(Irfdjelnt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat »5 R-Pfg., für den ganzen Monat NM. 1.90 ohne Trägerlohn ✓ Einzelnummer 10 N-Pfg., Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise- Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite
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Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streit usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder aus Rückzahlung deS Bezugspreises. / Fürplatzvorschrist u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschästsstelle: Hammerstr.9 / Feruspr. 39ZS, 3957,3958
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* Der Reichspräsident empfängt am Dienstag die Parteiführer der NSDAP., des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei in Gegenwart Papens.
Wie wir erfahren, hat der Reichskanzler gestern mittag eine längere Besprechung mit den Vertretern der Grünen Front gehabt. Aus Seiten der Grünen Front waren u. a. die Herren Brandes, Fehr und Dr. Hermes daran beteiligt.
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Der geschäftsführende Ausschuß der Deutschen Zentrumspartei ist für Montag vormittag nach Berlin einberufen worden.
Die gestrigen Verhandlungen zwischen Essener Zechenverband und Bergarbeiterverbänden über das von den Gewerkschaften gekündigte Mehrheits- abkommm und den vom Zechenverband gekündigten Lohntarif verliefen ergebnislos. Der Termin der weiteren Verhandlungen unter dem Vorsitz des Schlichters steht noch nicht fest
Aus Osterrode (Ostpreußen) wird gemeldet: Im Zusammenhang mit den zahlreichen Bomben- und sonstigen Anschlägen, namentlich in Südost- Preußen, wurden drei hiesige Nationalsozialisten fostgenommen. Sie sollen vom Heldenfriedhof in Dröbnitz im Kreise Osterrode drei dort aufgestellte alte 15-Zentimeter-Granaten gestohlen und bei einem Anschlag auf ein Osterroder Kaufhaus am 9. August verwendet haben.
Auf Einladung führender Persönlichkeiten der Schwerindustrie treten der russische Botschafter, der Führer der russischen Handelsvertretung in Berlin und mehrere Mitglieder der Botschaft und der Handelsvertretung heute eine Reise in das westdeutsche Industriegebiet an. Sie werden am Sonntag morgen eine Besichtigungsfahrt durch das Kohlen- und Industriegebiet antreten.
Die Geltungsdauer der Sommerurlaubskarten prurde bis 31. Oktober verlängert.
Botschaftsrat Leitner nahm gestern mit Schatz- fekretär Mills Verhandlungen über Aufschub der deutschen Zahlungen für die amerikanischen Be- fatzungskosten und aus dem Mixed Claims auf, die am 30. September fällig werden.
In den letzten Wochen sind in der rumänischen und ausländischen Presse Meldungen über Verhandlungen des rumänischen Landwirtschafts- Ministeriums mit einem deutschen Bankenkonsorlium über eine Anleihe in Höhe von 300 Millionen' Lei (etwa 7,5 Mill. RM.) aufgetaucht. Sie sollte zur Begleichung rückständiger Weizenprämien dienen. Wie von zuständiger rumänischer Seite erklärt wird, haben tatsächlich solche Verhandlungen stattgefunden, die jedoch nicht über ihr Anfangsstadium hinausgekommen find.
Der Zusammentritt des Büros der Abrüstungskommission ist endgültig auf den 21. September vormittags 11 Uhr festgesetzt worden.
* In Newyork flog ein Fährdampfer infolge einer Explosion in die Luft. 39 Arbeiter wurden getötet.
Der Ausschuß der amerikanischen Eisenbahnverwaltungen hat eine Gehalts- und Lohnsenkung von 20 Prozent für alle Eisenbahnbeamten und Angestellten empfohlen, die am 1. Februar 1933 in Kraft treten soll. Man rechnet mit einem heftigen Widerstand seitens der Eifenbahnergewerkschaften.
Aus Asuncion (Paraguay) wird gemeldet: Die bolivianischen Truppen haben nach schwerer Beschießung die im Chaco-Gebiet liegenden Städte Rozo und Valencia angegriffen. Die paraguayanischen Truppen leisteten äußersten Widerstand. Die Regierung von Paraguay teilt mit, daß sie sich mit Bolivien als im Kriegszustand befindlich betrachte, obwohl der Krieg noch nicht erklärt fei.
Das englische Schatzamt hat in Paris die Anleihe von 2/4 Milliarden Francs zurückgezahlt, die es am 10. September 1931 ausgenommen hatte.
