Seife 6
Mittwoch, den 7. September 1932
Ar. 210
ssängnisstrafe von einem Jahr, 47 260 RM Geldstrafe und 8634 RM Wertersatz und Ler Wirt Heinrich Kister, Ler Sprit kaufte, wegen Monopolhehlerei zu 886 Mark Geldstrafe und 162 Mark Wert- ersatz verurteilt.
Aus Hab und Seen
Der Offenbacher Frauenmord vom Januar dieses Jahres aufgeklärt
—. Offenbach, 6. Sept. Wie das Polizeiamt mitteilt, ist es den gemeinsamen Bemühungen der Ermittlungsbehörden gelungen, den Mord an der Frau Kreutzer am 13. Januar d. I. restlos aufzuklären. Zwei bereits vor längerer Zeit Verhaftete haben nach anfänglichem hartnäckigen Leugnen nunmehr die Tat eingestanden. Es handelt sich um den 24jährigen Klempner Hansmann und den gleichalterigen Musiker Distler, beide aus Offenbach. Frau Kreutzer (eine pensionierte Postbeamtin) war, wie erinnerlich, in ihrer Wohnung überfallen, von den Tätern an Händen und Füßen gefesselt und mit einem Handtuch erdrosselt worden. Den Mördern fielen damals 1000 Mark in die Hände.
Landsriedensbruchprozeß in Fulda
— Fulda, 6. Sept. Gestern fand im hiesigen Amtsgericht der Prozeß gegen drei Mitglieder des Antifaschistischen Kampfbundes Seban, Joseph Kubiak und Ludwig Müller aus Fulda statt, die beschuldigt werden, am 30. Juli Landfriedensbruch durch Angriffe aus Nationalsozialisten verübt zu haben. Da Seban zu der Verhandlung nicht erschienen war, wurde das Verfahren gegen ihn ab= getrennt. Der Staatsanwalt ließ gegen Müller die Anklage auf Landfriedensbruch fallen, beantragte gegen ihn aber wegen Körperverletzung 4 Monate und gegen Kubiak wegen Landfriedensbruch 1 Jahr Gefängnis. Das Gericht fällte folgendes Urteil: Kubiak erhält wegen Landfriedensbruch 7 Monate, Ludwig Müller wegen Körperverletzung 3 Monate Gefängnis.
Tödlicher Unfall auf dem Bahnhof Bebra
;— Bebra, 6. Sept. Heute nacht 2.50 Uhr wurde auf dem hiesigen Bahnhof von einem ablaufenden Wagen der Hemmschuhleger Anton Gerlach, 42 Jahre alt, überfahren und getötet. Gerlach hinterläßt eine Frau und zwei unmündige Kinder.
Ein Hirtenbrief des Bischofs von Limburg
— Limburg, 6. Sept. Zur Linderung der Winternot hat der Bischof von Limburg einen Hirtenbrief erlassen und verordnet, daß für das Caritas- Winterhilfswerk mindestens einmal monatlich in jeder Kirche eine Kollekte für Hilfsbedürftige zu veranstalten ist. In allen Städten und Dörfern der Diözese sollen Haussammlungen durchgeführt werden, die sich nicht nur auf Geld, sondern auch auf Lebensmittel, Kleidung und Wäsche erstrecken sollen.
Auf der Spur der Lenderscheider Brandstifter?
— Lenderscheid (Bez. Kassel), 6. Sept. Den Brandstiftern, die seit Jahren Lenderscheid u. Umgebung in Unruhe versetzten, scheint man jetzt endlich auf der Spur zu sein. Bekanntlich brannte dieser Tage im benachbarten Lanertshausen das Anwesen des Landwirts Heinrich Wiegand nieder, wobei man wiederum Brandstiftung vermutet. In derselben Nacht wenige Stunden vor dem Brande wurde das Frielendorfer Ueberfallkommando nach Lenderscheid gerufen, wo der Schreinergesele Sahl von 3 maskierten Männern überfallen und verletzt worden fein will. Die bisherigen Feststellungen haben aber ergeben, daß der Ueberfall fingiert ist und offenbar die Polizei nach Lenderscheid locken sollte, um den Brandstiftern in Lanertshausen die Arbeit zu erleichtern. Sahl ist bereits wiederholt der Brandstiftung verdächtigt worden und man hofft, jetzt den Brandstiftern auf die Spur zu kommen.
