Seife 4
Samstag, den 13. August 1932
Nr. 189
Vom kaufmcinniiche« Gallo«- und GteKenmavkt
Auf dem kaufmännischen Stellenmarkt ist infolge der katastrophalen Wirtschaftslage selbst in der Hochsaison keine Belebung eingetreten. Während in vergangenen Jahren zum Saisongeschäft zahlreiche Spezialoerkäufer und -Verkäuferinnen auch für die Bade- und Kurorte angefordert wurden und während der Urlaubszeit ein starke Nachfrage nach Aushilfsvertetungen herrschte, wurden derartige Kräfte von der Wirtschaft in diesem Jahre nur in söhr beschränkter Zeit verlangt. Auch die Anforderung von Aushilfskräften zum Saison-Ausverkauf ist gegenüber dem Vorjahr erheblich zurückgegangen, in Berlin z. B. um rund 50 Prozent. Dabei konnte noch die Beobachtung gemacht werden, daß die eingestellten Saisonverkäufer und Verkäuferinnen bereits nach ein- oder mehrtägiger Tätigkeit wieder entlassen wurden.
Das Geschäft in den verschiedensten Branchen blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Dagegen ist in der letzten Zeit eine stärkere Anmeldung offener Stellen für gewandte Stenotypistinnen und Korespondentinnen mit perfekten italienischen und spanischen Sprachkenntnissen und Beherrschung der Kurzschrift in diesen Sprachen festzustellen. jUeberhaupt sind die Anforderungen der Firmen an die Berufskenntnisse der Bewerber und Bewerberinnen sehr erheblich gestiegen. So wurden z. B. bei der Ausschreibung von Stellen für Lebensmittelverkäufer und -Verkäuferinnen neben guten Fachkenntnissen auch die Beherrschung von Dekoration, Plakatschrift, Plakatmalerei, sowie Kenntnisse im Aufschnitt zur Bedingung gemacht. Fachkräfte dieser Art werden also auf Grund ihrer Spezialausbildung trotz der schlechten Arbeitsmarktlage immer «noch verhältnismäßig eher eine Stellung erhalten.
Der Eingang offener Stellen blieb im Monat Juli bei der GDA. -Stellenvermittlung um 30 Prozent hinter dem Ergebnis des gleichen Monats im Vorjahr zurück. Die Andrangsziffer, d. h. die Zahl der auf eine offene Stelle entfallenden Bewerber und Bewerberinnen, betrug dort im Monat Juni 62,3 und 32,5,
Besuchen Ms mich Mie einmal r
Eine Einladung oder gesellschaftliche Phrase?
Es kommt manchmal vor, daß uns der Zufall mit einem Menschen zusammen führt, der uns sympathisch ist, mit dem mir gern auch ein andermal das anregende Gespräch dieser ersten flüchtigen Bekanntschaft fortsetzen würden. Und so verabschieden wir uns mit einem „Auf Wiedersehen"!" und mit dem Zusatz: „Besuchen Sie mich doch bitte einmal!" Wir haben das deutliche Gefühl, daß das Wohlgefallen auf Gegenseitigkeit beruhte, und darum sind wir enttäuscht, wenn Woche um Woche vergeht, ohne daß man von der Aufforderung Gebrauch macht. Ja, mitunter empfinden wir es sogar als Verlust, daß diese ebenangeknüpften Beziehungen ein so schnelles Ende nahmen, und vielleicht grübeln wir: „Warum ist er nicht gekommen? Ich habe ihn doch so freundlich aufgefordert." Denn wir hatten diese Einladung durchaus ernst gemeint, wir wollten nur dem änderen keine bindenden Verpflichtungen auferlegen, und es ihm sreilassen, zu kommen, wann es ihm beliebte. Es sollte ja kein förmlicher Verkehr daraus werden, vielmehr war es ein zwangloses Beisammensein, wenn es den einen oder sonderen dazu triebe.
