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Nr. 183

Samstag, den 6. August 1932

Sette 5

LandwiEchaftNibeS

Schlechtes Erntewetter.

Wenn es heute aussieht, als sollte der Getreide­ernte in unserem Kreise das gleiche Schicksal wie im Vorjahre widerfahren, dann heißt es trotzdem, die Nerven nicht verlieren. Noch ist das schlimmste nicht eingetreten. Aber man wird alle Vorsichts­maßregeln, die an dieser Stelle bereits geschildert wurden, ergreifen müssen, um eine Katastrophe möglichst zu verhüten. Ergänzend ist nach den augenblicklichen Verhältnissen noch auf folgendes hinzuweisen:

Vielfach hat die Frucht sehr starkes Lager, sie liegt wie gewalzt. Gehen immer wieder heftige Ge­witterregen darauf nieder, so werden die Verhält­nisse für Reifung und Trocknung immer ungün­stiger, zumal Durchwachsen mit Unkraut und Zwie- wuchs überhand nimmt. Hier muß der Landwirt das Bestreben haben das Getreide baldmöglichst ab­zumähen (Senfe oder Grasmäher), dasselbe in kleine, lockere Garden zu binden und aufzustellen. In diesem Falle, wenn mehr oder minder im feuch­ten Zustande gemäht wurde, ist natürlich die gute Durchlüftung besonders der Aehren ausschlaggebend für die Rettung der Körnerernte. Es ist also uner­läßlich, die Garben in der beschriebenen Weise zu binden. Wo es noch möglich ist, den Bindemäher zu verwenden, stelle man so ein, daß er nur locker bindet. Beim Aufstellen darf man keine großen Puppen oder Haufen stellen. Am besten wirkt das bereits beschriebene Spannen eines Drahtes, gegen den die Garben abwechselnd von links und rechts gelehnt werden. Die Mehrarbeit wird sich lohnen.

I Landkreis Kaua«

x Ostheim, 5. Aug. Bei dem am Sonntag über schweres Gebirge führenden StraßenrennenRund um Cransberg" über 80 Klm. siegte von 19 ge­starteten Fahrern der A-Klasse der 17jährige Lehr­ling Jakob Zinndorf von hier an 4. Stelle. Der jugendliche Fahrer berechtigt zu den besten Hoff­nungen. Sein Sieg ist umso höher zu werten, als er hier in Konkurrenz mit nur älteren und erfah­renen Rennfahrern stand.

