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Mittwoch, den
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s. September
1932
Gleiches Recht Me alte!
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* Die Denkschrift über den deutschen Standpunkt zur Abrüstungsfrage, die am 29. August dem französischen Botschafter in Berlin überreicht wurde, wird jetzt veröffentlicht. Gleichzeitig hat der Reichsaußenminister über den Zweck des Schriftstückes ^nd über die Gründe der Veröffentlichung eine Erklärung ab geben.
Im Reichstag wurden, wie das Nachrichtenbüro des Bdz. hört, am Dienstag nachmittag die Besprechungen zwischen den Nationalsozialisten und dem Zentrum wieder ausgenommen. Reichstagspräsident Goering empfing nacheinander den früheren Reichskanzler Dr. Brüning und den Reichstagsabgeordneten Dr. Bell.
Wie das Nachrichtenbüro Les Bdz. meldet, wird Lie Tatsache, daß Reichstagspräsident Goering das Reichstagsplenum für nächsten Montag einberufen hat, in poliitschen Kreisen dahin gedeutet, daß man hofft, noch bis zum Ende dieser Woche eine gewisse Klarheit über den Ausgang der Koalitionsbesprechungen zu erhalten. Hierauf dürfte auch hindeuten, daß Adolf Hitler voraussichtlich Donnerstag abend wieder in Berlin sein wird.
Die kurz nach den Reichstagswahlen eingeleiteten Bestrebungen, die Mittelpartien, die nn Reichstag keine Fraktionsstärke haben, zu einer technischen Fraktion und vielleicht sogar zu einer neuen Partei zuiammmenzuschließen, haben bisher keinen Erfolg gehabt. Die Besprechungen sind abgebrochen worden und zwar mit der Begründung, daß man zunächst abwarten wolle, ob der Reichstag aufgelöst wird. *
Der Reichsarbeitsminister hat die Vertreter der Arbeitgeber für Mittwoch, die Vertreter der Gewerkschaften für Donnerstag zu einer Besprechung über die Durchführung der sozialpolitischen Maßnahmen eingeladen. *
Aus Anlaß der Uebernahme der Staatsgeschäfte durch die neue thüringische Staatsregierung wurde das Justizministerium vom Kabinett damit betraut, bei Strafsachen, die überwiegend aus wirtschaftlicher Not begangen und bis 26. August 1932 rechtkräftig abgeurteilt worden sind, in weitgehendem Maß Gnade zu üben, soweit die Strafen in Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von nicht mehr als sechs Monaten Gefängnis bestehen.
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Auf dem Deutschen Obstbautaq in Bad Neuenahr erstattete Prof. Dr. Ebert-Berlin von der Hauptgeschäftsstelle des Verbandes den Bericht über die Tätigkeit des Fachausschusses für den Obstbau. An die Reichregierung wurde eine Entschließung gerichtet, in der es u. a. heißt: Die Vertreter des deutschen Obstbaues fordern unverzügliche Durchführung einer wirksamen Einfuhrbeschränkung für ■ Obst, Südfrüchte und auch Gemüse und Blumen, da die Ueberschwemmung des Binnenmarktes mit diesen Erzeugnissen zu nicht länger tragbaren Absatz- und Preisverhältnissen geführt hat.
Gronau beabsichtigt, von Tokio nach Berlin zu fliegen.
Das argentinische Parlament hat beschlossen, der Regierung nahezulegen, kein Moratorium für den ausländischen Schuldendienst zu erklären, sondern die Goldreserven des Konvertierungsinstituts zur Bezahlung des Schuldendienstes der auswärtigen argentinischen Schulden heranzuziehen.
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' Die Aufständischen in Brasilien verzeichneten, ■ Meldungen aus Sao Paulo zufolge, große Erfolge.
Rebellen aus dem Staate Minas Geraes. die Lie Regierungstruppen vernichtend geschlagen hätten, befänden sich auf dem Marsche nach der Bundeshauptstadt Rio de Janeiro. Auch im Staate Rio Grande mußten die Regierungstruppen überall zurückgenommen werden.
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Im Finanzausschuß Les amerikanischen Senats erklärte Senator King, daß man für das Ende des nächsten Haushaltsjahres mit einem neuen Fehlbetrag von 2 Milliarden Dollar rechnen müsse.
