Einzelbild herunterladen
 

General-Anzeiger für

Hanau Stadt und Land

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat »sR-pfg., für den ganzen Monat RM. 1.90 ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10 R-Pfg., Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Steife 8 R-Pfg.. im Reklameteil von 68 mm Breite 2» R-Pfg. /-Ossertengebühr 50 R-Pfg.

»e. 126

Srettag, de«

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau, ' Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Äezieher keinen Anspruch auf Liefemng oder Nachlieferung oder aus Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplahvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammerstr.9 / Feruspr. 3956,3957,3958

29. S«li

1932

iletet Preußen zur Keichsreform

A«ß-s««g von Landkreise« ««d Amtsgerichte« - Susammenlestms mehrerer Keichs und Prentzenministerie« in eine Sand beabsichtigt

fÄiwj«- %w^v^ww

Herr v. Gayl wird bei der Verfassungsfeier der lkeichsregierung die Festrede halten. .

Botschafter v. Hoesch wurde am Donnerstag von Ministerpräfib ent Herriot empfangen. Obgleich über ;ie Unterredung eine amtliche Verlautbarung nicht :erausgegeben wurde, nimmt man in unterrichteten - Greifen an, daß die Rundfunkrede General v. Schlei­hers Gegenstand eines eingehenden Meinungsaus- aufches gewesen ist.

* Oberleutnant Hentschel von der Flugpolizei Kassel hat gestern den deutschen Dauerrekord im Segelfliegen mit 16 Stunden 9 Minuten gebrochen. Der bisherige deutsche Rekord betrug 14 Stunden J Minuten.

*

Die Bergungsarbeiten an der gesunkenenNiobe", ste gestern den ganzen Tag über fortgesetzt wurden, sind gegen Abend vorläufig abgebrochen worden, werden aber heute fortgesetzt. Die Taucher sind jetzt damit beschäftigt, die Zugänge zum Schiffsraum freizumachen. Ueber die Hebung des Schiffes selbst ist noch keine Entscheidung getroffen.

* Der Hessische Landtag behandelte am Bonners« tag den nationalsozialistischen Antrag, die Ver­fassung dahin zu ändern, daß das Gssamt- minifterium auch aus dem Staatspräsidenten allein bestehen könne. Der Antrag wurde ab gelehnt.

Ministerpräsident Herriot sandte zum Untergang derNiobe" an den Reichskanzler ein in warmen Worten gehaltenes B/'leidstelegramm, auf das der Reichskanzler mit Worten des Dankes geantwortet " hat. *

Die von polnischen Blättern verbreiteten Ge­rüchte, daß der Kommissar des Völkerbundes in Danzig Graf Gravina in kürzester Zeit zurücktreten und durch den Leiter des Saar- und Danzigreferats im Völkerbundsrat, den Dänen Rosting, ersetzt werde, werden von der Informationsabteilung des Dölkerbundssekretärs als gegenstandslos bezeichnet.

*

Die österreichische Regierung hat gestern durch ihren diplomatischen Vertreter erklären lassen, daß Oesterreich dem französisch-englischen Vertrauens­abkommen beizutreten wünsche.

Aus Sillen (Tschechoslowakei) wird gemeldet: In einer Ortschaft bei Krig ereignete sich eine Benzin­explosion, die 6 Todesopfer forderte. In seinem Keller war der Kaufmann Knöpfelmacher mit dem Einfüllen von Benzin beschäftigt, wobei ihm eine Hausangestellte mit offenem Licht behilflich war. Die Benzingase entzündeten sich und es kam zu einer furchtbaren Explosion. Die Decke des Hauses stürzte zusammen, 6 Personen wurden getötet, 9 schwer und

15 leicht verletzt.

*

Die französische Militärmission hat gestern nach zweijähriger Ausbildungstätigkeit Polen verlassen.

*

Zu Beginn der gestrigen Sitzung des öster­reichischen 'Nationalrates wurde bei der neuerlichen Abstimmung über das vom Bundesrat kürzlich an das Haus 'zurückverwiesene Bankenaesetz ein von den Sozialdemokraten gestellter Zusatzantrag mit den Stimmen der Großdeutschen paragraphenweise angenommen. Die Niederlage der Regierungs­parteien, die für die sehr unsichere Mehrheit des Kabinetts Dollfuß bezeichnend ist, hatte ihr Ursache in gegensätzlichen Stellungnahmen von drei Mit­gliedern des Heimatblockes zum Anlechevertrag, die , zum Protest gegen die von der Parteileitung be­schlossene Annahme des Anlechsvertrages inzwischen sogar ihre Mandate niedergelegt haben.