u. Niederrodenbach, 5. Aug. Gemeindever­tretersitzung. Nach längerer Pause fand am Mittwoch eine Sitzung der Gemeindevertretung statt, die sich u. a. mit der Festsetzung des Ge­meindevoranschlages für 1932 und der Deckung des Haushaltsfehlbetrages für 1932 zu befassen hatte. Bei Beratung dieser Punkte hob der Herr Bürger­meister hervor, daß die sehr späte Beratung auf die unsichere und ungünstige Finanz- und Wirt­schaftslage der Gemeinde zurückzuführen sei, auch die heutige Festsetzung jedenfalls nur unvollkom­menes Stückwerk bleibe. Die Finanzlage der Ge­meinde sei trübe wie nie zuvor; an unbezahlten dringlichen Rechnungen vom alten Jahre her seien noch über 4000 Mark abzudecken. Bei Durch­beratung der einzelnen Titel wurde angeregt, zur Entlastung der Gemeinde die Gehälter der Ge­meindebeamten und Angestellten weiter zu senken. Dies-m von der kommunistischen Fraktion vertre­tenen Standpunkt wurde" von allen übrigen Ver­tretern nicht zugestimmt, Beim Titel Schule wurde bemängelt, daß Eltern bestraft wurden, weil sie ihre Kinder nicht zur Schule geschickt hatten und beantragt, die verhängten Strafen zu erlassen. Hierüber soll der Gemeindevorstand demnächst ent­scheiden. Für Lehr- und Lernmittel waren 150 Mk. eingesetzt. Es wurde beantragt, diesen Betrag auf 350 Mk. zu erhöhen, da heute die Eltern Lehr­bücher für ihre Kinder nicht beschaffen körnen. Mit 7 gegen 5 Stimmen fand dieser Antrag An­nahme. Beim Titel Haltung des Zuchtviehes wird längere Zeit verweilt. Die Gebühren, welche bisher für je einen Bullen 600 Mk. betrugen, sind inzwischen um 15 Prozent gesenkt worden. Ob Line weitere Senkung für die Zuchtviehhalter trag­bar ist, soll in einer internen Besprechung des Vor­standes mit den Interessenten geklärt werden. Zum Kapitel Wohlfahrtslasten hob der Herr Bür­germeister hervor, daß diese für die Gemeinde nicht mehr tragbar seien, wenn nicht schnellstens ta-at-liche Hilfe einsetze. Beim Kapitel Steuern ei es unumgänglich nötig, die heute zur Beratung tehende Erhöhung der Bllrgersteuer auf 300 Pro­zent zu beschließen, da hiervon die erwartete staat­liche Hilfe abhängig sei. Hierzu erklären die Ver­treter der bürgerlichen, der SPD. und der Wirt­schaftspartei, im Interesse der Gemeinde und der Wohlfahrtserwerbslosen diese neue Belastung be­schließen zu wollen, wenn sämtliche Vertreter hier­für stimmen würden. Da jedoch die Mitglieder der kommunistischen Fraktion die Erhöhung der Bür­gersteuer ablehnen, stimmen auch sämtliche übri- 1 gen Vertreter dagegen. Die bisherigen Sätze der Gemeindesteuern bleiben somit mit 300 Prozent vom bebauten, 260 Prozent vom unbebauten Grundbesitz, 350 Prozent Gewerbesteuer vom Er­trag, 400 Prozent vom Kapital und 100 Prozent Bürgersteuer bestehen und der von der Behörde beschlossenen Senkung der Biersteuer wird mit 8 gegen 4 Stimmen zugestimmt. Alsdann wird der Voranschlag mit 8 gegen die 4 Stimmen der Ver­treter der KPD. im Betrage von 151148 Mk. in Einnahme und 188 746 Mk. in Ausgabe angenom­men und geht die Gemeinde mit einem Fehlbeträge von 37 598 Mk. ins neue Geschäftsjahr hinein. Es wurde dann weiterhin einstimmig beschlossen, bei der Behörde die Verwendung des 2000 Mark betragenden Grundstücksfonds in dieser Notzeit für die Gemeinde flüssig zu machen und diese Summe bei besseren Verhältnissen wieder für den ursprüng­lichen Zweck anzulegen.

Niederissigheim, 6 Aug. Sommerfest. Mor­gen nachmittag ab 3 Uhr hält der Gesangverein Sängerlust sein diesjähriges Sommerfest in seinem Vereinslokal bei Gesang und Tanz ab.

SvekS Nüdinsen

Bekanntmachung

Der Voranschlag der Gemeinde Hain-Gründau für das Rj. 1932 liegt von heute an eine Woche lang auf hiesiger Bürgermeisterei offen. Es wird eine Umlage erhoben, wozu die Ausmärker bei­zutragen haben.

Hain-Gründau, dei 5. August 1932.

Hess. Bürgermeisterei Hain-Gründau. Kalkhof.

M um den Hanauer Haken

Im Zeitalter der Rekorde wollte ungeachtet der großen wirtschaftlichen Depression auch unser Hafen nicht zurückstehen, der im vergangenen Monat Juli mit rund 45 300 Tonnen Umschlag die höchste monatliche Umschlagsziffer seit Bestehen erreichte. Durchschnittlich 89 Schiffe legen täglich im Hafen an und bringen Arbeit in Hülle und Fülle. An guten Verkehrstagen klettert ihre Zahl auf ein Dutzend und darüber. Bis zu 20 Schiffen zählte man schon, welche Zahl im Reigen der Mainhäfen von Bamberg bis Kelsterbach an allererster Stelle stehen dürfte. Aus- und Einladen ist dann Trumpf und einen unermüdlichen Kampf mit den schier uner­sättlichen Schiffsrumpfen gilt es an solchen Tagen des Hochbetriebes zu führen.

