Einzelbild herunterladen
 

'Kmiau Stadt

1932

20. August

Gamstag, den

,i le. 195

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Lezieher keinen Anspruch auf Lieferung ober Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Lezugspreises. / Für Platzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Fernspr. 3956,3957,3958

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat 93 R-Pfg., für den ganzen Monat RM. 1.90 ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10 R-Pfg., Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise, Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 1 R-Psg^ im Reklameteil von 6S mm Breite 2L R-Pfg. / Ossertengebühr 50 R-Pfg.

Dev Vundesvat gegen Lausanne

Guspruch gegen den WesOlnK des -Keveekchtsche« Kati-natrats Svee das AnSeihe-Neot-Sott

ßw^frSoM^&ftfoW*'

Das Reichskabinett hat gestern die allgemeine Beratung über das Wirtschaftsprogramm fortgesetzt.

* Der frühere österreichische Bundeskanzler Dr. Hober ist gestern abend in Baden bei Wien einem erzschlag erlegen. *

* Admiral Zenker, der vier Jahre lang Chef der karineleitung war, ist gestorben.

* Der englislche Ozeanflieger Mollison ist gestern achmittag in Kanada gelanbett. Er hat den Ozean l 24 Stunden überquert.^

* Es verlautet daß Frau Dr. Kienle durch Der- nratung mit einem Amerikaner und Auswanderung er Strafverfolgung sich entziehen werde.

! Wie disD. A. Z." zu berichten weiß, hat der Ähere Reichskanzler Dr. Brüning Lieser Tage ne Aussprache mit Reichsmehrminiister v. Schlei- >er gehabt. Dr. Brüning habe sich im Anschluß an iefe 'Besprechung nach Rom begeben, um dort mit em Vorsitzenden der Zentrumsparbeit, Prälaten )r. Kaas wegen der innenpolitischen Entwicklung 1 Deutschland Fühlung zu nehmen.

Wie dielägt. Rundschau" wissen will, beab- Htigt die Reichsregierung, einen besonderen Reichs- ommissar für Arbeitsbeschaffung einzusetzen. Der Präsident des Landgemeindetages Dr. Gerecke soll ie meisten Aussichten haben.

Wie Havas ankündigt, werden die französischen mb die amerikanischen Sachverständigen zu Beginn ommender Woche im französischen Handels- zinistermm,zwecks Vorbereitung eines neuen fran- ! ösisch-amerikanischen Handelsabkommens zusam- nentreten.

*

Die sozialdemokratische Fraktion des Reichs- rgs hat in ihrer Sitzung am Freitag den Beschluß esaßt, im Reichstag einen Mißtrauensantrag egen die Regierung von Papen einzubringen, ferner sollen Anträge auf Aufhebung sämtlicher totverordnungen der Papen-Regierung einge bracht oerLen.

Die kommunistische Reichstagsabgeordnete Hara Zetkin ist in Moskau wieder an einem ihrer on Zeit zu Zeit auftretenden Malarioanfälle schwer Tfranft, so daß es recht zweifelhaft erscheint, ob sie >er ersten Reichstagssitzung wird beiwohnen kön­nen.

* In Beuchen begann der große Sonder- ;erichtsprozeß gegen neun Nationalsozialisten.

In Schmalkalden wurden bei Mitgliedern des Reichsbanners und der Eisernen Front . von der Boligei mit Unterstützung der Gendarmerie Haus­uchungen nach Waffen vorgenommen. An vevschie- >enen Stellen wurden Gewehre und Revolver mit tagn gehöriger Munition gefunden. Die Waffen- aesitzer wurden verhaftet.

Die seit Jahren geführten Verhandlungen über den Finanzanteil des Memel-Gebietes, die durch Vermittlung des Sachverständigen des Völkerbun­des, Professor Jacobsen, in den letzten Tagen wie­der in Memel und Kowno ausgenommen worden waren, sind am Donnerstag in Kowno zum Ab­schluß gekommen.

, Die spanische Nationalversammlung nahm mit einer Mehrheit von 262 gegen 14 Stimmen das von der Regierung geforderte Gesetz auf Enteig­nung derjenigen Großgrundbesitzer, die am letzten Aufstand teilgenommen haben, an.

* Die Arbeiten zur Hebung derNiobe" machen gute Fortschritte; ein großer Teil des Schiffes ist schon gehoben.

