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Nr. 203

Dienstag, den 30. August 1932

Seite 8

Stadt Aa«a«

Auch Zimmevvevmieten will selevnt fein

Viele Frauen sind heute durch die Not der Zeit vungen, aus der großen Wohnung, die noch aus eren Zeiten stammt, einen Erwerb zu machen, 'M sie Zimmer vermieten. Sie gehen mit mmsten Ahnungen daran. Und die Erfahrun- die sie dann machen, bestätigen die schlimmsten! Das liegt aber zum Teil auch an der Vermie- n, die. in das Zimmeroermleten, das ein Geschäft wie jedes andere, vorgefaßte Gefühle hineinlegt, für sie und die anderen alles nur erschweren. Gewiß, es ist nicht schön, wenn man gezwungen die eigene Wohnung Fremden zu überlassen, -r schließlich ist jener bestimmte Fremde, der das uner mietet, daran ganz unschuldig! So nahe gefühlsmäßig auch liegt, es geht nicht an, ihn die Unannehmlichkeiten, die das Vermieten mit bringt, verantwortlich zu machen.

Zum guten Beginnen sollte man sich zuerst mal über klar sein, daß ein Zimmer als Teil einer ßeren Wohnung wunderschön sein kann, aber alleiniger Schlaf- und Wohnraum erst den >en Anforderungen angepaßt werden muß. Das et meist nicht viel Geld, aber einiges Überlegen! genügt nicht, wenn man in das ehemalige eisezimmer ein Bett hineinstellt. Ein Junggeselle acht keine Anrichte, die womöglich noch mit dem > schirr der Wirtin angefüllt ist. Er interessiert auch selten für Familienbilder, die an den inden hängen. Nicht einmal seinen sonstigen nstgeschmack läßt er sich vorschreiben, er zieht es mutlich vor, daß die Wände leer sind, oder daß selber ein ihm liebes Bild dort aufhängen kann, is er braucht ist: ein Schlafsofa, Schreibtisch, ch, Schrank, ein bequemer Sessel und Ruhe! rbindungstüren lassen sich leicht abdichten, so daß neue Mieter nicht jedes Gespräch, jede Gram- Phonplatte mit anhören muß. Er kann auch langen, daß die Vermieterin sich vorher auf den ennig genau ausrechnet, was sie für Miete, Licht, Heizung, Bedienung, Bad etc. verlangen muß, l auf ihre Kosten zu kommen und daß er in nicht durch immer neue kleine Forderungen, berechtigt sie an sich auch sein mögen, den Ein- Kf empfangen muß, übervorteilt zu werden.

Ebenso wie die Preise für alles das, sollten auch e sonstigen Umstände vorher genau durchbespro- n sein so daß er vorher die Möglichkeit hatte, zulehnen oder darauf einzugehen. Wenn man bt wünscht, daß er abends Besuch empfängt, so man ihm das vorher sagen nicht Krach iSjen, wenn er dann Besuch hat! Auch die Zeit * das Aufräumen des Zimmers ist vorher genau tzulegen. Ebenso natürlich Kündigungstermin d dergleichen. Es ist keine Beleidigung, wenn in die Möglichkeit in Betracht zieht, daß der ue Mieter hier ewig wohnen wird! Wichtig ist, ß man für die Nebendinge, wle Frühstück, Gas, äfche, Heizung nicht mehr rechnet, als sie einem sächlich kosten. Der Verdienst muß in die Miete ,gerechnet sein und nicht aus den Nebenleistungen irvorgehen.

Wenn sich aber trotzdem Differenzen ergeben, il der Meiter sich an die Abmachungen nicht hält, nn sollte man unbedingt den Enschluß aufbrin- n, zu kündigen. Denn nichts ist für die Nerven m Vermieterin und Mieter gräßlicher, als der iftanb stiller Feindschaft, verborgener Gehässig­st, der aus lauter kleinen Uebergriffen entsteht rd schließlich ein Untermietsverhältnis zu einer nlichen Hölle machen kann, wie eine schlechte * ___

ÄmtssevSchte in vermieten

Der Staat Preußen verfügt über 1006 Amts­richte, von denen einige sehr groß, manche aber ich sehr klein sind. Das hat natürlich nichts mit n Gebäuden zu tun, sondern bezieht sich nur auf n Umfang der Geschäfte. Laut Verordnung der men preußischen Regierung werden jetzt 60 Amts- irichte einfach von der Liste gestrichen und ver­

MMoww"

Don Knut Hamsun.

