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wmi Siad« und Land

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Nr. 199 #

DsuueeStas, den

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25. Ausritt

1932

KSDSM und Zentrum verhandeln

Koalttkousk-ufereur in Stuttgart

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Der Reichskanzler empfing am Mittwoch vor­mittag Vertreter des Reichsverbandes des deutschen Handwerks zu eingehender Aussprache über die Wirtschaftslage, wobei die Handwerkerführer auch auf die Notwendigkeit hinwiesen, bei entscheidenden Beratungen die Vertreter ihrer Organisationen zu hören. *

* Reichsbankpräsident Dr. Luther hielt auf dem Dortmunder Genossenschaftstag eine große Rede über Wirtschafts- und Währungsfragen, in der er sich entschieden gegen jeden Jnflationsversuch aus- fprach. ,

* Der Vorsitzende des Zarnow-Ausschusses des Preußischen Landtages, Abg. Freisler (NSDAP.), hat den Ausschuß für den 2. und 3. September nach Beuchen einberufen. Der Ausschuß soll sich dort an Ort und Stelle mit den Todesurteilen gegen die fünf Nationalsozialisten befassen.

Wie das Nachrichtenbüro des VdZ. meldet, be- absichtigt der stellvertretende Reichskommissar für Preußen Dr. Bracht bei Wiederzusammentritt des Preußischen Landtages in der nächsten Woche eine Erklärung über die Stellung abzugeben, die die kommissarische preußische Staatsregierung gegen­über dem Landtag einnehmen wird.

ImAngriff" wird heute in polemischer Form Lehauptet, daß Reichskanzler von Papen und lKelchswehrminister von Schleicher wenige Stunden nach dem Beuthener Urteil der Premierenauffüh­rung eines Berliner Operettentheaters beigewohnt hätten. An amtlicher Stelle wird Wert gelegt auf die Feststellung, daß weder der Reichskanzler, noch der Reichswehrminister an diesem Tage überhaupt im Theater gewesen sind.

Wie die nationalsozialistischeDeutsch-österrei­chische Tageszeitung" meldet, hat der Ministerrat beschlossen, Hitler die Einreisebewilligung nach Oesterreich für den 17 und 18. September zu er­teilen. Zu diesem Termin soll der Landesparteitag der Nationalsozialistischen, Partei stattfinden.

Der Reichskanzler empfing heute nachmittag den Bürgermeister von Chicago Czermak.

Morgen wird in Paris ein Dekret über die fünfprozentige Herabsetzung aller staatlichen Löhne und Gehälter in Frankreich veröffentlicht, die im vorigen Monat vom Parlament beschlossen worden ist. .

Präsident Hoover hat dem Präsidenten der Se­natsfinanzkommission Reedsmoot gegenüber ver­sichert, daß auf der kommenden Weltwirtschafts­konferenz die Silberfrage mit großer Wahrschein­lichkeit erörtert werden wird.

Das Flugzeug der norwegischen Ozeanflieger Solberg und Petersen ist auf dem Fluge nach Har­bour Grace auf Neufundland abgestürzt. Die Flie- . ger blieben unversehrt. *

Der italienische Gesandte in Estland, Graf Tosti, Herzog von Valminuta, wurde am Mittwoch von dem Kanzleibeamten der italienischen Gesandschaft Ferraris, in den Räumen der Gesandschaft über­fallen und durch Rasiermesserschnitte im Gesicht ernst, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Der Ge­sandte hatte Ferraris ernste Vorhaltungen gemacht, da Ferraris einer weiblichen Angestellten der Ge­sandtschaft eine Ohrfeige versetzt hatte.

Zwischen Remagen und Oberwinter wollte ein Lastkraftwaaen einen anderen Kraftwagen über­holen und drückte dabei den Wagen eine Eisen- , bobnböscbung hinab. Der Wagen fiel auf die Gleise. Bei dem Sturz wurden beide Insassen schwer verletzt. Der Urheber des Unglücks machte sich in schneller Fahrt aus dem Staube.

Auf der Reschenbachstraße bei Mals (Südtirol) ereignete sich ein schweres Autobusunolück, bei dem eine Person getötet, 13 schwer und sieben leichter verletzt wurden. Drei Schwerverletzte schweben in Lebensgefahr.