Beim Bau der Brücke über die Oka bei Nisckmy Nowgorod ereignete sich ein Einsturzunglück. Ein im Bau befindlicher Brückenbogen stürzte plötzlich ein. 13 Arbeiter wurden in die Tiefe gerissen und ertranken. Neun Personen wurden schwer verletzt. Lie verantwortlichen Bauleiter wurden verhaftet. *

Infolge anhaltender Regengüsse sind in Süd- persien große Gebiete überschwemmt. Die ganze Ernte soll vernichtet worden sein. In den Fluten sind nach bisherigen amtlichen Feststellungen über 400 Menschen umgekommen.

) Näheres siehe Position Teil.

22 gegen 22 Stimmen

W i e n. 19. Aug. Der Bundesrat erhob mit 27 Stimmen der Sozialdemokraten, Ralio- nalsozialisten, Großdeutschen und des Heimatblocks gegen 22 Stimmen der Christlich- Sozialen und des Landbundes Einspruch gegen das Lausanner Protokoll. Es muß nunmehr an den

Nationalrat zurückgehen.

Die Gründe für den Einspruch sind folgende:

1. Weil durch dieses Protokoll die außenpolitische Handlungsfreiheit der Republik, insbesondere auch im Hinblick auf eine engere politische und sogar wirtschaftliche Gemeinschaft mit dem Deutschen Reich für eine Dauer bis zu 20 Jah­ren wesentlich beeinträchtigt wird;

2. weil durch dieses Protokoll Oesterreich neuer­lich einer drückenden Auslandskontrolle unter­worfen wird;

3. weit in diesem Protokoll wirtschaftspolitische Bestimmungen gefährlichster Art enthalten sind und

4. weil Bestimmungen dieses Protokolls geeignet

Resievungsprosramm geftMevt

G'uksuus swiMe« Kabinett ««- KeiGsbank

Berlin, 19. Aug. Das Reichskabinett hat heute nachmittag eine TNinisierbefprechung über das Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung abgehallen. Ueber das Gesamtwirt- schaftsprogramm in höhe von 335 Millionen RM ist, wie in unterrichteten Kreisen ver­sichert wird, im Kabinett jetzt grundsätzlich eine Einigung erzielt worden, so daß die Ressorts nunmehr die technischen Einzelheiten ausarbeiten können. Auch die Frage der Finanzierung des zweiten Teiles des Arbeitsbeschaffungsprogrammes in höhe von 200 Millonen RM ist gelöst. Rach der Kabinetts sitzung fand noch eine Besprechung zwischen dem Reichskanzler, dem Reichswirtschaftsminister, dem Reichsfinanzminister und dem Reichs­bankpräsidenten Dr. Luther statt, in der Überreinstimmung über die Finanzierung des zweiten Teiles des Arbeitsbeschaffungsprogramms durch die Reichsbank erzielt wurde.

Man rechnet damit, daß auch dieser Betrag von 200 Millionen RM über die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten beschafft wird. Die Gesell­schaft beschafft zunächst die Mittel durch Begebung von Wechseln mit Hilfe des Reichsbankkreditdis­konts. Nach Ablauf dieser Vorfinanzierung wer­den die Wechsel durch Reichsdarlehen abgedeckt, die verschiedene Laufzeiten haben. Die Frist der Ab­deckung dieser Darlehen richtet sich zum Teil nach der Lebensdauer der mit den betreffenden Dar­lehen geschaffenen Anlagen und beträgt z. B. beim Straßenbau 1520 Jahre.

Die Finanzierung fällt in der Hauptsache zwar auf die Reichsbank zurück, jedoch ist offenbar auch die Mitwirkung von Bankenkonsortien gedacht, ähnlich wie dies schon bei der Finanzierung des 135-Millionen-Ab- schnittes des Arbeitsbeschaffungsprogrammes der Fall ist. Die Bekanntgabe der Einzelheiten des Arbeitsbeschaffungsprogramms dürfte nunmehr in Kürze erfolgen.

Weiter beschäftigte sich das Reichskabinett mit der Verteilung der Abstriche am Etat in Höhe von 110 Millionen RM auf die einzelnen Ressorts. Zwischen den Ressorts selbst ist bereits eine Einigung über die Einsparung von 75 Millionen RM herbeigeführt worden. Ueber die Verteilung der Restsummen von 35 Millionen RM sind heute im Kabinett die entsprechenden Beschlüsse gefaßt worden. Bei diesen Globalabstrichen han­delt es sich jedoch nur um einen rein buchmäßigen Ausgleich am Etat, da die Einnahmen bei den Steuern einen Ausfall von rund 100 Millionen RM aufweisen. Schließlich beriet das Kabinett noch verschiedene wirtschaftliche Einzelmaßnahmen.

