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WM Stadt und Land
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HC. 122
Gamstas, de«
30. L«»
1632
Der Reichskanzler an Amerika
».Das Streben nach Ordnung und Älntovttüt bildet einen Grundzus des deutschen ShavaAevs" ».Vkv werden dafür sorgen, daS die Ordnung unter keinen Umständen wieder seftdvt wivd"
».Dev Urgrund aller Derrweiflnns liest im Vertrag von Versailles"
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* Der Reichspräsident hat durch Notverordnung ein allgemeines politisches Versammlungs-Verbot vom 31. Juli bis 10. August erlassen.
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Reichskanzler von Papen spricht heute abend von 7.30 bis 8 Uhr für alle deutschen Sender.
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Wie wir aus gut unterrichteter Quelle erfahren, ■ ist damit zu rechnen, daß der Reichskanzler und die Mehrzahl der Kabinettsmitglieder in der kommenden Woche einen kurzen Urlaub antreten werden, um ■ sich während der Zeit, bis zum Zusammentritt des neuen Reichstages nach der angestrengten Arbeit der letzten Wochen eine 'kurze Erholung zu gönnen.
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Der Oberregierungsrat im Reichsernährungs- mimfterium Dr. Helferich ist zum Präsidenten der preußischen Zentralgenossenschaftskasse bestellt worden. Zugleich ist der Direktor bei der Preußischen ; Zentralgenossenschaftskasse Hans Erdmann von Lindeiner-Wildau zum Direktor der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse und ordentlichen Mitglied des Direktoriums bestellt worden.
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L Nach Einleitung der Bergungsarbeiten an der u Uns allste lle der „Niobe" kehren die Arsenaldampfer L^and Taucher setzt nach Kiel zurück. Die Arbeiten ^stzur Hebung der „Niobe" find der Vugsiergesellfchaft I in Hamburg übertragen worden und werden mit , allem Nachdruck durchgeführt. Schon jetzt wird je- 1 doch darauf aufmerksam gemacht, daß bei den schwierigen Stromverhältnissen und der Meerestiefe von 28 Metern, in der das Wrack liegt, die Ber- . gungsarbeiten länger, als ursprünglich angenommen wurde, dauern werden.
Gelegentlich einer Landbundversam mlung in Gotha erklärte der thüringische Staatsminister Baum, der hessische Zentrumsmmister habe ihm ausdrücklich versichert, daß in Hessen die Verhandlungen zwischen Zentrum und NSDAP, bereits abge- ’ schlossen seien und daß sofort nach der Reichstagswahl eine Regierung von Zentrum und Nationalsozialisten gebildet werden würde.
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Wie wir erfahren, hatte der Präsident des Verbandes der Preußischen Landgemeinden, Landrat a. D. Dr. Gericke, gestern mit dem stellvertretenden Reichskommissar für Preußen, Dr. Bracht, eine Unterredung, in der auch über die Frage der Zusammenlegung der Landkreise in Preußen gesprochen und die für vertraulich erklärt wurde. Zu den in diesem Zusammenhang geplanten Maßnahmen erfahren wir aus gut unterrichteter Quelle, „daß es sich nur um eingehend erörterte und geprüfte und in jeder Beziehung wohl abgewogene Maßnahmen handele". *
Das Reichskabinett hat die Einführung einer Margarinesteuer beraten, die die Differenz zu dem - durch die Zollerhöhung erhöhten Butterpreis geringer machen soll.
Die Partei der „Landwirte, Haus- und Grundbesitzer", Sitz Halle a. d. S., hat wegen Nichtzulassung ihres Wahlvorschlages im Wahlkreis 29, Leipzig, und der Verfügung ihres Wahlvorschlages im Wahlkreis 29, Leipzig, und der Verfügung über Anschlußerklärung beim Staatsgerichtshof in Leipzig durch ihren 'Rechtsbeistanü Klage eingereicht und beantragt, die Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932 für ungültig zu erklären.
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Im österreichischen Nationalrat stellte der Abgeordnete Foppa am Schluß einer zweistündigen Rede, in der er das Verhandlungsergebnis des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß in Lausanne einer ■ sehr scharfen Kritik unterzogen hatte, namens der Großdeutschen Partei einen Mißtrauensantrag gegen die Bundesregierung.