Copyright by Langen-Müller, München.

Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Sie nimmt seine Hand.

Können Sie nicht auf einige Zeit nach Hause immen? Ich würde mich sehr darüber freuen. Sie warm Ihre Hand ist; ich friere. Nein, jetzt ich gehen. Gute Nacht.

Gute Nacht", antwortet er.

Kalt und grau dehnte sich die Straße in die todt hinauf aus, sie glich einem Gürtel aus ^anü, einem ewigen Weg. Er stieß auf einen Jun­en, der alte verwelkte Rosen verkaufte, er rief in an, nahm eine Rose, gab dem Jungen ein ünziges Fünfkronenstück in Gold, ein Geschenk, nd ging weiter. Kurz danach sah er eine Gruppe an Kindern, die bei einem Tor spielten. Ein unge von zehn Jahren sitzt still da und sieht zu; r hat alte blaue Augen, die dem Spiel folgen, ohle Wangen und ein viereckiges Kinn, und auf em Kopf trägt er eine Leinenmütze. Es war das futter einer Mütze. Dieses Kind trug eine Perücke, ine Haarkrankheit hatte diesen Kopf für immer ntstellt. Auch seine Seele war vielleicht ganz ver- iblkt.

All das beobachtete er, obwohl er keine klare Vorstellung davon hatte, in welchem Teil der Stadt r sich befand, oder wohin er ging. Es fing an zu egnen, er fühlte es nicht und spannte feinen Schirm icht auf, obwohl er ihn den ganzen Tag mit sich »erumgetragen hatte.

Als er schließlich an einen Platz mit Bänken am, ging er hin und setzte sich. Es regnete immer nehr. Ohne es zu wissen, spannte er den Schirm ruf und blieb sitzen. Nach kurzer Zeit überfiel ihn nne unüberwindliche Schläfrigkeit, sein Gehirn lag nie im Nebel, er schloß die Äugen und fing an zu litten und zu schlafen.

«Eine Weile später erwachte er durch die Stim­men einiger Vorübergehenden, die laut sprachen. Tr stand auf und ging weiter. Sein Gehirn war klarer geworden, er entsann sich dessen, was ge­schehen war; aller Ereignisse, sogar des Knaben, dem er fünf Kronen für eine Rose gegeben hatte, erinnerte er sich. Er stellte sich das Entzücken des kleinen Herrn vor, wenn er nun diese wunderbare Münze unter seinen Schillingen fand und sah, daß

Der enträtselte Sonnenbrand

Männer lichtemvfindltchev als Svenen

Wenn ehTè Blondine mit einer Schwarzhaarigen vorausgesetzt, daß diese Farben von der Natur und nicht vom Friseur stammen ein Sonnen­bad nimmt, so wird die vernünftige Blondine gleich erklären:Aber nicht zu lange!" Sie weiß ganz genau, daß ihr die Sonne nicht so gut bekommt, wie ihrer dunklen Freundin. Vielleicht hat sie auch gelegentlich etwas von Pigmenten gehört, diesen ihr fehlenden Farbstoffen; ein Mangel, den sie nicht zu betrauern braucht, weil er ihr zum schönen Blond ihre Haare verhalf. Der einzige Nachteil ihres Pigmentmangels ist die höhere Lichtempfindlichkeit ihrer Haut und damit die Gefahr, schneller als ihre dunkle Freundin einen schmerzhaften Sonnen­brand zu bekommen.

Zu diesen oft recht bitteren Erfahrungen des Laien, die ihm manchmal den ganzen Urlaub ver­derben können, liefert die neueste lichtbiologische Forschung die wissenschaftliche Basis. Dr. Ellinger, Privatdozent an der Berliner Universität, veröffent­licht soeben in derForschung und Fortschritt" die Ergebnisse seiner Untersuchungen über Lichtempfind­lichkeit. Dabei erfährt man, daß ein Sonnenbrand durchaus keine so simple Angelegenheit ist, sondern recht komplizierte wissenschaftliche Probleme stellt.

