Anzeiger für.
»Kan au Stadt
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat 95 R-Pfg., für den ganzen Monat NM. 1.90 ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10 R-Pfg., Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Pfg.» im Neklameteil von 68 mm Breite 25 N-Pfg. ✓ Offertengebühr 50 R-Psg.
>
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplatzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammerstr.9 / Fernspr. 3956,3952,3958
Kv. 184
Montag, den
8. Slusust
1932
Ommer wieder: Sicherheit
Eittweihuus des GeßaUetten-Deukmals trott Douaumont - Bretonische SlutonomMen sprengen das Denkmal der Dereinisnns mit Frankreich
fewt^w HwysLUoüi-
* Der Reichskanzler trifft heute wieder in Berlin ein. e
* Schwedens Ministerpräsident mußte zurück- treten, weil er eine Kreuger-Spende von 50 000 Kronen verschwiegen hatte.
* Bei der Einweihung des Gefallenendenkmals bei Douaumont sprachen Präsident Lebrun und
! Paul-Boncour. *
* Die belgischen Bergarbeiter haben den Generalstreik beschlossen.
* Der Präsident des Preußischen Landtages, Kerrl, hat sämtlichen Fraktionen des Landtages mitgeteilt, daß die für den 16. und 17. August in Aussicht genommenen Landtagssitzungen nicht statt-
finden.
♦
Zwischen Toulon und Hy eres stießen ein mit Touristen voll besetztes Ausflugsauto und ein Autobus zusammen. Hierbei wurden 13 Personen
verletzt.
*
Siir z ökumenisches Krisgsfluggeug wurde, wie aus dem paraguayanischen Hauptquartier gemeldet wird, von der Garnison des Forts Aquino ab« geschossen. Pilot und Beobachter wurden gefangengenommen. Die Maschine ging in Trümmer.
*
Havas berichtet aus La Paz, daß die gestern begonnene neue Session des Parlaments vom Präsidenten der Republik feierlich eröffnet wurde, der in einer programmatischen Rede die Stellung des Landes gegenüber Paraguay dargelegt und dabei gegen die neutralen Staaten protestiert habe, von denen er sagte, sie suchten durch imperative Unterstellungen die Truppenbewegungen zum Stillstand zu bringen. *
Die englische Fliegerin Frau Bruce, die einen neuen Dauerflugrekord aufstellen wollte, hat bereits am Samstag wieder landen müssen.
Auf der Wolfgang-Grube in Ruda bei Katto- witz ereignete sich ein schwerer Unfall. In einem Stollengang der 380 Meter-Sohle stürzte plötzlich eine Kohlendecke ein und begrub drei Arbeiter unter sich. Einer konnte nur noch als Leiche geborgen werden, während die beiden anderen Bergleute in schwerverletztem Zustande dem Knappschaftslazarett zugeführt wurden. *
Nach einer Meldung aus Schanghai kannte die Cholera-Epidemie bisher noch nicht gebannt werden. Im Laufe von zwei Monaten sind der Cholera • annähernd 10 000 Menschen zum Opfer gefallen. Besonders stark wütet die Cholera in Kanton und anderen Städten Südchinas.
e
Die ersten Schiffsladungen deutscher Kohle nach Inkrafttreten der neuen irischen Kampfzölle gegen England trafen gestern in Dublin ein. Es handelt sich um eine Gesamtmenge von 2750 To., deren Preis nicht höher ist als der der britischen Kohle.
♦
Die niederländische Regierung hat den Regierungen Englands und Frankreichs die Mitteilung zugehen lassen, daß sie in der Auffassung, daß der französisch-englische Konsultativpakt eine Wieoer- gesundung Europas und der Welt fördere, beschlossen habe, diesem Abkommen beizutreten.
V
Samstag wurde die modernste Autostraße Europas der Osffentlichkeit übergeben. Die vierspurige plankreuzungsfreie, nur dem Kraftwagenverkehr dienende Straße von Köln nach der 20 Kilometer entfernten Universitätsstadt Bonn ist mit einem Kostenaufwand von 8,6 Millionen erstellt worden.
Der chinesische Präsident des Exokutw-Puan, Wang-Tsching-Wei, dessen Stellung ungefähr derjenigen des Ministerpräsidenten in anderen Ländern entspricht, ist zurückgetreten. Der Rücktritt erfolgte aus Unzufriedenheit über die „passive Politik" der Militärbefehlshaber des Nordens in der Frage der Mandschurei.