So sieht die Einladung, von der kein Gebrauch gemacht wurde, von der einen Seite aus. Sie hat aber auch noch eine Kehrseite. Und diese „andere Seite" ist nur gar zu vielen sehr gut bekannt. Da ist man mit eben diesen Worten: „Bitte besuchen Sie mich doch einmal!" aufgefordert worden. Man nahm diese Einladung für ernsthaft gemeint, folgte ihr eines Tages und begegnete dem unverhüllten
Gustav Adolf
Historisches Charakterbild in fünf Aufzügen von Otto Devrient
Anläßlich der dreihundertjährigen Wiederkehr des Gründungstages der „Gustav Adolfstistung" rüstet man sich allenthalben im Deutschen Reiche, diesen Tag würdig zu begehen. Auch in Hanau Stadt und Land hat man sich entschlossen, dieses Tages der Zeit entsprechend zu gedenken. Im Mittelpunkte der Dorge [ebenen Veranstaltungen steht die mehrmalige Aufführung von Otto Devrients großem Festspiel „Gustav Adolf".
In einer einzigartigen Form hat der Autor die letzten Lebensjahre König Gustav Adolfs von Schweden zu schildern vermocht. Dieses gewaltige Werk beginnt mit der friedlichen Besetzung Stettins 1(14. Juli 1630) durch die schwedischen Truppen. Dieser 1. Akt führt uns vor die Tore Stettins, die von Stadtknechten bewacht werden. Bauern und Flüchtlinge drängen sich, Einlaß heischend, davor zusammen, Schutz erflehend vor der drohenden Soldateska Wallensteins, deren Schandtaten ihnen schon fühlbar geworden waren. Da naht ihnen, wie von Gott gesandt, die Rettung jenes Glaubensstreiters, in der Gestalt des Schwedenkönigs Gustav Adolf, der mit seinen Truppen vor Stettin eingetroffen ist, um mit Herzog Bogislaus XIV. von Pommern Stettin vor der drohenden Besetzung und Vernichtung durch Wallensteins Truppen zu bewahren. Ein ungemein stark belebtes Bild aus der Zeit des 30jährigen Krieges entrollt sich vor unseren Augen, zeigt uns die Not und Leiden des Volkes, die Wankelmütigkeit und Zaghaftigkeit der Vasallen jenes welschen Kaisers Ferdinand, der über die deutschen Lande unsagbares Unheil heraufbeschworen hatte.
Von Stettin aus begleiten mir nun Gustav Adolf auf seinem Zuge durch die deutschen Lande. — — — Im 2. Akt sehen wir ihn im Schloß zu Köpenick (Mai 1631), wo ihn die Schreckensnachricht erreicht, daß die von den schwedischen Truppen, unter Dietrich v. Falkenberg, verteidigte Festung Magdeburg Tillys sengenden und schändenden Truppen in grauenhafter Weise zum Opfer gefallen sei. In Köpenick, im Herzen Brandenburgs, dem Reiche seines Schwagers, des schwächlichen Kurfürsten, den er vergeblich zu seinem Verbündeten zu erhalten gehofft hatte, trifft ihn diese Nachricht. Allein der 'kurbrandenburgische Geheime Rat, Graf zu Schwarzenberg, der schärfste Gegner der protestantischen Sache, hatte nicht damit gerechnet, daß seine nicht ganz wahre Botschaft durch Herzog Bernhard
LSnkeve LeßZsr versagen KO .. ♦*)
Das Publikum im Gerichtssaal.