Unermüdlich sind die fünf vorhandenen Krähne in Tätigkeit. Berge von Kohlen häufen sich im Hafengelände, mächtige Baumstämme schweben in den Lüften, unablässig gleiten geschälte Papier­holzstämme und Kalisäcke auf den Rutschen in die Schiffsleiber, rattern die Kohlensiebanlagen und knirschen die Schaufeln der automatischen Verlade­anlage im ewig gleichen Rhythmus der Arbeit. Im Hintergrund harren die beiden großen Lagerhäuser Presser undRhenus" der kostbaren Güter, die dann von hier aus ihre weitere Steife zu den Ver­brauchern antreten.

Nicht uninteressant sind die Aus- und Einfuhr­zahlen eines Monats, die den Betrieb im Hafen

SluS Krankkurt a. M

Großer Tag auf dem Frankfurter Flughafen

: Am Sonntag, 14. August wird der Frankfur­ter Flughafen wieder einmal einen großen Tag erleben. Der Frankfurter Automobil-Club ver­anstaltet an diesem Tage unter Mitwirkung der FrankfurterFlughafen-Gesellschaft, des Frankfurter Motorrad-Clubs, des Frankfurter Vereins für Luftfahrt und der Rhön-Rositten-Gesellschaft Auto-, Motorrad- und Flugzeugrennen, ferner Bergleichs­rennen zwischen Auto und Flugzeug, Motorrad und Flugzeug und zwischen Auto und Motorrad. Der heutige erste Nennungsschluß hatte ein vorzügliches Ergebnis. Von bekannten Automobilisten nannten Prinz Leiningen-Amorbach, Merck-Darmstadt, Steinweg-München und Stuck von Villiez usw. Für die Motorradrennen sind weit über 30 Nen­nungen abgegeben worden. Von bekannten Grö­ßen seien Klein-Frankfurt, Lohner-Nürnberg, Schön-Frankfurt, Schul-Frankfurt und Müller- Nürnberg genannt. Mit einer ganzen Reihe wei­terer bekannter Fahrer schweben noch Verhandlun­gen. Für die Auto- und Motorradrennen ist eine 1600 Meter lange Bahn auf dem Flughafengelände geschaffen worden, die drei Geraden aufweist, die durch Kurven, die nicht überhöht sind, verbunden sind. Das Publikum kann mit einer wirklich inter­essanten Veranstaltung rechnen und den 14. August 1932 als das Sportereignis Frankfurts ansehen, zumal auch noch Segelflug-Vorsührungen zu sehen sein werden. Für die Unterbringung vieler Tau­sender auf dem Flughafen ist bestens gesorgt. Tri­bünen werden errichtet, und die Eintrittspreise sind so niedrig gehalten, daß sie trotz der wirtschaftlichen Krise aufgebracht werden können.

Der HerrGraf" ist ein Betrüget

: Der ehemalige Fürsorgezögling Weber stellte an das Leben höhere Ansprüche, war aber in der Auswahl seiner Eltern nicht vorsichtig genug ge­wesen. Er legte sich deshalb den Titel eines Gra­fen Hohenberg zu und ging dann auf Betrügereien aus. Namentlich suchte er unter der holden Weib­lichkeit seine Opfer, auf die der stolze Grafentitel eine besonders große Anziehungskraft ausübte. Einer Frau lockte er Dollars im Werte von 300 RM und außerdem 800 RM in deutschem Gelde ab, einer anderen 400 RM usw. Aber auch das starke Geschlecht ging auf den Leim des Pseudogra­fen. So war ein Mann dumm genug, dem Betrü­ger 180 RM zur angeblichen Gründung einer Zeit­schrift anzuvertrauen, die aber nie das Licht der Welt erblickte. Die Polizei hat den sauberen Bur­schen jetzt festgenommen, der sich demnächst vor dem Richter zu verantworten hat.