In Arequipa (Peru) wurden verschiedene heftige Erdstöße verspürt. Die Bevölkerung verließ fluchtartig die Stadt und eilte aufs flache Land hinaus.
*1 Näheres siehe politischen Teil.
KvanzSMAe Seiedenseeden
p a r i s, 7. Aug. Der Präsident der Republik hat heute nachmittag das in seinem Ausmaß gewaltige Gefallenendenkmal von Douaumont bei Verdun eingeweiht. Er war begleitet von Kriegsminister Paul-Boncour, Pensionsminister Berthold, sowie von anderen Mitgliedern der Regierung und auch von einigen Mitgliedern des Diplomatischen Korps. Nachdem diese in Verdun unter starker Anteilnahme der Bevölkerung im Bürgermeisteramt eine Art Vorfeier abgehalten halten, begab sich der Zug nach dem sogenannten „B e i n - Haus" von Douaumont, wo Truppenabteilungen und Abordnungen der Aront- kämpferorganisationen Ausstellung genommen hatten.
Nachdem Marschall pelain, Kriegsminister Paul- Boncour und zum Schluß der Präsident der Republik Ansprachen gehalten hatten, schloß die Feier mit dem Vorbeimarsch der Truppen der Garnison von Verdun und der ehemaligen Frontkämpfer. Marschall- P è t a i n sagte in seiner Ansprache u. a.: Solange Gerechtigkeit nicht triumphiert, und solange ein unbestrittenes Schiedsgerichtsverfahren unsere Rechte nicht beachtet Hal, sind wir verpflichtet, über unsere Sicherheit zu wachen.
Der Präsident der Republik Lebrun begrüßte, daß Zeugen des menschlichen Wahnsinns bestehen geblieben seien, weil sie die Völker vor dem Vergessen schützten, sie zum Nachdenken an regten und vor jenen Katastrophen zurückschrecken ließen, die nur Trümmer, Elend und Leiden zurückliehen. Gewiß Hal, erklärte der Präsident, das republikanische Frankreich derartige Lehren nicht nötig. Die Opfer, die es feit dem Kriegsende dem guten Einvernehmen zwischen den Völkern und dem wirtschaftlichen Wiederaufbau der Welt gebracht hat, bezeugen das am besten.
Frankreich will den Frieden und wird an seinem Ziel festhalten, aber man darf nicht von ihm verlangen, die Sorge um seine Sicherheit aufzugeben, solange der Friedensgeist nicht allenthalben herrscht und solange die Welt nicht die Grundlage für eine allgemeine Sicherheit geschaffen hat, in der alle Nationen, kleine und große, einen sicheren Zufluchtsort finden.
Kriegsminister Paul-B oncour, der Marschall Pelain als Redner folgte, knüpfte an dessen Gedankengänge an. Er wies auf das Bestehen des Völkerbundes und des Internationalen Gerichtshofes im Haag, auf das obligatorische Schiedsgerichtsverfahren und den Briand-Kellogg-Pakt und endlich auf Herriots Bemühungen in Lausanne und Genf hin, die, wie er erklärte, zu jener gemeinsamen Front mit England und den Vereinigten Staaten geführt hatten. Das alles müsse diejenigen, die den Frieden zu stören versuchen, nachdenklich stimmen und könnte sie entmutigen. Er könne sich nicht in den Gedanken finden, daß diese gemeinsame Front sich eines Tages nicht erweitere und daß der Friede das zunichte machen könne, was in der Waffenbrüderschaft bewiesen wurde.
Dvnamit-AusMas in dev Nveiagme
Demonstration gegen Herriot
Paris, 7. Aug. In der allen bretonischen Stadl Vannes fand gestern die Feier der 400jähr. Wiederkehr der Vereinigung der Bretagne mit Frankreich statt, wobei Ministerpräsident Herriot die Festrede übernommen hatte. Die Gedenkfeier erhielt einen ganz besonderen Beigeschmack durch die Zer
Die Wette des Terrors
Ein neuer Movd in SkivveuSe«
Königsberg, 7. Aug. Der Lötzener Reichsbannerführer Kotzan ist gestern abend um 22.30 Uhr vor dem Lokal des Landarbeiterverbandes in Löhen erschossen worden. Ueber die Bluttat erfahren wir folgende Einzelheiten:
Kotzan befand sich mit mehreren anderen Mitgliedern des Reichsbanners auf dem Büro des Landarbeilerverbandes. Die Leute hatten auf dem Wege zur Stadt Auseinandersetzungen mit mehreren SA.-Leuten, die sehr bald in Tätlichkeiten auszuarten drohten. Ein Anhänger des Reichsbanners eilte daher zum Verbandshaus zurück, um die Poli, zei zu benachrichtigen. Ihm wurde ein Schuß nachgesandt, der jedoch sein Ziel verfehlte. Unmittelbar darauf fiel ein zweiter Schuß, der Kotzan traf. Kotzan war auf der Stelle tot. Die Polizei hat zahlreiche Personen festgenommen und ist im Augenblick noch mit der Vernehmung der Verhaftelen und der Zeugen beschäftigt.