Mit dem Fahrrad in ein Auto gerannt und getötet
__Montabaur, 6. Sept. Sonntag abend rannte der 28jährige Franz Quirmbach aus Leuterod in einer Kurve bei Heiligenroth in das Auto des Schneidermeisters Kremer aus Hundsaugen. Kremer erlitt bei dem Zusammenprall schwere Verletzungen an Armen und Beinen und Körperquetschungen, denen er bald nach seiner Einlieferung in das hiesige Brüderkrankenhaus erlag.
Beim Bremsen vom Herzschlag getroffen
— Frankenberg, 6. Sept. Der Gastwirt Kann von Dorf-Itter, der mit seinem 15jährigen Sohn von einer Fahrt nach auswärts zurückkehrte, hieß an einer abschüssigen Stelle seinen Sohn zu bremsen. Der junge Mann kam der Weisung auch nach. Ahnungslos fuhr der Vater nach Hause, wo plötzlich der Sohn vermißt wurde. Kaum schickte man sich an Nachforschungen nach ihm anzustellen, als auch schon seine Leiche von einem Kraftwagen gebracht wurde. Der junge Mann hatte beim Bremsen einen Herzschlag erlitten und war lautlos zusammengebrochen.
Neues Großfeuer auf dem Hunsrück
— Hermeskeil, 6. Sept. Nachdem erst vor einigen Wochen der rote Hahn in Züsch ein Wohnhaus mit den gesamten Futtervorräten in einen Schutthausen verwandelte, wurde die dortige Einwohnerschaft durch ein erneutes Großfeuer in Schrecken versetzt. Nachts brach in dem Haus von Johann Eberhard Feuer aus, das durch die in dem Hause sich befindlichen Heu- und Strohvorräte reichlich Nahrung sand und sich innerhalb kurzer Zeit zu einem Groß- seuer ausdehnte. Trotz tatkräftigen Eingreifens der Feuerwehr konnte nicht verhindert werden, daß das Feuer auch auf das Haus von Peter Schmitt- Molter Übergriff. Beide Häuser brannten bis auf die Umfassungsmauern nieder. Das Mobilar konnte teilweise in Sicherheit gebracht werden, während die gesamten Erntevorräte vom Feuer , verzehrt wurden. Die Brandursache konnte bis jetzt noch nicht festgestellt werden. Der Schaden soll nur teilweise durch Versicherung gedeckt sein.
Die Ilbesheimer Zwischenfälle — Bisher drei Verhaftungen
— Ilbesheim (Pfalz), 6. Sept. Durch ein Kommando der Landauer Gendarmerie wurden gestern den ganzen Tag über Ermittlungen wegen der Zwischenfälle, die sich in den gestrigen frühen Morgenstunden hier ereigneten, durchgeführt. Sie waren am Abend noch nicht abgeschlossen. Bisher
Dev «»vwegische Flieset Saufen startet wieder in Die Antarktis
Karte des Südpolargebiets, das Kreuz bezeichnet das 1931 von Rijser Larsen neu entdeckte Prinzessin Ragnhild-Land. Unten: Rijser Larsen, der norwegische Flieger, der jetzt wiederum in das Südpolargebiet aufbrechen will, um dort neues Land zu suchen. Er will diesmal jedoch keine Flugzeugfahrt unternehmen, sondern sich auf eine Schlittenfahrt beschränken, die von Enderby nach dem Wedell-Meer über eine5000 Kilometer lange Strecke führen soll.
war es ein Lievesdienfi?
