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Seife 4

Mittwoch, den 17. August 1932

Nr. 192

Dev Wagen bvennt!

Es kommt ja glücklicherweise sehr selten vor, daß ein Auto in Brand gerät, aber wenn es vorkommt, muß man sich selbst zu helfen wissen. Wer auf die Feuerwehr wartet, wird nicht viel von seinem Wagen retten.

Vorsicht ist bekanntlich besser als Nachsicht, und die beste Vorsichtsmaßregel gegen alle Brände ist die Pflege und Reinhaltung Les Motors.

Der mit Recht gefürchtete Vergaserbrand entsteht nie durch Leitungsdefekt, sondern durch einen Scha­den am Motor. Steckenbleiben von Ansaugoentilen oder falsche Einstellung der Zünd- und Ventilzeiten sind Ursachen. Auch die elektrische Leitung ist oft die Ursache des Brandes. Kurzschlüsse, die bet Montagearbeiten und durch scheuerten Kabeln Vor­kommen, führen zur Erhitzung und Glühendwerden einzelner Drähte. Der gegebene Schutz sind hier Schmelzsicherungen in der Leitung, die durchbren­nen, ehe die Leitung heiß wird. Uebrigens, ein ge­füllter Tank ist weniger gefährlich, als ein leerer, denn nicht das Benzin explodiert, sondern erst das B enz ind a mpf-Luftgemisch.

Kommt es während der Fahrt zu einem Ber­gaserbrand, so heißt es vor allem: den Wagen an­halten. Die Flamme wird durch den Luftzug nur Verstärkt und greift dann rasch um sich. Zwei Mög- lid)feiten zum Löschen sind vorhanden. Man sperrt den Benzinhahn ab und öffnet die Gasdrossel ganz, so daß der Motor sehr viel Gas aufnimmt und die Flamme einsaugt. Das Benzin im Vergaser ist dann rasch verbraucht und der Brand hört bald von selbst auf. Hat aber das Feuer unter der Motorhaube schon um sich gegriffen, dann muß die andere Methode, die überhaupt sicherere, angewandt wer­den.

Man stellt die Zündung und den Benzinhahn ab, worauf der Motor stehen bleibt und löscht den Brand durch Ueberwersen von schweren Tüchern, Decken oder Kleidungsstücken über den Vergaser und son­stige brennende Teile. Ist durch die Hitze auch der Wagen durch ausgetretenes Benzin in Brand ge­setzt worden, dann hilft nur ein Feuerlöscher, den jeder Wagen bei sich führen sollte. Gut ist es fer­ner, den Wasserablaßhahn am Zylinderblock zu öffnen, wenn man herankann, um das untere, meist mit Benzin angefüllte Schutzblech auszuspülen. Das Abstellen des Motors geschieht vor allem, um den Luftzug des Ventilators auszuschalten, und es muß geschehen, wenn man Sand und dergl. auf das Feuer wirst, damit dieser nicht in die Maschine gelangt.

Beim Löscher mit dem Feuerlöscher muß der Strahl auf die brennende Flüssigkeit selbst gerichtet werden, nicht auf die Flamme, und das Feuer muß vielmehr von unten nach oben gelöscht werden. Bei brennendem Benzin aus der Tanköffnung besteht keine Explosionsgeifahr.

In allen Fällen ist rasches Zugreisen, wie bei jedem Brand, das wichtigste. Fast immer ist die »eigene Ungeschicklichkeit des Fahrers schuld daran, wenn ein Wagen wirklich völlig abbrennt. Ruhe, iUeberblick und rasches Handeln hilft sicherer als eine Feuerwehr, die ja nicht sofort zur Stelle sein kann.

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Wochenende und EnreMandel

In Deutschland hat die Wochenendbewegung immer mehr an Umfang angenommen und fast alle Kreise der Bevölkerung nehmen an ihr teil. Vor wenigen Tagen ist in Berlin eine Ausstellung zu Ende gegangen, die mit dem Motto:Sonne, Lüft und Haus" 'nicht nur der Wochenendbewegung im weitesten Maße gedient hat, sondern auch gleich­zeitig zeigte, wie durch Wochenendhäuser, Garten- anlagen, Benutzung von Sportgeräten jeder Art eine Vermehrung der Produktion und damit neue Arbeitsgelegenheit geschaffen werden kann. Als schon in der Vorkriegszeit die Angestelltenverbände für denfreien Sonnabend nachmittag" zunächst für die Bank-, Versicherungs- und andere Kontorangestellten eintraten, wurde diese Idee bekämpft. Englische Ver­hältnisse würden sich nie aus Deutschland übertragen

