Mnaurmmeiger
EAvGeiwral Anzeiger Kir^V H^Kanau Stadt und Land
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Freitag, de«
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2. Sevtembev
1932
Die K-alitionsverHandlungen
Kortßetzuns der Verhandlungen -wische« vationals-ziattste« «nd Zentrum
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Wie die Hambura-Amerika-Linie mitteilt, ist -das Luftschiff „Graf Zeppelin" am Donnerstag um 9.20 Uhr Greenwicher Zeit in Pernambuco nach guter Fahrt glatt gelandet.
Der Reichswirtschaftsminister hat angeordnet, daß ein Ausgleich zwischen den Jmport-Höchst- beträgen zweier aufeinander folgender Kalender- monate bis zu 25 v. H. des gekürzten Dovisenhöchst- betrages ohne besondere Genehmigung der Devisen- bewirtschaftsstelle erfolgen kann.
Der Verwaltungsrat der Reichsmaisstelle beschloß gestern, die Preise bis 8. November 1932 unverändert bestehen zu lassen.
* Als Auftakt zum 13. Reichsfrontsoldatentag tn Berlin legte gestern in einem Presse-Empfang Oberleutnant Düsterberg die Ziele des Stahlhelm dar.
Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen hat in den deutschen Landkreisen am 31. Juli 1932 einen Stand von 853 000 erreicht. Das bedeutet gegenüber dem 30. Juni (836 000) eine Steigerung von fast 2 v. 5). Gegenüber dem Vorjahr (31. 7. 1931) ist der jetzige Stand um 135 v. H. höher.
Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat sich in dreitägigen Verhandlungen bis einschließlich Donnerstag mit der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Lage beschäftigt. Es wurden eingehend alle Aufgaben erörtert, die von der Fraktion in der nächsten Zeit zu lösen wären. Einen Tag vor dem Wiederbeginn der Reichstagsverhandlungen wird die Fraktion zu neuen Beratungen zusammen- treten.
Die für heute angesetzte Kundgebung des Kampf- banbes gegen den Faschismus und der KPD. im Neuköllner Stadion ist aus Sicherheitsgründen verboten worden.
Der Arbeitgeberverband der Metallindustrie für Köln und Umgebung hat den am Tarifvertrag beteiligten Gewerkschaften mitgeteilt, daß er das Lohnabkommen zum 31. September d. I. kündigt. Der engere Wirtschaftsbezirk Köln beschäftigt heute noch rund 8000 Metallarbeiter.
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Die Jlseder Hütte bei Hildesheim wird morgen stillgelegt, da alle Versuche, den Betrieb zurzeit aufrechtzuerhalten, erschöpft sind. Von der Stillegung werden über 1000 Arbeitnehmer betroffen.
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Der Generalsekretär des Völkerbundes hat den Ratsmächtest jetzt das vorläufige Verhandlungsprö- gramm der 68. Ratstagung zugehen lassen, die am 23 September beginnt. Die Hauptpunkte, die zur Verhandlung kommen werden, sind: Der Bericht der Lytton-Kommission, der Bericht des Ausschusses zum Studium der öffentlichen Arbeiten von internationaler Bedeutung, der Bericht über die Finanzlage Griechenlands und das Gesuch der rumänischen . Regierung um finanzielle Unterstützung. Ferner wird dem Rat voraussichtlich ein Bericht des Organisationsausschusses für die Weltwirtschaftskonferenz vargelegt werden. Endlich wird sich der Völkerbundsrat mit dem Problem des Minderheitenschutzes zu befassen haben.
Aus Newyork wird gemeldet: Bürgermeister Walker hat gestern abend seinen sofortigen Rücktritt bekannt gegeben.
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Der japanische Kriegsminister erklärte gestern, tr sei überzeugt, daß die Entsendung weiterer japanischer Truppen zur Verstärkung der mandschurischen Streitkräfte nicht nötig sei. Der Minister äußerte sich dann zur Lage in Mukden. Wir haben es, erklärte der Minister- einstweilen noch unterlassen, be-, sondere Maßnahmen zu treffen, um die Tätigkeit der Agenten Tschangsuliangs in Jehal zu unterdrücken, da bei einem japanischen Vorgehen unter Umständen internationale Komplikationen eingetreten wären. Wir hoffen aber, daß es in kurzem zu einer zufriedenstellenden Lösung dieses Problems kommen wird.
Havas berichtet, die paraguaische Regierung habe den Vorschlag der Neutralen, einen Mägigen Waffenstillstand abzuschließen, nicht angenommen.