Es sind nämlich nicht die Wärmestrahlen der Sonne, die jene schmerzliche Rötung und Verbren­nung erzeugen, sondern die ultravioletten Strahlen des Lichts, die bekanntlich starke Heilkraft, bei über­mäßiger Einwirkung, aber eine ebenso große Zer­störungskraft besitzen. Interessant ist, daß die ver­schiedenen Arten ultravioletter Wellen sich auch ganz verschieden auswirken; die stärksten Haut­rötungen verursachen die Wellenlängen, die gerade noch in Sonnenspektrum enthalten sind. Aber auch die Wirkung auf die einzelnen Individuen ist völlig verschieden.

Zunächst einmal spielt wie unsere oben­erwähnte Blondine recht gut weiß die Hautfarbe eine wichtige Rolle; dazu kommt das Alter, das Geschlecht und der Jahreszeit. Blonde sind durch­

schwinden; ihre Geschäfte werden von den anderen in der Nähe liegenden Amtsgerichten ausgenommen. An sich macht es natürlich nicht viel aus, wenn von den 1006 Amtsgerichten 60 verschwinden, denn es bleiben immer noch 946 übrig. Und es ist ja nicht so, daß nun die Beamten dieser 60 Gerichte einfach pensioniert werden. Im Gegenteil, sie werden an die anderen Amtsgerichte versetzt und werden dort die Sachen, die sie bisher bearbeiteten, weiter be­arbeiten. Aber es ging nicht länger an, daß ein Amtsgericht aus nur einem Amtsrichter, einem Ak­tuar und einem Justizwachtmeister bestand, und daß wegen der paar Sachen, die dort im Laufe des Jahres zur Verhandlung standen, ein ganzer Appa­rat aufgezogen wurde.

Preußen muß sparen, und es spart durch Aus­gabe der 60 Amtsgerichte eine ganze Menge Geld. Zuerst einmal werden die 60 Gebäude, in denen die Gerichte untergebracht waren, entweder verkauft oder vermietet. Da die Häuser sehr wohl als Schu­len oder auch als Wohnhäuser oder Büroräume Verwendung finden können, hofft man sie sehr bald abstoßen zu können. Außerdem wird eine Menge Hilfspersonal in jenen Amtsgerichten frei, in welche die Richter, Aktuare, Wachtmeister, Assessoren und Referendare aus den 60 aufgehobenen Gerichten übersiedeln. Man wird also auch am Etat sparen können. Fortfallen wird auch die umständliche Aktenverschickung, der ganze Apparat, in jenen nicht allzu dicht bevölkerten Gegenden wird ver­ringert und verbilligt. Natürlich muß mancher, der bisher das Amtsgericht in seinem Dorfe hatte, jetzt einige Meilen weit fahren, um prozessieren zu kön­nen, aber der Staat hofft, daß dadurch vielleicht die bekannte und nicht gerade berühmte Prozeßlust weitester Kreise des deutschen Volkes herabgemin­dert wird. Aeltere Amtsgerichtsräte, welche den Umzug in eine andere Stadt nicht mehr mitmachen wollen, werden auf ihren Wunsch sofort pensioniert.

es nicht ein Fünfundzwanzigörestück war, sondern ein Fünfkronenstück in Gold. Gott mit dir!

Und die anderen Kinder waren vielleicht vom Regen vertrieben und spielten im Torweg weiter, hüpften ins Paradies, spielten mit Kugeln. Und der entstellte zehnjährige Greis saß da und sah zu. Wer weiß, vielleicht freute er sich über irgend­etwas, vielleicht hatte er eine Puppe in seiner Kammer im Hinterhof, einen Hampelmann, einen Kasperl. Vielleicht hatte er nicht alles im Leben verloren, vielleicht gab es eine Hoffnung in feiner welken Seele.

Eine feine schlanke Dame taucht vor ihm auf. Er zuckt zusammen, hätt inne. Nein, er kannte sie nicht. Sie war aus einer Seitenstraße gekommen und eilte weiter, und sie hatte keinen Schirm, ob­wohl der Regen herabströmte. Er holte sie ein, sah sie an und ging vorbei. Wie fein und jung sie war! Sie wurde naß, sie erkältete sich, und er wagte nicht, sich ihr zu nähern. Da klappte er seinen Regenschirm zu, damit sie nicht allein naß werden sollte. Als er nach Hause kam, war es Mitternacht vorbei.