Die Rechtsprechung geht in Deutschland vom Volke aus. Damit hat dieses das Recht, den Gerichtsverhandlungen beizuwohnen. Die Oeffentlich- keit kann nur dann ausgeschlossen werden, wenn die Sittlichkeit oder das Staatsinteresse gefährdet erscheint. Dieses Recht, öffentlichen Sitzungen beizuwohnen, das also jeder Erwachsene hat, schließt selbstverständlich auch Pflichten in sich. Verschiedene Beobachtungen deuten aber darauf hin, daß sich die Besucher der Zuhörerräume keineswegs immer dieser Pflichten bewußt sind. Man faßt das ganze Gerichtsverfahren mehr oder weniger als Schauspiel auf, dem man aus einem gewissen Interesse an dem unter Anklage Stehenden beiwohnt, oder aber das man an sich vorübergleiten läßt, um die Zeit totzuschlagen oder einem Sensationsbedürfnis frönen zu können. In jedem Falle sind die beiden letzteren Gründe durchaus verwerflich. Menschen, denen der Ernst fehlt, einer Gerichtsverhandlung beizuwohnen, ohne in ihr das zu sehen, was sie eigentlich bedeutet, also die Macht des Staates bzw. des Volkes, gegen solche Menschen oorzugehen, die gegen das Gesetz verstoßen, sollten aus dem Gerichtssaale entfernt werden. Es sind Fälle zu verzeichnen, daß Aussprüche Angeklagter, die sicherlich aus tiefster Seele ihre Not schilderten, bei den Zu- höhrern mit höhnischem Lachen quittiert wurden. Es ist zu loben, daß die Gerichtsvorsitzenden gegen derartige Vorkommnisse scharf Front machen. Aber dürfte es eigentlich so weit kommen? Müßte nicht jeder Zuhörer das Gefühl haben, das Lachen an Gerichtsstelle überhaupt zu vermeiden. Es kommt ja vor, daß Zeugenaussagen derart komisch wirken, daß sich ein Schmunzeln selbst bei den Richtern nicht vermeiden läßt. Aber wenn andere Motive die Lachmuskeln in Tätigkeit setzen, dann ist jeder, der sich im Gerichtssaal nicht so im Zaune halten kann, bei anständigen Menschen ohne Entschuldigung ge
•) Einsendungen, die unter dieser Rubrik veröffeni. licht werden sollen, müssen dis Freitag mittag in den Handen der Redaktion sein. Die Verantwortung für die Eingänge trägt der Einsender. Die Redaktion.
Erstaunen über sein Erscheinen. Man hatte sehr deutlich das Gefühl, daß man gar nicht mit unserem Kommen gerechnet hatte, und daß diese Aus- forderung nur so hingesagt war, wie manche sich mit den Worten „Auf Wiedersehen" verabschieden, auch wenn ihr Verlangen nach allem anderen als einem Wiedersehen steht. Es ist diese Art Liebenswürdigkeit, die hohl und leer ist, nur von der Oberfläche kommt und daher mit einer gewissen Unwahrheit sehr nahe verwandt ist. Daß Menschen, die einmal solche Erfahrungen mit dieser Aufforderung: „Bitte besuchen Sie mich doch einmal!" gemacht haben, sich hüten werden, ihr bei anderer Gelegenheit noch einmal zu folgen, ist selbstverständlich.
Unser gesellschaftliches Leben ist leider vielfach nur auf den äußeren Schein gerichtet, bei dem es oft auch nicht ohne „a bisserl Falschheit" abgeht. Viele, die die Hohlheit solcher Beziehungen erkennen, können sich ihnen doch nicht entziehen, weil sie durch Amt und Stellung und wie diese verpflichtenden Tyrannen sonst noch heißen mögen, dazu gezwungen sind. Deshalb besteht aber bei vielen Menschen doch das Verlangen nach einem gehaltvolleren, zwanglosen Beisammensein und Gedankenaustausch mit anderen, das sich immer nur dann ergibt, wenn man das Glück hat, gleichgestimmte Seelen zu treffen. Begegnet man ihnen und will man hin und wieder mit ihnen zusammenkommen, dann darf man seinen Wunsch danach nicht mit der leider entwerteten Einladung:
o. Weimar, den treuesten Verbündeten Gustav Adolfs, widerlegt werden würde. Dieser, der auf seinem Zuge an Magdeburg vorbeige kommen war, brachte die Nachricht von der unvergleichlichen Heldentat des Magdeburger Kommandanten und der Bevölkerung der Stadt, die sich selbst der Vernichtung preisgegeben hatte, um nicht Tillys wüsten Truppen in die Hände zu fallen. Schwarzenbergs Sache hatte teilweise einen schweren Schlag erlitten, aber der brandenburgische Kurfürst war nicht zu stärkerer Gefolgschaft zu bringen. Gustav Wolf verzagte trotzdem nicht:
„Aus Magdeburgs Asche erwächst mir die Pflicht; die deutsche Sache verlasse ich nicht."