*

Dor dem Ständigen Internationalen Gerichtshof begann gestern vormittag die öffentliche Verhand­lung über den Antrag der norwegischen Regierung auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung, durch die der dänischen Regierung jedes gewaltsame Vor­gehen gegen norwegische Staatsangehörige in dem umstrittenen Gebiet von Südostgrönland unter­sagt werden soll. *

Aus Rio de Janeiro wird gemeldet: Regierungs­truppen in Stärke von 8000 Mann haben in einem Gefecht bei Faxina 350 Aufständische gefangen genommen. Der Präsident des Bundesstaates Rio Grande do Sul soll beschlossen haben, den Staat Sao Paulo gegen die Regierung des Präsidenten Dargas zu unterstützen.

*) Näheres siehe politischen Teil.

Auftakt für die «eichSrefarm

B e r l i n, 28. Juli. Die kommissarische preußische Regierung hat beschlossen, eine be­trächtliche Anzahl von Landkreisen und Amtsgerichten aufzuheben. Reben diesen Einspa­rungen in der lokalen Instanz, so heißt es in einer amtlichen Erklärung, stehen weitere Maßnahmen mit dem Ziel einer Konzentration in der Zentralinslanz bevor.

SovtSuftse amtliche Ankündigung

beau

Dr.

Berlin, 28. Juli. Der mit der Wahrneh­mung der Geschäfte des preußischen Innenministers lftragte Bevollmächtigte des Reichskommissars, Bracht, gibt bekannt:

In Ausführung der zweiten preußischen Spar­notverordnung vom 23. 12. 31 sind durch Verordnung des Slaatsministeriums vom 27. Juli eine größere Anzahl von Landkreisen und Amtsgerichten eingespart worden. Die Einzelheiten dieser Verordnung können zurzeit noch nicht bekannt gegeben werden, da mit Rücksicht auf den Umfang des Gesetzgebungswerkes, das über einen Bogen omfaßt, sich eine Veröffentlichung in so kurzer Frist technisch nicht durchführen läßt; ins. besondere auch deshalb, weil die Publikation ein­zelner Teile der Verordnung nicht den erforder­lichen Gesamtüberblick geben würde und daher zu Wißverständlichkeilen und falschen Schlüssen führen könnte.

Abgesehen von diesen Einsparungen in der Lo- kalinstanz stehen weitere Maßnahmen mit dem Ziele einer Konzentration in der Zen­tralinstanz bevor. Mit der Reichsregierung sind Verhandlungen über eine engere Zusam­menarbeit und zweckmäßigere Aus­teilung der Aufgaben zwischen Reich und Preußen eingeleitet. Bei diesen Verhand­lungen wird die Frage im Vordergrund stehen, ob die unter dem Zwang der Verhältnisse durch die Verordnung vom 8. Juni 1932 auferlegten drückenden Lasten wieder beseitigt oder wenigstens gemildert werden können.

58 Beeise werden aufgelöst

Berlin, 28. Juli. Die Absicht der preußischen Staatsregierung, im Zuge der Verwaltungsreform auch eine Reihe von Kreisen zusammenzulegen es handelt sich um 5 8 preußische Kreise, die aufgelöst werden sollen, stützt sich auf Vorarbei­ten der früheren preußischen Regierung, die be­kanntlich in der ersten preußischen Notverordnung

vor den Preuhenwahlen diese Absicht zum Aus­druck gebracht hatte. Einzelheiten, die schon jetzt hierüber in der Oeffentlichkeit erörtert werden, sind jedoch nicht als authenisch anzusehen, sie stützen sich vielmehr durchweg auf mehr oder weniger nahe­liegende Vermutungen. Bevor die neue Verord­nung nicht veröffentlicht ist, kann nur so viel mit­geteilt werden, daß die meisten Zusammenlegungen in der Provinz Hannover erfolgen sollen, mit dem Ziel, die dort vorhandenen 56 Kreise durch Verminderung um etwa zwei Dittel der Größe der übrigen preußischen Kreise anzupassen. Geringe Zusammenlegungen sollen darüber hinaus auch in Schlesien und in Sachsen erfolgen, dagegen nicht in Oberschlesien. Auch für die west­lichen preußischen Provinzen dürften neue Verän­derungen nicht vorgesehen sein.

wird am Freitag der Präsider . ßanbgemeinben, Landrat a. D. G e r e k e, eine Un­

Wie verlautet,

Präsident der preußischen

terredung mit dem stellvertretenden Reichskommissar für Preußen, Dr. Bracht, in dieser Angelegen­heit haben.