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Nach Meldungen aus Lissabonn ereignete sich in einer Feuerwerksfabrik bei Goveia ein schweres Unglück durch Explosion. 3 Personen wurden getötet.
*) Näheres stehe politischen Teil.
Wine gemeinsame Gesiavung
Berlin,!. Sept. Unter dem Vorsitz des Reichstagspräsidenten Göring wurde zwischen den Reichstagsfraktionen des Zentrums und der Rationalsozialisten, wie das Rachrichtenbüro des VdZ. meldet folgende Verlautbarung vereinbart: .,
„Gegenüber zahlreichen Kombinationen in der deutschen Oeffentlichkeit wird bezüglich der zwischen den Rationalsozialisten und dem Zentrum schwebenden Verhandlungen fesigestellt, daß diese Verhandlungen begonnen wurden und fortgesetzt werden mit dem Ziele der Beruhigung und Festigung der innerpolilischen Verhältnisse in Deutschland auf längere Sicht, weil nur auf der Grundlage der Wiederherstellung des Vertrauens eine erfolgreiche und eine dauernde wirtschaftliche Besserung und Beseitigung der außenpolitischen Isolierung erzielt und gesichert werden kann."
Es würde entschieden zu weit gehen, wollte man aus dieser Erklärung und aus dem Zusammenwirken beider Parteien bei der Wahl des Reichstagspräfidiums den Schluß ziehen, daß die Verhandlungen zwischen beiden schon außerordentlich weit gediehen wären. Herr Hitler soll angeblich in den letzten Tagen selbst am Beratungstisch gesessen haben. Aber in ein entscheidendes Stadium ist man noch immer nicht gekommen, so daß bis zum 9. September wohl kaum ein Koalitionsvertrag unterzeichnet sein wird. Infolgedessen wird davon gesprochen, den Wiederzusammentritt des Reichstages noch weiter hinauszuschieben. Bekanntlich ist der Reichstagspräsident Goering ermächtigt worden, von sich aus den Tag der Fortsetzung der parlamentarischen Arbeiten zu bestimmen. Er richtet sich natürlich nach dem Stand der Koalitionsverhandlungen.
Zentrum und Nationalsozialisten scheinen aber in einem Punkt fest entschlossen zu sein. Sie wollen vor dem Zusammentritt des Reichstages mit dem Reichspräsidenten in Fühlung treten. Da Herr von Hindenburg wohl erst am Ende der nächsten Woche wieder in Berlin ist, kann sich das Präsidium erst in der übernächsten Woche dem Reichspräsidenten vorstellen. Die Deutschnationalen haben aber schon damit gedroht, daß sie dem Zentrum und den Nationalsozialisten einen Strich durch ihre Rechnung machen werden, wenn beide Parteien die Vorstellung beim Reichspräsidenten dazu benutzen würden, um Herrn von Hindenburg im Sinne ihrer parteipolitischen Ziele zu bearbeiten. Der deutschnationale Vizepräsident Graef will jedem Versuch des Reichstagspräsidenten Goering entgegentreten, dem Reichspräsidenten gelegentlich des Antrittsbesuchs „politische Ansichten aufzudrängen." In Regierungskreisen wird nach wie vor Wert auf die Feststellung gelegt, daß der Präsident nicht die Absicht habe, sich mit den Mitgliedern des Reichstagspräsidiums noch groß in „politische Gespräche" einzulassen.
Die Reichsregierung ihrerseits gibt aber auch weiterhin zu erkennen, daß sie von dem festen Entschluß beseelt sei, zwischen sich und dem Reichstag klare Verhältnisse zu schaffen. Sie steht auf dem Standpunkt, daß die innen- und außenpolitischen Aufgaben, die sie sich gestellt hat, nur dann in Angriff genommen und gelöst werden können, wenn ihr 'nem Reichstag keine Schwierigkeiten bereitet werden. Es sind im Augenblick noch
muffen.
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Kitlev kvvach im Svovtvalaft - »Dsv NationaSfoziaüsmus wirb feinen eudsüMge« Sieg evvinssn"
Berlin, 1. Sept. In der ersten Veranstaltung der RSDAP. nach Ablauf des Burgfriedens sprach heute abend Hitler im Sportpalast über die politische Lage. Die Kundgebung mußte wegen Ueberfüllung gesperrt werden.