Erneut zeigt sich uns der Glaubensstreiter, der mit den Worten:
„Mit Gott nun wollen mir Taten tun —*
Hie Schwert des Herrn und Gideon!
Für Deutschland und die Religion!" seinen Feldzug für die protestantische Glaubenssache fortsetzt. —
Nach dem Zuge durch die deutschen Gaue sehen wir im 3. Akt Gustav Adolf in Frankfurt a. M. im Römer (20. Januar 1632)) just an dem Tage, an dem er seiner geliebten jungen Gattin, Königin Marie Eleonore bis Hanau a. M. entgegengefahren war, um sie nach langer Trennung in festlichem Zuge nach Frankfurt zu geleiten. In diesem großangelegten Frankfurter Akt zeigt uns der Dichter den Helden seines Stückes abermals als einen edlen und reinen Glaubensstreiter. Im Kreise der deutschen Kurfürsten behauptete man fett längerem, Gustav Adolf habe den deutschen Feldzug nur aus Eroberungsgelüsten unternommen. Die Vertreter der deutschen Städte waren auch bereit, ja es lag bei ihnen der stille Wunsch vor, Gustav Adolf von Schweden zum deutschen Kaiser zu erheben, und so dem zerrütteten Volke die Einigkeit zu verschäf- sen. Gustav Adolf jedoch lehnte dieses Ansinnen der Städter ab. Nicht der Deutschen Kaiser wolle er sein, sondern nur ihr Schirmherr bis zur letzten Entscheidungsschlacht, die endlich den Frieden in Reich und Kirche bringen sollte. Damit hatte Gustav Adolf alle Verdächtigungen zu schänden gemacht.
Ungemein lebhafte, farbenreiche Bilder ziehen in diesem Akte an uns vorüber, zeigen uns den Helden an der Seite seiner liebreizenden Gemahlin. Von unvergleichlicher Wirkung ist der Einzug des Königspaares im Frankfurter Römer, der sich unter dem Geläute der Glocken, unter benv Gesänge des alten Lutherliedes „Eine feste Burg ist unser Gott" vollzieht.
In den darauffolgenden Monaten wendet sich Gustav Adolf mit seinem Heer nach Franken, und
richtet. Man wahre die Würde des Gerichtes, nehme Rücksicht auf den Angeklagten und noch mehr aus die Angehörigen der an dem Prozeß Beteiligten, die ja, meist mit kummervollem Herzen, inmitten der undisziplinierten Zuhörer dem Prozeß folgen.
Kinder lernen schwimmen!
Man betrachtete früher das Schwimmen ausschließlich als Sport. Man sch keine zwingende Notwendigkeit, das Schwimmen «irgend einer anderen körperlichen Betätigung vorzuziehen. Körperbewegung war Körperbewegung und es war gleich, ob man sie durch Laufen, Turnen oder Schwimmen erreichte. Darin ist ein erfreulicher Wandel eingetreten. Man hat eingefehen, daß dieser Sport eine Lebensnotwendigkeit ist fast so notwendig wie das Gehen. Heute wird beispielsweise das Schwimmen an den Schulen von Staats wegen gefördert. Das wurde dadurch erreicht, daß man den Behörden jahrzehntelang die erschreckenden Zahlen der alljährlich in Deutschland Ertrinkenden vor Augen hielt. Eine neue Parole heißt: Kinder lernen schwimmen. Mit Freude hat die kleine Welt die Parole der Großen zu ihrer eigenen gemacht. Das Schwimmenlernen geht auf einmal viel leichter als früher. Die Jugend kennt keine Wasserscheu mehr. Heute sicht man kleine Kinder von 4, 5 Iah- rm, in Ausnahmsfällen aber auch schon von 3 Jahren, ohne das geringste Bedenken vom Sprungbrett ins Wasser springen. Die Kinder sind nicht mehr wasserscheu, das kommt durch die moderne Schule, die die Kinder zum Wassersport und zum Schwimmen erzieht. Und dann zum zweiten ist dies eine Folge der allgemeinen Beliebtheit des Wassersportes. Oester denn je gehen die Kleinen mit ihren Geschwistern oder Eltern zum Wasser, liegen mit ihnen stundenlang am Strande oder spielen mit ihren Kameraden und es müßte keinen kindlichen Nachahmungstrieb geben, wenn er den Kleinen nicht ganz von selbst einen Teil ihrer Angst wegnehmen würde. Wenn die Eltern vernünftig sind und die Situation gut ausnutzen, so kann jetzt vom Kinde das Schwimmen spielend erlernt werden.