Der „Times"-KorresponLent in Washington meldet, hochstehende Beamte der Regierung hätten gestern zu verstehen gegeben, daß die Vereinigten Staaten wünschten, die Weltwirtschaftskonferenz nach den Präsidentenwahlen aufzuschieben. Als Grund wird angeführt, daß nach den Wahlen die Konferenz mehr erreichen könne als vorher.
Schleiche« über die nationale Sicherheit
Elbing, 6. Sept Reichswehrminisier General v. Schleicher nahm am heutigen Schlußtag der Divisionsübungen im Raume östlich Llbings persönlich an den Uebungen teil. Nachdem die Manöver gegen 13 Uhr ab geblasen waren, unterhielt der Minister sich mit den im Manövergelände anwesenden Vertretern der Presse, ließ sich den empfangenen Eindruck schildern und richtete danach an die Pressevertreter eine Ansprache.
Der Reichswehrminisier führte u. a. aus: Die Provinz Ostpreußen fühle sich besonders bedroht. Unleugbar sei zweierlei notwendig, einmal eine moderne Bewaffnung, die aber nicht mehr zu kosten brauche, zum andern aber, daß jeder Off- preuße für die Zukunft wisse, wie und wo er sein Vaterland im Ernstfall zu verteidigen habe; denn einen Anspruch auf Verteidigung des Landes, wie man ihn z. B. der Schweiz zubillige, müsse auch Deutschland, insbesondere Ostpreußen, erheben dürfen. Das Recht eines jeden Staats, sich i m Angriffsfalle zur Wehr zu setzen, gebühre a u ch Deutschland. Traurig, daß es Blätter gebe, die der gegenwärtigen Regierung die Vertretung der Forderung nach Gleichberechtigung in diesem Sinne nicht zusprechen wollten. Nach Weinung des Ministers habe jede nationale Regierung das Recht, den nationalen Schutz des Landes zu fördern. Der Minister sei der Auffassung, daß darüber Einigkeit im ganzen deutschen Volk herrsche, und deshalb habe jede deutsche Regierung das Recht und die Pflicht, für die Lösung dieses Problems einzutreten. Das müsse hier in Ostpreußen besonders gesagt werden.
Im Anschluß an diese Ausführungen des Reichs- wehrmimsters veröffentlicht die „Königsberger All
Der deutsche standpun« zur Abeüftungsseage
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Berlin, 6. Sept. Der Reichsminister des Auswärtigen hat heute einen Vertreter vom MTB. empfangen, um ihm das Schriftstück zur Veröffentlichung zu geben, das er als Rèfume feiner mündlichen Darlegungen des deutschen Standpunktes in der Abrüstungsfrage vom 29. August dem hiesigen französischen Botschafter ausgehändigt hat. Freiherr von Neurath hak sich bei dieser Gelegenheit über den Zweck des Schriftstückes und über die Gründe feiner Veröffentlichung u. a. wie folgt geäußert:
Seitdem die französische Presse die ersten Meldungen über meine vertrauliche Unterhaltung mit dem französischen Botschafter Herrn Francois Poncet brachte, hat sie das Vorgehen der Reichsregierung in der Abrüstungsfrage fortgesetzt zum Gegenstand von Kombinationen und Vorwürfen gemacht, die in der Anklage gipfeln, daß Deutschland unter dem Deckmantel seiner Gleichberechtigungsforderung nichts anderes als seine eigene Aufrüstung und die Wiederherstellung seiner früheren Militärmacht betreibe. Es gibt keinen einfacheren Weg, diese Entstellungen zu entkräften, als meine Aufzeichnungen der Oeffentlichkeit zu übergebpn.
Der deutsche Schritt bei dem französischen Botschafter war nichts Ungewöhnliches oder Ueber- rafchendes, wie manche ausländischen Presseorgane jetzt glauben machen möchten. Er hielt sich durchaus im Rahmen der Genfer Abrüstungskonferenz und sollte lediglich dazu dienen, ein positives Ergebnis ihrer Arbeiten zu ermöglichen. Für keine Frage der Abrüstungs- konferenz liegt eine Behandlung auf diesem Wege näher als für die Frage der deutschen Gleichberechtigung, die durch die Vertagungsresolution unmittelbar aktuell geworden ist. Ich brauche auch kein Geheimnis daraus zu machen, daß in unmittelbarem Anschluß an die letzten Konferenzverhandlungen noch in Genf selbst von den deutschen und französischen Vertretern Lie Ausnahme baldiger Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen über das Thema der Gleichberechtigung verabredet wurde.