Auf der Schiffswerft in Nakskow in Dänemark wütet ein großer Brand. Ein im Bau befindliches, 14 000 Tonnen großes Motortonkschiff wurde durch das Feuer teilweise zerstört. Man schätzt den bis­her angerichteten Schaden auf über 1 Million Kronen. *

Bei einem Angriff auf einen Vorposten des bolivianischen Forts Arce wurden fünf paraguo- yanische Soldaten getötet.

*) Rädere« klebe «optischen Teil

Wents Aussicht ans Einigung

Berlin, 24. Aug. Die die Berliner Aben dblätter melden, fressen sich heule in Stutt­gart Vertreter des Zentrums und der NSDAP.» um über eine Koalition zwischen Zentrum und Nationalsozialisten im Reich und in Preußen zu verhandeln, und zwar nimmt an diesen Besprechungen von der preußischen Zentrumsfraktion der Abgeordnete Dr. Graß teil, der angeblich nach Nassau abgereisl ist, in Wirklichkeit aber in Stuttgart weilt. Von den Na­tionalsozialisten ist Abgeordneter Gregor Strasser anwesend.

Die Verhandlungen werden, demTempo" zu­folge, von Zentrumsseite persönlich von dem ehe­maligen Reichskanzler geführt, der zu diesem Zweck seinen Urlaub in Bühlerhöhe abgebrochen hat.

*

In politischen Kreisen interessiert man sich leb­haft für die Fühlungnahme, die in Süddeutschland zwischen dem Zentrum und den Nationalsozialisten stattgofunden hat. Heute sind zwar, wie ja auch in der aus Zentrumskreisen stammenden Stuttgarter MeLung gesagt wird, führende Vertreter des Zen­trums unter sich beisammen gewesen, man spricht aber davon, daß gestern eine Zusammenkunft zwi­schen Dr. Brüning und Gregor Strasses stattgefun­den hat, und zwar wahrscheinlich in Konstanz am Bodensee.

Die bisherigen Besprechungen scheinen jedoch noch kein positives Ergebnis gebracht zu haben, und es fft deshalb wohl nicht ausgeschlossen, daß die Verhandlungen noch weiter gehen. Für das Zen­trum haben sie offensichtlich den Zweck, bis zum Zusammentritt des Reichstags über die dann ge­gebenen Möglichkeiten Klarheit zu schaffen, und zwar sowohl über die Frage der Wahl des Reichs- tagspräsidenten, die ja gleich in den ersten Tagen nach dem Zusammentritt des Reichstages stattfin­det, als auch über die parlamentarischen Möglich­keiten einer Regierungsneubildung. Solange diese Fühlungnahme noch nicht abgeschlossen ist läßt sich über das Ergebnis natürlich schwer etwas sagen. Vorläufig ist nur festzustellen, daß man die Aus­sichten in politischen Kreisen vorwiegend skeptisch beurteilt.

^iommissaviMe Pveutzen- «eslevun« und Landtag

Allein dem Reichspräsidenten verantwortlich

Berlin, 24. Aug Die Mitteilung, daß der Vor­sitzende des Justizuntersuchungsausschusses des

Neue GondeeseerchisueieUe 10 und 15 Lahvo Zuchthaus

Berlin, 24. Aug. Vor dem Berliner Sondergericht hatten sich heute der 20jährige kommunistische Hausdiener Paul Schmidtke wegen schweren Landfriedensbruchs und der 25jährige nationalsozialistische Arbeiter Franz Bickel wegen unbefugten Waffenbesitzes zu verantworten. Für Schmidtke war eine Vertreterin der Jugendhilfe erschienen, da der An­

geklagte noch minderjährig ist.

Nach der Vernehmung der Angeklagten bean­tragte der Staatsanwalt gegen Schmidtke die durch die Nolverordnug vorgeschriebene Zuchthausstrafe von zehn Jahren und gegen Bickel eine Gefängnis­strafe von neun Monaten.

Der Anklage liegt ein politischer Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten zu­grunde. der sich in der Nacht zum 15. August im Osten Berlins ereignet hatte. Nach den bisherigen Ermittlungen wurden mehrere Nationalsozialisten von etwa 20 Kommunisten überfallen. Die An­greifer gaben dabei mehrere Schüsse ab, durch die jedoch niemand verletzt wurde. Als Schütze wurde von der Polizei der Angeklagte Schmidtke ermittelt.

Das Urteil lautete gegen den Kommunisten Schmidtke auf zehn Jahren Zuchthaus, der Nationalsozialist Bickel wurde freige. sprachen.