lassen, so sagte man, und der Einzelhandel legte ganz besonderen Wert darauf, amverlängerten Son nabendnachmittag" durch Ladenschluß um 8 bzw. 9 Uhr abends festzuhalten, da die späten Abend­stunden zum Einkauf des Sonntagsbedarfs notwen­dig seien. Wie der GDA. feststellt, haben sich die Anschauungen wesentlich geändert. Der Lebens­mittel-Einzelhandel verweist darauf, daß die Wochen­endbewegung nicht übersehen werden dürfe, denn sie sei für ihn ganz besonders gewinnbringend, wenn er es versteht, sein Geschäft in ihren Dienst zu stellen. Im einzelnen wird dazu ausgeführt, daß die meisten Wochenendler ihren Nahrungsmittel- bedarf im Rücksack oder Gepäck mitnehmen, und daß es deshalb gut sei, die Waren so handlich bereit zu halten, unb, sozusagenwochenendfertig" zu ver­packen, daß sie leicht mitgenommen werden können. Bekanntlich wird nun der Bedarf für das Wochen­ende nicht am Sonnabend in den späten Abendstun­den eingekauft, sondern bereits vorher. Je mehr Menschen das Wochenende draußen in der Natur verbringen, um so geringer wird auch der Lebens- mittelverkauf am Sonnabendnachmittag sein und um so eher wird auch für den Einzelhändler und für seine Angestellten die Möglichkeit eintreten, selbst am Wochenende teilzunehmen.

Achtung SMehgiâ r

In den letzten 14 Tagen sind wieder verschie­dene neue Sorten falsche '2 RM-Stücke, 5 RM- Stücke, 50 Pfg.-Stücke und falsche Banknoten über 50 RM in den Verkehr gebracht worden. Werden irgendwo Falschmünzerwerkstätten aufgedeckt und unschädlich gemacht, so werden an anderer Stelle neue Fälschungen in den Verkehr gegeben. Es handelt sich um falsche 2 RM-Stücke, die aus­gezeichnet nachgeahmt sind. Die Münzen tragen das Prägezeichen D 1926 und sind von auffallend weißer Färbung. Der matt glänzende eigenartige Schimmer, den man sonst bei echten Stücken aus­nahmslos beobachtet, fehlt hier vollständig. Die Stücke sind aus Messing geprägt und gut versilbert. Außerdem sind sie an dem hellen Klang erkennt­lich. Von echten Stücken lassen sie sich nur schwer unterscheiden. Neu und eigenartig ist eine Falsch - Prägung von 5 RM-Stücken. Die Stücke enthalten mehr Silber als die echten, haben sehr Hellen Klang; aber die Prägung ist verschwommen. Auch die Riffelungen sind nicht scharf. Die Stücke enthalten sehr viel Antimon und sind deshalb außerordent­lich spröde. Wenn sie heftig auf die Tischplatte fallen, zerspringen sie wie Glas. Diese merkwürdige Fälschung kommt mit allen Jahreszahlen vor. Am Rande das ist das sicherste Kennzeichen fehlt der Perlenring. Eine weitere Fälschung ebenfalls 5 RM-Stücke ist daran zu erkennen, daß die Stücke einen sehr Hellen und blechernen Klang haben; diese Falsifikate sind im Gußverfahren hergestellt. Die Baumseite ist nur verschwommen geprägt. Vielfach erscheinen auch wieder falsche 50 Pfg.-Stücke aus Zinn. Sie sind daran erkennt­lich, daß sie sich biegen lassen, auch kann man da­mit schreiben. Während die echten 50 Pfg.-Stücke von einem Magnet angezogen werden, ist dies bei der vorerwähnten Fälschung nicht der Fall. Die Reichs bank macht ferner darauf aufmerksam, daß falsche Reichsbanknoten â 50 RM der Ausgabe vom 11. 10. 1924 neuerdings im Verkehr austauchen. Die falschen Scheine sind an nachstehenden Merkmalen zu erkennen: Das Papier ist gering dicker als das echte. Es besteht aus zusammengefugten Blättchen, das Wasserzeichen auf der Innenseite ist dick, aber verschwommen nachgeahnt. Auf der Vorderseite ist die0" bei der Wertzahl 50 merklich tiefer gestellt. Die Nachbildung auf der Rückseite fällt als solche durch den dicken Gründruck in mittleren Teile des Druckbildes auf.