„Bitte besuchen Sie mich doch einmal!" zu erkennen geben. Hat man es gemerkt, daß der andere unser Verlangen teilt, dann schließe man an diese Einladung, die im Grunde gar keine ist, sofort eine feste Vereinbarung, man schlage Tag und Stunde vor oder lasse die Wahl zwischen verschiedenen Tagen frei. Dann weiß der andere sofort, daß die Einladung ernsthaft gemeint ist, und sie wird oft richtige Freude Hervorrusen. Es ist in allen Lagen des Lebens ein gutes Ding um die Klarheit, die keine Zweifel zuläßt. Und da es im großen und ganzen doch ein glücklicher Zufall ist, Menschen zu begegnen, von denen man sich eine Bereicherung der menschlichen Beziehungen versprechen kann, so lasse man diese seltene Gelegenheit nicht an der Art der Einladung scheitern.
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Zwei Gerichtsentscheidungen
Die Häuserfronten in den Wohnvierteln der Städte sahen in der letzten Zeit recht lustig aus. Flaggen der verschiedensten politischen Richtungen flatterten unmittelbar neben- und übereinander. Da ist die Frage besonders akut, ob der Vermieter verpflichtet ist, diese Art der politischen Tätigkeit feiner Mieter zu dulden.
wir sehen ihn im 4. Akt in seinem Zelt bei der Belagerung Nürnbergs (23.—24. August 1632), das in den Händen Wallensteins war. Lange hat Gustav Adolf mit seinem Heer untätig vor dieser Festung gelegen, und schon begann, hervorgerufen durch die Tatenlosigkeit, in den deutschen Teilen seines Heeres der Unmut und die Disziplinlosigkeit Platz zu greifen. Das bemerkend, entschloß er sich, nach einer heftigen Szene mit den deutschen Generälen, diese aus ihrer Verpflichtung ihm gegenüber zu entlassen, der deutschen Sache Valet zu sagen und sein schwedisches Heer in die Heimat zurückzuführen. Da sollte es der junge Herzog Bernhard v. Weimar sein, der ihm Kenntnis brachte vom beabsichtigten Verrat der schwedisch-deutschen Sache gegenüber Wallenstein. Freudig folgten die deutschen Kommandeure und die ihm anhangenden deutschen Fürsten seinem wiederholten Rufe, in letzter Stunde. Herzog Bernhard übertrug er das Kommando. Zu einem „Gothenritt" rief er seine Schweden auf. Und als am Bartholomäustag die Sonne blutrot aufging, deutete sie auf Sturm. ,Hab er denn seinen Lauf", rief Gustav Adolf aus. Der Sturm mißlang, Nürnberg blieb in Wallensteins Händen. Dieser Akt zeigt uns Gustav Adolf in schweren Seelenkämpfen, im Zwiespalt zwischen Recht und Pflicht. Einen Zwiespalt, den er im Glauben an Gott, im Interesse der Pflicht besiegte.