Die Bluttat im Schwanheimer ward
Frankfurt o. ZN., 6. Sept. In der kommenden Woche wird vor der Großen Strafkammer unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Messerschmitt die Verhandlung gegen den 30jährigen Optiker Wilh. Wied aus Münster bei Stuttgart wegen Vergehens nach § 216 des Strafgesetzbuches — Tötung auf Verlangen — stattfinden. Unter den Kriminalfällen, die sich in den letzten Jahrzehnten in Frankfurt ereigneten, hat sich kaum einer befunden, der nach der psychischen Seite so viel Rätsel aufgibt wie der Fall Wied. Nur die Hauptoerhandlung wird dazu berufen sein, das mystische Dunkel, das noch über der ganzen Affäre lagert, zu enträtseln. Die Anklage besagt, daß das Ermittlungsverfahren nichts erbracht habe, was die Tat des Angeklagten ausreichend erklären könnte. Läßt es sich verstehen,
daß ein lebenslustiges Mädchen,
das erst wenige Tage vor dem schrecklichen Ereignis einen Mann kennen lernte, dem es ohne Angabe von Motiven den Willen aufzwingt, es umzubringen? Elfe, die Tochter eines verstorbenen Gastwirts, die noch ein elterliches Heim besitzt und bei einer Putzmacherin in Stellung war, ist achtzehn Jahre alt. Pekuniäre Sorgen scheinen nicht auf ihr zu lasten. In ihrem Bekannten- und Verwandtenkreis wird sie als lustige Person bezeichnet und als Frühgereifte charakterisiert. Wied, ein gebürtiger Stuttgarter, kommt, obwohl nicht selbst Sänger, zum Sängerfest nach Frankfurt gefahren. Er mietet sich in der Hafenstraße ein Zimmer gegen Tagespreis auf unbestimmte Zeit und vergnügt sich mit den eintreffenden Sängern. Unter den Bekannten befindet sich eine Familie aus Stuttgart, die mit der Familie der Getöteten bekannt ist und sie Am Schützenbvunnen aüfsucht. Dort lernt er Else kennen und unternimmt mit ihr und anderen Bekannten ^Spaziergänge. Als die Stuttgarter Sänger im Sonderzug Frankfurt verlassen haben, da zeigt ihm Else die Stadt, führt ihn zum Dom, nach Sachsenhausen und sitzt nachts mit ihm in Casâs, besucht auch gelegentlich seine Wohnung. Es kommt zu intimen Vorgängen. Dann will Wied wieder abreisen. Schon nimmt er in ihrer elterlichen Wohnung Abschied, da bittet sie ihn flehentlich, er soll bei der Mutter die Erlaubnis erwirken,
noch eine halbe Stunde mit ihm ausgehen zu dürfen.
Und dann gehen sie in die dunkle Nacht hinaus, nachdem Else bejaht hat, daß sie den Hausschlüssel mitgenommen habe. Aber draußen gesteht sie dem
sind drei Verhaftungen erfolgt, und zwar wurden festgenommen der Faselhalter Jakob Kerth II. aus Ilbesheim, der Kraftwagenlenker Willi Weber aus Landau und der Chauffeur H. Orth aus Landau, die der aktiven Beteiligung an den Vorfällen verdächtig sind. Weitere Festnahmen stehen bevor. Der verletzte Gendarmeriekommissar Herbert wurde im Landauer Krankenhaus inzwischen operiert und die Kugel, die ihn nach dem Abprallen an der Rathausmauer als Querschläger traf, entfernt. Wie festgestellt wurde, erhielt der Beamte auch einen Messerstich in die linke Achselhöhle. Sein Befinden ist den Umständen entsprechend gut. Die Ermittlungen sind dadurch erschwert, daß die beiden Beamten schon zu Beginn der Zusammenstöße so schwer geschlagen wurden, daß sie in einen Taumelzustand versetzt wurden und nur wenige ihrer Angreifer zu erkennen vermochten. Auch in Anbetracht der auf sie einstürmenden Menschenmenge — die Beamten sprechen von 40—50 Personen — erinnern sich beide nicht mehr an bestimmte Personen, von denen sie angegriffen worden sein könnten. Ihr Hauptinteresse war auf die Festnahme des Bosch und eines weiteren steckbrieflich verfolgten Nationalsozialisten gerichtet. Im Dorfe ist die Ruhe wieder eingekehrt.