* Goeihefeier der NSDAP. Die Kultur-Abtei­lung der NSDAP, veranstaltete, wie uns geschrieben wird, am Montag abend im großen Saale der Stadthalle eine Goethefeivr. Infolge Notverordnung mußte das Programm eine wesentliche Kürzung er­

fahren, da sowohl die Begrüßungsansprache, wie auch die Festrede des Herrn Dr. Ge^sow nicht gehalten werden durften. Die SA.-Standarden- Kapelle, ergänzt zu einem etwa 40 Mann starken Streichorchester, bot unter Leitung des Kapell­meisters Blum, sehr gute Leistungen. Die zu Ge­hör gebrachten Ouvertüren zuEgmont", Rosa­munde", als auch die Paraphrase zum LiedGrün ist die Heide" fanden ein sehr beifallfreudiges Publi­kum. Das Lied Wolfram von Eschenbach'sBlick ich umher . . .", aus der Oper Tannhäuser, vorge­tragen von Herrn Konzertsänger Widey, unter Begleitung von Frau Dr. Stübing am Flügel, wurde sehr dankbar ausgenommen. Eine schöne Leistung bot der nationalsozialistische Mannerchor, unter Leitung des Kapellmeisters Ludwig, mit Darbietungen der ChöreDer König von ThuleZ Heidenröslein" undUeber allen Wipfeln ist Ruh". Herr Direktor a. D. Poetsch rezitierte unter star­kem Beifall denTotentanz" und Teile aus Goethes Faust" (Studierstube Faust Erdgeist Wag­ner). Zwei Hanauer Künstler brachten am Flügel, vierhändig, aus dem Septett von L. v. Beethoven das Adagio und Allegro scherzo con brio muster­gültig zu Gehör. Die Konzertsängerin, Altistin Frl. Kreuter sang, begleitet von Frau Dr. Stü- b i n g, 3 Lieder von Goethe und Mar:Gefun­den",Aus einem gemalten Bande",Rastlose Liebe" und zwei weitere LiederVerborgenheit" undDaheim", die gleichfalls sehr starken Beifall fanden. Mit derDeutschlandhymne", von allen Teilnehmern mitgesungen, wurde die gutgelungene Feier beendet.

* Gegen die Privatisierung von Post und Eisen­bahn. Die Organisationen der Post- und Eisen­bahnbeamten haben in einer gemeinsamen Kund­gebung gegen die Denkschrift des Industrie- und HandelstagesPost und Eisenbahn" Stellung ge­nommen. Sie lehnen die Ueberführung des Unter­nehmens Deutsche Reichspost in eine nach privat- wirtschaftlichen Grundsätzen betriebene Gesellschafts­form ab und fordern, daß nach Wegfall der außen­politischen Hindernisse die Reichsbahn alsbald wie­der unter die volle Verfügungsgewalt des Reiches zurückgeführt wird.

* Gegen Schädigungen durch Lastkraftwagen- verkehr. Trotz wiederholter Hinweise in der Presse und durch die interessierten Vereinigungen werden immer wieder Klagen über erhebliche Ueberschrei- tungen der zulässigen Höchstgewichte und Höchst­geschwindigkeiten im Lastwagenverkehr laut. Im öffentlichen Interesse, besonders aber auch im In­teresse der Körperschaften und Bevölkerungskreise, welche die Mittel für die Instandhaltung der Straßen aufzubringen haben, müssen derartige Ueberschreitungen entschieden bekämpft werden. Durch die Ueberlastung von Lastkraftfahrzeugen werden die mit hohen Kosten hergestellten Land­straßen unverhältnismäßig stark beansprucht und beschädigt. Die zulässigen Höchstgewichte für zwei­achsige Lastkraftwagen betragen 10,8 Tonnen, für zweiachsige Kippwagen mit Kippvorrichtung, die nicht durch Menschenkraft betrieben werden, 11,8 Tonnen, für dreiachsige Kraftwagen 16 Tonnen; zweiachsige Anhänger dürfen höchstens 10 Tonnen, und wenn sie nicht luftbereift sind, nur 7,5 Tonnen Gesamtgewicht haben. Neben der Schädigung der Straßen ist auch die Schädigung der Häuser und die erhebliche Störung der Bewohner von Häusern an Durchgangsstraßen eine Folge der Ueberschrei- tung der Gewichts- und Gefchwindigkeitsvorschrif- ten 'für den Lastkraftwagenverkehr. Die Halter und Führer von Lastkraftwagen haben daher bei Nicht­beachtung der gesetzlichen Vorschriften folgende Maßnahmen zu gewärtigen: Nach § 35a der Kraft- fahrzeugordnung kann der kontrollierende Polizei- beamte bei Feststellung der Ueberladung eine'dem Uebergewicht entsprechende Entladung fordern, für die der Halter die Kosten trägt. Ferner kann die Bestrafung des Halters und des Führers erfolgen, und endlich werden Ausnahmebewilligungen hin­sichtlich der Bereifung von Lastkraftwagen sofort widerrufen werden, wenn eine Ueberschreitung des zulässigen Höchstgewichts festgestellt wird. Die Be­sitzer von Lastkraftwagen werden in ihrem eigenen Interesse darauf aufmerksam gemacht, daß mit einer verschärften Ueberwachung des Lastkraft- wagenverkehrs zu rechnen ist. 1