Der Schlußakt einer Tragödie

. Vor der Großen Strafkammer wurde noch­mals der Fall Plambeck zur Sprache gebracht, der seinerzeit erhebliches Aufsehen erregte, da der Op­tiker Plambeck aus Altona nach seiner Verurteilung vom Kleinen Schöffengericht Selbstmord durch Er­hängen in der Zelle des Untersuchungsgefängnisses begangen hatte. Plambeck und seine Frau waren des Devisenvergehens beschuldigt. Die Eheleute hatten eine Reise nach Basel unternommen. Dort kauften sie für 19 000 RM J. G. Farbenaktien, die

am besten veranschaulichen. So betrug die haupt­sächliche Einfuhr im Monat Juli 1932 in runden Zahlen: 9000 To. Kohlen, 500 To. Okumöeholz zur Sperrholzverarbeitung, 300 To. Mehl, 300 To. Lebensmittel (Zucker, Oel, Rosinen usw.), 300 To. Futtermittel, 600 To. Rohgummi, 300 To. Wasch­mittel (durchweg Henkel-Fabrikate), 200 To. Chemi­kalien, 150 To. Tabak und 170 To. Stückgut. Die Ausfuhr, für die in der Hauptsache Kali, Basalt- säulen, Basaltfplttt, Quarzit, Papier-, Gruben- und Floßholz in Frage kommen, bezifferte sich im gleichen Monat auf ca. 10 000 To. Basalt, 15 000 Tonnen Kali, 600 To. Bittersalz, 160 To. verarbei­tetes Eisen, 4300 To. Papierholz, 1200 To. Floß­holz und 400 To. Grubenholz. Spessart, Vogels­berg und Rhön mit ihren reichen Waldungen sind die Hauptausfuhrlieferanten.

Ein Eildampfer versieht den direkten Eilgut­dienst mit Amsterdam, wie überhaupt die hollän­dische Flagge fast täglich im Hafen anzutreffen ist. Daneben wehen gelegentlich auch die belgischen, französischen und schweizer Farben. Auch Motor­schiffe, die in ständig steigendem Maße den Ver­kehr von den Küsten bis zur Donau vermitteln, sind sehr oft Gäste im Hafen, der seine Rolle als Stief­kind der Hanauer längst ausgespielt haben müßte und längst mit in erster Linie sämtlicher Main­häfen marschiert.

sie mit Gewinn in Frankfurt veräußern wollten, wobei man sie anhielt. Das Gericht verurteilte die Gatten zu je drei Monaten Gefängnis und je 12 000 RM Geldstrafe unter Beschlagnahme der Aktien im Nominalwert von 29 000 RM. Gegen den Ehemann wurde Haftbefehl erlassen, die Frau wurde aus der Haft entlassen. Nach dem Tode des Gatten legte die Frau Berufung ein. In der Ver­handlung vor der Strafkammer trug der Altoner Anwalt der vom Erscheinen entbundenen Ehefrau den Sachverhalt nochmals ausführlich vor, wobei er betonte, daß der Fall nach Menschlichkeit schreie. Die Angeklagte habe von den Vorbereitungen der ganzen Kache keine Anhnung gehabt und nach den Angaben des Mannes gehandelt. Der Anwalt beantragte ein milderes Urteil. Der Staatsanwalt forderte Verwerfung der Berufung, es müsse eine exemplarische Bestrafung eintreten, weil diejenigen, die sich gegen das Devisengesetz vergingen, so schwer zu fassen seien. Das Gericht ermäßigte die Freiheitsstrafe auf 6 Wochen Ge­fängnis, beließ es im übrigen aber bei der Geld­strafe.

Aus Nab und Seen

Blutter mit ihrem Kind vom Motorrad überfahren.

Kassel, 5. Aug. Gestern abend ereignete sich in der Leipziger Straße ein schwerer Werkohrsunfall. Eine Mutter, die mit ihrem Kinde den Fahrdamm überschreiten wollte, wurde von einem Motorrad­fahrer aus Großalmerode erfaßt und zu Boden ge­worfen. Die Frau trug eine schwere Gehirnerschüt­terung und einen komplizierten Bruch der Schädel­decke davon, während das Kind mehrere Armbrüche erlitt. Die beiden Verletzten wurden einem hiesigen Krankenhaus zugeführt. Die Schuldfrâge muß noch geklärt werden.

Nächtliche Schießerei in Darmstadt. Wem galten die Schüsse . .?