Begleiter, daß sie weder Schlüssel, Geld noch Uhr mitgenommen habe, und daß sie nicht mehr nach Hause zurückkehren werde. Sie will aus dem Leben scheiden und er soll das Gleiche tun. Den gleichen Gedanken soll sie schon einmal bei einer früher stattgehabten Zusammenkunft geäußert haben.
Man beschließt Abschiedsbriefe zu schreiben, kauft am Nachtschalter in der Hauptpost Briefmarken, trinkt in der Moselstraße eine Flasche Sekt und schreibt einige Postkarten. Wied nimmt noch eine Flasche Wein mit. Dann begibt man sich in die Wohnung in der Hafenstraße und schreibt weiter. „Es ist leider unser Ernst, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden" heißt es in einem Briefe an die Mutter. Man berät über die Todesart. In den Main wollen sie nicht gehen, sie sind beide Schwimmer.
Elsens Blick fällt auf ein Rasiermesser
in seinem Koffer. „Das ist das Richtige, das nehmen wir mit; „heißt es und in früher Morgenstunde wandern beide nach Schwanheim und lagern sich im Walde nächst dem Straßenbahndepot. Schon unterwegs soll sie immer auf ihn eingeredet haben zur Tat zu schreiten und als er sie fragte, ob sie denn wirklich einen guten Grund habe, ihrem Leben ein Ende zu machen, blieb sie ihm die Antwort schuldig.
Als man lagerte, verlangte Else zu trinken und man trank aus der mitgenommenen Weinflasche. Dazu schlief man eine Stunde. Else weckte dann ihren Partner, denn es sei jetzt Zeit. Und als er entgegnete, er werde zum Mörder, habe sie gesagt:
„Mein Liebling, Du bist kein Mörder, Du erlöst mich nur von meinen Qualen.“
Sie soll gerufen haben: „Bub mach cs gut" und „erlöse mich". Da erwies er ihr den Liebensdienst. Durch den geführten Schnitt mit dem Rasiermesser wurde die linke Schlagader und der vordere Teil des Halses bis zur Speiseröhre durchtrennt. Wied erledigte sich dann seines blutbefleckten Hemdes und reinigte sich die blutigen Hände im feuchten Gras. In der Stadt kaufte er sich ein neues Hemd, schrieb Abschriedbriefe in einem Postamt, nächtigte im Bahnhof, verschenkt am andern Tag seine Kleider einem Wanderburschen und stellt sich dann der Polizei. Wied hat nur die eine Erklärung für die Tat: er habe ihr auf ihr flehentliches Bitten den Liebesdienst erwiesen. Die Verhandlung muß klären, ob Else lebiensmüde war. Sieben Zeugen und drei Sachverständige sind zu dem Termin geladen.
rnösttchkette« MMmm- zSMKev Verständigung
Uns wird geschrieben:
In einem stillen Schwarzwaldstädtchen fanden sich dieser Tage Mitglieder des deutschen Ver- söhnungsbundes zusammen, um in gemeinsamer Arbeit mit ihren französischen Freunden Möglichkeiten einer deutsch-französischen Devstän- digung zu erörtern.