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Nach einer Statistik der American Federation of Labour (des amerikanischen gewerkschaftlichen Spitzenverbandes) beläuft sich zurzeit die Zahl der Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten auf 14 Millionen. Hierunter sind allein 800 000 Eisenbahnangestellte.
•) Näheres siehe politischen Teil.
Die Verantwortung der Varteie«
Berlin, 9. Sept. Der Empfang des Reichskagspräsidiums beim Reichspräsidenten fand heute mittag programmäßig statt. Ueber diesen Empfang, der etwa 20 Minuten dauerte, wurde folgende amtliche Mitteilung herausgegeben: „Reichspräsident von Hindenburg empfing heute das neugewählte Präsidium des Reichstages: Reichstagspräsident Göring und die Vizepräsidenten Esser, Gräf-Thü ringen und Rauch. Reichstagsprä ident Göring stellte das neue Kabinett vor. Der Herr Reichspräsident dankte für den Besuch und sprach den Herren seine besten Wünsche für die Erfüllung ihrer Aufgaben aus. hieran schloß sich eine kurze Aussprache über die politische Cage.“
Ergänzend hierzu wird gemeldet: Die Heu tige Aussprache zwischen dem Reichspräsidenten und dem Reichstagspräsidium hat für die Parteien insofern einen Erfolg gehabt, als der Reichspräsident ihnen inzwischen hat mitteilen lassen, daß er bereit sei, Dienstag mittag 12 Ahr die Vertreter der Nationalsozialisten, des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei zu einer Aussprache zu empfangen.
Die Slustveache beim Reitbéwäfibenien
Berlin, 9. Sept. Wie wir erfahren, hat an dem Empfang des Reichspräsidiums auch Staatssekretär Meißner teilgenommen. Im Anschluß an die Vorstellung des Präsidiums entwickelte sich eine Aussprache, die etwa 20 Minuten dauerte, und bei der alle Herren des Präsidiums zu Wort kamen. Reichstagspräsident Goering legte dar, daß der Reichstag eine arbeitsfähige Mehrheit habe. Vizepräsident Gräf widersprach aber diesen Ausführungen grundsätzlich mit dem Hinweis darauf, daß es nicht Aufgabe des Reichstagspräsidiums fei, politische Verhandlungen mit dem Reichstagspräsidenten einzuleiten. Auch der Reichspräsident stellte sich auf einen ähnlichen Standpunkt, fügte aber hinzu, er habe nichts dagegen, daß die Herren ihre Auffassungen zum Ausdruck brächten.
Die Herren Goering und Esser haben dann dem Reichspräsidenten ihren Standpunkt in dem Sinne auseinandergesetzt, wie er ja durch die Erklärungen bekannt ist, die in den letzten Tagen von führenden Stellen ihrer Parteien abgegeben worden sind. Die Ausführungen des Präsidenten Goering gipfelten in. der Bitte an den Reichspräsidenten, feine letzten Entschließungen nicht eher zu fassen, als er die Führer de rgroßen Parteien empfangen und ihre Anschauung kennengelernt habe, damit der Versuch gemacht werde, eine Zusammenarbeit zwischen dem Reichspräsidenten und dem Reichstag herbeizuführen. Der Reichspräsident hat sich feine letzte Entscheidung vorbehalten.
DiettStas Gmvkaug der Parteiführer
Berlin, 9. Sept. Der Reichspräsident wird am Dienstag mittag 12 Uhr die Vertreter der Reichstagsfraktionen der Nationalsozialisten, des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei gemeinsam in Gegenwart des Reichskanzlers empfangen, um ihre Auffassung zur politischen Lage entgegenzunehmen. Diese Ankündigung ist das w i ch t i g st e und abschließende Ergebnis des heutigen Freitags, von dem man ursprünglich eine gewisse Entscheidung der weiteren innerpolitischen Lage erwartet hatte. Diese Entscheidung ist nicht eingetreten, sondern mit dem Empfang der Fraktionsvertreter auf Dienstag verschoben worden. Heute nachmittag und heute abend sind die Unterhändler des Zentrums und der Nationalsozialisten wieder beisammen gewesen, um die Frage zu Âären, ob eine hinzögernde Taktik, durch die der Reichstag zunächst noch einmal vertagt würde, heute noch Sinn hat, oder ob sie durch Forcierung der Anträge gegen die Reichsregierung schon in der ersten Hälfte der Woche klare Bahn schaffen sollen. Diese Besprechung konnte natürlich noch nicht zu einem abschließenden Ergebnis führen, weil die beiden Parteien nun erst einmal sehen müssen, was bei dem Empfang am Dienstag herauskommt. Bis dahin ist die Entscheidung zunächst verschoben. Es läßt sich noch nicht einmal sagen, ob sie schon dann fällt. Genau so gut ist es möglich, daß wir Dienstag vormittag wieder vor derselben Situation und derselben Fragestellung stehen, wie heute abend.