Darmstadt, 5. Aug. Am Freitag morgen gegen 4 Uhr fielen in der Nähe der Rhein- und Neckar­straße zahlreiche Schüsse. Das sofort alarmierte Uebeyfallkommando begann mit den Recherchen, die jedoch bisher noch zu keinem Ergebnis führten. Eine halbe Stunde später wurde auf einen in der Nähe fein Haustor öffnenden Passanten aus einem grauen Auto, das vom Bahnhof kam, zwei Schüsse abge­feuert, worauf die Insassen des Wagens schleunigst davonfuhren. Es soll sich um einen mehrsitzigen grauen Qpölwagen mit dem Kennzeichen V S 87? handeln. Das genaue Kennzeichen konnte jedoch nicht festgestellt werden. Die Schüsse wurden auch von einem in der Nähe wohnenden und durch die Detonation alarmierten Polizeibeamten wahrge­nommen.

Blitzschlag in die Kirche.

Birkenfeld, 5. Aug. Ein fürchterliches Un­wetter richtete in Sötern schweren Schaden an. Ein Blitzschlag deckte den Turm der katholischen Kirche -völlig ab und zersplitterte das Gebälk. Die Balken fielen auf den Marktplatz. Dieser kalte Blitzschlag hatte eine ungewöhnliche Zerstörungskraft. In der

Nähe der Kirche schlug der Blitz in eine Wirtschaft. Die Wirtsstube, die mit Gästen besetzt war, füllte sich mit giftigen Gasen, so daß viele der Leute bewußt- los zu Boden stürzten. Verschiedentlich schlug der Blitz in die elektrische Lichtleitung.

Blitz verursacht Schadenfeuer.

Diez, 5. Aug. In Steinsberg (Unterlahnkreis) schlug am Mittwoch nach mittag der Blitz in die Scheune des Landwirs Messet und zündete. Scheune und Stallungen wurden ein Raub der Flammen. Das Vieh konnte gerettet werden. Den vereinten Bemühungen mehrerer Feuerwehren gelang es, das Feuer auf feinen Herd zu beschränken. Ein wei­terer Brand entstand am Mittwoch früh auf un­aufgeklärte Art und Weise in der Scheune des Landwirts Noll in Winden (Unterlahnkreis). Die Scheune brannte völlig aus.

Schwerer Autounfall. Zwei Tote.

Kreuznach, 5. Aug. Das Lieferauto des Viktoria-Stifts in Finkenbach verunglückte heute früh auf der Fahrt nach Kreuznach bei Theodorshall, wo­bei zwei Personen, ein Mann und 1 Frau den Tod fanden. Fünf Personen mußten mit schweren Ver­letzungen in das Diakonissenhaus nach Kreuznach geschafft werden. Zu dem Autounglück bei Dheo- dorshall erfahren wir noch folgende Einzelheiten: -Der Lieferwagen des Viktoria-Stiftes in Finkenbach in der Nordpfalz wollte Marktbesucher aus der Um* gebung, besonders aus Finkenbach und Hallgarten in der Nordtzfalz auf den Markt nach Bad Kreuz­nach bringen. Hinter Münster am Stein, auf Kreuz- nacher Gemarkung, ist der Wagen vermutlich gegen einen Baum gerannt. Dabei wurden, wie bereits -gemeldet, ein Mann und eine Frau auf der Stelle getötet und 5 weitere Personen mehr oder weniger schwer verletzt. Schwer verletzt würben eine Frau Stellwagen aus Hallgarten. Leichtere Verletzungen erlitten eine Frau Klein und eine Frau Jost aus Hallgarten, eine Frau Mecks aus Finkenbach und -ein Junge namens Heinrich Dotzauer aus Kreuznach. Die Verletzten wurden ins Diakonissenhaus in Kreuznach übergeführt. Die Kreuznacher Polizei ist noch an der Unfallstelle mit den Ermittlungen be­schäftigt, wie sich das schwere Unglück ereignet hat und wer eventuell die Schuld trägt.

Eine Windhose im Kreise Kreuznach.

Kreuznach, 5. Aug. Eine heftige Windhose überraschte Erntearbeiter in der Gemarkung oom* merloch. Die Leute warfen sich zur Erde und klam­merten sich an die Dreschmaschine fest, um nicht von der gewaltigen Luftströmung weggeriffen zu wer­den. Die Garbenbündel und die Kleider der Ar­beiter wurden in die Lüfte entführt und zerstreut in weiter Entfernung wiedergefunden. Eine derar­tige Naturerscheinung wurde seit Menschengedenken im Nahetal nicht beobachtet.