Nach der Urteilsbegründung erlitt der Ange­klagte Schmidtke, als seine Mutter an die Anklage­bank herantrat, um sich schluchzend von ihm zu ver­abschieden, einen hochgradigen Lrregungsanfall. Er wollte sich nicht absühren lassen, so daß ihn vier Justizwachtmeister mit Gewalt fortschleppen mußten. Die Mutter ries:Ich gehe nicht allein nach Hause, ich laß mich überfahren. Mein Kind ist ja unschuldig«". Der Verteidiger des Angeklagten Schmidtke mußte die schluchzende Frau beruhigen und hinausgeleilen.

Preuß. Landtages Abg. Dr. Freisler (NSDAP.) sich nach Beuthen begeben habe, um an Ort und Stelle nachzuprüfen,, welche Einwirkungsmöglich­keiten dieser Untersuchungsausschuß bzw. der Land­tag überhaupt im Falle des Beuthener Urteils ge­gen die SA.-Leute habe, hat in parlamentarischen wie politischen Kreisen die Frage in den Vorder­grund gebracht, welche Befugnisse das Parlament überhaupt gegenüber der kommissarischen Staats­regierung habe.

Dem Nachrichtenbüro des VdZ. wird hierzu in gut unterrichteten Kreisen erklärt, bei den bevor­stehenden Verhandlungen des Landtagsplenums und seiner Ausschüsse werde sich die kommissarische Regierung voraussichtlich auf den Standpunkt stel­len, daß sie

dem Landtag gegenüber weder verantwortlich

noch an seine Beschlüsse gebunden sei.

Das würde bedeuten, daß die kommissarische Re­gierung es ablehnte, sich durch einen etwaigen Zi­tierungsbeschluß einer Landtagsmehrheit ohne ihren eigenen Willen vor dem Landtag oder seine Ausschüsse zwingen zu lassen. Die kommissarische Regierung scheint dabei nicht die Absicht zu haben, sich grundsätzlich von jeder Mitarbeit im Parlament fernzuhalten. Dagegen dürfte sie klarlegen, daß es lediglich einen Akt des Entgegenkommens darstelle, wenn sie dem Landtag oder feinen Ausschüssen sach­liche Auskünfte erteile. Das gilt insbesondere wohl für etwaige Interpellationen der Fraktionen, die zum Teil zu den blutigen Zusammenstößen usw. bereits eingebracht worden sind Im übrigen hört man in politischen Kreisen, daß nach Ansicht der kommissarischen Regierung die verfassungsmäßigen und geschäftsordnungsmäßigen Rechte des Land­tags gegenüber dem Reichskommissar und seiner Regierung nicht wirksam werden könnten,

vor allem also nicht die Bestimmungen über INißtrauensanträge.

In diesem Zusammenhang wird betont, daß die

Fortsetzung auf Seite 2)

Sevuvtetluus eines Kommu­nisten ru 15 Lahven Suchtvaus

Kiel. 24. Aug. Nach mehrtägiger Verhand­lung verurteilte das hiesige Schwurgericht den der KPD. angehörenden Arbeiter Weißig aus Neu­münster, der am 11. November v. I. bei einem politischen Zusammenstoß den Nationalsozialisten Martens aus Bordesholm durch einen Pistolenschuß getötet, sowie den praktischen Arzt Dr. Müller und den Bankbeamten Begemann aus Neumünster schwer verletzt hatte, wegen schweren Landfriedens­bruchs, vollendetem Totschlags und versuchten Tot­schlags in zwei Fällen zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Die Untersuchungshaft wurde voll angerechnet.

Freisprüche durch das Sondergericht Altona

Altona, 24. Aug. Vor dem Sonderrichter hatten sich heute, wegen Landfriedensbruches infolge einer Schlägerei am 30. Juli sieben Nationalsozialisten und ein Reichsbannermann zu verantworten. Da sich von den Vorgängen kein klares Bild gewinnen ließ, beschloß das Gericht, das Verfahren gegen den Reichsbannermann wegen Unerheblichkeit ein- zustellen und bie Nationalsozialisten freizusprechen.

Altona, 24. Aug. Das hier tagende Sonder- gericht befaßte sich heute mit Zusammenstößen, die sich am 7. Juli in Pinneberg anläßlich einer De­monstration von Erwerbslosen gegen eine Kürzung von Unterstützungssätzen ereigneten. Die Ange­klagten erhielten Gefängnisstrafen von sieben bis zehn Monaten.