Wie WA Nape« »m®<6 lause im Amt breibe»*?

Berlin, 20. Aug. In dem Interview, das Reichskanzler von Papen einem Vertreter des eng­lischen Reuter-Büros gewährte, hat am meisten die Stelle Beachtung gefunden, an der der Reichs­kanzler erklärte,' sein Kabinett werde noch lange im Amte bleiben. In parlamen­tarischen Kreisen des neuen Reichstages wird dem Vdz.-Büro hierzu erklärt, daß an sich kaum ein Zweifel an der Annahme eines Mißtrauensvotums gegen das Kabinett Papen bestehe. Es könne sich dann nämlich ergeben, daß der Reichspräsident es als die Hauptaufgabe des Reichstages erkläre, eine arbeitsfähige Regierung, d. h. eine solche, zu bilden, die sich auf eine Mehrheit im Par­lament stützen kann. Solange der Reichstag hier-

sind, wichtige sozialpolitische Errungenschaften zu gefährden.

Vor der Abstimmung war es noch im Zusam menhang mit einem Antrag auf Schluß der Aus­sprache zu minutenlangem Lärm gekommen. Der Antrag auf Schluß der Aussprache war von den Regierungsparteien gestellt worden, da außer dem Berichterstatter seit Beginn der Sitzung um 10 Uhr vormittags nur drei nationalsozialistische Redner zu Worte gekommen waren. Der Antrag auf Schluß der Aussprache wurde mit Hilfe der Sozialdemo­kraten angenommen.

Nach der Abstimmung über den Einspruch gegen den Rationalratsbeschluß wurde die Sitzung für eine halbe Stunde unterbrochen.

zu sich nicht imstande zeige, habe der Reichs­präsident Lie

Möglichkeit, auch bei Annahme eines Miß­trauensvotums gegen das Kabinett von Papen, diese Reichsregierung als Regierung seines Ver­trauens mit der geschästsführenden Wahr­nehmung der Regierungsgeschäfte solange zu betrauen, bis ein Mehrheilskabinett zustande. gekommen sei.

Sollten die Fraktionen nicht imstande sein, eine von einer Mehrheit gestützte Regierung zu bilden, dann würde unter Umständen das Kabinett von Papen während Ler ganzen Dauer der Legis­laturperiode des Reichstages geschäftsführend amtieren können. Mit Hinweis hierauf hält man es in parlamentarischen Kreisen nicht für wahr­scheinlich, daß bei Annahme eines Mißtrauens­votums gegen die Regierung von Papen die aber­malige Auflösung des Reichstages in Betracht käme. Man argumentiert so, daß nach einer eventuellen Koalitionsverständigung zwischen Zentrum und NSDAP, in Preußen neue Möglich­keiten für die Herbeiführung einer Mehrhoits- koalition im Reich gegeben wären, wozu einst­weilen zu bemerken ist, daß der preußische Land­tagspräsident Kerrl, der am Freitag aus München zurückkam, sich nicht unmittelbar mit Lem Zentrum in Verbindung setzte und auch noch nicht imstande war, offiziell einen Termin für die nächste Plenar­sitzung des Landtages bekannt zu geben. Bisher steht lediglich fest, daß Ler preußische Fraktions­vorstand der NSDAP, noch vor dem 25. August, Lem bisher gedachten Termin für die Landtags­tagung, zusammentreten solle.

SvakttonSMuns Dev Sorial- demoSvaien

Berlin, 20. Aug. Die sozialdemokratische Frak­tion des neuen Reichstages trat heute vormittag zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Der Fraktions­vorsitzende Wels berichtete über die politische Lage. Reichstagsabgeordneter Dr. Hertz ergänzte den Bericht und dann wurden die Anträge bespro­chen, die dem neuen Reichstag vorgelegt werden sollen. Darunter befinden sich auch die Anträge, in denen die Verstaatlichung der Schlüsselindustrien gefordert und auch der Abbau der hohen Gehälter in denjenigen Betrieben verlangt wird, die vom Staate direkt oder indirekt subventioniert werden.