Auf seinem Tisch lag ein Brief, eine Karte, es war eine Einladung. Seiers würden sich, freuen, wenn er morgen abend zu ihnen käme. Er würde ibekannte Leute treffen, unter anderem könnte er das erraten Victoria das Schloßfräulsin. Freundliche Grüße.

Er schlief auf seinem Stuhl ein. Ein paar Stunden darauf erwachte er und fror. Halb wach, halb schlafend, von Kälteschauern geschüttelt, müde von des Tages Mißgeschick, setzte er sich an den Tisch und wollte die Karte beantworten, diese Ein­ladung, die er nicht anzunehmen gedachte.

Er schrieb seine Antwort und wollte sie in den Briefkasten bringen. Plötzlich kommt ihm der Ge­danke, daß auch Victoria eingeladen war. Ja so, sie hatte nichts davon zu ihm gesagt, sie hatte ge­fürchtet, er würde kommen, sie wollte ihn draußen unter den fremden Menschen los sein.

Er zerreißt seinen Brief, schreibt einen neuen und dankt, ja, er würde kommen. Eine innere Heftigkeit läßt seine Hand zittern, eine eigenartige frohe Bitterkeit erfaßt ihn. Weshalb sollte er nicht hing sh en? Weshalb sollte er sich verbergen? Basta.

Seine ungestüme Gemütserregung geht mit ihm durch. Mit einem Ruck reißt er eine Handvoll Blätter von seinem Wandkalender ab und versetzt sich eine Woche weiter vor in der Zeit. Er bildet sich ein, daß er über irgend etwas froh ist, über

schnittlich um 40 Prozent lichtempfindlicher als Dunkle; bei den Hellblonden zeigt sich sogar eine Steigerung der Lichtempfindlichkeit um 170 Prozent.

Nehmen wir die Lichtempfindlichkeit im Alter von 20 bis 50 Jahren alsnormal", so ist ein Kind von 6 bis 12 Jahren um die Hälfte, ein junger Mensch von 13 bis 19 Jahren um ein Drittel we­niger lichtempfindlich; im Alter von mehr als 50 Jahren läßt die Lichtempfindlichkeit erheblich nach, und zwar um 65 Prozent.

Frauen sind im Durchschnitt etwa um ein Fünf­tel weniger lichtempfindlich als Männer. Besonders stark, um etwa 60 Prozent, ist die Steigerung der Lichtempfindlichkeit in der Schwangerschaft vom dritten Monat an.

Ueberraschend ist die Feststellung des Biologen, daß die Lichtempfindlichkeit in den Sommermona­ten nicht etwa am stärksten, sondern am schwäch­sten ist! Im Verhältnis zu den Sonnenlichtmen­gen, die uns im Sommer erreichen, ist die Wirkung gering; in den Monaten März und April das sagt schon der Volksmund wirken die Lichtstrah­len auf den Menschen am stärksten. Das hat aber nichts mit den himmlichen Kräften zu tun die Ursachen dafür liegen in uns selbst, genauer gesagt: in unserer Schilddrüse. Man glaubt entdeckt zu haben, daß dieses wichtige Organ auch den Licht- und Röntgenstrahlen gegenüber die Rolle eines Re­gulators spielt. Nach dem Sinken der Lichtempfind­lichkeit in den Sommermonaten folgt im Oktober und November wiederum ein Anstieg.

Schon dieser kleine Ausschnitt aus den Ergeb­nissen der neuesten Forschung zeigt, wie verkehrt es ist, auch nur zwei Menschen das gleiche Lichtquan­tum zuverschreiben". Der Ehrgeiz, noch braun­gebrannter vom Urlaub zurückzukommen als alle andern, führt bei dem, der nicht zum Neger prä- destiniret ist, bestenfalls zu einer roten Nase, wer dagegen übermäßig lichtempfindlich ist, wird den gleichen Ehrgeiz mit einem wochenlangen schmerz­haften Sonnenbrand bereuen.

Die Durchführung der ganzen Verordnung dürfte sich reibungslos vollziehen und innerhalb weniger Wochen erledigt sein. Man spricht aber in Regie­rungskreisen schon jetzt davon, daß diese 60 aufge­hobenen Gerichte nicht die einzigen bleiben werden, denn es gibt noch viele andere, die so klein sind, daß sich eine Aufrechterhaltung bei dem Stand unserer Finanzen nicht länger rechtfertigen läßt.

