfluß bleibt auch weiterhin erhalten und damit auch bei uns die bis auf Nebel- oder Hochnebelbildung heitere Witterung. — Vorhersage bis Freitig abend: Abgesehen von Nebel- oder Hochnebelbildung trocken und meist heiter, mittags warm, meist nördliche und östliche Winde. — Witterungsaussichten für Samstag: Fortdauer des trockenen und bis auf Nebelbildung heiteren Wetters, nachts weitere Abkühlung, mittags für die Jahreszeit warm.
LaudkrekS Sana«
b J3rudjtöbet, 15. Sept. Jugendtreffen der Schulen. Das Jugendtreffen von Bruchköbel, Roßdorf, Mittelbuchen, Ober- und Niederissigheim wurde gegen 9 Uhr mit einem Wettkampf der Buben und Mädchen, in Klassen eingeteilt, begonnen. Laufen, Springen, Ballwerfen, Zielball und (Stafettenläufe wechselten in bunter Reihenfolge. Gegen 1 Uhr war das Ende des Kampfes herangenaht und der Leiter der Veranstaltung, Herr Lehrer Wißner-Roßdorf sprach den Helfern den Dank der Schule aus und ermahnte die Jugend, ihren Körper und Geist zu stählen. Hierauf erfolgte die Verlesung der fünf ersten Sieger, es erhielten in Klasse Knaben A den 1. Sieg R. Goy-Roßdorf, 2. G. Kropp-Roßdorf, 3. K. Wenzel-Bruchköbel, 4. W. Lottich-Bruchköbel, den 5. zusammen K. Heck- Bruchköbel, F. Merz-Oberissigheim und W. Bechtel- Roßdorf. Mädchenklasse A den 1. Sieg A. Ruth- Bruchköbel und W. Reinhard-Roßdorf, 2. K. Müller- Niederissigheim, 3. A. Köhler-Bruchköbel, 4. A. Kopp-Roßdorf, 5. zusammen El. Köhler-Roßdorf und W. Edelmann-Bruchköbel. Knaben B 1. Sieg Henkel-Niederissigheim, 2. Schomann-Bruchköbel und Prinz-Roßdorf, 3. Krenz-Mittelbuchen, F. Strempel- Roßdorf und E. Schmidt-Bruchköbel, 4. Fries- Oberissigheim, Hild-Bruchköbel und Tugend-Oberissigheim, 5. Meides-Roßdorf. Mädchen B 1. Sieg G. Strempel-Roßdorf, 2. Maisch-Mittelbuchen, 3. L. Puth-Rohdorf, 4. G. Heldmann-Niederissigheim, A. Krieger-Mittelbuchen, 5. J. Horst-Roßdorf und G. Reuter-Mittelbuchen. Bei der Stafette gingen bei den Knaben und bei den Mädchen die Bruch- köbler als Sieger hervor. Ein Handballspiel, welches am Schlüsse ausgetragen wurde, zeigte folgendes Resultat: Niederissigheim — Mittelbuchen 0:6, Bruchköbel — Roßdorf 0:0. Nachdem das Los Bruchköbel ausscheiden ließ, traten sich nochmals Roßdorf und Mittelbuchen gegenüber mit dem Ergebnis 3:0 für Roßdorf. Das Ergebnis der anderen Sieger wird den Schulen zugehen.
Meeks GeMvause«
verlrelertagung der Ländlichen Genossenschaften
8 Gelnhausen, 16. Sept. Die Ländlichen Ge- noffenste assen des Kreises Gelnhausen — Spar- unü Darlehenskassenoereine — hielten am Donnerstag in der „Schönen Aussicht" zu Gelnhausen unter der Leitung ihres Unterverbandsdirektors, Postagent G. Simon-Somborn, eine gut besuchte Vertretertagung ab, die deutlich den derzeitigen Wirtschaftskampf unserer Genossenschaften und ihren starken Willen zur Bewältigung desselben erkennen ließ. Nach der Eröffnung der Tagung verbreitete sich Verbandsanwalt Schmidt-Kassel als vorzüglicher Sachkenner über die gegenwärtige wirtschaftliche Lage in Deutschland, die er an ihrem tiefsten Punkte an gelangt wähnte, und üb er deren Äus- mirfung auf das genossenschaftliche Leben in Kur- schen drunten in den warmen Schlafstuben Erholung. Ich lausche hinaus. Was mag die milde Nacht mir ringsum verbergen. Die Nacht ist der Tag der Kreaturen des Waldes. Manche Tragödie spickt jetzt.