störung des im Jahre 1911 in Vannes enthüllten, von dem pariser Bildhauer Bocher stammenden französisch-bretonischen Denkmals, das Karl VIII. von Frankreich darslelll, wie er die Huldigung der Herzogin Anna von dec Bretagne, seiner späteren Gemahlin, entgegennimmk.
Am Sonntag früh kurz vor 5 Uhr stürzte das Monument unter den Folgen eines von langer Hand vorbereiteten Dynamitanschlages zusammen. Zwei Detonationen hatten eine so ungeheure Wirkung, daß die Fenster des Rathauses, des Stadttheaters, der Hauptpolizei und der anderen umliegenden Häuser zersplitterten, die Vorhänge von der. Stangen gerissen und zerfetzt wurden. Die Glasschränke in den Zimmern wurden teilweise zerstört. Durch die Wucht der Explosion wurden schwere Steine, die den Sockel des Denkmals bildeten, meterweit fortgeschleudert. Das in einer Nische des Rathauses errichtete Denkmal glich nach den beiden Detonation nen einem Trümmerhaufen. Wie durch ein Wunder ist kein Mensch verletzt worden; es ist aber ebenso wunderbar, daß die Denkmalszerstörer am Fuße des Denkmals eine tiefe Grube zur Unterbringung des Sprengstoffes vorbereiten konnten, ohne von den in unmittelbarer Nähe untergebrachten Polizisten in ihrer Arbeit gestört zu werden. Die polizeilichen Nachforschungen haben bisher kein Resultat ergeben. Zwei Verhaftete wurden wieder freigelassen.
Es besteht kein Zweifel darüber, daß die Gedenkfeier in Vannes unter dem Protest der bretonischen Autonomi stenbewegung veranstaltet wurde. In der Zerstörung des Denkmals fand dieser Protest seinen Ausdruck. Nach dem Kriege hatte sich unter dem Einfluß vlämischer Elemente in der Bretagne eine Abwehrfront gegen die rücksichtslosen zentralistischen Maßnahmen entwickelt. Eine autonomistische Bewegung entstand, ähnlich der elsässischen und der vlämischen. Ins französische Parlament wurde ein bretonischer Auto- homift gewählt, b^r nicht nur in der bretonischen Tracht erschien, sondern auch bretonisch sprach. Auf den Genfer Minderheitenkongressen erschienen Vertreter dieser Bewegung. Zu gewaltsamen Kundgebungen war es aber bisher nicht gekommen.
Herriot hat übrigens seine vorgesehene Gedenkrede trotz der Denkmalszerstörung gehalten. Er sprach zu Beginn seiner die französischen Könige feiernden Rede auch von der S i ch e r h e i t s - frage und von der absoluten Friedfertigkeit Frankreichs. Das Wort des Reichswehrministers von Schleicher über die französische Heuchelei in der Abrüstungspolitik wies Herriot „mit Äer- achtung" zurück. In feiner Wachsamkeit werde Frankreich sich durch keinen wie itptner gearteten Zufall stören lassen.
Gieine und Sandsvanate« sesen Zettnnsen
Berlin, 7. Aug. In der Nacht zu heute wurden hier die Fensterscheiben von Zeitungsfilialen zertrümmert. Anscheinend handelt es sich dabei um eine neuartige Kundgebung gegen die politische Richtung dieser Zeitungen. In Weißensee und Moabit, wo sich Zweigstellen eines deutschnationalen Zeitungsverlags befinden, wurden von unbekannt gebliebenen Tätern die Fensterscheiben mit Steinen eingeworfen. Dasselbe geschah in Köpenick mit Fensterscheiben der Filiale eines demokratischen Verlags, wobei von einer zufällig vorbeikommenden Polizeistreife drei Angehörige der NSDAP, festgenommen wurden, die der Tat verdächtig erscheinen.