* Hohes Alter. Ihren 84. Geburtstag begeht heute Frau Helbig geb. Schultheis, ' Leimen­straße 36.

* Silberne Hochzeit. Das Fest der silbernen Hochzeit feiern am Mittwoch die Eheleute Georg D ä f n e r und Frau Margarethe, geb. Herrmann, Steinheimer Straße 2.

* Unfall. Gestern abend stieß in Kesselstadt ein Radfahrer mit dem Lastkraftwagen einer hiesigen Firma so unglücklich zusammen, daß er einen Unterschenkelbruch 'erlitt und von der Freiw. Sani­tätskolonne ins Diakonissenhaus verbracht werden mußte.

* Personalnachrichten. Herr Fritz Ho ch aus Hanau,, Oberrsaierungsrat im Preußischen Innen­ministerium (Personalabteilung), wurden an die Regierung in Kassel versetzt.

* Fahrraddiebstähle. Die Hochsaison für Fahr­raddiebstähle scheint noch nicht abgerissen zu sein. So wurden von der Polizei wiederum folgende sieben Räder als in den letzten Tagen gestohlen gemeldet: Herrenfahrrad, Marke Grützner, schwar­zer Rahmen und Schutzbleche, gelbe Felgen, rote Bereifung, Torpedofreilauf; Herrenfahrrad, roter Rahmen, gelbe Felgen mit schwarzen Streifen, rote Bereifung, Rennlenkstange, Torpedofreilauf; Herrenfahrrad, dunkelbrauner Rahmen, rote Be­reifung, Rennlenkstange, Torpedofreilauf; Herren­

alle Maßen entzückt ist, er will diese Stunde ge­nießen, will eine Pfeife anzünden, sich hinsetzen und sich freuen. Die Pfeife ist nicht in Ordnung, vergebens sucht er nach einem Messer, einem Pfeifenputzer, und nimmt plötzlich den einen Zeiger der Uhr im Winkel herunter, um die Pfeife damit zu reinigen. Es tut ihm gut, diese Zerstörung anzu- sehen, sie bringt ihn innerlich zum Lachen, und er späht umher, ob er noch sonst etwas zerstören könnte.

Die Zeit vergeht. Schließlich wirft er sich voll­ständig angezogen in seinen nassen Kleidern aufs Bett und schläft ein.

Als er erwachte, war der Tag weit vorgeschrit­ten. Es regnete immer noch, die Straße war naß. Sein Kopf war ganz wirr, Bruchstücke der Träume aus dem Schlafe vermischten sich mit den Erleb­nissen des gestrigen Tags; er verspürte kein Fie­ber, im Gegenteil, seine Hitze hatte sich gelegt, ein Gefühl der Kühle umfing ihn, als sei er die ganze Nacht durch einen schwülen Wald gewandert und befände sich jetzt in der Nähe eines Sees.

Es klopft, der Postbote bringt ihm einen Brief. Er öffnet ihn, sieht ihn an, liest ihn und kann ihn nur schwer verstehen. Der Brief war von Victoria, ein Zettel, ein halber Bogen! Sie habe vergessen, ihm zu erzählen, daß sie heute abend zu Seiers gehe, sie möchte ihn dort treffen, sie wolle ihm eine bessere Erklärung geben, wolle chn bitten, sie zu vergessen, es wie ein Mann zu tragen. Entschul­digen Sie das schlechte Papier, freundliche Grüße.

Er ging in die Stadt, speiste, ging wieder heim und schrieb endlich eine Absage an Seiers, er könne nicht kommen, möchte aber gerne ein anderes Mal kommen dürfen, vielleicht morgen abend.

Diesen Brief sandte er durch einen Boten.

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Jetzt kam der Herbst, Victoria war heimgereist, und die kleine abgelegene Straße lag wie früher mit ihren Häusern und chrer Stille da. In Iohannes Zimmer brannte nachts ein Licht. Es wurde am Abend mit den Sternen angezündet und bei Tages­arauen ausgelöscht. Er arbeitete und kämpfte, er schrieb an seinem großen Buch.