Hinter mir, unsichtbar für mich, läßt ein Basse sein auffallendes Blasen hören. Ihm zu Liebe hätte ich ihn schon fliegen lassen. Den Reineke, der sich zwischen Licht und Besen bei mir vorüberstahl und mäufelte, habe ich in Ruhe gelassen.
Wieder vergeht eine Stunde. Längst ist Mitternacht vorüber. Jetzt müssen die Hirsche kommen. Sie ziehen hinunter nach der Suhle und der Kapitale, auf den ich schon so oft und so vergeblich gewartet habe, kühlt sich das Feist, das ihn auf den Rippen brennt. Die Haferrispen haben ihm gut getan, Stolz ist er geworden, der heimliche Bursche mit dem urigen Geweih. — Ahnungen durchziehen meine Brüst. Sollte er heute, wo der Mond so silbern blinkt, daß man den Mann darin ganz deutlich erkennen kann, nicht Lust haben, bei mir oor= beizukommen? Die Gedanken sind nicht stark genug, die müden Augen offen zu halten.
Irgendwo hat etwas geknackt. Was war das? Angespannt horcht das Ohr und das Auge möchte den Schlagschatten, den der Mond wirst durchdringen können. Da — jetzt löst sich vom Waldrand ein grauer Schatten los. Kahltiere, die hinuterziehen. Ein Brunstrudel? Das scharfe Nachtglas erkennt keinen Gewoihträger dabei. Schon kommt die Enttäuschung, aber noch hat die Hand den Karabiner fest umfaßt. Jetzt, im Augenblick, als ich das Glas absetzen will, tritt die mächtige, Gestalt des Zwölfenders heraus. Majestätisch steht er einen Augenblick, wie eine visionäre Gestalt vor mir. Ich muß mich besinnen, ob ich nicht wachträume, muß mich tatsächlich zusammennehmen. Eine ungeheure Aufregung ist in mich hineingeschlagen. Wochenlanges Nachpürschen, nächtelanges Warten, alles ist gegenwärtig. Der Lauf schiebt sich auf das Blatt. Jetzt reckt sich der Hirsch empor. Da peitscht der Kugelschuß heraus, wie ein Schrei, furchtbar und wahnsinnig. Klagend schallt der nächtliche Wald zurück.
Jetzt kehrt die Besinnung zurück. Erst gesichert, dann langsam den Fuß auf die oberste Sprosse der Leiter gesetzt. Langsam Schritt für Schritt hinunter.
Hessen, die auch an dem Kasseler Verbände nw norübergegangen fei, denselben aber nach fei Seite hin widerstandsfähig gefunden habe. Besa derer Dank schulde man hierfür den Rechnern ur Verwaltungsorgan en der einzelnen Spar- u Darlehenskassenvereine. Erfreulicherweise lasse ■ den Kreisen der ländlichen Sparer die Furcht v einer neuen Inflation wieder nach und beginr wieder ein verstärkter Rückfluß der abgehoben! Spargelder. Unter starkem Interesse der Versar. melfen setzte sich der Redner anschließend — unpo tisch — mit dem neuen Wirtschaftsprogramm d Reichsregierung auseinander, das zweifelsohne g eignet fei, unserer Wirtschaft einen neuen Antrim zu geben, die Deflation zu beenden und eine großen Teil unserer Arbeitslosen aufzusauge. Während jedoch für die Arbeiterschaft neue E- werbsmöglichkeiten und für die Handwerker neu Aufträge in Gestalt von Hausreparaturen u. a. r zu erwarten seien, habe die Landwirtschaft wenii so gut wie nichts, zu erwarten. Sodann wand sich der Redner dem Zins-Problem zu. Wenn ( zu einem wirtschaftlichen Aufschwünge komme solle, müsse vor allem an der Senkung der untrac baren Zinslasten unablässig gearbeitet werden. Fü die Verwertung der diesjährigen Ernte, Lombm dierung des Getreides und alle sonstigen Maf nahmen, sowie das sog. „Früchte-Pfandrecht" hiel Direktor Hennings (Kassel) einen längeren, auf schlußreichen Vortrag, der die erforderlichen Weg zeigte und eine rege Aussprache im Gefolge hatte
m Somborn, 16. Sept. Für hervorragend Schießleistung anläßlich des Derfassungstags am 11 August 1932 wurde dem hiesigen Kleinkaliber Schützenverein „Freigericht" eine von Sr. Exzellen; dem Herrn Reichspräsidenten von Hirdenburj eigenhändig unterzeichnete Ehrenurkunde sowie bit Goethe-Plakette in „Silber" verliehen. — Mit Rück sicht darauf, daß der Amtsgerichtsbezirk Meerhoh vom 1. Oktober d. J. ab aufgehoben ist, fallen auch sämtliche Orte des katholischen Freigerichts dem Amtsgerichtsbezirk Gelnhausen zu, welches von da ab alle amtlichen Geschäfte des Amtsgerichtsbezirks Meerholz mitzuerledigen hat.