Gustav Adolfs Stern neigte sich nunmehr rasch seinem Untergange entgegen. Der Winter 1632 führte ihn mit seinem Heer, gefolgt von seinen treuen Verbündeten nach Sachsen, um hier Wallenstein endlich oemichtend zu treffen. Königin Maria Eleonore war erneut ihrem Gatten gefolgt. Wir sehen sie im 5. Akt mit Gustav Adolf vereint zuerst in Erfurt (Anfang November 1632). In einem Zimmer des Gasthofes „Der hohen Lilie" erleben mir jene wunderbare Szene, in der Gustav Adolf dem Getreuesten seiner Getreuen, dem schwedischen Reichskanzler Axel Axenstjerna, seine Wünsche und Gedanken unterbreitet für den Fall seines eventuellen plötzlichen Ablebens. Diese Testa- mentsseier stt von wunderbarster Gestaltung. Der Dichter führt uns hier seinen Helden in unvergleichlicher Reinheit, Treue und Gottesfrüchtigkeit vor Augen. Hier erklärt er, daß ihm seine Fahrt nur um Deutschlands Frieden ging; und in dieser Stunde, die sich vor unseren Augen entrollt, gibt er seinem Kanzler den Auftrag, „indeß er Wallenstein schlage, den Bund der Evangelischen zu schmieden, jenes mächtige Band von mächtigen Verbänden, von Fürsten, Städten, Ritterschaften, Ständen. Unter Axenstjernas klugem Walten solle sich dies zum Heil des Glaubens «in Heilbronn gestalten^ —
Zu dieser Frage haben in neuester Zeit Amtsgericht Kassel und das Amtsgericht Chen > Stellung genommen. Beide Gerichte haben i schieden, daß der Mieter einer Wohnung ohne i sondere Erlaubnis des Vermieters nicht berech ist, die Hausfront zur Anbringung von Rekla? tafeln, Zeichen, Schildern und so weiter zu • nutzen. Aus diesem Grunde sei auch das Hissen m Parteifahnen zum Zwecke der Wahlpropaganda n vertragswidriger Gebrauch der Mietsache, möge. dem Vermieter ein Unterlassungsanspruch r Ptragraph 550 BGB. zusteht. Diesen Anspruch kc- der Vermieter im Wege einer einstweiligen V fügung oder durch eine Unterlassungsklage geltu machen.
Maßgebend für die Beurteilung der Frage, - ein vertragswidriger Gebrauch vorliegt, ist, so he es in den Entscheidungen, die Verkehrssitte. Entsä dend ist dabei der Anlaß des Flaggens. Das Hst von Reichs-, Landes- oder Stadtfarben anlä^- befonderer Gelegenheiten ist selbstverständlich oerkehrsüblich anzusehen und muß geduldet w den. Anders ist das Flaggen mit einer Parteifal zum Zwecke der Wahlpropagnda zu beurteilen u kann durch die Verlehrssitte nicht ger.echtfert werden. Von einer Verkehrssitte könne in dieser l Ziehung einstweilen noch kaum die Rede fein, v. mehr nur von einer im Verkehr eingerissenen Nc^ lässigkeit. Auf eine solche aber kann, wie t Reichsgericht mehrfach entschieden hat, keine Rr sicht genommen werden.
Auch das im Artikel 118 der Reichsoerfassu gewährleistete Recht der freien Meinungsäußeru könne hier nicht herangszogen werden, da es n „innerhalb der Schranken der allgemeinen E fetze" ausgeübt werden kann. Die Bestimmung des Bürgerlichen Gesetzbuches über den Mietvc trag, insbesondere Paragraph 550 BGB., bild!! aber eine solche Schranke. Selbstverständlich «kö nen im Mietvertrag Vereinbarungen über d Flaggenrecht des Mieters getroffen werden.