Die Auswirkungen tn Hessen-Nassau

Ueber die Auswirkungen der von dec kommis­sarischen preußischen Regierung vorgenommenen Flurbereinigung aus die Provinz Hessen- Rassav und besonders den Regierungs­bezirk Kassel erfährt die Berliner Schrift-

eitung desKasseler Tageblattes", daß die 3 u -

ammenlegung folgender Landkreile tattsinden soll: Zusammengelegt werden die Kreise Fulda und Gersfeld mit dem Sitz in Fulda. Fritzlar, und Homberg mit dem Sih in Fritzlar, Landkreis Kassel und Wolfhagen mit dem Sih in Kassel, Warburg und Kirchhain mit dem Sih in Kirchhain, Biedenkopf und Dillenburg mit dem Sitz in Biedenkopf. Ferner verliert der Re­gierungsbezirk Kassel den Kreis Schmalkalden, der zur Provinz Sachsen geschlagen wird und den Kreis Fürstentum Schaumburg, der zur Provinz Hannover geschlagen wird. Als Aus­

gleich erhält die Provinz Hessen-Rassau den Kreis Wetzlar.

Die drei Kreise in Waldeck werden nicht zu- sammengelegt, trotzdem als allgemeine Richtlinie

Mitttäv gegen die amerikanitchen Veteranen

Die amerikanischen Bundestvuvven gehen mit Tväuen- Sin Veteran gethtet Mehrere

gAs^omben $0$ Pevkone« schwer vevketzt

Vafhinglon, 28. Juli. Die Behörden haben die Einsetzung von Bundeslruppen an- geordnet. nachdem der Versuch der Polizei mißlungen war, die hier noch anwesenden, für die Auszahlung des Bonus demonstrierenden Kriegsveteranen zur Räumung des von ihnen als Unterkunft benutzten Hauses zu bewegen. Die Auseinandersetzungen zwischen der Poli­zei und den Veteranen waren erst in Schlägereien, sodann in Schießereien ausgeartet.

Ueber das Vorgehen der amerikanischen BuNdes- tnuppen liegen folgende Meldungen vor:

Washington, 28. Juli. Etwa 200 Mann Kavallerie, eine Maschinengewehrabteilung, ein Ba­taillon Infanterie und 5 Tanks aus verschiedenen benachbarten Forts find in der Rähe des Weißen Hauses konzentriert. Die Bundeslruppen sind an- gewiesen, mit der Polizei zusammenzuwirken, um das weite Gebiet in der Rähe des Capitols, wo die Veteranen verschiedene unbewohnte, der Regierung gehörige Häuser als Unterkunft benutzen, zu säu­bern.

Washington, 28. Juli. Die Bundeslruppen haben ihre Säuberungsattion des Regierungsvier­tels vorläufig erfolgreich durchgeführt. Mit blanker Waffe räumten berittene Truppen die Pennsylvania- Avenue, die das Capitol mit dem Weißen Haus verbindet. Sie machten vor dem Gebäude Holt, in dem noch eine Anzahl von Veteranen Widerstand leistete. Der Kavallerie folgten Tanks und zum Schluß eine Maschinengewehrabteilung. Einige der aufrührerischen Veteranen packten darauf ihr Bün­del und machten sich aus dem Staube, andere lei­steten dem Befehl zur Räumung keine Folge. Eine Kompagnie Infanterie ging mit gefälltem Seiten­gewehr vor und vertrieb einen Trupp Veteranen von dem von ihnen besetzten Gebiet. Eine Gruppe

Versassnngsândevnng in Hessen abseiehnt Nev Landtag auf ««bestimmte Leit vevtast

D arm st ad l, 28. Juli. In seiner heutigen Sitzung behandelte der hessische Landtag auch einen nationalsozialistischen Antrag, die Verfassung da­hin zu ändern, daß das Gesamtministerium auch aus dem Staatspräsidenten allein bestehen kann. In der Aussprache wurde vom Staatspräsidenten Adelung erklärt, daß dieser Antrag praktisch un­durchführbar sei, da bei der heutigen politischen Erregung ein einziger Minister die parlamentarische Verantwortung für ein Land wie Hessen allein nicht I ragen könne. Selbst in Oldenburg, das ein Drit- el kleiner sei als Hessen, hätten die Rational- ozialislen drei Minister eingesetzt. Der Antrag sand ediglich die Unterstützung der antragskellenden Ra- ionalsozialisten, sowie des deutschnationalen und Landbundsabgeordneten, so daß die notwendige Zweidrittelmehrheit nicht erreicht wurde.