Zunächst sprach Reichstagsabgeordneter Goebbels, der die Behauptung aufstellte, daß alles Gute, was von der Reichsregierung verordnet sei, von Hitler stamme, während alles andere schlecht sei. Außerdem erklärte er, das Volk stände nicht hinter der Regierung, und auf die Dauer könne ohne Volk nicht regiert werden. Dann ergriff Hitler das Wort. Er legte ausführlich dar, daß alle Versuche, das Rad der Zeit zurückzudrehen, unmöglich seien. Die Auffassung des Volkes sei heute eine völlig andere als vor 13 Jahren. Der Staat müsse sein Antlitz auch nach dem Willen des Volkes gestalten. Hugenberg sage, das deutsche Volk lehne die Diktatur ab. Auch er wolle keine Diktatur, aber eines Tages werde sich der Staat identifizieren mit der Nationalsozialistischen Partei, die dann Nation geworden sei und die dann die Regeneration des Staates in Angriff nehme. Der Selbsterhaltungstrieb der bürgerlichen Parteien fei ja verständlich, aber das Volk sei wie ein wilder Mustang: Wer ihn zähmen könne, könne ihn auch reiten,. jeden anderen aber werfe er ab. Selbst wenn man Herrn von Papen vor die nationalsozialistischen Massen stellen wolle, um die nationalsozialistischen Massen zu kommandieren, würden diese in dem Augenblick, in dem er,
immer die verschiedensten Erwägungen darüber im Gange, wie diese Klärung herbeigeführt werden soll. Man hat vorübergehend daran gedacht, den Reichstag zu zwingen, über ein Vertrauensvotum abzustimmen. Von diesem Gedanken scheint man aber wieder ab gekommen zu sein. Der Kanzler will aber vor den Reichstag treten und dort sein Programm entwickeln. Er hat sich bis zur Stunde wegen des Zusammentritts des Reichstages mit dem Reichstagspräsidenten Goering noch nicht in Verbindung gesetzt. In feiner Umgebung wird jedoch der Standpunkt vertreten, daß am Donnerstag oder Freitag die nächste Plenarsitzung steigen wird und daß dann der Kampf zwischen Regierung und Reichstag endgültig einsetzt. Dabei könnte es allerdings Ueberraschungen geben. In gewissen Kreisen wird davon gesprochen, daß Nationalsozialisten und Zentrum den Plan erwägen, den Reichstag beschlußunfähig zu machen, mindestens solange, bis der Reichspräsident Herrn Goering und Herrn Esser empfangen hat. Das würde natürlich voraussetzen, daß der Reichstag auf Wunsch des Reichskanzlers noch in der nächsten Woche zusammentreten würde. Ein derartiges Manöver würde der Regierung allerdings sehr gelegen kommen und von ihr bestimmt als ein Zeichen der Arbeitsunfähigkeit des Reichstages ausgelegt werden. Sie würde sich dann dem Reichstag gegenüber entsprechend verhalten.
âbe gegen Nave«
Berlin, 1. Sept. Unter der Ueberschrift „Die Katastrophenpolitik der Reaktion" veröffentlicht der Führer der nationalsozialistischen Landtagsfraktion, Kube, im Preußischen Pressedienst der NSDAP, einen Aufsatz, der wegen der schwebenden Koalitions- Verhandlungen Beachtung verdient. Kube rechtfertigt in dem Artikel die Verhandlungen mit dem Zentrum. Er stellt die Behauptung auf, daß es unter Bracht in Preußen noch schlechter sei als unter Severing und erklärt dann, wenn die Nationalsozialisten sich auch mit des Teufels Großmutter verbünden müßten, um zur Macht zu kommen, sie würden es tun, um Deutschland nicht erneut nach kurzer reaktionärer Wahnperiode dem Marxismus preiszugeben. Kube schließt mit der Erklärung, die Reaktion werden über kurz oder lang ihr vermessenes Spiel gegen Deutschlands Freiheit aufgeben