Die Gründe, die die französische Regierung jetzt zur Mitteilung unseres Verhandlungsvorschlages an die am sogenannten Vertrauenspakt beteiligten Regierungen veranlaßt haben, find mir nicht
gemeine Zeitung" einen Bericht über eine Unterredung mit dem General über die Wehrfrage mit 'befonderm Bezug auf Ostpreußen.
„Sagen Sie Ostpreußen", so erklärte der Mi- nister, „daß wir es bis auf den letzten Mann verteidigen werden, und daß wir ihm alle Wittel, die zu seiner Verteidigung nötig sind, notfalls auf dem Seeweg heranführen werden."
Frage: „Die ganze Welt, Herr General, sieht mit größter Spannung der Entwicklung entgegen, die durch die Rüstungsdenkschrift der Regierung aufgeworfen ist. Wir wissen, daß gerade Sie persönlich sich einmal als der Wille des Kabinetts der Oeffentlichkeit gegenüber bezeichnet haben. Wie sind Ihre Entschlüsse für die Zukunft?"
2luuoüii; „Ich kann Ihnen nur erklären, daß Deutschland in jedem Falle das durchführen wird, was für feine nationale Verteidigung n o twendig ist."
„Auf jeden Fall, Herr General?"
„Jawohl auf jeden Fall. Deutschland läßt es sich nicht länger gefallen als eine Nation zweiter Klasse behandelt zu werden."
bekannt. Wer wollte bezweifeln, daß der offene Meinungsaustausch über auftauchende politische Probleme, wie ihn der Vertrauenspakt enthält, stets eine vortreffliche Methode ist? Die deutsche Regierung ist deshalb ja auch dem Pakte beigetreten. Der Pakt kann doch aber unmöglich den Zweck haben, ei ne diplomatische Un • terhaltung zu zweien oder dreien zu verbieten und für jede politische Frage, welcher Art auch immer, von vornherein eine förmliches Verfahren vor dem Forum aller den Pakt beigetretenen Regierungen vorzuschreiben. Ob in Fragen der Abrüstung ein solches Verfahren überhaupt in Betracht kommen kann, möchte ich ganz dahinge- tellt sein lassen. Jedenfalls will es mir scheinen, laß die bisher dem Pakt beigetretenen Länder, zu denen eine Reihe wichtiger europäischer Staaten nicht gehört, Lein Gremium darstellen, das für Abrüstungsfragen eine besondere Zuständigkeit in Anspruch nehmen könnte. Selbstverständlich hat die deutsche Regierung nicht daran gedacht, die non ihr gewünschten Besprechungen mit der französischen Regierung vor anderen Regierungen geheim zu halten.
Jedenfalls war die Reichsregierung der Ansicht und ist es auch heule noch, daß Frankreich der gegebene Weg ist, um eine Einigung zwischen allen beteiligten Mächten anzubahnen. SoUfe, was ich nicht hoffe, die Anwendung des Verlrauenspaktes seitens der französischen Regierung die Bedeutung haben, daß diese jetzt zu einer unmittelbaren deutschfranzösischen Aussprache nicht bereit ist, so wäre eine neue Lage geschaffen, die neue Entschlüsse der Reichsregierung notwendig machen würde.
Soviel sieht aber schon Heuke fest, daß es für Deutschland nicht möglich ist, sich an den weiteren Beratungen der Abrüstungskonferenz zu beteiligen.
bevor die Frage der deutschen Gleichberechtigung eine grundsätzliche Klärung gefunden hat. Unsere Gleichberechtigung, nicht unsre Aufrüstung, ist der Punkt, den wir zur Debatte gestellt haben.