Rakibor, 7. Aug. Auf die Hauptgeschäftsstelle des hiesigen Zentrumsb alles ist heute nacht eine Eierhandgranate geschleudert worden, die
die
Schaufensterscheibe der Geschäftsstelle völlig zertrümmerte. Sonstiger Sachschaden ist nicht ent-
(Fortsetzung auf Seite 2)
Dev neue „Zwischenfall*
Genf, August 1932. Die Abrüstungskonferenz ist vorüber, — vom japanisch-chinesischen Konflikt wird nicht mehr viel gesprochen, obwohl die Mandschurei nach wie vor der chinesischen Souveränität entzogen und von japanischen Truppen besetzt ist, — es herrschte, wie man zu sagen pflegt, sommerliche Ruhe in Genf. Da meldet sich ganz programmwidrig ein neuer Konflikt und damit eine neue Sorge für den Völkerbund. Bolivien und Paraguay wiederholen fast in allen Einzelheiten jenen „Zwischenfall" von 1928, der damals, vor vier Jahren, der Ratstagung von Lugano und ihrem Präsidenten Aristide Briand eine will-, kommene Gelegenheit zur „Friedensvermittlung" bot. Mißmutig stellt man in Genf fest, daß die „Konflikte" nicht mehr, wie das noch im Jahre 1928 der Fall war, die Termine der Ratstagungen abpaffen, sondern gänzlich „außerhalb" der Tagungszeit losbrechen: Die japanische Besetzung Schanghais hat zu Anfang dieses Jahres einen höchst peinlichen Zeitverlust für die Abrüstungskonferenz verursacht, und der Kampf um den „Großen Chaco" fällt sogar in die Völkerbundsserien. Die mek sten Beamten und Delegierten verleben ihren Urlaub außerhalb Genfs, und das erste Schreiben des amtierenden Ratspräsidenten, des Guatemalers Matos, ist aus dem friedlichen französischen Kurörtchen Vicha datiert, während sein vor wenigen Tagen an die Vertreter der beiden „streitenden Parteien" gerichtetes Telegramm schon aus Genf stammt . . .
Die Geschichte scheint sich zu wiederholen. Auch 1928 gab es Grenzscharmützel zwischen den beiden südamerikanischen Mächten, während eine Sachverständigenkommission noch die Regelung des uralten Streitfalles — des Besitzproblems im „Gran Chaco", der sich in paraguayischer Hand befindet und von Boli
oien für sich beansprucht wird
versuchte;
diesmal sind die Flinten wieder einmal losgegangen, während die Regierungen von Paraguay und Bolivien über den Abschluß eines Nichtangriffspaktes! verhandelten. Es steht fest, daß es Kämpfe, Verwundete und Tote gegeben hat, ja, daß sogar unschuldige Zivilisten von Fliegerbomben getroffen worden sind, obwohl die beinahe-einzig bindende Abmachung der auch von jenen beiden Staaten angenommenen Schlußresolution der Genfer Abrüstungskonferenz das Verbot des Bombenabwurfes über der Zivilbevölkerung vorsieht. — Der Krieg ist also zwar noch nicht erklärt, aber es sind auf beiden Seiten schon Kriegs- Handlungen vorgekommen. Dennoch wird der Völkerbund diesmal noch weniger „aktiv" eingreifen, als er das im Jahre 1928 getan hat; denn es handelt sich bei den streitenden Ländern um zwei südamerikanische Staaten, und Südamerika ist nicht nur weit, sondern wird in Genf auch peinlich als politisches „Interessengebiet" der Vereinigten ©thaten — diplomatisch ausgedrückt: der panamerikanischen Konferenz geachtet. Vor vier Jahren richtete Aristide Briand zwar sehr dringlich gehaltene „Ermahnungen" an beide Länder, aber er vermied es zugleich recht geschickt, den Völkerbund dabe irgendwie zu engagieren, und schließlich empfahl er den streitenden Staaten, die guten Dienste der zufällig gleichzeitig tagenden panamerikanischen Konferenz anzunehmen. Als damals auch der Krieg vermieden wurde, da die Staaten in der Tat die Vermittlung der panamerikanischen Konferenz annahmen und sich verpflichteten, „auf juristischem Wege eine Lösung des Streites zu suchen", nahm zwar Genf das Verdienst dafür in Anspruch und Aristide Briand erhielt viele Glückwunschtelegramme, — aber der damalige deutsche Außenminister Stresemann erwähnte nicht ohne
Die bsAttse Knmmev umfaßt 10 Gerten