Hitler, sich umdrehe, mit ihm gehen und Herrn von Papen allein stehen lassen. Wenn die Regierung sage: Wir sind bereit, Euch an dieser Regierung teilnehmen zu lassen, so könne er nur erwidern: Ihr verkennt uns alle vollkommen. W i r wollen keine Gnade von Euch. Wir nehmen nichts als Gnade, was wir als Recht fordern. Man sage, nur 37 Prozent ständen hinter ihm, und zum Regieren brauche man doch 51 Prozent. Sei es denn Demokratie, daß die 15 Prozent, die ihm fehlten, nun die Regierung bestimmen dürften? Wie kommen die kleinen Gruppen dazu, so fuhr Hitler fort, uns das Regiment streitig machen zu wollen? Wenn das Schicksal uns Nationalsozialisten die Macht in die Hand drückt, werden wir in keiner Sekunde diese Macht uns erhalten und bewahren lassen durch das deutsche Volksheer. Wir bekennen feierlichst, daß für uns das Reichsheer nicht zum Schutze einer Re - gierung da ist, sondern zum Schutze des Reiches. Wir versichern feierlichst, daß wir für dieses Heer sorgen werden, wie es niemals zuvor geschehen ist. Nicht nur materiell, sondern auch geistig.. Daß wir es aber heraushalten werden von
(Fortsetzung auf Seite 2)
konservative Staatsführung
Von Reichskanzler v. Papen
Im Septemberheft der Zeitschrift „Volk und Reich", das in den nächsten Tagen erscheint, veröffentlicht der Reichs» kanzler o. Papen eine Arbeit über „Konservative Staatsführung". Wir bringen nachstehend einen Auszug aus diesen aktuellen Ausführungen:
In Deutschland besteht die Gefahr, konservative Politik gleichzusetzen mit der Tätigkeit der Konservativen Partei Preußens vor dem Kriege. Um dieser Gefahr willen muß immer wieder an die Erkenntnisse erinnert werden, auf denen konservative Politik beruht, nämlich auf der bewußten Sorge um die planmäßige Erhaltung des menschlichen Lebens in seinen natürlichen Ordnungen.
Die Staatsgewalt, deren höchster Träger heute vom Volke gewählt und dem ganzen Volke zum Dienst verpflichtet ist, erscheint einer konservativen Politik als teures Gut und kostbarer Besitz des Volkes. Sie muß stark und unabhängig sein, damit von ihr Gerechtigkeit ausgehen kann, Gerechtigkeit für die Bedürfnisse des ganzen Volkes. Sie muß stark sein, damit an ihrer Autorität alle Ordnungen der Gesellschaft, der Selbstverwaltung und der Wirtschaft einen sicheren Halt finden. Ihre Unabhängigkeit begründet sie auf ihre Macht, ihre Autorität aber auf die Gerechtigkeit, die ihr die freie Anerkennung eines freien Volkes schafft.
Die Weimarer Verfassung begründet in ihrer rechtlichen Ordnung an sich keine Autorität. Ihr Ideal wäre die Selbstherrschaft des Volkes durch feine berufenen Vertreter. Weil dieses Ideal aber nicht erreichbar ist, hat die Weimarer Verfassung ein System gegenseitiger Kontrollen und gegenseitigen Mißtrauens der verschiedenen Gewalten zueinander vorgesehen, durch welches die Freiheit des Volks gewahrt bleiben soll. Dieses Gegenspiel der verfassungsmäßigen Gewalten gegeneinander hat aber die Freiheit des Volks nur gefährdet. Freiheit kann nur da fein, wo jemand in voller Unabhängigkeit diese Freiheit schützt. Auch die Weimarer Verfassung hat im Ansatz ein solches überlegenes Amt vorgesehen, dem in Notzeiten die Fülle der gesetzgebenden und der ausübenden Gewalt zukommt und dessen Träger die Einheit des Volkes und die Einheit des Reiches darstellen soll: das Amt des vom Volk gewählten, auf fein Vertrauen gestützten Reichspräsidenten. Wenn heute der Reichspräsident zum sichtbaren Symbol der Staatsautorität geworden ist, so danken wir dies in erster Linie der Persönlichkeit, welche das konservative Wesen so sinnfällig ausgebildet und in den Dienst des Volkes gestellt hat. Der Reichspräsident selbst weist also durch die Bewährung seines unabhängigen Amtes die Richtung, in der der Neubau des Reiches weitergeführt werden muß.
Die Autorität der Staatsgewalt muß gesichert werden durch die Macht. Sie ist verkörpert in der Wehrmacht. Für den konservativen Menschen findet die Macht des Staates Ausdruck in seiner Fähigkeit, Volk und Heimat vor fremden Uebergriffen zu schützen.
Die Staatsautorität ist dis Grundlage für jede Weiterentwicklung in Staat und Wirtschaft. Sie allein sorgt dafür, daß der berechtigte Wille zur Neugestaltung seine Ideen an der gegebenen Wirklichkeit erprobt, daß eine Umbildung der Formen nicht alle Ordnungen erschüttert und das Leben der Volksgemeinschaft gefährdet. Deshalb erfordert eine konservative Politik die unbedingte Sicherung der Staatsau -
Oke heutige Kummer umfaßt 10 Seiten