Wochen und Monate vergingen; er war allein und suchte niemand auf, zu Seiers kam er nicht mchr. Oft trieb seine Phantasie ein böses Spiel mit ihm und streute in sein Buch nicht dazugehörige Einfälle, die er später wieder ausstreichen und ausmerzen mußte. Das hielt ihn sehr auf. Ein

fahrrad, Marke Anker, schwarzer Rahmen, Schutz­bleche und Felgen, graue Bereifung, deutsche Lenk­stange mit schwarzen Griffen, Torpedofreilauf; Herrenfahrrad, Marke Nelson, Nr. 381 479, schwar­zer Rahmen und Schutzbleche, gelbe Felgen mit schwarzen Streifen, rote Bereifung, englische Lenk­stange mit schwarzen Griffen, Bimbam-Glocke, Tor­pedofreilauf mit Uebersetzung; Herrenfahrrad, Marke Adler Modell 5, schwarzer, hoher Rahmen, gelbe Felgen mit schwarzen Streifen, rote Berei­sung, englische Lenkstange, Torpedofreilauf; Damen­fahrrad, Marke Weil-Torpedo, Nr. 247 568, schwar­zer Rahmen und Schutzbleche, gelbe Felgen, graue Bereisung, deutsche Lenkstange, mit schwarzen Griffen, Torpedofreilauf. Personen, die über den Verbleib der Fahrräder irgendwelche Mitteilungen (auch vertraulich) machen können, werden gebeten, sich beim hiesigen Kriminal-Kommissariat zu melden.

* Schulbildung der kaufmännischen Lehrlinge. Einer Statistik der Stellenvermittlung des Deutsch­nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes können sehr aufschlußreiche Zahlen entnommen werden über die Schulbildung der männlichen Kaufmanns­lehrlinge. Darnach entfallen auf Volksschüler 26,5 Prozent, auf Mittelschüler 30,3 Prozent und auf Schüler mit Obersekundareife 40,6 Prozent. Diesen Feststellungen liegen 1974 vermittelte Lehrstellen in der Zeit vom 1. Juli 1931 bis 30. Juni 1932 zu­grunde. Gegenüber früheren Jahren zeigt sich da­rin eine Verdrängung des männlichen Volksschlllers aus dem kaufmännischen Beruf.

* Mozart-Konservatorium (Dir. Dr. Stübing). Wie aus dem heutigen Inserat hervorgeht, beginnt am 1. September das neue Studienjahr. In die Jnstrumentalfächer werden Kinder und Erwachsene ausgenommen Für Kinder, die das 10. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, besteht eine besondere Vorbereitungsklasse mit eigens niederem Honorar­satz. Die Ausbildung Studierender erstreckt sich bis zur künstlerischen Reife. Im Laufe des Winters finden musikgeschichtliche Vorlesungen statt, zu denen die Schüler des Konservatoriums freien Zu­tritt haben. Hospitanten, für alle Fächer, werden jederzeit ausgenommen. Auskunft in allen Ange­legenheiten erteilt die Direktion unverbindlich.

* Iunglandbundlreffen des Kreises Hanau. Die Kreisjungbauernschaft Hanau hält am Sonntag, 4. September d. J. in Wilhelmsbad ihr diesjähriges Jugendtreffen, verbunden mit Erntedankfest, ab. Als Redner sind gewonnen: Der erste Vorsitzende des Kreisjugendlandbundes, Landwirt Wilh. Stein- Hochstadt, Kreisjugendpfarrer Lipphardt-Windecken und Landwirt und M. d. L. Vetter-Wanfried a. d Werra. -s

* Die Unterstützung für wandernde Arbeitslose. Der Wanderschein begründet nach dem Arbeitslosen­versicherungsgesetz die Zuständigkeit zum Bezugs der Unterstützung in den Orten der Wanderschaft. Durch die verschiedene Klasseneinteilung der Sätze ist die Frage entstanden, ob für die Scheininhaber das Geld an den Reiseorten nach der dortigen Stufe gewährt wird oder ob die Summe maß­gebend bleibt, wie sie die Heimatbehörde zahlt. Die Preise der Lebensmittel usw. sind aber in den ein­zelnen Gegenden verschieden. Das müßte dazu füh- den, daß auch die Unterstützung so bemessen wird. Es bleibt aber nach einem Hinweis des Präsidenten der Reichsanstalt an die Arbeitsämter bei dem bis­herigen Verfahren. Der wandernde Erwerbslose erhält von seiner zuständigen Stelle den bestimm­ten Betrao bewilligt, den er sich in den Orten ein­löst. Dadurch soll auch unterbunden werden, baß der Wanderer nicht nur die Städte mit höherer Unterstützung aussucht. In Zukunft wird die Be­dürftigkeitsfrage für die Verlängerung des Scheins vorher geprüft.