Aus Svankruvt a. M
Flugtag in Frankfurt
t Am Sonntag, 25. September, wird der Franko furter Bevölkerung wieder das Schauspiel eines großen Flugtages auf dem Frankfurter Flughafen geboten. Der Frankfurter Flughafen veranstaltet an diesem Tage zusammen mit der Bergmann« > Klasse-Flugstaffel eine in diesem Ausmaße in Frankfurt noch nicht gesehene Flugschau, die ein ganz außergewöhnlich reichhaltiges Programm aufweist. Eröffnet wird das Programm mit einer Flugzeugparade, wobei die teilnehmenden Flug^ zeuge an allen Zuschauerplätzen vorbeigerollt mert den. Es folgen dann Staffelflüge, Kunstflüge der Kunstfliegerin Vera von Bissing, einer der besten deutschen Kunstfliegevinnen, Kronfeld im Autoschlepp auf der „Wien", mit der er die hauptsächlichsten seiner großen Erfolge errungen hat, und auf seinem neuen Segelflugzeug „Austria II", die er als Ersatz für seine in der Rhön zu Bruch gegangene „Austria I" gebaut hat. Es schließen sich an Ballonjagden mit vier Maschinen, Fallschirm« doppelabsprünge, Fesselballonabschuß und als Clou die Darbietungen des deutschen Meisters im Kunst- fliegen Gerhard Fieseler, der sein Züricher Pro<i gramm fliegen wird, mit dem er auch die Meisterschaft der Schweiz im Kunstfliegen an sich bringen konnte. Der Reingewinn der Deranstaltung wird gemeinnützigen Zwecken zugeführt.
Wieder falsche 50-Pfennigslücke
r Im Bezirk Groß-Frankfurt sind in den letzten Tagen wieder falsche 50-Pfennigstücke in erheblichem Ausmaße aufgetaucht, die höchstwahrscheinlich auf dem Juxplatz in Umlauf gesetzt worden sind. Sie unterscheiden sich von den echten Stücken nur dadurch, daß sie sich durch einen Magnet nicht anziehen lassen, was bei den echten Stücken der Fall ist.
Hier bans es keine UÜbereilung geben. Jeder Fehltritt wäre der sichere Tod. Achtzehn Meter ist bet Sitz hoch.
Endlich ist fester Boden unter den Füßen. Soll ich dem Hirsch nach!gehen. Ich Dann meine Neugierde nicht zuvückdämmen. Zu gut weiß ich, wo ich abgekommen bin. Bis zum Waldrand sind es vierzig Gänge. Dort, wo der Schatten aufhört, liegt eine dunkle Masse. — Er ist's. Unbeschreiblich ist das Gefühl. Im unsicheren Mondlicht verzerrt sich das urige Geweih. Ich stehe lange, bis ich mich zu mir selber zurückckfinde. Das nächtliche Erlebnis ist zu stark. Jetzt brauche ich einen Menschen, dem ich mein übervolles Herz auLschütten könnte. Niemand ist da weit und breit. —
Nur schwer trenne ich mich von dem toten Recken und steige hinunter ins Tal. Vor dem Dorf wibd es schon licht. Der Morgen kommt herauf. Verschlafen sehen mir die Kläffer nach, die auf den Aeckern ihr Lager haben. Und als ich durch das schlafende Dorf schreite, fangen sie an zu bellen.
Drei schwere Schläge dröhnen gegen die Haustür vom Jagdhüter.
„Spann an, Johann, er liegt."
„Na, ba muß ich erst einmal Weidmannsheil sagen", ruft der gute alte Kerl zurück. Aber ehe er aufmacht, hat er die Branntweinflasche schon bei der Hand und reicht den Trunk. Eine harte schwielige Hand legt sich in meine. Braver Spessartbauer, Du stehst mir näher wie ein Bruder. Das war es, was mir auf der Zunge lag. — Und nun schmückt das kapitale Geweih meine Wand und eine goldene Medaille hängt darunter „Für den besten Spessarthirsch".
o Zum Kurator der Thüringischen Landes- universiläl ernannt. Der nichtbeamtete ao. Professor in der Philosophischen Fakultät der Thüringischen Landesuniversität Jena, Dr. jur., Dr. phil. Karl August E m g e, soll vom Thüringischen Volksbildungsminister als Kurator der Universität ausersehen worden sein. Der neue Kurator wurde am 21. April 1886 in Hanau a. M. geboren.