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Berlin, 9. Sept. Die deutschnationale P r e s s e st e l l e gibt mit Rücksicht auf die verschiedenen Veröffentlichungen über den Besuch des Reichstagspräsidiums beim Reichspräsidenten den Bericht bekannt, den der deutschnationale Vizepräsi
dent Gräf in der Sitzung der deutschnationalen Reichstagsfraktion darüber erstattet. Danach hielt nach der Vorstellung der nationalsozialistische Reichstagspräsident Goering eine Ansprache, in der er betonte, daß im Reichstag eine arbeitsfähige parlamentarische Mehrheit sei, daß der Reichstag ■ich nicht ausschalten lassen wolle und daß er als Reichstagspräsident sich gegen die Gerüchte, daß der Reichspräsident diese Ausschaltung beabsichtige, zur Wehr setzen müsse. Er habe den einstimmigen Auftrag des Reichstags, dies zum Ausdruck zu bringen. Der deutschnationale Vizepräsident Gräf widersprach diesen Aeußerungen auf das schärfste. Er führte aus, daß das Reichstagspräsidium nicht befugt sei, dem Staatsoberhaupt politische Vorschläge zu machen oder gar Ratschläge zu erteilen. Das Präsidium sei keine politische Körperschaft und durchaus in seiner Meinungsbildung absolut nicht einheitlich. Gräf betonte, daß die Einsetzung eines wirkl'^ von den Parteien unabhängigen Kabinetts ein Fortschritt sei, demgegenüber der Rückfall in dem Parlamentarismus und in das Koalitionsspiel, wie es die Nationalsozialisten und das Zentrum erstrebten, einen absoluten Rückschritt bedeuten würde. Hierüber sei sich der größte Teil des Volkes einschließlich weiter Kreise der Nationalsozialisten einig. Die Rücksicht auf die Stetigkeit der politischen Entwicklung und auf die Autorität des Staatsoberhaupts verbiete es, einen Kurswechsel in der Regierungsführung vorzunehmen, selbst für diejenigen, die nicht mit allen Maßnahmen des Kabinetts v. Papen im Reich und in Preußen einverstanden sind.
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Berlin, 9. Sept. Am Freitag abend fand im Reichstag eine Besprechung zwischen Abgeordneten des Zentrums, der Bayerischen Bolkspartei und der Nationalsozialisten statt, in der zu dem Ausgang des Empfangs beim Reichspräsidenten Stellung genommen wurde. Wie das Nachrichtenbüro des Bdz. erfährt, hat Reichspräsident v. Hindenburg inzwischen die Vertreter der Nationalsozialisten, des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei für Dienstag und Mittwoch mittag zu sich gebeten. Unter diesen Umständen soll die Aussprache über die Regierungserklärung im Reichstag erst am Mittwoch nachmittag beginnen. An dem Termin der Regierungserklärung hat sich nichts geändert. Der Dienstag wird plenarsitzungsfrei bleiben. Die wirtschaftlichen Verhandlungen zwischen den drei Parteien werden in den nächsten Tagen fortgesetzt. 3n kreisen der beteiligten Parteien sieht man der weiteren Entwicklung mit Z u- versicht entgegen. Man glaubt, daß die Aussprache beim Reichspräsidenten doch nicht vergeblich gewesen sei.