*

Darmstadt, 28. Juli. Der Hessische Landtag, der mit dem Gedenken an den schweren Verlust, der unserer Reichsmarine durch den Verlust der Niobe" entstanden ist, eröffnet wurde, behandelte zunächst einen nationalsozialistischen Antrag, Aus­kunft über die Strafunterbrechung des Abgeordneten Hammann (Komm.) zu er­halten. Abg. Dr. Barth (Natsoz.) erklärte, es hätte demokratischem Brauch entsprochen, vor der

der Verschmelzung von Kreisen eine Einwohnerzahl von 20 000 angenommen worden ist. Waldeck hat sich aber bekanntlich durch den Vertrag mit Preu­ßen für fünf Jahre gegen die Zusammenlegung sei- ner drei Kreise gesichert.

Vo nden 60 Amtsgerichten, die in Preu­ßen zusammengelegt werden, entfallen auf den Oberlandesgerichtsbezirk Kassel allein rund 17, und zwar folgende Amtsgerichte: Zierenberg, Decker- Hagen, Wanfried, Vöhl, Riederaula, Retra, Ren- iershausen, Weerholz, Burghaun, Bischhausen, Birt stein, Bieber, Amöneburg, Abterode, Schwarzenfels, Rauschenberg.

die die Infanterie im dichten Haufen vor sich her trieb, weigerte sich, weiter zu gehen. Daraufhin schleuderten die Truppen, nachdem sie sich mit Gas­masken ausgerüstet hatten. in die schreiende und johlende Waste Tränengasbomben und trieb sie mit Gewalt weiter. Richt nur die Veteranen. sondern auch die Polizei verließen fluchtartig bei dem raschen Vorgehen der Infanterie die vergaste Gegend. vielen Zuschauern und Polizisten trän­ten infolge der Wirkung der Gasbomben heftig die Augen.

Washington. 28. Juli. Den mit Gas- masken ausgerüsteten Bundeslruppen gelang es. die öffentlichen Gebäude und die Straßen von den widerspenstigen Veteranen zu säubern.

Die Dyfee

Washington. 29. Juli. Bei den gestrigen Zusammenstößen mit den Veteranen wurde ein Kriegsveteran durch Schüsse getötet und Zwei schwer verwundet. Ein weiterer wurde durch Säbelhiebe schwer verletzt. Auf Seiten der Polizei wurde ein Beamter durch Steinwürfe schwer verletzt und ein Unteroffizier hat eine Brandwunde an der hand davongetragen. Außerdem erlitten mehrere Per­sonen Gasvergiftung.

Haftentlassung Hammanns erst das Parlament zu befragen. Ministerialrat Dr. Metz erwiderte, der Abgeordnete Hammann sei nicht aus ehrloser, son­dern wegen einer politischen Handlung verurteilt worden. Abgeordneter Schülz (Z.) betonte, das Ministerium habe in diesem Falle vollkommen ge­recht und unparteiisch gehandelt. Staatspräsident Adelung erklärte, wenn die Nationalsozialsten konsequent sein würden, hätten sie der Regierung einen Vorwurf machen müssen, wenn der Abge­ordnete nicht sofort aus der Haft entlassen worden wäre. Nach dem alten und dem neuen Amnestie­antrag der Nationalsozialisten hätte dem Abge­ordneten Hammann statt Strafunterbrechung sogar Straffreiheit gewährt werden müssen. Abg. Jung (Natsoz.) sieht in den Ausführungen der Vor­redner nur Heuchelei derSystemparteien". Trotz der Zusicherung des Zentrums, Minister Leuschner werde nach dem 31. Juli nicht mehr amtieren, sitze Herr Leuschner noch immer auf der Ministerbank. Abg. Hoffmann (Z.) erklärte, er verbitte sich die schamlosen Unterstellungen des Abg. Jung, die-

Die heutige Kummer umfaßt 44 Setten