Waffenträger vor dem Schnellrichler. SA.-Mann wegen Aufreizung verurteilt.

Pirmasens, 5. Aug. Die Angehörigen der KPD. Ludwig Roß und Emil Gilbrecht wurden heute vom Schnellrichter wegen Vergehens gegen das Schußwaffengesetz bzw. Waffenmißbrauchs Roß zu einem Jahr und Gilbrecht zu 6 Monaten Gefäng­nis verurteilt. Beide wurden sofort verhaftet. Der SA. -Mann Otto Fink erhielt in der gleichen Verhandlung wegen Aufreizung zu Gewalttätig­keiten 6 Monate Gefängnis.

Gsenbabnfahvt in 4500 «leier Höbe

Bolivien, das am Vorabend eines Krieges mit Paraguay steht, ist eines der merkwürdigsten Län­der der Erde, das noch heute von den unmittel­baren Nachkommen der Söhne der Sonne" be­wohnt wird, und dessen ungeheurer Reichtum an Erzen ihm besondere Bedeutung verleiht. Mario Appelius, der das Land besuchte, berichtet imPo­polo d'Jtalia" über seinen Eintritt in das Land, das die kriegerischen Verhältnisse heute in den Vor­dergrund des Weltinteresses rücken. Mollendo, ein kleiner Fleck an der pazifischen Küste Perus, ist der Brückenkopf derSouthern Railway", einer der drei Bahnlinien, die vom Ozean nach Bolivien führen. Die Eisenbahn steigt vom Stillen Ozean zum Titicaca-See auf, der mit feinen 189 Klm. und seinen 3854 Meter über dem Meeeresspiegel einer der höchstgelegenen Binnenseen der Erde ist. Am Ufer des Titicaca erwartet die Reisenden ein Dampfer, um sie in zwölfstündiger Fahrt an das entgegengesetzte Ufer zu bringen, wo sie der boli­vianische Zug von La Paz erwartet.

In 36 Stunden durchläuft man so 506 Meilen und steigt inmitten einer der düstersten Szenerien, die man sich denken kann, zur Höhe von 4500 Me­ter in Cruceros auf. Mollendo ist ein elende» Nest aus armseligen zinkbedeckten Holzhütten. Die Wege sind in Staub gehüllt und in jammervollem Zustande. Grau wie der Ort und die Atmosphäre sind auch die Menschen. Es riecht überall nach Borax, Granit und Steingeröll. Die kleinen Wirts­häuser sind ebensoviele Gefängnisse, in denen man glücklicherweise nur zu 24[tünbiger Haft verurteilt ist; das hängt freilich von dem Stanonsvorsteher der Southern Railway ab, der Herrscher des Ortes ist und gegen Bezahlung von 22 Soles peruani- scher Währung die Begnadigung des Reisenden unterzeichnet. Und doch wohnen auch dort Men­schen, und sie fühlen sich ganz behaglich, denn sie kennen keinen anderen Ort als ihr verstaubtes und verkümmertes Städtchen, das sich am Fuß der bo­livianischen Felsenfestung anklammert. Wenige Kilometer von Mollendo entfernt ist der Zug schon im vollen Aufstieg, und der Reisende befindet sich inmitten eines Panoramas von Felsen und Ab­gründen, das sich erweitert und bis zum großen See immer dramatischere Formen zeigt. Im An­fang der Bergfahrt erscheint da und dort noch irgend ein Kaktus mit seiner großen scharlachroten Blüte, irgendein Rasenbündel oder eine Agave: le- bendige Dinge, die öic Einförmigkeit des Stein­bildes beleben; bald aber verschwindet jede Spur der Vegetation. Alleinherrscher ist der nackte Fel­sen, unterbrochen von Boraxlagern ober von wei­ten Sandflecken, über denen der Sturm feine un* endliche Melodie fingt. Inzwischen klettert der Zug höher und höher. Die Luft wird immer dün­ner und kälter, und das Blau des Himmels nimmt dunklere Töne an. Nicht ein Wölkchen zeigt sich auf dem reinen Blau des Himmels. Und als woll­ten die Felsen Ersatz für das Fehlen der Pflanzen­welt bieten, schimmern die von Erzen gesättigten Steine. in allen Farben des Regenbogens. Man