* Schont den Dachs? Zu den eigenari Gestalten unserer Tierwelt gehört der Dachs/ r Meister Grimmbart genannt, um den sich von Märchen, Sagen und Legenden gesponnen i Aus übertriebenem Nützlichkeitssinn und aus . losem Iagdeifer wird dem Dachs auch heute selbst in Gegenden, wo er zu den gussterbender i ren gehört, arg zügesetzt. Nach dem Jagdgesc nießt der Dachs eine lange Schonzeit und n den Herbstmonaten ist ine Jagd auf ihn ges Aber weil er im allgemeinen nur als Rau gilt, wird die Schonzeit viel zu wenig beachte i einigen Landestellen Deutschlands ist der , das ganze Jahr überhaupt unter Schutz g< Trotz dieser Maßnahme liest man aber not genug in den Zeitungen, daß die Erlegung , Dachses als große jagdliche Leistung geübt Jeder Freund der heimischen Natur sollte mit auf achten, daß alle gesetzlichen Maßnahmer Erhaltung unserer Tierwelt genügend besann macht und streng durchgeführt werden, bamt sere Wälder und Fluren nicht noch weiter ver

* Auf Giftpflanzen achten. Unter all den benprächtigen Blumen und Blüten gibt es ganze Reihe von Giftpflanzen, auf deren Gi lichkeit man besonders Kinder aufmerksam m sollte. Das gilt vor allem für die verschiedenm Nachtschattengewächse, die blühen oder deren ren verführerisch locken. Als stark giftig mus strauchige Kronwicke angesprochen werden, bi, als zwei bis drei Meter hohe Pflanze vielfa Anlagen findet. Auch die Samen und die ji Bohnen des Goldregenstrauches verursachen 3 reiz, ähnlich wie die Blätter des goldgelb bli den Blasenstrauches, einer viel verwendeten hecke, deren Beeren von den Kindern gern1 knüllt werden. Auf Sandhügeln und an Mc wächst der dicht beblätterte lebhaft gelb blüh scharfe Mauerpfeffer", der einen brennend sch, Geschmack hat. Seine harmlosere Schwester, Dorneikraut odergroße Fetthenne" hatte fr den Vorzug, als Suppenkraut genossen zu wei Durch ihren scharfen, Erbrechen bewirkenden M saft sind die 18 Arten her Wolfsmilch gefenn; net. Auch das Bingelkraut, eines unserer [äf Gartenunkräuter gilt als giftig. Mit zahlrei mehr oder weniger giftigen Arten find die Hast fußgewächse unter der heimischen Giftflora treten. Unter ihnen gelten als besonders gefäh der Gifthahnenfuß, der scharfe Hahnenfuß, blaue Sturmhut, der Wolfseisenbart (dessen 2 zel früher in den Köder für Wölfe gesteckt wi um diese zu vergiften), und der füdeuropä scharfe Rittersporn. Giftig ist audj das löweNw artige Gnadenkraut mit" seinen weiß-rötlich ü laufenenen Blüten, das auf sumpfigen

.............. Hl* '

8 Stunden hat er so geschlafen. Mi und mit Kopfschmerzen stand er auf Kein Wunder, wenn ihm nun jede Afb mißlingt. ,

Sein Kollege dagegen ist stets leistungsfäl und guter Laune. Er weiß, wieviel ein ; sunder Schlaf wert ist.