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München, 10. Sept. Zum Besuch des Reichstagspräsidiums beim Reichspräsidenten schreibt die nationalsozialistische Korrespondenz: Welche Entscheidung der Herr Reichspräsident auch treffen möge, die Nationalsozialisten haben in den letzten Tagen keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie in jedem Fall mit dem Volk und für das Volk kämpfen. Dieser Kampf werde von der nationalsozialistischen Bewegung mit einer Leidenschaft, Erbitterung und Zähigkeit geführt werden, die nur derjenige aufbringen könne, auf dessen Seiten nicht
(Fortsetzung auf Seite 2)
Sie Woche
Noch zu Beginn dieser Woche sprach man von intensiven Einflüssen auf den Reichspräsidenten, von einem Wettlaufen und von einem Tauziehen zwischen dem Koalitionsprinzip und dem Präsidialprinzip. Das Koalitionsprinzip wurde vertreten durch das Zentrum und die Nationalsozialisten, das Präsidialprinzip durch das Kabinett Papen und den Reichspräsidenten selbst. In den letzten Tagen scheinen nun die Verfechter des Koalitionsprinzips in der Prinzipienfrage nachgegeben zu haben, nicht daß sie etwa bereit wären, das Präsidialkabinett von Papen anzuerkennen und zu unterstützen, sondern sie selbst stellen sich, nachdem sie sich geeinigt haben, für ein Präsidialkabinett zur Verfügung, das zugleich eine „arbeitsfähige Mehrheit im Reichstag" haben soll. In dieser Richtung bewegte sich eine Rede, die der geschäftsführende Vorsitzende des Zentrums, Abgeordneter Joos, am Donnerstag gehalten hat und die gleiche Auffassung sollen auch die beiden Reichstagspräsidenten Göring und Esser gestern dem Reichspräsidenten gegenüber zum Ausdruck gebracht haben. Das Zentrum, in scharfer Oppositionsstellung gegen Papen, läßt sich dabei offenbar von dem Gedanken leiten, daß trotz seiner grundsätzlichen starken Ablehnung Hitlers dieser als Reichskanzler eines Präsidialkabinetts doch schließlich zu tragen ist, weil der Reichskanzler ja letzten Endes vom Reichspräsidenten abberufen werden kann, wenn der Kanzler nach Meinung des Reichspräsidenten eine gefährliche Politik macht. Die Nationalsozialisten wollen auf alle Fälle an die Macht kommen und sind bereit, wenn allein keine Möglichkeit besteht, mit einer anderen Partei, in diesem Falle dem Zentrum, zu regieren. Es fragt sich nun, welche Haltung der Reichspräsident gegenüber der veränderten Marschroute des Zentrums und der Nationalsozialisten einnehmen wird. Der gestrige Empfang des Reichstagspräsidiums hat noch keine Klärung gebracht — die Entscheidung ist auf kommenden Dienstag verschoben worden, an dem, dem Wunsche der Herren Göring und Esser entsprechend, ein Empfang der Führer der großen Parteien stattfinden soll.
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Wir haben uns vor acht Tagen an dieser Stelle für das Prinzip der Präsidialregierung ausgesprochen, weil wir auf dem Standpunkt stehen, daß in der heutigen Notlage eine von den Erschwerungen parlamentarischer Parteientaktik losgelöste und unabhängige Regierung eher imstande ist, praktische Maßnahmen Äurchzusetzen. Wir haben aber auch erklärt, daß das gegenwärtige Präsidialkabinett nicht unbedingt seine jetzige Zusammensetzung in allen Punkten behalten muß, obwohl wir es lieber gesehen hätten — daraus machen wir keinen Hehl — wenn die „nationale Mehrheit" des Reichstages so rasch wie möglich ehrliche Zusammenarbeit mit dem jetzigen Präsidialkabinett gesucht hätte. Doch Veränderungen sind möglich, wenn das neue Kabinett den Wirtschaftsplan der Regierung Papen und dessen weiteren Ausbau übernimmt oder zur sofortigen Durchführung ohne jede Verzögerung einen besseren Plan mit schnellerer und besserer Wirkung vorzulegen vermag. Hauptsache ist, sofort positive Arbeit leisten, um aus unserem Elend herauszukommen, was nur durch Belebnug der Wirtschaft geschehen kann. An die Uebernahme des Papen-Programms scheinen aber Zentrum und Nationalsozialisten nicht zu denken. Beide Parteien haben in der abgelaufenen Woche jenes Programm heftig bekämpft, aber sie sollen, wie es heißt, ein eigenes Programm ausgestellt haben. Wie dieses Programm aussieht, ist noch nicht bekannt. Ob es der Reichspräsident kennt, weiß man nicht, und ob es ihn veranlassen wird, seine präsidiale Führung der Reichspolitik
Die heutige Stammet wmf afti 24 (Seiten