* vom Heidekraut. Der letzte lebende Schmi der immer so farbenprächtigen Natur macht sich je geltend: Die Heide blüht. Ein unvergleichlich her liches Bild, das um so schöner wirkt, als es seit die ödesten Strecken, die sandigsten Kiefernwald und dürren Feldkuppen mit seinem roten Schein t deckt und gerade durch die Eintönigkeit des rot Teppichs dem Auge etwas Ungewohntes biet Schlicht und prunklos steht das letzte Kindlein ur serer Waldflora da, und doch alles so poetisch ne klärend. Unser gewöhnliches Heidekraut, CLUun gehört zur Familie der Ericaceen; es ist nicht eiger lich ein Kraut, sondern ein Strauch, der zwar der Regel sehr niedrig bleibt, aber unter ihm b sonders günstigen Standortsherhältnissen eine Hä bis zu eineinhalb Meter erreichen kann. Sehr oi großblumiger ist die Sumpf- oder Glockenheide, d man zu herrlichen Zimmerpflanzen verschiedenst«« Formen und Farben zu veredeln gewußt hat ur allgemein mit Erika bezeichnet. Das Heidekraut i eine der verbreitetsten Pflanzen in der Welt, ma findet es in fast ganz Europa, Nordasien, Nori amerika, auf den Azoren usw. Durch seinen dichte Wurzelfilz, seine eng neben- und durcheinande wachsenden Stämmchen und seine große Verbre tung über weit ausgebreitete Landstrecksn vertreib es hier fast alle Pflanzen, ja, eg schadet auch x» Forstkulturen, weil es ausschließlich Dau und Rege absorbiert, so daß die Feuchtigkeit oft nicht genügen in den Boden gelangen kann. Andererseits nützt e aber auch dem Waldboden durch seine Zersetzunge Produkte und Abfälle, liefert dem Wild während de Winters gute Aesung, findet Verwendung al? ©tret und vor allem dient es den Bienen als trefflich Nahrung. In allen Heidegegenden wird daher di Bienenzucht mit Eifer betrieben.
* Freiwillige SaniMtsfolonne vom Koten streu Telephonanruf Nr. 2020. — Arbeiter-Samariter Kolonne Telephonanruf Nr. 4030.
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ein Protestantenreich von Nord zu Süd! — Ick diene Schweden und Èem Reich und unserer reiner Religion sogleich." — Und so sehen wir Gusta«r Adolf als den reinsten Glaubensstreiter der evan- gelischen Sache Abschied nehmen von den Seinen. Im Vertrauen auf den Herrn über alle Dinge zieht er wider Wallenstein mit dem Schlachtruf an sein Heer:
„Verzage nicht, du Häuflein klein! — — Finstere Nacht umgibt im letzten Bild des 5. Aktes das Schloß zu Weißenfels, es ist die Nacht vom 6. zum 7. November 1632. In die Nacht hinausstarrend, sehen wir die Königin Maria Eleonore am Fenster, jede Sekunde auf Nachricht vom Gange den Schlacht bei Lützen harrend. Jene Schlacht, die Wallenstein auf sächsischem Boden vernichtend treffen sollte. Wohl kommen Boten mit Berichten, darunter jene prachtvolle Schlachterzählung des Oberst Dalwigk, — allein die Siegesbotschaft bleibt' aus. Da naht dem schwedischen Königshause dar Verhängnis. In der Frühe des kommenden Tages legt man König Gustav Adolfs Leiche zu Füßen der Königin nieder. Im wüsten Schlachtgetümmel, im Nebel des Morgens war Gustav Adolf in die Hände des Feindes gefallen — von Kugeln durchbohrt,, war er auf dem blutgetränkten Schlachtfelde zufam- mengebroche«n, seine edle, große Tat mit seinem Tode besiegelnd.
Die Morgensonne umspielt die Gruppe der Seinen, die an seiner Bahre trauern.
„Ei Sonnenlicht! Nun steigst du auf. Belebtest ihm die toten Wangen.
Und hemmtest gestern deinen Lauf, Da du ihn sahst nach dir verlangen!" — — „Verzage nicht, du Häuflein klein!"
ist der Mahnruf, den der Hofprediger Fabricius der trauernden Gefolgschaft Gustav Adolfs an jenem Morgen zuruft.
„Verzage nicht, du Häuflein klein!"
Das ist der Ruf, der sich in den weiteren Kämpfen der schwedischen Truppen auf deutschem Boden bewähren sollte. Gustav Adolf hatte seine hohe Mist fton erfüllt. Im Alter von 36 Jahren endete sein Leben, das er in vorbildlichster Weise der evangelischen Sache geopfert hatte.--
Spannend und packend läßt der Dichter Otto Devrient die letzten zwei Lebensjahre des großen Königs an uns vorüberziehen, uns Menschen der heutigen Zeit damit zugleich ein Beispiel makelloser Treue, reinster Pflichterfüllung zeigend.
Poetsch.
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