Start der

Berliner Theatevsaikon

Es geht um den Ruf der Theaterstadt Berlin

In dem Augenblick, da die neue Theatersaison beginnt, ist es noch einmal zu hochsommerlichen Temperaturen gekommen, worüber die überleben­den Direktoren auf dem Schlachtfelde der Tepsis wenig entzückt sind.

Welche Wandlung im Berliner Theaterleben von der Saison 1931/32 zu der Saison 1932/33 einge­treten ist, kann durch nichts deutlicher gezeichnet werden, als durch die Tatsache, daß auf weiter Flur fast allein die Brüder Rotter herrschen. Sie haben als einzige den Krisensturm im vorigen Jahr überwunden, und wenn man auch gegen die Art, wie sie Kunst bieten, manche Bedenken hegen mag, verdient schon allein die Tatsache Anerken­nung, daß sie überhaupt in der Lage sind, mehrere große Theaterbetriebe durchzuhalten.

Die Brüder Rotter haben ihre starke Position im Berliner Theaterleben u. a. durch die Züchtung des Starwesens erobert. Sie bleiben bei den er­probten Mitteln und bieten hintereinander inner­halb einer Woche drei Stars auf, die ihnen eben­soviel Bühnen füllen sollen: Gitta Alpar, Richard Tauber und Fritzy Massary; alle drei in den Hauptbühnen der Rotters, die Alpar wieder im Admiralspalast, Fritzi Massary im Metropol- Theater und Richard Tauber im Theater des Westens. Nächst Richard Tauber hat sich Gitta Alpar als die beste und zugkräftigste Entdeckung der Rotters erwiesen. Ihr Erfolg in derDubarry" forderte geradezu dazu heraus, es mit einer Wie­derholung zu versuchen. Diesmal wird die weit über Berlin hinaus bekannte Operettendiva die Katharina" spielen, womit sie eine ähnliche Rolle wie in derDubarry" übernimmt. Bekanntlich gehörte Katharina zu den Frauen, die in punkto Liebe ebensogut unterrichtet wie anspruchsvoll waren. Die Alpar ist zweifellos besonders dazu prädestiniert, einen solchen Typ darzustellen. . Sie schmeißt, wie es im Bühnenjargon heißt, jedes Textbuch, so daß wiederum mit einem großen Er­folg zu rechnen ist. Tag und Nacht wird im Ad­miralstheater geprobt. Der Titel der Operette steht noch gar nicht fest, was auch auf einige Schwierig­

keiten stoßen dürfte, da das Textbuch selbst erst während der Proben entsteht. Diese Art des Theaterbetriebes ist schon etwas eigenartig, aber die Rotters sehen darin, was andere als einen hef­tigen Mangel empfinden würden, eine Stärke.

Star Pr. 2: Fritz Massary hält nach ihrem Schcmspielintermszzo in der vorigen Saison ihren Wiedereinzug in der Operette. Diese Schauspielerin ist wirklich 'unverwüstlich, und man kann davon überzeugt sein, daß sie das, was sie sich vornimmt, auch durchzuführen vermag. Schauplatz ihres Auftretens wird das Metropoltheater fein, die Stätte, wo sie einst ihre größten Triumphe gefeiert hat. Der Chronist mag bei dieser Gelegenheit ver­schiedene Ueberlegungen anstellen. Unter anderen, wird er sich des Amstelbank-Kraches in Amsterdam erinnnern, und damit wird er schon eine wesentliche Lösung dafür gefunden haben, weshalb Fritzi Mas­sary den Versuch macht, an ihre einstigen Triumphe anzuknüpfen. Fritzi Massary ist klug genug, um die Grenzen ihres Könnens und ihrer Mögltcy- keiten zu kennen. Sie wird nicht als die große Operettendiva in früherem Stil auftreten, sondern als die erfahrene Frau. Das geschichtliche Vorbild ohne dies geht es nun einmal nicht dürfte wahrscheinlich Ninon de Lenclos sein. Das ganze soll keine Operette werden, sondern eine Salon- Komödie.

Und Rotter-Star Nr. 3: Richard Tauber, von dem die Fama behauptet, er sei während der Ferien bünnv geworden, zieht im Westen ins Theater des Westens ein. Für ihn stehen alle Vor­zeichen auf Erfolg, und er wird in dem neubearbei­tetenDreimäderlhaus" den Schubert fingen, die Operette, die bekanntlich vierstellige Aufführungs­ziffern erreicht hat. Richardder Große" kann da­mit wieder einmal sein Herz hinschmelzen lassen, und alle Bühnenweisen tippen auf einen Sen­sationserfolg.