Wie wir weiter hörten, begann der Parteivor­sitzende Wels mit einem Rückblick auf den Wahl-

(Fortsetzung auf Seite 2)

Mas sagt das wivitchaftsbavometev?

DieRückkehr zur Prosperität" in USA. In Vorahnung des Krisenendes

DerBoom" in Newyork nimmt Jeinen Fortgang, wenn auch im verlangsamten Tempo und mitunter mit kleinen Rückschlägen. Die Aktien werden gekauft und verkauft, die Bör­senspekulation blüht und gedeiht und die amerikanischen Blätter werden nicht müde, von der Rückkehr der vielgerühmten Prosperity zu sprechen. Die Einstellung von ein paar hun­dert Arbeitern in einigen kleineren Fabrik­betrieben wird groß aufgemacht, während die Mitteilung, daß die Fordwerke in Detroit ge­schlossen wurden, in mehreren Newyorker Blättern überhaupt nicht veröffentlicht wurde. Die Wirtschaft und Industrie ist nach wie vor stagniert. Das einzige Geschäft, das blüht, ist das Börsengeschäft.

Es war in normalen Zeiten üblich, zu denken, daß das Steigen der Börsenkurse eine Folge der Besserung der Wirtschaftslage ist. Heutzutage sieht es aus, als sollten Die empor­schnellenden Börsenkurse eine Besserung der Wirtschaftskonjunktur bewirken. So wollen es jedenfalls die Amerikaner wissen. Wir Euro­päer werden gut tun, dem Anbruch der neuen Prosperitätsaera in USA nach wie vor mit Skepsis und Zurückhaltung zu begegnen. Erst die Statistiken, die von einer Steigerung des Warenumsatzes und der Warenproduktion sprechen würden, würden uns davon überzeu­gen, daß der Tiefpunkt der Krise in USA. und somit wohl in der ganzen Welt bereits über­wunden ist.

Die ernstzunehmenden Wirtschaftsberichte zwingen vorläufig immer noch, vor irgend­welchen Illusionen zu warnen. Diese Mah­nung erscheint vielleicht der amerikanischen Oeffentlichkeit überflüssig, da sie im Zeichen der Wahlkampagne steht. Präsident Hoover will seine Wiederwahl mit allen Mitteln sicher­stellen. Es sei immer noch de Frage erlaubt, wann die Newyorker Börse ihren nächsten Zu­sammenbruch erleiden wird. Vor dem 4. November, dem Wahltag, oder erst nach ihm. So und nicht anders lautet die Fragestellung in bezug auf die Aussichten der Wirtschafts­besserung in USA.

Sieht man von der immer noch trostlosen Lage auf dem amerikanischen Warenmarkt ab, und wendet man seine Aufmerksamkeit aus­schließlich der Börsenlage zu, so wird man als entscheidendes Merkmal folgende Tatsache feststellen: das Geld ist wieder da. Der Durch­schnittsamerikaner, der seit langem geübten Zurückhaltung müde, ist in seine alte Gewohn­heit, das Geld zur Börse zu tragen, zurück­gekehrt. Er kauft Aktien, eine in Amerika be­liebte, obwohl gefährliche Form des Sparens.

Aber nicht nur der Durchschnittsamerikaner, auch die Bankenwelt hat sich auf den Aktien­markt geworfen. Betrug der Gesamtwert der Aktien auf der Newyorker Börse im Sep­tember 1929, also vor dem entscheidenden Krach, 89,6 Milliarden Dollar, so ist er im April 1932 auf 24,5 Milliarden gesunken. Der Wert der festverzinslichen Obligationen ist in dieser Zeit von 47,3 auf 39,7 Milliarden ge­fallen. Unter diesen Umständen mußte die Be­reitschaft der Regierung zu Krediten in Höhe von 2^ MilliardenWunder wirken". Die 12 Milliarden kurzfristiger Kredite, die heute in der Welt herumwandern, kehren nach Amerika zu Zwecken der Börsenspekulation zurück. Wie in den besten Tagen der Prosperität fließt Gold aus Europa nach USA. Frankreich hat binnen einer Woche eine Milliarde Gold (allerdings in Francs) an Amerika abgeben müssen.

Man muß auf die Wirtschaftsberichte für den Monat August äußerst gespannt sein. Im

Die heutige Kummer umfatzt SO «eiten