Draußen in der Welt tobt der Kampf in Haß, Mißtrauen und Furcht vor dem, was kommen mag. Hüben wie drüben, diesseits wie jenseits der Grenze Menschen in Not, in anklagender Verzweiflung, in drohender Haltung einer gegen den andern. Wir finden uns hier in Stille. „Frankreich — Deutschland", die große Frage, die zurzeit wieder einmal aller Herzen und Hirne bewegt. Wir wollen Auge in Auge, rückhaltlos, dieser Frage nahetreten, nicht in angstgespannter Haltung, Mißtrauen und unbeugsamer Starrköpfigkeit.
Wer wollte nicht Frieden! „Sicherheit!" — klingt es hüben und drüben. Darum will man Waffen tragen, sich rüsten, sich verschanzen. Si vis pacem >. . . . Aber diese Schar kommt waffenlos zueinander. Hände strecken sich entgegen, Freund!
klingt es von Mund zu Mund. Wir haben Fr« den, und wir wollen miteinander beten, arbeite für den Frieden zwischen unsern beiden Völker, Selten haben Menschen verantwortungsvoller, err ster, ringender zusammengestanden und sich Der an wörtlich gefühlt.
Pfarrer Mensching, der Sekretär be deutschen Dersöhnungsbundes, eröffnet die Tagum Er ist frei von aller Ideologie und Sentimental tät. Seine Worte lassen Hineinschauen in ein G, wissen, das wuchs und stark wurde durch Ersah rungen und Erlebnisse in fast übermenschliche Arbeit, im Kampf um Menschentum und Menscher würde draußen unter den farbigen Rassen. Dies Persönlichkeit, voll Kraft und Demut, voll Lieb und doch voll Härte gegen alles, was Haß, Tren nung, Ichsucht heißt, steht da, schlicht und markst vor uns, und man fühlt: Was hier gewollt mirs ist Nüchternheit, Aufrichtigkeit, Klarheit.
Dr. Isenberg, Dresden, legt den Verhand langen der Tagung einen geschichtlichen Ueberbst über die Entwicklung der wirtschaftlichen und polt tischen Lage in den letzten Vorkriegsjahren, de Kriegs- und Nachkriegszeit zugrunde. Mit reiche« fachmännischen Wissen führt er ein in die Tat fachen, die unerläßlich notwendig zu wissen sind fü eine Stellungnahme zu dem Problem. Es wir! franzäsischerseits beleuchtet durch Prof. Philip Lyon.
Hier reden Männer, die auf eine Arbeit vor vielen Jahren zuvücksehen, auf eine Arbeit ern stester, verantwortungsvollster wissenschaftlicher Art die von einer unbestechlichen, wahrhaftigen und un parteiischen Beurteilung der Sachlage zeugt. 3t vornehmer Offenheit gestehen die „Gegner" fi<f die egoistischen und ungerechten Schachzüge bes politischen Lebens vergangener Jahre ein, die es endlich einmal aus dem Wege zu räumen gilt wir Klötze, welche uns im Dorwärtsschreiten behindern Hier ist eine Haltung, die den in Beruf geratener Begriff Politik mit dem Inhalt echter Männlich seit, mit Würde und Heldentum füllt. Hier fäll! kein Wort der Gehässigkeit oder Ueberheblichkeit hier wird nicht beworfen und besudelt. Durch solch sachliche Auseinandersetzung geht auch dem Unein geweihten ein Verständnis dafür auf, wie verworren und verschlungen, wie unentwirrbar btt deutsch-französische Frage ist. Da möchte man erröten bei dem anmaßenden Schimpfen verhetzter Massen. Erst dem Wissenden wird die ganze Schwere des Problems klar, und er wird stille. Der heiße Wunsch geht durch mein Herz, daß unsere Jugend nicht länger zu schreiendem, schimpfendem Pöbel erzogen werde, sondern zu ehrfürchtigen Menschen, Die Grundlage unsers Verhaltens zum Nächste« muß sich ändern, von Partei zu Partei, von Vol! zu Volk.