Mussolini über die Meli wivtschattskonfevenr

Pariser Brief

DerExcelsior" veröffentlicht einen Artikel Mussolinis über die Lausanner Konferenz und die bevorstehende Weltwirtschaftskonferenz, der in Deutschland beachtet zu werden verdient. Was Mussolini in dem Artikel ausführt, kann von Deutschland in vielen Punkten durchaus vertreten werden.

Nach der Ansicht Mussolinis hat die Lau­sanner Konferenz von allen internationalen Zusammenkünften nach dem Kriege die greif­barsten praktischen Erfolge gezeitigt, obwohl man auch in Lausanne soweit die euro­päischen Fragen in Betracht kamen den Dingen nicht auf den Grund zu gehen w«gte. Was die Weltwirtschaftskonferenz angeht, so hängt nach Mussolinis Ansicht alles von der Mitarbeit der Vereinigten Staaten ab. Die gemeinsamen Anstrengungen Europas und der Vereinigten Staaten können die kranke Welt wieder auf den Weg der Gesundung führen, wenn sie mit ehrlichem, gutem Willen unternommen werden. Alle Anstrengungen aber werden erfolglos bleiben, wenn die Ver­einigten Staaten nicht aus ganzem Herzen und mit gutem, ehrlichem Willen mitarbeiten. Des­halb kommt, wie Mussolini betont, jetzt alles darauf an, jeden Verdacht zu zerstreuen, als bilde sich eine europäische Front gegen die Vereinigten Staaten. Die europäischen Staa­ten haben freimütig das Recht Amerikas aner­kannt, ihnen unmittelbar mit Rat und Tat beizustehen. Jetzt ist es Sache der Vereinigten Staaten, die Mitverantwortung zu erkennen, die sie für den Fortbestand der europäischen Zivilisation tragen, und dem Lebensinteresse Rechnung zu tragen, das sie selbst an der Lö­sung der Weltwirtschaftsfrage besitzen.

Außerordentlich beachtenswert sind die Ausführungen Mussolinis über das Problem der Reparationen und der Kriegs- schulden. Lausanne, so schreibt er, strich das WortReparationen" aus dem internationalen Wörterbuch. Es kostete eine Arbeit von zehn Jahren, um die europäischen Regierungen zu einer Entschließung zu veranlassen, die ohne den harten Zwang der Ereignisse wahrschein­lich auch dann noch nicht gefaßt worden wäre. Mussolini selbst befürwortete die Politik des reinen Tisches" schon in London im Jahre 1922. Die Jahre, die darauf folgten, zeigten deutlich, bis zu welchem Grade die inter­nationale Unsicherheit der wirtschaftlichen Ver­hältnisse aus den Reparationszahlungen er­wuchs. Ueberall wurden Anstrengungen ge­macht, die Industrieproduktion zu beleben und wieder in Gang zu bringen. Aber die Lahm­legung des Handels erstickte alle diese Be­mühungen. In diesen Jahren setzte sich end­lich die Ueberzeugung durch, daß ein Volk, das an den Rand des Abgrunds gerät, andere mit sich zieht.

Lausanne so fährt Mussolini fort war der erste Schritt auf dem Wege zu einer Befestigung der Währungen und des inter­nationalen Güteraustausches. Weitere Schritte müssen jetzt folgen. Es ist töricht, auf der Be­zahlung alter Schulden zu bestehen, wenn der eigene Handel darunter leidet. Denn der Schuldner kann nicht zugleich seine finanziellen Verpflichtungen erfüllen und Waren kaufen. Weil man diesem Irrglauben huldigte, hat fast jede Nation erleben müssen, daß ihr Han­del sich während der Weltwirtschaftskrise um die Hälfte, zuweilen sogar um einen noch größeren Prozentsatz verringerte. Mit dem Gelde, das auf diese Weise verloren ging, hätte man die Reparationen und die Kriegsschulden Zwanzig- bis dreißiamal bezahlen können. Die Bedeutung, ein Volk, das seinen Schuldnern veraebe, müsse deren Schulden selbst zahlen, ist vollkommen trügerisch. Es ist besser, bei blühendem Handel hohe Steuern zu zahlen als

Die heutige Kummer umfaßt 10 Seite«