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Die englische Regierung hat dem Generalsekretär des Völkerbundes offiziell mitgeteilt, daß der Irak feine Aufnahme an den Völkerbund beantrage. Mit der Aufnahme des Irak in den Völkerbund rou^e „ie britische Mandatsherrschast über dieses Gebiet erlöschen.
Die chinesische Regierung hat beschlossen, . als Vergeltung für die Beschlagnahme der Zolleinkünfte durch den neuen mandschurischen Staat die,aus der Mandschurei stammenden Waren mit Zollbeschlag zu belegen.
* Nurmi darf bei den Olympischen Spielen in Los Angeles nicht starten.
*} Näheres siehe politischen Teil.
GineAundßuntrede v.vapens
Berlin, 30. Juli. Reichskanzler v. Papen hielt heute um 24 Uhr für das internationale Radio-Forum und die Rational Broadcasting Company in Rewyork in englischer Sprache ein Rede. Rach einer Meldung aus Rewyork wurde die Rede dank der sehr klaren Uebertragung ausgezeichnet verstanden. Die Rede wurde auf sämtliche Sender der Vereinigten Staaten von Kanada übernommen. Von allen Selten wird bestätigt, daß der Empfang sehr gut gewesen ist. Die Rede des Reichskanzlers wurde von dem wohl größten un
sichtbaren Auditorium der Welt angehört.
Die Rede des Reichskanzlers lautet in deutscher Uebersetzung:
„Ich bin mir bewußt, daß es für ausländische Beobachter nicht leicht ist. sich durch das Labyrinth der politischen Entwicklung in Deutschland seit dem Ende des Krieges hindurchzufinden. Ich ergreife daher gern die Gelegenheit, in meiner Eigenschaft als verantwortlicher deutscher Staatsmann einige Worte an die amerikanische Oeffenllichkeit zu richten. Ein amerikanischer Schriftsteller Mister Georges R. Shuster hat in seinem kürzlich erschienenen Buch über Deutschland festgestellt, daß das Wesen der deutschen Einheit in der Verschiedenheit besteht. Das mag zutreffen. Andererseits bildet aber das Streben nach Ordnung und Autorität einen Grundzug des deutschen Charakters.
Alle Deutschen stimmen Friedrich des Großen klassischen Ausspruch: Ordnung muß sein! voll und ganz zn. Diese angeborene Ordnungsliebe des Deutschen hat sich in den Ereignissen der letzten Wochen erneut gezeigt, und Ordnung und Sicherheit in unseren innerpolitischen Angelegenheiten sind auch tatsächlich die wichtigsten Erfordernisse der Stunde. Die Außenwelt ist sich anscheinend noch nicht ganz der Tatsache bewußt, daß als Folge der zunehmenden Spannung zwischen den Anhängern der äußersten Rechten und der äußersten Linken über Deutschland die Gefahr eines Bürgerkrieges sch webte. Diese beiden Bewegungen haben nichts miteinander ge' mein. Während die nationalsozialistische Bewegung ausschließlich eine nationale Wiedergeburt anstrebt, richtet sich der Kommunismus gegen die kulturellen Grundlagen unseres nationalen und sozialen Lebens. Der Kommunismus muß als eine revolutionäre Bewegung und eine Gefahr für das Land und die Welt bezeichnet werden. Den Kommunisten ist es gelungen, im ganzen preußischen Staat starke Kampfeinheiten zu bilden. Die Ruhestörungen der letzten Zeit sind, mit sehr wenigen Ausnahmen, auf ihre gesetzwidrige Tätigkeit zurückzuführen. Keine
Vuvgsvieden nach der Wahl
«erbot Alice bfftttilh&eu politisch«, «evtammlnuge« vom 3t Juli bis 16. August
Berlin, 29. 3uli. Der Reichspräsident hat durch eine auf Grund des Art. 48 RV. erlassene Verordnung ein mit dem Wahltage in Kraft tretendes Verbot aller öffentlichen politischen Versammlungen, also auch solcher in geschlossenen Räumen, erlassen, das zu dem in Kraft bleibenden Demonstrationsverbol hinzutritt.