Dr. Isenberg deckt in überzeugender Sachlichkeit die Widersprüche in den Verträgen auf und weist auf ihre Ursachen, die beiderseitige Angst und das Mißtrauen hin. Und Angst und Mißtrauest führen zu Haß und Angriffsgeist. An den fachlichen, nüchternen Erkenntnissen, an dem wirklichen Wissen um die Dinge haben die vierzig Menschen giftest Willens einmal unter Ausschaltung ihres zunächst religiös bestimmten Versöhnungswillens bestätigt gefunden, daß nur eine andere Basis der Verhand« lunaen den gordischen Knoten lösen wird.
Gibt es eine solche Basis? Sie ist die Konsèi quenz der schlichtesten Wahrheit des Christentums die den ganzen Menschen, auch den politischen, auf den Boden unbedingter Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit stellt. Diese Konsequenz schafft eine neue' Kampffront. Nicht gegen den Menschen ist sie gekehrt, sondern gegen die dunklen Mächte des Hauses, der Ichsucht, der Ungerechtigkeit, von denen Menschen in den verschiedenen Lagern besessen sind. Diese Front kennt keine Zugsständniste; sie schönst ihre Kraft aus dem Evangelium. Sie wird nicht müde werden, dem Reiche des Geistes Bahn ui brechen in die Welt der Erscheinungen hinein, in die Welt, in der man noch hungert und haßt. wo man ausbeUtet und tötet. Solche Friedensbereit fchaft verlangt heldische Kraft, Opfer unseres Selbst, eine Größ» der Seele, zu der uns nur der Umgang mit dem Ewigen emporbilden kann.
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Die «SvanseUsche tftietbe r«v Kot dee Ke«te«emvfSng ee
Ein Schreiben an den Reichskanzler
Berlin, 5. Sept. Der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses D. D r. Kapler geht in einem Schreiben an den Reichskanzler aus- ührlich auf die durch die jüngsten Kürzungen der Interstützungssätze verschärfte Not der Rentenempfänger ein und richtet an den Reichskanzler die dringende Bitte, aus diesen Anträgen den Ruf zur Hilfe für die von bitterer Not getroffenen Volkskreise zu vernehmen und ihm tunlichst bald Folge zu geb en.
In seiner Antwort betonte der Reichskanzler, wie besonders schmerzlich es für die Reichsregierung gewesen sei, daß sie sofort nach ihrem Amtsantritt die Bezüge der Sozialrentner und Kriegsbeschädigten habe mindern müssen. Sobald sich aber die Wirtschaftslage bessere, werde die Reichsregierung prüfen, welche Härten der Notverordnungen gemildert werden können. Jn- wischen werde versucht werden, den Ausbau und ne Verwaltung der Sozialversicherung zu verein- achen und zu verbilligen, um von den so beschränken Mitteln möglichst viel für die Rentner freizumachen.
Ein Generaldirektor wegen Aufreizung zu 7 Tagen Gefängnis verurteilt
Königshütte, 6. Sept. Vor der Königshütter Strafkammer fand heute ein Prozeß gegen den Generaldirektor der Königshütte Friedrich Bernhard statt, dem zur Last gelegt war, durch Aeußerungen die Arbeiterschaft zu Gewalttätigkeiten aufgereizt zu haben. Der Angeklagte hatte bei einer Unterredung mit Vertretern der Arbeiter- chaft das Wort gebraucht, daß die Arbeiter immer roch zu friedlich seien und mehr erreichen könnten, wenn sie mit Hilfe ihrer Gewerkschaften zu schäkeren Maßnahmen griffen. Das Gericht hielt den Angeklagten für schuldig im Sinne des Eröffnungsbeschlusses und verurteilte ihn zu sieben Tagen Ge- fängnis, billigte ihm aber eine zweijährige Bewährungsfrist zu. Generaldirektor Bernhard hat: gegen das Urteil sofort Berufung eingelegt.