Wenn die hochgerüsteten Staaten sich nicht zu einer radikalen Abrüstung entschließen können, und wenn sich daraus die Schlußfolgerung ergibt, daß unsere Gleichberechtigung nur durch Modifikationen unseres gegenwärtigen Rüstungsregimes hergestellt werden kann, so ist es eine handgreifliche Verdrehung der Wahrheit, von deutsch en Aufrüstungstend enzen und militärischen Machtgelüsten zu sprechen. Was wir unter dem Gesichtspunkt der Gleichberechtigung fordern, ist nicht mehr als eine gewisse Modifikation, die zugleich der Notwendigkeit Rechnung trägt, ein unserem Lande auferlegtes starres System unseren besonderen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen anzupassen. Es ist auch eine allzubequeme Methode, uns zur Geduld zu raten und uns darauf zu vertrösten, daß sich die Abrüstung der anderen Mächte und damit unsere Gleichberechtigung im Laufe der Zeit schon verwirklichen werde Wir warten jetzt länger als zehn Jahre auf die Erfüllung unseres Anspruches.
Die Abrüstungskonferenz ist an einem Punkte angelangt, wo die Entscheidung über unsere Gleichberechtigung fallen muß und keine Konserenzmachk sich mehr einer klaren Stellungnahme zu dieser Frage entziehen darf. Niemand kann Deutschland zumuten, sich noch länger mit einer Diskriminierung avzusinben, die mit der Ehre des deutschen Volkes und seiner Sicherheit unvereinbar ist
Oie deutsche Neukschetst
In dem obenerwähnten Schriftstück Neuraths heißt es u. a.: Nach den letzten Genfer Verhandlungen über das Abrllstungsproblem kommt es darauf an, den Versuch zu machen, alsbald auf diplomatischem Wege die Frage zu klären, die die deutsche Delegation in ihrer Schlußerklärung vom 22. Juli aufgeworfen hat. Die deutsche Regierung mußte sich zu diesem Zwecke in Verfolg der hierüber bereits in Genf mit den französischen Vertretern geführten vertraulichen Unterhaltungen zunächst mit der französischen Regierung in Verbindung setzen. Sie ist der Ansicht, daß eine vertrauliche Aussprache zwischen der deutschen und der französischen Regierung, in der die beiderseitigen Standpunkte und Wünsche in voller Offenheit dargelegt werden, das beste Mittel zur Herbeiführung einer Verständigung ist. Wenn die französische Regierung zu einer solchen vertraulichen Aussprache bereit ist, bleibt es beiden Regierungen natürlich unbenommen, die anderen hovptbetciligten Regierungen, wie insbesondere die britische, italienische und amerikanische Regierung, in geeigneter Weise zu informieren und zu gegebener Zeit an den Verhandlungen zu beteiligen.
Die Haltung der deutschen Delegation gegenüber der Resolution der Generalkommission vom 29. Juli war ausschließlich durch Gründe, die in der Sache selbst liegen, bestimmt, und war unvermeidlich. Die Resolution legt wichtige Punkte für die endgültige Abrüstungskonvention fest, und zwar in einer Weise, die bereits erkennen läßt, daß die Konvention in der Herabsetzung der Rüstungen weit hinter dem Versailler Vertrag zurückbleiben wird. Die deutsche Regierung konnte schon aus diesem Grunde der Resolution nicht z u st i m m e n. Es kam aber noch ein anderer Gesichtspunkt hinzu. Tatsächlich hatten die Beschlüsse für Deutschland überhaupt keinen Sinn; denn trotz der Diskrepanz zwischen dem in ihnen vorgesehenen Abrüstungsregime und dem Regime des Versailler Vertrages blieb in der Resolution die Frage völlig offen, ob die gefaßten Beschlüsse auch aus Deutschland Anwendung finden sollen. Solange diese Frage nicht geklärt ist, ist für die deutsche Delegation auch bei den künftigen Beratungen über die endgültige Regelung der einzelnen Punkte des Abrüstungsproblems eine Mitwirkung nicht möglich. Um jedes Mißverständnis in dieser Beziehung auszuschließen, soll im folgenden noch einmal zusammenfassend dargelegt werden, was Deutschland unter der Gleichberechtigung versteht, und wie es sich praktisch die Verwirklichung dieses Prinzips denkt.
Deutschland hat stets gefordert, daß die anderen Staaten auf einen Rüstungsstand abrüsten, der dem Rüstungsstand entspricht, der Deutschland durch den Vertrag von Versailles auferlegt worden ist.
Die heutkae Kummer umfaSt 16 Getteu