Das Verbot aller öffentlichen politischen Versammlungen ist auf die Tage vom 31. Juli b i s io. August befristet. Rach der starken poiltischen Erregung, welche die Wahlzeit mit sich gebracht hat, soll das verbot den politischen Frieden fördern. Es ist der Wunsch des Reichspräsidenten und der Reichsregierung, daß nach durch- fochtenem Wahlkampf die politischen Leidenschaften wenigstens einige Tage lang ruhen sollen. Die letzten Wochen haben, wie der Bevölkerung bekannt ist, außerdem an den Dienst der Polizeibeamten so ungewönlich hohe Ansprüche gestellt, daß auch ihnen eine Ruhe- und Erholungspause gegönnt werden muß.
See Wortlaut bee Hetotbuuus
Berlin, 29. Juli. Auf Grund des Artikels 48 Abs. 2 der Reichsversassung wird folgendes verordnet:
§ 1.
Für die Zeil vom 31. Juli 1932 bis zum Ablauf des 10. August 1932 sind alle öffentlichen politischen Versammlungen verboten. Als politisch im Sinne dieser Vorschrift gelten alle Versammlungen, die zu politischen
Regierung hätte diesen Zustand länger dulden können, ohne ihre eigene Autorität aufzugeben.
Wie aus den Berichten der Presse bekannt ist, ist die Ordnung in ganz Deutschland nun wiederhergestellt. Die jetzige Regierung wird dafür sorgen, daß diese Ordnung unter keinen Umständen wieder gestört wird. Die vorläufige Ordnung der Dinge, die durch die Ernennung eines Reichskommissars 'in Preußen geschaffen wurde, war niemals als dauernd gedacht. Es ist weiter nichts als eine vorübergehende Maßnahme zur Beseitigung einer Rotlage. Kein einziger deutscher Staat wird in seiner Souveränität oder Unabhängigkeit beeinträchtigt werden. 2Bas wir erreicht Hak ^tt, ist die Wiederherstellung der Regierungs- autoritSl. Die kommenden Wahlen werden hoffentlich die von uns getroffenen Maßnahmen rechtfertigen. Seit meiner Ernennung zum Reichskanzler sind im Auslande Befürchtungen zum Ausdruck gekommen, daß diese Regierung die Errichtung einer Diktatur in Deutschland begünstigen könnte. Weder ich noch meine Kollegen in der Regierung werden einen solchen Schritt unterstützen.
Deutschland befindet sich jetzt mitten in einer Entwicklung. Als der Reichspräsident v. Hindenburg zum ersten Mal als Präsidentschaftskandidat ausgestellt war, schrieb eine amerikanische Zeitung: Hindenburg ist ein Symbol dasür, daß das deutsche Volk sich weigert, dauernd eine untergeordnete Stellung in Europa einzunehmen. Wenn man die Lage verstehen will, in der sich Deutschland befindet, so muß man sich darüber klar werden, daß der Urgrund aller Verzweiflung und Unzufriedenheit im Vertrag von Versailles liegt. Es gibt keinen Deutschen, der die Bestimmungen des Vertrages, die Deutschland in eine Stellung minderen Rechtes gebracht haben, als gerecht anerkennen würde. Dies trifft in erster Linie für die deutsche Jugend zu^ die infolge der jetzigen traurigen Wirtschaftslage den härtesten Entbehrungen ausgesetzt ist und umso we-
(Fortsetzung auf Seite 2)
Zwecken oder von politischen Vereinigungen veranstaltet werden.
8 2.
.Die Bestimmungen der II. Verordnung des Reichsministers des Innern über Versammlungen und Auszüge vom 18. Juli 1932 in der Fassung der III. Verordnung des Reichsministers des Innern über Versammlungen und Auszüge vom 22. Juli 1932 bleiben mit der Maßgabe unberührt, daß für die Zeit vom 31. Juli 1932 bis zum Ablauf des 10. August 1932 auch alle politischen Versammlungen unter freiem Himmel die in feslumfriedelen, dauernd für Massenbesuch eingerichteten Anlagen stallfinden sollen, verboten sind.
8 3.
Wer eine Versammlung, die nach den Bestimmungen dieser Verordnung verboten ist, veranstaltet, leitet, in ihr als Redner auftrift oder den Raum für sie zur Verfügung stellt, wird mit Gefängnis bestraft, neben dem auf Geldstrafe erkannt werden kann. Wer an einer solchen Versammlung teil- nimml, wird mit Geldstrafe bis zu 150 RM bestraft.
8 4.
Diese Verordnung tritt mit dem 31. Juli 1932 in Kraft.