* Kleingartenbau-verein L. v. Hanau. Am nächsten Sonntag, 4. September, veranstaltet der Kleingartenbau-Verein fein 20. Stiftungsfest in den Räumen der Turnhalle, Jahnstraße. Wie bei frühe­ren Veranstaltungen wird auch in diesem Jahre der Saal wieder einem Blumengarten gleichen. Die musikalische Leitung hat Herr Musiklehrer Röll übernommen. Gesangliche Darbietungen des Ge­sangvereins Fröhlichkeit, turnerische Aufführungen der Turn- und Spielvereinigung 1860 u. a. m. sorgen für ein abwechslungsreiches Programm. Mit dem Fest ist ferner ein Preiskegeln und -schießen verbunden. Näheres siehe Inserat in der Freitags­nummer.

plötzlicher Lärm in der Stille der Nacht, das Rum­peln eines Wagens auf der Straße konnte feinen Gedanken einen Stoß versetzen und sie aus chrer Bahn werfen:

Achtung! Weicht dem Wagen aus!"

Weshalb? Weshalb sollte man sich eigentlich vor diesem Wagen in acht nehmen? Er rollte vor­bei, jetzt ist er vielleicht an der Ecke. Vielleicht steht dort ein Mann ohne Mantel, ohne Mütze, er steht vornübergebeugt da und hält dem Wagen seinen Kopf entgegen, er will überfahren, unwiderruflich zermalmt, getötet werden. Der Mann will sterben, das ist seine Sache. Er knöpft die Knöpfe an feinem Hemd nicht mchr zu, und er hat aufgehört, des Morgens feine Stiefel zuzuschnüren, er läßt alles offen, seine Brust ist nackt und mager; er wird sterben . . . Ein Mann lag in den letzten Zügen, er schrieb einen Brief an einen Freund, einen Zettel, eine kleine Bitte. Der Mann starb, und er hinterließ diesen Brief. Der trug Datum und lebensdjrift, war mit großen und kleinen Buch­staben geschrieben, obwohl der Mann, als er ihn schrieb, in einer Stunde sterben sollte. Das war so merkwürdig. Er hatte auch den gewöhnlichen Schnörkel unter seinen Namen gemacht, und eine Stunde danach war er tot . . . Es gab noch einen anderen Mann. Er liegt allein in einem kleinen holzgetäfelten und blau gestrichenen Zimmer.

Was weiter? Nichts. In der ganzen weiten Welt ist er der, der jetzt sterben soll. Das beschäf­tigt ihn; er denkt daran, bis er erschöpft ist. Er sieht, daß es Abend ist, daß die Uhr auf acht Uhr zeigt, und er begreift nicht, warum sie nicht schlägt. Die Uhr schlägt nicht. Noch dazu ist es einige Mi­nuten über acht Uhr, und sie tickt weiter, aber sie schlägt nicht. Armer Mann, sein Gehirn hat bereits angefangen zu schlafen, die Uhr hat geschlagen, und er hat es nicht gemerkt. Da durchlöchert er das Bild feiner Mutter an der Wand, was soll er noch mit diesem Bild, und warum soll es ganz sein, wenn er fortgeht? Sein müder Blick fällt auf den Blumentopf auf dem Tisch, und er streckt die Hand aus und zieht langsam und nachdenklich den großen Blumentopf herunter, so daß er zerbricht. Warum soll er dort stehen und ganz fein? Dann wirst er feine Zigarettenspitze aus Bernstein zum Fenster hinaus. Was soll er noch damit? Es schien ihm so einleuchtend, daß sie nach ihm nicht mehr/ dazuliegen brauchte. Und nach einer Woche war der Mann tot . . -

^ (Fortsetzung folgt).