Die anderen Berliner Bühnen beginnen mit Ausnahme der Städtischen Oper ihre Spielzeit erst Ende August, Anfang September. Von ihnen ist viel und wenig zu hören. Neue Herren halten ihren Einzug, man steht ihnen zunächst reserviert gegen­über, man wartet mit einem gewissen Wohlwollen das jedoch auf dem heißen Berliner Theater­boden sehr rasch verscherzt ist ihre Tasten ab, und es soll sogar einige Optimisten geben, die glau­ben, mit den neuen Herren wird auch einmal etwas

Neues geboten werden. Aber cs handelt sich hier­bei nur um eine aussichtslose Splitterpartei. Be­reits Ende September Anfang Oktober wird man sich darüber im Klaren sein, ob Berlin, seinen Ruhm als führende Theaterstadt, der aufs äußerste gefährdet erscheint, mit Erfolg in der Saison 1932/33 verteidigen kann.

ö Amerikanische Ehrung für Richard Strauß. Dem Komponisten Richard Strauß wurde heute hier die von dam College of Music in Newyook für hervorragende Verdienste auf dem Gebiete der Musik gestiftete Medaille durch Carl Hein-Newyort, einer der Direktoren des College of Music, über­reicht. Die Medaille war dem Komponisten bereits im Juni ds. Js. verliehen worden. Direktor Hein hob in feiner Ansprache hervor, daß Richard Strauß dazu beigetragen habe, die Musik auf die Höhe zu bringen, auf der sie heute stehe. Die Medaille, die zum ersten Mal verliehen worden ist, gelangt nun alljährlich zur Verteilung.

o Das Mannheimer Nationalthealer, dessen große künstlerische Leistungen bekannt sind, ist auf dem besten Wege, ein Volkstheater zu werden. Neben einer radikalen Senkung der Eintrittspreise, die jetzt für Oper oder Schauspiel zwischen 50 Pfg. und 4.50 Mk. liegen, ist eine Ausstellung in der dortigen Kunsthalle geplant:Zwei Jahre Arbeit des Nationältheaters", die den Kontakt mit dem Publikum aufrechterhalten will. Außerdem werden zu Beginn der neuen Spielzeit Intendant, Büh­nenvorstände und Künstler persönlich auf Werbung ausgehen.

o Die 10. Frobenius-Expedition. Leo Frobenius der bahnbrechende Erforscher afrikanischer Kulturen und bedeutende Kulturkreisforscher, hat eine 10. Expedition nach Afrika unternommen. Jetzt ist er durch malariaverseuchtes Gebiet der südtripalita- nischen Küste mit Auto, Kamel und Flugzeug in die Akakut-Berge auf italienischem Gebiet vorgedrun­gen. Sein Ziel ist, in den Schluchten und Höhlen der Gebirge^ Felsbilder aufzusuchen. Auf seinen vorangegangenen Expeditionen konnte ja Frobenius oufsehenerregende Funde solcher Felsbilder machen, die auf die Entwicklung der afrikanischen Kulturen und den Zusammenhang der Kulturkreise ganz neues Licht warfen, ,

o Das älteste Helden-Epos der West. Währc man bisher den Ursprung des uralten afsyrif babylonischen Gilggamesch-Epos, eines Heldenl des, das sich teilweise mit den biblischen Bepichi des alten Testamentes deckt, etwa ins 7. Jahrhl dert v. Chr. verlegt hat, haben neue Funde in l Wüste des Irak bei den Gelehrten eine vollko mene Revision dieser Ansicht verursacht. Die Funk die von einer Expedition unter Führung des Pr Stephen Langdon von der Oxford-Unioerfity ( macht wurden, stellen sich als verhältnismäßig g erhaltene Keilschrifttafeln dar, die eine unschätzbo Ergänzung der bisher bekannten 12 Tafeln bilde Von den bereits früher bekannten Tafeln existic eine deutsche Uebersetzung aus dem Jahre 1911.

Sumov

UebetaU dasselbe

Mein Onkel aus Amerika hat mir geschrieben?

Ah! Was schreibt er denn?"

»Ich soll ihm etwas Geld schicken!"