Reudeck, den 29. Juli 1932.
(Folgen Uâschclslea^
Die tVoGe
Der Wahlkampf, der wochenlang mit einer beispiellosen Erbitterung geführt wurde, und die politischen Leidenschaften zeitweise zum Siedepunkt aufpeitschte, geht heute zu Ende. Morgen muß nun das Volk entscheiden. Als in der vorigen Woche die innerpolitische Entwicklung einen noch nie dagewesenen sich überstürzenden Verlaus nahm, da tauchten, hier und da Gerüchte auf, daß die Reichstagswahlen überhaupt nicht stattfinden würden, daß vielmehr eine Diktatur das Steuer in die Hand nehmen würde. Diese Möglichkeit bestand zweifellos, sie wäre auch sicher verwirklicht worden, wenn die von der Reichsregierung in Preußen ergriffenen Maßnahmen, die bekanntlich eine grundlegende Aenderung der Machtverhältnisse herbeiführten, in der Bevölkerung aktiven Widerstand gefunden hätten. Erfreulicherweise aber waren alle Parteien bemüht, der Reichsregierung keinerlei Handhabe zu geben, die ausgeschriebenen Wahlen abzusetzen; man ermahnte die Bevölkerung Ruhe und Besonnenheit zu wahren. Und diese Mahnung ist restlos befolgt worden. Durch die Aufhebung der Demonstrationsfreiheit traten auch die Bluttaten, die fast zu unserem täglichen Brot geworden waren, nicht mehr mit der erschreckenden Regelmäßigkeit auf, wie in den früheren Wochen und damit war auch die drohende Gefahr des schleichenden Bürgerkrieges mit ihrem furchtbaren Druck etwas von uns gewichen. Kurzum, man kann die Feststellung machen, daß in der letzten Woche vor dem Wahlsonntag die Lage entspannt war und es ist anzunehmen, daß auch der morgige Wahltag selbst in Ruhe verlaufen wird.
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Dieser Wahltag ist ein Großwahltag: noch niemals ist einem Wahlausgang — abgesehen von der Wahl zur Nationalversammlung — solche Bedeutung zugeschrieben worden, wie den morgigen Reichstagswahlen. Und dieser Bedeutung sollte sich morgen das gesamte deutsche Volk bewußt sein. Mehr denn je heißt es diesmal: Wahlrecht ist Wahlpflicht! Denn in dieser Wahl soll nicht nur über eine Einzelfrage und über ein einzelnes Problem des Staatsregiments entschieden werden, sondern es handelt sich um die grundlegende Struktur unseres ganzen deutschen Staatsgebäudes. Und bei einer solch wichtigen politischen Entscheidung darf kein Deutscher abseits stehen. Bei den bisherigen Wahlen war es immer so, daß das Riesenheer der Nichtwähler den entscheidenden Ausschlag gab, wie in Deutschland regiert wurde. Im September 1930 gingen rund acht Millionen Wähler nicht zur Wahlurne. Da auf 60 000 Stimmen ein Mandat fällt, waren damit nicht weniger als 133 Mandate verloren — und wie hätten diese Mandate sich auswirken können. Auch unsere engere Heimat der Wahlkre'is Hessen- Nassau, war an dieser Riesenschar der Nichtwähler nicht unbeteiligt. Bei der letzten Reichstagswahl betrug die Zahl der Wahlberechtigten 1 722 800, davon gingen 343 400 nicht zur Wahl. Es ist aber eine alte Erfahrung, daß gerade diejenigen am meisten über die politischen und wirtschaftlichen Zustände im Reich und Land schimpfen, die am Tage der Wahl zu Hause bleiben. Wer sich um die Erfüllung seiner Wahlpflicht herumdrückt, der handelt wie ein schlechter Soldat, der sich feig einen Druckposten sucht, wenn die Kompagnie zur Abwehr eines feindlichen Angriffs in den Schützengraben geht. Er ist ein feiger Deserteur der staatsbürgerlichen Front, und es wäre richtig, wenn eine Handhabe bestünde, diese politische Fahnenflucht durch Strafen zu ahnden.
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Aber nicht nur die Wahlenthattung gefährdet die einheitliche politische Willensbildung und damit die Durchführung einer sicheren, stetigen und starken Staats- und Wirtschaftsführung. Bei den letzten Reichst« gswablsn